Antwerpen

Belgien - westwärts gequert, Oktober 2019

Antwerpen (französisch Anvers) in der Region Flandern ist von großer internationaler Bedeutung durch seinen Seehafen, den zweitgrößten Europas, sowie als weltweit wichtigstes Zentrum für die Verarbeitung und den Handel von Diamanten. Antwerpen war im 15. und 16. Jahrhundert eine der größten Städte der Welt, zeitweise die wichtigste Handelsmetropole Europas und als bedeutendes kulturelles Zentrum Wirkungsstätte von Künstlern wie Rubens.

Die Eisenbahn bringt mich die 40 km von Brüssel direkt in ein echtes Schmuckstück.
Der Bahnhof Antwerpen-Centraal wird täglich von etwa 540 Zügen befahren und liegt am Astridplein östlich der Altstadt. Das steinerne Empfangsgebäude in eklektizistischem Stil stammt von Louis de la Censerie. Wegen der dominierenden Kuppel (75 m hoch) wird das Gebäude im Volksmund Spoorwegkathedraal (= Eisenbahnkathedrale) genannt. Eröffnet wurde der Bahnhof am 11. August 1905. Der kalkhaltige Vinalmontstein, aus dem die Kuppel errichtet ist, begann sich in den 1950ern zu zersetzen und der Abriss des Gebäudes wurde. Das Gebäude erhielt aber Denkmalschutz und wurde ab 1993 grundlegend renoviert.

Ab Mai 1998 wurde an der Nord-Süd-Verbindung gearbeitet, die die Stadt und den Bahnhof unterquert. Der zweiröhrige Tunnel auf der nun 4. Ebene ist mit 90 km/h befahrbar und erspart ein Kopfmachen in Antwerpen-Centraal. Der unterirdische Bahnhofsteil wurde 2007 eröffnet. Das imposante Empfangsgebäude blieb erhalten, auch in seiner Funktion.

Sehr kundenfreundlich finde ich das Fahrscheinsystem. Bei Ankunft kaufte ich immer gleich das Folgeticket für die Weiterreise am übernächsten Tag, falls dann die Zeit knapp werden sollte. Tagesgenau, egal welche Uhrzeit. Damit steigt man dann einfach zwei Tage später in den Zug ein und das passt dann.
Also ganz im Gegensatz zum italienischen Abzock-System in Mailand, wo das Ticket auf Tag und Uhrzeit genau ausgestellt wird und trotzdem zusätzlich am Bahnsteig mit Stechuhr entwertet werden muss.

Das Koninklijk Paleis op de Meir ist ein denkmalgeschütztes Stadtpalais aus dem 18. Jahrhundert, welches schon von Napoleon genutzt wurde. Darin befindet sich seit 2010 der zweite Laden 'The Chocolate Line' (nach Brügge) von Dominique Persoone, einem belgischer Chocolatier. Er wurde durch seine außergewöhnlichen Schokoladenkreationen mit unerwarteten Geschmackskombinationen bekannt. Persoone bezeichnet sich selbst als 'Shock-o-latier'.

Beim Verkaufsraum von 'The Chocolate Line' im Paleis op de Meir ist der Schokofrosch mit den Kusslippen zu sehen. Dahinter darf bei der Produktion zugesehen werden.

Glück wie ich habe, präsentieren sich mir die Jungdamen in ihren schönsten Kleidern in der Meir.
Die Meir ist eine der bedeutenden Einkaufsstraßen Antwerpens und bildet die Verbindung zwischen der Centraal Station und dem historischen Stadtzentrum. Nachdem beim Bahnhof das Diamantviertel mit seinen Händlern angesiedelt ist, sind hier die möglichen Trägerinnen dieses kubischen Kohlenstoffs.

Die Liebfrauenkathedrale oder niederländisch Onze-Lieve-Vrouwekathedraal ist die Domkirche des Bistums Antwerpen. Die Kirche zählt zu den Höhepunkten brabantischer Baukunst; ihr Turm gehört seit 1999 zum Weltkulturerbe der UNESCO - und ist für mich leider eingeruestet. An der Südseite befindet sich am Groenplaats das Denkmahl für Peter Paul Rubens.

'Eine Geschichte über Freundschaft' ist die Skulpur vor der Kathedrale.
Der Begleittext dazu: Der arme Waisenjungen Nello und sein Hund Patrasche sind die Hauptfiguren des englischen Roman 'A dog of Flanders' aus dem Jahr 1872. In der Geschichte ziehen sie jeden Tag zusammen in die Stadt. Dort besuchen sie oft die Kathedrale, wo Nello die Rubensgemälde bewundert. Nach einigen Schicksalsschlägen sterben der Junge und sein Hund vor Hunger und Entbehrungen zusammen in der Kathedrale. Diese rührende und atypische Geschichte enthält eine Botschaft über Stolz und bedingungslose Freundschaft.

Die aus Brabanter Sandstein erbaute Onze-Lieve-Vrouw-Kathedraal ist die größte gotische Kirche Belgiens. Baumeister wie Pieter Appelmans, Domien de Waghemakere und der auch in Mechelen tätige Rombout Keldermans waren neben einem Heer von Steinmetzen, Zimmerleuten und Lastenträgern zwischen 1352 und 1535 maßgeblich am Bau dieser siebenschiffigen Kirche beteiligt. An einen dieser Baumeister erinnert eine Skulpturengruppe vor der Kathedrale, nämlich an Pieter Appelmans.

Im Jahr 1352 wurde mit dem Bau einer neuen Kirche in gotischem Stil mit Mittelschiff und sechs Seitenschiffen begonnen, doch 1521 wurden die Bauarbeiten eingestellt. Bei einem Brand 1533 wurde die Kirche stark beschädigt. In der Folgezeit bauten die Antwerpener sie wieder auf.

Im Jahr 1559 wurde das Bistum Antwerpen gegründet und die Kirche zur Kathedrale erhoben. Am 20. August 1566 zerstörten calvinistische Bilderstürmer einen großen Teil der Kunstwerke und des Mobiliars der Kathedrale. 1581 kam Antwerpen unter protestantische Herrschaft, was zur weiteren Vernichtung bzw. zum Verkauf unschätzbarer Kunstwerke führte.

Infolge der Französischen Revolution plünderten französische Besatzungstruppen 1794 das Gebäude, das zeitweise als Viehstall benutzt wurde und schwere Schäden erlitt. 1965 beginnt die Provinz Antwerpen die Restaurierung, die 1993 im Wesentlichen fertig gestellt ist.

Die Liebfrauenkathedrale ist ein siebenschiffiger Bau mit Querhaus und Umgangschor mit Radialkapellen. Von der geplanten Zweiturmfassade im Westen wurde im 16. Jahrhundert nur der Nordturm vollendet, der allerdings sowohl mit seiner Höhe von 123 m, als auch durch seine filigrane Bauweise mit aufsitzender Laterne ein Meisterwerk spätgotischer Architektur darstellt.

An der Ostwand des südlichen Querhausschiffs, direkt an der Vierung, hängt die Transeptorgel als Schwalbennestorgel. Das Instrument wurde 1993 von der Schweizer Orgelbaufirma Metzler mit den Abmessungen H: 12,20m, B: 4,30m, T: 3,45m erbaut. Es hat 44 klingende Register und eine Transmission auf drei Manualwerken und Pedal. Beabsichtigt war, besonders Werke von J.S. Bach und seinen französischen Zeitgenossen zu interpretieren.

Zu den wichtigsten Kunstschätzen gehören Gemälde, die der aus Siegen stammende Barockmaler Peter Paul Rubens (1577-1640) nach seiner zweiten Italienreise malte. Es sind dies die »Kreuzaufrichtung« und die »Kreuzabnahme«. Zudem befinden sich außerdem das Triptychon »Die Auferstehung« (1612) und das Gemälde »Himmelfahrt Mariens« (1626) in dieser Kathedrale. Im Angesicht dieser herausragenden Kunstwerke darf man jedoch nicht vergessen, dass der calvinistische Bildersturm 1566 auch vor der Kathedrale nicht haltmachte und zu jener Zeit gotische Fresken weiß übertüncht wurden.

Das Altargemälde der Schützengilde (Öl auf Holz) ist die 'Kreuzabnahme' (1611-1614) von Peter Paul Rubens mit den Abmessungen 421x311 cm (Mittelstück) und 421x153 cm (Flügel).

Rubens Kreuzabnahme gilt als der unübertroffene Höhepunkt der flämischen Malerei des 17. Jahrhunderts Form, Linien, Licht und Farbe sind auf den drei Tafeln perfekt ausbalanciert. Die Antwerpener Schützen wollten ihren Altar dem heiligen Christophorus weihen. Jedoch Verbot es die Bildersprache der Gegenreformation, Heilige in den Mittelpunkt eines Altargemäldes zu stellen. Rubens bedachte eine geniale Lösung: Christophorus bedeutet 'Christusträger' und der Begriff des Tragens ist auf dem Tryptichon mehrfach variiert. Auf dem Mittelstück stützt Johannes den Leib des Toten Jesus, auf dem linken Flügel trägt Maria ihren Sohn im Mutterschoß und auf dem rechten hält der alte Simeon das jesuskind in seinen Armen. Christophorus selbst ist auf den Rückseiten der Flügel dargestellt.

Die Rückseite der Metzlerorgel mit ihrem Zugang.

Das reich mit Figuren ausgestattete neugotische Chorgestühl von Karel Hendrik Geerts.

Der Eintritt in dieses Kirchengebäude ist kostenpflichtig und beträgt bis zu EUR 6,-.
Wie überall müssen Männer in den mittleren Jahren den Vollpreis begleichen.

Die Grundfläche beträgt 1 Hektar, wodurch sie zum größten Gebäude ihrer Art in Belgien und den Niederlanden wird. Die meiste Fläche belegen die sieben Schiffe der Kathedrale, wobei das Mittelschiff das größte ist. 48 weiße Marmorsäulen säumen den Gang zum Altar.

Glasfenster und Statuen unterstreichen den Anspruch der Kathedrale, zu den schönsten in Europa zu gehören.

Die Schlüssel Petri (auch: päpstliche Schlüssel) sind das Attribut des Apostels Petrus sowie ein Symbol der Bindegewalt des Papstes als Nachfolger Petri und Stellvertreter Jesu Christi auf Erden.

Grundlage der szenischen Darstellungen in der christlichen Kunst ist die Bibelstelle Mt 16,19: 'Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben: Was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein' in der Christus dem Simon Petrus nach dessen Bekenntnis von Caesarea im Kreis der übrigen Apostel symbolisch die sakramentale Macht des Bindens und Lösens verleiht.

Seitenaltar in der Liebfrauenkathedrale

Die Hauptorgel wurde 1891 von dem Orgelbauer Pierre Schyven erbaut, finanziert durch eine Spende eines Gemeindemitgliedes. Das Instrument hat 90 Register auf vier Manualen und Pedal und ist weitgehend in seinem Originalzustand erhalten.

Deutlich besser als fettige Fritten munden mir Belgische Waffeln (französisch gaufres, niederländisch wafels). Sie sind in Belgien eine bekannte Spezialität. Diese dicken Waffeln mit tiefem Muster werden mit unterschiedlichen Zutaten serviert. Brüsseler Waffeln bestehen aus einem weichen Rührteig, und werden meist warm verzehrt. Beilagen der belgischen Waffel sind typischerweise Erdbeeren, Bananen, Sahne oder heiße Schokolade. Häufig werden auch Butter oder Sirup darübergegeben.

Hier habe ich die Auswahl zwischen Marmelade, Karamel und Schokolade als Schmiere für die eh schon süßen Waffelziegeln. Lecker!

Geschmückte Hausecken im Zentrum gibt es zahlreiche.

Immer wieder trifft man auf das städtische Wahrzeichen: Die abgeschnittene Hand. Hier zB vor dem 'Caisse Hypothécaire Anversoise', einem Bankgebäude von 1929.
Jaime Lannister könnte ob dieses Kultes neidisch werden...

Das Plantin-Moretus-Museum am Vrijdagmarkt geht auf die Druckerei des Christoph Plantin (Christoffel Plantijn) aus dem 16. Jahrhundert zurück. Sie ist die einzige erhaltene Buchdruckerei aus der Zeit der Renaissance und des Barock und wurde 2005 als erstes Museum in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen.

Die Druckerei wurde 1555 gegründet. Sie war eine der größten ihrer Zeit und gilt als erste industrielle Buchdruckerei. Sie zählte bis zu 16 Druckpressen und hatte über 80 Beschäftigte. Plantin machte seinen Verlag zu einem Treffpunkt für bedeutende Humanisten, druckte aber auch katholische und reformatorische Bücher.

Nach seinem Tod übernahm sein Schwiegersohn Jan Moretus die Druckerei, die jetzt zu einer wichtigen Institution der Gegenreformation wurde. Später stand das Verlagshaus in engem Kontakt mit Peter Paul Rubens, der auch Bücher der Manufaktur illustrierte.

Die Studenten, deren Arbeiten in dieser Ausstellung gezeigt werden, haben sich eingehend mit dem Typendesign der Renaissance befasst. Dabei stützten sie sich auf die unschätzbare Sammlung des Museums. Während des Kurses wurden die originalen Stahlstempel und Kupfermatrizen des berühmten Stanzers Claude Garamont (1510-1561) mit denen seines Zeitgenossen Robert Granjon (1513-1589) verglichen.

Jedem Freund der Typografie und Sinn für Layout geht das Herz auf, wenn die Entwicklung zu Bembo, Antiqua und Kursiv dargestellt werden, die ab dem 16. Jahrhundert für etwa 250 Jahre die führenden Schriften in Europa blieben.

Genutzt wird das Museum auch als Exkursionsziel von Kindern. In der Werkstatt darf die kleine Druckerkolonne selbst Zeichen pressen und Blätter stempeln.

1876 verkaufte Edward Moretus (1804-1880) die Druckerei mit dem gesamten Inventar an die Stadt Antwerpen, die ein Museum einrichtete.

Der Gebäudekomplex mit Wohnung und Druckerwerkstätten des Plantin-Moretus-Museums wurde im Jahr 2005 in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Die Konvention zum Schutz des Weltkulturerbes wurde 1972 von der UNESCO verabschiedet. Diese Aufnahme ist eine Anerkennung für den außergewöhnlich universellen Wert der Anlage und ermöglicht zudem Denkmalschutz und Werterhalt auf internationalem Niveau. Das Gebäude aus dem 16. bis 18 Jahrhundert umfasst die Wohnung, die Druckerei und den Verlag der Familie Plantin-Moretus.

Das Haus am Vrijdagmarkt vereinigte Arbeits- und Wohnbereich. Die prächtige Patrizierwohnung ist mit Kunstmöbeln, Bildern (u. a. von Rubens), Goldleder-Tapeten, Skulpturen und Porzellan ausgestattet.

Das Museum beherbergt die ältesten Druckpressen der Welt (um 1600) und eine typografische Schatzkammer mit zahllosen metallenen Drucklettertypen. Darüber hinaus ist die Sammlung von Druckgrafiken aus dem 16. und 17. Jahrhundert eine der bedeutendsten der Welt.

Druckerei und Verlag waren bis 1867 in Betrieb. Wenige Jahre später wurde das Gebäude als Museum eingerichtet. Der Name des Museums geht zurück auf den Gründer Christoph Plantin, den ersten groß gewerblichen Drucker in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, und auf seinen Nachfolger aus der Familie seines Schwiegersohns Jan Moretus. Das Gebäude hat einen einmaligen architektonischen Wert und illustriert die Verbindung von Privat- und Arbeitsleben eines weltberühmten Familienunternehmens während drei Jahrhunderten. Konstruktive und dekorative Bestandteile sind in ausgezeichnetem Zustand gewahrt geblieben: Die Originalausstattung der Druckerwerkstatt, die einmalige Bibliothek. das kostbare Archiv, das seit 2001 als 'Memory of the World' (UNESCO) anerkannt ist, sowie die eindrucksvolle Kunstsammlung.

Die Bibliothek mit rund 25.000 alten Bänden bietet einen fast vollständigen Überblick über die Buchproduktion der Plantiniana vom 16. bis ins 19. Jahrhundert, besitzt aber auch ca. 600 Handschriften des 9.-16. Jahrhunderts und das komplette Geschäftsarchiv der Officina Plantiniana. Zu den wichtigsten Werken zählen die fünfsprachige Biblia Polyglotta (1567-1572), Abraham Ortelius' berühmter Atlas Theatrum Orbis Terrarum (1579), der Thesaurus Teutoniae Linguae und das Kräuterbuch des Rembert Dodoens.

Im Innenhof sind u.a. die Steinköpfe von Balthasar Moretus (1730), Balthasar Moretus (1683) und Joannes Jac. Moretus (1757) zu sehen.

Der Grote Markt ist von prunkvollen Zunfthäusern umgeben, die bis ins 16. Jahrhundert zurückgehen. Die ursprünglichen Häuser wurden bei einem Brand zerstört. Die Gebäude von heute sind das Ergebnis einer Restaurierung aus dem 19. Jahrhundert.

Wer im Umfeld vom Grote Markt hungrig und durstig bleibt, dem ist nicht zu helfen. Ein Lokal reiht sich hier ans nächste. Wenn die Sonne untergeht und die Gebäude beleuchtet werden, bekommt der Platz eine romantische Atmosphäre, ideal für einen Spaziergang oder ein gemütliches Abendessen.

Die Sint Carolus Borromeuskerk, ein Hauptwerk der Jesuitenarchitektur, am Hendrik Conscienceplein.
Sie ist wirklich die Quintessenz einer Rubenskirche. Der Maler trug zu einem beträchtlichen Teil zu ihrer Prunkfassade und zum Turmhelm bei. Die Jesuiten bauten diese typische Barockkirche zwischen 1615 und 1621.

Ursprünglich war die Kirche Ignatius von Loyola, dem Gründer des Jesuitenordens, gewidmet. Nach der Aufhebung des Ordens im Jahr 1773 wurde die Kirche erneut geweiht, diesmal an Carolus Borromeus. Nachdem das Gebäude einige Zeit für den Religionsunterricht genutzt wurde, wird es seit 1803 als Pfarrkirche genutzt.

Der Chor ist über seine gesamte Breite durch eine bemerkenswerte hölzerne Kommunionbank aus dem 18. Jahrhundert vom Kirchenschiff getrennt, die mit Motiven verziert ist, die an das eucharistische Brot der Heiligen Kommunion erinnern.

Die Apsis des Hauptaltars, die der Jungfrau Maria gewidmete Kapelle und die vielen Statuen und Schnitzereien sind Zeugen ihrer einstigen Pracht. Während der Restaurierung in den 1980er Jahren wurde die Kirche im Barockstil umgestaltet. Ein Gemälde hängt über dem Altar; Mit einem alten Mechanismus wird dies dreimal im Jahr geändert: Aschermittwoch, Ostermontag und 14. August.

Die Kirche ist ein typisches Produkt der Gegenreformation, in der die katholische Kirche versuchte, das Volk mit Glanz zurückzuhalten, und in der die Jesuiten eine führende Rolle spielten. Die Fassade ist unter anderem von der Gesù-Kirche in Rom, der Mutterkirche der Jesuiten, inspiriert und acht Meter höher als die Kirche selbst. Die dreischiffige Kirche hat eine basilische Struktur. Über den Seitenschiffen wurden Galerien installiert.

Wichtige Beiträge zur Dekoration der Kirche leistete Peter Paul Rubens, der sowohl Gemälde als auch Skulpturen zur Verfügung stellte.

Die ursprüngliche Orgel überlebte das Feuer von 1718 nicht und um 1720 wurde die heutige Orgel installiert. Das Orgelgehäuse wurde von Jan Pieter I van Baurscheit angefertigt. Es gibt Trophäen mit unzähligen Instrumenten an der Orgelwand, während auf der Krönung ein Engel als Taktgeber mit einem Schlagstock und anderen Engeln zu sehen ist, die auf Trompete, Violine, Kontrabass, Laute und Triangel musizieren.

Die Wände der Seitenschiffe sind vier Meter hoch getäfelt. In 40 Szenen erzählen eine ganze Reihe ovaler Medaillons die Geschichte der beiden Gründer des Jesuitenordens, des heiligen Ignatius und des heiligen Franz Xaverius.

Die Raumgestaltung der Kirche gleicht einem barocken Festsaal, und das war auch die Absicht. Man will doch den Himmel auf die Erde bringen, oder besser gesagt, man will einen Vorgeschmack der himmlischen Festfreude im ewigen Vaterhaus vermitteln. Riesige Summen wurden für die Dekoration ausgegeben, nicht umsonst wird die Kirche ‘Marmorner Tempel’ genannt. Wegen der Höhe der Ausgaben wurde man von Rom ermahnt und zu mehr Verantwortung angehalten.

Der Brabobrunnen ist ein Springbrunnen auf dem Grote Markt der belgischen Stadt Antwerpen. Er wurde 1887 von dem Antwerpener Bildhauer Jef Lambeaux geschaffen. Die Bronzeplastik greift deutlich Stilmerkmale des italienischen Manierismus auf. Der Brunnen ersetzte einen Freiheitsbaum, der bis 1882 auf dem Platz vor dem Rathaus stand.

In ihrer Darstellung bezieht sie sich auf die Legende um die Stadtgründung Antwerpens. Sie zeigt den jungen Helden Silvius Brabo, wie er die abgehackte Hand des Riesen Druon Antigon, den er zuvor im Kampf besiegt hatte, in die Schelde wirft. Der Riese hatte am Ufer der Schelde von den vorbeifahrenden Schiffern Wegzoll verlangt. Konnten sie den Zoll nicht bezahlen, hackte er ihnen die rechte Hand ab. Der Name der Stadt soll der Überlieferung nach von diesem Ereignis, dem 'Hand werfen', herrühren.

Der Kathedralenturm ist mit seinen 123 Metern der höchste Kirchturm der Beneluxländer.

Das Museum aan de Stroom (deutsch: 'Museum am Fluss'), kurz MAS, ist ein Museum an der Schelde, das im Mai 2011 eröffnet wurde. Im MAS sind unter anderem die Sammlungen des 'Etnografisch Museum', des 'Nationaal Scheepvaartmuseum', des 'Volkskundemuseums' sowie Teile der Sammlungen des 'Museum Vleeshuis' zusammengelegt worden. Insgesamt umfasst der Fundus der Sammlung mehr als 470.000 Objekte.

Der Zutritt auf's Dach ist kostenlos, aber nur zu den Öffnungszeiten möglich. Schade, denn die Aussicht auf das nächtliche Stadtzentrum ist sicher sehenswert.

Das Rubenshaus (ndl. Rubenshuis) ist die ehemalige Wohn- und Werkstatt von Peter Paul Rubens (1577-1640). Das um 1610 errichtete Bauwerk ist heute ein Museum zu seinem Leben und Werk und befindet sich unweit vom Hauptbahnhof.

Rubens stammte aus einer bekannten Antwerpener Familie und verbrachte fast sein gesamtes Erwachsenen- und künstlerisch aktives Leben in der damaligen Weltstadt, er wird deshalb als 'großer Sohn der Stadt' betrachtet. Geboren wurde Peter Paul Rubens 1577 allerdings im damals nassauischen Siegen, wo sich seine Eltern im Exil aufhielten.

Nach seiner Hochzeit mit Isabella Brant 1610 ließ Peter Paul Rubens ein Haus in der damaligen Vaartstraat, nun Wapper, bauen. Die Pläne für sein Palais entwarf er selbst, in Anlehnung an italienische Renaissancepalazzi. Es wurde Wohnung und Atelier mit einem großen Eingang zum Innenhof. Auch der Garten hinter dem Haus wurde im flämisch-italienischen Renaissancestil angelegt.

Nächst dem Wohnhaus richtete er eine große Werkstatt ein, der ca. 2500 Tafel- und Leinwandgemälde von Lehrlingen entstammen. Dieser Werkstattproduktion stand Rubens als Garant der Qualität vor. In der Meisterwerkstatt der oberen Etage machte Rubens selbst Zeichnungen, Porträts und kleinere Gemälde, und führte von dort Korrespondenz ins In- und Ausland. Seine erhalten gebliebenen 5000 Briefe sind in Niederländisch, Französisch, Latein und vor allem in Italienisch abgefasst.

Rubens verbrachte den größten Teil seines Lebens in diesem Haus. Am 30. Mai 1640 starb der Meister hier in seinem Wohnhaus an der Gicht.

Erst nach fast 300 Jahren, 1937, kaufte die Stadt Antwerpen das Gebäude.

Innenansicht der Antwerpener Jesuitenkirche von Wilhelm Schubert van Ehrenberg (ca. 1630-1687)
Die Antwerpener Jesuitenkirche, die heutige St.-Carolus-Borromaeuskirche, galt zur Zeit ihrer Erbauung als neues Weltwunder. Das Innere war ganz mit Marmor ausgekleidet. Um die Kirche in all ihrer Pracht wiederzugeben, verwendete Van Ehrenberg eine Marmortafel als Malgrund. Ausser zwei monumentalen Altären schuf Rubens 1616-18 in Zusammenarbeit mit Anthonis van Dyck 39 Deckengemälde für die Seitenschiffe der Kirche. 1718 wurde der Innenraum dieses 'Marmortempels' durch ein Feuer heimgesucht, bei dem die Deckengemälde von Rubens verloren gingen.

Selbstportrait von Peter Paul Rubens (1577-1640)
Im Vergleich zu seinem berühmten Kollegen Rembrandt schuf Rubens auffallend wenige Selbstportraits. Ruben malte nur vier, Rembrandt ungefähr 40. Ein weiterer Unterschied zu Rembrandt ist, dass Rubens sich in seinen Selbstportraits stets als selbstbewussten und distinguierter Mann von Welt und nie als Maler darstellte. Die anderen drei Selbstportraits befinden sich in Florenz, Wien und der Sammlung der Königin von England. Das Selbstbildnis im Rubenshaus ist das informellste der vier. Möglicherweise diente das Werk auch zum Gebrauch im Atelier, als Modell zum Abmalen für seine Assistenten. Diese Selbstporträt wird traditionell um 1630 datiert, das Jahr, in dem Rubens Helena Fourment heiratete. Der Maler war damals 53.

Es dauerte bis ins 19. Jahrhundert, bis die Stadt ihren berühmtesten Bürger öffentlich zu ehren wusste. 1843 wurde auf dem Groenplaats auf der Südseite des Liebfrauendoms ein von Willem Geefs geschaffenes Standbild zu Rubens' Ehren errichtet. Auch Rubens' 300. Geburtstag 1877 wurde in Antwerpen festlich begangen. Nur seine ehemalige Wohn- und Wirkungsstätte befand sich weiterhin in Privatbesitz.

Der Garten des Rubenshauses wurde vor allem in den Jahren 1993 und 2001 aufgewertet. Diese behutsamen Maßnahmen, die ohne eine verlässliche historische Quelle erfolgen mussten, wurden vom Europarat ausgezeichnet und führten zu einer Mitgliedschaft im European Garden Heritage Network.

Das Rubenianum, ein Forschungszentrum für die Studien zu Rubens und der flämischen Kunst, hat seinen Sitz im Kolveniershof im hinteren Gartenteil des Rubenshauses.

Auch in dieser Stadt scheint es keine Mülltonnen zu geben. Es wird alles in Plastiksäcken (Plastik!) bis 7,5 kg gesammelt und auf den Straßen gelagert. Einmal mehr frage ich mich, warum mir bei der Obst-/Gemüseabteilung das Sackerl verboten wird, wo es einen durchaus sinnvollen Einsatz hat. Jedoch in anderen Lebensbereichen die Kunststoffbeutel völlig übertrieben und belastend verschwendet werden.

Beim Markt van Morgen ist das Werk 'Nero' von Marc Sleen zu sehen.

Der älteste Zeichner Belgiens hat endlich seine verdiente Zeichentrickwand in Antwerpen. Es ist eine doppelte Wand geworden, eine Ode an sein umfangreiches Werk und seinen sympathischen Protagonisten Nero. Die Comic-Wand zeigt Nero auf dem Weg zum Nordpol, zeigt aber auch stimmungsvolle Bilder des Hafens, der Schlepper, der Scheldekais und der typischen Schelde-Hangars.

Entlang der Kloosterstraat befindet sich eine ungewöhnliche Statue von Peter dem Großen von Russland. Peter de Grote ist eine etwa 3 m hohe Statue, sehr detailliert und bietet eine großartige Selfie-Möglichkeit.
Es wird daran erinnert, dass Zar Peter der Große im Jahr 1717 Antwerpen besucht hat, um seine Kenntnisse des Schiffsbaus zu vertiefen.

Ein Fan hat einen Teddy zu seinen Füßen gelegt. (Nein, ich war's nicht.)

Straßenecke in der verkehrsberuhigten historischen Altstadt.

Anfang des 16. Jahrhunderts bauten die Augustiner im Armenviertel Sint-Andries, jetzt das Herz des Antwerpener Modeviertels, ihre St. Andreaskirche (Sint-Andrieskerk). In der Kirche entdeckt man herrliche Barockaltäre und Gemälde und Skulpturen aus dem 17. Jahrhundert. Weitere Höhepunkte sind ein Epitaph für die schottische Königin Maria Stuart und die schwungvolle Kanzel aus dem 19. Jahrhundert.

Die heutige Kanzel ist ein Meisterwerk von Jan-Baptist van Hoof und Jan-Frans van Geel (1821). Es ist die berühmteste Kanzel Antwerpens, vielleicht sogar des ganzen Landes. Sie zeigt deutlich die Berufung der ersten beiden Aposteln: Petrus und sein Bruder Andreas, der Schutzheilige dieser Gemeinde. Jesus und die beiden Brüder stehen hier in Lebensgröße, fast eine fühlbare Realität wie alle Objekte dieser Szene: das kleine Boot, die Muscheln, das Netz oder die Fische... Die realistische Darstellung der Personen, ihres Werkzeugs und ihres Fangs ist überraschend.

Die Kirche wurde mehrmals belagert, unter anderem während des Bildersturms und der Französischen Revolution, in der sie schwer beschädigt wurde. Zwischen 1970 und 1975 wurde das Gotteshaus umfassend restauriert.

Der Baustil der Kirche ist spätgotisch - mit zwei Ausnahmen: der Oberbau und der Turm zeigen typische Zeichen des Spätbarocks. Ihre beeindruckendsten Attraktionen sind der monumentale Hochaltar aus dem 17. Jahrhundert, die wunderschöne Kanzel von 1821 und ein kostbarer Reliquienschrein mit 36 Heiligen.

Der monumentale Hochaltar wurde von Peter I Verbrugghen (1665) und W.I. Kerricx (ca. 1729) geschaffen und illustriert die letzte Periode der barocken Altargestaltung. Deutlich bekommen wir die Madonna im vollen 'Schwung' und Glanz zu sehen: die Aufnahme Mariens in den Himmel. Das Interesse, das Maria hier in vollem Sinne genießt, ist kennzeichnend für die Gegenreformation, welche die Ehre der Gottesmutter gegen die Protestanten zu verteidigen suchte.

Der untere Teil besteht aus Marmor. Die scheinbare Marmorkrönung darüber, die Standleiste mit der Bildhauerkunst, ist aus Holz mit Gipsbelag. Dass dieser Altar aus einer Zisterzienserabtei stammt, ist erkennbar am Heiligen Bernhard und am Heiligen Robert von Molesmes, den Begründern des Zisterzienserordens.

Die naturalistische Kanzel erzählt aus dem Evangelium nach Matthäus (Mt 4, 18-20) die Berufung des Schutzheiligen Andreas und seines Bruders Peter. Beide Fischer werden mitten in ihrer Arbeit von Jesus angesprochen und aufgefordert, ihm zu folgen und fortan Fischer zu sein. Sie verlassen ihre Netze ohne zu zögern, sind aber immer noch erstaunt über einen solchen Anruf.

Weitere Meisterwerke sind Robrechts Alabasterdenkmal von 1620 und Hans Colijns de Nole für die katholische schottische Königin Mary Stuart (1542-1587) mit einem Porträt auf Kupfer von Pieter Pourbus. Es gibt auch das Bild einer heiteren Petrusfigur (Artus Quellinus d. Ä., 1658), die durch den Kampf des Gewissens gekennzeichnet ist, um einen Freund, Jesus, zu leugnen (Mt 26,75), und das silberne Reliquiar der 36 Heiligen.

Promenade am östlichen Pier.

Es geht hinab unter die Schelde. Zum Sint-Annatunnel gelangt man jeweils über zwei hölzerne Rolltreppen aus den 1930er-Jahren, die 31 Meter unter die Oberfläche führen. Die komplette Anlage des Sint-Annatunnels steht unter Denkmalschutz. Im Eingangshaus befindet sich eine Fotoausstellung mit Bildern aus der Bauphase in den 1930er Jahren und vom Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg.

Unten beginnt die im inneren Durchmesser 4,30 Meter breite Röhre mit einer Länge von 572 Metern. Der Tunnel ist damit erheblich länger als die Schelde breit ist, da er erst jenseits der Sicherheitsmauern endet, die auf der Altstadtseite zur Eindämmung des Flusses bei Sturmfluten errichtet sind. Der Tunnel wird seit den 1990er-Jahren auch per Fahrrad genutzt, dazu dient ein großer Lastenaufzug.

Auf der anderen Seite der Schelde kommt man am Westufer im Simons Park wieder raus und bekommt bei diesem Wetter ein entbehrliches Panorama geboten.

Der Stadtfestsaal Antwerpen (Stadsfeestzaal Antwerpen) ist ein neoklassizistisches Gebäude, welches 1908 erbaut wurde.

Das Gebäude liegt auf der Meir, einer der bedeutendsten Einkaufsstraßen Antwerpens. Lange Zeit beherbergte der Stadtfestsaal Kunstausstellungen, die Antiquitätenbörse, die Bücherbörse, den Autosalon und viele verschiedene Veranstaltungen. 2000 vernichtete ein Brand nahezu das ganze Gebäude.

Der Stadtfestsaal wurde renoviert und in ein Luxus-Einkaufszentrum umfunktioniert, welches am 25. Oktober 2007 eröffnet wurde. Ziel des Umbaus war es, Antwerpen noch stärker als Einkaufsmetropole zu positionieren.

So sieht man jetzt mehr oder weniger (schick) bekleidete Damen beim Shopping.

Spaß beiseite: Ich stolpere mitten in eine Modeschau hinein, weil gerade die Fashion Days sind.

Shopping Stadsfeestzaal beherbergt über 40 Geschäfte und begrüßt 6,5 Millionen kaufwütige Menschen pro Jahr.

Die Sankt Pauluskirche (Sint-Pauluskerk) ganz in der Nähe der Schelde, erbaut ab 1639, gehörte einst zum Antwerpener Dominikanerkloster.

Höhepunkte der Kirchenausstattung sind die prachtvollen Barockaltäre, die rund zweihundert Skulpturen und die rund fünfzig Gemälde von u.a. Rubens, Jordaens, Van Balen und Van Dyck.

Domien de Waghemakere und Rombout de Drijvere sind die mutmaßlichen Architekten der spätgotischen Kirche. Die Fassade zeigt Renaissance-Merkmale. Der Innenraum ist auch größtenteils im Barockstil.

1968 wurde die Kirche durch einen Brand schwer beschädigt. Anwohner, größtenteils Gemeindemitglieder, bildeten eine menschliche Kette und konnten nachts einen großen Teil der Kunstwerke aus dem Kircheninneren retten. Gemälde wurden mit Messern aus ihren Rahmen geschnitten. Die Wiederherstellung der Kirche dauerte lange; erst nach zwanzig Jahren bekam das Gebäude wieder ein Dach.

Die Orgel stammt aus dem 17. Jahrhundert, wurde aber mehrmals restauriert und vergrößert.

Der Altar des Heiligen Rosenkranzes enthält eine Kopie von Caravaggios Madonna del Rosario. Das Original wurde von Kaiser Joseph II. Von Österreich beansprucht und kann jetzt im Kunsthistorischen Museum in Wien besichtigt werden. Die Kopie vor Ort wurde von Bernardus de Quertenmont, dem damaligen Direktor der Königlichen Akademie der Schönen Künste von Antwerpen, angefertigt.

Das prachtvolle Interieur enthält mehr als 50 Gemälde berühmter Antwerpener Meister, Skulpturen, prachtvolle Barockaltäre und holzgeschnitztes Kirchenmobiliar, das zu den schönsten der Welt zählt.

Ein kleiner Museumsraum nebem dem Kirchenschiff bereichert den Rundgang.

Gleich neben der Kirche steht ein eindrucksvoller Kalvarienberg aus dem 18. Jahrhundert. Diese Nachbildung der Kreuzigung Jesu besteht aus mehr als 60 lebensgroßen Figuren.

Bereits 1998 entschloss sich die Stadt, ein neues Museumsgebäude im ehemaligen Hafenviertel von Antwerpen, dem 'Eilandje' zu errichten, das sich thematisch der Stadt, dem Hafen von Antwerpen und der Schifffahrt widmen sollte. Die Grundsteinlegung erfolgte 2006. Nach Abschluss der Bauarbeiten wurde das Museum aan de Stroom - MAS am 17. Mai 2011 offiziell vom Belgischen Königspaar eröffnet.

Da das MAS auch am Montag geschlossen hat, bin ich am Dienstag - schon wieder bei Regen - ein drittes Mal hinmarschiert. Da öffnet es auch erst um 10 Uhr und so beglücke ich (nässeflüchtend) im kostenlosen Hafenmuseum daneben die Angestellte mit meiner Anwesenheit. Die ist sichtlich erfreut über mein Interesse - vermutlich kommt sonst nie wer vorbei - und erklärt mir die am Fußboden großflächig fotomontierte Antwerpener Hafenanlagen mit spürbarer Begeisterung. Abstecher/Regenflucht/Zeitvertreib hat sich für mich voll rentiert. Top!

Die Ausstellungsräume des 62 Meter hohen Museumsturms sind über zehn Etagen in Containern oder 'Boxen' gestapelt. Dabei ist jede Ebene um 90 Grad gedreht, so dass sich eine spiralförmige Anordnung ergibt. Die dazwischen liegenden Galerien mit gewellten Glasflächen erlauben wechselnde Ausblicke auf Stadt und Hafen. Die Fassade des Museums aus rötlichem indischem Sandstein ist mit 3000 Händen aus poliertem Aluminium verziert, eine Anspielung auf die Herkunft des Stadtnamens von Antwerpen.

Blick vom Dach des MAS auf den Hafen von Antwerpen. Er hat eine Gesamtfläche von 150 km² und liegt an der Trichtermündung der Schelde. Durch diese Mündung fahren Schiffe von über 100.000 Tonnen über 80 Kilometer Inland. Die importierte Ware braucht so 80 Kilometer weniger per Eisenbahn- oder Straßenverkehr zurückzulegen.

Mit entscheidend für seine Größe ist die zentrale Lage des Hafens in Europa: In einem Radius von 250 Kilometern um den Hafen liegen fünf Hauptstädte und die deutsche Metropolregion Rhein-Ruhr (Ruhrgebiet bis Köln) mit 10 Millionen Einwohnern. In einem Radius von 500 km befinden sich 60 Prozent der Kaufkraft der Europäischen Union.

Gegenüber vom MAS kann man auf das Lotsengebäude am Tavernierkaai blicken. Das unter Denkmalschutz stehende eklektische Bauwerk befindet sich am rechten Scheldeufer vor dem Eingang der Bonaparte-Schleuse. Zwischen 1892 und 1895 waren die Verwaltungsdienste der Lotsen untergebracht. In dem Gebäude befanden sich bis 2016 die Seeschifffahrtsaufsichtsbehörde, seit 2018 wird es für Wechselausstellungen genutzt.

Mein Fazit: Bei meinem Besuch (Oktober 2019) wurde viel gebaut und renoviert. Tagsüber ist permanenter Lärm von Presslufthammer bis Steinschneider zu hören. Dementsprechend kommt es zu Wegsperrungen und Abzäunungen. Drei wichtige Sehenswürdigkeiten sind hinter Planen, Absperrplatten und Gerüsten bis mindestens 2020 versteckt: Der Kirchturm der Liebfrauenkathedrale, das Stadhuis und die Stadtburg Het Steen. Schade.

Trotzdem hat die Stadt Potenzial, der Bahnhof ist toll und die Onze-Lieve-Vrouwekathedraal wird imho von der Sint-Carolus-Borromeuskerk noch übertroffen. Sicherlich eine Reise wert.
Weiter geht es nach Gent.



Wem der viele Text zu lange war und lieber Bewegtbilder mit Musik mag, kann sich gerne dieses Video antun: