Wallfahrtskirche Maria Lanzendorf

mit Kalvarienberg, April 2026

Die Wallfahrtskirche Maria Lanzendorf ist der schmerzhaften Muttergottes geweiht und ist eine römisch-katholische Pfarrkirche in Niederösterreich. Sie war lange Zeit einer der meistbesuchten Wallfahrtsorte Niederösterreichs. Bemerkenswert ist die Integration der gotischen Gnadenkapelle in den barocken Kirchenneubau und der neben der Kirche gelegene Kalvarienberg.

 Wallfahrtskirche Maria Lanzendorf mit Kalvarienberg, April 2026

Historische Urkunden berichten, dass 1267 die Anordnung getroffen wurde, täglich hier die Messe zu feiern. 1418 wurde Maria Lanzendorf schließlich Wallfahrtsort genannt. Eine Pfarrkirche bestand in Lanzendorf, für die 1395 erstmals ein Pfarrer namens Otto erwähnt wird. Im Jahre 1529 wurden diese Kirche und der Pfarrhof von Lanzendorf im Zuge der Ersten Wiener Türkenbelagerung zerstört und danach nicht wieder aufgebaut.

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Die freistehende Gnadenkapelle befindet sich im Langhaus vor dem Chor. Sie besteht aus dem einjochigen gotischen Chor des Vorgängerbaus, der 1701 barockisiert wurde. Die Außenwände sind von rotem Marmor umschlossen. Im Inneren ist sie kostbar ausgestattet durch reichen Stuck und plastischen Dekor. Der bemerkenswerte Marmoraltar besitzt Säulen über einem halbkreisförmigen Grundriss. Auf dem Tempietto-Tabernakel steht die Gnadenstatue vom Bildhauer Fiechtl, eine Pietà in gotisierenden Formen, entstanden nach 1683. In den Lünetten befinden sich ovale Bilder mit der Verkündigung und Anbetung der Hirten vom Anfang des 18. Jahrhunderts.

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Aus Priestermangel in jener Zeit der Reformation erhielt die Pfarre Laa die Seelsorge von Lanzendorf und Aushilfspriester wurden von St. Stephan in Wien geschickt, die in der von den Türken verschonten Wallfahrtskapelle Gottesdienste hielten. Nachdem zwischendurch die Pfarre wieder mit eigenen Priestern besetzt war, musste Bischof Anton Brus (1558–1563) die Pfarre schließlich auflösen, da die meisten Bewohner protestantisch wurden und die Einkünfte im Ort zu gering waren. Damit war die Wallfahrtskirche verlassen.

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Maria-Lanzendorf wurde nach dem 1703 vollendeten Kirchenneubau zu einem der meistbesuchten Wallfahrtsorte Niederösterreichs. Die erste urkundliche Nachricht von einer Kirche stammt aus der Mitte des 12. Jahrhunderts (1145), als ein zerstörtes Gotteshaus wieder aufgebaut wurde. Die Kirche lag außerhalb von Ober- und Unter-Lanzendorf und wurde 1349 Pfarre. Ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts war Maria-Lanzendorf mit der Pfarre Oberlaa vereint, 1784 wurde sie wieder selbstständig.

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Bei der Zweiten Wiener Türkenbelagerung 1683 wurde die Wallfahrtskirche zerstört und das Gnadenbild verschwand. Der Bildhauer Fiechtl aus Gumpoldskirchen schuf kurz darauf ein neues Bildnis, das dem gotischen ähnlich war. Ein Franziskaner betreute die Kapelle und Wallfahrten aus Wien setzten wieder ein. Aufgrund von zahlreichen Gebetserhörungen beschloss Kaiser Leopold I. 1696 ein Franziskanerkloster und eine neue Wallfahrtskirche zu errichten. Er legte selbst den Grundstein für den Neubau und verfügte, dass der Chor der alten Kapelle erhalten bleiben muss.

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Wie großen Anteil er am Schicksal Maria Lanzendorfs nahm, geht auch daraus hervor, dass er fünfzehnmal die Baustelle während der Errichtungsarbeiten besuchte. Bis zur Fertigstellung wuchs die Anzahl der Ordensbrüder von 12 auf 40 an. Das Kaiserhaus besuchte die Wallfahrtskirche oft, vielleicht bedingt durch die Nähe Maria Lanzendorfs zum kaiserlichen Sommersitz Laxenburg. Kaiser Joseph I., Karl VI., Maria Theresia und später Elisabeth kamen oft in die Wallfahrtskirche zum Gebet.

Die Statue des auferstandenen Christus in der Taufkapelle ist aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts. Die Taufschale entstand um 1700.

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Als 1783 Kaiser Joseph II. die Aufhebung der Klöster verfügte, durfte Maria Lanzendorf bestehen bleiben und wurde 1784 wieder Pfarrkirche. Allerdings wurden die Wallfahrten verboten. Eine andere Gefahr bestand zwischen 1803 und 1808, als die Kirche jahrelang im Wasser stand, weil der 1803 schiffbar gemachte Wiener Neustädter Kanal undicht war und weite Gebiete überflutete. 1809 verwüsteten die Franzosen im Zuge der Napoleonischen Kriege die Gnadenstätte.

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Das Gnadenbild wurde damals im Franziskanerkloster in Wien in Sicherheit gebracht. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges, am 4. April 1945, wurde die Kirche in Brand geschossen. Das Dach und die Türme brannten ab und das wertvolle Kuppelfresko von Johann Michael Rottmayr wurde zerstört. Bis 1956 wurde die Kirche erneuert und renoviert. 1990 wurde das bis dahin von den Franziskanern betreute Kloster dem Oratorium des hl. Philipp Neri übergeben. Seit 2007 ist es in der Obhut der franziskanischen Gemeinschaft Maria, Königin des Friedens.

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Über der gotischen Kapelle wurde ein barocker Neubau von Franz Jänggl errichtet, der wahrscheinlich von Matthias Steinl überarbeitet wurde. Der 1703 geweihte Bau erwies sich bald als zu klein für die Gläubigen und wurde daher 1728–1730 noch einmal erweitert, so dass ähnlich wie in Mariazell die Gnadenkapelle in der Mitte der Kirche positioniert wurde. Die Kirche besitzt eine barocke Doppelturmfassade nach Entwurf von Matthias Steinl. Das Langhaus ist hoch proportioniert, der Chor ist gleich hoch unter einem Satteldach. Ein Portalvorbau mit Dreiecksgiebel und niedere Vorbauten an der Südseite treten aus der Fassade hervor.

Die reiche barocke Kanzel zeigt auf dem Schalldeckel die Stauen der vier Evangelisten, an der Rückwand Engelsfiguren.

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Das wertvollste Grabdenkmal ist ein prächtiger Wandepitaph von 1716 für die Fürstin Eva Esterhazy.

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Weiter folgen zwei wertvolle Altäre von Matthias Steinl: links der Kreuzaltar mit einer ausdrucksstarken vielfigurigen plastischen Figurengruppe und rechts ein Altar mit der Darstellung der Sippe Christi in Illusionsperspektive.

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Das Langhaus besteht aus einem weiten fünfjochigen Saalbau mit Stichkappentonne auf breiten Wandpfeilern. Zwischen den Pfeilern befinden sich seichte Kapellen. Die Westempore ist kreuzgratunterwölbt und ruht auf toskanischen Marmorsäulen. Der Chor mit Halbkreisapside und Stichkappen über Pfeilern wird von einer Pendentifkuppel bedeckt. Das Hochaltarbild Christus am Ölberg (1730) schuf ebenfalls Johann Michael Rottmayr.

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Anstelle der zerstörten Fresken Beschluss des ewigen Vaters über die Menschwerdung seines Sohnes von Johann Michael Rottmayr von 1728 bis 1730 schuf Wolfram Köberl 1954 ein barockisierendes Gewölbefresko, das Maria als Vermittlerin zwischen Christus und Welt darstellt. In den Pendentifs sind Fresken Rottmayrs mit Szenen aus dem Alten Testament erhalten.

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Die Seitenaltäre im Chor von Rottmayr stellen die Stigmatisation der hll. Franz von Assisi (links) und Antonius von Padua (rechts) dar.

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Die Kapelle wird von einer umlaufenden Marmorbalustrade bekrönt. An der Westseite stehen die Statuen der hll. Petrus und Paulus auf Halbsäulen. An den Außenwänden befinden sich sieben große Leinwandbilder von Jacob Michl aus dem Jahr 1746.

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An den Triumphbogenpfeilern befinden sich links Seitenaltäre mit dem hl. Florian von Kautzner (1847) und rechts mit der Unterweisung Marias aus der Zeit um 1700. Westlich daran schließen sich links ein Altar mit dem Bild des hl. Sebastian von Josef Neugebauer (1842) und rechts der Maria Immaculata (1707) an.

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Die seit dem Mittelalter urkundlich belegte Wallfahrt erlebte Ende des 17. Jahrhunderts durch die Gründung eines Franziskanerklosters 1696 und den Kirchenneubau einen bedeutenden Aufschwung. 1699 legte Kaiser Leopold I. den Grundstein für den Bau der barocken Wallfahrtskirche durch Baumeister Franz Jänggle, wobei auf Wunsch des Kaisers der gotische Chor der Vorgängerkirche als Gnadenkapelle in die barocke Kirche integriert werden sollte. Die Gnadenkapelle befindet sich freistehend im Langhaus; die Gnadenstatue schuf der Bildhauer Fiechtl anstelle des älteren, verlorenen Gnadenbildes (nach 1683).

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Die Ursprünge des Gnadenortes „Maria auf der Heyd“ sind von Legenden umrankt, wovon manche historischer Fakten zu entbehren scheint. In den folgenden Ausführungen sollen Legenden und historisch belegbare Fakten, aber auch die heutigen Strukturen, welche die Pfarr- und Wallfahrtskirche, das Kloster, den Kalvarienberg und die Pfarre umfassen, getrennt dargestellt werden.

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In der Devotionalienkapelle befindet sich ein Altar mit einer weiteren Pietà aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Hier hängen zahlreiche volkstümliche Votivbilder, die aufgrund von Gebetserhörungen entstanden.

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Ab 1699 begann der Franziskaner-Laienbruder Franz Felix Nüring (Niering) mit Helfern neben der Kirche den bemerkenswerten Kalvarienberg zu errichten. Bereits 1701 wurde der Kalvarienberg, noch unfertig, seiner Bestimmung übergeben. Es handelt sich um einen künstlichen Hügel mit spiralförmig umlaufenden Treppen, in dessen Grotten und Höhlen die Stationen des Leidensweges Christi dargestellt werden. Die Figuren in den Grotten sind aus Holz, die bekrönende Kreuzigungsgruppe aus Stein, ebenso wie die Engelsfiguren an den Treppenbrüstungen. Mit der Hinzufügung einer Nachbildung der HI. Stiege (Scala Santa) in der unteren, rechten Zone war der Bau am 16. August 1709 abgeschlossen.

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Neben der Kirche wurde von dem Franziskanerbruder Franz Felix Nüring ein Kalvarienberg angelegt (1699-1701). Die künstliche Felsenanlage mit spiralförmig umlaufenden Treppen umfasst Nischen und Grotten mit den Passionsfiguren und eine Kreuzigungsgruppe als Abschluss, weiters eine davor liegende Heilig-Grab-Kapelle und eine 1709 errichtete "Scala Santa". Die bemerkenswerte Anlage wurde ein Jahrzehnt später zum Vorbild des Kalvarienbergs in Wien-Hernals. Der um 1703 entstandene Kupferstich zeigt die Wallfahrtskirche mit Kloster und Kalvarienberg zur Zeit der Fertigstellung.

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Der Kalvarienberg von Maria Lanzendorf ist ein einzigartiges Dokument barocker Frömmigkeit – ein künstlich aufgebrachter Hügel, in dessen Nischen und Grotten der Leidensweg, der Kreuzestod, aber auch die Auferstehung Jesu Christi teils figural, teils bildlich nachvollzogen wird.

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1699 begann der Franziskanerbruder Br. Felix Niering (auch Nüring) mit der Errichtung des Hügels aus Blöcken des Laaer-Steinbruchs und der Fertigung der lebensgroßen, überaus ausdrucksstarken Figuren. Bereits 1701 wurde der Kalvarienberg, noch unfertig, seiner Bestimmung übergeben. Am 16. August 1709 war der Bau mit der Fertigstellung der Hl. Stiege, einer Nachbildung der Stiege im Palast des römischen Statthalters Pontius Pilatus in Jerusalem (Original befindet sich heute in Rom), über die Christus nach seiner Verurteilung zur Kreuzigung gebracht worden ist, abgeschlossen.

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Tags darauf bestieg Kaiserinwitwe Eleonore Magdalena Theresia in Begleitung ihrer Töchter und des Hofstaates auf Knien den heiligen Ort. Die drei Altäre im Kalvarienberg, der „Auferstehungsaltar“, der „Abendmahlsaltar“ (heute nicht mehr zu sehen) und der Altar der „Verspottung Christi durch Herodes“ wurden am 12. April 1726 vom Franziskanerbischof Nikolaus Stanislavich konsekriert.

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Der Beginn der Pfarre lässt sich nicht genau datieren. Das älteste Dokument, in dem eine bereits existierende Pfarre mit Pfarrkirche und Pfarrhof erwähnt wird, stammt aus dem Jahr 1395. Laut Bericht einer geistlichen Untersuchungskommission von 1544 waren diese Pfarrkirche und der Pfarrhof 1529 von den Türken verwüstet und nicht mehr aufgebaut worden. Die Pfarre existierte aber weiterhin und wurde von Oberlaa und St. Stephan in Wien betreut. Von der zweiten Hälfte des 16. Jhdts. an erhielt die Pfarre Lanzendorf für kurze Zeit wieder eigene Seelsorger, aber schon 1568 oder 1569 wurde die Pfarre Lanzendorf mit Oberlaa vereinigt, da die meisten Katholiken zum Protestantismus übergetreten waren. 1784 wurde die Pfarre wieder selbständig und dem Franziskanerorden inkorporiert. Ab 1784 ist das Heiligtum Pfarr-, Kloster- und Wallfahrtskirche. Das Kloster wurde gleichzeitig teilweise als Pfarrhof geöffnet.

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Maria Lanzendorf zählt zu den ältesten Wallfahrtsorten Österreichs. Die Kirche ist der Schmerzensmutter, der Pieta, geweiht und mit besonderen Gnadengaben ausgestattet. Seit Jahrhunderten, niemand vermag zu sagen, wann der Pilgerstrom eingesetzt hat, erfahren hier Pilger von nah und fern Nähe und Beistand, aber auch Trost und Hilfe der Schmerzensmutter, selbst dargestellt in tiefstem Leid einer Mutter mit ihrem geschundenen, toten Sohn in den Armen. Die zahlreichen Votivbilder, von denen die kostbarsten in der Votivkapelle zu sehen sind, geben beredtes Zeugnis von menschlichen Schicksalen, die durch Hinwendung zur Gnadenmutter und Anflehung ihrer Hilfe eine glückliche Wendung genommen haben.

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Wem der viele Text zu lange war und lieber Bewegtbilder mit Musik mag, kann sich gerne dieses Video antun: