Tramway Museum Graz

in der ehemaligen Remise der Kleinbahn Graz-Mariatrost, Juli 2024

Das Tramway Museum Graz befindet sich in der ehemaligen Remise der Kleinbahn Graz-Mariatrost an der Endstation Mariatrost der Straßenbahnlinie 1 der Graz Linien. Es beherbergt ehemalige Straßenbahnwagen aus Graz und Wien. Das Museum besitzt über 30 Triebwagen, Beiwagen und Arbeitswagen. Ziel des ehrenamtlichen Vereines ist es, Straßenbahngeschichte an zukünftige Generationen weiterzugeben.

 Tramway Museum Graz, Juli 2024

Triebwagen 117 (Graz)
Länge = 9,75m, Breite = 2,00m, Achsstand = 2,40m, Leergewicht = 10.500kg Sitzplätze = 18, Stehplätze = 36
1909 für die GTG von der Grazer Waggon- und Maschinenfabriks AG gebaut. Fuhr bis 1951 unter der Nummer 87, anschließend erhielt er die Bezeichnung 117. 1918 bekam er ein neues Laufgestell, 1939 einen Scherenstromabnehmer und 1952 einen neuen Wagenkasten. War bis 1963 eingesetzt (Laut einer Verfügung des Bundesministeriums f. Verkehr u. Elektrizitätswirtschaft vom 31. Oktober 1963 mußten sämtliche Betriebsmittel, welche vor dem Ersten Weltkrieg beschafft worden waren, außer Dienst gesetzt wer-den). 1967 wurde er an eine Destillerie- und Getränkefirma verkauft, die ihn auf der Grazer Messe als Schnapsbude verwendete. 1970 kaufte ihn BR Dipl. Ing. Erwin FRANZ von diesem Unternehmen und beauftragte die Grazer Verkehrsbetriebe mit der Restaurierung. Am 16.Jänner 1971 führte er den Festzug der feierlichen Einstellung der Linie 2 (Ringlinie) an.

 Tramway Museum Graz, Juli 2024

Triebwagen 117 - Pionier des Museums
Triebwagen 117 wurde 1909 von der Grazer Waggonfabrik für die Grazer Tramway erbaut und als Triebwagen 87 in den aktiven Wagenstand aufgenommen. Im Zuge einer Sanierung erhielt das Fahrzeug 1951 ein neues Laufgestell und einen neuen Wagenkasten und wurde gleichzeitig in 117 umnummeriert. Mit dieser Nummer verkehrte er bis 1963 im Fahrgastbetrieb und darüber hinaus bis 1967 als Arbeitswagen. Nach der Ausmusterung gelang der Triebwagen in private Hände und fand unter anderem als Verkaufsstand auf der Grazer Messe Verwendung. 1970 wurde der Wagen von Dipl.-Ing. Erwin Franz erworben. Daraufhin kam er sogleich am 16. Jänner 1971 bei der ersten Sonderfahrt des TMG anlässlich der Einstellung der Linie 2 als führender Zug zum Einsatz. Der Triebwagen ist aktuell nicht einsatzbereit.

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Die Steiermark bietet ein vielfältiges und interessantes Angebot im Bereich der Eisenbahnnostalgie und des Eisenbahnerlebnisses. Das Tramway Museum Graz ist einer der vielen Partner im Verband Bahnerlebnis Steiermark und bietet eine ganz besondere Attraktion: In der historischen Museumsremise am Fuße der Basilika Mariatrost, der Endstation der Linie 1, präsentieren sich historische Straßenbahnen aus verschiedenen Ländern und Epochen in einem einmaligen Ambiente.

Baurat h.c. DI Erwin Franz - sein Großahne Andrea Franz war der Erbauer der Mariatrosterbahn, der ersten elektrischen Kleinbahn im damaligen Herzogtum Steiermark gründete 1971 den Verein „Tramway Museum Graz". Bei der Einstellung der Ringlinie 2 am 16. Jänner 1971 präsentierte das „Tramway Museum Graz" die Straßenbahnoldtimer der Öffentlichkeit. Seit der Gründung des Vereins werden historisch wertvolle Straßenbahnwagen gesammelt, restauriert und in betriebsfähigen Zustand gehalten.

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Mit der Umwandlung des Pferdebahnunternehmens Grazer Tramway-Gesellschaft in eine Kleinbahn wurde die rechtliche Grundlage geschaffen, die bisher bestehenden Grazer Straßenbahnlinien elektrisch zu betreiben. Dafür gab es auch einen konkreten Auftrag zur Modernisierung durch eine Konzession des k.k. Eisenbahnministeriums aus dem Jahr 1897. Die Adaptierung des Bestandsnetzes schlug sich mit 563.813 Gulden (entsprechen in etwa der heutigen Kaufkraft von € 9.716.364,21) zu Buche, inklusive der Beschaffung von Motorwagen und der Adaptierung der bestehenden sowie des Baues einer neuen Remise. Letztere wurde in der Steyrergasse errichtet und ist die heutige Remise I. Die bestehende Remise am Hauptbahnhof wurde zur Remise II.

Ab Juli 1898 begannen die Bauarbeiten am Oberbau und die Errichtung erster Oberleitungen entlang der Strecken. Schon zehn Monate später - Ende April 1899 - wurde das zur Stromerzeugung benötigte Dampfkraftwerk fertiggestellt. Dadurch konnten am 2. Mai 1899 erste Probefahrten unternommen werden. Das Tramwaynetz wurde sodann an zwei Tagen im Folgemonat auf elektrischen Betrieb umgestellt. Am 15. Juni 1899 wurden die Linien vom Jakominiplatz in Richtung Ostbahnhof und Schillerstraße elektrisch sowie gleichzeitig die Strecken in der Steyrergasse und über den Griesplatz eröffnet. Am 24. Juli 1899 folgte die Elektrifizierung der Ringlinie sowie die Eröffnung der Strecke vom Lendplatz durch die Keplerstraße zum Hauptbahnhof. Damit endete am 23. Juli 1899 der Pferdebahnbetrieb auf der Grazer Straßenbahn seit ihrer Eröffnung am 6. Juni 1878. Er dauerte etwas länger als 21 Jahre an.

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Beiwagen 191в - Das älteste Fahrzeug der Sammlung
Beiwagen 191B wurde 1873 für die Wiener Tramway-gesellschaft als Pferdebahnanhänger mit der Nummer 370 gebaut. Nach der Übernahme der privaten Wiener Straßenbahngesellschaften durch die Gemeinde Wien 1903 wurde dieses Fahrzeug in Type p2 1202 umbezeichnet und verkehrte fortan auch hinter elektrischen Triebwägen. Schließlich wurde 1929 dieser Beiwagen - gemeinsam mit acht anderen Vertretern der Type p2 - von der Grazer Tramway-Gesellschaft angekauft. Dort wurden die acht für den Fahrgasteinsatz bestimmten Wagen in 1918-198B umbezeichnet. Nach der Ausmusterung 1962 wurde Beiwagen 1918 an einen Spielplatz in Eggenberg abgegeben. 1969 wurde er von Dipl.-Ing. Erwin Franz entdeckt und für die Sammlung des Tramway Museum Graz gekauft. Der Beiwagen ist aktuell nicht einsatzbereit.

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Beiwagen 191B (Graz)
Länge = 8,62m, Breite = 2,05m, Achsstand 2,90m, Leergewicht = 3.930kg. Sitzplätze 18, Stehplätze = 36
1878 in Graz von der Waggonfabrik Weitzer, Graz für die Wiener Tramway-Gesellschaft als Pferdebahnwagen mit Nr.370 gebaut. Im Jahre 1899 Umbezeichnung in Nr.1405 der Type s4. 1901 Umbau in Nr. 1352 der Type p2. Bei der Wr. Städt. Straßenbahn ab 1903 p2 1202. 1929 von der Grazer Tramway Gesellschaft erworben und mit der Bezeichnung 191B bis 1961 in den Dienst gestellt. 1962 für Kinderspielplatz in Graz-Eggenberg abgegeben. Nachdem ziemlich starke Zerfallserscheinungen aufgetreten sind, 1969 von einer Schrottfirma abgeholt und dort von BR Arch. Dipl. Ing. Erwin FRANZ entdeckt und gekauft. Die Grazer Verkehrsbetriebe wurden mit der Restaurierung beauftragt. Am 14. Juni fuhr er wieder als Oldtimer-Attraktion durch Graz.

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Triebwagen 137 - Der Mettmanner
Triebwagen 137 wurde 1909 für die Kreis Mettmanner Straßenbahn GmbH von der Düsseldorfer Eisenbahnbedarfs-AG geliefert. Diese wurde 1937 von der Rheinischen Straßenbahngesellschaft AG aufgekauft. Nachdem dieser Triebwagen und zehn andere Vertreter derselben Serie dort obsolet wurden, kaufte die Grazer Tramway-Gesellschaft 1939 diese um den Fuhrpark ab 1941 aufzustocken. Alle Mettmanner überstanden den Zweiten Weltkrieg ohne Schäden. Nach dem Ausscheiden aus dem Fahrgastverkehr 1963 wurde dieser Triebwagen bis 1970 als Arbeitswagen verwendet - danach wurde er endgültig ausgemustert und von Vereinsgründer Dipl.-Ing. Erwin Franz für das zu gründende Tramway Museum Graz gekauft. Der Triebwagen ist aktuell nicht einsatzbereit.

Technische Daten
Baujahr 1908
Ausmusterung 1970
Übernahme TMG 1970
Länge 10,30 m
Breite 2,00 m
Achsstand 2,50 m
Leergewicht 12,50 t
Sitzplätze 20
Stehplätze 45

 Tramway Museum Graz, Juli 2024

Gerhard Schweyer wurde im Jahr 1969 von Erwin Franz (1915–2010, Gründer der Elektrischen Bahn Graz – Maria Trost) beauftragt, historische Grazer Straßenbahnwagen zurückzuholen. Die ersten Oldtimer im Museum waren die Beiwagen 191B und 60B. Die beiden Garnituren wurden bei der Grazer Verkehrsbetriebe (heute: Graz Linien) danach in den Ursprungszustand versetzt. Im Frühling 1970 waren die beiden Beiwagen als Sonderfahrt unterwegs.

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Da diese Sonderfahrt ein voller Erfolg war, wurde Jahr später, 1971, wurde der Verein Tramway Museum Graz gegründet. Anfangs wurden historische Straßenbahnen aus aller Welt nach Graz gebracht, restauriert und in den Museumsbestand aufgenommen. Aufgrund von Platzmangel einigte man sich, hauptsächlich Fahrzeuge aus Graz aufzunehmen. Erhalten ist heute allerdings immer noch je ein Fahrzeug aus New York und aus Wien. Am 16. Jänner 1971 wurde die Linie 2 der Grazer Verkehrsbetriebe eingestellt. Im Zuge dessen fanden die allerersten Sonderfahrten im Namen des Tramway Museum Graz statt.

 Tramway Museum Graz, Juli 2024

Im Jahr 1980 zog das Museum in die heutige Halle in Mariatrost ein. Diese wurde zuletzt von der Elektrischen Bahn Graz benutzt, mit der Einstellung dieser wurde die Halle vom Schienennetz der Grazer Straßenbahn abgetrennt. In den Folgejahren wurde viel in die Aufarbeitung dieser Halle investiert. Zusätzlich wurden zwei Flugdächer errichtet, worunter ebenfalls Oldtimer abgestellt werden können.

 Tramway Museum Graz, Juli 2024

Die Arbeitsgruppe Modellbahn widmet sich der stationären H0-Anlage, mobilen Anlagen und den Fahrzeugen der Grazer Straßenbahn im Modellformat. Ihre Tätigkeiten umfassen den Betrieb und die Weiterentwicklung der bestehenden Anlagen sowie die Planung und den Bau neuer Anlagen, Modelle und Objekte.

 Tramway Museum Graz, Juli 2024

 Tramway Museum Graz, Juli 2024

 Tramway Museum Graz, Juli 2024

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Triebwagen 234 - Erste Triebwagen der Nachkriegszeit
Als erste Neubauwagen nach dem Zweiten Weltkrieg wurden zwischen 1949 und 1952 je 50 Trieb- und Beiwagen von Simmering-Graz-Pauker im Werk Graz gebaut. Erstmals verfügten diese Straßenbahnen über luftdruckgesteuerte Türen sowie Sitze für die Fahrer. Die Triebwägen kamen solo, mit einem oder zwei Beiwägen im Fahrgastverkehr zum Einsatz. Selten wurden sie auch als Arbeitswagen verwendet. Nach der Ausmusterung 1986 kam dieses Fahrzeug 1991 zum Tramway Museum Graz, wo es in der Zwischenzeit annähernd in einen Ursprungszustand zurückversetzt wurde. Seither vertritt Triebwagen 234 die ersten Zweirichtungswagen im Grazer Straßenbahnnetz der Nachkriegszeit. Der Triebwagen ist aktuell nicht einsatzbereit.

 Tramway Museum Graz, Juli 2024

Technische Daten
Baujahr 1949
Ausmusterung 1986
Übernahme TMG 1991
Länge 10,60 m
Breite 2,17 m
Achsstand 3,20 m
Leergewicht 13,6 t
Sitzplätze 16
Stehplätze 45

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 Tramway Museum Graz, Juli 2024

Schloßbergbahnwagen 2
Die erste Generation der Schloßbergbahn stellte ihren Betrieb am 3. Oktober 1960 nach knapp 66 Jahren ein. Nach einer umfassenden Sanierung und Erneuerung der Schienen wurden auch zwei neuen, geschlossene Wagen beschafft und der Betrieb auf der Schloßbergbahn mit einem neuen elektrischen Antrieb am 9. Juni 1961 wieder aufgenommen.

Am 29. Februar 2004 hatte die zweite Generation der Schloßbergbahn nach 43 unfallfreien Betriebsjahren ihren letzten Betriebstag. Tausende Grazerinnen und Grazer stürmten die Schloßbergbahn, um noch ein Erinnerungsfoto zu machen. Am 6. März 2004 wurden die beiden alten Schloßbergbahnwagen in einer spektakulären Aktion mit einem Kran über die Häuserfront gehoben und in die Remise Steyrergasse gebracht. Ein Wagen wurde an die Shopping City Seiersberg verkauft und der zweite 2008 im Tramway Museum Graz aufgestellt.

Technische Daten:
Baujahr: 1961
Hersteller: Waggonbau Groß & Co
Länge / Breite: (m) 6,60/2,35
Achsstand: 4,50 m
Leergewicht: 6,15 t
Sitz-/Stehplätze: 42

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 Tramway Museum Graz, Juli 2024

 Tramway Museum Graz, Juli 2024

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Pferdebahnwagen 5 - Mit 1 PS durch Graz
Dieser Pferdebahnwagen wurde 1974 von der Lehrwerkstätte auf dem Gestell der Wiener Lore Type al 7018 nach Plänen der ersten Grazer Pferdebahnwagen aufgebaut. Das Fahrzeug wurde erstmals am 05. Oktober 1974 anlässlich der Parade zum 75-jährigen Jubiläum der elektrischen Straßenbahn in Graz eingesetzt. Seit dem erfreute sich der Beiwagen immer wieder hinter Pferden großer Beliebtheit bei den Grazerinnen und Grazern, zuletzt während der Parade anlässlich des 140-jährigen Jubiläums der Grazer Straßenbahn am 30. September 2018.

Technische Daten
Baujahr: 1974
Übernahme TMG: 1974
Länge: 5,95m
Breite: 2,10m
Achsstand: 1,52m
Sitzplätze: 24
Stehplätze: 8

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Wem der viele Text zu lange war und lieber Bewegtbilder mit Musik mag, kann sich gerne dieses Video antun: