Halbturn

Féltorony hinterm Neusiedler See, Mai 2022

Halbturn ist eine Gemeinde mit knapp 2.000 Einwohnern im Burgenland im Bezirk Neusiedl am See in Österreich. Der ungarische Ortsname der Gemeinde ist Féltorony. In Halbturn sowie der Nachbargemeinde Andau wurde im Jahr 2014 der Windpark Andau/Halbturn eröffnet. Insgesamt 79 Windkraftanlagen liefern jährlich rund 545 Millionen kWh Strom. Durch Halbturn führt der von Frauenkirchen kommende Jakobsweg Burgenland. Auch der Ostösterreichische Grenzlandweg verläuft durch den Ort.

Am Kirchenplatz steht (außer dem Maibaum) die Immaculatasäule von 1747 mit St. Florian und St. Leonhard, um der Unbefleckten Empfängnis Mariäs zu gedenkten.

 Halbturn, Mai 2022

Erzbischof-Grösz-Platz. Das rechte Gebäude ist das ehemalige Kloster, in welchem sich der Kindergarten befindet. Die Dreifaltigkeitssäule rechts ist von 1713, die Mariensäule links von 1747.

 Halbturn, Mai 2022

Die römisch-katholische Pfarrkirche Halbturn steht am Kirchenplatz am Nordende des Angers. Die Pfarrkirche hl. Josef gehört zum Dekanat Frauenkirchen in der Diözese Eisenstadt und steht unter Denkmalschutz. Der südseitige (Haupt-) Eingangsbereich beherbergt in der Nische der Giebelfront die barocke Steinskulptur des Hl. Florian. Rechts davor ist der Zugang in den Schlosspark.

 Halbturn, Mai 2022

Die Weihe eines älteren Kirchenbaues wurde 1714 urkundlich genannt. Die vorreformatorische Pfarre wurde 1786 neu errichtet. Der Umbau und die Erweiterung der Kirche erfolgte nach einem Entwurf von Josef Emanuel Fischer von Erlach um 1730. Die Kirche wurde 1856 renoviert und 1976/1978 restauriert. In der Kirche ist die Urne des 1955 in Buenos Aires verstorbenen Erzherzogs Albrecht II. von Österreich-Teschen bestattet.

 Halbturn, Mai 2022

Die Anfänge der Pfarre gehen vermutlich bis ins Mittelalter zurück. Nach dem Wiederaufbau des Ortes 1673 betreuten Franziskanerpatres von Frauenkirchen aus die Pfarre Halbturn. Die Pfarrkirche, am Nordende des Dorfangers (heute: Erzherzog-Friedrich-Straße) und in unmittelbarer Nähedes Schlosses, wurde 1679 unter Kaiser Joseph I. errichtet. Sie ist dem Heiligen Josef geweiht.

Der Kreuzweg Jesu ist auf vierzehn Kupferstichen dargestellt. Entstanden sind diese gegen Ende des19. Jhds.

 Halbturn, Mai 2022

Das Langhaus mit einem breiten kurzen Querschiff und einem eingezogenen halbrunden Chor hat südlich am Chor einen Sakristeianbau und nördlich am Chor einen Oratoriumsanbau.

Die ehemaligen Seitenaltarbilder befinden sich an den Stirnseiten der beiden Querschiffarme. Das linke Bild — ein Werk aus dem zweiten Drittel des 18. Jhds. — zeigt die Heilige Elisabeth von Thüringen. Als Fürstin gekleidet wird sie von Bettlern umgeben dargestellt.

Das rechte Gemälde stellt den hl. Karl Borromäus, Namenspatron des Kirchenerbauers, dar. Das Werk wird dem Hofmaler Johann Gottfried Auerbach zugeschrieben und ist vermutlich im zweiten Drittel des 18. Jhds. entstanden. Es zeigt den hl. Karl Borromäus auf einer Wolke kniend. Seine linke Hand deutet aufeinen Pestkranken. Rechts von ihm ist ein Engel mit Kreuzstab, liturgischen Ölen und Hostie dargestellt. Auf der Landschaft im Bildhintergrund ist am linken Gemälderand deutlich die
Halbturner Pfarrkirche zu erkennen.

 Halbturn, Mai 2022

Der Ädikulaaltar aus der Mitte des 18. Jhds. wird ebenfalls Jean Nicolas Jadot de Ville-Issey zugeschrieben. Er wurde 1903 neu vergoldet. Die Figuren sind aus Holz gefertigt. In einer Rundbogennische in der Mitte steht die überlebensgroße Figur des hl. Joseph mit dem Jesuskind in seiner linken Hand.

 Halbturn, Mai 2022

Auf einer Konsole oberhalb des Taufsteins befindet sich die Darstellung des Guten Hirten von Ferdinand Winkler aus dem Jahre 1931. Drei geistliche Söhne der Gemeinde, nämlich Erzbischof Josef GRÖSZ, Pfarrer Paul LANG und Pfarrer Josef STEURER spendeten diese Figur.

Gegenüber an der Südseite des Triumphbogens befindet sich die aus dunklem Holz gefertigte Kanzel mit Golddekor. Der Entwurf geht vermutlich auf Jean Nicolas Jadot de Ville-Issey Mitte des 18. Jhds. zurück.

 Halbturn, Mai 2022

Seit 1986 wird auf einer elektronischen Orgel musiziert, da die alte Orgel 1943 stark in Mitleidenschaft gezogen war und unbespielbar wurde. Ein Teil der alten Zinkpfeifen blieb als Attrappe erhalten. Ursprünglich (1937) bestand sie aus 22 Registern und zwei Manualen.

Beim Betreten des Kircheninneren vom Erzbischof-Grösz-Platz her fällt der Blick auf den gekreuzigten Jesus. Dieser lebensgroße Corpus Christi ist ein Original aus dem letzten Viertel des 19. Jhds. Am Lendentuch findet sich die Signatur „F. Erler“.

 Halbturn, Mai 2022

Der rechte Herz-Mariae-Altar wurde in dreifärbiger Marmorierung errichtet.

 Halbturn, Mai 2022

Der Herz-Jesu-Altar auf der linken Seite wurde 1903 im Auftrag Erzherzog Friedrichs errichtet.

 Halbturn, Mai 2022

Im vorderen Teil des Langhauses zeigt das 1931 entstandene Kuppelfresko von Josef Pandur, einem Kirchenmaler aus Györ, in warmen Rot- und Ockertönen die „Vermählung Mariae“. Das Fresko wird von den vier Evangelisten Marcus, Lucas, Joannes und Matthäus, eingebettet in Rundbildern, flankiert.

 Halbturn, Mai 2022

Der Taufbrunnen mit muschelförmig gerilltem Becken an der Nordseite des Triumphbogens stammt aus der Bauzeit.

 Halbturn, Mai 2022

An der Nordseite des Chorjoches liegt das mit Eichenholz vertäfelte Herrschaftsoratorium, das sich ursprünglich auf der gegenüberliegenden Seite befand und 1903 verlegt wurde. Die Zahl VI erinnert an den Patronatsherrn Kaiser Karl VI.

 Halbturn, Mai 2022

Gemaltes Bild des Heiligen Antonius über der Sakristeitür.

 Halbturn, Mai 2022

Das Weihedekret der Pfarrkirche von Halbturn stammt aus dem Jahre 1714. Geweiht wurde die Kirche von Ladislaus Graf von Nädasdy, Bischof von Csänad und Dompropst von Györ. 1725 wurde die Kirche unter Kaiser Karl VI. großzügig nach Plänen von Josef Emanuel Fischer von Erlach (1693-1742) um- und ausgebaut. Neben der Ergänzung eines Querschiffes, eines Chorraumes, einer Apsis, der Sakristei und des Herrschaftsoratoriums kam auch die Kuppel hinzu.

Jean Nicolas Jadot de Ville-Issey gestaltete den Hochaltar und die Kanzel. Nach einer neuerlichen Renovierung 1856 unter dem Patronatsherren Erzherzog Albrecht, folgte 1903 eine weitere umfangreiche Kirchenrenovierung durch Erzherzog Friedrich.

 Halbturn, Mai 2022

Der dreigeschoßige Westturm trägt einen achtseitigen Steinpyramidenhelm. Über dem Westportal (Eingang durch den Schlosspark) wurde unter Kaiser Karl VI. ein Wappen mit dem kaiserlichen Doppeladler ergänzt.

 Halbturn, Mai 2022

Das Schloss Halbturn ist eine barocke Schlossanlage in Halbturn im burgenländischen Bezirk Neusiedl am See, östlich des Neusiedlersees. Entstehungszeit 1701–1711

 Halbturn, Mai 2022

Das Schloss wurde 1701 bis 1711 von Johann Lucas von Hildebrandt als Jagdschloss für Kaiser Karl VI. erbaut. Unter seiner Tochter Maria Theresia wurde es vom Hofbaumeister Franz Anton Hillebrandt umgebaut und wurde der Sommersitz von Albert von Sachsen-Teschen und Erzherzogin Marie Christine als Statthalter in Ungarn. Aus dieser Zeit stammen auch Fresken von Franz Anton Maulbertsch, darunter das Deckenfresko “Allegorie der Zeit und des Lichtes”, das als Hochzeitsgeschenk für Erzherzogin Marie Christine 1765 angefertigt wurde.

 Halbturn, Mai 2022

Die barocke Gestaltung des Parks geht auf die Erbauungsphase Karls VI. um 1737 zurück. Diese blieb bis in das 19. Jahrhundert weitgehend unverändert, erhalten sind davon Reste im Broderieparterre vor der Südfassade. Die heutige Konzeption ist ein Englischer Garten, um 1900 unter Erzherzog Friedrich (1856–1936) vom seinerzeitigen Gartendirektor von Schloss Schönbrunn, Anton Umlauft, maßgeblich gestaltet. Der Park gehört zu den bedeutendsten gartenarchitektonischen Denkmalen Österreichs und steht als solcher explizit unter Denkmalschutz (Nr. 3 im Anhang zu § 1 Abs. 12 DMSG).

 Halbturn, Mai 2022

1945 wurde das Schloss von sowjetrussischen Besatzungssoldaten geplündert, 1949 brannte es ab, wobei nur der Mittelteil des Hauptgebäudes gerettet werden konnte. Erst nach und nach erfolgte die Rekonstruktion.

 Halbturn, Mai 2022

Das Schloss kam 1955 als nachgelassenes Erbe von Albrecht von Österreich-Teschen, dem Bruder seiner Mutter Maria Alice, in den Besitz von Baron Paul Waldbott-Bassenheim, der es an die Landesregierung verpachtet hatte.

 Halbturn, Mai 2022

Der Betrieb inklusive Weinbau und Weinkellerei wird seit dem Tod Waldbott-Bassenheims 2008 von dessen Neffen und Adoptivsohn Markus Königsegg-Aulendorf, und dessen Gattin Philippa, geborene Waldburg-Zeil-Hohenems bewirtschaftet. Die Räume im Schloss werden auch als Ausstellungsort und für die Halbturner Schlosskonzerte genutzt. Das Schloss steht unter Denkmalschutz und wird in der Österreichischen Kulturgüterliste (laut Haager Abkommen) geführt.

 Halbturn, Mai 2022

Schloss Halbturn ist ein bedeutendster barocker Profanbau des Burgenlandes mit langgestreckter zweigeschoßiger Front mit Mittelrisalit und Eckpavillons. An das Hauptgebäude schließen nördlich um drei Höfe Wirtschaftstrakte an, die aus derselben Bauzeit stammen.

 Halbturn, Mai 2022

Alois Thomas Raimund Graf Harrach ließ um 1710 das heutige Gebäude als Jagdschloss erbauen. Er war Vizekönig von Neapel und hatte seit 1701 Halbturn (wozu auch Ungarisch-Altenburg gehörte) als Pfandbesitz inne.
Das Schloss gilt als Frühwerk des Architekten Johann Lukas von Hildebrandt. 1711 war das Schloss äußerlich fertig, doch dauerte die Innenausstattung noch einige Jahre.

 Halbturn, Mai 2022

Um 1720 löste Kaiser Karl VI. die Pfandschaft wieder ein. Er hielt sich bis zu seinem Tode gerne zur Jagd hier auf. Vermutlich gehen die Nebenbauten und Wirtschaftshöfe auf ihn zurück. Das Gartenparterre als Herzstück des großen Parks wurde in den Jahren 1724 bis 1727 angelegt. Hier war das kaiserliche Gestüt mit mehr als 350 Pferde untergebracht. 1740 erkrankte der Kaiser im Schloss vermutlich an einer Pilzvergiftung, worauf er kurz danach in Wien verstarb. In der Folge diente es seiner Gemahlin Elisabeth Christine als Witwensitz.

 Halbturn, Mai 2022

Seine Tochter Kaiserin Maria Theresia erwarb Ungarisch-Altenburg mit Halbturn und ließ es durch ihren Hofbaumeister Franz Anton Hillebrandt umbauen. 1765 schenkte sie es ihrer Tochter Maria Christine zu ihrer Hochzeit mit Herzog Albert von Sachsen-Teschen. Zu dieser Zeit wurde die Hoffront verändert und auch die Innenausstattung erneuert.Halbturn diente als Sommerresidenz. Die Ehe blieb kinderlos. Man adoptierte daher den Lieblingsneffen Erzherzog Karl, den Sohn Kaiser Leopolds II. 1847. Dessen ältester Sohn, Feldmarschall Erzherzog Albrecht, übernahm 1847 den Besitz.

 Halbturn, Mai 2022

Albrechts adoptierte den Sohn seines Bruders Karl Ferdinand. So gelangte sein beträchtliches Vermögen nach seinem Tod 1895 an Erzherzog Friedrich, dem Oberbefehlshaber der österreichischen Armee im Ersten Weltkrieg.

 Halbturn, Mai 2022

Auch er benützte Schloss Halbturn gerne als Sommersitz. Zu den von ihm veranstalteten Jagden und Festen lud er immer wieder Gäste aus der Hocharistokratie ein. 1914 waren Schloss und Park bestens gepflegt. Danach wurde es still um den Landsitz, der mit dem Burgenland erst 1921 zu Österreich kam.

 Halbturn, Mai 2022

Erzherzog Friedrichs Sohn Albrecht war der nächste Besitzer. In der Zwischenkriegszeit galt er als möglicher Thronprätendent und ungarischer König. Später kam er kaum noch nach Halbturn, da er sich nach dem durch den Zweiten Weltkrieg erfolgten Wegfall seiner ausgedehnten ungarischen Besitzungen vorwiegend in Argentinien aufhielt.

 Halbturn, Mai 2022

1955 erbte Albrechts Neffe, Paul Freiherr von Waldbott-Bassenheim, den Besitz. Der Besitz war in schlechtem Zustand, aber umfangreiche Renovierungsarbeiten gelangen und das Schloss konnte in den Jahren 1961 (Dach) und 1972-74 in vereinfachter Form wiederaufgebaut werden. 2000 adoptierte Baron Paul Waldbott-Bassenheim seinen Neffen Markus Graf zu Königsegg-Aulendorf, der mittlerweile das Halbturner Weingut führt. Bewohnt wird ein großzügig angelegtes Nebengebäude. Im westlichen Nebentrakt ist heute ein Restaurant untergebracht.

 Halbturn, Mai 2022

Blick in die Kaiserallee

 Halbturn, Mai 2022

Blick in die Christinenalle, die zur Johanneskapelle (1,6 km) führt.

 Halbturn, Mai 2022

Johanneskapelle ist die Johannes-Nepomuk-Kapelle von 1809
Davor ist das Grab von Paul Reichsfreiherr Waldbott von Bassenheim (geb. 9.II.1924 in Magyaróvár, gest. 20.II.2008 in Halbturn).

 Halbturn, Mai 2022

In der Johannes-Nepomuk-Kapelle sind die Statuen der heiligen Rosalia, Rochus und Johannes Nepomuk. Davor die Grabplatte für Albrecht II. Erzherzog von Österreich-Teschen (* 24. Juli 1897 auf Schloss Weilburg in Baden bei Wien; † 23. Juli 1955 in Buenos Aires).

An der rechte Außenseite der Kapelle ist die Grabstelle von Hans-Georg Reichs-Frh. Waldbott v. Bassenheim (geb. 9.II.1923 in Tolcsva, Ungarn, gest. 22.XI.1992 in München).

 Halbturn, Mai 2022 Halbturn, Mai 2022

Bildstock mit einer Statue Johannes Nepomuks aus dem Ende des 18. Jahrhunderts neben der Johannes-Nepomuk-Kapelle.

 Halbturn, Mai 2022

Am Ende dieser nicht sehr umfangreichen Stationen an Sehenswürdigkeiten von Halbturn bin ich wieder beim Anfangspunkt angelangt - beim Kriegerdenkmal, das den Opfern beider Weltkriege gewidmet ist.

 Halbturn, Mai 2022




Wem der viele Text zu lange war und lieber Bewegtbilder mit Musik mag, kann sich gerne dieses Video antun: