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Güssing (ungarisch Németújvár) ist eine Stadt im Burgenland in Österreich und ein wichtiges politisches, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum des Südburgenlandes. Die Stadt mit ihrer auf einem ehemaligen Vulkankegel gelegenen, mittelalterlichen Burg Güssing war jahrhundertelang ein bedeutendes Bollwerk an der Westgrenze des Königreichs Ungarn. Historische und kulturelle Bedeutung erlangte sie unter der Herrschaft der Magnatenfamilie Batthyány, die Güssing zu ihrem Stammsitz machte und Burg und Stadt ausbauen ließ. Neben der Burg mit ihren Befestigungsanlagen bestehen mit dem Franziskanerkloster mit der Basilika Mariä Heimsuchung, dem Kastell Batthyány und dem Schloss Draskovich noch weitere Baudenkmäler aus dieser Zeit.

Das Franziskanerkloster und die Klosterkirche zählen zu den Juwelen in
der Stadt Güssing. Der Reliquienschrein in der Klosterkirche birgt die
Reliquien des seligen Ladislaus. Die Franziskaner sind die Mitglieder
verschiedener römisch-katholischer Ordensgemeinschaften, die sich an
der Ordensregel orientieren, welche Franziskus von Assisi für den
ersten von ihm im 13. Jahrhundert in Assisi, Umbrien (Italien)
gegründeten Bettelorden verfasste. Das Franziskanerkloster wurde
1648/49 von Graf Adam Batthyány I. gestiftet. Das Franziskanerkloster,
befindet sich am Hauptplatz in Güssing und war früher auch ein
Eckpfeiler der Stadtbefestigung von Güssing. Das Kloster beherbegt auch
eine wertvolle Bibliothek mit 3484 Büchern. Das älteste Buch ist ein
auf Pergament geschriebenes Messbuch aus der Mitte des 13.
Jahrhunderts. 211 Inkunabeln (Frühdrucke und Wiegendrucke) geben
Auskunft über frühere Druckereitätigkeiten in Güssing. Auch Werke von
Carolus Clusius, gedruckt von Johannes Manlius, befinden sich in der
Klosterbibliothek.

Der Außenbau der Kirche gestaltet sich entsprechend der
Bettelorden-Architektur weitgehend schmucklos. Das nach Osten
ausgerichtete Langhaus ist nordseitig in das Geviert des Kreuzganges
eingebunden und schließt diesen südseitig ab. Die Südseite sowie die
westliche Giebelfront der Kirche liegen an der Hauptstraße. Das
Langhaus ist mit einem Walmdach gedeckt. Der dreigeschossige, annähernd
quadra-tische, durch Gesimse und Rahmenfelder gegliederte Ostturm ist
am polygonal geschlossenen, eingezogenen Chor angebaut.
Der Eingang von der Südseite wurde im Zuge des Einbaus der Kapel-le des
Seligen Ladislaus (2003) zur Westseite verlegt. Die westseitige
Giebelfront ist so mit dem Westportal, dem bekrönenden Batthyány-Wappen
und dem darüberliegenden Fenster in Bleiverglasung eine Zierde in der
Stadt. Seit der Erhebung zur „Basilica minor" sind auch die Wappen von
Papst Franziskus und von Bischof Ägidius Zsifkovics angebracht. An der
Südseite des Chores befindet sich der 2-geschos-sige Anbau der
Lorettokapelle mit dem darüberliegenden Oratorium der Familie
Batthyány. Der Vorbau bzw. Eingang zur Batthyány-Gruft (rechts) ist ein
späterer Zubau.
Batthyány-Wappen am Westportal

Das einschiffige, vierjochige Langhaus ist mit einem einfachen
Kreuzgratgewölbe gedeckt und mit Pilastern gegliedert. Der einjochige
Chor mit polygonalem Abschluss hinter dem eingezogenen Triumphbogen ist
mit einer Tonne mit Stichkappen gewölbt. Über dem westlichen Joch
befin-det sich eine breite Empore über einer Stichkappentonne. Unter
dieser Empore gegenüber dem ehem. Straßeneingang befindet sich seit
1918 ein weiterer klosterseitiger Eingang. Der ursprüngliche Eingang an
der Stelle des heutigen Maria-Trost-Altares wurde zu diesem Zeitpunkt
zugemauert. Die Innenausstattung der Klosterkirche entstammt zum
überwiegenden Teil aus dem 17. und 18. Jahrhundert.
Die beiden Seitenaltäre seitlich des Triumphbogens sind einheitlich
gestaltet und stammen aus der Erbauungszeit um die Mitte des 17.
Jahrhunderts. Beide Altäre wurden von einem steirischen Künstler
geschaffen. Urkundlich erwähnt wird namentlich Franz Fellner oder
Felkner aus Hartberg, Bildhauer und Schreiner (gest. 1674), der 1652
bis 1654 die Bildhauerarbeiten für beide Artefakte übernommen hatte.
Der Franziskusaltar (links) wurde von Maria Eleonora Gräfin Esterházy,
geb. Batthyány, gestiftet und ist auf den 2. August 1654 datiert. Der
Antoniusaltar (rechts) wurde von Aurora Katharina Gräfin Batthyány,
geb. Formantini, Gattin von Adam I. Graf Batthyány, dem Stifter von
Kloster und Kirche, gespendet. Dieser Altar ist mit dem Datum ihres
Todestages, 5. April 1653, bezeichnet. Bei beiden Altären sind die
Predellen mit Inschrifttafeln versehen, die die betreffenden Stifter
und die Renovierungen 1848 unter Philipp Fürst Batthyány-Strattmann
belegen.

Der dominierende Hochaltar nimmt den gesamten Chorraum ein. Er wurde
möglicherweise nach einem Entwurf von Philiberto Lucchese gestaltet,
urkundlich vom Bildhauer und Holzschnitzer Matthäus Kern (gest. 1660 in
Bruck) und vom Maler Wolfgang Resch (gest. 1658), beide aus Graz, 1649
ausgeführt. Es ist belegt, dass Kern für seine Arbeiten zwischen 1647
und 1653 große Summen erstattet bekam. Unsicher hingegen ist, ob Maler
Resch die farbige Fassung des Altares oder das Altarblatt geschaffen
hat.
Die Form entspricht einem dreistöckigen Gebäude, wobei auf einem
Basisgeschoss mit seitlichen Umgangsportalen das 1. Geschoss aufgesetzt
ist. Entsprechend dem Patrozinium der Kirche „Mariä Heimsuchung" sind
am Hochaltar Marianische Themen dargestellt: Über dem Hochaltarblatt
mit „Mariä Heimsuchung" befinden sich die Bilder mit „Mariä
Himmelfahrt" und der Hl. Dreifaltigkeitdarüber im Auszug. Eine
vergoldete Skulptur der „Maria vom Siege" - eine in und nach dem
30-jährigen Krieg gängige Form der Darstellung Mariens - bekrönt das
Retabel. Über jedem der drei Geschosse ist eine Zone in Form eines
Schindeldaches zu sehen, sodass der Altaraufbau ein architektonisches
Gebilde in der Art eines Tempietto suggeriert.
Himmelfahrt Mariens, Hochaltargemälde
Heimsuchung Mariens, Hochaltargemälde
Hl. König Stephan und hl. Franz v. Assisi, hl. Katharina und hl. Johannes Kapistran, Figuren am Hochaltar

Die heutige Orgel stammt aus den 1970er Jahren: Sie wurde von der Fa.
Walcker-Mayer aus Guntramsdorf bei Wien gebaut und am 15. Oktober 1972
geweiht. Sie umfasst 21 Register, 1670 Pfeifen, zwei Manualwerke und
ein Pedalwerk. 2006 erfuhr sie durch einen Zimbelstern und 2014 durch
eine Nachtigall eine Erweiterung.

Die mit vergoldeten floralen bzw. Rocaille-Motiven geschmückte Kanzel
stammt aus den Jahren 1750-1752. Ihre rosa-grau marmorierende
Ausführung entspricht den Altären seitlich des Triumphbogens. Die
Kreuzwegbilder an den Langhauswänden sind qualitätsvolle Werke aus der
2. Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Kapelle des Seligen Ladislaus in der Klosterkirche
Die „Kapelle" als primärer Anziehungspunkt befindet sich in einer
Nische der Südwand (rechts hinten). Sie wurde anlässlich der
Seligsprechung in Auftrag gegeben, unter architektonischer Planung von
Herrn MMag. Johann Traupmann errichtet und von Herrn Mag. Heinz Ebner
(beide geboren in Güssing) künstlerisch gestaltet. Im Zentrum des durch
die Farbe Gelb dominierten Kapellenraums befindet sich der schlichte
silberne Reliquienschrein des Seligen Ladislaus. Von außen mit der
Farbe Grau und dem Wahlspruch „Fidelitate et caritate" (lateinisch für
„in Treue und Nächstenliebe") versehen, weisen die inneren Glastafeln
verschiedene intensivfarbige Gelbtöne auf. Die Hauptfarbe Goldgelb
unterstreicht das Göttliche, Transzendente, während gegen den Boden
durch die Kombination mit der Farbe Blau ein Teil der Wappenfarben der
Familie Batthyány-Strattmann gemeint ist. Der Pelikan, ein Symbol der
Aufopferung und ein Zeichen für Hoffnung und Trost, gilt gleichzeitig
als traditionelles Christussymbol und befindet sich in stilisierter
Form im Wappen der Familie Batthyány-Strattmann. Eine physiognomische
Darstellung in Form eines „Porträts" setzt sich aus drei Fotografien
zusammen: Arzt, Fürst und Familienvater, wobei durch Überlage-rungen
die Kreuzesform sichtbar wird.
Ladislaus Batthyány-Strattmann (1870-1931) ist der erste Selige, der
auf dem Gebiet des heutigen Burgenlandes gewirkt hat. Als selbstloser
Arzt, gütiger Familienvater und frommer Christ legte er ein Zeugnis für
den lebendigen Christus ab. Am 23. März 2003 sprach Papst Johannes Paul
II. den „Arzt der Armen" selig. Seitdem pilgern Gläubige aus Ungarn und
Österreich zu seinem Reliquienschrein. Der selige Ladislaus hilft,
Brücken in einem gemeinsamen Europa zu bauen.

Ladislaus-Batthyány-Strattmann-Denkmal
Ladislaus Fürst Batthyány-Strattmann (* 28. Oktober 1870 in Dunakiliti,
Ungarn; † 22. Jänner 1931 in Wien) war ein Arzt aus der ungarischen
Adelsfamilie Batthyány, der seliggesprochen wurde. Die lebensgroße
Bronzestatue des Seligen Ladislaus Batthyány-Strattmann vor der
Südseite der Kirche stammt von Josef Lehner, einem Bildhauer aus dem
benachbarten Ollersdorf. Sie wurde 2008 an diesem Platz aufgestellt.
Ladislaus Batthyány-Strattmann wurde als sechstes Kind in Dunakiliti,
einem kleinen Ort auf der Kleinen Schüttinsel der Donau, geboren. Nach
Beendigung seiner Mittelschulausbildung an den Jesuitengymnasien
Kollegium Kalksburg (Österreich) und Kalocsa (Ungarn) studierte er an
der Universität Wien vorerst Bodenkultur, Astronomie, Chemie und
Physik. Im Jahr 1900 erhielt er das Diplom für Medizin. 1898 heiratete
er Gräfin Maria Theresia Gräfin von Coreth zu Coredo und Starkenberg.
Das Paar hatte 13 Kinder. In Kittsee im Burgenland, wo sie das Alte
Schloss bewohnten, errichtete Batthyány im Jahre 1902 ein Spital.
Anfangs arbeitete er dort als praktischer Arzt, nebenbei spezialisierte
er sich als Chirurg und später als Augenarzt. Täglich behandelte er 80
bis 100 Patienten. Batthyány wollte ganz bewusst Arzt der Armen sein:
Er behandelte seine Patienten unentgeltlich, und den Ärmsten gab er
auch Geld. Den größten Teil seines ererbten Vermögens verschenkte er.
Nach dem Ersten Weltkrieg übersiedelte die Familie nach Körmend in
Ungarn. Auch hier errichtete Batthyány ein Krankenhaus. Anfang
September 1929 erkrankte Batthyány an Krebs. Er verstarb im Sanatorium
Löw in Wien. Sein Leichnam wurde in der Familiengruft im
Franziskanerkloster und Klosterkirche Güssing beigesetzt. Diese Gruft
ist nach der Kapuzinergruft in Wien die zweitgrößte Familiengruft in
Österreich. Am 23. März 2003 wurde Ladislaus Batthyány-Strattmann von
Papst Johannes Paul II. seliggesprochen. Im Jahre 2008 wurde eine
Statue des Seligen bei der Gruft, in der Nähe des Hauptplatzes von
Güssing, aufgestellt.
Die Inschrift am Sockel der Statue lautet:
"Wenn ihr glücklich sein wollt,
macht andere glücklich"
DR. LADISLAUS PRINCIPES DE BATTHYANY-STRATTMANN
Augenarzt
* 1870 + 1931
Seliggesprochen am 23. März 2003
* * *
Grabplatte von Franz I. Batthyany (1497-1566) an der Südseite der Klosterkirche Mariä Heimsuchung

Das Franziskanerkloster beherbergt die Familiengruft der Familie
Batthyány. Diese Familie gehört zum ungarischen Uradel. Für Güssing von
Bedeutung wurden Franz I. und Balthasar II. Batthyány. Wie bereits
erwähnt, bekam Franz I. am 30. Juni 1524 von König Ludwig II. die Burg
und Herrschaft Güssing übertragen. Seit diesem Zeitpunkt ist hier der
Stammsitz der Familie. Adam Graf Batthyány errichtete mit dem
Franziskanerkloster eine Begräbnisstätte unter der Klosterkirche, die
bis heute verwendet wird. Im Zuge der Restaurierungsmaßnahmen in den
Jahren 2012/13 wurde auch der klassizistische Portalvorbau mit dem
Eingang zur Gruft renoviert. Eine Inschrift (Chronogramm) auf dem
Portal gibt in lateinischer Sprache Auskunft: „GENTIS SVAE POST FVNERA
QVIETI / EXSTRVXERAT ADAMVS C. A BATTHYÁN. / DETERSA VETVSTATIS LABE
RESTAVRARVNT / PRINCEPS PHILIPPVS ET COMES JOANNES NEP.", was Folgendes
bedeutet: „Graf Adam Batthyány erbaute (die Gruft) zur Begräbnisstätte
seines Geschlechtes. Nach Entfernung der Altersschäden erneuerten (sie)
Fürst Philipp und Graf Johann Nepomuk".
Ein Telefonat vor Anreise brachte die Erkenntnis, dass die Besichtigung der Gruft nur bei/für Gruppenführungen möglich sei, spontane Einzelbesucher bleiben somit aussen vor. Schade.
Klassizistischer Portalvorbau an der Südfront mit dem Eingang zur Batthyány- Gruft

Das Kastell Güssing ist ein
Schlossbau in der Stadt Güssing und befindet sich im Eigentum der
ehemaligen Adelsfamilie Batthyány. Das im 17. Jahrhundert errichtete
Kastell (im ungarischen Raum übliche Bezeichnung für einen Adelssitz)
war früher Sitz der Bezirkshauptmannschaft Güssing. Es liegt auf einer
Anhöhe über der Stadt, an den nördlichen Ausläufern des Schlossberges
mit der Burg Güssing.
Beim Kastell handelt es sich um einen zweigeschoßigen Bau auf
hakenförmigem Grundriss aus dem 17. Jahrhundert. Die Biedermeierfassade
mit vermauerten Pfeilerarkaden verfügt über einen markanten
Mittelrisaliten mit Dreiecksgiebel, und an der Nordwestecke über einen
erkerartigen Vorbau. Der Risalit mit dem über mehrere Stufen
erreichbaren Hauptportal trägt am Giebel ein Wappen der Familie
Batthyány.

Friedensdenkmal
Das Denkmal des Kameradschaftsbundes befindet sich neben dem Gebäude
Hauptplatz 6 in Güssing und soll an Oberst Franz Vollmann,
Vizepräsident und Bezirksobmann des ÖKB's erinnern.
Inschrift:
Zum Gedenken an Oberst D.RES.AR.I.P Franz Vollmann
Vizepräsident und Bezirksobmann des ÖKB
Iniator dieser im Jahre 1985 unter Mitwirkung von Kameradschaftsbund -
Feuerwehr - Rotem Kreuz - Kriegsopferverband - Blasmusikverband und der
Bevölkerung des Bezirkes errichteten Friedensgedenkstätte.

Kriegerdenkmal
Das Soldatendenkmal bzw. Gefallenendenkmal (1. und 2. Weltkrieg) für
die Ortsteile Glasing, Krottendorf, Steingraben, St. Nikolaus,
Urbersdorf und Güssing befindet sich am Hauptplatz in Güssing und ist
ein freistehendes Monument auf mehrstufigen Sockel. Die Enthüllung bzw.
Einweihung erfolgte am 24.5.1931 durch Sr. Hochwürden Pater Viktor
Winkowits.

Das Kastell Batthyány befindet
sich am Clusiusweg 2 in Güssing und ist denkmalgeschützt. Der
Zweiflügelbau mit hofseitig zweigeschoßigen Arkaden wurde um 1740
erbaut.
König Ludwig II. übertrug die Burg Güssing als Lohn für den Sieg über
ein türkisches Heer bei Jaicean den ungarischen Adeligen Franz
Batthyány und dessen Neffen Christoph. Die Familie ließ die Burg ab dem
16. Jahrhundert wegen der drohenden Gefahr aus dem Osten erweitern. Im
Zuge der Bauarbeiten ließ Graf Ludwig Ernst Batthyány 1761 das Kastell
am östlichen Stadttor Güssings erbauen. Als Ende August 1921 das
Burgenland entsprechend den Friedensverträgen von Trianon und Saint
Germain an Österreich übergeben werden sollte, besetzten ungarische
Freischärler Teile des heutigen Burgenlandes und schlugen vorübergehend
im Kastell Batthyány ihre Befehlsstelle auf.

Die Burg Güssing ist eine ehemalige Wehranlage in der Stadt Güssing im
gleichnamigen Bezirk im österreichischen Bundesland Burgenland. Sie
geht auf einen ersten Wehrbau aus dem Jahr 1157 zurück, der noch im 12.
Jahrhundert durch eine größere Steinburg ersetzt wurde, und ist damit
die älteste noch bestehende Burganlage des Burgenlandes.
Ursprünglich war sie eine der wichtigsten Festungen im Westen des
damaligen Königreiches Ungarn, zu dem die Regionen des heutigen
Burgenland bis 1921 gehörten. Sie stand daher auch mehrfach in
königlichem Besitz. Die Burg diente der Absicherung der Grenze zum
Heiligen Römischen Reich und war das militärische Gegenstück zur
befestigten Stadt Fürstenfeld und der Riegersburg.
Erstes Burgtor und Scheibelturm
An den nordöstlichen Hängen des Burgberges liegt das erste Tor zur
Anlage. Es befindet sich ungefähr auf halber Höhe zwischen der
befestigten Innenstadt auf rund 240 m Seehöhe und dem Porphyrkegel mit
der Kernburg auf 318 m. Das Tor selbst besteht aus einem
zweigeschoßigen Torhaus auf rechteckigem Grundriss mit Satteldach, das
im hinteren Bereich mit dem angrenzenden steil abfallenden Burgfelsen
durch eine dicke, mehrere Meter hohe Bastionsmauer mit Schießscharten
verbunden ist. Direkt an die Nordseite des Burgtores schließt der
sogenannte Scheibelturm an, ein zweigeschoßiger Turmbau auf halbrundem
Grundriss mit Kegeldach. Seine Namensbezeichnung rührt vermutlich von
dessen vermeintlich kreisrundem Grundriss her, der einer Scheibe
ähnelt. Der Turm wurde 1544 unter Franz I. Batthyány errichtet und 1657
von Christoph II. und Paul I. Batthyány saniert. Im Turm waren
ursprünglich leichte Kanonen untergebracht, mit denen man durch mehrere
Schießschartenöffnungen potenzielle Angreifer unter Beschuss nehmen
konnte.

Franzenstor und das dahinter liegende Scharfe Eck an der Kanonenbastei
Ab dem Westende der Scheibelturmbastei steigt der Weg zur Burg steil
an. Er mündet in eine weitere Bastei, deren heute erhaltenen Teile
größtenteils aus der Mitte des 17. Jahrhunderts stammen. Ihr
rundbogiges Torportal mit schmiedeeisernem Gitter und doppelflügeligem
Holztor ist mit „FDB“ für „Franciscum de Batthyán“ bezeichnet, und nach
Franz I. benannt, unter dessen Herrschaft es errichtet wurde. Der
Torbogen trägt ein steinernes Wappen und verfügt über eine zerstörte
Jahresbezeichnung.
Die dahinter liegende Bastei ist nach Nordwesten ausgerichtet und war
ursprünglich mit leichten Geschützen ausgestattet. Sie ist als Kanonenbastei
oder als sogenanntes Scharfes Eck bekannt – eine Bezeichnung, die
vermutlich Bezug auf die spitze geometrische Grundform der Bastei und
deren scharfe Geschütze nimmt.

Am Ende einer 180-Grad-Kehre zwischen Franzenstor, Kanonenbastei und Kanonenhalle liegt die dritte Toranlage der Burg - das Holzgittertor.
Das Rundbogenportal aus dem 17. Jahrhundert verfügte ursprünglich über
ein namensgebendes hölzernes Fallgatter. Es deckte den inneren Bereich
hinter dem Franzenstor und den Zugang zur Kanonenhalle. Errichtet wurde
es ebenfalls unter Franz I. Batthyány und seinem Neffen Christoph II.
Direkt an das Holzgittertor ist ein polygoner Steinturm angebaut, der als Rauchfeuerturm
bezeichnet wird. Sein Name leitet sich von Kreidfeuern ab, mit denen
die Stadtbevölkerung vor herannahenden Gefahren gewarnt wurde. Der Turm
verfügt über eine Jahresbezeichnung "1450", stammt in seinen Grundzügen
aus dem 15. Jahrhundert, wurde später aber baulich verändert. Aufgrund
seiner Lage überblickt man vom Turm seine Umgebung vollständig. Er
konnte daher den Burgaufgang zwischen den ersten beiden Toren sowie die
Außen- und Innenbereich des Franzenstores und des Holzgittertores
absichern. Zusätzlich deckte er die schräg unterhalb liegende
Scheibelturmbastei ab.

Die Zeit der Türkenkriege - eine listreiche Aktion
In den Zeiten der Türkenkriege spielte die Burg eine wichtige Rolle. Im
16. und 17. Jahrhundert wurde sie noch weiter ausgebaut und verstärkt,
auch der mittelalterliche Bergfried wurde umgebaut und erhielt seine
heutige, kirchturmartige Form. Als die türkischen Heerscharen die
mächtige und durch steile Hänge geschützte Burg belagerten, mussten die
verschanzten Güssinger eine List anwenden, um nicht von den Türken
niedergemetzelt zu werden. Die Sage geht, dass während der langen
Belagerung die Türken zwar die Burg nicht einnehmen konnten, die
Lebensmittelvorräte der Güssinger aber immer knapper wurden. Die
listigen Güssinger hatten nur noch eine Kuh und etwas Mehl. Aufgeben
und den Türken huldigen kam aber nicht in Frage. So wurde das restliche
Mehl auf umgedrehte Fässer gehäuft und diese weithin sichtbar
aufgestellt. Das machte auf die Türken den Eindruck, als würden die
Lebensmittelvorräte noch lange ausreichen. Zudem wurde das arme Rind
heftig geschlagen. Durch den Lärm mussten die Türken denken, es gäbe
noch eine ganze Herde im Stall und somit ausreichend zu essen. So gaben
sie entnervt die Belagerung auf und zogen unverrichteter Dinge wieder
ab.
Nach ca. 150 m eines steil ansteigenden Weges mündet der Zwinger nach
einer scharfen Rechtskurve in der vierten und letzten Toranlage der
Befestigungsanlagen - das Adamstor.
Das nach Adam I. Batthyány benannte Tor besteht aus einem 18 m langen
Tunnel, der zu großen Teilen direkt aus dem Felsen gehauen wurde. Der
im Kern mittelalterliche Torbau aus dem 15. Jahrhundert verfügt über
zwei spitzbogige Portale aus Bruchstein und ein abschließendes, drittes
Ziegelportal aus der Zeit des Barock, das direkt in die Vorburg und den
Burghof führt.

Auf dem Basalttuffkegel stand vormals eine hölzerne Burg und ein
Benediktinerkloster. Unter König Béla III. (1173 bis 1196) entstand
hier eine neue Burg aus Stein. Solcherart bildete sie im westlichen
Verteidigungsgürtel den strategischen Gegenpol zu steirischen
Riegersburg. Im 13. Jahrhundert geriet die Festung in die Gewalt der
"Grafen von Güssing". Der bekannteste dieses - richtigerweise "Günser"
zu nennenden - Geschlechtes war wohl Iwan, der sowohl als Feldherr wie
auch als Politiker rücksichtslos- und hemmungslos seine Gegner
geschickt täuschte und so seine Macht in Westungarn vergrößerte. Seine
Übergriffe auf steirisches und niederösterreichisches Gebiet führten
allerdings zum Gegenschlag Albrecht I. von Österreich ("Güssinger
Fehde"). 1457 wurde der Besitz an den Wojwoden von Siebenbürgen,
Nikolaus Ujlaky, als Pfand übergeben. Nach dem Aussterben dieses
Geschlechtes wurde die Güssinger Provinz von König Ludwig II. im Jahre
1524 an den "Türkenhelden" Franz Batthyány übertragen. Mit dieser
Schenkung wurde ein neuer Abschnitt in der Herrschaftsgeschichte
eingeleitet. Dieses Geschlecht erreichte im 18. Jahrhundert seinen
Höhepunkt, als Mitglieder der gräflichen Familie in die höchsten
Stellen der Monarchie aufrückten: die Erhebung Karl Joseph Batthyánys
in den Reichsfürstenstand (1764). Die wehrpolitische Bedeutung der Burg
erlosch durch eine kaiserliche Verordnung von 1775, nach welcher die
Waffen aller Familienburgen dem Staat übergeben werden sollten, wenn
sie aufhörten, Landesschutzburgen zu sein. Das einst uneinnehmbare
Bollwerk gegen alle Anstürme war damit dem Verfall preisgegeben.
Der Haupthof der Festungsanlage - der Burghof
- ist über 6000 m² groß, fast vollständig mit Gras bewachsen, und wird
daher auch Burgwiese genannt. Er wird im Süden von der Hochburg und im
Westen vom sogenannten Witwentrakt umschlossen. Im Norden und Osten ist
er von Resten abgegangener Gebäudetrakte begrenzt, die teils
verschüttet und von dichter Vegetation bewachsen sind. In der
westlichen Hälfte des Hofes liegt mittig ein rund 120 m tiefer
Burgbrunnen aus dem 17. Jahrhundert, der direkt in das Basaltgestein
des Schloßberges getrieben wurde. Der Burghof ist seit der Mitte des
20. Jahrhunderts ein wichtiger Veranstaltungsort, unter anderem für den
Güssinger Kultursommer.

Über einen befestigten Torweg an der Nordseite der Anlage erfolgt der
Zugang zur Vorburg. Deren Burghof ist von Resten der einstigen Festung
umschlossen. Über eine breite Freitreppe gelangt man in den Innenhof
der Hochburg. Die den Innenhof umgebenden Gebäude besitzen zumeist drei
Geschoße, wovon das Untergeschoss teilweise direkt aus dem Fels gehauen
wurde. Zwischen dem Wohn- und dem Kapellentrakt aus dem 15. Jahrhundert
erhebt sich der mächtige, zum Teil noch aus romanischer Zeit stammende
Bergfried. 20 Räume der Hochburg beheimaten heute ein Burgmuseum mit
rund 5000 Exponaten. Zu sehen sind u. a. die Ahnengalerie und das
Familienmuseum der Familie Batthyány, alte Waffen, Plastiken und
kunstgewerbliche Gegenstände sowie Gemälde der Renaissance und des
Barock, darunter zwei Porträts aus der Hand von Lucas Cranach dem
Älteren. Als Attraktion ganz besonderer Art gilt der Aufstieg auf den
begehbar gemachten Glockenturm, von dem ein Panoramablick bis in die
pannonische Tiefebene möglich ist. Heute finden auf dem Gelände der
Burg Theatervorführungen, Konzerte und Lesungen statt. Auch können
manche Räumlichkeiten für private Veranstaltungen gemietet werden. So
ist es seit kurzen auch möglich, auf der Burg standesamtlich und in der
Burgkapelle Maria Schnee kirchlich zu heiraten. Die Familie Batthyány
trifft sich jedes Jahr Ende Juni zu einem Familientag auf ihrer
Stammburg. In den vergangenen Jahren wurden auch einige
Familienmitglieder der Batthyánys in der Burgkapelle getauft. Seit 1994
finde jährlich im Sommer die Güssinger Burgspiele im Burghof statt, die
an die kulturelle Tradition der Batthyánys anknüpfen.
Die am Südrand des Bergkegels gelegene Hochburg liegt etwa 100 m über
der Stadt. Sie ist der am besten erhaltene Teil der Anlage und verfügt
über Gebäude mit zumeist drei Geschoßen, die aus unterschiedlichen
Bauepochen stammen. Im Untergeschoß sind ihre Räume teilweise direkt
aus dem Basaltfelsen gehauen. Die Bauten umschließen einen engen
Innenhof und folgen dem Verlauf der Geländekante, weshalb die Südfront
der Hochburg mehrfach geknickt ist.
Der Innenhof liegt ein Geschoß höher als die Vorburg und kann vom
Burghof aus über eine breite Freitreppe im Zentrum der Nordfront
betreten werden. Seitlich der Treppe sind in der Nordfassade zwei
steinerne Tischwangen vorhanden, bezeichnet mit der Jahreszahl "1571"
und "Magnifica Caterina Battyani". Die Inschrift verweist auf die
zweite Ehefrau und Witwe Franz I., Katharina, die bis zu ihrem Tod 1575
mit ihrem Großneffen Balthasar III. die Herrschaft führte, und einige
Umbauten an der Burg vornehmen ließ.

Seit jeher ist Burg Güssing
ein beliebtes Ausflugsziel. Vom Burgberg bietet sich ein traumhafter
Ausblick auf die Stadt Güssing, das Ramsargebiet Güssinger Fischteiche
und bis weit in die ungarische Tiefebene. Das Museum in der Hochburg
dokumentiert mit zahlreichen Exponaten (Ahnengalerie, Waffensammlung)
die ruhmreiche Vergangenheit der ungarischen Magnatenfamilie Batthyány.
Der große Burghof überrascht mit seiner Weitläufigkeit und bietet den
idealen Rahmen für Hochzeiten, Empfänge und andere Festivitäten.
Herrlich speisen lässt es sich im Burgrestaurant mit seiner
Sonnenterasse und der ehrwürdigen Burgvinothek. Auf einem längst
erloschenen Vulkankegel thront die 1157 als Wehranlage errichtete
älteste Burg des Burgenlandes. Nach mehrmaligem Besitzwechsel gelangte
die Burg 1524 in den Besitz der Familie Battyány. Seit 1870 steht sie
im Eigentum einer Stiftung.

Unbekannter Maler: Paul von Kővágóörs,
Öl auf Leinwand, 18. Jh.
Unbekannter Maler: Mathias von
Kővágóörs, Öl auf Leinwand, 18. Jh.
Als Beginn der Ahnenreihe werden neben dem dargestellten Mathias von
Kővágóörs dessen vermeintliche Verwandten Renold von Örs und Miske von
Örs genannt. Diese zwar historisch belegten Personen können als direkte
Vorfahren der Familie Batthyány aber schwer eingeordnet werden. Mit
ihnen wurde der Versuch unternommen die Stammlinie möglichst weit
zurückzuverfolgen.

Unbekannter Maler: Franz I. Batthyány
(1491-1566), Öl auf Leinwand, 18. Jh.

Mein Name ist Franz Batthyány und ich begrüße Sie sehr herzlich auf
meiner Burg Güssing. Ursprünglich stamme ich aus Slawonien, wo mein
Vater Balthasar große Besitzungen hatte. Nach Güssing kam ich, als die
Burg nach dem Tod des Fürsten von Bosnien, Lorenz Ujlaky, verwaist war.
Diese für das Königreich Ungarn wichtige Grenzfestung geht bis in das
12. Jahrhundert zurück und wurde mir von meinem Jugendfreund, König
Ludwig II., am 30. Juni 1524 mit Brief und Siegel übertragen. Kurz
davor habe ich meine geliebte Frau Katharina geheiratet, die einige
Jahre Hofdame bei Königin Maria war, wodurch wir ein sehr enges
Verhältnis zur königlichen Familie hatten.
Ich habe mit König Ludwig gemeinsam zwei Jahre später in der Schlacht
bei Mohács gegen die Osmanen gekämpft. Leider ist er dabei getötet
worden und so schloss ich mich seinem Schwager Ferdinand von Habsburg
an, dem neuen ungarischen König. Von ihm habe ich 1527 dann auch noch
die Großherrschaft Schlaining und Rechnitz bekommen, womit ich mir ein
neues Standbein hier im damaligen Westungarn schaffen konnte. Güssing
baute ich zu meiner Hauptresidenz aus, denn die Güter meiner Familie in
Slawonien waren durch die Angriffe der Osmanen stark gefährdet. Dies
ist nun bereits 500 Jahre her und die Burg hat in dieser Zeit viele
Jahrhunderte meiner Familie als Stammsitz und Herrschaftszentrum
gedient. Leider ist der Großteil der einst mächtigen Festung zur Ruine
verfallen, aber den inneren Teil der Burg können Sie heute besichtigen.
Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen beim Besuch der Ausstellung!
Der Ahnensaal mit der Ahnengalerie

„Preterea habentes respectum ad grata et acceptabilia fidelium
servitiorum merita: fidelis nostri Magnifici Francisci de Batthyan
Pincernarum nostrorum Regalium Magistri. Que idem sacre primum huius
Regni nostri Hungarie Corone. Ac deinde Maiestati nostre pro locorum et
temporum varietate juxta sue possibilitatis exigentiam. Cum summa
fidelitatis constantia exhibuit et impendit. Totum et omne ius Nostrum
Regium, si quod in castro Nemethwywar vocato in comitatu Castriferrei
existente et habito."
König Ludwig II. von Ungarn belehnt Franz Batthyány aufgrund seiner
Verdienste mit der Burg Güssing, 1524

Unbekannter Maler: Balthasar I.
Batthyány (gest. 1520), Öl auf Leinwand, 18. Jh.
Mit Balthasar I. begann der gesellschaftliche Aufstieg der Familie
Batthyány vom Land- in den Hochadel. In erster Ehe heiratete er
Katharina, die Tochter des Vizepalatins Ladislaus Hermanfy von Greben,
der ihn adoptierte und seine Güter in Slawonien vererbte. Er bekleidete
mehrere hohe Ämter, wie Burghauptmann von Köszeg/Güns, Obergespan von
Vas/Eisenburg, Ban von Jajce in Bosnien und Oberkämmerer. Mit seiner
zweiten Frau Helena Dóczy von Nagyluche hatte er mehrere Söhne und
Töchter, darunter Balthasar II. und Franz I.
Unbekannter Maler: Balthasar II.
Batthyány (gest. 1522), Öl auf Leinwand, 18. Jh.
Balthasar II. war Oberkämmerer des jungen ungarischen Königs Ludwig
II., Vizeban von Slawonien und Obergespan der Komitate
Zagreb/Zágráb/Agram sowie Križevci/Körös/Kreutz. Er heiratete
Katharina, die Tochter von Erhard Mülner, eines reichen Bürgers von
Buda/Ofen, sowie die Nichte und Erbin des Zagreber Bischofs Lukas
Baratin. Mit ihr hatte er die Kinder Christoph I., Justina und Sophia.

Das Judengebäude ist
ein
historisches Gebäude aus dem 18. Jahrhundert in der Stadt Güssing.
Seine Bezeichnung erhielt es aufgrund seiner Nutzung als Wohn- und
Geschäftshaus durch die ehemalige jüdische Bevölkerung der Stadt. Es
steht unter Denkmalschutz und wird bis heute für Wohn- und
Geschäftszwecke genutzt. Das Bauwerk steht an der Ecke Marktplatz und
Pater-Gratian-Leser-Straße in der ehemaligen Unteren Stadt im Zentrum
von Güssing.
Errichtet wurde das Gebäude in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts
unter Karl II. Graf Batthyány (1742–1814) aus der Scharfensteiner Linie
der Familie, die von dessen Vater Adam III. (1704–1782) begründet
wurde, als Standort einer Baumwollspinnerei. Karl ließ bereits 1801 in
seiner Herrschaft Burgau die erste vollmechanische Spinnerei nach
englischem Vorbild in der Habsburgermonarchie errichten. Nachdem Karl
aber vor Inbetriebnahme der neuen Spinnerei in Güssing im Jahr 1814
verstarb, übergab sein Bruder und Erbe Johann Nepomuk I. (1744–1831)
das Bauwerk 21 jüdischen Familien als Unterkunft.

Das Schloss Draskovich steht in der Stadt Güssing und gilt als der am
besten erhaltene klassizistische Schlossbau des Burgenlandes. Das
Schloss befindet sich im Eigentum der ehemals gräflichen Familie
Draskovich, die es unter anderem als Sitz der familiären Forst- und
Gutsverwaltung nutzt.
Beim Schloss handelt es sich um einen zweigeschoßigen klassizistischen
Bau mit markanten dreiachsigen Mittelrisaliten an der Ost- und
Westseite. Sie werden durch vier Halbsäulen mit ionischen Kapitellen
gegliedert und verfügen über mit Wappen verzierte Dreiecksgiebel. Die
rückseitige Westfassade trägt unter einer gräflichen Krone ein
Doppelwappen der Familien Batthyány und Draskovich, der Giebel im Osten
das große Wappen der Familie Batthyány. Der Ostseite mit dem
Hauptportal ist zusätzlich ein gemauertes Vordach auf vier
quadratischen Säulen vorgebaut, über dem sich eine Terrasse befindet.

Unbekannter Maler: Andreas Batthyány, Öl auf Leinwand, 18. Jh.
Andreas war mit Veronika von Szerdahely verheiratet, die eine reiche
Erbschaft nach der Familie Zákány in die Ehe einbrachte. Er setzte
seine Linie mit seinem Sohn Balthasar I. fort, während sein Bruder
Peter den Familienzweig Batthyány von Geresgál begründete.
Unbekannter Maler: Albert Batthyány (gest. 1435), Öl auf Leinwand, 18. Jh.
Albert und sein Bruder Ladislaus nannten sich nach den von ihrem Vater
erworbenen Gütern „von Batthyán". Mit seiner Frau Klara Pogány von Cséb
hatte Albert die Söhne Johann, Peter und Andreas.
Unbekannter Maler: Georg von Kővágóörs (gest. 1401), Öl auf Leinwand, 18. Jh.
Der Sohn von Nikolaus von Kővágóörs war Richter und Protonotar des
Erzbischofs von Esztergom/Gran und Burghauptmann von Gran. Er erhielt
1398 von König Sigismund die Güter Szabadbattyán mit Polgárdi im
Komitat Fejér und Zamárdi im Komitat Somogy. Mit seiner Frau Katharina
von Guthor hatte er zwei Söhne, Albert und Ladislaus.

König Ludwig II. von Ungarn belehnt Franz Batthyány aufgrund seiner Verdienste mit der Burg Güssing.
Ofen, 30. Juni 1524.

Faksimile-Nachdruck des „Nomenclators" aus dem Anhang von „Rariorum
aliquot stirpium, per Pannoniam, Austriam, & vicinas quasdam
provincias observatarum historia, IV libris expressa"; gedruckt von
Christoffel Plantijn 1583 in Antwerpen. Das Werk wird auch als
„Pannonische Flora"von Carolus Clusius bezeichnet. Der Güssinger
Nomenclator, gedruckt 1584 von Joannes Manlius, war zur Zeit der
Stadterhebung verschollen. Er ist 1984 in Wien wieder aufgetaucht und
wurde in die Klosterbibliothek zurückgestellt. Gezeigt wird eine
Aufstellung von 331 Wildpflanzen unserer Region; aber auch Nutz-,
Gewürz-, Heil- und Zierpflanzen. Auffallend ist die bereits lateinische
Bezeichnung in Gattungs- und Artnamen. Diese Benennung wurde erst 1753
von Carl von Linné verbindlich in der Wissenschaft eingeführt.
Die „Internationale Clusius-Forschungsgesellschaft Güssing" wurde 1973
im Jahr der Stadterhebung von Güssing gegründet. Der Verein hat sich
zum Ziel gesetzt, das Andenken des Naturforschers Charles de l'Écluse
(Carolus Clusius, 1526-1609) zu bewahren. Clusius lebte und wirkte auf
Einladung der Batthyánys zwischen 1576 und 1588 ausgehend von Güssing
im pannonischen Raum. In Würdigung seines wissenschaftlichen Nachlasses
und der Förderung von kultur- und naturhistorischen Kenntnissen fanden
sich Fachleute aus dem Burgenland, aus Ungarn und Slowenien zusammen.
Dies geschah und geschieht durch Abhaltung von Tagungen und Vorträgen,
durch Exkursionen und Herausgabe von Schriftreihen. Der Verein feierte
2023 sein 50jähriges Bestehen.

Unbekannter Maler: Franz II. Batthyány (1577-1625), Öl auf Leinwand, 18. Jh.
Unbekannter Maler: Balthasar III. Batthyány (1543–1590), Öl auf Leinwand, 18. Jh.
Nach dem Tod des kinderlosen Franz I. war der Sohn seines Neffen
Christoph I., Balthasar III., alleiniger Erbe sämtlicher Güter der
Familie Batthyány. Der humanistisch gebildete und weitgereiste Mann
hatte die guten Verbindungen seiner Familie zum Habsburger-Hof
weitergeführt und unterhielt ein weitläufiges Netzwerk zu vielen
Persönlichkeiten seiner Zeit. Er ist in vielerlei Dingen bemerkenswert.
Wohl unter dem Einfluss der Frauen in der Familie Batthyány wandte er
sich dem Protestantismus zu und vollzog 1569 seine Konversion.
Seit 1566 war er mit Dorothea, der Tochter des „Helden von Szigetvár",
Nikolaus Zrinyi, verheiratet. Sie war ebenfalls evangelisch. Die
nunmehr protestantischen Pfarren in seinem Herrschaftsbereich
unterstellte er Stephan Beythe als Superintendent. Mit diesem erörterte
er nicht nur religiöse Fragen. Beide beteiligten sich an den
botanischen Forschungen des Carolus Clusius, den Batthyány mehrere
Jahre auf seinen Gütern aufnahm. Zusammen mit dem Wanderbuchdrucker
Johannes Manlius machten sie Güssing zu einem überregional bedeutenden
Zentrum, wo mit dem „Nomenclator Pannonicus" das erste
Pflanzenverzeichnis dieses Raumes erschien. Balthasar zeigte ebenso
großes Interesse für die Alchemie, der Geheimwissenschaft in der
Renaissance schlechthin. Güssing erlebte in dieser Zeit eine Hochblüte
der Kultur und der Wissenschaft.

Schon bald nach 1524 übernahm Güssing eine zentrale Rolle in der
Verwaltung sämtlicher Güter der Familie Batthyány. Bereits Franz I.
gestaltete die Burg zu seiner Hauptresidenz um. Von hier aus leitete er
die Aufsicht über die weit verstreuten Besitzungen in Ungarn und
Slawonien und gab Anweisungen an die herrschaftlichen Bediensteten. In
Güssing wurden die herrschaftliche Gerichtsbarkeit ausgeübt, die
Steuern, Abgaben und Frondienste der Untertanen verwaltet sowie weitere
herrschaftliche Funktionen und Rechte ausgeübt. Viele Orte wurden mit
einem Marktrecht ausgestattet und die Handwerker in Zünften
organisiert. Die Pfarren unterstanden dem herrschaftlichen
Patronatsrecht. Das gesamte politische, wirtschaftliche und
gesellschaftliche Leben wurde durch den Grundherrn bestimmt.
Während Balthasar III. die seinem Großonkel Franz I. 1527 zugesprochene
Großherrschaft Schlaining-Rechnitz nördlich von Güssing nach einem
langwierigen Rechtsstreit mit den Vorbesitzern endgültig für seine
Familie sichern konnte, gelang seinem Enkel Franz II. 1605 der Erwerb
der östlich gelegenen Herrschaft Körmend. Durch seine 1607 erfolgte
Heirat mit Eva Popel von Lobkowitz, der Erbin der Güter Neuhaus und
Rakičan, konnte er den Herrschaftsbereich nach Süden erheblich
ausdehnen. Ihr Sohn Adam I. setzte mit dem Erwerb der Herrschaften
Bernstein 1644 und Zalaszentgrót 1654 die Kompensation für die in den
osmanischen Einflussbereich gefallenen Stammgüter fort.

Unbekannter Maler: Die Heilige Sippe Öl auf Holz, 16. Jahrhundert
Unbekannter Maler: Kreuzabnahme Öl auf Holz, Mitte 16. Jahrhundert
Werkstatt von Lucas Cranach dem Älteren: Die Jungfrau mit dem Kind und
den Heiligen Katharina, Dorothea, Margarete und Barbara, Öl auf Holz,
16. Jahrhundert
Nach Albrecht Dürer: Der heilige Hieronymus in seinem Arbeitszimmer, Öl auf Holz

DIE SCHATZKAMMER DER BATTHYÁNYS
Unter Franz I. und Balthasar III. entwickelte sich Güssing nicht nur zu
einem gesellschaftlichen Zentrum, wo junge Adelige standesgemäß erzogen
wurden. Die Burg, nach der die Familie später ihr Adelsprädikat „de
Németújvár" führte, wurde auch zum Stammsitz ausgebaut. Dies bedeutete,
dass hier der Familienschatz aufbewahrt wurde. Vor allem Balthasar III.
begründete eine wertvolle Bibliothek und erwarb Kunstwerke und andere
wertvolle Gegenstände. Diese Schatzkammer vermehrten seine Nachfolger
über Generationen hindurch.

Als Stammburg hatte Güssing aber auch weitere Funktionen. Sie
beherbergte darüber hinaus das Familien- und Herrschaftsarchiv ebenso
wie das Arsenal der Batthyányschen Privatarmee. Aus diesem Grund wurde
Güssing durch die Errichtung von Basteien und Mauern zur Festung
ausgebaut. Die Erweiterung der Verteidigungsanlagen erfolgte in
mehreren Etappen. Auch nach der Teilung der Familie in mehrere Linien
blieb Güssing für die Gesamtfamilie als Stammsitz erhalten. Vertreter
beider Hauptlinien verwalteten als Majoratsherren den Familienschatz
und trugen die Obsorge über die Familiengruft mit dem Recht auf
Bestattung für alle Familienmitglieder.

Geschnitztes barockes Figurenschachspiel, Elfenbein und Ebenholz, 18. Jahrhundert

KROATEN - Bald nach der
Übernahme der Herrschaft Güssing begann Franz I. Batthyány mit der
Ansiedlung kroatischer Untertanen. Nach der Agrarkrise im ausgehenden
Mittelalter und nach den Türkenzügen von 1529 und 1532 war ein großer
Teil des damaligen Westungarns verödet und verwüstet. Diese Tatsache
schuf die Voraussetzung zur Umsiedlung von Kolonisten aus den
kroatischen und slawonischen Herrschaften der Batthyány. Aufgrund des
Vordringens der Osmanen auf der Balkanhalbinsel schien es für die
Grundherren sicherer, Leibeigene aus den südlichen Besitzungen in den
westungarischen Raum umzusiedeln. Die Ansiedlung erfolgte bis um 1580
entweder durch Einsiedlung in verödete Höfe bestehender Dörfer oder
durch Neugründung von Siedlungen oder Ortsteilen. Die Neusiedler
bekamen bis zu 12 Jahren Steuerbefreiung. Die Kroaten waren vor allem
als Hirten und Viehhändler bekannt. In der Herrschaft Güssing
entstanden Neugründungen wie Žablje Selo/Krottendorf/Békafalu, Sveti
Mikula/St. Nikolaus/Várszentmiklós, Punić/Punitz/Pónic, Nova
Gora/Neuberg/Újhegy, Stinjaki/Stinatz/Pásztorháza oder
Prastya/Rehgraben/Özgödör.
UNGARN - Die magyarische
Siedlungsgrenze lag auch vor 1921 größtenteils östlich des heutigen
Burgenlandes. Ungarische Sprachinseln hielten sich in ehemaligen
mittelalterlichen Grenzwächtersiedlungen. Sie waren hauptsächlich von
Kleinadeligen bewohnt. Diese waren in der Verwaltung der Komitate
ebenso tätig wie in jener der Grundherrschaften. Aus diesem Kleinadel
rekrutierten sich aber auch die Privatarmeen der Magnaten. Die höheren
Ränge dieser Militärs wohnten in ihren eigenen Häusern und bekamen oft
Grundbesitz zu ihrem Unterhalt, während die einfachen Soldaten entweder
in den Burgen stationiert waren oder bei den untertänigen Bauern
einquartiert wurden. Dies führte mitunter zu Differenzen mit den
Untertanen wie eine Beschwerde an Adam I. Batthyány 1648 aus Schlaining
zeigt: „Wenn der Herr hierherkommt, dann kann wegen der Reiter weder
Gans noch Huhn, noch Heu, noch Hafer auf dem Feld in Frieden bleiben,
sogar das Hofland und die Scheune werden verheert und alles wird
erbeutet." In den weiter östlich gelegenen Herrschaften in Innerungarn
war der magyarische Bevölkerungsanteil auch bei den Untertanen
vorherrschend.
ROMA - Die Roma kamen im
Gefolge der osmanischen Heere über den Balkan nach Mitteleuropa. Sie
wurden vor allem als Waffenschmiede geschätzt und daher von den
Grundherren angeworben. Sie hatten keinen Wohnsitz, lebten
nomadisierend in Zelten und unterstanden einem Woiwoden. Ein weiterer
Tätigkeitsbereich war die Musik. Bereits Eva Poppel-Lobkowitz
unterhielt eine Roma-Kapelle. Ihr Sohn Adam I. Batthyány setzte 1652
einen Oberwoiwoden aus den Reihen seiner Offiziere zur Aufsicht über
die Roma ein. 1674 gewährte Christoph II. Batthyány einen Schutzbrief
für den Woiwoden Martin Sárközi und seine Sippe. Demnach mussten sie
jährlich 25 Taler Steuer zahlen. In diesem ältesten bekannten
Schutzbrief heißt es: „Damit diesen Elendigen weder unterwegs noch an
anderen Orten nirgends durch irgendwelche Amtspersonen Kränkung
widerfährt, bitten und ermahnen wir jedermann, die oben Genannten und
alle, die es angeht, dass sie den genannten Woiwoden Martin Sárközi und
die dazu gehörenden zeltbewohnenden Zigeuner weder in ihrem Besitz noch
in ihrer Person kränken, noch ihnen durch andere Leid zufügen lassen
und sie in keiner Weise zu Diensten anhalten."
JUDEN - Nach der Ausweisung der
Juden aus den österreichischen Erbländern durch Kaiser Leopold I. 1670
fanden viele Familien Zuflucht auf den Gütern westungarischer Magnaten.
Bereits Christoph II. Batthyány erlaubte 1673 Juden sich in Rechnitz
anzusiedeln, wo sich die bedeutendste der späteren fünf Batthyányschen
Schutzgemeinden entwickelte. Die anderen etablierten sich in
Schlaining, Güssing, Körmend und Nagykanizsa. Die Grundherren
profitierten vom Handel ihrer Schutzjuden. Adam II. Batthyány erneuerte
1687 das Privileg seines Vaters, worin die Höhe des Schutzgeldes, die
Handelsfreiheiten, die Befreiung von Zöllen und die Erlaubnis, eine
koschere Fleischbank und koscheren Weinausschank zu betreiben,
festgelegt wurden. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts entstand die 1728
erstmals genannte jüdische Gemeinde in Güssing, wo zunächst der
Stadtmeierhof als Wohngebäude zur Verfügung gestellt wurde. Hier
richtete die jüdische Gemeinde eine Synagoge und eine Mikwe ein.
HIANZEN - Als Franz I.
Batthyány die westungarischen Herrschaften übernahm, fand er unter
seinen Untertanen eine mehrheitlich deutschsprachige Bevölkerung vor.
Diese hatte sich entlang der Grenze zu Österreich und der Steiermark in
mehreren Wellen seit dem Mittelalter angesiedelt. Die Sprache der
Hianzen ist ein mittelbairischer Dialekt. Die ersten Siedler sollen mit
den Güns-Güssingern ins Land gekommen sein, die die lange Zeit dünn
besiedelte Gyepű-Zone kolonisierten. Als die Habsburger die
Gegenreformation in den österreichischen Erbländern mit aller
Konsequenz durchführten, emigrierten viele Protestanten ins
nahegelegene Westungarn, wo tolerantere Religionsgesetze galten.
Evangelische österreichische Adelige erwarben Freihäuser oder
Pfandbesitz von den ungarischen Herrschaftsinhabern.

ZÜNFTE - Zur Wahrung
gemeinsamer Interessen schlossen sich Handwerker seit dem Mittelalter
zu ständischen Körperschaften zusammen. Sie nahmen ein
„Handwerksordnung" genanntes Statut an, das vom Grundherrn bestätigt
wurde. Diese „Zünfte" genannten Vereinigungen regelten alle
wirtschaftlichen und sozialen Fragen ihrer Mitglieder, von der
Ausbildung der Gesellen und Meister über Preisgestaltung der Waren bis
hin zur Versorgung der Witwen und Waisen. Die Zünfte waren meist in den
Hauptorten der Herrschaft, die oft Märkte waren, oder in den
königlichen Freistädten angesiedelt. Die Versammlungen, wo Gesellen
freigesprochen und neue Meister in die Zunft aufgenommen wurden, fanden
bei „offener Lade" statt. Laden wurden die Zunfttruhen genannt, in
denen die wichtigen Dokumente und Vermögenswerte aufbewahrt wurden.
1638 schlossen sich die Müller der Batthyány-Herrschaften Güssing,
Rechnitz, Schlaining und Körmend zu einer Zunft zusammen. Christoph II.
gab die Erlaubnis zur Gründung der Zunft der Leinweber 1666 und der
Hufschmiede 1676. 1693 bestätigten Adam II., Franz III. und Sigmund I.
den Güssinger Riemern, Kürschnern, Sattlern, Schlossern und
Waffenschmieden die von den Körmender Meistern übernommene Zunftordnung.
WEINREGAL - Ein Zeichen
adeliger Herrschaft waren Regalien (Hoheitsrechte) auf bestimmte
Einnahmen. Tätigkeiten oder Nutzungen. So war z. B. die Jagd ein Regal
des Grundherrn und damit den Untertanen verboten. Das Weinregal galt
für die Grundherrschaft Güssing als wichtigste Einnahmequelle. Der
gekelterte Wein wurde nicht nur für den Eigenbedarf verwendet, sondern
auch verkauft. Aufgrund eines Vorkaufsrechts des Grundherrn mussten die
Bauern den selbst gekelterten Wein meist unter dem Marktwert an die
Herrschaft verkaufen. Wollten sie dies nicht, war das sogenannte
„Pombaingeld" (Bannweingeld) zu entrichten.
Dies führte mitunter zu Unmut, wie ein Verwalter an Adam Batthyány
berichtete: „den beschlagnahmten Wein ... gaben die armen Leute unter
großem Fluchen und Weinen her ... Die Leute schwören, wenn Euer Gnaden
diesen (nämlich den noch bei ihnen gebliebenen Wein) auch noch
wegnehmen läßt, lassen sie ihre Weingärten veröden".
In Güssing etwa wurde in den herrschaftlichen Wirtshäusern das ganze
Jahr über Wein, Bier und Brandwein ausgeschenkt. Der Grundherr gewährte
den Untertanen schließlich ein Sonderrecht, wonach diese von Michaeli
(29. September) bis Mariä Lichtmess (2. Februar) den eigenen Wein
ausschenken durften. Daraus entwickelte sich später das für die Region
typische Buschenschankwesen.

Die Verwaltung der Grundherrschaft Güssing beruhte im 18. Jahrhundert
auf einem mittelalterlichen Gewohnheitsrecht: Die Bauern der einzelnen
Dörfer mussten i.d.R. dieselben Abgaben leisten wie ihre Vorfahren der
vergangenen Jahrhunderte. Dabei wurde nicht nach Größe oder
Wirtschaftlichkeit der Dörfer unterschieden. So kam es vor, dass
reichere Dorfschaften weniger Abgaben leisten mussten als ärmere, weil
dies „nach altem Herkommen", wie es in den Aufzeichnungen heißt, Usus
war. Derlei Aufzeichnungen nennt man Urbarien; diese listen alle Dörfer
der Grundherrschaft auf, geben Auskunft über die Sessionen (Höfe) und
weisen aus, welcher Bauer wie viel an Steuer zu zahlen hatte.
Zusätzlich wurde vermerkt, wie viel ein jedes Dorf neben Steuern auch
an Naturalien abzugeben hatte. Zuletzt wurde niedergeschrieben, welches
Ausmaß an Robotpflichten den Bauern auferlegt wurde.
Adam Batthyány versuchte, seine Untertanen vor Übergriffen durch die
grundherrschaftlichen Verwalter und Dorfrichter zu schützen: „...[M]an
soll die Bürger nicht von oben gewalttätig belasten, vor allem wenn
diese Belastung offensichtlich zu unserem Schaden ist. Von dem die
Exactoren [Verwalter, Anm.] bemerken, daß er geben kann, und derjenige
gutwillig nichts geben will, können sie es anders wegnehmen ...
Diejenigen, die Witwen und Waisen sind und wirklich nichts geben
können, die muß man registrieren, dazuschreiben, was sie schulden."
Die Lehenbauern der Grundherrschaft Güssing mussten anstrengende
Robotleistungen erbringen. So war auch der Ausbau der Burg Güssing
Aufgabe der Bauern. Sie wandten sich 1651 an ihren Grundherrn, Adam
Batthyány, und baten ihn um Erleichterung ihrer schweren Arbeit. Dieser
ließ sich jedoch nicht erweichen: „Daß unsere Vorfahren an unserer Burg
noch viel zu bauen überließen, was euch viel Arbeit bereitet, das ist
so und kann nicht anders sein, aber auch diese Arbeiten gehen mit
Gottes Hilfe zu Ende, und ihr werdet dadurch erleichtert werden.“

GRENZBURG UND WAFFENARSENAL
Die Bedeutung von Güssing als Grenzburg gegen die Steiermark nahm nach
der Regierungsübernahme der Habsburger in Ungarn 1526 ab. Umso
bedeutender wurde der Einsatz der Batthyánys in der Abwehr der Osmanen.
Hier bekleideten sie bedeutende militärische Funktionen. So war etwa
Adam I. kommandierender General von Transdanubien. Diese oder ähnliche
Ränge hatten auch seine Nachkommen inne.
Der Charakter der Burg Güssing veränderte sich von jenem einer
Grenzfestung zu einem Waffenarsenal für das Privatheer der Batthyánys.
Dieses hatte eine Stärke von 500 bis 1200 Mann. Die Soldaten stellten
jedoch eine große Belastung für die Bauernschaft dar. Diese wurden in
den Ortschaften samt Pferden einquartiert und mussten von den
Lehenbauern verköstigt und verpflegt werden. Ende des 17. Jahrhunderts,
nach der Rückeroberung Zentralungarns durch die kaiserliche Armee,
verlor Güssing an militärischer Bedeutung, das Zeughaus war überflüssig
geworden. Mit der schrittweisen Demontage der Burg wurde auch die
Waffensammlung aufgelöst und 1788 an einen Eisenhändler verkauft.

DIE PRIVATARMEE DER BATTHYÁNY
Die Batthyány hielten im 17. Jahrhundert eine 2000 bis 2500 Mann starke
Privatarmee, die sie größtenteils auf eigene Kosten, zum Teil auch aus
staatlichen Geldern bezahlten. Das bedeutet, dass ein Großteil der
herrschaftlichen Einnahmen aus der Arbeitsleistung der Untertanen zum
Unterhalt der Soldaten verwendet wurde. Mit ihren Truppen hatten die
Batthyány einen Teil der Grenze gegen das osmanische Gebiet zu
kontrollieren.
Die Offiziere und Soldaten dieser Privatarmeen entstammten größtenteils
dem ungarischen und kroatischen kleinen und mittleren Adel. Sie hatten
sich bereits vielfach im Türkenkampf bewährt. Manche bekamen auch
Dörfer oder Untertanen auf Lebenszeit übertragen. Neben der Ernährung
dieser Truppen der Grundherren war vor allem die Unterbringung der
Soldaten eine Herausforderung für die untertänigen Bauern. Zumindest
die Offiziere wurden auch am herrschaftlichen Hof verpflegt. Dazu
gehörten der Hauptmann, der Heiduckenhauptmann, der Leutnant und acht
Fähnriche.

Geschnitzte Holzpuppe eines türkischen Kriegers in Eisenrüstung, Ende 18. Jahrhundert


Reiterhelm mit Panzergeflecht, Kalotte mit langer Ringelpanzer-Brünne, 2. Hälfte 17. Jahrhundert


Prinz Eugen von Savoyen, Hofkriegsratspräsident, antwortet Franz III.
Graf Batthyány auf dessen Ersuchen, sein in Italien stationiertes
Heiducken-Regiment wegen der Rákóczi-Rebellion nach Ungarn verlegen zu
dürfen, abschlägig. Weissenburg, 17. Oktober 1704.

DIE FAMILIENGRUFT, EIN ZENTRALER BEGRÄBNISORT
Bereits die ersten Batthyánys wählten die Kirche des damaligen
Augustinerklosters in Güssing als Ort für ihre Grablege aus. Sie
hielten an dieser Tradition auch nach ihrem Übertritt zum
Protestantismus fest. Adam I. ließ nach seiner Konversion zum
Katholizismus die Kirche zum Großteil im Barockstil neu errichten,
wandelte die evangelische Schule wieder in ein Kloster um und berief
1648 den Franziskanerorden hierher. Im Stiftungsbrief begründete er in
der Krypta eine neue Familiengruft für sich und seine Nachkommen. Als
solche wird sie nach einigen Erweiterungen bis heute genutzt. 155
Mitglieder der Familie Batthyány wurden seit der Mitte des 17.
Jahrhunderts in der Familiengruft beigesetzt. Damit ist sie, gemessen
an den Bestattungen, die größte private Familiengruft Österreichs. Die
Grablege unterstreicht den Bestattungsort als zentralen Familiensitz.
Selbst nicht in Güssing wohnhafte oder begüterte Familienangehörige
wurden hier beigesetzt. Die für die Begräbnisse angefertigten
Funeralwappen wurden zum Gedenken an die Verstorbenen im Familienschatz
aufbewahrt.
Totenwappen für Adam I. Graf Batthyány 1659, Stuck auf Holz
Das Totenschild enthält das Wappen, den Namen und die Lebensdaten des
Verstorbenen. Nach seiner Funktion bei der Aufbahrung hielt es anstatt
eines Grabsteins die Erinnerung an den Toten aufrecht.

Unbekannter Maler: Adam II. Graf Batthyány (1662-1703), Öl auf Leinwand, 18. Jh.
Der Sohn von Christoph II. und Anna Maria Horvath von Palocsay kämpfte
in den Kriegen gegen die Osmanen und konnte nach der Rückeroberung
Südungarns dort beträchtliche Ländereien erwerben. Er heiratete 1692
Eleonore, die Tochter des Hofkanzlers Theodor Graf von Strattmann. Kurz
vor seinem Tod teilte er seine Güter mit seinem Bruder Balthasar IV.,
der allerdings unverheiratet verstarb.
Unbekannter Maler: Adam I. Graf Batthyány (1610–1659), Öl auf Leinwand, 18. Jh.

Rokoko-Spiegel aus vergoldetem Holz mit Schnitzereien, Österreich oder Norditalien, 18. Jahrhundert
Ovaler Barocktisch mit Intarsien eine Jagdszene darstellend, um 1720

Erwin Morawitz: Ladislaus Batthyány-Strattmann (1904-1966), Acryl auf Hartfaserplatte, 1975
Kurator der Güssinger Burg- und Klosterstiftung 1931-1966
Erwin Morawitz: Ladislaus Pascal Batthyány-Strattmann (1938-2015), Acryl auf Hartfaserplatte, 1975
Kurator der Güssinger Burg- und Klosterstiftung 1966-2008

VON DER TEILUNG ZUR BURGSTIFTUNG
Nach dem Tod von Adam I. Batthyány 1659 erfolgte unter seinen Söhnen
Christoph II. und Paul I. die Teilung der Familie in zwei Hauptlinien.
Die Burg Güssing hatte von da an immer zwei Herren, denen sogar
einzelne Gebäudeteile zugeordnet waren. Der älteren Linie gelang im 17.
und 18. Jahrhundert ein kometenhafter Aufstieg. Sowohl Adam II. als
auch seine Söhne und Enkel erlangten die höchsten staatlichen,
militärischen und kirchlichen Ämter und Auszeichnungen. Die Erlangung
der Würde des Erbobergespans von Eisenburg 1716 und die Verleihung der
Fürstenwürde 1763 an Karl Josef Batthyány stellte die Höhepunkte dar.
Am Fuße des Güssinger Burgberges entstanden neue, komfortablere
Residenzen und ließen die bald zur Ruine verfallende Burg zu einem eher
symbolischen Stammsitz werden. Zum Erhalt der Burg wurde letztendlich
durch Fürst Philipp Batthyány-Strattmann eine Stiftung ins Leben
gerufen.
Die von Paul I. begründete jüngere Linie spaltete sich aufgrund eines
großen Kinderreichtums bis ins 19. Jahrhundert in viele kleine Äste mit
ihren eigenen Residenzen auf. Von den drei Hauptzweigen blieb
letztendlich die Pinkafelder Linie bestehen, die die Kuratorenschaft
über die Güssinger Burgstiftung erlangte. Ihr bedeutendster Vertreter
war der selige Dr. Ladislaus Batthyány-Strattmann, der nach Aussterben
der älteren Linie auch die Fürstenwürde erbte.

DIE BESITZER DER BURG GÜSSING AUS DER FAMILIE BATTHYÁNY
Franz / Ferenc I. 1524-1566
Balthasar/Boldizsár III. 1566-1590
Franz / Ferenc II. 1590-1625
Adam / Ádam I. 1625-1659
Christoph / Kristóf II. 1659-1687
Paul / Pál I. 1659-1674
Adam / Adam II. 1687-1703
Franz / Ferenc III. 1674-1720
Balthasar / Boldizsár IV. 1703-1743
Sigmund / Zsigmond I. 1720-1726
Ludwig I. Ernst / Lajos Ernő 1743-1765
Emmerich / Imre I. 1728-1753
Adam IV. Wenzel / Ádam Venczel 1765-1787
Adam / Ádam III. 1753-1782
Ludwig / Lajos II. 1787-1806
Karl / Károly II. 1782-1814
Philipp / Fülöp III. 1806-1870
Franz / Ferenc IV. 1814-1821
Johann Nepomuk / János Nepomuk I. 1821-1831
Christoph / Kristóf III. 1841-1878


Blankwaffen für die Jagd (Hirschfänger), 18., 19. Jh.

Speisezimmer
Dieses Ensemble, ausgerichtet auf acht Personen, trägt der Intimität
des engeren Familienkreises Rechnung und steht damit im Gegensatz zur
Garnitur des Ritter- oder Ahnensaales im 1. Obergeschoß. Das Mobiliar
ist ausgerichtet auf die Zeitenwende vom Barock zum Biedermeier unter
Einschluß des Empire und wird durch das Chaiselongue („Langstuhl") in
seiner Raumkomposition sinnvoll ergänzt. Der ganze Raum wird getragen
durch die Persönlichkeit von Ludwig Graf Batthyany, der in der
ungarischen Regierung des Ludwig Kossuth 1848 die Position des
Ministerpräsidenten inne hatte. Zum einen wird in den ausgestellten
Bildern die euphorische Stimmung am Beginn dieser
„Unabhängigkeitsbewegung" zur Loslösung von Österreich deutlich, um
dann auch das tragische Ende dieser, vom Unglück geprägten
Auseinandersetzung zu zeigen.
Das Gemälde „Dame in Blau" stammt übrigens vom bekannten Porträtisten
Carl Weidner' von dem auch ein Porträt von Ludwig Graf Batthyany in
Preßburg existierte.

Ludwig Graf Batthyany als aufgeschlossener, aber realistisch
eingestellter Magnat, Patriot und Mensch hatte die Regierung Kossuth
bereits gegen Jahresende 1848 verlassen und wollte in den Schlußtagen
der unglücklich
verlaufenden Erhebung das Schlimmste von seinem Land und Volk abwenden.
Auf dem Tisch aufgedeckt ist Herend-Porzellan mit dem Dekor
„Batthyany", das auf Wunsch von Ludwig Graf Batthyany 1842 erstmals
gefertigt wurde und mit dem die Manufaktur Herend erstmals in der
Budapester Gewerbeausstellung reüssieren konnte.
Die Forcierung der „einheimischen" Porzellanmanufaktur Herend durch den
ungarischen Adel im Vorfeld der Unabhängigkeitserklärung im März 1848
kommt einer bewußten nationalen Wirtschaftsförderung gleich und einer
Besinnung auf die bodenständigen Resourcen und Möglichkeiten. Das
gesamte Ensemble des Raumes stammt aus
der Sammlung DDDr. Udo Illig - Burg Schlaining. Dieser Hinweis
erscheint vor allem in Verbindung mit den Porträtdarstellungen wichtig,
weil hier versucht wurde, eine Familie auch im Umfeld eines Speise- und
Wohnzimmers im Bild festzuhalten und zu vereinen.

Schlafzimmer
Zu einem Burg- und Schloßensemble, welches Wohnkultur vermitteln
möchte, gehören auch die sehr familiären Bereiche wie das Schlaf- und
das Speisezimmer, während das Jagdzimmer bereits wieder eine Brücke von
der „kleinen Gesellschaft" zur größeren Runde schlägt. Das
gegenständliche Ensemble des Schlafzimmers hat als zentrale Möbelstücke
das Bett und den mächtigen Kasten im Renaissancestil. Damit wird auch
eine Tendenz ausgedrückt, derzufolge die „Großmöbel" wie z.B. Kästen
und Truhen im Bestand eines florierenden Burg- und Schloßhaushaltes
einen sehr langen Bestand haben, während Kleinmöbel und
Ausstattungsstücke wie Spiegel, Nachtkästchen, Sitzgarnituren etc.
einem sehr häufigen stilistischen Wandel unterworfen sind und öfters
ausgetauscht werden.
Dieser Tendenz wird die Ausstattung des Zimmers gerecht, in dem nicht
nur die Kleinmöbel sondern auch die Ausstattung mit Porträts einen
Bezug zur jüngeren Vergangenheit herstellen, während mit der Bettwäsche
und den Handtüchern unmittelbar an die in den 60er Jahren des 20.Jhdts
eingerichtete Frühstückspension des DDDr. Udo Illig auf Burg Schlaining
angeknüpft wird. Diese Ausstattung steht über weite Strecken des
touristischen Angebotes einzigartig da und ist als sehr früher Versuch
eiuer Gästeunterbringung zu sehen (erhielt doch Stadtschlaining erst
1986/87 mit der Errichtung des Hotels Burg Schlaining eine geeignete
Unterbringungsmöglichkeit).

M.H.J. von Nedelkovits, *1875 Graz: „Die Quelle Arethusa", Ölgemälde 131x105cm, roter Holzrahmen
In der griech. Sage ist Arethusa eine Quellnymphe, die vom Flußgott
Alpheios verfolgt und auf ihre Bitten hin von Artemis in eine Quelle
auf der Insel Ortygia bei Syrakus in Sizilien verwandelt wird.
Eduard H. Lorenz, genannt Murovana *1868 Wien: „Mondnacht an der Odermündung", Ölgemälde 47x35cm/63x51cm, vergoldeter Holzrahmen
Eduard Lorenz war als Landschaftsmaler, Exlibriszeichner und Kalligraph tätig und in Linz/D. ansässig.
Hugo Cordignano: „Vorderer Langangsee im Toten Gebirge", Ölgemälde 88x72cm/106x90cm, schwarzer Holzrahmen
Das Werk wurde um 1950 geschaffen

Galerie des 19. und 20. Jhdts., Bibliothek - Musikzimmer
Neben der Galerie-Präsentation, die einen Überblick über das
Kunstschaffen des späten 19. und der ersten Hälfte des 20.Jhdts.
bringt, fällt vor allem das druckgraphische Werk auf. Zwei
Sammlungsbestände überzeugen durch ihren augenfälligen Umfang, einmal
die Werkübersicht von William Unger, der die Bestände des
Kunsthistorischen Museums in Wien für eine Drucklegung radiert hat und
zum anderen die Ausgabe der steirischen Burgen und Schlösser in Kaisers
Schlösserbuch. Ein weiterer Denkanstoß in diesem Raum wird durch die
symbolisierte Bibliothek vermittelt, in der durch den schreibenden
Mönch die frühe Verbindung zum Kloster und zur Klosterbibliothek
hergestellt wird. Diese Tradition setzt sich mit den ersten Buchdrucker
und Verleger in Güssing, dem Johannes Manlius fort, von dem ein
Flugblatt aus dem Jahre 1605 ausgestellt ist.

Daß heute ein Bibliotheksbestand durch die Sammlung Illig auf Burg
Güssing veranschaulicht werden muß, ist nicht nur durch die Umwandlung
der Burg in eine „künstliche Ruine" nach 1786 erklärbar. Ein
wesentlicher Schwerpunkt liegt auf dem Begriff „Musikzimmer". Jede
bewohnbar ausgestattete Burg dieser Größenordnung und mit diesem
gesellschaftlichen Anspruch verfügte über derartige Ausstattungen. Die
Zusammensetzung bietet auch hier wieder einen Überblick über einen
größeren Zeitraum, werden hier z.B. Klaviere bzw. Flügel mit Holzrahmen
und Wiener Mechanik neben solchen mit Gußeisenkörper und englischer
Mechanik gezeigt.

Herauszustellen ist das sog. „Phonola", das als Ersatz für den
Klavierspieler bei sonst gleichbleibender Besetzung gedacht werden kann
- ein Flügel - das Phonola anstelle der Hände und Füße des Pianisten an
den Tasten und Pedalen - und eine Bedienungsperson für dieses Phonola.
Übrigens können auf batthyany'schen Schlössern und Burgen seit dem 16.
Jhdt orchesterähnliche Gruppierungen nachgewiesen werden, u.a. auch
eine Tamburizzakapelle auf Rechnitz. Als batthyánysches
Originalinstrument kann die blaue Kesselpauke aus der Burg Schlaining
angesprochen werden.

Giovanni Antonio Fumiani (*1643 Venedig - + 1710 Venedig): "Darbringung Christi im Tempel", Ölgemälde 181x100cm/197x116cm, rotgefaßter Holzrahmen
Der Maler arbeitete ab 1668 ständig in seiner Heimatstadt und schuf
u.a. für den Dom zu Padua Rosetti im Altarchor „Beschneidung Christi"

Galerie
Der unmittelbar über den renaissaneezeitliehen Räumen des 1.
Obergeschoßes liegende große Saal, der in der Barockzeit errichtet,
bereits die veränderten Wohnqualitäten erkennen läßt (größere Fenster,
hohe Räume ohne Gewölbe), ist in bewußter Ergänzung zum
Sammlungsbestand der Burgstiftung an Gemälden, die im 1. Obergeschoß
gezeigt wird, mit der reichhaltigen Sammlung Illig ergänzt worden. Die
Sammlung DDDr. Udo lllig - Burg Schlaining vervollständigt die
bestehenden Sammlungen durch Exponate aus der Renaissancezeit, über die
reich ausgestattete Barockzeit bis zur Moderne und beinhaltet dabei
bemerkenswerte Facetten der künstlerischen Gestaltung.
Die thematische Gliederung bringt einerseits das breite Spektrum von
Gemälden mit religiösem Inhalt, mit Darstellungen von Heiligen bis zu
Szenen aus der Heiligen Schrift, andrerseits aber auch die Einbeziehung
von historischen Persönlichkeiten, wie z. B. den röm. Philosophen und
Politiker Seneca oder den Andreas Ritter von Rauber um dann beim Gott
Amor zu verweilen, der den Bogen für den noch abzuschießenden Pfeil,
der das zukünftige Liebespaar vereinen soll, schnitzt. Eine Reihe von
militärischen und historischen Szenen, unter denen vor allem die Szenen
aus den Türkenkriegen hervorzuheben sind, rundet das Erscheinungsbild
dieses Saales ab, das durch ausgewählte Möbelstücke, die zeitlich mit
den Bildern harmonisieren, ergänzt wird.

Deutscher Romantiker: „Cleopatra", Ölgemälde 97x123cm/119/145cm, vergoldeter Holzrahmen

Die Galerie setzt sich im folgenden Raume fort, in dem der Schwerpunkt
auf das 19. und 20.Jhdt und der Druckgraphik zu liegen kommt. Darüber
hinaus erhält der Saal seine einzigartige Atmosphäre durch die
herrliche Aussicht und den beeindruckenden Fernblick, der hier
stellvertretend für alle übrigen Räume einschließlich der Turmgeschosse
herausgestellt wird. „Soweit das Auge reicht" mit diesem Begriff kann
man den Ausblick in das Herrschafts- und Einflußgebiet der Familie
Batthyány am treffendsten umschreiben. Nach Osten ist der Blick frei
auf Körmend ausgerichtet, im Norden
begrenzt der Hochwechsel den Horizont, während im Süden und Westen die
sanfte und bewaldete Hügellandschaft mit ihren Weingebirgen unmittelbar
an den Burgberg heranrückt.

Franz Ritter von Kurz zu Thurn und Goldenstein (1807 - 1878)
„König Rudolf I. und Przemisl Ottokar II. von Böhmen"
Ölgemälde 106x83cm/121x97cm, vergoldeter Holzrahmen
Das Gemälde zeigt die nach dem Wiener Frieden vom 26.11.1276 erfolgte
Belehnung Ottokars mit seinen Stammländern Böhmen und Mähren durch
König Rudolf I., der am 1.10.1273 in Frankfurt/Main durch die
Kurfürsten zum deutschen König gewählt worden war. Ottokar II. fiel am
26.8.1278 bei Dürnkrut auf dem Schlachtfelde gegen König Rudolf I.

DIE BURG GÜSSING VOR 1524
Der Überlieferung zufolge baute der aus Österreich zugewanderte Ritter
Heinrich im Jahre 1157 auf dem einsamen Berg Kyscen eine Abtei für den
Benediktinerorden. Diese wurde wenig später vom ungarischen König Béla
III. eingezogen und stattdessen eine Burg errichtet, die 1198 erstmals
als novum castrum (neue Burg) genannt wurde. Daraus entwickelte sich
ein Jahrzehnte dauernder Streit mit der Mutterabtei Pannonhalma um
einen Ersatz. Die Burg blieb im Besitz der ungarischen Könige und wurde
von Kastellanen verwaltet oder zeitweise an ungarische Adelige gegeben.
1391 schenkte König Sigismund die wichtige Grenzfestung an Ladislaus
von Sáró und in Folge an seinen Sohn Peter, der sich Cseh von Léva
nannte. Dieser weitete das zur Burg gehörige Gebiet um die Untere Wart
(Örség) aus. Als Parteigänger der Hunyadi gelangte die Familie in
Gegensatz zu den Habsburgern und musste die Burg aufgeben. Diese wurde
1458 an Nikolaus Újlaki, den Woiwoden von Siebenbürgen und Titularkönig
von Bosnien, übergeben. Als Anhänger Kaiser Friedrichs III.
organisierte dieser die Wahl des Habsburgers zum ungarischen Gegenkönig
im Jahr darauf auf Burg Güssing. Die Unternehmung scheiterte
letztendlich und Újlaki schloss sich König Matthias Corvinus an. Er und
sein Sohn Lorenz bauten die Burg weiter aus. Mit dem Tod von Lorenz
Újlaki starb die Familie 1524 aus und Güssing fiel an die ungarische
Krone zurück.

FRANZ I. BATTHYÁNY UND SEINE VORFAHREN
Am 30. Juni 1524 bekam Franz I. Batthyány Burg und Herrschaft Güssing
von König Ludwig II. verliehen. Damit verlagerte sich das familiäre
Zentrum der Familie von Slawonien ins damalige Westungarn. Güssing
wurde in Folge zur Stammburg der Batthyánys. Zuvor war seinem Vater
Balthasar I. durch den Erwerb umfangreicher slawonischer Güter sowie
öffentlicher Ämter ein sozialer Aufstieg aus dem Landadel gelungen.
Seine Nachkommen konnten durch eine geschickte Heiratspolitik, durch
die Besetzung von Hofämtern über Generationen hindurch und den Erwerb
weiterer Herrschaften ihre Stellung als ungarische Magnaten absichern.
Im 18. Jahrhundert wurde von den herrschaftlichen Archivaren der
Versuch unternommen, die Abstammung der Familie bis in die Zeit der
ungarischen Landnahme zurückzuverfolgen. Tatsächlich können die
frühesten Vorfahren erst im 14. Jahrhundert namhaft gemacht werden. Die
ursprünglich beim Plattensee begüterte, sich nach Kővágóörs nennende
Familie änderte nach dem 1398 erfolgten Erwerb von Szabadbattyán ihren
Namen auf Batthyány um. Mittels wirklichen und fiktiven Ahnen sollte
eine ihrer neuen Stellung gemäße uralte Herkunft belegt werden. Zu
diesem Zweck entstanden Stammbäume und Ahnengalerien, die zur
Repräsentation in den Burgen und Schlössern dienten.


Burgküche, Lebzelter und Zuckerbäcker
Die Burgküche ist sowohl aus Sicherheitsgründen als auch aus
organisatorischen Rahmenbedingungen im Erdgeschoß bzw. Kellerbereich
angelegt. Der offene Herd mit großem Rauchhut und Rauchabzug ist der
Mittelpunkt der Küchenanlage, wobei hier bei der Ausstattung mit
Gerätschaften und Geschirr das ausgehende 19. Jahrhundert umfangreich
vertreten ist und einen wertvollen Einblick in den Alltag eines
Burgkochs bzw. einer Burgköchin bietet. Die technischen Möglichkeiten
reichen vom Rösten des Kaffees (Bohnen oder Ersatz), über die
Zubereitung von Pudding und Aufläufen, bis zu den Hilfsgeräten wie
Waagen, Handmühlen, Rührkesseln und Gußeisengeschirr.
Es darf hier besonders darauf hingewiesen werden, daß sich auch in den
übrigen Ausstellungsräumen der Burg Objekte und Geräte des thematischen
Bereiches Küche finden, so z.B. Eisenkunstguß mit Messing- und
Gußeisenmörsern, Großmörsern, Backformen, oder Waffel- und
Hostieneisen. Die Burgküche ist aber auch der Arbeits- und
Vorbereitungsraum für das Bedienungspersonal, hier werden die
Kerzenleuchter gereinigt und mit neuen Kerzen versehen, hier wird das
Eßgeschirr gereinigt und dann wieder in die herrschaftlichen Räume
gebracht, siehe dazu besonders die Ausstattung des Speisezimmers.

Klostergründungen im Südburgenland
Zentrales Thema dieses Raumes ist die Abtei St. Gotthard, die
jahrhundertelang das Raabtal und den Bezirk Jennersdorf und Teile von
Güssing wirtschaftlich, kulturell und konfessionell geprägt hat. Die
Zisterzienser-Abtei St. Gotthard, gegründet 1183 von König Bela III.,
besiedelt mit Mönchen aus der Mutterabtei Troisfontaines, hatte eine
Reihe von hohen Persönlichkeiten in den Reihen der Förderer und der
Kleriker. Darauf verweist u.a. der Grabstein des Schatzmeisters
Nikolaus Széchy von Felsölendva (Doppeladler im Wappen) und der seiner
Gattin Helena de Gara, der das Wappen mit der siebenfach gewundenen,
nach rechts gewendeten gekrönten Schlange mit dem Reichsapfel im Maul
aufweist. Das Wappentier der im 15.Jhdt ausgestorbenen Familie ist als
Basis und Hintergrund der Sagen um die gekrönte Schlangenkönigin, die
in mehreren burgenländischen Orten beheimatet ist, anzusehen. Die
Familie Széchy stellte an der Wende vom 14. Zum 15.Jhdt u.a. den
Palatin des Königreiches Ungarn und bekleidete hohe Amtsstellen. Die
beiden Grabsteine zählern zu den schönsten gotischen Grabdenkmälern
Ungarns.
Die Abtei wurde in den Kriegen mit Gabor Bethlen und den Türken 1664
schwer beschädigt und teilweise gesprengt. Auf das denkwürdige Ereignis
der Schlacht bei St.Gotthard - Mogersdorf weist z.B. das Gemälde des
Stefan Dorfmeister hin, oder aber die Gemälde, wo neben dem
teilerrichteten neuen Kloster noch immer die Ruinen aus der Türkenzeit
erkennbar sind.
1734 wurde die Abtei St, Gotthard von König Karl III. von Ungarn dem
Zisterzienserorden von Heiligenkreuz verliehen und der Um- bzw. Neubau
wurde begonnen, der sich zum Teil auf dem Bildern wiederfindet. Aus
dieser Zeit stammt auch das Gemälde mit den Ordensheiligen von St.
Gotthard, die Hll. Benedickt, Bernhard von Clairvaux und Gotthard
weihen den Entwurf von Anton Pilgram der Gottesmutter Maria.
Die bemerkenswerte Sammlung von Waffel- und Hostieneisen leitet über
vom rein kirchlich verwendeten Gebrauchsgegenstand des Hostieneisens
zum ursprünglich für festliche Anlässe verwendeten Waffeleisen, so z.B.
jenes für ein Hochzeitsmahl 1675.

Eine besondere Note erhält die Burgküche durch das vollständige
Ensemble eines Lebzelters und Zuckerbäckers, welches aus dem
Familienbesitz von DDDr. Udo Illig stammt, und von
Lebzeltherzenausstechformen, bis zu den Patiencebackblechen reicht.
Reich vertreten auch die Holzformen für die Marzipanauflage auf den
Lebzeltenund die Formen für die Tortendekorationen (Blüten, Birne,
Pfirsich, Nuß, Taube etc.).

Beherrschend zieht die Tumba in der Mitte des Raumes den Blick auf sich
und erinnert überdeutlich daran, daß die Errichtung und Erhaltung, zum
Teil auch der Betrieb und die Abdeckung der täglichen Bedürfnisse aus
den Zuwendungen und Spenden der adeligen und bürgerlichen Familien an
die Klöster getätigt wurden. Zahlreiche Neugründungen oder
Wiederbegründungen wären ohne diese großzügigen Zuwendungen undenkbar
und sie sind Teil des mittelalterlichen-renaissancezeitlichen
Gedankengutes, in dem die Errichtung einer Familiengrablege bzw.
Grabstätte auf geheiligtem Boden ein vornehmliches Anliegen war. Die
Tumba ist eine Rekonstruktion aus den, in der ehemaligen
Pauliner-Klosterkirche in Stadtschlaining aufgefundenen Teilen des
Baumkircher-Epitaphs (Rekonstruktionsversuch nach Dr. Gerhard Seebach),
als Platte wurde das besonders kunstvoll ausgeführte Grabdenkmal des
Michael Freiherr von Wolkenstein und seiner Gemahlin Barbara, geborene
von Thun, gewählt, weil hier ein besonders schöner Eindruck von der
ritterlichen Kleidung um 1509 vermittelt wird, jener Zeit also, in der
die Familie Baumkircher in der Herrschaft Stadtschlaining in vollem
Besitz standen. Es wird hier auch der Stil jener Zeit deutlich, in der
man dem Toten und seiner Familie, der Gründerfamilie des Klosters
verstärkte Referenz erwies.
Parallelen zur vorliegenden Tumba finden sich im Hochgrab Kaiser
Friedrichs III. im Stephansdom zu Wien und im Grabmal für Kaiser
Maximilian I. in der Hofkirche zu Innsbruck. Im Raume werden Bauteile
aus Baumkircherburgen und -klöstern, die später in batthyanischen
Besitz übergingen, gezeigt. Bei den Steinarchitekturteilen sind die
Gewölberippen den Kirchenbauten des Hochmittelalters zuzuordnen,
während die Terrakottabauteile auf eine Spezialität des
südburgenländisch-westungarischen Raumes verweist, wo in der Zeit des
Baumkirchers in Stadtschlaining und des Ellerbachers in Eberau und Kulm
großangelegte Produktionsstätten für derartige Waren bestanden, die in
der weiteren Folge dann zu den Ziegeleien umgeformt wurden, die zum
Teil bis zur jüngeren Vergangenheit in Betrieb standen. Bei den
jüngeren Steinbauteilen findet man Gesimsteile, die zwar aus Schlaining
stammen, aber gleichförmig auch in Güssing Verwendung fanden (siehe
Außenwand über der Burgkapelle in Höhe Rittersaal).

BURGBAHN GÜSSING - Technische Daten
Streckenlänge: 96 m / Höhendifferenz: 51 m / Fassungsvermögen: 16 Personen / Fahrgeschwindigkeit: 2 m/s
Aufzugstechnik: ABS Transportbahnen GesmbH. Kosten pro Fahrt EUR 2,- (bar, Münzeinwurf beim Drehkreuz)
Dieses Projekt wurde finanziert aus Mitteln der Burgstiftung Batthyány.
der Europäischen Union (EFRE), des Bundeskanzleramtes -Kunstsektion und
des Landes Burgenland.

Die Burg Güssing, die älteste
des Burgenlandes, ruht auf einem mächtigen erloschenen Vulkan im
Talkessel des Strembachs. Sie war Teil des mittelalterlichen,
ungarischen Burgengürtels entlang einer umkämpften Grenze in einer
bewegten Zeit. Der erste Bau am “Schlossberg” war eine Holzburg, erbaut
1157 vom Grafen Wolfer. Später, vor allem unter den mächtigen
“Güssinger Grafen", die von hier aus fast den ganzen ostungarischen
Raum beherrschten, wurde sie zu einem steinernen Bollwerk ausgebaut.
In den Türkenkriegen spielte die Burg, nunmehr im Besitz der Familie
Batthyány, eine wichtige Rolle. Diese Familie war lange Zeit prägend
für Güssing und die Region. Fürst Ladislaus Batthyány-Strattmann, der
in der Güssinger Klosterkirche ruht, wurde 2003 selig gesprochen. Eine
Besichtigung der Burg, des Burgmuseums und der Sonderausstellung ist
von April bis Oktober möglich (ein Aufzug erleichtert den Aufstieg).

Jakobikirche
Nach dem Kirchenrecht ist die dem Hl. Jakobus dem Älteren geweihte
Kirche noch immer die Pfarrkirche von Güssing, obwohl die größere
Klosterkirche längst die eigentliche Funktion übernommen hat. Es kam
auch in der Mitte des 18. Jahrhunderts immer wieder zu Zwistigkeiten
zwischen den Pfarrangehörigen und dem Kloster, sodass sogar
Vorschriften zur Regelung des Kirchenbetriebes erlassen werden mussten
(betreffend Taufen, Eheschließungen, Gottesdienste etc.). 1962 erfolgte
unter der Leitung des damaligen Landeskonservators Dr. Schmeller eine
Außenrenovierung, die als Muster für Renovierungen gilt. (Neue Art des
Außenputzes etc.). 1964 Innenrenovierung - Betonung des romanischen
Baustils. Die zu den ältesten des Landes gehörenden Pfarren (vor 1200)
weist unter anderem in acht Büchern auf: von 1690 bis 1970 über 7.000
Brautpaare, von 1725 bis 1970 fast 20.000 Beerdigungen, von 1668 bis
1970 fast 34.000 Taufen. Kirche leider geschlossen.

St. Jakob - eine mittelalterliche Wehrkirche
Die kleine Pfarrkirche (hl. Jakobus d. Ältere) liegt malerisch auf dem
Osthang unterhalb des Burgfelsens auf einer künstlich geebneten Kuppe,
die durch Steilabfall und einem ehemaligen Hohlweg isoliert ist. Das
Plateau liegt orts- und bergwärts 3-5 m über dem Terrain der Umgebung.
Die Ostseite fällt sehr steil 15-20 m tief ab.
Der Bau ist, abgesehen von der Sakristei, 12 mal 8 m groß. Er wurde um
1200 aus Ziegeln und Steinquadern errichtet. Das romanische Portal
sowie die romanischen Schlitzfenster verbinden sich innen mit
mächtigen, gedrungenen Pfeilern in zwei Etagen übereinander zu einem
beeindruckenden Kirchenbaukleinod aus dem Mittelalter. Die Jakobskirche
ist somit eine der seltenen Kirchen des Burgenlandes, in der noch der
überwiegende Architekturbestand aus der romanischen Stilepoche
vorherrscht.

Carolus Clusius
Charles de l’Écluse (lat. Carolus Clusius; * 19. Februar 1526 in Arras,
damals Flandern; † 4. April 1609 in Leiden, Niederlande) war ein
flämisch-niederländischer Gelehrter, Arzt und Botaniker. Kurz wird er
auch oft nur Clusius genannt. Sein offizielles botanisches
Autorenkürzel lautet „Clus.“
Clusius studierte Jura und Philosophie zunächst an der Universität
Gent, ab 1546 an der Universität Löwen, wo er 1548 das Lizentiat für
die Rechte erwarb. Im selben Jahr hörte er juristische Vorlesungen an
der Universität Marburg. 1549 studierte er Philosophie an der
Universität Wittenberg bei Philipp Melanchthon. Von 1551 bis 1554
studierte er an der Universität Montpellier. Einflussreicher Lehrer war
Guillaume Rondelet, der ihn für die Botanik begeisterte. 1560 bis 1561
studierte er Medizin in Paris. Daneben besuchte er verschiedene
bekannte Städte wie Lyon, Frankfurt am Main, Straßburg, Antwerpen und
London, wo er Studien trieb. 1564 hatte er Gelegenheit, den
Bankierssohn Jakob III. Fugger auf die iberische Halbinsel zu
begleiten, wo er eine Vielzahl von Pflanzen sammelte, darunter eine
Reihe bis dahin unbekannte Arten. Von 1573 bis 1576 war de l’Écluse
Hofbotaniker Maximilians II. in Wien, wo er einen
Medizinalkräutergarten und das erste Alpinum anlegte. Durch botanische
Exkursionen auf Ötscher und Schneeberg hat Clusius wesentlich zur
Kenntnis der Alpenflora beigetragen.
Als 1576 Rudolf II., der Sohn Maximilians II., alle Angestellten mit
protestantischem Glauben entließ, fand Clusius in Balthasar Batthyány,
dem Burgherrn von Güssing, einen Freund und Förderer. In Güssing sowie
auf der Burg Schlaining verfasste Clusius sein bedeutendes Werk
Stirpium Nomenclator Pannonicus, die erste österreichische
Pflanzenkunde. Seine Arbeiten über die Pflanzen in Österreich und
Ungarn blieben durch mehr als 100 Jahre maßgebend. Dabei waren diese
Werke ebenso wie die zu den Pflanzen der Iberischen Halbinsel keine
„Flora“ im heutigen Sinne, sondern eine Art Vorläufer, eine
Zusammenstellung und Beschreibung aller Pflanzen, einschließlich der
Kultur- und exotischen Zierpflanzen, die in diesen Gebieten wachsen.
Große Bedeutung für die Mykologie hat sein 1601 erschienenes Werk
Rariorum plantarum historia / Fungorum in Pannoniis brevis hiestoria.
Das Werk ist die erste umfassende Pilzmonographie und gleichzeitig die
erste regionale Pilzflora, in der 105 in Ungarn vorkommende Pilze
beschrieben werden. Er setzte damit auch neue Maßstäbe für die
Systematisierung der Pilze, obgleich er die seit der Antike übliche
Grundeinteilung der Fungi in essbare und giftige Pilze nicht überwunden
hat. Er gilt als einer der Väter der Mykologie. Clusius kannte wie kein
anderer Botaniker seiner Zeit sehr viele Pflanzen aus verschiedensten
Gegenden Europas, keiner hat so viele neue Arten entdeckt, beschrieben
und abgebildet. Er förderte auch die Verbreitung exotischer Nahrungs-
und Zierpflanzen. So verdankt ihm Wien und Österreich unter anderem die
Einführung der Rosskastanie (1576), der Tulpe und der Kartoffel (1588)
sowie der Kaiserkrone. Wien wurde durch sein Wirken zu einem Zentrum
der Blumenzucht. Im Jahr 1876 wurde in Wien-Alsergrund (9. Bezirk) die
Clusiusgasse nach ihm benannt, ebenso am 2. April 1999 der Asteroid
(9364) Clusius.

Dr. Ladislaus Batthyány-Strattmannn, der "Arzt der Armen", ist der
erste Selige, der auf dem Gebiet des Burgenlandes gewirkt hat. Er wurde
am 23.3.2003 in Rom selig gesprochen. Der selbstlose Arzt, der Arme und
Mittellose gratis betreute, lebte in Kittsee und Körmend und ist heute
in der Klosterkirche der Franziskaner in Güssing bestattet. Seine
Grabstätte ist Anziehungspunkt für österreichische und ungarische
Pilger gleichermaßen.
Dr. Ladislaus Batthyány-Strattmann, der "Arzt der Armen", 28.10.1870-22.1.1931.

Eine Burg am Berg Kiscen
Bereits in der römischen Zeit gab es im Raum Güssing Siedlungen, wie
entsprechende Funde beweisen. Im Kreuzgang des Franziskanerklosters
befindet sich ein römischer Grabstein, der in eine Wand eingemauert
wurde. Erst 1157 gibt es die erste urkundliche Erwähnung, als der
ungarische König den Berg Kiscen, später Quizin (wovon sich der Name
"Güssing" ableitet) dem steirischen Grafen Wolfer schenkt, dem ersten
Ahnherrn der Güssinger Grafen. Dieser lässt eine Holzburg und eine
Benediktinerabtei am markanten Basalthügel errichten, die schon wenige
Jahrzehnte später zu einem steinernen Bollwerk ausgebaut wird. Die Burg
kann zwar 1242 gegen die Tartaren (Mongolen) gehalten werden, 1289 in
der "Güssinger Fehde" wird die Festung aber vom Habsburgerherzog
Albrecht von Österreich eingenommen, dem das Geschlecht der Güssinger
zu mächtig und ihre Ansprüche im ostungarischen und sogar im
westösterreichischen Raum zu groß geworden sind, Aber erst 1327 werden
die die Güssinger Grafen endgültig verdrängt. Die Burg ist daraufhin in
wechselndem Besitz. Mitte des 15. Jahrhunderts gelangt sie in den
Besitz des Woiwoden von Siebenbürgen, Nikolaus Ujlaky, der hier 1459
die mit dem Ungarnkönig Matthias Corvinus unzufriedenen Magnaten
versammelt und einen Gegenkönig wählen lässt. Schon bald aber (1522)
schenkte der König die Burg und Herrschaft seinem Mundschenk Franz
Batthyány als Lohn für eine gewonnene Schlacht gegen die Türken.
Heute ist die Burg im Besitz einer Stiftung. Unter der Familie
Batthyány war Güssing vor allem im 16. und 17 Jahrhundert ein
wissenschaftlicher und religiöser Mittelpunkt, hier arbeiteten auch der
Botaniker Carolus Clusius und der Buchdrucker Manlius. Ab dem 18.
Jahrhundert gab man die Burg dem Verfall preis, vor allem auch, da eine
damalige "Dachsteuer" für den Besitzer den Erhalt unerschwinglich
machte. Heute kann man im Burgmuseum auf der Burg verschiedene
historische Ausstellungen (unter anderem mit Bildern von Lucas Cranach)
und die sehenswerte Burgkapelle besichtigen. Der Turm bietet einen
Panoramablick bis tief nach Ungarn. Sowohl Burgkapelle als auch Turm
waren am Besuchstag jedoch leider geschlossen. Natürlich ohne Reduktion
des Eintrittspreises.:-[

Wem der viele Text zu lange war und lieber Bewegtbilder mit Musik mag,
kann sich gerne dieses Video antun: