Burg Güssing

in Güssing, Juli 2026

Güssing (ungarisch Németújvár) ist eine Stadt im Burgenland in Österreich und ein wichtiges politisches, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum des Südburgenlandes. Die Stadt mit ihrer auf einem ehemaligen Vulkankegel gelegenen, mittelalterlichen Burg Güssing war jahrhundertelang ein bedeutendes Bollwerk an der Westgrenze des Königreichs Ungarn. Historische und kulturelle Bedeutung erlangte sie unter der Herrschaft der Magnatenfamilie Batthyány, die Güssing zu ihrem Stammsitz machte und Burg und Stadt ausbauen ließ. Neben der Burg mit ihren Befestigungsanlagen bestehen mit dem Franziskanerkloster mit der Basilika Mariä Heimsuchung, dem Kastell Batthyány und dem Schloss Draskovich noch weitere Baudenkmäler aus dieser Zeit.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Das Franziskanerkloster und die Klosterkirche zählen zu den Juwelen in der Stadt Güssing. Der Reliquienschrein in der Klosterkirche birgt die Reliquien des seligen Ladislaus. Die Franziskaner sind die Mitglieder verschiedener römisch-katholischer Ordensgemeinschaften, die sich an der Ordensregel orientieren, welche Franziskus von Assisi für den ersten von ihm im 13. Jahrhundert in Assisi, Umbrien (Italien) gegründeten Bettelorden verfasste. Das Franziskanerkloster wurde 1648/49 von Graf Adam Batthyány I. gestiftet. Das Franziskanerkloster, befindet sich am Hauptplatz in Güssing und war früher auch ein Eckpfeiler der Stadtbefestigung von Güssing. Das Kloster beherbegt auch eine wertvolle Bibliothek mit 3484 Büchern. Das älteste Buch ist ein auf Pergament geschriebenes Messbuch aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. 211 Inkunabeln (Frühdrucke und Wiegendrucke) geben Auskunft über frühere Druckereitätigkeiten in Güssing. Auch Werke von Carolus Clusius, gedruckt von Johannes Manlius, befinden sich in der Klosterbibliothek.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Der Außenbau der Kirche gestaltet sich entsprechend der Bettelorden-Architektur weitgehend schmucklos. Das nach Osten ausgerichtete Langhaus ist nordseitig in das Geviert des Kreuzganges eingebunden und schließt diesen südseitig ab. Die Südseite sowie die westliche Giebelfront der Kirche liegen an der Hauptstraße. Das Langhaus ist mit einem Walmdach gedeckt. Der dreigeschossige, annähernd quadra-tische, durch Gesimse und Rahmenfelder gegliederte Ostturm ist am polygonal geschlossenen, eingezogenen Chor angebaut.

Der Eingang von der Südseite wurde im Zuge des Einbaus der Kapel-le des Seligen Ladislaus (2003) zur Westseite verlegt. Die westseitige Giebelfront ist so mit dem Westportal, dem bekrönenden Batthyány-Wappen und dem darüberliegenden Fenster in Bleiverglasung eine Zierde in der Stadt. Seit der Erhebung zur „Basilica minor" sind auch die Wappen von Papst Franziskus und von Bischof Ägidius Zsifkovics angebracht. An der Südseite des Chores befindet sich der 2-geschos-sige Anbau der Lorettokapelle mit dem darüberliegenden Oratorium der Familie Batthyány. Der Vorbau bzw. Eingang zur Batthyány-Gruft (rechts) ist ein späterer Zubau.

Batthyány-Wappen am Westportal

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Das einschiffige, vierjochige Langhaus ist mit einem einfachen Kreuzgratgewölbe gedeckt und mit Pilastern gegliedert. Der einjochige Chor mit polygonalem Abschluss hinter dem eingezogenen Triumphbogen ist mit einer Tonne mit Stichkappen gewölbt. Über dem westlichen Joch befin-det sich eine breite Empore über einer Stichkappentonne. Unter dieser Empore gegenüber dem ehem. Straßeneingang befindet sich seit 1918 ein weiterer klosterseitiger Eingang. Der ursprüngliche Eingang an der Stelle des heutigen Maria-Trost-Altares wurde zu diesem Zeitpunkt zugemauert. Die Innenausstattung der Klosterkirche entstammt zum überwiegenden Teil aus dem 17. und 18. Jahrhundert.

Die beiden Seitenaltäre seitlich des Triumphbogens sind einheitlich gestaltet und stammen aus der Erbauungszeit um die Mitte des 17. Jahrhunderts. Beide Altäre wurden von einem steirischen Künstler geschaffen. Urkundlich erwähnt wird namentlich Franz Fellner oder Felkner aus Hartberg, Bildhauer und Schreiner (gest. 1674), der 1652 bis 1654 die Bildhauerarbeiten für beide Artefakte übernommen hatte. Der Franziskusaltar (links) wurde von Maria Eleonora Gräfin Esterházy, geb. Batthyány, gestiftet und ist auf den 2. August 1654 datiert. Der Antoniusaltar (rechts) wurde von Aurora Katharina Gräfin Batthyány, geb. Formantini, Gattin von Adam I. Graf Batthyány, dem Stifter von Kloster und Kirche, gespendet. Dieser Altar ist mit dem Datum ihres Todestages, 5. April 1653, bezeichnet. Bei beiden Altären sind die Predellen mit Inschrifttafeln versehen, die die betreffenden Stifter und die Renovierungen 1848 unter Philipp Fürst Batthyány-Strattmann belegen.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Der dominierende Hochaltar nimmt den gesamten Chorraum ein. Er wurde möglicherweise nach einem Entwurf von Philiberto Lucchese gestaltet, urkundlich vom Bildhauer und Holzschnitzer Matthäus Kern (gest. 1660 in Bruck) und vom Maler Wolfgang Resch (gest. 1658), beide aus Graz, 1649 ausgeführt. Es ist belegt, dass Kern für seine Arbeiten zwischen 1647 und 1653 große Summen erstattet bekam. Unsicher hingegen ist, ob Maler Resch die farbige Fassung des Altares oder das Altarblatt geschaffen hat.

Die Form entspricht einem dreistöckigen Gebäude, wobei auf einem Basisgeschoss mit seitlichen Umgangsportalen das 1. Geschoss aufgesetzt ist. Entsprechend dem Patrozinium der Kirche „Mariä Heimsuchung" sind am Hochaltar Marianische Themen dargestellt: Über dem Hochaltarblatt mit „Mariä Heimsuchung" befinden sich die Bilder mit „Mariä Himmelfahrt" und der Hl. Dreifaltigkeitdarüber im Auszug. Eine vergoldete Skulptur der „Maria vom Siege" - eine in und nach dem 30-jährigen Krieg gängige Form der Darstellung Mariens - bekrönt das Retabel. Über jedem der drei Geschosse ist eine Zone in Form eines Schindeldaches zu sehen, sodass der Altaraufbau ein architektonisches Gebilde in der Art eines Tempietto suggeriert.

Himmelfahrt Mariens, Hochaltargemälde
Heimsuchung Mariens, Hochaltargemälde
Hl. König Stephan und hl. Franz v. Assisi, hl. Katharina und hl. Johannes Kapistran, Figuren am Hochaltar

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Die heutige Orgel stammt aus den 1970er Jahren: Sie wurde von der Fa. Walcker-Mayer aus Guntramsdorf bei Wien gebaut und am 15. Oktober 1972 geweiht. Sie umfasst 21 Register, 1670 Pfeifen, zwei Manualwerke und ein Pedalwerk. 2006 erfuhr sie durch einen Zimbelstern und 2014 durch eine Nachtigall eine Erweiterung.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Die mit vergoldeten floralen bzw. Rocaille-Motiven geschmückte Kanzel stammt aus den Jahren 1750-1752. Ihre rosa-grau marmorierende Ausführung entspricht den Altären seitlich des Triumphbogens. Die Kreuzwegbilder an den Langhauswänden sind qualitätsvolle Werke aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Kapelle des Seligen Ladislaus in der Klosterkirche
Die „Kapelle" als primärer Anziehungspunkt befindet sich in einer Nische der Südwand (rechts hinten). Sie wurde anlässlich der Seligsprechung in Auftrag gegeben, unter architektonischer Planung von Herrn MMag. Johann Traupmann errichtet und von Herrn Mag. Heinz Ebner (beide geboren in Güssing) künstlerisch gestaltet. Im Zentrum des durch die Farbe Gelb dominierten Kapellenraums befindet sich der schlichte silberne Reliquienschrein des Seligen Ladislaus. Von außen mit der Farbe Grau und dem Wahlspruch „Fidelitate et caritate" (lateinisch für „in Treue und Nächstenliebe") versehen, weisen die inneren Glastafeln verschiedene intensivfarbige Gelbtöne auf. Die Hauptfarbe Goldgelb unterstreicht das Göttliche, Transzendente, während gegen den Boden durch die Kombination mit der Farbe Blau ein Teil der Wappenfarben der Familie Batthyány-Strattmann gemeint ist. Der Pelikan, ein Symbol der Aufopferung und ein Zeichen für Hoffnung und Trost, gilt gleichzeitig als traditionelles Christussymbol und befindet sich in stilisierter Form im Wappen der Familie Batthyány-Strattmann. Eine physiognomische Darstellung in Form eines „Porträts" setzt sich aus drei Fotografien zusammen: Arzt, Fürst und Familienvater, wobei durch Überlage-rungen die Kreuzesform sichtbar wird.

Ladislaus Batthyány-Strattmann (1870-1931) ist der erste Selige, der auf dem Gebiet des heutigen Burgenlandes gewirkt hat. Als selbstloser Arzt, gütiger Familienvater und frommer Christ legte er ein Zeugnis für den lebendigen Christus ab. Am 23. März 2003 sprach Papst Johannes Paul II. den „Arzt der Armen" selig. Seitdem pilgern Gläubige aus Ungarn und Österreich zu seinem Reliquienschrein. Der selige Ladislaus hilft, Brücken in einem gemeinsamen Europa zu bauen.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Ladislaus-Batthyány-Strattmann-Denkmal
Ladislaus Fürst Batthyány-Strattmann (* 28. Oktober 1870 in Dunakiliti, Ungarn; † 22. Jänner 1931 in Wien) war ein Arzt aus der ungarischen Adelsfamilie Batthyány, der seliggesprochen wurde. Die lebensgroße Bronzestatue des Seligen Ladislaus Batthyány-Strattmann vor der Südseite der Kirche stammt von Josef Lehner, einem Bildhauer aus dem benachbarten Ollersdorf. Sie wurde 2008 an diesem Platz aufgestellt.

Ladislaus Batthyány-Strattmann wurde als sechstes Kind in Dunakiliti, einem kleinen Ort auf der Kleinen Schüttinsel der Donau, geboren. Nach Beendigung seiner Mittelschulausbildung an den Jesuitengymnasien Kollegium Kalksburg (Österreich) und Kalocsa (Ungarn) studierte er an der Universität Wien vorerst Bodenkultur, Astronomie, Chemie und Physik. Im Jahr 1900 erhielt er das Diplom für Medizin. 1898 heiratete er Gräfin Maria Theresia Gräfin von Coreth zu Coredo und Starkenberg. Das Paar hatte 13 Kinder. In Kittsee im Burgenland, wo sie das Alte Schloss bewohnten, errichtete Batthyány im Jahre 1902 ein Spital. Anfangs arbeitete er dort als praktischer Arzt, nebenbei spezialisierte er sich als Chirurg und später als Augenarzt. Täglich behandelte er 80 bis 100 Patienten. Batthyány wollte ganz bewusst Arzt der Armen sein: Er behandelte seine Patienten unentgeltlich, und den Ärmsten gab er auch Geld. Den größten Teil seines ererbten Vermögens verschenkte er.

Nach dem Ersten Weltkrieg übersiedelte die Familie nach Körmend in Ungarn. Auch hier errichtete Batthyány ein Krankenhaus. Anfang September 1929 erkrankte Batthyány an Krebs. Er verstarb im Sanatorium Löw in Wien. Sein Leichnam wurde in der Familiengruft im Franziskanerkloster und Klosterkirche Güssing beigesetzt. Diese Gruft ist nach der Kapuzinergruft in Wien die zweitgrößte Familiengruft in Österreich. Am 23. März 2003 wurde Ladislaus Batthyány-Strattmann von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen. Im Jahre 2008 wurde eine Statue des Seligen bei der Gruft, in der Nähe des Hauptplatzes von Güssing, aufgestellt.

Die Inschrift am Sockel der Statue lautet:
"Wenn ihr glücklich sein wollt,
macht andere glücklich"
DR. LADISLAUS PRINCIPES DE BATTHYANY-STRATTMANN
Augenarzt
* 1870 + 1931
Seliggesprochen am 23. März 2003

* * *

Grabplatte von Franz I. Batthyany (1497-1566) an der Südseite der Klosterkirche Mariä Heimsuchung

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Das Franziskanerkloster beherbergt die Familiengruft der Familie Batthyány. Diese Familie gehört zum ungarischen Uradel. Für Güssing von Bedeutung wurden Franz I. und Balthasar II. Batthyány. Wie bereits erwähnt, bekam Franz I. am 30. Juni 1524 von König Ludwig II. die Burg und Herrschaft Güssing übertragen. Seit diesem Zeitpunkt ist hier der Stammsitz der Familie. Adam Graf Batthyány errichtete mit dem Franziskanerkloster eine Begräbnisstätte unter der Klosterkirche, die bis heute verwendet wird. Im Zuge der Restaurierungsmaßnahmen in den Jahren 2012/13 wurde auch der klassizistische Portalvorbau mit dem Eingang zur Gruft renoviert. Eine Inschrift (Chronogramm) auf dem Portal gibt in lateinischer Sprache Auskunft: „GENTIS SVAE POST FVNERA QVIETI / EXSTRVXERAT ADAMVS C. A BATTHYÁN. / DETERSA VETVSTATIS LABE RESTAVRARVNT / PRINCEPS PHILIPPVS ET COMES JOANNES NEP.", was Folgendes bedeutet: „Graf Adam Batthyány erbaute (die Gruft) zur Begräbnisstätte seines Geschlechtes. Nach Entfernung der Altersschäden erneuerten (sie) Fürst Philipp und Graf Johann Nepomuk".

Ein Telefonat vor Anreise brachte die Erkenntnis, dass die Besichtigung der Gruft nur bei/für Gruppenführungen möglich sei, spontane Einzelbesucher bleiben somit aussen vor. Schade.

Klassizistischer Portalvorbau an der Südfront mit dem Eingang zur Batthyány- Gruft

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Das Kastell Güssing ist ein Schlossbau in der Stadt Güssing und befindet sich im Eigentum der ehemaligen Adelsfamilie Batthyány. Das im 17. Jahrhundert errichtete Kastell (im ungarischen Raum übliche Bezeichnung für einen Adelssitz) war früher Sitz der Bezirkshauptmannschaft Güssing. Es liegt auf einer Anhöhe über der Stadt, an den nördlichen Ausläufern des Schlossberges mit der Burg Güssing.

Beim Kastell handelt es sich um einen zweigeschoßigen Bau auf hakenförmigem Grundriss aus dem 17. Jahrhundert. Die Biedermeierfassade mit vermauerten Pfeilerarkaden verfügt über einen markanten Mittelrisaliten mit Dreiecksgiebel, und an der Nordwestecke über einen erkerartigen Vorbau. Der Risalit mit dem über mehrere Stufen erreichbaren Hauptportal trägt am Giebel ein Wappen der Familie Batthyány.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Friedensdenkmal
Das Denkmal des Kameradschaftsbundes befindet sich neben dem Gebäude Hauptplatz 6 in Güssing und soll an Oberst Franz Vollmann, Vizepräsident und Bezirksobmann des ÖKB's erinnern.

Inschrift:
Zum Gedenken an Oberst D.RES.AR.I.P Franz Vollmann
Vizepräsident und Bezirksobmann des ÖKB
Iniator dieser im Jahre 1985 unter Mitwirkung von Kameradschaftsbund - Feuerwehr - Rotem Kreuz - Kriegsopferverband - Blasmusikverband und der Bevölkerung des Bezirkes errichteten Friedensgedenkstätte.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Kriegerdenkmal
Das Soldatendenkmal bzw. Gefallenendenkmal (1. und 2. Weltkrieg) für die Ortsteile Glasing, Krottendorf, Steingraben, St. Nikolaus, Urbersdorf und Güssing befindet sich am Hauptplatz in Güssing und ist ein freistehendes Monument auf mehrstufigen Sockel. Die Enthüllung bzw. Einweihung erfolgte am 24.5.1931 durch Sr. Hochwürden Pater Viktor Winkowits.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Das Kastell Batthyány befindet sich am Clusiusweg 2 in Güssing und ist denkmalgeschützt. Der Zweiflügelbau mit hofseitig zweigeschoßigen Arkaden wurde um 1740 erbaut.

König Ludwig II. übertrug die Burg Güssing als Lohn für den Sieg über ein türkisches Heer bei Jaicean den ungarischen Adeligen Franz Batthyány und dessen Neffen Christoph. Die Familie ließ die Burg ab dem 16. Jahrhundert wegen der drohenden Gefahr aus dem Osten erweitern. Im Zuge der Bauarbeiten ließ Graf Ludwig Ernst Batthyány 1761 das Kastell am östlichen Stadttor Güssings erbauen. Als Ende August 1921 das Burgenland entsprechend den Friedensverträgen von Trianon und Saint Germain an Österreich übergeben werden sollte, besetzten ungarische Freischärler Teile des heutigen Burgenlandes und schlugen vorübergehend im Kastell Batthyány ihre Befehlsstelle auf.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Die Burg Güssing ist eine ehemalige Wehranlage in der Stadt Güssing im gleichnamigen Bezirk im österreichischen Bundesland Burgenland. Sie geht auf einen ersten Wehrbau aus dem Jahr 1157 zurück, der noch im 12. Jahrhundert durch eine größere Steinburg ersetzt wurde, und ist damit die älteste noch bestehende Burganlage des Burgenlandes.

Ursprünglich war sie eine der wichtigsten Festungen im Westen des damaligen Königreiches Ungarn, zu dem die Regionen des heutigen Burgenland bis 1921 gehörten. Sie stand daher auch mehrfach in königlichem Besitz. Die Burg diente der Absicherung der Grenze zum Heiligen Römischen Reich und war das militärische Gegenstück zur befestigten Stadt Fürstenfeld und der Riegersburg.

Erstes Burgtor und Scheibelturm
An den nordöstlichen Hängen des Burgberges liegt das erste Tor zur Anlage. Es befindet sich ungefähr auf halber Höhe zwischen der befestigten Innenstadt auf rund 240 m Seehöhe und dem Porphyrkegel mit der Kernburg auf 318 m. Das Tor selbst besteht aus einem zweigeschoßigen Torhaus auf rechteckigem Grundriss mit Satteldach, das im hinteren Bereich mit dem angrenzenden steil abfallenden Burgfelsen durch eine dicke, mehrere Meter hohe Bastionsmauer mit Schießscharten verbunden ist. Direkt an die Nordseite des Burgtores schließt der sogenannte Scheibelturm an, ein zweigeschoßiger Turmbau auf halbrundem Grundriss mit Kegeldach. Seine Namensbezeichnung rührt vermutlich von dessen vermeintlich kreisrundem Grundriss her, der einer Scheibe ähnelt. Der Turm wurde 1544 unter Franz I. Batthyány errichtet und 1657 von Christoph II. und Paul I. Batthyány saniert. Im Turm waren ursprünglich leichte Kanonen untergebracht, mit denen man durch mehrere Schießschartenöffnungen potenzielle Angreifer unter Beschuss nehmen konnte.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Franzenstor und das dahinter liegende Scharfe Eck an der Kanonenbastei
Ab dem Westende der Scheibelturmbastei steigt der Weg zur Burg steil an. Er mündet in eine weitere Bastei, deren heute erhaltenen Teile größtenteils aus der Mitte des 17. Jahrhunderts stammen. Ihr rundbogiges Torportal mit schmiedeeisernem Gitter und doppelflügeligem Holztor ist mit „FDB“ für „Franciscum de Batthyán“ bezeichnet, und nach Franz I. benannt, unter dessen Herrschaft es errichtet wurde. Der Torbogen trägt ein steinernes Wappen und verfügt über eine zerstörte Jahresbezeichnung.

Die dahinter liegende Bastei ist nach Nordwesten ausgerichtet und war ursprünglich mit leichten Geschützen ausgestattet. Sie ist als Kanonenbastei oder als sogenanntes Scharfes Eck bekannt – eine Bezeichnung, die vermutlich Bezug auf die spitze geometrische Grundform der Bastei und deren scharfe Geschütze nimmt.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Am Ende einer 180-Grad-Kehre zwischen Franzenstor, Kanonenbastei und Kanonenhalle liegt die dritte Toranlage der Burg - das Holzgittertor. Das Rundbogenportal aus dem 17. Jahrhundert verfügte ursprünglich über ein namensgebendes hölzernes Fallgatter. Es deckte den inneren Bereich hinter dem Franzenstor und den Zugang zur Kanonenhalle. Errichtet wurde es ebenfalls unter Franz I. Batthyány und seinem Neffen Christoph II.

Direkt an das Holzgittertor ist ein polygoner Steinturm angebaut, der als Rauchfeuerturm bezeichnet wird. Sein Name leitet sich von Kreidfeuern ab, mit denen die Stadtbevölkerung vor herannahenden Gefahren gewarnt wurde. Der Turm verfügt über eine Jahresbezeichnung "1450", stammt in seinen Grundzügen aus dem 15. Jahrhundert, wurde später aber baulich verändert. Aufgrund seiner Lage überblickt man vom Turm seine Umgebung vollständig. Er konnte daher den Burgaufgang zwischen den ersten beiden Toren sowie die Außen- und Innenbereich des Franzenstores und des Holzgittertores absichern. Zusätzlich deckte er die schräg unterhalb liegende Scheibelturmbastei ab.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Die Zeit der Türkenkriege - eine listreiche Aktion
In den Zeiten der Türkenkriege spielte die Burg eine wichtige Rolle. Im 16. und 17. Jahrhundert wurde sie noch weiter ausgebaut und verstärkt, auch der mittelalterliche Bergfried wurde umgebaut und erhielt seine heutige, kirchturmartige Form. Als die türkischen Heerscharen die mächtige und durch steile Hänge geschützte Burg belagerten, mussten die verschanzten Güssinger eine List anwenden, um nicht von den Türken niedergemetzelt zu werden. Die Sage geht, dass während der langen Belagerung die Türken zwar die Burg nicht einnehmen konnten, die Lebensmittelvorräte der Güssinger aber immer knapper wurden. Die listigen Güssinger hatten nur noch eine Kuh und etwas Mehl. Aufgeben und den Türken huldigen kam aber nicht in Frage. So wurde das restliche Mehl auf umgedrehte Fässer gehäuft und diese weithin sichtbar aufgestellt. Das machte auf die Türken den Eindruck, als würden die Lebensmittelvorräte noch lange ausreichen. Zudem wurde das arme Rind heftig geschlagen. Durch den Lärm mussten die Türken denken, es gäbe noch eine ganze Herde im Stall und somit ausreichend zu essen. So gaben sie entnervt die Belagerung auf und zogen unverrichteter Dinge wieder ab.

Nach ca. 150 m eines steil ansteigenden Weges mündet der Zwinger nach einer scharfen Rechtskurve in der vierten und letzten Toranlage der Befestigungsanlagen - das Adamstor. Das nach Adam I. Batthyány benannte Tor besteht aus einem 18 m langen Tunnel, der zu großen Teilen direkt aus dem Felsen gehauen wurde. Der im Kern mittelalterliche Torbau aus dem 15. Jahrhundert verfügt über zwei spitzbogige Portale aus Bruchstein und ein abschließendes, drittes Ziegelportal aus der Zeit des Barock, das direkt in die Vorburg und den Burghof führt.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Auf dem Basalttuffkegel stand vormals eine hölzerne Burg und ein Benediktinerkloster. Unter König Béla III. (1173 bis 1196) entstand hier eine neue Burg aus Stein. Solcherart bildete sie im westlichen Verteidigungsgürtel den strategischen Gegenpol zu steirischen Riegersburg. Im 13. Jahrhundert geriet die Festung in die Gewalt der "Grafen von Güssing". Der bekannteste dieses - richtigerweise "Günser" zu nennenden - Geschlechtes war wohl Iwan, der sowohl als Feldherr wie auch als Politiker rücksichtslos- und hemmungslos seine Gegner geschickt täuschte und so seine Macht in Westungarn vergrößerte. Seine Übergriffe auf steirisches und niederösterreichisches Gebiet führten allerdings zum Gegenschlag Albrecht I. von Österreich ("Güssinger Fehde"). 1457 wurde der Besitz an den Wojwoden von Siebenbürgen, Nikolaus Ujlaky, als Pfand übergeben. Nach dem Aussterben dieses Geschlechtes wurde die Güssinger Provinz von König Ludwig II. im Jahre 1524 an den "Türkenhelden" Franz Batthyány übertragen. Mit dieser Schenkung wurde ein neuer Abschnitt in der Herrschaftsgeschichte eingeleitet. Dieses Geschlecht erreichte im 18. Jahrhundert seinen Höhepunkt, als Mitglieder der gräflichen Familie in die höchsten Stellen der Monarchie aufrückten: die Erhebung Karl Joseph Batthyánys in den Reichsfürstenstand (1764). Die wehrpolitische Bedeutung der Burg erlosch durch eine kaiserliche Verordnung von 1775, nach welcher die Waffen aller Familienburgen dem Staat übergeben werden sollten, wenn sie aufhörten, Landesschutzburgen zu sein. Das einst uneinnehmbare Bollwerk gegen alle Anstürme war damit dem Verfall preisgegeben.

Der Haupthof der Festungsanlage - der Burghof - ist über 6000 m² groß, fast vollständig mit Gras bewachsen, und wird daher auch Burgwiese genannt. Er wird im Süden von der Hochburg und im Westen vom sogenannten Witwentrakt umschlossen. Im Norden und Osten ist er von Resten abgegangener Gebäudetrakte begrenzt, die teils verschüttet und von dichter Vegetation bewachsen sind. In der westlichen Hälfte des Hofes liegt mittig ein rund 120 m tiefer Burgbrunnen aus dem 17. Jahrhundert, der direkt in das Basaltgestein des Schloßberges getrieben wurde. Der Burghof ist seit der Mitte des 20. Jahrhunderts ein wichtiger Veranstaltungsort, unter anderem für den Güssinger Kultursommer.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Über einen befestigten Torweg an der Nordseite der Anlage erfolgt der Zugang zur Vorburg. Deren Burghof ist von Resten der einstigen Festung umschlossen. Über eine breite Freitreppe gelangt man in den Innenhof der Hochburg. Die den Innenhof umgebenden Gebäude besitzen zumeist drei Geschoße, wovon das Untergeschoss teilweise direkt aus dem Fels gehauen wurde. Zwischen dem Wohn- und dem Kapellentrakt aus dem 15. Jahrhundert erhebt sich der mächtige, zum Teil noch aus romanischer Zeit stammende Bergfried. 20 Räume der Hochburg beheimaten heute ein Burgmuseum mit rund 5000 Exponaten. Zu sehen sind u. a. die Ahnengalerie und das Familienmuseum der Familie Batthyány, alte Waffen, Plastiken und kunstgewerbliche Gegenstände sowie Gemälde der Renaissance und des Barock, darunter zwei Porträts aus der Hand von Lucas Cranach dem Älteren. Als Attraktion ganz besonderer Art gilt der Aufstieg auf den begehbar gemachten Glockenturm, von dem ein Panoramablick bis in die pannonische Tiefebene möglich ist. Heute finden auf dem Gelände der Burg Theatervorführungen, Konzerte und Lesungen statt. Auch können manche Räumlichkeiten für private Veranstaltungen gemietet werden. So ist es seit kurzen auch möglich, auf der Burg standesamtlich und in der Burgkapelle Maria Schnee kirchlich zu heiraten. Die Familie Batthyány trifft sich jedes Jahr Ende Juni zu einem Familientag auf ihrer Stammburg. In den vergangenen Jahren wurden auch einige Familienmitglieder der Batthyánys in der Burgkapelle getauft. Seit 1994 finde jährlich im Sommer die Güssinger Burgspiele im Burghof statt, die an die kulturelle Tradition der Batthyánys anknüpfen.

Die am Südrand des Bergkegels gelegene Hochburg liegt etwa 100 m über der Stadt. Sie ist der am besten erhaltene Teil der Anlage und verfügt über Gebäude mit zumeist drei Geschoßen, die aus unterschiedlichen Bauepochen stammen. Im Untergeschoß sind ihre Räume teilweise direkt aus dem Basaltfelsen gehauen. Die Bauten umschließen einen engen Innenhof und folgen dem Verlauf der Geländekante, weshalb die Südfront der Hochburg mehrfach geknickt ist.

Der Innenhof liegt ein Geschoß höher als die Vorburg und kann vom Burghof aus über eine breite Freitreppe im Zentrum der Nordfront betreten werden. Seitlich der Treppe sind in der Nordfassade zwei steinerne Tischwangen vorhanden, bezeichnet mit der Jahreszahl "1571" und "Magnifica Caterina Battyani". Die Inschrift verweist auf die zweite Ehefrau und Witwe Franz I., Katharina, die bis zu ihrem Tod 1575 mit ihrem Großneffen Balthasar III. die Herrschaft führte, und einige Umbauten an der Burg vornehmen ließ.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Seit jeher ist Burg Güssing ein beliebtes Ausflugsziel. Vom Burgberg bietet sich ein traumhafter Ausblick auf die Stadt Güssing, das Ramsargebiet Güssinger Fischteiche und bis weit in die ungarische Tiefebene. Das Museum in der Hochburg dokumentiert mit zahlreichen Exponaten (Ahnengalerie, Waffensammlung) die ruhmreiche Vergangenheit der ungarischen Magnatenfamilie Batthyány. Der große Burghof überrascht mit seiner Weitläufigkeit und bietet den idealen Rahmen für Hochzeiten, Empfänge und andere Festivitäten. Herrlich speisen lässt es sich im Burgrestaurant mit seiner Sonnenterasse und der ehrwürdigen Burgvinothek. Auf einem längst erloschenen Vulkankegel thront die 1157 als Wehranlage errichtete älteste Burg des Burgenlandes. Nach mehrmaligem Besitzwechsel gelangte die Burg 1524 in den Besitz der Familie Battyány. Seit 1870 steht sie im Eigentum einer Stiftung.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Unbekannter Maler: Paul von Kővágóörs, Öl auf Leinwand, 18. Jh.
Unbekannter Maler: Mathias von Kővágóörs, Öl auf Leinwand, 18. Jh.

Als Beginn der Ahnenreihe werden neben dem dargestellten Mathias von Kővágóörs dessen vermeintliche Verwandten Renold von Örs und Miske von Örs genannt. Diese zwar historisch belegten Personen können als direkte Vorfahren der Familie Batthyány aber schwer eingeordnet werden. Mit ihnen wurde der Versuch unternommen die Stammlinie möglichst weit zurückzuverfolgen.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Unbekannter Maler: Franz I. Batthyány (1491-1566), Öl auf Leinwand, 18. Jh.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Mein Name ist Franz Batthyány und ich begrüße Sie sehr herzlich auf meiner Burg Güssing. Ursprünglich stamme ich aus Slawonien, wo mein Vater Balthasar große Besitzungen hatte. Nach Güssing kam ich, als die Burg nach dem Tod des Fürsten von Bosnien, Lorenz Ujlaky, verwaist war. Diese für das Königreich Ungarn wichtige Grenzfestung geht bis in das 12. Jahrhundert zurück und wurde mir von meinem Jugendfreund, König Ludwig II., am 30. Juni 1524 mit Brief und Siegel übertragen. Kurz davor habe ich meine geliebte Frau Katharina geheiratet, die einige Jahre Hofdame bei Königin Maria war, wodurch wir ein sehr enges Verhältnis zur königlichen Familie hatten.

Ich habe mit König Ludwig gemeinsam zwei Jahre später in der Schlacht bei Mohács gegen die Osmanen gekämpft. Leider ist er dabei getötet worden und so schloss ich mich seinem Schwager Ferdinand von Habsburg an, dem neuen ungarischen König. Von ihm habe ich 1527 dann auch noch die Großherrschaft Schlaining und Rechnitz bekommen, womit ich mir ein neues Standbein hier im damaligen Westungarn schaffen konnte. Güssing baute ich zu meiner Hauptresidenz aus, denn die Güter meiner Familie in Slawonien waren durch die Angriffe der Osmanen stark gefährdet. Dies ist nun bereits 500 Jahre her und die Burg hat in dieser Zeit viele Jahrhunderte meiner Familie als Stammsitz und Herrschaftszentrum gedient. Leider ist der Großteil der einst mächtigen Festung zur Ruine verfallen, aber den inneren Teil der Burg können Sie heute besichtigen. Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen beim Besuch der Ausstellung!

Der Ahnensaal mit der Ahnengalerie

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

„Preterea habentes respectum ad grata et acceptabilia fidelium servitiorum merita: fidelis nostri Magnifici Francisci de Batthyan Pincernarum nostrorum Regalium Magistri. Que idem sacre primum huius Regni nostri Hungarie Corone. Ac deinde Maiestati nostre pro locorum et temporum varietate juxta sue possibilitatis exigentiam. Cum summa fidelitatis constantia exhibuit et impendit. Totum et omne ius Nostrum Regium, si quod in castro Nemethwywar vocato in comitatu Castriferrei existente et habito."

König Ludwig II. von Ungarn belehnt Franz Batthyány aufgrund seiner Verdienste mit der Burg Güssing, 1524

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Unbekannter Maler: Balthasar I. Batthyány (gest. 1520), Öl auf Leinwand, 18. Jh.
Mit Balthasar I. begann der gesellschaftliche Aufstieg der Familie Batthyány vom Land- in den Hochadel. In erster Ehe heiratete er Katharina, die Tochter des Vizepalatins Ladislaus Hermanfy von Greben, der ihn adoptierte und seine Güter in Slawonien vererbte. Er bekleidete mehrere hohe Ämter, wie Burghauptmann von Köszeg/Güns, Obergespan von Vas/Eisenburg, Ban von Jajce in Bosnien und Oberkämmerer. Mit seiner zweiten Frau Helena Dóczy von Nagyluche hatte er mehrere Söhne und Töchter, darunter Balthasar II. und Franz I.

Unbekannter Maler: Balthasar II. Batthyány (gest. 1522), Öl auf Leinwand, 18. Jh.
Balthasar II. war Oberkämmerer des jungen ungarischen Königs Ludwig II., Vizeban von Slawonien und Obergespan der Komitate Zagreb/Zágráb/Agram sowie Križevci/Körös/Kreutz. Er heiratete Katharina, die Tochter von Erhard Mülner, eines reichen Bürgers von Buda/Ofen, sowie die Nichte und Erbin des Zagreber Bischofs Lukas Baratin. Mit ihr hatte er die Kinder Christoph I., Justina und Sophia.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Das Judengebäude ist ein historisches Gebäude aus dem 18. Jahrhundert in der Stadt Güssing. Seine Bezeichnung erhielt es aufgrund seiner Nutzung als Wohn- und Geschäftshaus durch die ehemalige jüdische Bevölkerung der Stadt. Es steht unter Denkmalschutz und wird bis heute für Wohn- und Geschäftszwecke genutzt. Das Bauwerk steht an der Ecke Marktplatz und Pater-Gratian-Leser-Straße in der ehemaligen Unteren Stadt im Zentrum von Güssing.

Errichtet wurde das Gebäude in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts unter Karl II. Graf Batthyány (1742–1814) aus der Scharfensteiner Linie der Familie, die von dessen Vater Adam III. (1704–1782) begründet wurde, als Standort einer Baumwollspinnerei. Karl ließ bereits 1801 in seiner Herrschaft Burgau die erste vollmechanische Spinnerei nach englischem Vorbild in der Habsburgermonarchie errichten. Nachdem Karl aber vor Inbetriebnahme der neuen Spinnerei in Güssing im Jahr 1814 verstarb, übergab sein Bruder und Erbe Johann Nepomuk I. (1744–1831) das Bauwerk 21 jüdischen Familien als Unterkunft.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Das Schloss Draskovich steht in der Stadt Güssing und gilt als der am besten erhaltene klassizistische Schlossbau des Burgenlandes. Das Schloss befindet sich im Eigentum der ehemals gräflichen Familie Draskovich, die es unter anderem als Sitz der familiären Forst- und Gutsverwaltung nutzt.

Beim Schloss handelt es sich um einen zweigeschoßigen klassizistischen Bau mit markanten dreiachsigen Mittelrisaliten an der Ost- und Westseite. Sie werden durch vier Halbsäulen mit ionischen Kapitellen gegliedert und verfügen über mit Wappen verzierte Dreiecksgiebel. Die rückseitige Westfassade trägt unter einer gräflichen Krone ein Doppelwappen der Familien Batthyány und Draskovich, der Giebel im Osten das große Wappen der Familie Batthyány. Der Ostseite mit dem Hauptportal ist zusätzlich ein gemauertes Vordach auf vier quadratischen Säulen vorgebaut, über dem sich eine Terrasse befindet.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Unbekannter Maler: Andreas Batthyány, Öl auf Leinwand, 18. Jh.
Andreas war mit Veronika von Szerdahely verheiratet, die eine reiche Erbschaft nach der Familie Zákány in die Ehe einbrachte. Er setzte seine Linie mit seinem Sohn Balthasar I. fort, während sein Bruder Peter den Familienzweig Batthyány von Geresgál begründete.

Unbekannter Maler: Albert Batthyány (gest. 1435), Öl auf Leinwand, 18. Jh.
Albert und sein Bruder Ladislaus nannten sich nach den von ihrem Vater erworbenen Gütern „von Batthyán". Mit seiner Frau Klara Pogány von Cséb hatte Albert die Söhne Johann, Peter und Andreas.

Unbekannter Maler: Georg von Kővágóörs (gest. 1401), Öl auf Leinwand, 18. Jh.
Der Sohn von Nikolaus von Kővágóörs war Richter und Protonotar des Erzbischofs von Esztergom/Gran und Burghauptmann von Gran. Er erhielt 1398 von König Sigismund die Güter Szabadbattyán mit Polgárdi im Komitat Fejér und Zamárdi im Komitat Somogy. Mit seiner Frau Katharina von Guthor hatte er zwei Söhne, Albert und Ladislaus.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

König Ludwig II. von Ungarn belehnt Franz Batthyány aufgrund seiner Verdienste mit der Burg Güssing.
Ofen, 30. Juni 1524.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Faksimile-Nachdruck des „Nomenclators" aus dem Anhang von „Rariorum aliquot stirpium, per Pannoniam, Austriam, & vicinas quasdam provincias observatarum historia, IV libris expressa"; gedruckt von Christoffel Plantijn 1583 in Antwerpen. Das Werk wird auch als „Pannonische Flora"von Carolus Clusius bezeichnet. Der Güssinger Nomenclator, gedruckt 1584 von Joannes Manlius, war zur Zeit der Stadterhebung verschollen. Er ist 1984 in Wien wieder aufgetaucht und wurde in die Klosterbibliothek zurückgestellt. Gezeigt wird eine Aufstellung von 331 Wildpflanzen unserer Region; aber auch Nutz-, Gewürz-, Heil- und Zierpflanzen. Auffallend ist die bereits lateinische Bezeichnung in Gattungs- und Artnamen. Diese Benennung wurde erst 1753 von Carl von Linné verbindlich in der Wissenschaft eingeführt.

Die „Internationale Clusius-Forschungsgesellschaft Güssing" wurde 1973 im Jahr der Stadterhebung von Güssing gegründet. Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, das Andenken des Naturforschers Charles de l'Écluse (Carolus Clusius, 1526-1609) zu bewahren. Clusius lebte und wirkte auf Einladung der Batthyánys zwischen 1576 und 1588 ausgehend von Güssing im pannonischen Raum. In Würdigung seines wissenschaftlichen Nachlasses und der Förderung von kultur- und naturhistorischen Kenntnissen fanden sich Fachleute aus dem Burgenland, aus Ungarn und Slowenien zusammen. Dies geschah und geschieht durch Abhaltung von Tagungen und Vorträgen, durch Exkursionen und Herausgabe von Schriftreihen. Der Verein feierte 2023 sein 50jähriges Bestehen.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Unbekannter Maler: Franz II. Batthyány (1577-1625), Öl auf Leinwand, 18. Jh.

Unbekannter Maler: Balthasar III. Batthyány (1543–1590), Öl auf Leinwand, 18. Jh.
Nach dem Tod des kinderlosen Franz I. war der Sohn seines Neffen Christoph I., Balthasar III., alleiniger Erbe sämtlicher Güter der Familie Batthyány. Der humanistisch gebildete und weitgereiste Mann hatte die guten Verbindungen seiner Familie zum Habsburger-Hof weitergeführt und unterhielt ein weitläufiges Netzwerk zu vielen Persönlichkeiten seiner Zeit. Er ist in vielerlei Dingen bemerkenswert. Wohl unter dem Einfluss der Frauen in der Familie Batthyány wandte er sich dem Protestantismus zu und vollzog 1569 seine Konversion.

Seit 1566 war er mit Dorothea, der Tochter des „Helden von Szigetvár", Nikolaus Zrinyi, verheiratet. Sie war ebenfalls evangelisch. Die nunmehr protestantischen Pfarren in seinem Herrschaftsbereich unterstellte er Stephan Beythe als Superintendent. Mit diesem erörterte er nicht nur religiöse Fragen. Beide beteiligten sich an den botanischen Forschungen des Carolus Clusius, den Batthyány mehrere Jahre auf seinen Gütern aufnahm. Zusammen mit dem Wanderbuchdrucker Johannes Manlius machten sie Güssing zu einem überregional bedeutenden Zentrum, wo mit dem „Nomenclator Pannonicus" das erste Pflanzenverzeichnis dieses Raumes erschien. Balthasar zeigte ebenso großes Interesse für die Alchemie, der Geheimwissenschaft in der Renaissance schlechthin. Güssing erlebte in dieser Zeit eine Hochblüte der Kultur und der Wissenschaft.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Schon bald nach 1524 übernahm Güssing eine zentrale Rolle in der Verwaltung sämtlicher Güter der Familie Batthyány. Bereits Franz I. gestaltete die Burg zu seiner Hauptresidenz um. Von hier aus leitete er die Aufsicht über die weit verstreuten Besitzungen in Ungarn und Slawonien und gab Anweisungen an die herrschaftlichen Bediensteten. In Güssing wurden die herrschaftliche Gerichtsbarkeit ausgeübt, die Steuern, Abgaben und Frondienste der Untertanen verwaltet sowie weitere herrschaftliche Funktionen und Rechte ausgeübt. Viele Orte wurden mit einem Marktrecht ausgestattet und die Handwerker in Zünften organisiert. Die Pfarren unterstanden dem herrschaftlichen Patronatsrecht. Das gesamte politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben wurde durch den Grundherrn bestimmt.

Während Balthasar III. die seinem Großonkel Franz I. 1527 zugesprochene Großherrschaft Schlaining-Rechnitz nördlich von Güssing nach einem langwierigen Rechtsstreit mit den Vorbesitzern endgültig für seine Familie sichern konnte, gelang seinem Enkel Franz II. 1605 der Erwerb der östlich gelegenen Herrschaft Körmend. Durch seine 1607 erfolgte Heirat mit Eva Popel von Lobkowitz, der Erbin der Güter Neuhaus und Rakičan, konnte er den Herrschaftsbereich nach Süden erheblich ausdehnen. Ihr Sohn Adam I. setzte mit dem Erwerb der Herrschaften Bernstein 1644 und Zalaszentgrót 1654 die Kompensation für die in den osmanischen Einflussbereich gefallenen Stammgüter fort.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Unbekannter Maler: Die Heilige Sippe Öl auf Holz, 16. Jahrhundert

Unbekannter Maler: Kreuzabnahme Öl auf Holz, Mitte 16. Jahrhundert

Werkstatt von Lucas Cranach dem Älteren: Die Jungfrau mit dem Kind und den Heiligen Katharina, Dorothea, Margarete und Barbara, Öl auf Holz, 16. Jahrhundert

Nach Albrecht Dürer: Der heilige Hieronymus in seinem Arbeitszimmer, Öl auf Holz

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

DIE SCHATZKAMMER DER BATTHYÁNYS
Unter Franz I. und Balthasar III. entwickelte sich Güssing nicht nur zu einem gesellschaftlichen Zentrum, wo junge Adelige standesgemäß erzogen wurden. Die Burg, nach der die Familie später ihr Adelsprädikat „de Németújvár" führte, wurde auch zum Stammsitz ausgebaut. Dies bedeutete, dass hier der Familienschatz aufbewahrt wurde. Vor allem Balthasar III. begründete eine wertvolle Bibliothek und erwarb Kunstwerke und andere wertvolle Gegenstände. Diese Schatzkammer vermehrten seine Nachfolger über Generationen hindurch.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Als Stammburg hatte Güssing aber auch weitere Funktionen. Sie beherbergte darüber hinaus das Familien- und Herrschaftsarchiv ebenso wie das Arsenal der Batthyányschen Privatarmee. Aus diesem Grund wurde Güssing durch die Errichtung von Basteien und Mauern zur Festung ausgebaut. Die Erweiterung der Verteidigungsanlagen erfolgte in mehreren Etappen. Auch nach der Teilung der Familie in mehrere Linien blieb Güssing für die Gesamtfamilie als Stammsitz erhalten. Vertreter beider Hauptlinien verwalteten als Majoratsherren den Familienschatz und trugen die Obsorge über die Familiengruft mit dem Recht auf Bestattung für alle Familienmitglieder.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Geschnitztes barockes Figurenschachspiel, Elfenbein und Ebenholz, 18. Jahrhundert

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

KROATEN - Bald nach der Übernahme der Herrschaft Güssing begann Franz I. Batthyány mit der Ansiedlung kroatischer Untertanen. Nach der Agrarkrise im ausgehenden Mittelalter und nach den Türkenzügen von 1529 und 1532 war ein großer Teil des damaligen Westungarns verödet und verwüstet. Diese Tatsache schuf die Voraussetzung zur Umsiedlung von Kolonisten aus den kroatischen und slawonischen Herrschaften der Batthyány. Aufgrund des Vordringens der Osmanen auf der Balkanhalbinsel schien es für die Grundherren sicherer, Leibeigene aus den südlichen Besitzungen in den westungarischen Raum umzusiedeln. Die Ansiedlung erfolgte bis um 1580 entweder durch Einsiedlung in verödete Höfe bestehender Dörfer oder durch Neugründung von Siedlungen oder Ortsteilen. Die Neusiedler bekamen bis zu 12 Jahren Steuerbefreiung. Die Kroaten waren vor allem als Hirten und Viehhändler bekannt. In der Herrschaft Güssing entstanden Neugründungen wie Žablje Selo/Krottendorf/Békafalu, Sveti Mikula/St. Nikolaus/Várszentmiklós, Punić/Punitz/Pónic, Nova Gora/Neuberg/Újhegy, Stinjaki/Stinatz/Pásztorháza oder Prastya/Rehgraben/Özgödör.

UNGARN - Die magyarische Siedlungsgrenze lag auch vor 1921 größtenteils östlich des heutigen Burgenlandes. Ungarische Sprachinseln hielten sich in ehemaligen mittelalterlichen Grenzwächtersiedlungen. Sie waren hauptsächlich von Kleinadeligen bewohnt. Diese waren in der Verwaltung der Komitate ebenso tätig wie in jener der Grundherrschaften. Aus diesem Kleinadel rekrutierten sich aber auch die Privatarmeen der Magnaten. Die höheren Ränge dieser Militärs wohnten in ihren eigenen Häusern und bekamen oft Grundbesitz zu ihrem Unterhalt, während die einfachen Soldaten entweder in den Burgen stationiert waren oder bei den untertänigen Bauern einquartiert wurden. Dies führte mitunter zu Differenzen mit den Untertanen wie eine Beschwerde an Adam I. Batthyány 1648 aus Schlaining zeigt: „Wenn der Herr hierherkommt, dann kann wegen der Reiter weder Gans noch Huhn, noch Heu, noch Hafer auf dem Feld in Frieden bleiben, sogar das Hofland und die Scheune werden verheert und alles wird erbeutet." In den weiter östlich gelegenen Herrschaften in Innerungarn war der magyarische Bevölkerungsanteil auch bei den Untertanen vorherrschend.

ROMA - Die Roma kamen im Gefolge der osmanischen Heere über den Balkan nach Mitteleuropa. Sie wurden vor allem als Waffenschmiede geschätzt und daher von den Grundherren angeworben. Sie hatten keinen Wohnsitz, lebten nomadisierend in Zelten und unterstanden einem Woiwoden. Ein weiterer Tätigkeitsbereich war die Musik. Bereits Eva Poppel-Lobkowitz unterhielt eine Roma-Kapelle. Ihr Sohn Adam I. Batthyány setzte 1652 einen Oberwoiwoden aus den Reihen seiner Offiziere zur Aufsicht über die Roma ein. 1674 gewährte Christoph II. Batthyány einen Schutzbrief für den Woiwoden Martin Sárközi und seine Sippe. Demnach mussten sie jährlich 25 Taler Steuer zahlen. In diesem ältesten bekannten Schutzbrief heißt es: „Damit diesen Elendigen weder unterwegs noch an anderen Orten nirgends durch irgendwelche Amtspersonen Kränkung widerfährt, bitten und ermahnen wir jedermann, die oben Genannten und alle, die es angeht, dass sie den genannten Woiwoden Martin Sárközi und die dazu gehörenden zeltbewohnenden Zigeuner weder in ihrem Besitz noch in ihrer Person kränken, noch ihnen durch andere Leid zufügen lassen und sie in keiner Weise zu Diensten anhalten."

JUDEN - Nach der Ausweisung der Juden aus den österreichischen Erbländern durch Kaiser Leopold I. 1670 fanden viele Familien Zuflucht auf den Gütern westungarischer Magnaten. Bereits Christoph II. Batthyány erlaubte 1673 Juden sich in Rechnitz anzusiedeln, wo sich die bedeutendste der späteren fünf Batthyányschen Schutzgemeinden entwickelte. Die anderen etablierten sich in Schlaining, Güssing, Körmend und Nagykanizsa. Die Grundherren profitierten vom Handel ihrer Schutzjuden. Adam II. Batthyány erneuerte 1687 das Privileg seines Vaters, worin die Höhe des Schutzgeldes, die Handelsfreiheiten, die Befreiung von Zöllen und die Erlaubnis, eine koschere Fleischbank und koscheren Weinausschank zu betreiben, festgelegt wurden. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts entstand die 1728 erstmals genannte jüdische Gemeinde in Güssing, wo zunächst der Stadtmeierhof als Wohngebäude zur Verfügung gestellt wurde. Hier richtete die jüdische Gemeinde eine Synagoge und eine Mikwe ein.

HIANZEN - Als Franz I. Batthyány die westungarischen Herrschaften übernahm, fand er unter seinen Untertanen eine mehrheitlich deutschsprachige Bevölkerung vor. Diese hatte sich entlang der Grenze zu Österreich und der Steiermark in mehreren Wellen seit dem Mittelalter angesiedelt. Die Sprache der Hianzen ist ein mittelbairischer Dialekt. Die ersten Siedler sollen mit den Güns-Güssingern ins Land gekommen sein, die die lange Zeit dünn besiedelte Gyepű-Zone kolonisierten. Als die Habsburger die Gegenreformation in den österreichischen Erbländern mit aller Konsequenz durchführten, emigrierten viele Protestanten ins nahegelegene Westungarn, wo tolerantere Religionsgesetze galten. Evangelische österreichische Adelige erwarben Freihäuser oder Pfandbesitz von den ungarischen Herrschaftsinhabern.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

ZÜNFTE - Zur Wahrung gemeinsamer Interessen schlossen sich Handwerker seit dem Mittelalter zu ständischen Körperschaften zusammen. Sie nahmen ein „Handwerksordnung" genanntes Statut an, das vom Grundherrn bestätigt wurde. Diese „Zünfte" genannten Vereinigungen regelten alle wirtschaftlichen und sozialen Fragen ihrer Mitglieder, von der Ausbildung der Gesellen und Meister über Preisgestaltung der Waren bis hin zur Versorgung der Witwen und Waisen. Die Zünfte waren meist in den Hauptorten der Herrschaft, die oft Märkte waren, oder in den königlichen Freistädten angesiedelt. Die Versammlungen, wo Gesellen freigesprochen und neue Meister in die Zunft aufgenommen wurden, fanden bei „offener Lade" statt. Laden wurden die Zunfttruhen genannt, in denen die wichtigen Dokumente und Vermögenswerte aufbewahrt wurden.

1638 schlossen sich die Müller der Batthyány-Herrschaften Güssing, Rechnitz, Schlaining und Körmend zu einer Zunft zusammen. Christoph II. gab die Erlaubnis zur Gründung der Zunft der Leinweber 1666 und der Hufschmiede 1676. 1693 bestätigten Adam II., Franz III. und Sigmund I. den Güssinger Riemern, Kürschnern, Sattlern, Schlossern und Waffenschmieden die von den Körmender Meistern übernommene Zunftordnung.

WEINREGAL - Ein Zeichen adeliger Herrschaft waren Regalien (Hoheitsrechte) auf bestimmte Einnahmen. Tätigkeiten oder Nutzungen. So war z. B. die Jagd ein Regal des Grundherrn und damit den Untertanen verboten. Das Weinregal galt für die Grundherrschaft Güssing als wichtigste Einnahmequelle. Der gekelterte Wein wurde nicht nur für den Eigenbedarf verwendet, sondern auch verkauft. Aufgrund eines Vorkaufsrechts des Grundherrn mussten die Bauern den selbst gekelterten Wein meist unter dem Marktwert an die Herrschaft verkaufen. Wollten sie dies nicht, war das sogenannte „Pombaingeld" (Bannweingeld) zu entrichten.

Dies führte mitunter zu Unmut, wie ein Verwalter an Adam Batthyány berichtete: „den beschlagnahmten Wein ... gaben die armen Leute unter großem Fluchen und Weinen her ... Die Leute schwören, wenn Euer Gnaden diesen (nämlich den noch bei ihnen gebliebenen Wein) auch noch wegnehmen läßt, lassen sie ihre Weingärten veröden".
In Güssing etwa wurde in den herrschaftlichen Wirtshäusern das ganze Jahr über Wein, Bier und Brandwein ausgeschenkt. Der Grundherr gewährte den Untertanen schließlich ein Sonderrecht, wonach diese von Michaeli (29. September) bis Mariä Lichtmess (2. Februar) den eigenen Wein ausschenken durften. Daraus entwickelte sich später das für die Region typische Buschenschankwesen.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Die Verwaltung der Grundherrschaft Güssing beruhte im 18. Jahrhundert auf einem mittelalterlichen Gewohnheitsrecht: Die Bauern der einzelnen Dörfer mussten i.d.R. dieselben Abgaben leisten wie ihre Vorfahren der vergangenen Jahrhunderte. Dabei wurde nicht nach Größe oder Wirtschaftlichkeit der Dörfer unterschieden. So kam es vor, dass reichere Dorfschaften weniger Abgaben leisten mussten als ärmere, weil dies „nach altem Herkommen", wie es in den Aufzeichnungen heißt, Usus war. Derlei Aufzeichnungen nennt man Urbarien; diese listen alle Dörfer der Grundherrschaft auf, geben Auskunft über die Sessionen (Höfe) und weisen aus, welcher Bauer wie viel an Steuer zu zahlen hatte. Zusätzlich wurde vermerkt, wie viel ein jedes Dorf neben Steuern auch an Naturalien abzugeben hatte. Zuletzt wurde niedergeschrieben, welches Ausmaß an Robotpflichten den Bauern auferlegt wurde.

Adam Batthyány versuchte, seine Untertanen vor Übergriffen durch die grundherrschaftlichen Verwalter und Dorfrichter zu schützen: „...[M]an soll die Bürger nicht von oben gewalttätig belasten, vor allem wenn diese Belastung offensichtlich zu unserem Schaden ist. Von dem die Exactoren [Verwalter, Anm.] bemerken, daß er geben kann, und derjenige gutwillig nichts geben will, können sie es anders wegnehmen ... Diejenigen, die Witwen und Waisen sind und wirklich nichts geben können, die muß man registrieren, dazuschreiben, was sie schulden."

Die Lehenbauern der Grundherrschaft Güssing mussten anstrengende Robotleistungen erbringen. So war auch der Ausbau der Burg Güssing Aufgabe der Bauern. Sie wandten sich 1651 an ihren Grundherrn, Adam Batthyány, und baten ihn um Erleichterung ihrer schweren Arbeit. Dieser ließ sich jedoch nicht erweichen: „Daß unsere Vorfahren an unserer Burg noch viel zu bauen überließen, was euch viel Arbeit bereitet, das ist so und kann nicht anders sein, aber auch diese Arbeiten gehen mit Gottes Hilfe zu Ende, und ihr werdet dadurch erleichtert werden.“

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

GRENZBURG UND WAFFENARSENAL
Die Bedeutung von Güssing als Grenzburg gegen die Steiermark nahm nach der Regierungsübernahme der Habsburger in Ungarn 1526 ab. Umso bedeutender wurde der Einsatz der Batthyánys in der Abwehr der Osmanen. Hier bekleideten sie bedeutende militärische Funktionen. So war etwa Adam I. kommandierender General von Transdanubien. Diese oder ähnliche Ränge hatten auch seine Nachkommen inne.

Der Charakter der Burg Güssing veränderte sich von jenem einer Grenzfestung zu einem Waffenarsenal für das Privatheer der Batthyánys. Dieses hatte eine Stärke von 500 bis 1200 Mann. Die Soldaten stellten jedoch eine große Belastung für die Bauernschaft dar. Diese wurden in den Ortschaften samt Pferden einquartiert und mussten von den Lehenbauern verköstigt und verpflegt werden. Ende des 17. Jahrhunderts, nach der Rückeroberung Zentralungarns durch die kaiserliche Armee, verlor Güssing an militärischer Bedeutung, das Zeughaus war überflüssig geworden. Mit der schrittweisen Demontage der Burg wurde auch die Waffensammlung aufgelöst und 1788 an einen Eisenhändler verkauft.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

DIE PRIVATARMEE DER BATTHYÁNY
Die Batthyány hielten im 17. Jahrhundert eine 2000 bis 2500 Mann starke Privatarmee, die sie größtenteils auf eigene Kosten, zum Teil auch aus staatlichen Geldern bezahlten. Das bedeutet, dass ein Großteil der herrschaftlichen Einnahmen aus der Arbeitsleistung der Untertanen zum Unterhalt der Soldaten verwendet wurde. Mit ihren Truppen hatten die Batthyány einen Teil der Grenze gegen das osmanische Gebiet zu kontrollieren.
Die Offiziere und Soldaten dieser Privatarmeen entstammten größtenteils dem ungarischen und kroatischen kleinen und mittleren Adel. Sie hatten sich bereits vielfach im Türkenkampf bewährt. Manche bekamen auch Dörfer oder Untertanen auf Lebenszeit übertragen. Neben der Ernährung dieser Truppen der Grundherren war vor allem die Unterbringung der Soldaten eine Herausforderung für die untertänigen Bauern. Zumindest die Offiziere wurden auch am herrschaftlichen Hof verpflegt. Dazu gehörten der Hauptmann, der Heiduckenhauptmann, der Leutnant und acht Fähnriche.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Geschnitzte Holzpuppe eines türkischen Kriegers in Eisenrüstung, Ende 18. Jahrhundert

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Reiterhelm mit Panzergeflecht, Kalotte mit langer Ringelpanzer-Brünne, 2. Hälfte 17. Jahrhundert

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Prinz Eugen von Savoyen, Hofkriegsratspräsident, antwortet Franz III. Graf Batthyány auf dessen Ersuchen, sein in Italien stationiertes Heiducken-Regiment wegen der Rákóczi-Rebellion nach Ungarn verlegen zu dürfen, abschlägig. Weissenburg, 17. Oktober 1704.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

DIE FAMILIENGRUFT, EIN ZENTRALER BEGRÄBNISORT
Bereits die ersten Batthyánys wählten die Kirche des damaligen Augustinerklosters in Güssing als Ort für ihre Grablege aus. Sie hielten an dieser Tradition auch nach ihrem Übertritt zum Protestantismus fest. Adam I. ließ nach seiner Konversion zum Katholizismus die Kirche zum Großteil im Barockstil neu errichten, wandelte die evangelische Schule wieder in ein Kloster um und berief 1648 den Franziskanerorden hierher. Im Stiftungsbrief begründete er in der Krypta eine neue Familiengruft für sich und seine Nachkommen. Als solche wird sie nach einigen Erweiterungen bis heute genutzt. 155 Mitglieder der Familie Batthyány wurden seit der Mitte des 17. Jahrhunderts in der Familiengruft beigesetzt. Damit ist sie, gemessen an den Bestattungen, die größte private Familiengruft Österreichs. Die Grablege unterstreicht den Bestattungsort als zentralen Familiensitz. Selbst nicht in Güssing wohnhafte oder begüterte Familienangehörige wurden hier beigesetzt. Die für die Begräbnisse angefertigten Funeralwappen wurden zum Gedenken an die Verstorbenen im Familienschatz aufbewahrt.

Totenwappen für Adam I. Graf Batthyány 1659, Stuck auf Holz
Das Totenschild enthält das Wappen, den Namen und die Lebensdaten des Verstorbenen. Nach seiner Funktion bei der Aufbahrung hielt es anstatt eines Grabsteins die Erinnerung an den Toten aufrecht.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Unbekannter Maler: Adam II. Graf Batthyány (1662-1703), Öl auf Leinwand, 18. Jh.
Der Sohn von Christoph II. und Anna Maria Horvath von Palocsay kämpfte in den Kriegen gegen die Osmanen und konnte nach der Rückeroberung Südungarns dort beträchtliche Ländereien erwerben. Er heiratete 1692 Eleonore, die Tochter des Hofkanzlers Theodor Graf von Strattmann. Kurz vor seinem Tod teilte er seine Güter mit seinem Bruder Balthasar IV., der allerdings unverheiratet verstarb.

Unbekannter Maler: Adam I. Graf Batthyány (1610–1659), Öl auf Leinwand, 18. Jh.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Rokoko-Spiegel aus vergoldetem Holz mit Schnitzereien, Österreich oder Norditalien, 18. Jahrhundert
Ovaler Barocktisch mit Intarsien eine Jagdszene darstellend, um 1720

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Erwin Morawitz: Ladislaus Batthyány-Strattmann (1904-1966), Acryl auf Hartfaserplatte, 1975
Kurator der Güssinger Burg- und Klosterstiftung 1931-1966

Erwin Morawitz: Ladislaus Pascal Batthyány-Strattmann (1938-2015), Acryl auf Hartfaserplatte, 1975
Kurator der Güssinger Burg- und Klosterstiftung 1966-2008

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

VON DER TEILUNG ZUR BURGSTIFTUNG
Nach dem Tod von Adam I. Batthyány 1659 erfolgte unter seinen Söhnen Christoph II. und Paul I. die Teilung der Familie in zwei Hauptlinien. Die Burg Güssing hatte von da an immer zwei Herren, denen sogar einzelne Gebäudeteile zugeordnet waren. Der älteren Linie gelang im 17. und 18. Jahrhundert ein kometenhafter Aufstieg. Sowohl Adam II. als auch seine Söhne und Enkel erlangten die höchsten staatlichen, militärischen und kirchlichen Ämter und Auszeichnungen. Die Erlangung der Würde des Erbobergespans von Eisenburg 1716 und die Verleihung der Fürstenwürde 1763 an Karl Josef Batthyány stellte die Höhepunkte dar. Am Fuße des Güssinger Burgberges entstanden neue, komfortablere Residenzen und ließen die bald zur Ruine verfallende Burg zu einem eher symbolischen Stammsitz werden. Zum Erhalt der Burg wurde letztendlich durch Fürst Philipp Batthyány-Strattmann eine Stiftung ins Leben gerufen.

Die von Paul I. begründete jüngere Linie spaltete sich aufgrund eines großen Kinderreichtums bis ins 19. Jahrhundert in viele kleine Äste mit ihren eigenen Residenzen auf. Von den drei Hauptzweigen blieb letztendlich die Pinkafelder Linie bestehen, die die Kuratorenschaft über die Güssinger Burgstiftung erlangte. Ihr bedeutendster Vertreter war der selige Dr. Ladislaus Batthyány-Strattmann, der nach Aussterben der älteren Linie auch die Fürstenwürde erbte.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

DIE BESITZER DER BURG GÜSSING AUS DER FAMILIE BATTHYÁNY
Franz / Ferenc I. 1524-1566
Balthasar/Boldizsár III. 1566-1590
Franz / Ferenc II. 1590-1625
Adam / Ádam I. 1625-1659
Christoph / Kristóf II. 1659-1687
Paul / Pál I. 1659-1674
Adam / Adam II. 1687-1703
Franz / Ferenc III. 1674-1720
Balthasar / Boldizsár IV. 1703-1743
Sigmund / Zsigmond I. 1720-1726
Ludwig I. Ernst / Lajos Ernő 1743-1765
Emmerich / Imre I. 1728-1753
Adam IV. Wenzel / Ádam Venczel 1765-1787
Adam / Ádam III. 1753-1782
Ludwig / Lajos II. 1787-1806
Karl / Károly II. 1782-1814
Philipp / Fülöp III. 1806-1870
Franz / Ferenc IV. 1814-1821
Johann Nepomuk / János Nepomuk I. 1821-1831
Christoph / Kristóf III. 1841-1878

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Blankwaffen für die Jagd (Hirschfänger), 18., 19. Jh.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Speisezimmer
Dieses Ensemble, ausgerichtet auf acht Personen, trägt der Intimität des engeren Familienkreises Rechnung und steht damit im Gegensatz zur Garnitur des Ritter- oder Ahnensaales im 1. Obergeschoß. Das Mobiliar ist ausgerichtet auf die Zeitenwende vom Barock zum Biedermeier unter Einschluß des Empire und wird durch das Chaiselongue („Langstuhl") in seiner Raumkomposition sinnvoll ergänzt. Der ganze Raum wird getragen durch die Persönlichkeit von Ludwig Graf Batthyany, der in der ungarischen Regierung des Ludwig Kossuth 1848 die Position des Ministerpräsidenten inne hatte. Zum einen wird in den ausgestellten Bildern die euphorische Stimmung am Beginn dieser „Unabhängigkeitsbewegung" zur Loslösung von Österreich deutlich, um dann auch das tragische Ende dieser, vom Unglück geprägten Auseinandersetzung zu zeigen.

Das Gemälde „Dame in Blau" stammt übrigens vom bekannten Porträtisten Carl Weidner' von dem auch ein Porträt von Ludwig Graf Batthyany in Preßburg existierte.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Ludwig Graf Batthyany als aufgeschlossener, aber realistisch eingestellter Magnat, Patriot und Mensch hatte die Regierung Kossuth bereits gegen Jahresende 1848 verlassen und wollte in den Schlußtagen der unglücklich
verlaufenden Erhebung das Schlimmste von seinem Land und Volk abwenden. Auf dem Tisch aufgedeckt ist Herend-Porzellan mit dem Dekor „Batthyany", das auf Wunsch von Ludwig Graf Batthyany 1842 erstmals gefertigt wurde und mit dem die Manufaktur Herend erstmals in der Budapester Gewerbeausstellung reüssieren konnte.

Die Forcierung der „einheimischen" Porzellanmanufaktur Herend durch den ungarischen Adel im Vorfeld der Unabhängigkeitserklärung im März 1848 kommt einer bewußten nationalen Wirtschaftsförderung gleich und einer Besinnung auf die bodenständigen Resourcen und Möglichkeiten. Das gesamte Ensemble des Raumes stammt aus
der Sammlung DDDr. Udo Illig - Burg Schlaining. Dieser Hinweis erscheint vor allem in Verbindung mit den Porträtdarstellungen wichtig, weil hier versucht wurde, eine Familie auch im Umfeld eines Speise- und Wohnzimmers im Bild festzuhalten und zu vereinen.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Schlafzimmer
Zu einem Burg- und Schloßensemble, welches Wohnkultur vermitteln möchte, gehören auch die sehr familiären Bereiche wie das Schlaf- und das Speisezimmer, während das Jagdzimmer bereits wieder eine Brücke von der „kleinen Gesellschaft" zur größeren Runde schlägt. Das gegenständliche Ensemble des Schlafzimmers hat als zentrale Möbelstücke das Bett und den mächtigen Kasten im Renaissancestil. Damit wird auch eine Tendenz ausgedrückt, derzufolge die „Großmöbel" wie z.B. Kästen und Truhen im Bestand eines florierenden Burg- und Schloßhaushaltes einen sehr langen Bestand haben, während Kleinmöbel und Ausstattungsstücke wie Spiegel, Nachtkästchen, Sitzgarnituren etc. einem sehr häufigen stilistischen Wandel unterworfen sind und öfters ausgetauscht werden.

Dieser Tendenz wird die Ausstattung des Zimmers gerecht, in dem nicht nur die Kleinmöbel sondern auch die Ausstattung mit Porträts einen Bezug zur jüngeren Vergangenheit herstellen, während mit der Bettwäsche und den Handtüchern unmittelbar an die in den 60er Jahren des 20.Jhdts eingerichtete Frühstückspension des DDDr. Udo Illig auf Burg Schlaining angeknüpft wird. Diese Ausstattung steht über weite Strecken des touristischen Angebotes einzigartig da und ist als sehr früher Versuch eiuer Gästeunterbringung zu sehen (erhielt doch Stadtschlaining erst 1986/87 mit der Errichtung des Hotels Burg Schlaining eine geeignete Unterbringungsmöglichkeit).

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

M.H.J. von Nedelkovits, *1875 Graz: „Die Quelle Arethusa", Ölgemälde 131x105cm, roter Holzrahmen
In der griech. Sage ist Arethusa eine Quellnymphe, die vom Flußgott Alpheios verfolgt und auf ihre Bitten hin von Artemis in eine Quelle auf der Insel Ortygia bei Syrakus in Sizilien verwandelt wird.

Eduard H. Lorenz, genannt Murovana *1868 Wien: „Mondnacht an der Odermündung", Ölgemälde 47x35cm/63x51cm, vergoldeter Holzrahmen
Eduard Lorenz war als Landschaftsmaler, Exlibriszeichner und Kalligraph tätig und in Linz/D. ansässig.

Hugo Cordignano: „Vorderer Langangsee im Toten Gebirge", Ölgemälde 88x72cm/106x90cm, schwarzer Holzrahmen
Das Werk wurde um 1950 geschaffen

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Galerie des 19. und 20. Jhdts., Bibliothek - Musikzimmer
Neben der Galerie-Präsentation, die einen Überblick über das Kunstschaffen des späten 19. und der ersten Hälfte des 20.Jhdts. bringt, fällt vor allem das druckgraphische Werk auf. Zwei Sammlungsbestände überzeugen durch ihren augenfälligen Umfang, einmal die Werkübersicht von William Unger, der die Bestände des Kunsthistorischen Museums in Wien für eine Drucklegung radiert hat und zum anderen die Ausgabe der steirischen Burgen und Schlösser in Kaisers Schlösserbuch. Ein weiterer Denkanstoß in diesem Raum wird durch die symbolisierte Bibliothek vermittelt, in der durch den schreibenden Mönch die frühe Verbindung zum Kloster und zur Klosterbibliothek hergestellt wird. Diese Tradition setzt sich mit den ersten Buchdrucker und Verleger in Güssing, dem Johannes Manlius fort, von dem ein Flugblatt aus dem Jahre 1605 ausgestellt ist.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Daß heute ein Bibliotheksbestand durch die Sammlung Illig auf Burg Güssing veranschaulicht werden muß, ist nicht nur durch die Umwandlung der Burg in eine „künstliche Ruine" nach 1786 erklärbar. Ein wesentlicher Schwerpunkt liegt auf dem Begriff „Musikzimmer". Jede bewohnbar ausgestattete Burg dieser Größenordnung und mit diesem gesellschaftlichen Anspruch verfügte über derartige Ausstattungen. Die Zusammensetzung bietet auch hier wieder einen Überblick über einen größeren Zeitraum, werden hier z.B. Klaviere bzw. Flügel mit Holzrahmen und Wiener Mechanik neben solchen mit Gußeisenkörper und englischer Mechanik gezeigt.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Herauszustellen ist das sog. „Phonola", das als Ersatz für den Klavierspieler bei sonst gleichbleibender Besetzung gedacht werden kann - ein Flügel - das Phonola anstelle der Hände und Füße des Pianisten an den Tasten und Pedalen - und eine Bedienungsperson für dieses Phonola. Übrigens können auf batthyany'schen Schlössern und Burgen seit dem 16. Jhdt orchesterähnliche Gruppierungen nachgewiesen werden, u.a. auch eine Tamburizzakapelle auf Rechnitz. Als batthyánysches Originalinstrument kann die blaue Kesselpauke aus der Burg Schlaining angesprochen werden.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Giovanni Antonio Fumiani (*1643 Venedig - + 1710 Venedig): "Darbringung Christi im Tempel", Ölgemälde 181x100cm/197x116cm, rotgefaßter Holzrahmen
Der Maler arbeitete ab 1668 ständig in seiner Heimatstadt und schuf u.a. für den Dom zu Padua Rosetti im Altarchor „Beschneidung Christi"

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Galerie
Der unmittelbar über den renaissaneezeitliehen Räumen des 1. Obergeschoßes liegende große Saal, der in der Barockzeit errichtet, bereits die veränderten Wohnqualitäten erkennen läßt (größere Fenster, hohe Räume ohne Gewölbe), ist in bewußter Ergänzung zum Sammlungsbestand der Burgstiftung an Gemälden, die im 1. Obergeschoß gezeigt wird, mit der reichhaltigen Sammlung Illig ergänzt worden. Die Sammlung DDDr. Udo lllig - Burg Schlaining vervollständigt die bestehenden Sammlungen durch Exponate aus der Renaissancezeit, über die reich ausgestattete Barockzeit bis zur Moderne und beinhaltet dabei bemerkenswerte Facetten der künstlerischen Gestaltung.

Die thematische Gliederung bringt einerseits das breite Spektrum von Gemälden mit religiösem Inhalt, mit Darstellungen von Heiligen bis zu Szenen aus der Heiligen Schrift, andrerseits aber auch die Einbeziehung von historischen Persönlichkeiten, wie z. B. den röm. Philosophen und Politiker Seneca oder den Andreas Ritter von Rauber um dann beim Gott Amor zu verweilen, der den Bogen für den noch abzuschießenden Pfeil, der das zukünftige Liebespaar vereinen soll, schnitzt. Eine Reihe von militärischen und historischen Szenen, unter denen vor allem die Szenen aus den Türkenkriegen hervorzuheben sind, rundet das Erscheinungsbild dieses Saales ab, das durch ausgewählte Möbelstücke, die zeitlich mit den Bildern harmonisieren, ergänzt wird.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Deutscher Romantiker: „Cleopatra", Ölgemälde 97x123cm/119/145cm, vergoldeter Holzrahmen

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Die Galerie setzt sich im folgenden Raume fort, in dem der Schwerpunkt auf das 19. und 20.Jhdt und der Druckgraphik zu liegen kommt. Darüber hinaus erhält der Saal seine einzigartige Atmosphäre durch die herrliche Aussicht und den beeindruckenden Fernblick, der hier stellvertretend für alle übrigen Räume einschließlich der Turmgeschosse herausgestellt wird. „Soweit das Auge reicht" mit diesem Begriff kann man den Ausblick in das Herrschafts- und Einflußgebiet der Familie Batthyány am treffendsten umschreiben. Nach Osten ist der Blick frei auf Körmend ausgerichtet, im Norden begrenzt der Hochwechsel den Horizont, während im Süden und Westen die sanfte und bewaldete Hügellandschaft mit ihren Weingebirgen unmittelbar an den Burgberg heranrückt.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Franz Ritter von Kurz zu Thurn und Goldenstein (1807 - 1878)
König Rudolf I. und Przemisl Ottokar II. von Böhmen"
Ölgemälde 106x83cm/121x97cm, vergoldeter Holzrahmen

Das Gemälde zeigt die nach dem Wiener Frieden vom 26.11.1276 erfolgte Belehnung Ottokars mit seinen Stammländern Böhmen und Mähren durch König Rudolf I., der am 1.10.1273 in Frankfurt/Main durch die Kurfürsten zum deutschen König gewählt worden war. Ottokar II. fiel am 26.8.1278 bei Dürnkrut auf dem Schlachtfelde gegen König Rudolf I.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

DIE BURG GÜSSING VOR 1524
Der Überlieferung zufolge baute der aus Österreich zugewanderte Ritter Heinrich im Jahre 1157 auf dem einsamen Berg Kyscen eine Abtei für den Benediktinerorden. Diese wurde wenig später vom ungarischen König Béla III. eingezogen und stattdessen eine Burg errichtet, die 1198 erstmals als novum castrum (neue Burg) genannt wurde. Daraus entwickelte sich ein Jahrzehnte dauernder Streit mit der Mutterabtei Pannonhalma um einen Ersatz. Die Burg blieb im Besitz der ungarischen Könige und wurde von Kastellanen verwaltet oder zeitweise an ungarische Adelige gegeben.

1391 schenkte König Sigismund die wichtige Grenzfestung an Ladislaus von Sáró und in Folge an seinen Sohn Peter, der sich Cseh von Léva nannte. Dieser weitete das zur Burg gehörige Gebiet um die Untere Wart (Örség) aus. Als Parteigänger der Hunyadi gelangte die Familie in Gegensatz zu den Habsburgern und musste die Burg aufgeben. Diese wurde 1458 an Nikolaus Újlaki, den Woiwoden von Siebenbürgen und Titularkönig von Bosnien, übergeben. Als Anhänger Kaiser Friedrichs III. organisierte dieser die Wahl des Habsburgers zum ungarischen Gegenkönig im Jahr darauf auf Burg Güssing. Die Unternehmung scheiterte letztendlich und Újlaki schloss sich König Matthias Corvinus an. Er und sein Sohn Lorenz bauten die Burg weiter aus. Mit dem Tod von Lorenz Újlaki starb die Familie 1524 aus und Güssing fiel an die ungarische Krone zurück.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

FRANZ I. BATTHYÁNY UND SEINE VORFAHREN
Am 30. Juni 1524 bekam Franz I. Batthyány Burg und Herrschaft Güssing von König Ludwig II. verliehen. Damit verlagerte sich das familiäre Zentrum der Familie von Slawonien ins damalige Westungarn. Güssing wurde in Folge zur Stammburg der Batthyánys. Zuvor war seinem Vater Balthasar I. durch den Erwerb umfangreicher slawonischer Güter sowie öffentlicher Ämter ein sozialer Aufstieg aus dem Landadel gelungen. Seine Nachkommen konnten durch eine geschickte Heiratspolitik, durch die Besetzung von Hofämtern über Generationen hindurch und den Erwerb weiterer Herrschaften ihre Stellung als ungarische Magnaten absichern.

Im 18. Jahrhundert wurde von den herrschaftlichen Archivaren der Versuch unternommen, die Abstammung der Familie bis in die Zeit der ungarischen Landnahme zurückzuverfolgen. Tatsächlich können die frühesten Vorfahren erst im 14. Jahrhundert namhaft gemacht werden. Die ursprünglich beim Plattensee begüterte, sich nach Kővágóörs nennende Familie änderte nach dem 1398 erfolgten Erwerb von Szabadbattyán ihren Namen auf Batthyány um. Mittels wirklichen und fiktiven Ahnen sollte eine ihrer neuen Stellung gemäße uralte Herkunft belegt werden. Zu diesem Zweck entstanden Stammbäume und Ahnengalerien, die zur Repräsentation in den Burgen und Schlössern dienten.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Burgküche, Lebzelter und Zuckerbäcker
Die Burgküche ist sowohl aus Sicherheitsgründen als auch aus organisatorischen Rahmenbedingungen im Erdgeschoß bzw. Kellerbereich angelegt. Der offene Herd mit großem Rauchhut und Rauchabzug ist der Mittelpunkt der Küchenanlage, wobei hier bei der Ausstattung mit Gerätschaften und Geschirr das ausgehende 19. Jahrhundert umfangreich vertreten ist und einen wertvollen Einblick in den Alltag eines Burgkochs bzw. einer Burgköchin bietet. Die technischen Möglichkeiten reichen vom Rösten des Kaffees (Bohnen oder Ersatz), über die Zubereitung von Pudding und Aufläufen, bis zu den Hilfsgeräten wie Waagen, Handmühlen, Rührkesseln und Gußeisengeschirr.

Es darf hier besonders darauf hingewiesen werden, daß sich auch in den übrigen Ausstellungsräumen der Burg Objekte und Geräte des thematischen Bereiches Küche finden, so z.B. Eisenkunstguß mit Messing- und Gußeisenmörsern, Großmörsern, Backformen, oder Waffel- und Hostieneisen. Die Burgküche ist aber auch der Arbeits- und Vorbereitungsraum für das Bedienungspersonal, hier werden die Kerzenleuchter gereinigt und mit neuen Kerzen versehen, hier wird das Eßgeschirr gereinigt und dann wieder in die herrschaftlichen Räume gebracht, siehe dazu besonders die Ausstattung des Speisezimmers.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Klostergründungen im Südburgenland
Zentrales Thema dieses Raumes ist die Abtei St. Gotthard, die jahrhundertelang das Raabtal und den Bezirk Jennersdorf und Teile von Güssing wirtschaftlich, kulturell und konfessionell geprägt hat. Die Zisterzienser-Abtei St. Gotthard, gegründet 1183 von König Bela III., besiedelt mit Mönchen aus der Mutterabtei Troisfontaines, hatte eine Reihe von hohen Persönlichkeiten in den Reihen der Förderer und der Kleriker. Darauf verweist u.a. der Grabstein des Schatzmeisters Nikolaus Széchy von Felsölendva (Doppeladler im Wappen) und der seiner Gattin Helena de Gara, der das Wappen mit der siebenfach gewundenen, nach rechts gewendeten gekrönten Schlange mit dem Reichsapfel im Maul aufweist. Das Wappentier der im 15.Jhdt ausgestorbenen Familie ist als Basis und Hintergrund der Sagen um die gekrönte Schlangenkönigin, die in mehreren burgenländischen Orten beheimatet ist, anzusehen. Die Familie Széchy stellte an der Wende vom 14. Zum 15.Jhdt u.a. den Palatin des Königreiches Ungarn und bekleidete hohe Amtsstellen. Die beiden Grabsteine zählern zu den schönsten gotischen Grabdenkmälern Ungarns.
Die Abtei wurde in den Kriegen mit Gabor Bethlen und den Türken 1664 schwer beschädigt und teilweise gesprengt. Auf das denkwürdige Ereignis der Schlacht bei St.Gotthard - Mogersdorf weist z.B. das Gemälde des Stefan Dorfmeister hin, oder aber die Gemälde, wo neben dem teilerrichteten neuen Kloster noch immer die Ruinen aus der Türkenzeit erkennbar sind.
1734 wurde die Abtei St, Gotthard von König Karl III. von Ungarn dem Zisterzienserorden von Heiligenkreuz verliehen und der Um- bzw. Neubau wurde begonnen, der sich zum Teil auf dem Bildern wiederfindet. Aus dieser Zeit stammt auch das Gemälde mit den Ordensheiligen von St. Gotthard, die Hll. Benedickt, Bernhard von Clairvaux und Gotthard weihen den Entwurf von Anton Pilgram der Gottesmutter Maria.
Die bemerkenswerte Sammlung von Waffel- und Hostieneisen leitet über vom rein kirchlich verwendeten Gebrauchsgegenstand des Hostieneisens zum ursprünglich für festliche Anlässe verwendeten Waffeleisen, so z.B. jenes für ein Hochzeitsmahl 1675.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Eine besondere Note erhält die Burgküche durch das vollständige Ensemble eines Lebzelters und Zuckerbäckers, welches aus dem Familienbesitz von DDDr. Udo Illig stammt, und von Lebzeltherzenausstechformen, bis zu den Patiencebackblechen reicht. Reich vertreten auch die Holzformen für die Marzipanauflage auf den Lebzeltenund die Formen für die Tortendekorationen (Blüten, Birne, Pfirsich, Nuß, Taube etc.).

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Beherrschend zieht die Tumba in der Mitte des Raumes den Blick auf sich und erinnert überdeutlich daran, daß die Errichtung und Erhaltung, zum Teil auch der Betrieb und die Abdeckung der täglichen Bedürfnisse aus den Zuwendungen und Spenden der adeligen und bürgerlichen Familien an die Klöster getätigt wurden. Zahlreiche Neugründungen oder Wiederbegründungen wären ohne diese großzügigen Zuwendungen undenkbar und sie sind Teil des mittelalterlichen-renaissancezeitlichen Gedankengutes, in dem die Errichtung einer Familiengrablege bzw. Grabstätte auf geheiligtem Boden ein vornehmliches Anliegen war. Die Tumba ist eine Rekonstruktion aus den, in der ehemaligen Pauliner-Klosterkirche in Stadtschlaining aufgefundenen Teilen des Baumkircher-Epitaphs (Rekonstruktionsversuch nach Dr. Gerhard Seebach), als Platte wurde das besonders kunstvoll ausgeführte Grabdenkmal des Michael Freiherr von Wolkenstein und seiner Gemahlin Barbara, geborene von Thun, gewählt, weil hier ein besonders schöner Eindruck von der ritterlichen Kleidung um 1509 vermittelt wird, jener Zeit also, in der die Familie Baumkircher in der Herrschaft Stadtschlaining in vollem Besitz standen. Es wird hier auch der Stil jener Zeit deutlich, in der man dem Toten und seiner Familie, der Gründerfamilie des Klosters verstärkte Referenz erwies.

Parallelen zur vorliegenden Tumba finden sich im Hochgrab Kaiser Friedrichs III. im Stephansdom zu Wien und im Grabmal für Kaiser Maximilian I. in der Hofkirche zu Innsbruck. Im Raume werden Bauteile aus Baumkircherburgen und -klöstern, die später in batthyanischen Besitz übergingen, gezeigt. Bei den Steinarchitekturteilen sind die Gewölberippen den Kirchenbauten des Hochmittelalters zuzuordnen, während die Terrakottabauteile auf eine Spezialität des südburgenländisch-westungarischen Raumes verweist, wo in der Zeit des Baumkirchers in Stadtschlaining und des Ellerbachers in Eberau und Kulm großangelegte Produktionsstätten für derartige Waren bestanden, die in der weiteren Folge dann zu den Ziegeleien umgeformt wurden, die zum Teil bis zur jüngeren Vergangenheit in Betrieb standen. Bei den jüngeren Steinbauteilen findet man Gesimsteile, die zwar aus Schlaining stammen, aber gleichförmig auch in Güssing Verwendung fanden (siehe Außenwand über der Burgkapelle in Höhe Rittersaal).

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

BURGBAHN GÜSSING - Technische Daten
Streckenlänge: 96 m / Höhendifferenz: 51 m / Fassungsvermögen: 16 Personen / Fahrgeschwindigkeit: 2 m/s
Aufzugstechnik: ABS Transportbahnen GesmbH. Kosten pro Fahrt EUR 2,- (bar, Münzeinwurf beim Drehkreuz)

Dieses Projekt wurde finanziert aus Mitteln der Burgstiftung Batthyány. der Europäischen Union (EFRE), des Bundeskanzleramtes -Kunstsektion und des Landes Burgenland.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Die Burg Güssing, die älteste des Burgenlandes, ruht auf einem mächtigen erloschenen Vulkan im Talkessel des Strembachs. Sie war Teil des mittelalterlichen, ungarischen Burgengürtels entlang einer umkämpften Grenze in einer bewegten Zeit. Der erste Bau am “Schlossberg” war eine Holzburg, erbaut 1157 vom Grafen Wolfer. Später, vor allem unter den mächtigen “Güssinger Grafen", die von hier aus fast den ganzen ostungarischen Raum beherrschten, wurde sie zu einem steinernen Bollwerk ausgebaut.

In den Türkenkriegen spielte die Burg, nunmehr im Besitz der Familie Batthyány, eine wichtige Rolle. Diese Familie war lange Zeit prägend für Güssing und die Region. Fürst Ladislaus Batthyány-Strattmann, der in der Güssinger Klosterkirche ruht, wurde 2003 selig gesprochen. Eine Besichtigung der Burg, des Burgmuseums und der Sonderausstellung ist von April bis Oktober möglich (ein Aufzug erleichtert den Aufstieg).

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Jakobikirche
Nach dem Kirchenrecht ist die dem Hl. Jakobus dem Älteren geweihte Kirche noch immer die Pfarrkirche von Güssing, obwohl die größere Klosterkirche längst die eigentliche Funktion übernommen hat. Es kam auch in der Mitte des 18. Jahrhunderts immer wieder zu Zwistigkeiten zwischen den Pfarrangehörigen und dem Kloster, sodass sogar Vorschriften zur Regelung des Kirchenbetriebes erlassen werden mussten (betreffend Taufen, Eheschließungen, Gottesdienste etc.). 1962 erfolgte unter der Leitung des damaligen Landeskonservators Dr. Schmeller eine Außenrenovierung, die als Muster für Renovierungen gilt. (Neue Art des Außenputzes etc.). 1964 Innenrenovierung - Betonung des romanischen Baustils. Die zu den ältesten des Landes gehörenden Pfarren (vor 1200) weist unter anderem in acht Büchern auf: von 1690 bis 1970 über 7.000 Brautpaare, von 1725 bis 1970 fast 20.000 Beerdigungen, von 1668 bis 1970 fast 34.000 Taufen. Kirche leider geschlossen.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

St. Jakob - eine mittelalterliche Wehrkirche
Die kleine Pfarrkirche (hl. Jakobus d. Ältere) liegt malerisch auf dem Osthang unterhalb des Burgfelsens auf einer künstlich geebneten Kuppe, die durch Steilabfall und einem ehemaligen Hohlweg isoliert ist. Das Plateau liegt orts- und bergwärts 3-5 m über dem Terrain der Umgebung. Die Ostseite fällt sehr steil 15-20 m tief ab.

Der Bau ist, abgesehen von der Sakristei, 12 mal 8 m groß. Er wurde um 1200 aus Ziegeln und Steinquadern errichtet. Das romanische Portal sowie die romanischen Schlitzfenster verbinden sich innen mit mächtigen, gedrungenen Pfeilern in zwei Etagen übereinander zu einem beeindruckenden Kirchenbaukleinod aus dem Mittelalter. Die Jakobskirche ist somit eine der seltenen Kirchen des Burgenlandes, in der noch der überwiegende Architekturbestand aus der romanischen Stilepoche vorherrscht.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Carolus Clusius
Charles de l’Écluse (lat. Carolus Clusius; * 19. Februar 1526 in Arras, damals Flandern; † 4. April 1609 in Leiden, Niederlande) war ein flämisch-niederländischer Gelehrter, Arzt und Botaniker. Kurz wird er auch oft nur Clusius genannt. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „Clus.“

Clusius studierte Jura und Philosophie zunächst an der Universität Gent, ab 1546 an der Universität Löwen, wo er 1548 das Lizentiat für die Rechte erwarb. Im selben Jahr hörte er juristische Vorlesungen an der Universität Marburg. 1549 studierte er Philosophie an der Universität Wittenberg bei Philipp Melanchthon. Von 1551 bis 1554 studierte er an der Universität Montpellier. Einflussreicher Lehrer war Guillaume Rondelet, der ihn für die Botanik begeisterte. 1560 bis 1561 studierte er Medizin in Paris. Daneben besuchte er verschiedene bekannte Städte wie Lyon, Frankfurt am Main, Straßburg, Antwerpen und London, wo er Studien trieb. 1564 hatte er Gelegenheit, den Bankierssohn Jakob III. Fugger auf die iberische Halbinsel zu begleiten, wo er eine Vielzahl von Pflanzen sammelte, darunter eine Reihe bis dahin unbekannte Arten. Von 1573 bis 1576 war de l’Écluse Hofbotaniker Maximilians II. in Wien, wo er einen Medizinalkräutergarten und das erste Alpinum anlegte. Durch botanische Exkursionen auf Ötscher und Schneeberg hat Clusius wesentlich zur Kenntnis der Alpenflora beigetragen.

Als 1576 Rudolf II., der Sohn Maximilians II., alle Angestellten mit protestantischem Glauben entließ, fand Clusius in Balthasar Batthyány, dem Burgherrn von Güssing, einen Freund und Förderer. In Güssing sowie auf der Burg Schlaining verfasste Clusius sein bedeutendes Werk Stirpium Nomenclator Pannonicus, die erste österreichische Pflanzenkunde. Seine Arbeiten über die Pflanzen in Österreich und Ungarn blieben durch mehr als 100 Jahre maßgebend. Dabei waren diese Werke ebenso wie die zu den Pflanzen der Iberischen Halbinsel keine „Flora“ im heutigen Sinne, sondern eine Art Vorläufer, eine Zusammenstellung und Beschreibung aller Pflanzen, einschließlich der Kultur- und exotischen Zierpflanzen, die in diesen Gebieten wachsen. Große Bedeutung für die Mykologie hat sein 1601 erschienenes Werk Rariorum plantarum historia / Fungorum in Pannoniis brevis hiestoria. Das Werk ist die erste umfassende Pilzmonographie und gleichzeitig die erste regionale Pilzflora, in der 105 in Ungarn vorkommende Pilze beschrieben werden. Er setzte damit auch neue Maßstäbe für die Systematisierung der Pilze, obgleich er die seit der Antike übliche Grundeinteilung der Fungi in essbare und giftige Pilze nicht überwunden hat. Er gilt als einer der Väter der Mykologie. Clusius kannte wie kein anderer Botaniker seiner Zeit sehr viele Pflanzen aus verschiedensten Gegenden Europas, keiner hat so viele neue Arten entdeckt, beschrieben und abgebildet. Er förderte auch die Verbreitung exotischer Nahrungs- und Zierpflanzen. So verdankt ihm Wien und Österreich unter anderem die Einführung der Rosskastanie (1576), der Tulpe und der Kartoffel (1588) sowie der Kaiserkrone. Wien wurde durch sein Wirken zu einem Zentrum der Blumenzucht. Im Jahr 1876 wurde in Wien-Alsergrund (9. Bezirk) die Clusiusgasse nach ihm benannt, ebenso am 2. April 1999 der Asteroid (9364) Clusius.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Dr. Ladislaus Batthyány-Strattmannn, der "Arzt der Armen", ist der erste Selige, der auf dem Gebiet des Burgenlandes gewirkt hat. Er wurde am 23.3.2003 in Rom selig gesprochen. Der selbstlose Arzt, der Arme und Mittellose gratis betreute, lebte in Kittsee und Körmend und ist heute in der Klosterkirche der Franziskaner in Güssing bestattet. Seine Grabstätte ist Anziehungspunkt für österreichische und ungarische Pilger gleichermaßen.

Dr. Ladislaus Batthyány-Strattmann, der "Arzt der Armen", 28.10.1870-22.1.1931.

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026

Eine Burg am Berg Kiscen
Bereits in der römischen Zeit gab es im Raum Güssing Siedlungen, wie entsprechende Funde beweisen. Im Kreuzgang des Franziskanerklosters befindet sich ein römischer Grabstein, der in eine Wand eingemauert wurde. Erst 1157 gibt es die erste urkundliche Erwähnung, als der ungarische König den Berg Kiscen, später Quizin (wovon sich der Name "Güssing" ableitet) dem steirischen Grafen Wolfer schenkt, dem ersten Ahnherrn der Güssinger Grafen. Dieser lässt eine Holzburg und eine Benediktinerabtei am markanten Basalthügel errichten, die schon wenige Jahrzehnte später zu einem steinernen Bollwerk ausgebaut wird. Die Burg kann zwar 1242 gegen die Tartaren (Mongolen) gehalten werden, 1289 in der "Güssinger Fehde" wird die Festung aber vom Habsburgerherzog Albrecht von Österreich eingenommen, dem das Geschlecht der Güssinger zu mächtig und ihre Ansprüche im ostungarischen und sogar im westösterreichischen Raum zu groß geworden sind, Aber erst 1327 werden die die Güssinger Grafen endgültig verdrängt. Die Burg ist daraufhin in wechselndem Besitz. Mitte des 15. Jahrhunderts gelangt sie in den Besitz des Woiwoden von Siebenbürgen, Nikolaus Ujlaky, der hier 1459 die mit dem Ungarnkönig Matthias Corvinus unzufriedenen Magnaten versammelt und einen Gegenkönig wählen lässt. Schon bald aber (1522) schenkte der König die Burg und Herrschaft seinem Mundschenk Franz Batthyány als Lohn für eine gewonnene Schlacht gegen die Türken.

Heute ist die Burg im Besitz einer Stiftung. Unter der Familie Batthyány war Güssing vor allem im 16. und 17 Jahrhundert ein wissenschaftlicher und religiöser Mittelpunkt, hier arbeiteten auch der Botaniker Carolus Clusius und der Buchdrucker Manlius. Ab dem 18. Jahrhundert gab man die Burg dem Verfall preis, vor allem auch, da eine damalige "Dachsteuer" für den Besitzer den Erhalt unerschwinglich machte. Heute kann man im Burgmuseum auf der Burg verschiedene historische Ausstellungen (unter anderem mit Bildern von Lucas Cranach) und die sehenswerte Burgkapelle besichtigen. Der Turm bietet einen Panoramablick bis tief nach Ungarn. Sowohl Burgkapelle als auch Turm waren am Besuchstag jedoch leider geschlossen. Natürlich ohne Reduktion des Eintrittspreises.:-[

 Burg Güssing in Güssing, Juli 2026



Wem der viele Text zu lange war und lieber Bewegtbilder mit Musik mag, kann sich gerne dieses Video antun: