Brügge

Belgien - westwärts gequert, Oktober 2019

Weiter geht es nach Brügge und somit Zeit endlich etwas flämisch zu lernen.

Brügge (niederländisch Brugge, französisch Bruges) ist die Hauptstadt der Provinz Westflandern.

Im Spätmittelalter war die niederländische Region um Brügge eines der Zentren der Textilindustrie und des Fernhandels in Europa und damit eine der Geburtsstätten des Frühkapitalismus. In der Stadt residierten zeitweise die Herzöge von Burgund, unter deren Herrschaft Brügge zu einer der wirtschaftlich und kulturell reichsten Städte im damaligen Europa wurde.

Die Stadt ist sowohl zu Fuß als auch per Bootstour erkundbar. Die Kanäle, die die Stadt durchziehen, nennen die Einheimischen Reien nach dem im Mittelalter vollständig kanalisierten Flüsschen Reie, über das Brügge direkt mit der Nordsee verbunden war. Der mittelalterliche Stadtkern wurde 2000 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. 2002 war Brügge Europäische Kulturhauptstadt.

Gleich nach Minnewater beginnt der Beginenhof. Die Beginen waren eine mittelalterliche Lebensgemeinschaft von Frauen und führten ein andächtiges Leben. Dieses war die bekannte Ausprägung des im Spätmittelalter aufkommenden Semireligiosentums, eine Zwischenform von Klerus und Laie. Besonders für Frauen erschien es attraktiv, eine dem Mönchtum ähnliche Lebensweise zu wählen.

Winston Churchill fand diesen Beginenhof so nett, dass er davon ein Bild gemalt hat.

Die im Begijnhof gelegene St.-Elisabeth-Kirche (Begijnhofkerk Sint-Elisabeth) ist nach der heiligen Elisabeth von Ungarn benannt, die viele Beginenhöfe unterstützte. Diese schlichte Kirche aus rotem Backstein hat nur eine Statue an der Außenfassade. Im Inneren ist die Kirche mit ihren weiß getünchten Wänden, dem Hochaltar mit einem hohen religiösen Gemälde, den dunklen hölzernen Kirchenbänken und der Kanzel, einigen Glasmalereien in den Bogenfenstern und Stuhlreihen für die Gläubigen ebenfalls recht gewöhnlich. Die Kirche ist nicht groß und nicht mit Zierarchitektur geschmückt.

Zwei weitere Hochaltäre befinden sich in den schmalen Seitenschiffen. Das heutige Gotteshaus stammt aus dem 17. Jahrhundert. Es ist immer noch eine praktizierende Kirche, die von den Benediktinerinnen bewohnt wird, die jetzt in den weiß getünchten Reihenhäusern aus dem 16. bis 17. Jahrhundert gegenüber dem grasbewachsenen Innenhof der Kirche leben. Die Kirche und die Reihenhäuser am Wijngaardplein wurden von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Bei der Brücke zum Begijnhof am Wijngaardplein sind zahlreiche Schwäne am Minnewater anzutreffen. Natürlich gibt's eine Geschichte dazu:

Ende des 15. Jahrhunderts hatten es die Einwohner von Brügge satt, sich noch länger von ihrem ungeliebten Kaiser Maximilian von Österreich schikanieren zu lassen. Es kam zu einem Aufstand, bei dem sie den Kaiser und seinen Berater Pieter Lanckhals in Craenenburg auf dem Marktplatz einsperrten. Lanckhals wurde zum Tode verurteilt, und der Kaiser musste die Hinrichtung notgedrungen mitverfolgen. Einige Zeit später hatte Maximilian jedoch die Gelegenheit, sich zu rächen. Er zwang die Einwohner von Brügge, bis in die Ewigkeit die Schwäne oder 'Langhälse' auf ihren Kanälen zu pflegen. Eine Stadtlegende war geboren.

Was hier so idyllisch aussieht - was es auch ist - soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass im Minutentakt voll(st)besetzte Touristenboote vorbeibrausen. Angeblich ist eine Kanalfahrt in Brügge ein MUST-DO.

Fünf ansässige Bootsanbieter teilen sich die üppigen Nachfragekuchen zum sportlichen Einheitspreis auf. Dies, die überfüllten Boote und der häufige Regen haben mich schlussendlich von einer Bootsfahrt abgehalten. Außerdem hatte ich dieses Vergnügen bereits in Gent.

Die Bonifaciusbrücke wurde erst Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet und ist eine der jüngsten Brücken der Stadt. Dort lassen sich die märchenhaften Grachten mit den überhängenden (Fachwerk-)Häuschen und den vorbeifahrenden Booten bewundern.

Die Bonifaciusbrug (Bonifaciusbrücke) ist beim Arentshof hinter der Onze-Lieve-Vrouwekerk und so ein Selfie-Hotspot wie die Karlsbrücke in Prag. Es verläuft sich nur viel schwieriger auf die etwa 10 Meter.:-]

Das vermutlich kleinste Barockfenster der Welt. Vom heutigen Gruuthusemuseum konnte der Zöllner an der Bonifaciusbrug überwacht werden.

Liebfrauenkirche (niederländisch Onze-Lieve-Vrouwekerk) ist der Name einer gotischen Kirche. Die Liebfrauenkirche, deren Anfänge in das frühe 13. Jahrhundert zurückreichen, gehört stilistisch zu den frühesten Backsteinarchitekturen in Flandern.

Das zunächst dreischiffige Langhaus entstand zwischen 1210 und 1230. Die zwei filigranen Treppentürme an der Westfassade datieren um 1280. In der um diese Zeit bereits begonnenen zweiten Bauphase, die bis 1335 reichte, entstanden Querhaus, Chor und der in ungewohnter Weise nördlich des Langhauses platzierte mächtige Turm von 1320, der mit 115,6 Meter Höhe das südliche Stadtbild prägt.

Bemalter Rokokoaltar von Pieter Pepers aus Holz mit einer Figur aus Marmor von 'Unserer Lieben Frau'. Sie stammt aus der abgebrochenen Kathedrale St. Donaas. Pieter Pepers (1730-1785) ist in dieser Kirche getauft. Er war der meist bekannte Brügger Bildhauer im 18. Jahrhundert.

1345 wurde dem Langhaus ein zweites nördliches Schiff angefügt, 1450-1474 entstand sein Gegenstück im Süden. Diese beiden äußeren Seitenschiffe der nunmehr fünfschiffigen Anlage repräsentieren zusammen mit dem in der Spätphase errichteten Paradiesportal am Turm den Stil der Brabanter Gotik, die auf nordfranzösische Einflüsse zurückgeht.

1480 war der Bau von Sakristei und Kapellen abgeschlossen.

Das Passionstriptychon von Barend van Orley

Barend van Orley (Brussel, 1488-1541) war ein wichtiger flämischer Maler der Renaissance. Diese Triptychon wurde 1534 von Margaretha von Österreich bestellt. Sie war die Tochter von Maria von Burgund und Maximilian von Österreich. Das Werk war bestimmt für die Grabkirche in Brou, die die Prinzessin in Bourg-en-Bresse (Savoyen) in Erinnerung an ihren Gemahl Philipp von Savoyen hatte errichten lassen. Nach dem Tod von Orley bekam der Brügger Maler Marcus Gerards 1561 den Auftrag, das Werk zu vollenden.

Sanctus, der nach seinem Anfangswort benannter Teil des Ordinariums, ist auch hier anzutreffen.

Die Orgel geht zurück auf ein Instrument, das 1721/1722 von dem Orgelbauer C. Cacheux (Arras) erbaut worden war. 1954 baute der Orgelbauer Loncke in dem vorhandenen historischen Gehäuse ein neues Orgelwerk, wobei er vorhandenes Pfeifenmaterial wiederverwandte. Das Instrument hat 35 Register auf drei Manualen und Pedal. Die Trakturen sind elektropneumatisch.

In der Kirche befinden sich unter anderem der Sarkophag von Karl dem Kühnen und neben diesem, der seiner Tochter Maria von Burgund. Das Grabmal der 1482 verstorbenen Maria, der Gemahlin von Maximilian I., wurde von Jan Borman d. Ä. entworfen und 1502 von Renier van Thienen in Bronze gegossen. Die ebenfalls bronzene Grabmalfigur Karls des Kühnen, die auf einen Entwurf von Cornelis Floris zurückgeht, vollendete der Bildhauer Jacob Jonghelinck im Jahr 1562.

Die Brügger Madonna ist eine Skulptur von Michelangelo aus den Jahren 1501 bis 1506 in der Moscron-Kapelle. Sie ist unsigniert, mit Basis 1,26 m hoch und aus poliertem Marmor. Sie ist eine Vollplastik, auf Vorderansicht zur Anbetung gestaltet. Die Darstellung zeigt Maria mit dem stehenden Jesusknaben. Beide haben niedergeschlagene Augenlider, die Leonardo da Vinci bei seinen Mariendarstellungen eingeführt hat.

1944 wurde sie von der deutschen Besatzungsmacht beschlagnahmt und in einem stillgelegten Bergwerk in Altaussee gelagert, von wo sie später zusammen mit anderer NS-Raubkunst in das in Linz geplante Führermuseum gebracht werden sollte. Die Brügger Madonna ist ein zentrales Thema des Films 'Monuments Men - Ungewöhnliche Helden' (2014). Neben den Wegen anderer Raubkunst wird auch die Suche nach ihr und ihre Bergung in Altaussee nach dem Fall des Naziregimes 1945 dargestellt.

Wie mehrere Tourguides unabhängig voneinander beauskunften, wird die Verfilmung realitätsfern, übertrieben proamerikanisch und geschichtsverfälschend dargestellt.

Was jedoch Tatsache ist, ist die gegenwärtige Baustelle und Renovierung der Kapelle mit Guckloch auf die Madonna für die zahlenden Touristen.

Viel weniger lokale Personen wussten mit dem Filmtitel 'Brügge sehen... und sterben?' (In Bruges, 2008) etwas anzufangen. Für mich der Grund, warum ich überhaupt dort hin wollte. Seltsam.

Die Kirche ist ein Paradebeispiel der Backsteingotik, ist aber gleichzeitig durch die jahrhundertealte Verbindung mit dem Gruuthusepaleis über eine Gebetskapelle im hohen Chor sehr außergewöhnlich.

Das typische Postkartenmotiv am Rozenhoedkaai.
Das Gebäude mit der Fensterfront zum Wasser hatte eine wesentliche Filmszene in 'Brügge sehen und sterben'.

Der Rozenhoedkaai ist eine touristische Hauptsehenswürdigkeit und daher entsprechend oft von Reisegruppen besucht. Hier sind die meisten berühmt-schönen Ansichten der Altstadt konzentriert. Auf Grund der relativ großen Altstadt von Brügge verteilt sich der Besucherstrom, daher gibt es genügend stillere Bereiche. Und wie an den meisten (nicht allen!) Orten ist nachts sowieso kaum noch wer unterwegs.

Beim Hotel Bourgoensch Hof in der Wollestraat

In der Wollestraat ist die Bierhandlung 2be (The Beerwall) beliebt, ein Brauhaus mit Flaschenverkauf, Bierwand-Ausstellung und Terrasse mit malerischem Flussblick.

Das Stadthuis Brugge ist als prachtvolles Rathaus ein Klassiker der Spätgotik, der als Vorbild für unzählige neugotische Bauwerke Epoche machte.

Der Platz nennt sich 'Burg' und war bereits im 2. Jahrhundert bewohnt. Im 9.Jahrhundert wurde er zur Ausgangsbasis des Grafen von Flandern. Vom Brügger Freiamt aus wurde ab dem Spätmittelalter bis 1795 das Land verwaltet. Anschließend wurde der Komplex beinahe 200 Jahre lang von den Gerichten vereinnahmt. Links vom Rathaus aus dem 14. Jahrhundert die Alte Kanzlei, ein außergewöhnlicher Brügger Renaissancebau, rechts davon die Basilika des Heiligen Blutes, wo die Reliquie des Heiligen Blutes aufbewahrt wird.

Das Rathaus (Stadhuis) von Brügge ist eines der ältesten Rathäuser Belgiens. Dessen Bau begann im Jahr 1376 und dauerte bis 1421. Das Gebäude inspirierte die Baumeister der Rathäuser in Brüssel, Gent, Leuven und Oudenaarde und hatte einen großen Einfluss auf den gotischen bürgerlichen Baustil der Stadt.

Von 1376 bis 1421 wurde am zentralen Burgplatz das Stadthaus (Stadhuis van Brugge) als Sitz des Stadtrats errichtet. Das Bauwerk ist eines der ältesten Beispiele gotischer Baukunst in ganz Flandern und den Niederlanden, die prachtvoll mit Bildhauerarbeiten geschmückte Fassade wurde im 16. und 17. Jahrhundert mehrfach erweitert und gibt Auskunft über den großen damaligen Reichtum Brügges. In der Französischen Revolution wurde die Fassade fast vollständig zerstört, von 1895 bis 1905 wurde der gesamte Innenraum saniert und umgebaut.

Besonders sehenswert ist der große Saal des Gebäudes. Er ist im gotischen Stil eingerichtet und verfügt über prächtige Wandmalereien, die die Geschichte von Brügge zum Thema haben. In liebevoller Arbeit haben die Künstler ein Wandbild entworfen, auf dem vor allem die goldenen Zeiten von Brügge dargestellt werden. Kirchen- und Stadtgeschichte sind hier ebenso verewigt wie einflussreiche Adelige und berühmte Bürger der Stadt. Auch die über die Jahrhunderte hinweg hochentwickelten Künste und Handwerke werden bildlich gewürdigt.

Auch der 'Historische Saal' im alten Stadhuis ist zugänglich und beherbergt historische Dokumente, Ausstellungsstücke und Gemälde. Wer die Ausstellung und baulichen Besonderheiten besichtigt, dem werden sich viele spannende Ereignisse der Stadtgeschichte sowie das über Jahrhunderte hinweg interessante Verhältnis der Brügger Bürger, Fürsten und Administrationen erschließen.

Das Wachpersonal ist hier eine Dame, die meine üblichen Kunststücke ganz genau beobachtet. Nachdem ich mich in alle Ecken gedrückt und mittig auf den Boden gelegt habe (Blickwinkel 114 °), spricht sie mich an. Sie vermutet bei solchem Körpereinsatz einen Fotografen vor sich zu haben, erzählt mir von ihrem letzten Fotoshooting und zeigt mir Bilder von sich auf ihrem Handy.

Immer wieder interessant, was man von wildfremden Frauen ungefragt zu sehen bekommt.
Mich stört das aber nicht, mich amüsiert der Gedanke, wenn/wie das umgekehrt wäre...#metoo...

Auch heute schlägt hier das politische Herz der Stadt. Der Brügger Gemeinderat trifft heute noch stets monatlich im Gotischen Saal zusammen. In diesem eindrucksvollen Dekor versprechen einander auch hunderte verliebte Paare ewige Treue.

Der Gotische Saal im ersten Stockwerk, wo Wandmalereien aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts die Geschichte von Brügge darstellen. Darüber hinaus springt auch das Gewölbe mit originalen polychromierten Konsolen aus dem 14. Jahrhundert ins Auge.

Bei meinem abendlichen Streifzügen komme ich am Restaurant 'De Vlaamsche Pot' vobei. Das ist auch so eine Ecke, die man auf Instagram immer wieder zu sehen bekommt.

Koninklijke Stadsschouwburg Brugge ist ein restauriertes Barocktheater aus dem 19. Jht. Die Brügger Stadsschouwburg von 1869 begeht in diesem Jahr ihr 150-jähriges Bestehen und ist eines der besterhaltenen Stadttheater Europas. Hinter der schlichten aber würdevollen Neorenaissance-Fassade des königlichen Theaters befindet sich ein palastartiger Theatersaal mit einem majestätischen, in den Farben Rot und Gold gehaltenen Foyer.

Die Papageno Statue steht vor der Stadsschouwburg und zeigt die bekannte Figur aus Mozarts Oper "Die Zauberflöte".

Die Schokoladenmafia rüstet sich für Halloween.

Am Marktplatz befindet sich die Tuchhalle mit ihrem 83 m hohen Belfried, dessen Aussichtsplattform liegt 366 Stufen hoch. Ebenfalls am Marktplatz der neogotische Provinciaalhof aus dem 19. Jahrhundert, in ihm ist das Historium untergebracht.

Den Belfried darf man gegen 12 EUR Gebühr besteigen, das Carillon (Glockenspiel) mit seinen 47 Glocken darf man gratis hören. Der Einlass endet um 17 Uhr, um 16:56 Uhr war ich der letzte Ticketkäufer und muss erst warten bis einer den Turm verlässt, bis ich hoch darf. Die Anzahl der Besucher zu limitieren hat seinen Grund, die einzige Treppe ist so eng, dass man unweigerlich auf Tuchfühlung geht bei Gegenverkehr. Ganz oben ist auch nicht zuviel Platz - außer man ist wie ich auch hier der letzte Tourist und kann sich die verbleibenden Minuten vom Sturm umblasen lassen.

Der Brügger Belfried wurde 1999 in die UNESCO-Liste des Welterbes als Kulturdenkmal aufgenommen. Das Glockenspiel erklingt vor den Viertelstundenschlägen automatisch über die größte, älteste erhaltene Stecktrommel. Es kann auch als Carillon über einen Spieltisch durch einen Glockenspieler (hier auch Beiaardier genannt), bespielt werden.

Der Brügger Belfried ist 83 m hoch und in die Stadthallen (Stadshallen) am zentralen Marktplatz von Brügge (Grote Markt) integriert. Er wurde ebenso wie diese im 13. Jahrhundert erbaut. Im Spätmittelalter demonstrierte der alle Bauwerke der Stadt überragende Turm die Macht des selbstbewussten reichen Bürgertums und diente als Brandwache. Noch heute darf ihn kein Neubau überragen.

Beim Hochsteigen kann an der Schatzkammer, in der im Mittelalter wichtige Stadturkunden, das Stadtsiegel und die Stadtkasse aufbewahrt wurden, beim beeindruckenden Uhrwerk oder beim Glockenspiel Halt machen.

Blick auf das Rathaus und den Burgplatz vom Belfried.

International wurde der Turm auch durch den Film 'Brügge sehen... und sterben?' bekannt. Darin wurde Brendan Gleeson von der Plattform gestürzt. Ich bekomme durch das Gitter nicht mal ein 77er-Objektiv durch. Weder ohne GeLi, noch mit Gewalt.

Jan van Eyckplein (Jan van Eyckplatz), wo nicht ganz zufällig auch die Statue von Jan van Eyck steht.
Jan van Eyck (1390-1441) war ein flämischer Maler des Spätmittelalters und gilt als der Begründer und zugleich der berühmteste Vertreter der altniederländischen Malerei. Wegen seiner vollendeten Maltechnik und seines Sinns für eine wirklichkeitsgetreue Darstellung wurde er von vielen Autoren sogar als 'König unter den Malern' bezeichnet.

Der Wasserlauf entlang des größten Teils der Schifffahrt vom Dampoort bis zum Grote Markt wurde als Spiegelrei bezeichnet. Es gab natürlich eine Straße entlang beider Seiten des Kanals. Beide Straßen hießen wie der Rei selbst Spiegelrei. Die fehlende Unterscheidung zwischen den beiden Fahrbahnen war anscheinend ärgerlich. Deshalb wurde der Spiegelrei auf der Südseite in Spinolarei umbenannt. Der Name wird auf den spanischen General Ambrogio Spinola (1569-1630) zurückgeführt, der zur Zeit der Belagerung von Ostende dort gelebt hat.

Die Spinolarei führt vom Jan van Eyckplein bis zum Verversdijk.

Die Altstadt ist von Wallanlagen, auf denen Windmühlen stehen, und Kanälen umgeben. Da Brügge nie durch Kriege oder großflächige Brände zerstört wurde, sind mittelalterliches Stadtbild und historische Gebäude sehr gut erhalten.

Die Mühlen Sint-Janshuismolen und Bonne Chieremolen (1844) im Park Kruisvest.

Das älteste Kreuztor (Stadttor Kruispoort) wurde mit der zweiten Stadtmauer (1297-1304) errichtet und bereits 1366 ersetzt. Philip van Artevelde zerstörte das Tor, als er 1382 mit den Genter Bürgern die Stadt einnahm. Im Jahre 1400 folgte Tor Nummer drei. Allein die beiden schweren Türme mit ihrem schmalen Durchgang und zwei achteckige Türmchen blieben erhalten. Karl V., Napoleon, das deutsche Heer, sie marschierten alle durch dieses Tor nach Brügge.

Ich nicht, denn nun sind die paar Meter für Fußgänger verboten und ein Auto alleine hat auch nicht zuviel Platz bei der Durchfahrt.

Ein Beispiel für phantasievoll pietätlose Schokoladendesignkreationen.

Netter Blickwinkel mit Hotel de Castillio in der Heilige Geeststraat zur Liebfrauenkirche (Onze-Lieve-Vrouwekerk).

Die St.-Salvator-Kathedrale ist die Bischofskirche des römisch-katholischen Bistums Brügge seit dessen Wiederbegründung 1834. Zuvor war sie Pfarr- und Kollegiatstiftskirche. Aus seiner jahrhundertelangen Baugeschichte umfasst dieses Bauwerk der flämischen Backsteingotik Formen der Scheldegotik, der Hochgotik (Brabanter Gotik), aber auch der Neugotik und Neuromanik.

Die Salvatorkathedrale ist eine überwiegend aus gelbem Backstein errichtete gotische dreischiffige Basilika mit einem schmalen Querhaus in der Mitte zwischen den vier Langhaus- und den vier Chor-Jochen. Die Apsis umgeben ein Chorumgang und ein Kranz von fünf Kapellen.

Die Kathedrale wird nach einer Außenrenovierung derzeit innen renoviert. Der hintere Teil ist für die Arbeiten abgeteilt, der vordere steht für Gottesdienste und Veranstaltungen zur Verfügung.

In das Museum der Kathedrale wurden zahlreiche weitere Ausstattungsstücke verbracht: Schreine, Reliquiare und andere Goldschmiedearbeiten aus dem Kirchenschatz, Paramente, Skulpturen u. a.

Die Kirche besitzt zahlreiche Gemälde, die bedeutendsten sind in das angeschlossene Museum verbracht worden. Die Wandmalereien sind von 1875 und auch die Glasfenster stammen aus dem späten 19. Jahrhundert.

Über dem Chorgestühl aus dem 15. Jahrhundert wurden 1478 24 messingene Wappen der Ritter vom Goldenen Vlies angebracht, aus Anlass der 13. Versammlung dieses Ordens, der 1430 in Brügge gegründet worden war und die vornehmsten burgundischen Adligen vereinte. In der Zone darüber hängen acht Gobelins nach Kartons von Jan van Orley, ausgeführt 1731 in Brüssel.

Zunächst war der Kirchenraum wie bei vielen Kirchen in Flandern mit hölzernen Tonnengewölben gedeckt. Im Langhaus wurden sie um 1635 durch gemauerte Kreuzrippengewölbe ersetzt, im Chor sogar erst 1738/1739. Trotz dieser wechselvollen und durch mehrere Brände unterbrochenen Geschichte bietet der Innenraum ein überraschend einheitliches und klares Erscheinungsbild.

Passionsretabel, Brüssel, um 1480 (Polychromiertes Holz, Schrein und Flügel, Brügge, Charles Beyaert, 1894)

Das Passionsretabel besteht aus fünf Szenen aus der Passion und dem Tod Christi: die Geibbelung, die Kreuztragung, die Kreuzigung, die Kreuzabnahme und die Grablegung. In der Ikonographie des Mittelalters ist die Passion Christi eine der populärsten Themen. Stilistisch und technisch passen die Figuren in die Brüsseler Skulpturproduktion des 15. Jahrhunderts.

Angebaut am Stadhuis ist das Landhuis van het Brugse Vrije (Brügger Freiamt), erbaut 1434-1532. Es diente als Sitz und Ratsgebäude der Kastellanei Brügge und war später das Gerichtsgebäude.

Von diesem Landeshaus aus wurde früher die Brugse Vrije (das Brügger Umland) regiert. Von 1795 bis 1984 diente es dann als Gerichtsgebäude.

Heute ist hier das Stadtarchiv untergebracht, wo alle schriftlichen Erinnerungen der Stadt zusammengetragen werden. Im Landeshaus befindet sich ein alter Assisensaal und ein Renaissancesaal mit einem von Lanceloot Blondeel entworfenen prunkvollen Kaminaufsatz aus Holz, Marmor und Alabaster aus dem 16. Jahrhundert.

Jahrhunderte fürstlicher Macht und Rechtsprechung werden in dem monumentalen Prunkkamin aus dem Jahr 1528 vereint. Der Kamin ist eine Hommage an Kaiser Karl V (1500-1558). Er ist aus Eichenholz, Marmor und Alabaster aufgebaut und wurde von Lanceloot Blondeel entworfen. Das Gemälde von Gillis Van Tilborch aus dem 17. Jahrhundert bietet eine gute Vorstellung von einer Sitzung im Schöffensaal.

Das Brügger Freiamt war seit Anfang des 12. Jahrhunderts die Bezeichnung für einen unabhängigen administrativen, finanziellen und gerichtlichen Bestandteil der Grafschaft Flandern. Das Gebiet umfasste die Region und die Gemeinden rund um Brügge, begrenzt durch die Nordsee, die Westerschelde und die Yser.

Heute ist das Stadtarchiv von Brügge im Landhaus des Brügger Freiamtes untergebracht. Lediglich der Schöffensaal ist Bestandteil von Musea Brugge. Das Stadtarchiv bewahrt das schriftliche Gedächtnis der Stadt, wodurch es eine Schatzkammer für historische Forschung ist.

Am Burgplatz hat die Provinzverwaltung von Westflandern (Provinciebestuur van West-Vlaanderen) im Provinzialpalast (Provinciaal Hof) ihren Sitz.

Die Heilig-Blut-Basilika in Brügge ist das älteste Gebäude am architektonisch bedeutendsten Platz von Brügge, der in unmittelbarer Nähe des Marktes gelegenen Burg. Die Doppelkirche besteht aus der Basiliuskapelle als Unterkirche und einer Oberkirche. Der Sakralbau ist Aufbewahrungsort einer der bedeutendsten Reliquien Europas - einer Ampulle mit dem Blut Christi. Seit 1923 hat sie den Rang einer Basilica minor.

In der Heilig-Blut-Basilika (Basiliek van het Heilig Bloed) im Zentrum von Brügge wird die von den Katholiken als einer der bedeutendsten Reliquien Europas verehrte »Ampulle mit dem Blut Christi« aufbewahrt. Die Reliquie wird seit 1291 immer zu Christi Himmelfahrt während der Heilig-Blut-Prozession durch die Stadt getragen. Der aus Brügge stammende Graf und Kreuzritter Dietrich von Elsass soll die Reliquie für tapfere Taten während des Zweiten Kreuzzuges in Jerusalem erhalten haben. 2009 wurde die Heilig-Blut-Prozession in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.

Die Doppelkirche besteht aus einer 1149 vollendeten romanischen Unterkirche - der Basiliuskapelle - und einer Oberkirche, die 1790 von französischen Truppen zerstört, im 19. Jahrhundert aber wiederaufgebaut wurde.

Die Ampulle mit dem Blut Christi wird in einem silbernen Reliquienschrein (von 1661) aufbewahrt.

Die Kapelle wurde im 15. Jahrhundert im gotischen Stil umgebaut, ist jedoch vor allem wegen der neugotischen Einrichtung des 19. Jahrhunderts wichtig. Die Kirche wurde aufgrund der besonderen Verehrung des Heiligen Blutes im Jahr 1923 zu einer Basilika erhoben.

Noch mehr Schokozeux, diesmal sittentauglich.

Die Lokale am Großen Markt unterscheiden sich nicht viel voneinander. Außerdem scheint es Einheitspreise zu geben. Unter EUR 20,- gibt es keine vernünftige Malzeit, egal wo.

Die Brügger Pfarrkirche St. Magdalena und St. Katharina (Heilige Magdalenakerk, Kerkfabriek Heilige Maria-Magdalena En Heilige Catharina) stammt aus dem Jahr 1853 und ist eine der frühesten neugotischen Kirchen auf dem Festland, in denen die englischen Ansichten erkennbar sind, die an die sogenannte archäologische Gotik anknüpfen.

Die Kirche befindet sich im Süden des Astridparks und ist denkmalgeschützt. Bis heute behält sie ihren Status als Pfarrkirche. Gleichzeitig ist sie die Heimat von YOT, einem Labor für Lebensphilosophie und Raum für Perspektive. Als kleine Organisation möchte YOT Bewegung in den Bereich von Bedeutung und Spiritualität bringen.

Der Astridpark diente als Drehort in einer wichtigen Filmszene aus 'In Bruges'.

Zur Zeit von Brügge wurde YOT 2002 in und um die Magdalena-Kirche als Europäische Kulturhauptstadt gegründet. In diesem Zusammenhang wurde die Innenarchitektur dieser Kirche einer originellen und radikalen architektonischen Intervention unterzogen. Eine multifunktionale Plattform wurde zentral im Schiff platziert, die für verschiedene Zwecke genutzt werden kann. Der Chor wurde umgestaltet und die Lagerflächen westlich des Chores zu Notunterkünften umgebaut.

Der Marktplatz wird beherrscht vom Belfried, bereits seit Jahrhunderten das stolze Aushängeschild der Stadt und idealer Wachturm in Kriegszeiten, bei Brand und sonstigem Unheil. Am Fuße des Belfrieds befinden sich die berühmtesten Frittenbuden der Welt! Etwa in der Platzmitte ist das Standbild von Jan Breydel und Pieter De Coninck, zwei Brügger Volkshelden, die 1302, als sich die Flamen gegen die französische Vorherrschaft auflehnten, bei der Schlacht der Goldenen Sporen eine wichtige Rolle gespielt hatten. Von diesem Denkmal aus hat man eine schöne Sicht auf den neugotischen Provinzialpalast (Markt 3). Bis ins 18. Jahrhundert stand hier die Waterhalle, der überdachte Stapelplatz, wo eifrig geladen und gelöscht wurde. Die Grachten flossen am Markt entlang. Auch heute ist das noch der Fall, jedoch unterirdisch.

Der Rozenhoedkaai ist bereits seit vielen Jahren der am meisten fotografierte Ort Brügges ist. Hier kann sich jeder seine eigene Ansichtskarte von Brügge knipsen. Oder auch fotografieren.

Und damit zum Fazit: Nach Antwerpen (1993) und Brüssel (2000) wurde Brügge 2002 zur Kulturhauptstadt Europa erklärt. Ich bin froh es endlich auch gesehen zu haben. Die Stadt ist definitiv eine Reise wert, das wissen allerdings auch andere - es überläuft sich wie ein Museumsdorf á la Venedig. Passenderweise wird Brügge auch als 'das Venedig des Norden' bezeichnet.
Und nüchtern betrachtet kann es Gent nicht toppen.

Die überschüssige Reisezeit verplane ich mit einem Tagesausflug nach Ostende.



Wem der viele Text zu lange war und lieber Bewegtbilder mit Musik mag, kann sich gerne dieses Video antun: