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Jedenspeigen ist eine österreichische Marktgemeinde
im Bezirk Gänserndorf im Weinviertel in Niederösterreich. Die Schlacht
bei Dürnkrut und Jedenspeigen am 26. August 1278 zwischen dem
Böhmenkönig Přemysl Ottokar II. und dem Habsburger Rudolf I. endete mit
dem Sieg des Habsburgers, Ottokar II. wurde dabei erschlagen.

Katholische Pfarrkirche Jedenspeigen hl. Martin: Die Kirche im Kern aus
dem Mittelalter wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jhdts. durch die
Architekten Franz Sitte (Vater von Camillo Sitte) und Friedrich von
Schmidt, Architekt des Wiener Rathauses, neugotisch erweitert. Im
Inneren bedeutende Epitaphe der Familie Kollonitsch aus der Zeit um
1600.

Das Kircheninnere zeigt ein im Ende des 17. Jahrhunderts barockisiertes
Langhaus unter einem Tonnengewölbe mit Stichkappen zwischen breiten
Gurten auf Wandpfeilern mit einem umlaufenden verkröpften Gesims. Der
gedrungene Triumphbogen ist profiliert und zeigt das Pestkreuz aus
1680. Die dreiteilige kreuzgratunterwölbte Orgelempore steht auf
toskanischen Säulen. Der leicht erhöhte zweijochige Chor hat einen
Fünfachtelschluss.

Die überwiegend einheitliche neugotische Einrichtung entstand im
vierten Viertel des 19. Jahrhunderts. Den Hochaltar schuf C. Leimer
1880 als neugotischer Flügelaltar auf einer Marmormensa mit einem
zentralen Schrein, er trägt Figuren, mittig Christus flankiert von
Maria und Josef. Im Chor Epitaphien der Familie Kollonitsch als
Patronatsherren der Pfarre von 1583 bis 1874.
Am 9. September 1702 wurde die Kirche von Kardinal Leopold Karl Graf
von Kollonitsch (1631-1705) unter Pfarrer Reboll mit drei barocken
Altären geweiht: der Hochaltar dem Hl. Martin, der rechte Seitenaltar
dem Hl. Urban, der linke Seitenaltar dem Hl. Antonius.

Das Langhaus aus dem 12. Jahrhundert erhielt um 1360 einen Chor. 1697
wurde die Kirche barockisiert und 1702 durch Kardinal Leopold Karl von
Kollonitsch geweiht. 1858 erfolgte der Anbau des nördlichen
Seitenschiffes sowie der Anbau der Marienkapelle nach den Plänen des
Baumeisters und Architekten Franz Sitte. Eine weitere Umgestaltung des
Kirchenäußeren und der Einrichtung erfolgte von 1880 bis 1886 nach den
Plänen des Architekten Friedrich von Schmidt. 1945 entstanden schwere
Kriegsschäden. Die neugotische Orgel baute Franz Josef Swoboda 1899.
Im Herbst 1997 wurde eine neue Orgel von der Firma Doubek aus
Iglau/Mähren fertig gestellt: zweimanualig mit 11 Register und 850
Pfeifen. Die Finanzierung erfolgte durch einen großzügigen Gönner aus
der Pfarre. Das alte Orgelgehäuse ist denkmalgeschützt und mußte
erhalten bleiben. Die Restaurierung erfolgte durch die Firma
Rettenbacher aus Payerbach.

Renaissance-Grabmal im Presbyterium
rechts - Joh. Bartholomäus von Kollonitsch, gest, am 3. Juni 1602,
begraben am 24. Juli 1602. Sohn des Grafen Georg Seyfried u. Helena von
Kollonitsch; er starb laut Inschrift im Grabmal "durch einen sich
selbst beigebrachten Schuß".
Grabmal im Presbyterium vorne rechts - † Seyfried Freiherr von Kollonitsch, 20. Juli 1594, 44 Jahre alt.
Die Herrschaft Jedenspeigen, mit der das Patronat über die Pfarrkirche
verbunden ist, war von 1583 bis 1874 im Besitz der gräflichen Familie
Kollonitsch. Unter dem Presbyterium befindet sich die Familiengruft.
Bedeutende, aussagekräftige Grabdenkmäler dieser Familie zieren das
Innere der Kirche.
Renaissance-Grabmal im Presbyterium
vorne links - Gräfin Helena von Kollonitsch (gest. 1589) mit ihren vier
ungetauften Kindern (zu ihren Füßen), mit ihrem Mann Georg Seyfried
(gest. 1599) und den sechs überlebenden Söhnen. Renaissance-Relief aus
weißem Marmor (Auferstehung Christi) und vier Inschrift-Tafeln.
Darüber: Anna-Selbdritt (Hl. Anna, Hl. Maria und Jesuskind).

Das Geschlecht der Kolonitsch
ist erstmals im Königreich Kroatien nachweisbar. Im 13. Jahrhundert
stand es mit dem Gut Kollograd, seinem Stammsitz, in Verbindung. Heute
ist es eine Burgruine. Als nachweisbarer Ahnherr gilt Nikolaus von
Kollonitsch. Stetes Vordringen der Türken vertrieb die Kollonitsch aus
dem Königreich Kroatien nach Ungarn, später in die Steiermark und
anfangs des 16. Jhdt. ließen sie sich auch in Nieder-Österreich nieder.
In Anerkennung der vielfachen Verdienste, welche sich die Familie im
Laufe der Jahrhunderte erworben hatte, (Staats- und Hofdienste,
Tapferkeit im kaiserlichen Heer) wurden einzelne Mitglieder des
Rittergeschlechts durch Kaiser Rudolf II. am 27.Sept. 1583 in den
Freiherrenstand erhoben, darunter auch die Brüder Gabriel, Hans
Bartholomäus und Georg Seyfried. Georg Seyfried von Kollonitsch
(1536-1599) war seit 1572 mit der Verwaltung der Burghauptmannschaft
Forchtenstein und Eisenstadt betraut und erwarb im selben Jahr Schloss
und Herrschaft von Jedenspeigen, womit auch das Patronat verbunden war.
Er ließ das Schloss im Renaissancestil erneuern. Sein Wappen u. das
seiner Gattin Helena Fuchs Freiin von Fuchsenberg und Gauffenberg
befinden sich noch heute über der Toreinfahrt des Schlosses.
Von den elf Söhnen des Ehepaares starben fünf im Kindesalter. Bei der
Geburt eines weiteren Kindes starb Gattin Helena und wurde als erste im
Jahre 1589 in der Familiengruft unter dem Presbyterium bestattet. Ihr
Sohn Hans Bartholomäus (gest. 1594), ihr Ehemann Georg Seyfried (gest.
1599) sowie weitere Mitglieder der gräflichen Familie wurden in der
Gruft bestattet. 1787 wurden die Metallsärge verkauft, die Gebeine
wahrscheinlich in der Familiengruft der Kirche von Groß-Schützen (Velké
Leváre) in der Slowakei überführt. 14 Sargtafeln (übergoldete
Kupferplatten) befinden sich nun an der Wand im Marienschiff. Weitere
Grabtafeln der Familie Kollonitsch sind ebenfalls an der Wand im
Marienschiff, einige in der Taufkapelle. 1885 ließ Pfarrer Roth die
leere Gruft schließen.
Bei der Innenrenovierung 1983 wurde der Einstieg in die Gruft für immer
geschlossen. Nach dem Tode des 16-jährigen Adam (gest. 1723), der mit
seiner Mutter, Maria Elisabeth von Kollonitsch, als letzte in der heute
geschlossenen Familiengruft der Kirche beigesetzt wurde, gab es keinen
direkten männlichen Nachfolger.
Laut Auskunft des erzbischöflichen Diözesan-Archives fiel nach dem Tod
von Johann Heinrich von Kollonitsch (1721) die Herrschaft an Kardinal
Sigismund Ernst Graf von Kollonitsch. Dieser adoptierte seinen Vetter
Ladislaus Freiherr von Zay und bestimmte ihn zum Universalerben. Von
Kaiser Karl VI. wurde er 1728 in den Grafenstand erhoben und heiratete
Maria Elenore von Kollonitsch. 1746 wird testamentarisch festgelegt,
dass das Erbe nicht geteilt werden darf und bei Aussterben der
männlichen Nachkommenschaft an das Erzbistum von Wien fällt. Mit dem
Tod von Max Graf Kollonitsch trat am 17. Juni 1874 dieser Fall ein. Bis
1984 war die Pfarre Jedenspeigen noch eine Patronatspfarre, ab 1.1.1985
ist das herrschaftliche Gut ausschließlicher Besitz des Erzbistum von
Wien.

Altar im Seitenschiff - Neugotischer Marienaltar nach Zeichnungen des Dombaumeisters Schmidt (1883).
Die Mensa des Altares ist aus Carrara-Marmor, die tragenden Säulen aus
ägyptischem Marmor (aus einem einzigen Block gedreht). Die Säulen sind
ein Geschenk des ägyptischen Vizekönigs an Kaiser Franz Joseph und
waren für die Votivkirche in Wien bestimmt.

Hl. Antonius war zunächst
Augustiner-Chorherr. Er wurde Priester und Franziskaner, um in Afrika
den Glauben zu verkünden. Schwer erkrankt, mußte er zurück und war nach
seiner Genesung ein beliebter Prediger in Südfrankreich und Italien.
Franz von Assisi bestimmte ihn zum Lehrer der Theologie für die
Minderbrüder. Gestorben am 13. Juni 1231 in Padua. Das Grab ist in der
nach ihm benannten Basilika. Antonius von Padua wird als Helfer in
vielen Nöten weiterhin verehrt.
Altar im Hauptschiff rechts -
Barockbild mit dem Hl. Papst Urban, Patron der Weinbauern; weiters der
Hl. Florian, Schutzpatron gegen Feuersgefahr und der Hl. Wendelin,
Schutzherr für Feld und Vieh.

Die Pfarrkirche Jedenspeigen steht erhöht im Westen des Ortes in der
Marktgemeinde Jedenspeigen im Bezirk Gänserndorf in Niederösterreich.
Die dem Patrozinium hl. Martin von Tours unterstellte
römisch-katholische Pfarrkirche gehört zum Dekanat Zistersdorf im
Vikariat Unter dem Manhartsberg der Erzdiözese Wien.

Im Schloss Jedenspeigen befinden sich die Ausstellungen „Schlacht &
Schicksal Jedenspeigen 1278 – Brennpunkt Mitteleuropas“,
„Kellerlandschaften Mitteleuropas“ und die Sonderausstellung
„Weinglaskultur im Wandel der Zeit“ mit der weltgrößten
Weingläsersammlung.
Der Schlußstein am gotischen Steintor trägt die Jahreszahl 1192. Das
Schloß, im 15. Jahrhundert zerstört, wurde um 1600 von den Grafen
Kollonitsch wieder aufgebaut. Zur Herrschaft Jedenspeigen gehörte auch
Sierndorf, Haindorf, Burg Schleinitz und Großschützen, jetzt Velke
Levare. Das Schloß beherbergt eine Dokumentation über die Schlacht von
1278, bei der Rudolf von Habsburg den Böhmenkönig Ottokar besiegte. Vor
dem Schloß schlafen Waldohreulen in den alten Thujen, am Schloßturm
nisten Turmfalken und Dohlen.
Jedenspeigen als Epizentrum ritterlicher Kämpfe
Nach der Schlacht zwischen Rudolf von Habsburg und Ottokar II. Przemysl
im Jahr 1278 wird die Burg Jedenspeigen unweit des Schlachtfeldes für
200 Jahre Stammsitz des Rittergeschlechts der „Idunspeuger". Im
Spätmittelalter ist die Blütezeit des Rittertums schon vorüber: Mit den
neuen Feuerwaffen werden Schlachten nicht mehr nur im Nahkampf, sondern
auch aus großer Entfernung geführt. Geld als Zahlungsmittel löst
zunehmend Feudalverhältnisse auf, die Preise für landwirtschaftliche
Waren fallen, die Löhne für die Lohnarbeiter steigen, im Militär sind
anstatt der Ritter zunehmend bezahlte Söldner gefragt. Auch König
Albrecht bedient sich ihrer.
Die Situation eskaliert, als die Vormundschaft für seinen kurz nach
seinem Tod geborenen Sohn Ladislaus Postumus seinem Onkel, den späteren
Kaiser Friedrich III., übertragen wird. Der Sold für die Kriegsdienste
für König Albrecht ist noch immer nicht beglichen. Mährische und
böhmische Gläubiger beginnen, sich durch Plünderungen schadlos zu
halten. So 1440 auch die drei Idunspeuger Brüder Kaspar, Jörg und
Balthasar. Zusammen mit dem Söldnerführer Pankraz von Holitsch aus
Mähren verwüsten sie das umliegende Land. Die kaiserlichen Truppen mit
113 berittenen Söldnern und 452 Fußsoldaten nehmen 1441 die Burg
Jedenspeigen ein. Kaspar kann entkommen, die Herrschaft wird enteignet.
Ab dem 16. Jahrhundert wird aus der Burg das Schloss in seiner heutigen
Form.

Das Schloss ist das Zentrum für Geschichte, Kultur und Wein
Seit 1978 beherbergt das Schloss die Dokumentation über die größte
Ritterschlacht auf europäischem Festland im Jahre 1278 am Marchfeld
zwischen Jedenspeigen und Dürnkrut. Die 2019 neu gestaltete Ausstellung
„Schlacht & Schicksal Jedenspeigen 1278 - Brennpunkt Mitteleuropas"
zeigt in beeindruckender Form, mit Multimediaelementen untermalt,
Vorgeschichte, Schlacht und Auswirkungen in den Jahrzehnten danach.
Wenzel bittet Rudolf von Habsburg um die Leiche seines Vaters Przemysl Ottokar
Anton Petter, 1826
Belvedere, Wien 2007 Leihgabe des Vereins der Freunde der Österreichischen Galerie, Reproduktion

Die Árpáden -die Gründer Ungarns
Nach einer jahrhundertelang dauernden Wanderung durch die
zentralasiatische Steppe kamen die Ungarn um 850 im Gebiet der heutigen
Ukraine an. Von da starteten die verschiedenen Stämme die ersten
Raubzüge nach Mitteleuropa und erkundeten dabei die fruchtbaren Gebiete
des Karpatenbeckens. Dies wurde zum Auslöser der sogenannten
„ungarischen Landnahme". Unter der Führung von Fürst Árpád drangen -
nach der Überlieferung im Jahr 896 - die ungarischen Stämme ins
Karpatenbecken ein. Dieses war natürlich nicht unbewohnt, doch
verdrängten die Neuankömmlinge die awarischen, mährischen und
bulgarischen Siedler relativ rasch. Noch waren die Ungarn Viehzucht
betreibende Nomaden, die zusätzlich Überfälle und Sklavenhandel
betrieben. In den nächsten Jahrzehnten führten sie immer wieder
Raubzüge vor allem in den Westen durch und erreichten dabei sogar
Frankreich und Spanien. In der Zeit der Ungarnstürme ertönte in den
Kirchen oft das Gebet „Von den Pfeilen der Ungarn rette uns, O Herr!".
Der Wendepunkt kam 955 nach der Niederlage auf dem Lechfeld gegen
Kaiser Otto I.
Árpáds Urenkel, Fürst Géza, verstand die veränderte Situation und
normalisierte Ungarns Beziehungen zum Heiligen Römischen Reich, bat
sogar den Kaiser um christliche Missionare. Sein Sohn, Stephan I.,
festigte die Macht der Árpáden und besiegte die rivalisierenden
Stammeshäuptlinge. Dank seiner Heirat mit Gisela von Bayern gewann die
Christianisierung des Landes an Dynamik, eine kirchliche und weltliche
Verwaltung wurde aufgebaut. Der später heilig gesprochene Stephan wurde
als erster ungarischer Herrscher um die Jahrtausendwende zum König
gekrönt. Der Königstitel blieb von da an bis zum Aussterben der
männlichen Linie 1301 in der Familie der Árpáden.
Nach Stephans Tod begann eine stürmische, von Thronstreitigkeiten
belastete Epoche. Erst unter der Regierung des später heilig
gesprochenen Königs Ladislaus I. kam das Land um 1100 wieder zur Ruhe.
In dieser Zeit begann die Expansion des Königreichs Ungarn nach Süden:
das Königreich Kroatien, das Gebiet Dalmatiens und später einige Teile
Bosniens wurden erobert. Die Árpádenzeit erreichte ihre Blüte Ende des
12. Jahrhunderts unter König Béla III. Sein Sohn, Andreas II., führte
einen Kreuzzug ins Heilige Land und versuchte, das russische Fürstentum
Halitsch zu erobern. 1222 erließ er die Goldene Bulle, in der
Privilegien, Rechte und Pflichten des Adels geregelt waren. Sie wurde
Grundlage der „adeligen Verfassung Ungarns", die bis 1848 Bestand hatte.
* * *
Rudolph I. von Habsburg
Augustin Gustav Lasinsky, um 1840, Historisches Museum Frankfurt

Mongolensturm (1241-1242)
Als 1227 Dschingis Khan starb, waren die Mongolen zur führenden Macht
in Asien aufgestiegen. Missionare aus dem Dominikanerorden hatten vor
der expansiven Macht der „Tataren" Warnungen nach Rom geschickt, doch
Europa nahm die Gefahr erst mit dem Fall von Kiew 1240 ernst. Für
Vorbereitungen war es zu spät, als die Mongolen, aufgeteilt in drei
Heeresgruppen, in Mitteleuropa einfielen. Eine Armee griff Polen an und
eroberte Krakau, ein kleineres Kontingent zog nach Siebenbürgen, doch
das Hauptheer unter der Führung von Batu Khan, eines Enkels Dschingis
Khans, nahm das Königreich Ungarn ins Visier. König Béla IV. bat den
Papst und alle Herrscher Europas um Hilfe, doch seinem Ruf folgte nur
der Herzog von Österreich, Friedrich II. - Die beiden waren nicht nur
Cousins zweiten Grades, sondern auch kurze Zeit verschwägert gewesen.
Der Babenberger besiegte eine kleine Einheit des mongolischen Heeres,
doch danach kehrte er in seine Länder zurück. Die vom Westen
alleingelassenen ungarischen Truppen erlitten am 11. April 1241 eine
vernichtende Niederlage in der Schlacht bei Muhi im Osten des Landes.
König Béla konnte sich in letzter Minute retten und floh an die
westliche Grenze seines Reiches.
Sein Verwandter Friedrich II. bot ihm an, sich ins sichere Österreich
zu retten, doch kaum dort angekommen, wurde Béla vom österreichischen
Herzog gefangen genommen. Um seine Freiheit wiederzuerlangen, musste er
drei ungarische Grenzkomitate - ungefähr das Gebiet des heutigen
Burgenlandes - an Herzog Friedrich verpfänden. Danach floh König Béla
mit seiner Familie nach Dalmatien. Sein Königreich Ungarn wurde von den
Mongolen besetzt und verwüstet. Der weitere Vorstoß nach Westen war
bereits geplant, mongolische Späher waren bis nach Klosterneuburg
vorgedrungen. Doch im März 1242 verließen die Mongolen plötzlich das
Land. Ihr Anführer Batu Kahn hatte vom Tod des Großkhans Ugedai
erfahren und kehrte in der Mongolei zurück, um an der Wahl des
Nachfolgers teilzunehmen. Im Mai 1242 kehrte Béla IV. in ein
verwüstetes Land zurück. Weite Landstriche waren entvölkert, zu den
Zerstörungen kam eine schreckliche Hungersnot. Es ist Bélas Geschick zu
verdanken, dass sich das Land rasch erholte, man nannte ihn den
„zweiten Gründer Ungarns".
* * *
Ottokar II. von Böhmen
Adolf Liebscher, 1900, Galerie der Hauptstadt Prag, Reproduktion

Das Heilige Römische Reich - Römische Kaiser
Am 25. Dezember des Jahres 800 wurde der Frankenkönig Karl, genannt der
Große, von Papst Leo III. in der Peterskirche in Rom zum Kaiser der
Römer gekrönt. Nach über drei Jahrhunderten gab es im Westen wieder
einen Kaiser, der sich zum einen als Nachfolger der antiken Cäsaren
betrachtete, zum anderen den Anspruch vertrat, als Stellvertreter
Gottes der weltliche Herr der gesamten Christenheit zu sein. Den
Kaisertitel errang der fränkische König in der Folgezeit nicht
automatisch, es bedurfte der Krönung durch den Papst in Rom. Nach dem
Tod Ludwigs des Frommen, Karls Sohn, wurde das Frankenreich unter
seinen Söhnen aufgeteilt. Nach der Reichsteilung von Verdun 843 blieb
der Kaisertitel dem König von Italien vorbehalten, mit der
Kaiserkrönung Ottos des Großen 962 ging dieser Anspruch auf die
deutschen Könige über.
In den ersten zwei Jahrhunderten des erneuerten Kaisertums galt der
Kaiser als Schutzherr der Kirche und konnte sogar auf die Papstwahl
Einfluss nehmen. Doch im Hochmittelalter stellte das Papsttum den
kaiserlichen Vorrang in Frage und beanspruchte diesen selbst. Die
Auseinandersetzung gipfelte im Investiturstreit, der mit dem
Kirchenbann Heinrichs IV. und dessen „Gang nach Canossa", einer Burg,
in der Papst Gregor VII. damals residierte, begann und mit kleineren
Unterbrechungen bis ins 13. Jahrhundert dauerte. Seit Jahrhunderten war
es nur deutsche Könige gewesen, die sich in Rom zum Kaiser krönen
ließen. Sie waren es, die - um das Gleichgewicht mit der erstarkten
Kirche wiederherzustellen - nach der Heiligsprechung Karls des Großen
(1165) das Reich selbst als „heilig" zu bezeichnen begannen. Der
Kaisertitel war allerdings keine Garantie für eine politisch
erfolgreiche Herrschaft. Die Krönung verlieh eher eine symbolische
Macht, deren kluger Einsatz vom jeweiligen Kaiser abhing.
* * *
Sieg Rudolfs von Habsburg über Ottokar von Böhmen auf dem Marchfeld im Jahre 1278
Julius Schnorr von Carolsfeld, 1838, Museum Georg Schäfer, Schweinfurt, Reproduktion

Die Babenberger - das Ende einer Dynastie
Die Blütezeit der Babenberger wird mit der Regierung Leopolds VI.
gleichgesetzt. Während seiner Regierung wurden die Herzogtümer
Österreich und Steiermark vereint. Sein Hof in Wien war ein kulturelles
Zentrum an dem auch der Minnesänger Walther von der Vogelweide wirkte.
Leopolds Nachfolger wurde 1230 sein Sohn Friedrich, der den gut
zutreffenden Beinamen „der Streitbare" erhielt. Seine Regierung
zeichnete sich durch ständige militärische Auseinandersetzungen mit den
Nachbarländern aus, vor allem mit dem Königreich Ungarn, dem Herzogtum
Bayern und dem Königreich Böhmen, aber er schaffte es auch, die Wut des
Kaisers auf sich zu ziehen, was ein auf kaiserlichen Befehl geführter
Feldzug der Reichsfürsten gegen den Herzog deutlich machte.
Friedrich starb am 15. Juni 1246 in der Schlacht gegen die Ungarn an
der Leitha. Da er keine Nachkommen hatte, starb mit ihm an diesem Tag
die Dynastie der Babenberger in männlicher Linie aus. Die einzigen
lebenden Familienmitglieder waren zwei Frauen: Margarete, die ältere
Schwester Friedrichs des Streitbaren, und seine Nichte Gertrud. Es
begann ein Wettlauf zwischen den Nachbarländern um die verwaisten
Herzogtümer und um eine Heirat mit den Babenbergerinnen.
* * *
Der Tod Friedrich des Streitbaren 1246
1241 erpresste Friedrich der Streitbare den vom Mongolensturm bedrohten
ungarischen König Bela IV., der sein Schwager und vielfach Verwandter
war. Die Schlacht an der Leitha, in der Friedrich der Streitbare den
Tod fand, war auch eine Revanche Belas für das Verhalten fünf Jahre
zuvor.
Grabplatte Friedrich II. des Streitbaren von Babenberg im Stift Heiligenkreuz
Abguss Mitte des 20. Jahrhunderts, Stadtmuseum Wiener Neustadt

Die Bevölkerung Europas um 1250
Die genaue Bevölkerungszahl Europas kann auf Grund ungenauer Quellen
nicht exakt bestimmt, sondern nur geschätzt werden. Volkszählungen,
Matrikeln oder ähnliche Aufzeichnungen gab es noch nicht.
In Europa gab es vom 10. Jahrhundert bis zur großen Pest im 14.
Jahrhundert ein kontinuierliches Bevölkerungswachstum, dessen Grundlage
die sich rasch entwickelnde Landwirtschaft war. Dank der verbesserten
Produktionsmethoden und der daraus resultierenden besseren Versorgung
mit Nahrungsmitteln sank die Kindersterblichkeit und stieg die
Lebenserwartung. Im 13. Jahrhundert kann man daher von 70 bis 80
Millionen Menschen in Europa ausgehen, deren geografische Verteilung
jedoch große Unterschiede aufwies. Die Bevölkerungsdichte war im Westen
und Süden Europas mit mehr als 20 Personen pro Quadratkilometer die
größte, während in Mittel- und Osteuropa diese Zahl unter 10 lag.
Besonders beliebte Siedlungsplätze lagen entlang von Flüssen, wo auch
die ersten Städte entstanden.
Im 13. Jahrhundert wuchsen die bestehenden Städte weiter und neue
wurden gegründet. Die größten Städte des Kontinents waren die
italienischen Hafenstädte Venedig und Genua mit je zirka 100.000
Einwohnern. Im deutschen Sprachraum war Köln mit 40.000 Einwohnern die
größte Siedlung, die meisten Städte beherbergten aber nur 2.000 bis
3.000 Menschen. Der rasche Bevölkerungszuwachs führte in manchen
Gebieten zu einer Überbevölkerung, die im 12. und 13. Jahrhundert die
Kolonisierung der östlichen, rar besiedelten Gebiete des Reiches
begünstigte.
* * *
Der heilige Leopold vor einer Donauansicht und dem Leopoldsberg im Hintergrund
Wilhelm August Rieder, 1849, Dorotheum, Reproduktion

Von Ostarrichi zu Österreich
996 wird erstmals der Name Ostarrichi in einer Urkunde verwendet.
Gemeint war ein Gebiet in der Marcha Orientalis, einer unter Karl dem
Großen geschaffenen Verwaltungseinheit des bairischen
Stammesherzogtums. Der Einfall der Ungarn um 900 vernichtete diese
Mark, erst nach der Schlacht auf dem Lechfeld 955 wurde das Gebiet nach
und nach zurückgewonnen. 976 wird Leopold (Luitpold) I. aus dem
Geschlecht der Babenberger als Markgraf genannt. Seine Nachkommen
erweitern ihr Herrschaftsgebiet und verschieben die Grenze zu Ungarn
Mitte des 11. Jahrhunderts an die Flüsse March und Leitha.
Markgraf Leopold III. zählt bereits zu den mächtigsten Fürsten im
Reich. Seine Heirat mit Agnes, Tochter Kaiser Heinrichs IV. aus dem
Geschlecht der Salier und Witwe des schwäbischen Herzogs Friedrichs I.
von Hohenstaufen, verbindet die Babenberger mit der Spitze des Reiches.
1156 teilt Kaiser Friedrich Barbarossa Baiern in zwei neue Herzogtümer.
Im Privilegium Minus erhält sein babenbergischer Verwandter Heinrich
II. Jasomirgott das neu geschaffene Herzogtum Österreich, der andere
Teil besteht als Herzogtum Baiern weiter.
* * *
Fresko „Marienkrönung" mit dem Kremser Bürger Gozzo als Stifterfigur
Kopie des Originals aus dem 13. Jahrhundert in der Dominikanerkirche in Krems, um 1970, Budesdenkmalamt

Ottokar II. Přemysl und das Erbe der Babenberger
Das genau Geburtsdatum Ottokars II. Přemysl ist nicht bekannt,
vermutlich kam er Anfang des Jahres 1233 auf die Welt. Sein Vater war
der böhmische König Wenzel I., seine Mutter war die ungarische
Königstochter Konstanze. Über die Kindheit Ottokars ist nichts bekannt,
er dürfte aber eine ähnliche Ausbildung wie andere Fürstensöhne des 13.
Jahrhunderts erhalten haben. Reiten und der Umgang mit Waffen gehörten
dazu, wie auch die Unterweisung in höfischen Umgangsformen. Neben
Geschichte erlernte Ottokar vermutlich auch Grundkenntnisse in den
Fremdsprachen Deutsch und Latein. Ottokar war der Zweitgeborene und
hatte einen älteren Bruder, Vladislav. Dieser hatte 1246 Gertrud von
Babenberg geheiratet, die Nichte Friedrichs des Streitbaren, doch er
verstarb wenige Monate nach der Hochzeit. Nach dem Tod seines älteren
Bruders stieg Ottokar zum Thronfolger auf und wurde von seinem Vater
1247 zum Markgrafen von Mähren erhoben. Gertrud heiratete 1248 erneut,
den Markgrafen Hermann von Baden, dem sie 1249 den Sohn Friedrich
gebar, der zwar den Herzogstitel von Österreich und Steiermark führte,
aber aufgrund seiner Jugend nie reale Macht in diesen Ländern ausübte.
Auf der Suche nach einem neuen Herrscher wandten sich österreichische
Adelige im Jahr 1251 an Ottokars Vater, König Wenzel I. von Böhmen.
Ottokar kam daraufhin mit Heeresmacht nach Österreich, wo er als neuer
Herzog anerkannt wurde. Um seine Stellung zu legitimieren, heiratete er
1252 in Hainburg die wesentlich ältere Margarete. Gertrud von Babenberg
verbündete sich nun mit dem ungarischen König Bela IV. um die Rechte
ihres Sohnes durchzusetzen, doch Ottokar, seit 1253 auch König von
Böhmen, arrangierte sich mit Bela und trat diesem die Steiermark ab.
Doch dieser Friede war brüchig, 1260 besiegte Ottokar die Ungarn in der
Schlacht bei Groissenbrunn - einer weiteren Marchfeldschlacht - und
erhielt auch die Steiermark zurück. 1269 fielen auch Kärnten und Krain
an ihn. Am Höhepunkt seiner Macht war Ottokar Herr über Böhmen, Mähren,
Österreich, Steiermark, Kärnten, Friaul, die Krain und die Windische
Mark.
Rudolf - Image und Legende
Utrum lubet - Wie es beliebt - war der Wahlspruch Rudolf von Habsburgs.
Diese Orientierung am Möglichen passt zu Rudolf, der sich - untypisch
für einen Adeligen, gar König seiner Zeit - am wohlsten unter den
Bürgern der aufstrebenden Städte fühlte. Zur gleichen Zeit waren zwei
neue Orden entstanden, Franziskaner und Dominikaner, die sich sowohl in
den städtischen Zentren entfalteten als auch als Bettelmönche über Land
zogen. Sie verbreiteten das Image von Rudolf als frommen, bescheidenen
aber auch gewitzten Herrscher. Unzählige Geschichten haben sich
erhalten, von Rudolf, der selbst ein Wams flickte oder in Burgund Rüben
aus einem Feld zog und diese dann verspeiste. Der Habsburger hatte eine
große Nase, und ein Mann hatte behauptet, dass er wegen der langen
Königsnase nicht an ihm vorbeikommen könne. Rudolf habe darauf mit
einem Lachen seine Nase zur Seite geschoben.
Am berühmtesten wurde die Geschichte von Rudolf mit dem Priester. Ein
Priester, der zu einem Sterbenden wollte, konnte einen Hochwasser
führenden Fluss nicht überqueren. Der zufällig vorbeikommende Rudolf
überließ ihm sein Pferd und als der Priester dieses später zurückgeben
wollte, schenkte es ihm der Habsburger, weil dieses seinen Erlöser
getragen hätte und er es nicht zurücknehmen könne. Der Priester
weissagte ihm darauf den künftigen Glanz seiner Dynastie. Friedrich von
Schiller widmete dieser Legende die Ballade „Der Graf von Habsburg".

Interregnum
Das Reich der Staufer, das mit der Regierung Kaiser Friedrichs II.
seine letzte Blütezeit erlebte, geriet wegen dem sich erneuernden
Konflikt mit der Kirche ins Wanken. Papst Innozenz IV. exkommunizierte
1245 den Kaiser im Zuge der Synode von Lyon, mit dem die ihm gegenüber
geleisteten Lehenseide auch für nichtig erklärt wurden. Manche Fürsten
machten von dieser Gelegenheit Gebrauch und wählten den Grafen Wilhelm
von Holland zum Gegenkönig. Nach dem Tod Friedrichs II. 1250 und dem
seines Sohnes Konrads IV. 1254 endete das Stauferreich. Dies war der
Beginn des so genannten Interregnums, eine Zeit „zwischen Königen",
also ohne Herrscher. Tatsächlich gab es sogar mehrere Könige, von denen
sich aber keiner durchsetzte.
1258 kam es zur Doppelwahl von Alfons von Kastilien und Richard von
Cornwall - beide mit dem Staufergeschlecht verwandt. Der böhmische
König Ottokar II. gab seine Stimme für beide Kandidaten ab, um das
Reich zu schwächen und seine Wählerstimme zu sichern. Alfons hatte das
Reich wegen Geldmangels nie betreten, während sein Rivale mehrere
erfolglose Feldzüge startete. Ein Durchbruch gelang keinem von beiden.
Das Interregnum endete schließlich 1273 mit der Wahl Rudolfs von
Habsburg. Das Ansehen des Königtums erlitt aber einen unumkehrbaren
Schaden. Ohne ausreichendes Talent und Verbindungen konnte im Folgenden
keiner der gewählten Könige seine Macht effektiv durchsetzen.
* * *
Schwerter im 13. Jahrhundert
Das Schwert war die wichtigste Nahkampfwaffe, sowohl bei den
Fußsoldaten wie auch den Rittern. Im Laufe des Mittelalters wurden zwei
Varianten des zweischneidigen Schwertes entwickelt, das einhändige und
der Bihänder.
Im 13. Jahrhundert dominierte das einhändige Schwert. Je nach
Ausführung lag das Gewicht zwischen einem und 1,5 Kilogramm, die Länge
der Klinge lag unter einem Meter.
Der Bihänder war schwerer und wog mehr als 1,5 Kilo. Die Klinge war
länger und breiter, der Schwerpunkt der Waffe rückte näher zum Griff.
Dadurch waren zwei Hände notwendig, um das Schwert zu führen, daher der
Name. Die Waffe wurde nicht unbedingt dazu eingesetzt, um den Gegner zu
töten, sondern diesen bewusstlos oder kampfunfähig zu machen, um dann
Lösegeld fordern zu können. Der Bihänder endete in einer Spitze,
während ältere Schwerter meist ein abgerundetes Ende hatten.
Die Armbrust
Im 12. Jahrhundert tauchte die Armbrust zum ersten Mal auf und
entwickelte sich bis zum Ende des 13. Jahrhunderts zur gefürchtetsten
Waffe des Mittelalters. Auf einem Holzstamm war ein Bogen befestigt. Um
die Sehne zu spannen, war ein eigenes Spanngerät notwendig, da die
menschliche Kraft dafür nicht mehr ausreichte. Die Durchschlagskraft
eines mit der Armbrust abgefeuerten, rhombenförmigen Pfeils war so
enorm, dass sogar ein Rüstungspanzer durchbrochen werden konnte. Die
Betätigung der Armbrust konnte schnell erlernt werden, auch Bauern und
Bürger wurden damit bewaffnet. Sie ermöglichte einen genauen Schuss aus
bis zu 300 Meter Entfernung und konnte sogar aus dem Hinterhalt
verwendet werden. Ein Treffer - vor allem, wenn er den Oberkörper
erwischte - war in den meisten Fällen tödlich. Der einzige Nachteil war
das schwierige Nachladen, mit der Armbrust konnten nur bis zu 3 Pfeile
pro Minute abgefeuert werden, bei herkömmlichen Bögen lag die Zahl bei
über 10.
Wegen ihrer großen Durchschlagskraft und der unritterlichen Kampfart,
die sie ermöglichte, gab es viele Beschwerden von Seiten des Adels
gegen sie. 1139 verbot des zweite Laterankonzil den Einsatz der
Armbrust gegen Christen. 1234 erneuerte Papst Gregor X. das Verbot,
doch in beiden Fällen hatte dieses wenig Wirkung. In der Schlacht 1278
waren die Fußsoldaten Ottokars mit Armbrüsten ausgestattet und
verursachten vor allem untern den Ungarn große Verluste.

Die Bautätigkeit unter Ottokar
Neben der planmäßigen Anlage ganzer Städte unter König Ottokar finden
sich Spuren der Bautätigkeit unter seiner Herrschaft bis heute an
vielen prominenten Stellen in Österreich. So etwa an Festungsbauten:
Die erste Ausbauphase des ältesten Teiles der Wiener Hofburg erfolgte
unter Ottokar. In anderen Orten gab es Umbauten an den Wehranlagen,
etwa am Wiener Tor in Hainburg; in Stein und Krems wurde die
Stadtbefestigung erneuert.
Auch in der Sakralarchitektur hinterließ die Zeit König Ottokars
Spuren. Teilweise wurden Kirchen unter ihm ausgebaut bzw. renoviert,
andere neu errichtet. Darunter fallen der Ausbau von St. Stephan in
Wien, der Klosterkirchen von Heiligenkreuz und Lilienfeld, von Kirchen
in Wiener Neustadt (Liebfrauenkirche), Klosterneuburg, Zwettl,
Herzogenburg, St. Florian. Instandsetzungsarbeiten wurden an den
Stiftskirchen von St. Pölten und Kremsmünster vorgenommen. Die neue
Minoritenkirche in Wien wurde nach einem Brand als eine der ersten rein
gotischen Kirchen in Ostösterreich unter Ottokar errichtet. Eine andere
Kirche des Minoritenordens entstand zu dieser Zeit auch in Krems-Stein.
Weitere Kirchenbauten gab es unter anderem in Bruck a. d. Mur, Leoben
und Marchegg. Die Minoritenkirche war eine der ersten gotischen
Kirchenbauten in Wien und wurde zum Großteil während der Herrschaft
Ottokars erbaut. Nach seinem Tod in der Schlacht 1278 war er hier für
30 Wochen aufgebahrt.
* * *
Ritter der Schlacht bei Jedenspeigen 1278
Rekonstruktion eines kampfbereiten Ritters mit Kettenhemd, Topfhelm,
Schwert, Schild und Lanze; Pferd mit Schabracke und mittelalterlichem
Sattel
Rekonstruktion bearbeitet von Erik Szameit für die Jubiläumsausstellung „700 Jahre Schlacht bei Dürnkrut und Jedenspeigen" 1978
Topfhelm des späten 13. Jahrhunderts, Rekonstruktion, Stadtgemeinde Marchegg

Ottokar und der Adel
Das Verhältnis Ottokars zum Adel war zwiespältig. Sowohl in seiner
Funktion als König von Böhmen als auch als Markgraf von Mähren war er,
wie alle anderen Fürsten auch, auf die Adeligen angewiesen. Mehr noch
als in seinen Stammlanden, wo er durch seine Herkunft aus der Familie
der Přemysliden dynastische Legitimation besaß, war Ottokar auf die
Unterstützung des Adels in Österreich und den anderen Ländern des
babenbergischen Erbes angewiesen. Daraus ergaben sich aber Probleme, da
Ottokar einzelne Adelsfamilien, auf die er seine Macht in Österreich
stützte, bevorzugte. Vermutlich spielte auch die Auflösung der Ehe mit
der Babenbergerin Margarete, die Ottokar geheiratet hatte, um seine
Herrschaft über Österreich zu legitimieren, eine Rolle bei der
Verschlechterung seines Verhältnisses zum Adel. Die Beschneidung von
Rechten, die Nicht-Nachbesetzung von Ämtern und eine Reihe anderer
Gründe trübten sein Verhältnis immer mehr. In der Steiermark waren
seine Beziehungen zum Adel besonders angespannt. Ottokar hatte die
Steiermark erst als Folge seines Sieges über die Ungarn bei
Groißenbrunn 1260 zurückgewonnen, nachdem er sie zuvor zeitweilig an
König Béla IV. abgetreten hatte. Das schlechteste Verhältnis bestand
zum Adel Kärntens und der Krain, die 1269 durch eine umstrittene
Erbschaft an Ottokar gelangt waren. Von Anfang an herrschte hier ein
Konflikt, den Ottokar aber zunächst noch für sich entscheiden konnte.
Burg Liechtenstein bei Mödling: Mitte des 12. Jahrhunderts wurden die
ältesten Teile der Burg von Hugo von Petronell errichtet. Er benannte
die Burg Liechtenstein und nahm diesen Namen für seine Familie an. Sein
Nachfahre Heinrich von Liechtenstein war einer der mächtigsten Adeligen
Österreichs, als der letzte Babenberger starb. Heinrich von
Liechtenstein wurde der wichtigste Unterstützer Ottokars bei dessen
Herrschaftsübernahme in Österreich.
Das Ottokarische Österreich
Für die Herrschaft Ottokars spielten die Städte, die er stark förderte
und mit Privilegien ausstattete, eine wichtige Rolle. Neben der
militärischen Komponente bei der Sicherung seines Herrschaftsgebietes
waren es auch wirtschaftliche Gründe, die die Städte für ihn so
bedeutend machten. Ottokar förderte nicht nur Handel und Handwerk, auch
die Verwaltung seiner Gebiete war vorbildlich. Im Bürgertum und dem
niederen Adel in den Städten fand Ottokar auch besonders in den
späteren Jahren seiner Herrschaft wichtige Unterstützung. So stand etwa
1276 Wien treu auf der Seite Ottokars in seiner ersten militärischen
Auseinandersetzung mit Rudolf von Habsburg.
Die Herrschaft Ottokars hinterließ auch architektonische Spuren, die
sich bis heute im Erscheinungsbild vieler Orte finden. Nicht nur in
seinen Stammlanden Böhmen und Mähren, auch in Österreich und der
Steiermark kam es zu einer vielfältigen Bautätigkeit. In die Zeit des
Überganges der Herrschaft der Babenberger zu Ottokar, um die Mitte des
13. Jahrhunderts, fällt auch der endgültige Wechsel vom romanischen zum
gotischen Baustil.

Eskalation
Rudolf von Habsburg war ein Jahr König, als er den Kampf mit Ottokar
aufnahm. Auf dem Hoftag in Nürnberg eröffnete er im November 1274 einen
Prozess gegen den böhmischen König, doch Ottokar reagierte nicht auf
seine Vorladung, sondern schickte im Mai 1275 einen Gesandten zum
Hoftag, der nun die Königswahl Rudolfs in Frage stellte. Rudolf
reagierte mit der Verhängung der Reichsacht über Ottokar, darauf folgte
der Kirchenbann.
Im Sommer 1276 wurde es ernst. Der Krieg begann im Süden. Im August
besetzten Truppen des mit Rudolf verbündeten Grafen von Görz-Tirol das
bisher von Ottokar regierte Kärnten und übernahmen dort die Macht. Kurz
darauf sagte sich der steirische Adel von ihm los und unterwarf sich
Rudolf.
Ottokar erwartete, dass der Habsburger in Böhmen bei Eger einfallen
würde, doch Rudolf zielte auf die Österreichischen Länder und folgte
mit seinem 20.000 Mann starken Heer dem Lauf der Donau. Am 6. Oktober
fiel Linz, am 18. Oktober begann er mit der Belagerung Wiens, das noch
von Ottokar kontrolliert wurde. Der österreichische Adel war Großteils
zu Rudolf übergegangen. Die Lage Ottokars war aussichtslos, er schloss
einen Waffenstillstand mit Rudolf. Im Frieden von Wien verzichtete
Ottokar auf die österreichischen Herzogtümer, die Steiermark, Kärnten
und Krain, dafür wurde seine Herrschaft über Böhmen und Mähren
anerkannt, die Reichsacht aufgehoben. Um den Frieden dauerhaft zu
machen, wurde eine Doppelverlobung von einem Sohn und einer Tochter
Rudolfs mit dem böhmischen Erbprinzen Wenzel und Ottokars Tochter
vereinbart. Am 25. November 1276 wurde Ottokar von Rudolf belehnt, am
30. November zog der Habsburger feierlich in Wien ein und machte es zu
seiner Residenz.
Countdown zur Schlacht
Der Frieden von Wien vom November 1276 sorgte nur scheinbar für Ruhe.
Ottokar hatte alle Gebiete, die er ab 1251 gewinnen konnte, wieder
verloren. Dazu kamen die demütigenden Umstände der Belehnung. Ottokar
hatte auch in seinen Kernländern Böhmen und Mähren mit wachsender
Opposition mächtiger Adelsfamilien, vor allem der Rosenberger in
Südböhmen, zu kämpfen und fand heraus, dass diese heimlich Kontakt mit
Rudolf hielten.
Rudolf residierte in Wien und begann seine Macht in Österreich zu
festigen. Den Reichsfürsten dämmerte, dass der Habsburger seinen
Herrschaftsbereich nun verdoppelt hatte, viele zogen nun ihre
Unterstützung zurück. In Österreich selbst murrten Teile des Adels,
meist Parteigänger von Ottokar, gegen die Herrschaft des „Schwaben"
Rudolfs und wurden prompt von Böhmen unterstützt.
1277 begann sich das politische Karussell um Allianzen zu drehen.
Ottokar gelang es, das Misstrauen der Reichsfürsten gegen den
Machtzuwachs Rudolfs zu nutzen und zog den Markgrafen von Brandenburg
und Rudolfs einstigen Verbündeten, den Herzog von Niederbayern, sowie
den Herzog von Schlesien auf seine Seite.
Rudolf hingegen hatte kaum noch Unterstützung im Reich, doch es gelang
ihm, den erst 16-jährigen Ladislaus IV. von Ungarn auf seine Seite zu
ziehen.
Ottokar hatte zu Jahresbeginn 1278 die besseren Karten, doch anstatt
Rudolf direkt anzugreifen, begann er den Krieg am 18. Juli mit der
Belagerung von Drosendorf im Waldviertel.
Rudolf schickte Botschaften an seine Verbündeten in Ungarn, Kärnten und
seinen Stammlanden im Elsass. Von den Reichsfürsten unterstützte ihn
nur der Burggraf von Nürnberg, Friedrich aus dem Haus Hohenzollern.
Nach und nach füllte sich das Heerlager Rudolfs. Am 14. August verließ
Rudolf Wien, sein Ziel war Marchegg.

Könige im Krieg
Im Mittelalter bestimmten Könige die Politik nicht nur durch
Kriegserklärungen und Friedensschlüsse, es wurde von ihnen auch
erwartet, persönlich an den Kampfhandlungen teilzunehmen. In den
mittelalterlichen Tugendkatalogen wurden neben dem Ruhm auch die
kriegerische Stärke eines Monarchen betont. Der persönliche Einsatz
eines Königs im Kampf wirkte nicht nur motivierend auf die Truppen,
sondern stärkte auch die Position des Monarchen gegenüber seinem Adel.
Die aktive Teilnahme an einer Schlacht war natürlich mit hohen Gefahren
verbunden, der König konnte verletzt, getötet oder gefangen genommen
werden. Daher wurde der Monarch immer von einer Leibgarde, bestehend
aus den besten Kriegern, umgeben. Die zunehmende Technisierung in der
Kriegsführung im Spätmittelalter erhöhte die Risiken für Leib und Leben
immer mehr, ab dem 15. Jahrhundert verfolgten die Könige von einem
Feldherrenhügel aus die Schlacht. Die Anwesenheit von Königen bei einer
Schlacht zeugt auch immer von der Bedeutung und Entscheidungsmacht der
militärischen Auseinandersetzung - wie es auch die persönliche
Beteiligung von Rudolf von Habsburg und Ottokars II. in der
Marchfeldschlacht 1278 belegt. Selbst Ladislaus IV. von Ungarn war am
Schlachtfeld anwesend, obwohl er erst 17 Jahre alt war und erst kurz
zuvor die Schwertleihe erhalten hatte.
Ottokars Anmarsch
Ende Juni 1278 - Prag: Ottokar bricht mit seinem Heer Richtung Brünn auf.
Mitte Juli 1278 – Brünn: Ottokar wartet auf seine Verbündeten aus
Polen, Brandenburg und Thüringen, anstatt Rudolf direkt anzugreifen.
Vermutlich ein taktischer Fehler, da Rudolf zu diesem Zeitpunkt nur
über geringe Truppen verfügte. Mitte Juli zieht das vereinigte Heer
durch Mähren zur Thaya bei Drosendorf im Waldviertel.
18. Juli 1278 - Drosendorf: 16 Tage lang, von 18. Juli bis 3. August,
belagert Ottokar die befestigte Stadt. Damit verliert er wertvolle
Zeit. Nach der Eroberung zieht er entlang der Thaya nach Laa.
5. August 1278 - Laa an der Thaya: 12 Tage, von 5. bis 18. August,
belagert Ottokar Laa an der Thaya und verliert erneut Zeit. Rudolf
schickt berittene kumanische Bogenschützen. Durch den Beschuss der
Truppen Ottokars erzwingen sie den Abbruch der Belagerung.
19. August 1278 - Prinzendorf: Über den kleinen Ort an der Grenze
zwischen den heutigen Bezirken Mistelbach und Gänserndorf bewegt sich
Ottokars Heer auf Jedenspeigen zu.
20. August 1278 - Jedenspeigen: Am 20. August errichtet Ottokar sein
Lager zwischen Jedenspeigen, Sierndorf, der March und dem Goldberg.
Sechs Tage warten seine Truppen untätig auf die Schlacht. Es ist
wahrscheinlich, dass der Schlachtort und der Termin durch Unterhändler
festgelegt worden sind. Dies würde erklären, warum Ottokar nicht weiter
nach Süden gezogen ist.
Rudolfs Anmarsch
13. August 1278 - Wien: Obwohl Rudolf erst über eine geringe
Truppenstärke verfügt, bricht er nach dem 13. August entlang der Donau
in Richtung Hainburg auf. Damit verhindert Rudolf Ottokars Plan, Rudolf
in Wien zu belagern.
15. August 1278 - Hainburg: Um den 15. August bricht Rudolf Richtung Marchegg auf.
15. bis 22. August 1278 - Marchegg: Rudolf hatte in Marchegg auf das
Eintreffen seiner Verstärkung gewartet. Er schickt ca. 2.000 kumanische
Reiter in das von Ottokar belagerte Laa an der Thaya, die durch
Pfeilbeschuss die Aufgabe der Belagerung erzwingen. Außerdem erkunden
sie die Stärke von Ottokars Heer.
23. August 1278 - Stillfried: Am 23. August wird im Lager bei
Stillfried das vereinigte Heer von Rudolf und seinem Verbündeten, dem
ungarischen König Ladislaus, gemustert.
25. August 1278 - Dürnkrut: Beim Haspelberg, von dem die Ebene zwischen
Dürnkrut und Jedenspeigen gut zu überblicken ist, lässt Rudolf das
letzte Lager vor Beginn der Schlacht anlegen.
Die Lager bei Jedenspeigen und Dürnkrut
Ottokars Plan, durch einen raschen Vorstoß auf Wien die Herrschaft über
Österreich zurückzuerlangen, war gescheitert.
Versorgungsschwierigkeiten und die Belagerungen von Drosendorf und Laa
an der Thaya ließen Rudolf von Habsburg genügend Zeit, seine Truppen zu
sammeln. Der Habsburger wollte eine Feldschlacht und marschierte mit
seinem Heer Richtung Marchfeld. Die exakte Lage von Rudolfs Lager lässt
sich nicht rekonstruieren, doch mit an Sicherheit grenzender
Wahrscheinlichkeit befand es sich etwas südlich von Dürnkrut. Rudolfs
Hilfstruppen, vor allem das ungarische Kontingent hatten ihre
Stützpunkte getrennt von Rudolf in eigenen Lagern. Ottokar schlug seine
Zelte in der Nähe von Jedenspeigen auf. Die böhmisch-mährischen Truppen
befanden sich wahrscheinlich im südlichen Teil des Lagers, die etwas
später eingetroffenen polnischen und schlesischen Krieger im Norden.
Die beiden gegnerischen Lager waren nur 3 bis 4 Kilometer voneinander
entfernt, wahrscheinlich hatte man sich schon im Voraus auf den
Schlachtort geeinigt.

Die Herkunft der Habsburger
Als Rudolf von Habsburg 1273 in Frankfurt von den Kurfürsten zum König
gewählt wurde, blickte seine Familie bereits auf 300 Jahre
Herrschaftserfahrung zurück. Als Stammvater wird Guntram der Reiche,
gestorben 973, erwähnt. Er stammte von den Etichonen ab, den Herzögen
des Elsass. Im Unterelsass und im Breisgau lagen auch die ältesten
Besitzungen der Habsburger, Guntram der Reiche verfügte auch bereits
über Herrschaften im Aargau. Guntrams Enkel Radbot, gestorben 1045,
gilt als Erbauer der Habsburg. Sein Enkel Otto, gestorben 1111, nannte
sich als erster der Familie Graf von Habsburg. Unter seinen Nachkommen
bauten die Habsburger ihr Herrschaftsgebiet stetig aus.
1218 wird Rudolf von Habsburg geboren, sein Vater ist Graf Albrecht der
Weise, seine Mutter Heilwig entstammt dem reichen Geschlecht der Grafen
von Kyburg. Albrecht ist ein treuer Gefolgsmann der Familie
Hohenstaufen, der letzte Stauferkaiser Friedrich II. soll persönlich
die Patenschaft für Rudolf übernommen haben. Mit 21 beerbte Rudolf
seinen Vater und herrschte als Graf von Habsburg über ein Gebiet, das
von Straßburg bis in die heutige Schweiz reichte. Die Familie gehörte
zwar nicht dem Stand der Reichsfürsten an, war aber als
Grafengeschlecht die mächtigste Dynastie im Südwesten des Reiches.
Die Habsburg: Die Stammburg der Familie liegt auf halbem Weg zwischen
Zürich und Basel auf einem 500 Meter hohen Hügelrücken am Fluss Aare.
Eine Legende rankt sich um den Bau der Burg: Nachdem sie fertiggestellt
war, beklagte Werners Bruder Radbot das Fehlen von Mauern und
Wehrtürmen. Werner versprach, das über Nacht nachzuholen. Am nächsten
Tag umgab die Burg eine Mauer aus Getreuen, mit Rittern als Türmen.
Nicht Steine, sondern die Treue der Menschen sollte die Grundlage der
Macht der Habsburger sein. Um 1220 verließen die Habsburger ihre
Stammburg und zogen in die nahe gelegene Stadt Brugg. Seit 1804 ist die
Habsburg im Besitz des Kantons Aargau, heute beherbergt sie ein Museum.
* * *
Rudolf belehnt seine Söhne mit Schwaben und Österreich
Aus: „Ehrenspiegel des Hauses Österreich" des Johann Jakob Fugger,
gefertigt von Jörg Breu dem Jüngeren, Augsburg 1555, Bayrische
Staatsbibliothek München, Reproduktion

Am Anfang waren alle Großen des Reichs an der Wahl des römischen Königs
beteiligt, im Laufe der Zeit schrumpf sich aber der Kreis der dazu
berechtigten Fürsten. Bis zum Ende des 13. Jahrhunderts haben sich die
sieben Kurfürsten dann gefestigt: die Erzbischöfe von Köln, Mainz und
Trier, der Pfalzgraf bei Rhein, der Herzog von Sachsen, der Markgraf
von Brandenburg und der König von Böhmen.
Die Königswahl
Seit der Doppelwahl von 1257 gab es zwei Könige im Heiligen Römischen
Reich, Richard von Cornwall und Alfons von Kastilien. Ersterer konnte
sich nie durchsetzen, zweiterer hatte das Reich nie betreten. 1272
starb Richard, und obwohl Alfons noch lebte, beschlossen die Fürsten
einen neuen Herrscher zu wählen. Vor allem der neue Papst Gregor X.
machte Druck: er wollte den neuen König rasch zum Kaiser krönen, damit
dieser einen Kreuzzug ins Heilige Land anführte, um den letzten Rest
des einstigen Königreichs Jerusalem, die Stadt Akkon, zu retten. Doch
die Kurie in Rom machte auch klar, dass sie einen Nachkommen der
Dynastie der Staufer nicht akzeptieren würden.
Die Kurfürsten suchten einen geeigneten Kandidaten. König Ottokar von
Böhmen war seit der Übernahme der österreichischen Länder der mit
Abstand mächtigste Fürst, doch vor dieser Machtfülle schreckten die
anderen Königswähler zurück. Über ein Jahr verhandelten die Kurfürsten
über mögliche Kandidaten, doch es gab keine Einigung. Im August 1273
brachte der Mainzer Erzbischof Werner von Eppstein mit Rudolf von
Habsburg einen neuen Kandidaten ins Spiel. Für ihn sprach vor allem
sein für damalige Zeiten hohes Alter von 55 Jahren, das keine lange
Herrschaft erwarten ließ.
Den Kurfürsten war klar, dass Ottokar einer Wahl Rudolfs nicht
zustimmen würde. Da er als König von Böhmen aber zum Kreis der
wahlberechtigten Kurfürsten zählte, schlossen die anderen sechs ihn
kurzerhand aus und übertrugen seine Stimme dem Herzog von Niederbayern.
Am 1. Oktober 1273 wurde Rudolf in Frankfurt einstimmig gewählt und
schon am 24. Oktober gemeinsam mit seiner Frau Anna in Aachen gekrönt.
Die Habsburger hatten die Bühne der Weltpolitik betreten - ein Konflikt
mit dem übergangenen Ottokar war unausweichlich.
Reichsreform und Revindikation
Unmittelbar nach der Königskrönung begann Rudolf die Reichspolitik
umzukrempeln. In den Jahrzehnten des Interregnums war es zu einem
Verfall von Recht und Ordnung gekommen. Lokale Machthaber hatten sich
Besitzungen und Privilegien des Reichs angeeignet, Burgherren waren zu
Raubrittern geworden, die willkürlich Zölle einhoben. König Rudolf
unterstützte die aufblühenden Städte. Vielen war es gelungen, im 13.
Jahrhundert ihre adeligen Stadtherren loszuwerden. Unter Rudolfs
Herrschaft wurde nun die Bezeichnung Reichsstadt üblich, damit wurden
Gemeinwesen bezeichnet, die nur dem König unterstellt waren, sich aber
sonst selbst verwalteten. Als Gegenleistung für die Autonomie
entrichteten sie eine Stadtsteuer, die zur wichtigen Einnahmequelle des
Königs wurde. Bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches sollte es
über 80 Reichsstädte geben, noch heute stehen Hamburg und Bremen als
eigene Bundesländer in der Tradition der freien Reichsstädte.
Zwei Tage nach der Krönung erklärte Rudolf alle Zölle, die seit dem Tod
des letzten Stauferkaisers Friedrich II. neu eingehoben worden waren,
für ungültig. Dies war der Auftakt der Revindikationen, der
„Rückführung unrechtmäßig erworbener Rechte" an das Reich. Rudolf hatte
diesen Schritt mit den Kurfürsten vereinbart, inklusive zweier
Ausnahmen. Zum einen sollten die Kurfürsten jene Gebiete und Rechte,
die sie sich während des Interregnums angeeignet hatten, behalten
dürfen. Zum anderen wurde aber ein Mitglied des Kurfürstenkollegiums
ausdrücklich davon ausgenommen - der zu mächtig gewordene König Ottokar
von Böhmen.
* * *
Ottokar II., König von Böhmen
Aus dem Slawischen Epos von Alfons Mucha, 1924, Museum der Hauptstadt Prag, Reproduktion

Ablauf der Schlacht bei Dürnkrut und Jedenspeigen
Die zeitgenössischen Quellen zur Schlacht sind ungenau und
widersprüchlich. Während in den Berichten aus Österreich und dem
deutschsprachigen Raum ein Schwerpunkt auf das strategische Geschick
Rudolfs gelegt wird und die ungarischen Verbündeten wenig vorkommen,
steht in den ungarischen Quellen natürlich der Einsatz der Truppen
König Laszlos IV. im Vordergrund.
Für die Rekonstruktion des Schlachtenverlaufs wurde ein Mittelweg
zwischen diesen Quellen gewählt. Sowohl der Zeitablauf wie auch die
Truppenstärken sind Schätzungen.
Die Anzahl der teilnehmenden Truppen schwankt je nach Quelle enorm.
Neueste Forschungen gehen von ca. 23.000 auf Seiten Rudolfs - inklusive
der ungarischen Verbündeten - und 27.000 auf Seiten Ottokars aus. In
älteren Publikationen jedoch wird allein der ungarische Anteil mit über
50.000 angegeben.
Der 26. August 1278, Der Morgen
Rudolf von Habsburg stellte sein Heer in 3 Gruppen - sogenannte
„Treffen" - vor seinem Lager bei Dürnkrut auf. Das erste „Treffen"
bildeten die Ungarn mit ihren kumanischen Hilfskräften. Die Eröffnung
einer Schlacht - der „Vorstreit" - sollte ihnen gebühren, dies war eine
hohe Ehre im Mittelalter. Das zweite „Treffen" bildeten Truppen aus
Österreich, das dritte Truppen aus der Steiermark, Kärnten, Krain,
Salzburg und aus Rudolfs Heimat Schwaben. König Rudolfs persönlich
kommandierte diese Gruppe. Dazu versteckte der Habsburger sechzig
schwere Reiter als Nachhut.
Ottokar positionierte in seinem Lager am Goldberg bei Jedenspeigen
ebenfalls 3 „Treffen": Im ersten Böhmen und Mährer, letztere
ausgerüstet mit Armbrüsten. Im zweiten waren Kämpfer aus Meißen,
Thüringen, Brandenburg und Bayern, im dritten Ritter aus Polen und
Schlesien. Rudolf ließ eine Messe vom Bischof Heinrich von Basel lesen.
Mit dem Schlachtgesang „Maria Mutter reine Maid" begann der Kampf.
Ottokars Truppen antworteten mit dem Lied „Hospodine, pomiluj ny" -
„Herr erbarme Dich unser".
Phase 1
Gegen 9 Uhr begann die Schlacht. Die leichtberittenen ungarischen und
kumanischen Bogenschützen jagten in die Ebene hinaus und schossen den
Böhmen die Pferde unter dem Leibe weg. Die Kumanen reagierten auf die
Gegenwehr mit einer 180-Grad Wendung und täuschten einen Rückzug vor,
sobald die Böhmen jedoch in Schussweite waren, reagierten die Kumanen
mit einem Pfeilregen. Nach ungefähr einer Stunde öffneten die Kumanen
ihre Schlachtordnung und der schwergepanzerte ungarische Adel brach zu
einem Nahkampf durch. Der Kampf blieb aber unentschieden, gegen 10.30
schickte Rudolf das zweite Treffen in die Schlacht. Gegen 11.00 weichen
die Böhmen und Mährer zurück, verfolgt von den Ungarn.
Phase 2
Die österreichischen Truppen, unter ihnen auch in voller Rüstung der
Bischof von Basel, ritten auf das Schlachtfeld. Der Bischof stimmte den
Schlachtgesang an: „Sand Marey mutter und maid" an. König Ottokar
führte persönlich sein zweites Treffen, bestehend aus seinen deutschen
Verbündeten an. Nun begann die eigentliche Ritterschlacht.
Die schwere Reiterei Ottokars und seiner Verbündeten war den
österreichischen Truppen überlegen. Diese wichen zurück und wurden von
Ottokars Verbänden vom Schlachtfeld bis über Dürnkrut hinaus gedrängt.
Gegen 12 Uhr führte Rudolf von Habsburg persönlich sein drittes Treffen
über den Weidenbach bei Dürnkrut und brachte mit Hilfe dieser
ausgeruhten Kräfte die Schlacht zum Stehen. In dieser kritischen Phase
wurde Rudolf von speziell damit beauftragten Rittern Ottokars
angegriffen, sein Pferd erstochen und er selbst aus dem Sattel in den
Weidenbach geworfen. Walter von Ramsweg, ein Ritter aus Thurgau in der
Schweiz, half ihm auf ein anderes Pferd, so wurde Rudolf gerettet.
Phase 3
Zwischen 13-14 Uhr gab Rudolf Ulrich von Kapellen, der sich mit einer
Reserve von 60 Rittern in den Weinbergen versteckt hatte, den Befehl
zum Angriff. Dieser stieß mit voller Wucht in die rechte Flanke der
Truppen Ottokars und spaltete so dessen Heer in zwei Teile. König
Ottokar kämpfte mit seinem Truppen in der nun vorderen Hälfte weiter.
In österreichischen Quellen wird dieser Flankenangriff als
schlachtentscheidend bezeichnet, ungarische Quellen hingegen berichten,
dass nun ein erneuter Angriff des ungarischen Adels und der Kumanen
erfolgte. Der abgespaltene rückwärtige Teil des Heeres Ottokars war
über diesen unerwarteten Flankenangriff völlig überrascht. Der
Überlieferung nach riefen nun die Truppen Rudolfs „Sie fliehen, sie
fliehen!" und demoralisierten so das böhmische Heer, das nun
tatsächlich die Flucht ergriff. Nur wenige Kampfgruppen Ottokars
hielten in der allgemeinen Panik stand, darunter der Böhmenkönig
selbst. Die Niederlage einsehend wandte sich Ottokar schließlich selbst
zur Flucht. Auf dieser wurde er aber eingeholt und erschlagen. Nach
Ende der Schlacht fand man seinen Leichnam ausgeraubt und völlig
entblößt.
Der Mord an einem König
Um den Tod Ottokars ranken sich viele Erzählungen und Gerüchte.
Die böhmischen Truppen hatten bereits die Flucht ergriffen, doch ihr
König Ottokar gab nicht auf und kämpfte mit wenigen Truppenteilen
weiter. Von dem langen Kampf jedoch ermüdet, musste auch er schließlich
weichen. Nach dem Ende der Schlacht wurde der verstümmelte, nackte
Leichnam Ottokars gefunden, seine Rüstung und Kleidung waren geraubt
worden. Aus den Quellen geht nicht eindeutig hervor, wie der böhmische
König ums Leben kam, doch es soll sich folgendes ereignet haben:
Als Ottokar die Ausweglosigkeit der Schlacht eingesehen hatte und die
Flucht ergriff, geriet er in Gefangenschaft und wurde entwaffnet,
danach wurde der wehrlose König entgegen dem ritterlichen Ehrenkodex
erschlagen.
Wer der Mörder Ottokars war, ist nicht klar, doch war es wohl ein Mord
aus Rache und nicht aus politischen Gründen. Einige Quellen schreiben
die Tat dem steirischen Adeligen Berthold von Emmerberg zu,
wahrscheinlicher jedoch war dessen Verwandter Offo der Täter. Beide
waren enge Verwandte des Kärntner Ministerialen Seifried von
Mahrenberg, der nach Ottokars Machtübernahme in Kärnten von diesem
gefoltert und hingerichtet wurde.
Sechzig Jahre nach Ottokars Tod tauchen Erzählungen auf, die einen
böhmischen Gefolgsmann für den Tod des Königs verantwortlich machen, in
einer späteren Chronik wird der mährische Adelige Milota von Dědic als
Mörder genannt.
* * *
Die Schlacht auf dem Marchfeld mit Dürnkrut im Hintergrund
Anton Nowohradsky, um 1978
Anton Nowohradsky (1910 bis 1981), geboren in Drösing, führte ab 1949
einen Schlossereibetrieb in Jedenspeigen. Er kopierte in seiner
Freizeit Ölgemälde alter Meister und schuf Ansichten seiner Heimat,
darunter diese Rekonstruktion der Schlacht 1278.

Grillparzers Ottokar
Das bekannteste literarische Werk über das Leben Ottokars ist Franz
Grillparzers „König Ottokars Glück und Ende" von 1823. Als Vorlage
diente Grillparzer besonders die „Steirische Reimchronik" (um 1320), in
der Ottokar negativ dargestellt wird. Auch finden sich dort erste
Ansätze, die den Konflikt zwischen Ottokar und Rudolf zu einem Kampf
zwischen „Deutschen" und „Böhmen" stilisieren. Eigentlich wollte
Grillparzer ein Werk über Napoleon schreiben, fürchtete aber die
Ablehnung des Stückes durch die Zensur und verlegte deshalb die
Handlung ins Mittelalter. Er ersetzte Napoleon durch Ottokar, auf den
er auch die negativen Züge eines tyrannischen Herrschers übertrug.
Trotzdem wurde zunächst die Aufführung des Werkes untersagt. Einerseits
befürchtete man, dass Parallelen zwischen der katastrophalen zweiten
Ehe Napoleons mit der österreichischen Kaisertochter Maria-Louise, für
die er sich von seiner ersten Frau getrennt hatte, und der Trennung
Ottokars von seiner ersten Frau Margarete gezogen würden. Andererseits
erwartete man zu Recht negative Reaktionen aus Böhmen.
In der österreichischen Kaiserin Karoline Charlotte Auguste fand das
Drama aber eine Fürsprecherin, die das Werk für äußerst patriotisch
hielt, worauf es freigegeben wurde. Bald nach der Uraufführung am 19.
Februar 1825 im Burgtheater kam es, wie zu erwarten, von tschechischer
Seite zu Kritik an der negativen Darstellung Ottokars. Es gab aber auch
den Vorwurf, dass die Figur Ottokars viel schillernder und
interessanter dargestellt wurde als die Rudolfs. Dies führte dazu, dass
das Stück von 1839 bis 1856 nicht gespielt wurde. Erst in den Jahren
danach entwickelte sich das Werk langsam zu einer Art „österreichischem
Nationalepos". So wurde es auch zur Wiedereröffnung des Burgtheaters
1955 gespielt.
Die Brandenburger in Böhmen
König Ottokar blieb in Böhmen bis weit ins 20. Jahrhundert eine eher
zwiespältig betrachtete Figur. Zum einen bewunderte man ihn als den
„goldenen und eisernen König", der das mittelalterliche Böhmen zu einer
Glanzzeit führte. František Palacký, der bedeutendste tschechische
Historiker und Politiker des 19. Jahrhunderts, verteidigte Ottokar zwar
leidenschaftlich gegen das negative Bild, das im Grillparzer-Drama von
ihm gezeichnet wurde, kritisierte den König aber stark wegen dessen
Förderung der deutschsprachigen Städte in Böhmen.
Ein Pendant zu Grillparzers Stück in tschechischer Sprache gibt es
daher nicht. Doch wurde die unmittelbar auf die Schlacht von 1278
folgende Epoche der Vormundschaft Otto von Brandenburgs über Ottokars
minderjährigen Sohn und Erben Wenzel III. die Vorlage für die erste
tschechische Nationaloper,„Braniboři v Čechách" - „Die Brandenburger in
Böhmen" - komponiert von Friedrich Smetana, uraufgeführt am 5. Januar
1866. Der Chor „Pražská chudina - Uhodila naše hodina" - „Armes Prag,
unsere Stunde hat geschlagen" gehört bis heute zu den beliebtesten
Chorstücken in Tschechien.

Kellerlandschaften Mitteleuropas – Weingläser im Wandel der Zeit
Die Kulturlandschaft des Weinviertels wird vom Weinbau, der namengebend
für die ganze Region war, mitgeprägt. Der Weinbau ist auch eines der
verbindenden Elemente für ganz Ostösterreich und die angrenzenden
Nachbarregionen der Slowakei, Mährens und Ungarns. Zwei der für die
Kultur rund um den Wein besonders wichtigen Dinge spürt diese
Ausstellung nach: Einerseits sind das die Weinkeller, andererseits die
Weingläser.
Die Ausstellung „Weingläser im Wandel der Zeit" geht auf die Sammlung
von Ing. Alfred Rosner zurück, der fast 30 Jahre lang die
österreichische Bundeskellereiinspektion leitete. Seit 2021 ist die
Sammlung Rosner als weltgrößte Sammlung von Weingläsern zur Eintragung
im Guinness-Buch der Rekorde angemeldet. Dabei stehen nicht die
repräsentativen Gläser und Pokale edler Marken im Vordergrund. Es sind
die eher „einfachen" Gläser, die sich im Bestand finden, der in Schloss
Jedenspeigen gelagert wird. Gerade aber die Weingläser, die im Alltag
verwendet wurden, sind eine spannende und vielfältige Quelle für die
Geschichte der Wein- und Trinkkultur in Österreich, die gerade in den
letzten Jahrzehnten durch große Veränderungen und Umbrüche
gekennzeichnet war. Einige Highlights aus dem umfangreichen Bestand
werden hier, nach Themen geordnet, präsentiert.

Eine kurze Geschichte der Weingläser
Frühe Trinkgefäße wie Schalen oder Trinkhörner sind schon aus dem alten
Ägypten überliefert (2000-2500 v. Chr.). Ab etwa 1500 v. Chr. wurden
erste Hohlgefäße aus Glas hergestellt. Das Ägyptische Museum in München
besitzt einen Glas-Kelch mit dem Namenszug Thutmosis III., der dadurch
auf ca. 1450 v. Chr. datiert werden kann und als ältestes erhaltenes
Trinkglas gesehen wird.
Ab dem 11. Jahrhundert war Venedig das Zentrum der Glasmacherkunst, wo
Glasbläser auf Murano besondere Privilegien genossen und mit meist
kobaltblau eingefärbten Gläsern, die auch immer dünnwandiger wurden,
bis zum 16. Jh. den „Weltmarkt" beherrschten. Aristokraten des 17. Jh.
tranken aus dickwandigen, kurzstieligen Pokalen, das gemeine Volk aus
groben Humpen. Im 18. Jahrhundert erlangten Glasmacher aus Schlesien,
Böhmen, Sachsen und Brandenburg Berühmtheit, indem sie feinste Motive
in die Gläser ritzten und schliffen. Der Jugendstil brachte um 1900 die
Wende zur Moderne. Als direkter Vorläufer unserer heute so geschätzten
dünnwandigen, hochstieligen Trinkgläser wird allgemein das Service Nr.
238 gesehen, welches von der Firma Lobmeyr (Wien) im Jahr 1920 auf den
Markt gebracht wurde.
Nach den 2. Weltkrieg beherrschten zuerst wieder grobe, rustikale
Glasformen das Bild. Einer der ersten, der sich mit modernen Formen und
edlem Design beschäftigte, war Philip Rosenthal. 1961 etablierte er die
„Rosenthal Studio Linie" mit modernem Porzellan und mit Trinkgläsern in
der modernen Gesellschaft. Erst ab 1970 setzte der „Glasprofessor"
Claus Riedl neue und heute noch gültige wissenschaftliche Maßstäbe bei
Weingläsern. Er entwickelte Glasformen, auf die jeweilige
Charakteristik des Weines abgestimmt, und brachte dadurch jede Geruchs-
und Geschmacksnuance edler Weine zur vollen Geltung. Die mundgeblasene
Serie „Riedl Sommelier" und die maschinell hergestellte Serie „Riedl
Vinum" gelten seit 1973 bzw. 1986 als Maß aller Dinge in der Gestaltung
moderner Weingläser und für die Trinkkultur edler Weine.

Die Gläsersammlung Alfred Rosner
1958 in einen kleinen Weinbaubetrieb im Weinbaugebiet Carnuntum
hineingeboren, trat Alfred Rosner bald nach dem Önologiestudium an der
HBLA Klosterneuburg in die österreichische Weinkontrolle ein. Seit über
einem Vierteljahrhundert darf er die Bundeskellereiinspektion leiten
und hat somit nun schon mehr als 50 Jahre österreichische Wein- und
Weinbaugeschichte direkt miterlebt. Diese bewegte Geschichte spiegelt
sich auch in der Entwicklung der Weingläser wider. Die Aufdrucke auf
den 1/16-Bechern der 1960er bis frühen 80er Jahre zeugen vom Entstehen
der Orts- und Bezirksweinverkostungen, die später über die
niederösterreichische Weinmesse in Krems und das Fest der 1000 Weine in
Eisenstadt zum heutigen Weinsalon führten.
Bekannte Weingüter wie auch große Kellereien der 1970er Jahre, heute
längst vorm Markt verschwunden, sind auf ihren einstmals als
Werbegeschenk verteilten Weingläsern in Erinnerung geblieben.
Weinmarken und Winzergenossenschaften sind ebenso den ehernen
Marktgesetzen zum Opfer gefallen wie die Winzerverbände, einstige
genossenschaftliche Dach- und Vermarktungsorganisationen in
Niederösterreich und dem Burgenland. Ihre Namen finden sich genauso auf
den Weingläsern, wie auch der Wandel der Trinkkultur aus der Sammlung
ersichtlich ist. Diese erlebte Weingeschichte und die gewaltigen
Umbrüche in der österreichischen Weinbauszene waren um die
Jahrtausendwende der Anlass, solche Weingläser zu sammeln und so diesen
Teil der österreichischen Weingeschichte zu erhalten. Ein kleiner Teil
dieser umfangreichen Sammlung ist hier erstmals ausgestellt. Im
kommenden Jahr wird eine Eintragung ins Guinessbuch der Rekorde als
„weltgrößte Weingläsersammlung" angestrebt.
* * *
GUINNESS WORLD RECORDS
Largest collection of wine glasses
The current record is 1000 total number Record holder, Alfred Rosner, Austria
Application details
A collection of 1000 different wine glasses.
The glasses are 50 years and older. They have different sizes,
different imprints from events, wine festivals, wine locations,
tastings, etc. This collection is to be publicly exhibited in
Jedenspeigen Castle under the title, the world's largest collection of
wine glasses.
Date created
04 May 2021
Reference 210504112227lcow
Date of attempt/verification/discovery
16 July 2021
Attempt location
Schloss Jedenspeigen, Niederösterreich, Austria
Measurement
1010 total number
Record holder(s)
Alfred Rosner, Austria

Weinausschank beim Heurigen in Niederösterreich
Der Weinausschank war für die Winzer eine der wichtigsten
Einnahmequellen. Bereits in der Antike gab es Zeichen, die den
Weinausschank anzeigten. Im Frühmittelalter werden unter Kaiser Karl
dem Großen Kränze aus Trauben und Weinlaub erwähnt. Bereits im
Spätmittelalter wurde in Wien Tannenreisig als Anzeiger für den
Weinausschank bestimmt. Sogenannte Weinrufer waren in der Stadt mit
einem Buschen unterwegs, der dann am jeweiligen Haus, in dem der
Weinausschank erfolgte, ausgesteckt wurde. Daher auch die Bezeichnung
Buschenschank.
Es gab und gibt aber auch Strohzeichen, die den Weinausschank
ankündigen: Strohbündel, Strohbüschel, lange Strohzöpfe, Strohkränze
etc. Unter Kaiser Joseph II. wurden Ausschankzeichen für
Buschenschenken und Wirtshäuser, die sich bis dahin nicht stark
voneinander unterschieden hatten, getrennt. Ab 1784 durften Wirtshäuser
keine Buschenschankzeichen wie Reisigbuschen, Kranz oder Strohzeichen
mehr verwenden.

Neben der Bewerbung des jeweiligen Weinortes in der Marchregion mit
regionalen Motiven auf den Gläsern spielte in Jedenspeigen wie auch in
Dürnkrut die „Schlacht auf dem Marchfeld" zwischen den Ritterheeren
Ottokars II. Přemysl und Rudolfs I. von Habsburg im Jahre 1278 eine
Rolle. Im Jahre 1978, als sich der Gedenktag der Schlacht zum 700. Mal
jährte, wurden mehrere Gläser dazu herausgebracht.

Das „Römerglas" war in den 1960er Jahren unbestritten das „edle
Weinglas des kleinen Mannes". In vielerlei Formen diente es im Gasthaus
zur Ausschank des „Spezi", also des besseren Weines.
In den Kellerstüberln der neu entstandenen Einfamilienhäuser dienten
sie der Bewirtung guter Freunde und zeugten so vom sich allmählich
entwickelnden Wohlstand. Souvenierversionen dieser Glasform sind noch
heute in manchen Fremdenverkehrsorten zu finden, und riesige
Schmuckformen begleiten immer noch Winzerköniginnen bei ihren
Auftritten. Heute unvorstellbar, wurde in den 1960er Jahren sogar Senf
in Römergläsern verkauft, um mittels Sammlerleidenschaft der
Konsumenten die Kunden zu binden.

Die Ära der Römergläser wurde nur ganz langsam durch zuerst eher
schlichte, kleine, später mit einfachen Schliffen versehene Stielgläser
beendet. Ende der 1970er Jahre war der Wohnzimmerschrank mit seiner
integrierten Glasvitrine zur Heimat einfacher Kristallgläser geworden,
die wiederum in den späten 1980er Jahren durch immer feinere und
größere Stielgläser verdrängt wurden.

Schloss Jedenspeigen
Das Schloss war ursprünglich ein zweigeschossiger mächtiger Vierecksbau
mit Wehrgraben, der schon im Jahre 1296 in einer Urkunde im
Zusammenhang mit Otto von „Ydungspiugen" erstmals schriftlich erwähnt
wurde. Sein heutiges Aussehen erhielt das Schloss, als es nach der
Zerstörung im 15. Jahrhundert knapp vor 1600 vom Geschlecht der
Kollonitsch auf den Resten des alten Bauwerkes wiedererrichtet wurde.
Das Schloss war bis 1878 im Besitz der Familie Kollonitsch; 1879 kamen
Schloss und Herrschaft Jedenspeigen zum Erzbistum Wien. 1985 erwarb die
Gemeinde Jedenspeigen das Gebäude.

Ottokars langer Weg nach Hause
Bis zu einer endgültigen Bestattung Ottokars verging nach der Schlacht
noch lange Zeit. Ein Grund dafür war, dass Ottokar im Zuge seines
Konfliktes mit König Rudolf vom Mainzer Erzbischof Wernher
exkommuniziert worden war. Damit war ihm ein kirchliches Begräbnis
verwehrt. Deshalb wurde sein Leichnam nach der Entnahme der Eingeweide
einbalsamiert. Für Rudolf kam das nicht ungelegen, denn so konnte er
seinen toten Gegner noch lange zur Schau stellen. Die lange
Aufbahrungszeit half der Entstehung von Gerüchten über eine angebliche
Wiederkehr Ottokars zu verhindern. Solche Erzählungen waren nach seinem
Tod sehr rasch aufgekommen. Ähnlich wie bei König Artus oder Kaiser
Friedrich II., wurde auch von Ottokar behauptet, dass er gar nicht tot
sei, sondern eines Tages wiederkehren werde, um sein Reich zu neuer
Blüte zu führen.
Der erste nachweisbare Aufbahrungsort Ottokars war die
Margarethenkirche in Marchegg. Von dort wurde er nach Wien zunächst in
das Schottenkloster, danach in das Minoritenkloster überführt. Ottokars
zweite Frau, Kunigunde, bat Rudolf um den Leichnam Ottokars. Etwa 30
Wochen nach der Schlacht durfte er um Ostern 1279 nach Znaim überführt
werden. Obwohl der päpstliche Legat, Paulus von Tripoli, die
Exkommunikation Ottokars in der zweiten Hälfte des Jahres 1279
offiziell aufgehoben hatte, erfolgte keine endgültige Bestattung.
Ottokars Leichnam wurde ohne Sarg in der bloßen Erde begraben. 1297
ließ Ottokars Sohn, König Wenzel II. von Böhmen, seinen Vater nach Prag
überführen und richtete ihm ein prächtiges Begräbnis im Veitsdom aus.
Österreich nach der Schlacht
Schon im Frieden von Wien 1276 waren die österreichischen Herzogtümer
zurück ans Reich gefallen, der Sieg in der Schlacht 1278 beendete
endgültig die Ansprüche der böhmischen Krone auf diese Länder. Als
König konnte Rudolf die Herzogtümer nun einem neuen Herrscher als Lehen
übertragen, doch brauchte er dazu die Zustimmung der Reichsfürsten. die
Verhandlungen zogen sich vier Jahre.. Auf dem Reichstag zu Augsburg
belehnte er am 17. Dezember 1282 seine beiden Söhne mit den
Herzogtümern Österreich, Steiermark, Krain und der Windischen Mark.
Konfliktfrei war die Übernahme der Herrschaft in Österreich nicht
verlaufen. Die Habsburger brachten ihre Gefolgsleute aus ihren
schwäbischen Stammlanden mit. Die schwäbische Mundart wurde sogar zu
einer Art Hofsprache an der Wiener Residenz. Bald gab es Klagen über
die landfremden Schwaben und deren Bevorzugung gegenüber den
Einheimischen und der erste Habsburgerherzog musste zahlreiche
Aufstände bekämpfen. Erst die Enkelgeneration sollte in Österreich
heimisch werden. Herzog Albrecht II., 1298 auf der Habsburg im Aargau
geboren, regierte ab 1330 die österreichischen Länder und wurde sehr
populär. Wegen einer Gelenkserkrankung wurde er „der Lahme" genannt,
doch als „Albrecht der Weise" blieb er in Erinnerung. Seine Nachkommen
regierten Österreich bis 1918.
Böhmen nach der Schlacht
Schon am Tag nach der Schlacht zog Rudolf mit seinem Heer Richtung Mähren, wo er auf wenig Widerstand stieß.
Ottokars einziger Sohn Wenzel war erst sieben Jahre alt, als sein Vater
ums Leben kam. Dieser hatte den Markgrafen Otto von Brandenburg zum
Vormund des Kindes bestellt, der Markgraf war der Sohn von Ottokars
Schwester Božena. Kunigunde, die Witwe Ottokars, hatte sich mit ihrem
Sohn unter Rudolfs Schutz begeben. Der Habsburger vermied weiteren
Krieg und einigte sich mit dem Brandenburger. Bis zur Volljährigkeit
Wenzels in fünf Jahren sollte Böhmen von Markgraf Otto, Mähren von
Rudolf verwaltet werden. Der Kindkönig wurde mit Rudolfs Tochter Guta
verlobt.
Während Mähren sich rasch erholte, wurde die Situation in Böhmen zur
Katastrophe. Brandenburger Truppen plünderten das Land aus, der kleine
König wurde als eine Art „Edelgeisel" nach Spandau bei Berlin gebracht.
Es dauerte bis 1283 und erforderte hohe Lösegeldzahlungen, bis König
Wenzel II. wieder in Prag einziehen konnte. Im Februar 1285 fand die
Hochzeit mit Guta von Habsburg statt, die Kinder der einstigen Feinde
führten eine gute Ehe und bekamen selbst 9 Kinder, von denen jedoch nur
ein Sohn und vier Töchter überlebten. Wenzel II. führte das Geschlecht
der Přemysliden zu einer späten Blüte, es gelang ihm, die Krone Polens
zu erringen und für seinen Sohn auch die Krone Ungarns. Erstmals waren
Böhmen und Ungarn in Personalunion vereint. Mit dem Tod seines Sohnes,
Wenzels III., endete 1306 die Herrschaft der Přemysliden in männlicher
Linie.
Neue Dynastien
Die Schlacht bei Jedenspeigen brachte eine neue Familie in den
Donauraum, die Habsburger. Aber auch in den Königreichen Böhmen und
Ungarn sollten nur wenige Jahrzehnte nach 1278 neue Familien die
Herrschaft übernehmen. Ladislaus IV. war 1290 ohne legitime Nachkommen
gestorben, sein entfernter Vetter Andreas III. folgte ihm nach. Mit
dessen Tod 1301 war die Dynastie der Heiligen Könige, das Haus der
Árpáden, in männlicher Linie ausgestorben. Nach Jahren der Thronwirren
setzte sich eine neue Dynastie in Ungarn durch, 1310 wurde Karl von
Anjou König des Landes. In Böhmen kam es nach dem Tod Wenzels III. -
der letzte Přemyslide wurde 1306 in Olmütz ermordet - ebenfalls zum
Nachfolgestreit. Erst 1311 wurde ein neuer König allgemein anerkannt,
Johann von Luxemburg. Er hatte Prinzessin Elisabeth geheiratet, die
Schwester Wenzels III. Ihr beider Sohn war der berühmte Karl IV.
Habsburg, Luxemburg und Anjou setzten fort, was ihre
Vorgängerdynastien, die Babenberger, Přemysliden und Árpáden begonnen
hatten, eine Politik der engen Verzahnung ihrer Länder. Diese führte zu
Krieg und Konflikt, aber auch zu Bündnissen und dynastischen Heiraten.
Im 15. Jahrhundert gelang es den Luxemburgern, die Kronen Böhmens und
Ungarns zu vereinen. 100 Jahre später sollte der Habsburger Ferdinand
I. den Prozess abschließen und alle drei Länder in Personalunion
zusammenführen. Aus einem Länderkonglomerat wuchs ab 1526 eine
politisch-kulturelle Einheit, die Donaumonarchie, die bis 1918 bestehen
blieb. Bls heute ist die Familie Habsburg mit den Kontrahenten der
Schlacht auf dem Marchfeld verbunden - denn sowohl Rudolf wie Ottokar
II. Přemysl und auch die ungarischen Arpáden sind ihre direkten
Vorfahren.

Wie heißt die Schlacht eigentlich?
Seit 1878 häuften sich Diskussionen über die Bezeichnung der Schlacht.
In zeitgenössischen Quellen wurden teilweise bereits Orte genannt, um
das Geschehen zu lokalisieren. So „Ydungspeigen" (Jedenspeigen) in der
Continuatio Vindobonensis (der Abschnitt über die Schlacht entstand
zwischen 1279 und 1283) oder das „Chruterfeldt" (abgeleitet von
Dürnkrut) in der Historia Annorum 1264-1279 des Heiligenkreuzer Mönches
Gutolf (1279 abgefasst). In anderen Quellen der Zeit und späteren
Geschichtswerken ist nur die Rede von der Schlacht zwischen Rudolf und
Ottokar bzw. werden die Anmarschwege der Heere oft in Verbindung mit
Nennung der March genannt. Während lange Zeit meist die Bezeichnung
„auf dem Marchfeld" gebraucht wurde, kamen auch Stimmen auf, die sich
gegen diese Bezeichnung wandten. Vorschläge für Alternativen gab es
einige: Schlacht an der March, Schlacht am Weidenbach, früh schon auch
Schlacht bei Stillfried.
Bereits im 19. Jh. war auch die Bezeichnung der Schlacht mit den Orten
Dürnkrut und Jedenspeigen verbreitet. Dafür plädierten besonders
Historiker um das 700-jährige Gedenken an die Schlacht, 1978. Verwiesen
wurde darauf, dass das „Marchfeld" nur der Flurname der Lagerstätte
König Rudolfs bei Stillfried gewesen sei bzw. es sich bei dem
Schlachtfeld um das „Feld an der March" handle und es dadurch zu einer
Verwechslung mit dem eigentlichen Marchfeld kommen könnte. Allerdings
war die geografische Definition von Marchfeld in früheren Jahrhunderten
sehr viel weiter gefasst und schloss so auch das Gebiet mit dem
Schlachtfeld ein. Jedenfalls werden bis heute beide Bezeichnungen -
„Schlacht auf dem Marchfeld" und „Schlacht von Dürnkrut und
Jedenspeigen" - gebraucht.
* * *
Weit über die Grenzen Österreichs wurde der Ort berühmt durch die
Schlacht am Waidenbach, zwischen Dürnkrut und Jedenspeigen, wo am 26.
August 1278 König Ottokar von Böhmen Schlacht und Leben verlor und Graf
Rudolf von Habsburg seine Hausmacht im Osten begründete. Diese
Auseinandersetzung hatte letztlich europäische Dimensionen, der
Aufstieg des Hauses Habsburg begann und bestimmte bis 1918 die
Geschichte Europas. Anläßlich der 700 Jahre Gedenkfeier wurde 1978
dieser Gedenkstein aus Granit zwischen Dürnkrut und Jedenspeigen
errichtet.
Gedenkstein zur Schlacht auf dem Marchfeld an der Gemeindegrenze Jedenspeigen und Dürnkrut

Wem der viele Text zu lange war und lieber Bewegtbilder mit Musik mag,
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