Zentralfriedhof Wien

Der Wiener Zentralfriedhof wurde 1874 eröffnet und zählt mit einer Fläche von fast 2,5 km² und rund drei Millionen Bestatteten zu den größten Friedhofsanlagen Europas. Er gehört aufgrund seiner vielen Ehrengräber, der Jugendstil-Bauwerke und des weitläufigen Areals zu den besonderen Sehenswürdigkeiten der Stadt Wien.

Haupteingang Tor 2, direkt bei den Arkaden und Ehrengräbern.

Unter den Alten Arkaden beim Tor 2.

In diesem Grab liegen August Zang (1807 - 1888) und sein Vater, Dr. Christof Bonifaz Zang († 1835) begraben. Die Zangsche Gruft, aus schwarzgrünem Serpentin gebaut, ist ein durchaus urwüchsiges Werk. Zum Stollen(Gruft)eingang führen Stufen, flankiert von zwei Gnomen mit Schild und Laterne. Auf den Stufen sitzt ein Mann, der triumphierend gesprengte Ketten in einer Hand hält - für die siegreiche Revolution 1848 - und in der anderen Hand eine Schrifttafel mit der Inschrift: 'Die Presse'; Motto: Gleiches Recht für alle. Gegründet von August Zang.

Mit dabei das Nikkor 14-24/2.8, ein echt cooler Abdeckungswinkel.

1879 wurde der Baubeschluss für die 36 Arkadengrüfte gefasst, bereits zwei Jahre später, 1881, war die Anlage, ein Ziegelrohbau im Neo-Renaissance-Stil, fertiggestellt. Die rasche Fertigstellung geht wahrscheinlich auf die Tatsache zurück, dass der Bau ausschließlich aus privaten Mitteln finanziert wurde. Dementsprechend ließ sich hier das vornehme, reiche, geadelte Bürgertum der Ringstrassenzeit beisetzen.

Die Alten Arkaden flankieren die Hauptachse, ca. 100 Meter vom Haupteingang, Tor 2, entfernt. Die Gruftanlage nimmt 36 Grabstätten auf. Die Arkaden erhielten eine allgemeine malerische Grundausstattung, die Deckengewölbe konnten von den Familien individuell gestaltet werden.

Philipp Haas (Großindustrieller und Teppichhändler, 1791 - 1870)
Eduard Haas, Ritter von Teppichen, 1827 - 1880, dessen Sohn
Philipp Haas, Freiherr von Haas-Teichen, 1859 - 1926, dessen Sohn

Grabmal Cajetan Miserowsky (Architekt, Stadtbaumeister, * 01.07.1849 - † 16.01.1910)

Familie E. A. Ziffer

Ludwig Anzengruber (Schriftsteller, 1839 - 1899)

Franz Freiherr von John (* 20. 11. 1815 Bruck an der Leitha, † 25. 5. 1876 Wien) war Heerführer.

Karl Freiherr von Hasenauer (* 20. Juli 1833 Wien, † 4. Jänner 1894 Wien) war ein bedeutender österreichischer Architekt des Historismus in Wien, insbesondere der Wiener Ringstraße, schuf Monumentalbauten in effektvollem Neubarock.

Franz Schubert (Komponist 1797 - 1828)

Ludwig van Beethoven (Komponist 1770 - 1827)

Carl Meißl (Stadtrat, 1829 - 1894)

Karl-Borromäus-Kirche von Max Hegele und Präsidentengruft auf dem Wiener Zentralfriedhof. Unmittelbar vor der Karl-Borromäus-Kirche befindet sich die Präsidentengruft, in der seit 1951 die Bundespräsidenten der Zweiten Republik mit allen Ehren beigesetzt werden.

Präsidentengruft - Ehrengräber der Bundespräsidenten
Die Gruftanlage ist ein vertieftes, mit Schieferplatten ausgelegtes Rondeau.
In der Mitte steht ein ein steinerner Sarkophag. An dessen Oberseite ist das Bundeswappen von Österreich angebracht, an der Vorderseite steht der Name des ersten beigesetzten Bundespräsidenten: Dr. Karl Renner.
Vor dem Sarkophag liegt am Boden die Gruftplatte. Diese wird bei Begräbnissen angehoben, Treppen führen hinunter zu einem kreisrunden Raum. In der Wand befinden sich die Nischen, wo die Verstorbenen in Urnen- oder Sargform beigesetzt werden.

Innenansicht der Kirchenkuppel der Karl-Borromäus-Kirche.

Die Karl-Borromäus-Kirche am Wiener Zentralfriedhof Von 1908 bis 1910 errichtet, zählt sie heute zu den bedeutendsten Jugendstil-Kirchenbauten. Glasfenster und Wandmosaike stammen von Leopold Forstner, der nach seinen Entwürfen in den Kuppelpendentifs die vier Evangelisten darstellte und die Eingangsbereiche zu den Seitenkapellen gestaltete.

Unter dem Hauptaltar befindet sich die Gruft des 1910 verstorbenen Wiener Bürgermeisters Karl Lueger, welcher 1908 den Grundstein für die Kirche gelegt hatte, weshalb die Kirche auch unter dem Namen Dr.-Karl-Lueger-Gedächtniskirche bekannt ist. Rechts: Kellerabgang der Karl-Borromäus-Kirche.

Ob diese Hilda in jungen Jahren wohl ihrer Sucht zum Opfer fiel?

Der Zahn der Zeit nagt auch an dieser Gruppentafel, die wird aber noch ein Weilchen durchhalten.

Alfred Hrdlicka (Bildhauer und Grafiker, 1928 - 2009)
Die ungewöhnliche Grabstätte von Bildhauer Alfred Hrdlicka und seiner Gattin Barbara liegt unweit von Tor 2, ganz in der Nähe vom Beethovengrabmal. Die Skulpturen fallen auf. Sie sind ein Blickfang. Sie sorgen bei so manchen Friedhofsbesuchern für Erstaunen und Diskussionen. (Die Friedhofsverordnung hält übrigens fest, dass das Betreten von femden Gräbern verboten ist).

1994 wurde hier die Ehefrau des Bildhauers, Barbara Hrdlicka, begraben, 2009 folgte er ihr nach.
Der Grabstein (Bronzeausführung, 2008 aufgestellt) zeigt einen Frauenköper, der sich mit dem Tod vereint. Der Tod ist als Skelett dargestellt, welches den Frauenköper festhält, zu sich zieht, sich auch intim mit ihm vereinigt. "Sie hat mich verlassen, jetzt betrügt sie mich mit dem Tod." Gleichzeitig wird auch der Kreislauf des Lebens dargestellt: der Geschlechtsakt steht für die Geburt, der Frauenkörper für das Leben und das Skelett für den Tod.

Die Frau trägt auf ihrem rechten Fuß einen Stöckelschuh mit breitem Absatz, vielleicht ein Fetisch des Künstlers - auch seine späteren Lebenspartnerinnen trugen solche Schuhe. Auf der Grabplatte liegt eine nackte, männliche Figur, sie scheint sich vor Schmerzen zu winden (Abschiedsschmerz), versucht sich aufzubäumen (gegen den Tod) und kommt doch nicht an gegen die Endlichkeit.

Der linke Arm und das linke Bein sind nur ansatzweise ausgeführt ("es fehlt die bessere Hälfte"). Die linke Hand ist kämpferisch zur Faust geballt und umschließt den Schaft eines Hammers, dem der Schlagteil fehlt (sein irdisches Werk ist beendet).

Der Männertorso entstand lange vor der Aufstellung hier am Grab, im Jahre 1965. Die Signatur befindet sich am rechten Oberschenkel. Hrdlicka hat sich für seine Figur einen delikaten Blickpunkt ausgesucht: der Kopf schaut direkt hinauf zum Gesäß der Frauengestalt. Hrdlicka: "Ich bin ein pornografischer Mensch, alle Kunst geht vom Fleisch aus."

Josef Erich "Joe" Zawinul (Musiker, 1932 - 2007)
Er war einer der einflussreichsten Jazz-Musiker des 20. Jahrhunderts. Als Pianist, Keyboarder, Komponist, Bandleader und Arrangeur prägte er mehrere Jahrzehnte lang die internationale Musikszene. Bereits im Jahr 1966 schrieb er für Julian „Cannonball“ Adderley den Hit Mercy, Mercy, Mercy. 1969 komponierte er für Miles Davis das Titelstück seiner LP In a Silent Way, an der er genauso entscheidend beteiligt war wie an dessen 1970 veröffentlichter LP Bitches Brew – beide Alben gelten als entscheidende Wegmarken bei der Entwicklung des Fusion-Jazz.

Die Urnen mit der Asche Joe Zawinuls und seiner Frau Maxine ruhen nun unweit der Präsidentengruft. Auf dem Grab stand zunächst nur ein Holzkreuz mit der Inschrift: Joe Zawinul 1932–2007. Maxine Zawinul 1941–2007. Inzwischen gibt es einen schlichten, an einen Felsen erinnernden Grabstein mit den Namen der beiden in ihrer persönlichen Handschrift.

Feuerhalle Simmering
ein Krematorium mit angeschlossenem Friedhof im 11. Wiener Gemeindebezirk Simmering. Sie wurde am 17. Dezember 1922 als erstes österreichisches Krematorium eröffnet.

Vor allem religiöse Gründe verhinderten lange Zeit die allgemeine Anerkennung der Leichenverbrennung. Noch 1892 verbot die Kirche unter Androhung der „Exkommunikation“ die Verbrennung von Leichen und verweigerte Sterbenden, die sich verbrennen lassen wollten, die Sakramente. Trotzdem entstanden in Europa und Nordamerika ab 1873 Krematorien. Die katholische Kirche änderte erst 1963 das Kirchenrecht, und 1966 stellte die Erzdiözese Wien endlich die Feuerbestattung der Erdbestattung gleich. Nur die Verbrennung von Lebenden war erlaubt!

Die ersten Krematorien entstanden 1873 in England, 1876 in Mailand und Washington und 1878 in Deutschland, in Gotha. Dieses erste Krematorium Deutschlands hatte in intellektuellen Kreisen lange Zeit einen besonderen Ruf. So ließ sich auch die Friedensnobelpreisträgerin Berta von Suttner, die 1914 in Wien starb, in Gotha verbrennen, da eine Feuerbestattung in Österreich damals noch nicht möglich war.

Das auf dem Gelände des Neugebäudes, eines ehemaligen Kaiserschlosses aus dem 16. Jahrhundert in Simmering, 1922 erbaute Krematorium nach Plänen von Clemens Holzmeister (1886 bis 1983) gilt heute als Österreichs bedeutendster "expressionistischer" Bau. Holzmeister erhielt damals den Auftrag, da sich sein Entwurf "Zinne" in seiner Grundhaltung dem auf diesem Gelände stehenden Schloss "Neugebäude" anlehnt. Für Holzmeister war der Bau nach eigenen Worten "das erste Monumentalwerk seines Lebens" und bedeutete seinen Durchbruch als Architekt. Mit dieser Feuerhalle legte er den Grundstein für seine jahrzehntelange erfolgreiche Karriere in Österreich. Der Umbau und die Erweiterung des Krematoriums 1965 bis 1969 erfolgte ebenfalls nach Plänen von Clemens Holzmeister.

Aktuell stehen in Österreich zur Einäscherung elf Feuerhallen zur Verfügung. Etwa jeder fünfte Tote wird heute in Österreich feuerbestattet. Pro Tag werden in der Feuerhalle etwa 20 Tote kremiert. Zu Ferienbeginn häufen sich die Särge im Kühlraum, denn da bringt die Medizinische Universität jene Verstorbenen, die den eigenen Körper der Anatomie gespendet haben. Rauch sieht man über der Anlage nicht aufsteigen, höchstens dann einmal, wenn viele verstorbene Krebs-Patienten eingeäschert werden – die Chemie hinterlässt ihre Spuren.

In jeder Nische stand ein Sarg. Die Pompfüneberer wiesen darauf hin, dass das Fotografieren der Särge (und Angehörige) nicht erwünscht sei.

Die Weitwinkelaufnahmen der Innenräume sind mit Nikon D3s und 14-24/2.8 entstanden, BKT mit 5 Aufnahmen bei Blendendifferenz 1.0 und CH aus der Hand (Stativ hing an der Schulter). Zusammengeschustert mit Photomatix Pro.

Ach übrigens, der Ausdruck 'Pompfüneberer' bedeutet 'uniformierter Bestatter'.
Herkunft: franz. pompes funèbres = Bestatter
Aussprache: Båmfinäwara

Mächtig und prachtvoll wirkt das Krematorium Simmering von außen, ein Bau von Clemens Holzmeister. Klein und versteckt ist dagegen sein eigentliches Herzstück, der Verbrennungsraum. Man gelangt zu ihm von der Hinterseite, wo er direkt unter der Abschiedshalle liegt. Die vier Öfen der Feuerhalle Simmering werden über Heizspiralen aufgeheizt, auf so hohe Temperaturen, dass sich der hineingefahrene Sarg sofort entzündet.

Die Leichenverbrennung dauert etwa eineinhalb Stunden, bei korpulenten Personen auch etwas länger. Die gewonnene Asche ist noch nicht die eigentliche Leichenasche. Erst muss sie von der Holzasche getrennt werden, was über ein Rüttelsieb und Luftabzug geschieht. Dann werden die Metallteile sowohl vom Sarg (Nagel) als auch vom Menschen (Herzschrittmacher) mit einem Magneten entfernt. Schließlich kommt die Asche in eine Mahlmaschine, um die größeren Knochenstücke zu zerkleinern. Heraus kommt das Endprodukt, die 2-3,5 kg schwere Leichenasche, fein wie Sand. Im letzten Schritt wird die Leichenasche in eine sogenannte Aschenurne gefüllt, zusammen mit einem nummerierten Schamotteplättchen, das der einwandfreien Identifikation dient.

Technisch gesehen sind Krematoriumsöfen so genannte Muffelöfen, wie sie auch beim Brennen von Keramik verwendet werden. Bei dieser Art Öfen kommt das Brenngut, bei Krematoriumsöfen also die Leiche nicht direkt mit den Flammen in Kontakt. Die Verbrennung in der Einäscherungskammer erfolgt nur durch heiße Luft bei einer Temperatur um 1.000 Grad Celsius. Bei dieser Temperatur wird der Leichnam zunächst dehydriert und entzündet sich dann von selbst. Die staub- und geruchsfreie Verbrennung ist vollständig. Es bleibt praktisch nur ausgeglühte weiße Asche übrig. Die leichtere Holzasche des Sarges wird durch Luftzug von der Leichenasche getrennt.

Urnenwand neben dem Krematorium.

Der Portier - eine aussterbende Spezies. Eingangstor zum Krematorium.

Die Simmeringer Hauptstraße vor Tor 2 mit der Straßenbahn 'Bim' Linie 71.

Tor 2 von der Innenseite, die Säulen sind beschriftet mit 'Errichtet unter der Regierung Kaiser Franz Josef I' links und 'Erbaut unter dem Bürgermeister Doktor Karl Lueger im Jahre 1905' rechts.

Nochmals die Karl-Borromäus-Kirche aus Sicht der Ehrengräber.

Noch ein paar Gräber von Berühmtheiten:

Franz Freiherr von Wertheim (Industrieller, 1814 - 1883) - Carl Ritter von Ghega (Techniker, Ingeneur, 1802 - 1860)

Johannes Brahms (Komponist, 1833 - 1897) - Johann Strauss Sohn (Komponist, 1825 - 1899)

Johann Strauss Vater (Komponist, 1804 - 1849) - Alfred Grünfeld (Komponist, 1852 - 1924)

Arnold Schönberg (Komponist, 1874 - 1951) - Wolfgang Amadeus Mozart (Komponist, 1756 - 1791)

Es handelt sich hier allerdings nicht um die Grabstätte Mozarts, sondern um ein Denkmal. Mozart war auf dem St. Marxer Friedhof bestattet worden - keiner weiß, wo genau. Das Grab auf dem Zentralfriedhof ist jedenfalls leer.
Beigesetzt wurde der große Komponist in einem allgemeinen Grab am Sankt Marxer Friedhof. Seine Witwe besuchte das Grab zum ersten Mal erst nach 17 Jahren. 1855 wurde der Standort seines Grabes so gut wie möglich bestimmt und 1859 an der vermuteten Stelle ein Grabmal errichtet, das später von der Stadt Wien in die Gruppe der Musiker-Ehrengräber am Zentralfriedhof (32 A-55) übertragen wurde. Auf der alten freigewordenen Grabstelle wurde in Eigeninitiative des Friedhofswärters Alexander Kugler abermals eine Mozart-Gedenktafel errichtet, die mit der Zeit aus Spolien anderer Gräber zu einem Grabmal ausgebaut wurde und heute eine viel besuchte Sehenswürdigkeit ist.

Ehrenbezeugung aus Japan.

Anton Benya (Politiker, 1912 - 2001) - Dr. Helmuth Zilk (Politiker, 1927 - 2008)

Curd Jürgens (Schauspieler, 1915 - 1982) - Leon Askin (Schauspieler, 1907 - 2005)

Helmut Qualtinger (Schauspieler, 1928 - 1986) - Karl Farkas (Schauspieler, 1893 - 1971)

Theo Lingen (eig. Franz Theodor Schmitz) (Schauspieler, 1903 - 1978) - Ernst Jandl (Schriftsteller, 1925 - 2000)

Weiter geht es von den Ehrengräbern bei der Karl-Borromäus-Kirche Richtung Osten durch die wundervolle Parkanlage.

Der Zentralfriedhof zählt zum östlichen Grüngürtel von Wien. Aufgrund seiner Größe und des zum Teil dichten Baumbestandes beherbergt er eine vielfältige Fauna. Am häufigsten zu beobachten sind die vielen Eichhörnchen, die von den Wienern "Hansi" genannt werden und vergleichsweise zutraulich sind, da sie von Friedhofsbesuchern oft mit Nüssen gefüttert werden. Weniger bekannt sind die größten "tierischen Bewohner" des Friedhofs, rund 20 Rehe, die vorzugsweise auf dem Areal des alten jüdischen Friedhofs anzutreffen sind, nicht zuletzt wegen der dort um die alten Grabsteine wachsenden immergrünen Pflanzen, die vor allem in den kälteren Jahreszeiten eine verlässliche Futterquelle sind. Darüber hinaus bietet der Zentralfriedhof Lebensraum für Turmfalken, Feldhamster, Dachse, Marder, Frösche und andere Kleintiere.

Bis Mitte der 1980er Jahre war das Friedhofsgelände sogar offizielles Jagdgebiet und der Wildbestand wurde durch einen von der Forstverwaltung eingesetzten Jäger kontrolliert. Heutzutage wird versucht, das ökologische Gleichgewicht auch ohne Einsatz von Gewehren zu bewahren, u. a. durch die Umweltschutzabteilung der Stadt Wien, die mit ihrem Arten- und Lebensraumschutzprogramm Netzwerk Natur dafür sorgt, dass abgesehen von den gepflegten Alleen und Gräberreihen auch verwilderte, naturnahe Bereiche erhalten bleiben.

(Letzte) Ruhestätte

Die Beschilderung kennt die Gruppe 40 bis heute nicht, aber ein Fan hat es auf die Säule geschrieben -> die Richtung zur Grabstätte von Falco.

1957 wurde Hans Hölzel in Wien geboren. Er war das einzige überlebende Kind einer Drillingsschwangerschaft. Seine Eltern ließen sich früh scheiden. Als 4-jähriger bekam er sein erstes Klavier. Bereits in einigen Bands spielend besuchte er das Wiener Musikkonservatorium. Aber nur ein Semester lang. Dann verließ er Wien und ging 1977 nach Berlin, wo er sich seinen Künstlernamen zulegte: Er war vom DDR-Skispringer Falko Weißpflog so beeindruckt, dass er entschloss sich von nun an Falco zu nennen.

Zurück in Wien spielte Falco 1980 als Bassist in der Band Drahdiwaberl. Sein erster Kulthit 'Ganz Wien' war eigentlich nur als Pausenfüller gedacht gewesen. Im selben Jahr produzierte er "Der Kommissar". Die Single verkauft sich weltweit 7 Millionen mal.
Bekannt wurde Falco auch als Exzentriker. So schützte er seine Designerkleidung bei Auftritten durch Plastiküberzüge vor Beschädigungen. 1986 erlebte er seinen größten Erfolg: die Single Rock me Amadeus war für drei Wochen auf Platz 1 der US-Charts.
Ende 1987 brachte Falco zusammen mit Brigitte Nielsen die Single Body Next to Body heraus, die sich als Flop entpuppte.

Sein letztes Konzert gab Falco auf einer Weihnachtsfeier der Lauda Air im Dezember 1997. Der Wiener Musiker Hans Hölzel starb zwei Monate später mit 40 Jahren an den Folgen eines tragischen Autounfalls in der Dominikanischen Republik. Seine sterblichen Überreste wurden von der Lauda-Air 'James Dean' nach Wien überführt. Beigesetzt wurde er am 14. Februar 1998.

Ein Grabmal der Superlative: Falco war der Größte, und so wurde ihm auch das höchste Grabmal zusgestanden: der Obelisk ist drei Meter hoch und überragt die umliegenden Gräber um einiges. Falcos Grab ist fast dreimal so breit wie das seines Nachbarn Wolfgang Kraus. Die weiteren neben Falco ursprünglich vorgesehenen Grabstellen werden voraussichtlich nicht mehr belegt werden.

Der Obelisk in seiner perfekt gearbeiteten, klassischen Form wirkt kraftvoll und unnahbar - im alten Ägypten stellte ein Obelisk die steingewordenen Strahlen des Sonnengottes dar, sowie die Verbindung zwischen der diesseitigen und der jenseitigen Welt.

Die 2,30 Meter hohe Panzerglasscheibe zeigt die lebensgroße Figur des Musikers. Vorbild für die im Siebdruck hergestellte Darstellung war ein Foto von der Konzerttour "Nachtflug", so wie es ähnlich auch auf dem Cover vom Album "Nachtflug", 1992 erschienen, zu sehen ist. Die Glasplatte in Form eines abgebrochenen Tonträgers (CD) symbolisiert das Werk Falcos.

Im unteren Drittel des Kreissegmentes ist die Unterschrift des Popstars zu lesen. Entlang der Bogenlinie stehen einige seiner bekanntesten Musiktitel geschrieben: Der Kommissar, Ganz Wien, Junge Römer, Jeanny, Rock me Amadeus, Out of the Dark (von unten nach oben gelesen). Dann endet sein Werk - abrupt, wie auch sein Leben - mit einer zickzack verlaufenden Abbruchkante. Schon Out of the Dark war posthum drei Wochen nach seinem Tod erschienen.

Die Stele (griech. Grabsäule) rechts von der Glasscheibe mit dem keilförmig gravierten, schwarz gefassten Schriftzug "Hans Hölzel 1957 - 1998", steht für den Menschen Hans (Johann) Hölzel.

Jene Wiener Motorrad-Rocker, die 1985 im Video "Rock me Amadeus" mitgespielt hatten, trugen seinen Sarg. Darauf lag der Mantel, den er in diesem Video getragen hatte. Das Begräbnis, an dem tausende Menschen teilnahmen, wurde von der Presse "Falcos letzte große Show" genannt - auf wienerisch: "A scheene Leich'!"

Bei den 165 gewidmeten Gräbern im Ehrenhain Gruppe 40 (Stand 2011) handelt es sich nicht um Ehrengräber, sondern um "ehrenhalber gewidmete Gräber". Dies bedeutet, dass die Grabmiete von der Stadt Wien auf Friedhofsdauer übernommern wird, für die Grabpflege müssen die Angehörigen allerdings selber sorgen.

Ungefähr die Hälfte der hier begrabenen Toten wurden noch im 19. Jahrhundert geboren und starben in den 1970-er Jahren. Der zweite Teil umfasst Berühmtheiten der "neueren Zeit".

Helmut Zenker (Autor und Regisseur, 1949 - 2004)
Er wurde vor allem als Drehbuchautor der Fernsehserie "Kottan ermittelt" bekannt. 1974 schrieb er die erste Geschichte um den Wiener Polizeimajor Adolf Kottan - sie wurde nicht veröffentlicht. Unbeirrt verwandelte der Autor das Manuskript in ein Hörspiel, das schließlich 1975 vom SWF produziert wurde. 1976 erlebte Major Kottan schließlich seine Bildschirmpremiere in einem 90-minütigen Fernsehfilm des ORF.

Erich Sokol (Karikaturist und Grafiker, 1933 - 2003)
Während seiner Tätigkeit als politischer Karikaturist der Arbeiter-Zeitung von 1960 bis 1967 erlangte er erste Bekanntheit. 1967 wechselte Sokol als Chefgrafiker zum frisch reformierten ORF, blieb aber weiterhin Karikaturist und Illustrator diverser Zeitungen, etwa Gestalter vieler Titelseiten der auflagestarken Kronen-Zeitung. Bereits 1957 war Hugh Hefner, der Gründer und Herausgeber des Playboys, auf Sokols Talent aufmerksam geworden und hatte ihn als regelmäßigen Mitarbeiter gewonnen. Bis zuletzt arbeitete Sokol auch für den Playboy.
Bekannte Schöpfungen Sokols sind die „ÖVP-Tant'“ in der Arbeiter-Zeitung, das ORF-Auge genannte Senderlogo und seine Kreisky-Karikaturen. Sokols Titelseiten für Kronen-Zeitung, trend und profil zeichneten sich durch Vielschichtigkeit und hintergründigen Humor aus. Sokol gestaltete auch das Schallplattencover zu Der Herr Karl von Carl Merz und Helmut Qualtinger sowie das Logo des Cateringunternehmens Do & Co.

Prof. Alfred Worm (Journalist, 1945 - 2007)
Bekannt wurde Alfred Worm 1973 durch die Aufdeckung des Bauring-Skandals. Er fand dabei Interesse am investigativen Journalismus, den er weiterverfolgte, vor allem was die Schmiergeld- und Betrugsaffären bei großen Bauvorhaben in Österreich betraf. Von 1974 bis 1994 war er Redakteur des profil, zuletzt stellvertretender Chefredakteur. 1980 deckte er den AKH-Skandal auf. 1981 erhielt er den Dr.-Karl-Renner-Publizistikpreis. 1985 deckte Alfred Worm den Noricum-Skandal auf. Im April 1986 sorgte er im Präsidentschaftswahlkampf für Aufsehen: Er publizierte im Zusammenhang mit der Waldheim-Affäre, gestützt auf ein Redeprotokoll von Ottilie Matysek, die interne Ankündigung von Bundeskanzler Fred Sinowatz vom 28. Oktober 1985, man werde „in einer großangelegten Kampagne die österreichische Bevölkerung über Kurt Waldheims braune Vergangenheit informieren“. 1987 zeigte Sinowatz, der diese Aussage leugnete, Worm wegen übler Nachrede an; Worm wurde jedoch aufgrund von Matyseks Notiz freigesprochen. Sinowatz und andere Politiker, die Sinowatz' Darstellung vor Gericht bestätigt hatten, wurden hingegen 1992 rechtskräftig wegen Falschaussage zu hohen Geldstrafen verurteilt. Im Mai 1994 wechselte Worm zum Magazin News, bei dem er – anfangs neben Wolfgang Fellner – als Chefredakteur tätig war.

Reinhard Tramontana (Journalist, 1948 - 2005)
Er war Mitbegründer der Kabarettgruppe Die Scheibenwischer, arbeitete als freier Journalist und für Die Presse und die Salzburger Nachrichten, war Chefredakteur des Magazins Basta und Herausgeber der Zeitschrift Wiener.
Seit 1971 war er für das Nachrichtenmagazin profil als Autor und ab 1982 als stellvertretender Chefredakteur tätig; hier erschien seit 1975 seine wöchentliche Kolumne profan, in der er das Geschehen in Politik und Gesellschaft satirisch kommentierte. Im Wirtschaftsmagazin trend verfasste er seit 1976 die Kolumne trendstation.

Prof. Franz Antel (Regisseur, Autor, 1913 - 2007)
Franz Antel ist aus der österreichischen Filmwelt nicht wegzudenken. Das Spektrum seines Schaffens spannte sich von österreichischen Klassikern über rührende Heimatfilme und humorvolle Komödien bis zu international anerkannten Filmwerken wie "Der Bockerer". Zu den Schauspielern, mit denen er arbeitete, gehören Publikumslieblinge wie Hans Moser, Curd Jürgens, Paul Hörbiger, Hannerl Matz, Theo Lingen, Wolf Albach-Retty, Vico Torriani, Udo Jürgens, Peter Alexander, Fritz Muliar, Uschi Glas und viele andere.
Franz Antel hat mehr als 100 Spielfilme gedreht, darunter Filmklassiker wie "Hallo Dienstmann", "Kaiserwalzer", "Der alte Sünder", "Kaisermanöver", "Der Kongress tanzt" sowie Unterhaltsames à la "Otto ist auf Frauen scharf", "Die Abenteuer des Grafen Bobby", "Der Mann in der Wanne" oder "Rote Lippen soll man küssen".

Prof. Siegfried Charoux (Bildhauer, 1896 - 1967)
Er schuf viele Werke in Wien bevor er 1935 nach London emigrierte. Seine Denkmäler für Robert Blum, Herz und Lessing wurden vom Ständestaat, bzw. von den Nationalsozialisten entfernt und eingeschmolzen.
Nach dem 2.Weltkrieg kehre Charoux nach Wien zurück und ließ 1968 das Lessing Denkmal neu entstehen. Weitere Werke: Denkmal Richard Strauss (1954, 3., Modenaplatz 9) und Berta von Suttner (1959, 4., Berta-von-Suttnerhof). 1982 wurde in Langenzersdorf ein Charoux-Museum eröffnet.

Babyfriedhof
Der Gesetzgeber schreibt nur für Lebendgeburten eine Bestattungspflicht für die Eltern vor. Daher hat die Stadt Wien aus Pietätsgründen 1985 am Zentralfriedhof begonnen, für Totgeburten gebührenfreie Grabstätten anzulegen und diese auch Begräbnisse kostenlos durchzuführen. Es ist dies ein Angebot an jene Eltern, die ihr Kind nicht in einer eigenen Familiengruft beerdigen können.

Von der Friedhofsverwaltung sind für die Erdbestatteten Rasengräber mit einer Maximallänge von 120 cm vorgesehen mit einer einfachen Holztafel als Grabkennzeichnung. In den letzten Jahren erfahren fast alle Gräber eine individuelle Gestaltung durch die Angehörigen.

Schachtgrab für die Sammelurnen
Hat ein Baby weniger als 500 Gramm, gilt es nach dem Bestattungsgesetz als Frühgeburt und wird kremiert. Ungefähr 20 bis 30 Babies werden in einem Sarg zusammengelegt und im Krematorium feuerbestattet. Von einem Baby bleibt ungefähr ein Fingerhut Asche zurück, welche in eine Sammelurne kommt. Diese wird dann in dem Schachtgrab unweit des Pavillons beigesetzt.
Die Beisetzungen erfolgen vier mal im Jahr, an jedem 1. Freitag im März, Juni, September und Dezember im Beisein der Angehörigen.

Auf dem Grabstein ist ein Gedicht von Julie Fritsch eingraviert: "Ich heiße dich willkommen und gleichzeitig nehme ich in Trauer von dir Abschied, während ich dich in meinen Armen halte. Dich, der mir wohlbekannt war, in der Tiefe meines Herzens. Du bist so wirklich für mich, für diese kurzen Momente und doch für alle Ewigkeit."

Babies, deren Geburtsgewicht über 500 Gramm liegt bekommen eine Erdbestattung in einem Einzelgrab - sie gelten als Totgeburt. Da diese Gräber aber nur für 10 Jahre bestehen bleiben, und dann aufgelöst werden (Weiterführung nicht möglich!), entscheiden sich immer mehr Eltern, auch bei diesen Kindern eine Feuerbestattung durchführen zu lassen (die Urne bleibt im Sammelgrab bestehen).

Ein Platz für alle am Wiener Zentralfriedhof
Die syrisch-orthodoxe Gemeinde ist eine der Urkirchen, die ihre Entstehung auf die Tätigkeit der Apostel Paulus, Barnabas und Petrus in Antiochien sowie auf die der Apostel Taddäus und Thomas in Edessa zurückführt. Die Liturgie, wie auch die Begräbnisliturgie wird in aramäischer Sprache, zumeist auch in Türkisch und Arabisch zelebriert.

Weitere christlich-orthodoxen Begräbnisstätten: Die griechisch-orthodoxe Glaubensgemeinschaft, die rumänisch-orthodoxen Christen, die bulgarisch-orthodoxe Kirchengemeinde, die koptisch-orthodoxen Gemeinde, die russisch-orthodoxe Abteilung und die erste serbisch-orthodoxe Kirchengemeinde.

Bei der Islamisch-Ägyptische Gemeinschaft sind alle Gräber nach Osten ausgerichtet.

Waldfriedhof im Wiener Zentralfriedhof - Naturnahe Bestattung zu Füßen alter Bäume
In einem stillen Teil des Wiener Zentralfriedhofs wurde Mitte Mai 2009 der Waldfriedhof eröffnet. Das 10.000 m² große Areal zeichnet sich durch einen 40 bis 60 Jahre alten Baumbestand aus. Es sind vorwiegend Ahorn und Esche, von Efeu und Immergrün bewachsen. Von den rund 200 Bäumen des Waldfriedhofs wurden 36 für Urnenbeisetzungen ausgewählt. Jeder Baum bildet das Zentrum von zwölf kreisförmig um ihn angeordnete Gräber. Ob tatsächlich alle zwölf Positionen genutzt werden können, hängt von den Wurzeln des Baumes ab. Jedes Grab bietet Platz für zwei Urnen.

Grabgestaltungskosten fallen ebenso wenig an wie Grabpflege. Für alle im Waldfriedhof Beigesetzten gibt es eine gemeinsame Gedenkstätte, eine einem Baum nachempfundene Stahlskulptur. An ihr können die Namen der Toten mit Geburts- und Sterbejahr eingraviert werden. Einen zentralen Platz gibt es auch für Kerzen und Blumengrüße.

Der Zentralfriedhof beinhaltet ZWEI jüdische Teile, den Neuen jüdischen Friedhof bei Tor 5 und den Alten jüdischen Friedhof bei Tor 1. Die angesprochene Halbverwildertheit habe ich beim alten Teil gesehen und ist wirklich eine Welt für sich, dort bin ich sogar Rehen begegnet.

Das Areal von 260 000 m² bei Tor 1 wurde 1877 von der Israelitischen Kultusgemeinde um 60 000 Gulden von der Stadt Wien erworben (ca. 600 000 Euro). 1879 erfolgten die ersten Beisetzungen nach mosaischen Riten. Die Zahl seiner Toten auf diesem Teil des Friedhofes wird mit rund 100 000 in 60 000 Gräbern angegeben.

Als der Friedhof voll belegt war, erwarb die Kultusgemeinde einen weiteren Friedhofsteil (Tor 5), welcher 1917 eröffnet wurde. Dennoch finden bis heute, wenn auch vereinzelt, Begräbnisse bei Tor 1 statt. Zuletzt wurden Gerhard Bronner und Harry Weber hier beigesetzt.

Der alte jüdische Friedhof, wo u. a. Arthur Schnitzler, Friedrich Torberg, Gerhard Bronner und Viktor Frankl beerdigt sind, und die neue Abteilung, wo u.a. Otto Soyka beigesetzt ist, sind die mit Abstand größten konfessionellen Abteilungen auf dem Gelände des Zentralfriedhofs.

Beim Tor 1 liegen insgesamt fast 40 gewidmete Ehrengräber, zumeist in der 800 Meter langen Zeremonienallee. Darunter sind viele Rabbiner und Prominente aus den Bereichen Kunst, Wirtschaft und Wissenschaft. Einige Beispiele: Salomon Sulzer, Baron Königswarter, Arthur Schnitzler, ... Zu finden sind auf dem Friedhof aber auch viele andere bedeutende Persönlichkeiten wie die Familie Rothschild, Nathan Kallir-Nirenstein, Fritz Grünbaum.

Die bereits angesprochene Verwilderung - die Natur holt sich ihren Platz zurück. Auch ein Zeichen der Vergänglichkeit.

Zentralfriedhof Tor 1 von innen. Eingang Alter jüdischer Friedhof.

Friedrich Torberg (Schriftsteller, 1908 - 1979)
Friedrich Torberg (Friedrich Ephraim Kantor) war ein österreichisch-tschechoslowakischer Schriftsteller, Journalist und Herausgeber. Zu seinen bekanntesten Werken zählen die Romane Der Schüler Gerber und Die Mannschaft sowie als Spätwerk die Anekdotensammlung Die Tante Jolesch. Bekannt ist er auch als Übersetzer der Bücher Ephraim Kishons sowie als Herausgeber der Zeitschrift FORVM und als Literaturkritiker im Österreich der Nachkriegszeit. Sein Pseudonym „Torberg“ bildete er um 1930 bei seinen ersten Veröffentlichungen aus der letzten Silbe seines Nachnamens „Kantor“ und dem Geburtsnamen seiner Mutter „Berg“.

Arthur Schnitzler (Schriftsteller, Arzt, 1862 - 1931)
Sordiniert täglich von 14 bis 17 Uhr - so charakterisierte ein Witzwort im Ballkalender der Schriftstellervereinigung Concordia den Nervenarzt und Schriftsteller Arthur Schnitzler. Der Meister des Dialogs, der mit dem süßen Mädel eine Bühnenfigur von zeitloser Gültigkeit geschaffen hat, war auch im Privatleben ein geistreich-eleganter Plauderer. Schlank, blond, mit gepflegtem Vollbart und immer ein wenig schwermütig wirkend, wurde er eine bekannte Gestalt der Wiener Gesellschaft. Schon Schnitzlers Vater war Arzt gewesen und hatte als Laryngologe mit dem Kehlkopfspiegel gearbeitet. Sigmund Freud prägte über den Sohn das Bonmot: "Es wundert mich nicht, dass Sie Schriftsteller geworden sind, hat doch schon Ihr Vater seinen Zeitgenossen den Spiegel vorgehalten."

Harry Weber (Fotograf, 1921 - 2007)
Harry Weber war ein österreichischer Fotograf. Ab 1952 arbeitete er für den Stern, von 1959 bis 1984 war er dessen Cheffotograf und seit 1967 auch Cheffotograf des Verlages Gruner und Jahr, der neben dem Stern auch Schöner Wohnen, Brigitte und Eltern herausgibt. Besondere Bekanntheit erlangten seine Bilder vom ungarischen Volksaufstand 1956.
Nebenbei war er als Theaterfotograf tätig, beispielsweise für die Salzburger Festspiele. Er veröffentlichte auch mehrere Fotobände, z. B. „Wien bei Nacht“, „Wien – Gesichter einer Stadt“, „Salzburg im Licht“, „Die Wiener Philharmoniker“ und „Jerusalem“ und stellte seine Bilder in mehreren internationalen Fotoausstellungen aus.

Gerhard Bronner (Komponist, Autor, Sänger, Kabarettist, 1922 - 2007)
Die „Travnicek-Dialoge“ mit Helmut Qualtinger (Autoren: Merz und Qualtinger) sind nicht nur in die österreichische Kabarettgeschichte eingegangen. Viele Lieder, die Qualtinger zugeschrieben werden, stammen aus Gerhard Bronners Feder.
In den 1960er Jahren war Bronner, der dabei Regie führte, mit der österreichischen TV-Kabarettserie Das Zeitventil: Das aktuelle Fernsehbrettl überaus erfolgreich.
Er arbeitete aber nicht nur mit bekannten Kabarettisten, sondern entdeckte damals auch junge Talente, denen er Lieder schrieb. So wurde Marianne Mendt mit der Glock'n, die 24 Stundn leit bekannt. Von 1979 bis 1988 leitete Gerhard Bronner das Kabarett Fledermaus, die frühere Marietta-Bar.
Als Gerhard Bronner nach dem 2. Weltkrieg nach Wien zurückkam, musste er bei der betreffenden Behörde ein Personaldatenblatt ausfüllen. Bei Religionszugehörigkeit schrieb er: DGSASA. Auf die erstaunte Frage des Beamten, was denn das bedeute, antwortete Bronner: "Das geht Sie an Schas an."

Die Zeremonienhalle befand sich direkt hinter dem Tor 1, sie wurde die gleichzeitig mit der Eröffnung des Friedhofes eingeweiht. In der Reichskristallnacht 1938 wurde sie ein Raub der Flammen. Die Ruine blieb stehen und wurde erst 1978 endgültig geschleift. Heute befindet sich an ihrer Stelle eine Rasenfläche.

Im Zweiten Weltkrieg wurde auch dieser Friedhofsteil von vielen Bomben getroffen. Jene Grabsteinteile, die nicht mehr einer bestimmten Grabstätte zuzuordnen waren, hat man 1991 zusammengetragen, sie liegen als Zeichen der Erinnerung an mehreren Stellen des Friedhofes.

So, um euch nicht übermässig zu strapazieren (einige ansprechende Motive hätte ich noch), ein paar andere, interessante Stellen im Zentralfriedhof. Dieser Miodrag hat wohl nicht nur seine Frau geliebt.

Betti wurde alt und grau, ihre Söhne sind ihr Zeugnis.

Mal weniger, mal mehr ansprechende Grabverzierungen.

Zeichen von Verfall. Mit ein bisschen Phantasie ist hier Rivendell zu sehen.

Früher wurde zwischen großen und kleinen Geschäften getrennt...

...heutzutage nach Geschlechtern.

Außenmauer vom Zentralfriedhof, hier fährt die Bim.

Die Feuerhalle Simmering war die erste österreichische Feuerhalle und hat eine Fläche von 215.383 Quadratmeter. Hier das Frontgebäude zum Urnenhain.

Anzahl der Grabstellen: 46.279

Rechte Arkaden Außenmauer

Arkaden mit Kolumbariennischen und der Pförtnerglocke.

Aufbahrungshalle 1 beim Tor 2: Sie wurde 1905 ebenfalls im Jugendstil erbaut und 1980 - 83 umgebaut und renoviert. Architekt war auch hier Max Hegele.

Kuppel der Halle 1.

In den Gängen vor den Aufbahrungsräumen der Halle 1.

Aufbahrungsräume der Halle 1, jeder in einem anderen Stil.

Da hat das Licht nicht funktioniert:

Die russisch-orthodoxen Abteilung:
Die Lazaruskirche auf dem Zentralfriedhof dient den orthodoxen Russen als Friedhofskirche zur Einsegnung der Verstorbenen.
Die Geschichte der Lazaruskirche reicht bis ins Jahr 1895 zurück. Damals reichten die Geldmittel der Kirchengemeinde in Wien nicht für den Bau einer größeren Kirche aus. So wurde auch die Nikolauskirche, heute Bischofssitz der Diözese Wien und Österreich, erst nach der Lazaruskirche errichtet.

Die Vorderseite der Lazaruskirche im Gegenlicht (schlechtes HDR und schlechte Perspektive, ich weiß).

Das Kreuz der Russisch-Orthodoxen Kirche:
Das Russische Kreuz ist ein Lateinisches Kreuz mit zwei zusätzlichen kurzen Querbalken. Ein kurzer Balken verläuft im oberen Teil parallel zum großen Querbalken. Ein weiterer kurzer Balken steht im unteren Teil des Kreuzes schräg nach rechts unten.
Der obere kleine zusätzliche Balken symbolisiert das Brett, auf dem die Inschrift INRI zu lesen war. INRI sind die Initialen (Anfangsbuchstaben) des lateinischen Satzes "Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum" – „Jesus von Nazaret König (Rex) der Juden“.
Der untere schräge Querbalken ist ein Stufenbrett, auf das Jesus bei seiner Kreuzigung die Füße stellen musste. Durch dieses Brett wurden die Beine nach oben und die Knie nach vorn gedrückt – so entstand der Eindruck des Kniens. Diese Haltung sollte ihn vor seinen Peinigern erniedrigen.

Die Bedeutung der unterschiedlichen Schrägstellung des unteren Balken konnte ich noch nicht herausfinden. Anyone?

Ein Erzpriester, Verwalter und Dekant der russisch-orthodoxen Kirche für Wien und Österreich (links), der sehr jung verstorbene Pawel (rechts) hat einen beeinruckenden Grabstein in 3D bekommen. Der Stein ist wellenförmig, die geschwungene Treppe hat wirklich Stufen, die sich nach oben hin verjüngen und in einem Durchstich auslaufen. Die Grabplatte (nicht im Bild) ist auf der Seitenkante reichlich beschriftet.

Gleich neben der Lazaruskirche beginnen (wieder) Ehrengräber - Gruppe 0 - an der Außenmauer zur Simmeringer Hauptstraße, daher auch die Oberleitungen im Bild.

Johann Wilhelm Klein war ein Pionier der Bildung für blinde Menschen. 1804 begann er einen jugendlichen Blinden, Jakob Braun, mit staatlicher Unterstützung im eigenen Heim zu unterrichten. Somit entstand das erste Blindeninstitut im deutschsprachigen Raum. 1807 stellte Klein seinen „Stachel-Typen-Apparat“ vor, eine Druckeinrichtung, mit der er die Großbuchstaben der lateinischen Schrift in punktierter Form ins Papier drücken konnte. Diese Schrift, auf Grund der Form der Typen auch Stachelschrift genannt, ließ sich von Blinden und Sehenden gleichermaßen lesen. Für Blinde war diese Schrift allerdings nicht leicht zu lesen und per Hand selbst für Sehende kaum zu schreiben. Klein lehnte die Brailleschrift wegen ihrer Unähnlichkeit mit der Schrift Sehender ab.

Josef Freiherr von Smola (* 12. Juni 1764 in Teplitz, Böhmen; † 29. November 1820 in Wien) war ein österreichischer Offizier. In seiner fast 40-jährigen Dienstzeit als Artillerieoffizier nahm Josef Freiherr von Smola an 32 Schlachten und drei Belagerungen teil, in denen er sich durch Mut und Unerschrockenheit auszeichnete. Wesentlichen Anteil hatte er auch an der Modernisierung der Artillerie, u. a. geht die Einführung des Batteriesystems auf seinen Vorschlag zurück.

Anfang 1872 bildete sich ein Komitee, um Spenden für die Errichtung eines Spitals im Bereich der westlichen Wiener Vorstädte zu sammeln. Entscheidend für das Vorhaben war jedoch das Testament der am 8. Oktober 1877 in Wien verstorbenen Eugenie Louise Kenyon, geborene Turowsky, in dem „das zu errichtende Erzherzogin-Sophien-Spital“, welches im 6. oder 7. Bezirk errichtet werden sollte, als Universalerbe eingesetzt wurde.

Michael Adler (Politiker, 1856 - 1905)


Charles Wilda
(1854 - 1907) war ein österreichischer Maler des Wiener Orientalismus.

Gustav Jonak Edler von Freyenwald (Offizier, 1841 - 1908)
Gustav Jonak, Edler von Freyenwald war General der Kavallerie, nahm 1866 am Feldzug in Böhmen teil.
1883 wurde er mit der Inspizierung des Landwehrkavalleriekaders betraut.
1907 wurde ihm für seine Verdienste anlässlich der Reorganisation der Landwehrkavallerie der Titel eines Landwehrkavallerie-Inspektors verliehen.

Eduard Pötzl, Pseudonym Kleinpetz (Journalist und Schriftsteller, 1851 - 1914)
war ein österreichischer Journalist und Feuilletonist. Eduard Pötzl war bis 1871 Eisenbahnbeamter bei der Kaiser-Franz-Josefs-Bahn, arbeitete aber dann als Journalist zunächst bei den Wiener Neustädter Nachrichten. Ab 1874 war er Redakteur bei der Wiener Tageszeitung "Neues Wiener Tagblatt". Pötzl schrieb Humoresken auf das Leben in Wien und war als Meister der Lokalskizze bekannt. Mit dem "Herrn Nigerl" schuf Pötzl einen Charakter des Wiener Spießers und mit dem "Gigerl" den eines Schürzenjägers. 1925 wurde ihm zu Ehren die Josef-Friedl-Gasse in Eduard-Pötzl-Gasse umbenannt.

Franz Schönthaler (Bildhauer und Dekorateur, 1821 - 1904)
war ein österreichischer Bildhauer, der zum k.u.k. Hof-Bildhauer und Dekorateur avancierte. Er war Träger des Ritterkreuzes des Franz-Joseph-Ordens, der ihm im Jahr 1889 vom Kaiser verliehen wurde. Um 1866 führte er den neugotischen Altar an der Ostseite des Chores der sog. „Schwarzen Kirche“ der evangelischen Honterusgemeinde in Kronstadt (Rumänien) nach den Plänen des Kronstädter Stadtingenieurs Peter Bartesch aus. Des Weiteren schuf er unter anderem die vergoldeten Holzschnitzereien an den Wänden des sog. „Hoflogensalons“ der Kaiserin in der Wiener Staatsoper und die ornamentalen Bildhauerarbeiten am Wohnhaus des Max Weiß von Wellenstein in der Maria-Theresien-Straße 7 (= Wasagasse 2) in Wien.

Dr. Karl Kinzer (Techniker, 1857 - 1916)
Oberbaurat der Gemeinde Wien, Ing. Karl Kinzer wurde am 18. Jänner 1857 in Jägerndorf geboren und studierte an der technischen Hochschule in Wien, und arbeitete schon an der ersten Wiener Hochquellenwasserleitung mit. Er leitete den Bau der zweiten Wiener Hochquellenwasserleitung.

Siegfried Marcus (Erfinder, 1831 - 1898)
erlangte als Automobil- und Motorenpionier weltweite Bedeutung. Er war ein außergewöhnlicher Techniker und Inhaber von 38 Patenten, unter anderem für Lampen, Pumpen, Motoren, Zeichengeräte, Telegraphie und vieles andere mehr. Großer finanzieller Erfolg blieb ihm allerdings verwehrt.

Antonio Salieri (Komponist, 1750 - 1825)
Natürlich war er nicht Mozarts Mörder, wie das in Büchern und Filmen behauptet wird, aber er hat doch alles getan, um seinem genialen Gegenspieler Schaden zuzufügen. Während Mozart am Wiener Hof als Kammerkompositeur angestellt war, hatte Salieri den viel einflussreicheren und besser bezahlten Posten eines Hofkapellmeisters. Der unglaublicheGrund dafür: Kaiser Josef II. hielt Salieri für »bedeutender als Mozart«. Salieri wusste um Mozarts Genie sehr genau Bescheid. Und führte einen erbitterten Kampf gegen ihn. Der Höhepunkt war ein Komponistenwettstreit im Februar 1786, bei dem in Anwesenheit des Kaisers im Schloss Schönbrunn je ein Werk der beiden aufgeführt wurde. Als »Mozarts Mörder« wurde Salieri nicht erst seit Milos Formans Amadeus-Film verdächtigt, sondern schon bald nach seinem Tod. Hatte er selbst doch in der Irrenanstalt behauptet, Mozart getötet zu haben. Musikhistoriker sind der Ansicht, er wollte damit nur zum Ausdruck bringen, dass er seinen Widersacher bei Hof »beseitigt« hatte.

Dr. Prof. Friedrich Schauta (Arzt, 1849 - 1919)
Schauta erkannte und nutzte die bahnbrechenden Fortschritte auf den Gebieten der Radiologie, Bakteriologie, Histologie und Serologie. Seine Hauptleistung war die Einführung einer Operation bei Gebärmutterhalskrebs (Kollumkarzinom), bei der Gebärmutter und Eierstöcke von der Scheide aus entfernt werden (Schauta-Stoeckel-Operation). Schauta führte mit Ernst Wertheim eine wissenschaftliche Auseinandersetzung um die Operationstechnik bei Gebärmutterhalskrebs.

Der Park der Ruhe und Kraft befindet sich in der Gruppe 23 und ist über das 3. Tor erreichbar. Er ist in der alten Tradition der Geomantie (ursprünglich: Weissagung aus der Erde) und Gartengestaltung angelegt. Besucherinnen und Besucher finden hier Ruhe und Besinnung. Sie können Kontakt mit den Kräften der Natur, der Pflanzen und Bäume, der Steine und der Erde aufnehmen.

In fünf verschiedenen, auf die Kräfte der Erde und des Kosmos abgestimmten Landschaftsbereichen werden Besucherinnen und Besucher zum Schauen, Erleben und zur Bewusstwerdung ihrer Gefühle geführt. Im Park der Ruhe und Kraft können Blockaden gelockert, Trauer abgeladen und die Einheit und Vollkommenheit in und mit der Natur erlebt werden. Die Bereitschaft soll aufgebaut werden, Vergangenes loszulassen und trotz des erlittenen Verlustes ein neues und erfülltes Leben zu beginnen. Uralte Symbole unserer Kulturgeschichte sollen zu mehr Verständnis der eigenen Lebensgeschichte und des persönlichen Lebensweges führen. Entlang des Weges sind Gedanken zu lesen, die zur Erklärungen der einzelnen Bereiche dienen.

Carré - Wasserplatz
Dieser Ort ist durch vier Bäume markiert. Hier manifestiert sich die Energie des Elements Erde am stärksten.
Der rhythmisch pulsierende Wasserstrom gibt die ständige Bewegung alles Lebendigen wieder. Fließendes Wasser bedeutet gute Kommunikation. Der Brunnen besteht aus einem Waldviertler Findling aus Schremser Granit. Die drei Brunnenschalen sind so gestaltet, dass das Wasser in einer liegenden 8er-Form hinunterfließt - das Zeichen der Unendlichkeit.

Künstler: Gerald Jaksch
Symbol: Quadrat
Element: Wasser
Thema: Begegnung, Erdung, Kommunikation
Energie: Sammlung, Stabilisierung

Blick entlang der Kirchenachse

Feuerplatz

Symbol: Dreieck
Element: Feuer
Thema: Transformation
Energie: Aktion, Erweiterung

Kathedrale
Fünf große Bäume begrenzen den Grundriss einer Kathedrale. Die geomantische Kraftlinie folgt genau der Kirchenachse.
Achse und Apsis sind annähernd nach Osten orientiert, wo zur Tag- und Nachtgleiche die Sonne aufgeht.
Der Sonnenaufgang symbolisiert Erneuerung und Erlösung, die symbolischen Umfassungsmauern der Kathedrale" vermitteln Schutz und Geborgenheit.

Symbol: Labyrinth
Element: Luft
Thema: Erlösung, Erneuerung
Energie: Heilung, Linderung

Man betritt und verläßt den Park (wenn man den sehr verborgenen Eingang findet) durch einen Torbogen. Das Tor ist Symbol dafür, dass man etwas hinter sich läßt und etwas anderes vor sich hat.

Für das menschliche Energiesystem ist es besonders hilfreich, den Park in der nummerierten Abfolge zu durchqueren. Die Trittsteine aus Ternitzer Konglomeratstein weisen den für das Energiesystem empfohlenen Weg. Wo Sie keine Trittsteine vorfinden, können Sie einfach durch die Wiese spazieren. Linien aus Mühlviertler Granit symbolisieren den Verlauf von geomantischen Kraftlinien, die den ganzen Park durchziehen. An den Kreuzungspunkten ist die konzentrierte Energie wahrnehmbar. Nicht alle Kraftlinien wurden markiert. Durch aufmerksames Fühlen können Sie weitere Kraftlinien finden. Die Nummern auf den Bodensteinen bezeichnen Kraftpunkte. Nicht alle Menschen spüren die Kraft an der gleichen Stelle. Männer und Frauen empfinden dabei oft verschieden. Spüren Sie selbst, wo Sie sich am wohlsten fühlen. Wo Sie ein längeres Verweilen besonders stärken kann, sind Bänke aufgestellt. Ihre Sockel sind aus Waldviertler Granit, die Sitzflächen und Lehnen aus Fichtenholz.

Anatomie Gedenkstätte - Anlage für Menschen, die ihren Leichnam der medizinischen Forschung zur Verfügung gestellt haben

Die 2009 errichtete Gedenkstätte sammelt und konzentriert das Andenken von Angehörigen und Freunden. Architekt Christof Riccabona hat für diesen Platz einen achteckigen Bereich aus abgestaffelt hohen Mauern, die ziegelrot gestrichen wurden, entworfen.

Trauerarbeit ist wichtig, um von Verstorbenen Abschied nehmen zu können. Angehörige und Freunde von Menschen, die ihren Leichnam der medizinischen Forschung zur Verfügung gestellt haben, brauchen einen solchen Ort der stillen Besinnung.

In dessen Mitte stehen Laternen, wo Trauernde Kerzen platzieren können. Haken für Blumengebinde sind an der Innenseite der Mauer angebracht, ebenso sind Bänke aufgestellt. Der Blumendekor an der Außenseite kommt von den Friedhöfen Wien.

Namenstafeln Anatomie Gedenkstätte - Anbringung einer Namenstafel an der Gedenkstätte
Möchten Angehörige eine Namenstafel anbringen lassen, können sie diese bei der Friedhofsverwaltung bestellen. Die einheitlich gestalteten Tafeln kosten 120 Euro pro Stück.
Auf einer Namenstafel können die Daten von nur einem/einer Verstorbenen eingraviert werden. Der Anbringungszeitraum beträgt zehn Jahre. Eine Verlängerung nach Ablauf ist möglich.

Den im Kampfe um die Beherrschung der Luft gefallenen heldenmutigen Opfern treuer Pflichterfüllung.

Den Österreichern die im Kampf gegen den Faschismus gefallen sind
Für Spaniens und Österreichs Freiheit 1936 - 1939

Den Kämpfern und Opfern für ein demokratisches Österreich 12. Februar 1934

Den Opfern des Lawinenunglückes am Hochkönig am 19. Februar 1916 in treuer Kameradschaft gewidmet

Sachsens tapferen Söhnen das Vaterland 1866

Den Kriegern der ruhmreichen russischen Armee die in Österreich im 1. Weltkrieg gefallen sind 1914 - 1918

Hier fanden von der SS ermordete Häftlinge des KZ-Neben-Lagers Hinterbrühl ihre letzte Ruhestätte.

Hier ruhen über 400 Opfer des Bombenkrieges 1944 - 1945

Zum Gedenken an die hier ruhenden politischen Häftlinge, die im April 1945 in Hadersdorf am Kamp erschossen wurden.

Rumänischer Heldenfriedhof 1914 - 1918

Ich bin nicht mit dem Fahrrad unterwegs, sondern bin mehrmals gezielt nach Wien gefahren um Teile des Zentralfriedhofs zu Fuß zu erkunden. Die 'Grabtempel' an der Westmauer sind wirklich ganz eigen, den Weichseltalweg habe ich gleich zwei Mal besucht. Mir sind da vor allem die Oberleitungen und Strommasten dahinter als bildstörend in Erinnerung. Solche Anlagen sind dort zu finden:

Nachdem jetzt so viel vom "Alten jüdischen Friedhof" zu sehen war, muss der "Neue jüdische Friedhof" auch erwähnt werden. Dieser befindet sich auf der anderen Seite (Osten) beim 4. Tor. Bereits der evangelische Friedhof dazwischen ist durch eine Mauer vom röm.-kath. Teil getrennt.

Ein vorhandenes Verbindungstor aus Eisen war natürlich/leider versperrt. Das ist der Blick in den evangelischen Friedhof.

Der Neue jüdische Friedhof ist komplett isoliert und nur über das 4. Haupttor betretbar. Das bedeutet, raus aus dem Zentralfriedhof und zwischen Außenmauer und Straßenbahngleisen rübergehen.
Der jüdische Friedhof bei Tor 1, eröffnet 1879, erwies sich alsbald als zu klein. Da aufgrund der dortigen örtlichen Verhältnisse Erweiterungen Grenzen gesetzt waren, beschloss die Israelitische Kultusgemeinde am 8. Jänner 1911 ein neues Gelände zu erwerben.
Vom Schwechater Brauereibesitzer Anton Dreher wurde ein an den evangelischen Friedhof angrenzendes Grundstück im Ausmaß von 243 770 m² angekauft um einen neuen jüdischen Friedhof anzulegen. Der Preis betrug 1.089.382,84 Kronen.

Direkt am Tor erwartete mich dann dieses Schild. Leider hatte ich an dem Sommertag keine Haube dabei, aber der freundliche Herr hätte mir gerne eine Kippa geborgt, wenn ... ja wenn ich auch lange Hosen angehabt hätte. Aufgrund der lauschigen 37 °C damals hatte ich auch nur Shorts bis unters Knie an und würde mit dieser Adjustierung die religiösen Gefühle anderer Besucher verletzen. Sowas habe ich nicht nötig und ich werde mir diesen Teil wohl ein anderes Mal ansehen.

Interessanterweise dürfen Frauen im Bikini rein. Im arabischen Raum sind diese Kleidungsvorschriften ziemlich umgekehrt.

Somit gibt es einstweilen nur ein Fernbild von der Neuen Zeremonienhalle (1928 eingeweiht).

Einblicke in den evangelischen Friedhof:

1904 wurde dieser evangelische Friedhof bei Tor 3 eingeweiht. 1926 wurde der Friedhof erweitert. Das Friedhofsareal ist heute ungefähr 60.000 m² groß umfasst ca. 6.000 Gräber und 300 Grüfte.

Entlang dieser Mauer liegen die Grüfte: fein, säuberlich, gepflegt, teils mit Blumenschmuck, teils mit Gruftplatten versehen. Etliche haben auch noch eine Gittereinfassung und einige langsam verrostende Grablaternen sorgen für etwas morbide Stimmung.

An der Rückseite der Kirche liegen die Pfarrergräber, dort kann es leicht passieren, dass man auf die gar nicht scheuen Friedhofskatzen trifft, die dem Friedhofsgärtner gehören und welche sich gerne auf den warmen Steinen der Grabeinfassungen in der Sonne räkeln.

Die Kirche, gleich gegenüber dem Friedhofseingang gelegen, ist während der Friedhofsöffnungszeiten zugänglich. Die Entwürfe zu dem späthistoristischen Bau stammen von Friedrich Wolschner und Robert Dietl.

So, soweit zum evangelischen Teil.

Am anderen Ende des Friedhofs (südlichster Zipfel) ist die Gräberstätte für die (zumeist) unbekannten Soldaten des 2. Weltkrieges.

Nahebei befindet sich der sehr großzügig angelegte Bereich für die Toten des 1. Weltkrieges und der k. u. k. Armee, an dessen Vorderseite sich das 1925 von Anton Hanak gestaltete, monumentale Kriegerdenkmal Schmerzensmutter befindet.

(Da hier ein relationaler Bezugspunkt fehlt: Der Block ist mindestens 4 Meter hoch.)

Feldmarschalleutnant Heinrich Wieden Edler von Alpenbach (1866 - 1933), Kommandant der Edelweiß-Division 1918

Generalmajor Eugen Vucinic von der k.k. Landwehr Infanterie Regiment "Pola" Nr. 5

k. u. k. Major Richard Seyfried, verwundet und gestorben an der Drina, bei der 1. Kampfhandlung des 1. Weltkrieges.

Erinnerungsobelisk für den 13. März 1848

Im Bereich der Gruppe 40 sind mehr als tausend Frauen und Männer beerdigt, die in der Zeit 1938-1945 von einer unmenschlichen NS-Justiz zum Tode verurteilt und im Wiener Landesgericht oder auf dem Schiessplatz Kagran hingerichtet wurden. Sie bleiben unvergessen.

Der Italienische Militärfriedhof: Cimitero Militare Italiano

Der Rumänische Militärfriedhof

Gänzlich unpassend dazu habe ich noch ein großes Ehrengrab für Politiker der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) entdeckt: Engelbert Pernerstorfer, Victor Adler, Friedrich Adler, Karl Seitz, Otto Bauer (mit Gattin Helene Bauer)

Den jüdischen Kriegern 1914-1918 wurde bei Tor 11 ein 'Tempel' errichtet.

In würdiger Erinnerung an die jüdischen Soldaten der k.u.k. Armee und des Bundesheeres der 1. Republik, die Opfer der Shoa geworden sind. 5. Mai 1999 - das Militärkommando Wien und das Österreichische Schwarze Kreuz

Wer im schmalen Durchgang nach oben blickt, kann das hier sehen.

Im Rondell dann Namenstafeln von Mannschaften und Offizieren.

Auch hier sind unterschiedliche Grabsteinmodelle in Form und Größe anzutreffen.

Und dann gibts noch Grabstätten, die als Unkundiger sicher nicht leicht zu finden sind.

Der Zentralfriedhof ist in Gruppen eingeteilt, hier war wohl der Beginn - Gruppe 0.

Clement Ritter von Eywo, k.k. Kürassier und letzter Offizier von Keiser Max von Mexiko.

Ruhestätte von Helmut Leherbauer, Künstlername "Maitre Leherb", einem österreichischen Künstler und Mitbegründer der Wiener Schule des Phantastischen Realismus, die dem Surrealismus nahe steht und seinem Sohn Anselm Leherb.

Hansi Dujmic; eigentlich Davor Ljubomir Johannes Dujmic, als Künstler auch Dew Mitch) war ein
österreichischer Musiker und Schauspieler.

Kurt Hauenstein war ein österreichischer Musiker, der unter anderem Gründer und Inhaber des Musikprojektes Supermax war.
Aufmerksame Mitleser werden sicherlich sofort erkennen, dass sein Grabstein genau hinter Falco ist.

Mehr oder weniger geschmackvolle Grabsteine, über Geschmack lässt sich (nicht) streiten.

Zu guter Letzt habe ich sogar den Müllplatz für Mistkübel entdeckt.

Viele Wege durchziehen den Friedhof, es gibt sogar eine eigene Buslinie mit Haltestellen am Gelände. Die Einfahrt mit Privatfahrzeugen ist kostenpflichtig möglich.

Zum Abschluss noch ein paar Impressionen vom Gelände. Der Zentralfriedhof ist beliebt bei Läufern, Spaziergängern und Ruhesuchenden und bietet - ganz ohne morbide Hintergedanken - die Möglichkeit zur Erholung und Entspannung.

Danke fürs Mitschauen und -lesen, das war's.
Falls ich es nochmals zum Neuen Jüdischen Friedhof schaffe (nur mit Hosen und Kopfbedeckung für Männer!), stelle ich eventuell noch was dazu.


Am 26. April 2017 konnte ich dem Neuen Jüdischen Friedhof - diesmal mit langen Hosen und Kopfbedeckung - einen Besuch abstatten.

Als erste konfessionelle Abteilung wurde 1879 im Westen der Anlage bei Tor 1 der 'jüdische Friedhof' (offiziell als Israelitische Abteilung des Zentralfriedhofs bezeichnet) eröffnet. Doch bereits 1916 war diese Abteilung ausgelastet, weshalb am östlichen Ende des Friedhofsareals die Neue israelitische Abteilung (5. Tor, vor Dezember 1996 in 4. Tor umbezeichnet) errichtet wurde.

Aus religiösen Gründen haben Personen männlichen Geschlechts ihre Beine und Haupthaar zu bedecken. Für außenstehende Gäste ist diese kulturelle Unterwerfung sicherlich kein Problem - wenn man es vorher weiß und nicht im Hochsommer uninformiert in kurzen Hosen anreist.

Im Umkehrschluss bedeutet das, das Personen weiblichen Geschlechts im Bikini akzeptiert werden. So unterschiedlich können Religionen sein!
Trotzdem war keine Bademode zu sehen.

Der Schlussstein zu der von Architekt Ignaz Reiser (1863-1940) entworfenen Zeremonienhalle - Projekt "Bet ha-chajim XI" - wurde am 12. September 1928 gelegt.
Die im Grundriss achteckige, von einer Kuppel gekrönte Zeremonienhalle bildete das Zentrum des Baukomplexes, zu dem auch zwei Leichenhallen (für infektiöse und nichtinfektiöse Leichen), eine Beisetzkammer und ein Verwaltungsgebäude gehörten.

Segensspruch beim Eingang vor den begrabenen Thorarollen und dem Soldatenmahnmal.

Arkaden rund um die Zeremonienhalle

Vom Schwechater Brauereibesitzer Anton Dreher wurde das an den evangelischen Friedhof angrenzendes Grundstück im Ausmaß von 243.770 m² angekauft um diesen neuen jüdischen Friedhof anzulegen. Der Preis betrug 1.089.382,84 Kronen.

Ein Steinmetz namens Schreiber.

Der Davidstern erscheint erstmals auf jüdischen Grabsteinen in Prag, wo er seit dem 14. Jahrhundert Bestandteil der den Juden erlaubten Flagge war. Auf Grabsteinen andernorts ist er meist erst ab dem 20. Jahrhundert anzutreffen.

Beide, der alte und der neue jüdische Friedhof am Zentralfriedhof werden von der Israelitischen Kultusgemeinde betreut.

Es ist eine ruhige, verwachsene Friedhofslandschaft mit einer orthodoxen Abteilung. Möglich ist ein unerwartetes Rendezvous mit Reh und Hase...

Beim Besuch eines Grabes ist es üblich, dass Angehörige einen kleinen Stein auf den Grabstein legen und damit andeuten, dass der oder die Verstorbene nicht vergessen ist. Für diesen Brauch werden verschiedene Ursprünge vermutet.

Verbreitet ist die Ansicht, dass in historischer Zeit die in der Wüste angelegten Gräber mit Steinen vor Wind und Futter suchenden Tieren gesichert wurden. Eine Erklärung bezieht sich auf das später übliche Bestatten in Grabhöhlen; diese sind mit großen Steinen verschlossen worden, welche mit solchen kleinen Steinchen verkeilt wurden.

Oft finden sich Symbole, die auf die Stellung und die Aufgaben des Verstorbenen innerhalb der jüdischen Gemeinde, auf seine Lebensführung oder auf Personennamen hinweisen sollen. Auf der Mazewa eines Kohen (Priesters) sind als Symbol für den Priestersegen ausgebreitete Hände mit gespreizten Fingern abgebildet.

Die Menora ist ein siebenarmiger Leuchter, eines der wichtigsten religiösen Symbole des Judentums und wurde bei der Staatsgründung Israels in das Staatswappen aufgenommen.

...das treueste Weib auf Erden...

Chewra Kadischa (heilige Bruderschaft oder heilige Gesellschaft) nennt man seit der frühen Neuzeit die in jüdischen Gemeinden bestehenden Beerdigungsgesellschaften, die sich der rituellen Bestattung Verstorbener widmen. Die Mitglieder der Chewra Kadischa üben ihre Tätigkeit ehrenamtlich aus, die Gesellschaften werden durch Spenden finanziert.