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Die Wallfahrtskirche Maria Lanzendorf ist der schmerzhaften Muttergottes geweiht und ist eine römisch-katholische Pfarrkirche in Niederösterreich. Sie war lange Zeit einer der meistbesuchten Wallfahrtsorte Niederösterreichs. Bemerkenswert ist die Integration der gotischen Gnadenkapelle in den barocken Kirchenneubau und der neben der Kirche gelegene Kalvarienberg.

Historische Urkunden berichten, dass 1267 die Anordnung getroffen
wurde, täglich hier die Messe zu feiern. 1418 wurde Maria Lanzendorf
schließlich Wallfahrtsort genannt. Eine Pfarrkirche bestand in
Lanzendorf, für die 1395 erstmals ein Pfarrer namens Otto erwähnt wird.
Im Jahre 1529 wurden diese Kirche und der Pfarrhof von Lanzendorf im
Zuge der Ersten Wiener Türkenbelagerung zerstört und danach nicht
wieder aufgebaut.

Die freistehende Gnadenkapelle
befindet sich im Langhaus vor dem Chor. Sie besteht aus dem einjochigen
gotischen Chor des Vorgängerbaus, der 1701 barockisiert wurde. Die
Außenwände sind von rotem Marmor umschlossen. Im Inneren ist sie
kostbar ausgestattet durch reichen Stuck und plastischen Dekor. Der
bemerkenswerte Marmoraltar besitzt Säulen über einem halbkreisförmigen
Grundriss. Auf dem Tempietto-Tabernakel steht die Gnadenstatue vom
Bildhauer Fiechtl, eine Pietà in gotisierenden Formen, entstanden nach
1683. In den Lünetten befinden sich ovale Bilder mit der Verkündigung
und Anbetung der Hirten vom Anfang des 18. Jahrhunderts.

Aus Priestermangel in jener Zeit der Reformation erhielt die Pfarre Laa
die Seelsorge von Lanzendorf und Aushilfspriester wurden von St.
Stephan in Wien geschickt, die in der von den Türken verschonten
Wallfahrtskapelle Gottesdienste hielten. Nachdem zwischendurch die
Pfarre wieder mit eigenen Priestern besetzt war, musste Bischof Anton
Brus (1558–1563) die Pfarre schließlich auflösen, da die meisten
Bewohner protestantisch wurden und die Einkünfte im Ort zu gering
waren. Damit war die Wallfahrtskirche verlassen.

Maria-Lanzendorf wurde nach dem 1703 vollendeten Kirchenneubau zu einem
der meistbesuchten Wallfahrtsorte Niederösterreichs. Die erste
urkundliche Nachricht von einer Kirche stammt aus der Mitte des 12.
Jahrhunderts (1145), als ein zerstörtes Gotteshaus wieder aufgebaut
wurde. Die Kirche lag außerhalb von Ober- und Unter-Lanzendorf und
wurde 1349 Pfarre. Ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts war
Maria-Lanzendorf mit der Pfarre Oberlaa vereint, 1784 wurde sie wieder
selbstständig.

Bei der Zweiten Wiener Türkenbelagerung 1683 wurde die Wallfahrtskirche
zerstört und das Gnadenbild verschwand. Der Bildhauer Fiechtl aus
Gumpoldskirchen schuf kurz darauf ein neues Bildnis, das dem gotischen
ähnlich war. Ein Franziskaner betreute die Kapelle und Wallfahrten aus
Wien setzten wieder ein. Aufgrund von zahlreichen Gebetserhörungen
beschloss Kaiser Leopold I. 1696 ein Franziskanerkloster und eine neue
Wallfahrtskirche zu errichten. Er legte selbst den Grundstein für den
Neubau und verfügte, dass der Chor der alten Kapelle erhalten bleiben
muss.

Wie großen Anteil er am Schicksal Maria Lanzendorfs nahm, geht auch
daraus hervor, dass er fünfzehnmal die Baustelle während der
Errichtungsarbeiten besuchte. Bis zur Fertigstellung wuchs die Anzahl
der Ordensbrüder von 12 auf 40 an. Das Kaiserhaus besuchte die
Wallfahrtskirche oft, vielleicht bedingt durch die Nähe Maria
Lanzendorfs zum kaiserlichen Sommersitz Laxenburg. Kaiser Joseph I.,
Karl VI., Maria Theresia und später Elisabeth kamen oft in die
Wallfahrtskirche zum Gebet.
Die Statue des auferstandenen Christus in der Taufkapelle ist aus dem
Anfang des 18. Jahrhunderts. Die Taufschale entstand um 1700.

Als 1783 Kaiser Joseph II. die Aufhebung der Klöster verfügte, durfte
Maria Lanzendorf bestehen bleiben und wurde 1784 wieder Pfarrkirche.
Allerdings wurden die Wallfahrten verboten. Eine andere Gefahr bestand
zwischen 1803 und 1808, als die Kirche jahrelang im Wasser stand, weil
der 1803 schiffbar gemachte Wiener Neustädter Kanal undicht war und
weite Gebiete überflutete. 1809 verwüsteten die Franzosen im Zuge der
Napoleonischen Kriege die Gnadenstätte.

Das Gnadenbild wurde damals im Franziskanerkloster in Wien in
Sicherheit gebracht. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges, am 4. April
1945, wurde die Kirche in Brand geschossen. Das Dach und die Türme
brannten ab und das wertvolle Kuppelfresko von Johann Michael Rottmayr
wurde zerstört. Bis 1956 wurde die Kirche erneuert und renoviert. 1990
wurde das bis dahin von den Franziskanern betreute Kloster dem
Oratorium des hl. Philipp Neri übergeben. Seit 2007 ist es in der Obhut
der franziskanischen Gemeinschaft Maria, Königin des Friedens.

Über der gotischen Kapelle wurde ein barocker Neubau von Franz Jänggl
errichtet, der wahrscheinlich von Matthias Steinl überarbeitet wurde.
Der 1703 geweihte Bau erwies sich bald als zu klein für die Gläubigen
und wurde daher 1728–1730 noch einmal erweitert, so dass ähnlich wie in
Mariazell die Gnadenkapelle in der Mitte der Kirche positioniert wurde.
Die Kirche besitzt eine barocke Doppelturmfassade nach Entwurf von
Matthias Steinl. Das Langhaus ist hoch proportioniert, der Chor ist
gleich hoch unter einem Satteldach. Ein Portalvorbau mit Dreiecksgiebel
und niedere Vorbauten an der Südseite treten aus der Fassade hervor.
Die reiche barocke Kanzel zeigt auf dem Schalldeckel die Stauen der
vier Evangelisten, an der Rückwand Engelsfiguren.

Das wertvollste Grabdenkmal ist ein prächtiger Wandepitaph von 1716 für
die Fürstin Eva Esterhazy.

Weiter folgen zwei wertvolle Altäre von Matthias Steinl: links der
Kreuzaltar mit einer ausdrucksstarken vielfigurigen plastischen
Figurengruppe und rechts ein Altar mit der Darstellung der Sippe
Christi in Illusionsperspektive.

Das Langhaus besteht aus einem weiten fünfjochigen Saalbau mit
Stichkappentonne auf breiten Wandpfeilern. Zwischen den Pfeilern
befinden sich seichte Kapellen. Die Westempore ist kreuzgratunterwölbt
und ruht auf toskanischen Marmorsäulen. Der Chor mit Halbkreisapside
und Stichkappen über Pfeilern wird von einer Pendentifkuppel bedeckt.
Das Hochaltarbild Christus am Ölberg (1730) schuf ebenfalls Johann
Michael Rottmayr.

Anstelle der zerstörten Fresken Beschluss des ewigen Vaters über die
Menschwerdung seines Sohnes von Johann Michael Rottmayr von 1728 bis
1730 schuf Wolfram Köberl 1954 ein barockisierendes Gewölbefresko, das
Maria als Vermittlerin zwischen Christus und Welt darstellt. In den
Pendentifs sind Fresken Rottmayrs mit Szenen aus dem Alten Testament
erhalten.

Die Seitenaltäre im Chor von Rottmayr stellen die Stigmatisation der
hll. Franz von Assisi (links) und Antonius von Padua (rechts) dar.

Die Kapelle wird von einer umlaufenden Marmorbalustrade bekrönt. An der
Westseite stehen die Statuen der hll. Petrus und Paulus auf Halbsäulen.
An den Außenwänden befinden sich sieben große Leinwandbilder von Jacob
Michl aus dem Jahr 1746.

An den Triumphbogenpfeilern befinden sich links Seitenaltäre mit dem
hl. Florian von Kautzner (1847) und rechts mit der Unterweisung Marias
aus der Zeit um 1700. Westlich daran schließen sich links ein Altar mit
dem Bild des hl. Sebastian von Josef Neugebauer (1842) und rechts der
Maria Immaculata (1707) an.

Die seit dem Mittelalter urkundlich belegte Wallfahrt erlebte Ende des
17. Jahrhunderts durch die Gründung eines Franziskanerklosters 1696 und
den Kirchenneubau einen bedeutenden Aufschwung. 1699 legte Kaiser
Leopold I. den Grundstein für den Bau der barocken Wallfahrtskirche
durch Baumeister Franz Jänggle, wobei auf Wunsch des Kaisers der
gotische Chor der Vorgängerkirche als Gnadenkapelle in die barocke
Kirche integriert werden sollte. Die Gnadenkapelle befindet sich
freistehend im Langhaus; die Gnadenstatue schuf der Bildhauer Fiechtl
anstelle des älteren, verlorenen Gnadenbildes (nach 1683).

Die Ursprünge des Gnadenortes „Maria auf der Heyd“ sind von Legenden
umrankt, wovon manche historischer Fakten zu entbehren scheint. In den
folgenden Ausführungen sollen Legenden und historisch belegbare Fakten,
aber auch die heutigen Strukturen, welche die Pfarr- und
Wallfahrtskirche, das Kloster, den Kalvarienberg und die Pfarre
umfassen, getrennt dargestellt werden.

In der Devotionalienkapelle befindet sich ein Altar mit einer weiteren
Pietà aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Hier hängen zahlreiche
volkstümliche Votivbilder, die aufgrund von Gebetserhörungen entstanden.

Ab 1699 begann der Franziskaner-Laienbruder Franz Felix Nüring
(Niering) mit Helfern neben der Kirche den bemerkenswerten
Kalvarienberg zu errichten. Bereits 1701 wurde der Kalvarienberg, noch
unfertig, seiner Bestimmung übergeben. Es handelt sich um einen
künstlichen Hügel mit spiralförmig umlaufenden Treppen, in dessen
Grotten und Höhlen die Stationen des Leidensweges Christi dargestellt
werden. Die Figuren in den Grotten sind aus Holz, die bekrönende
Kreuzigungsgruppe aus Stein, ebenso wie die Engelsfiguren an den
Treppenbrüstungen. Mit der Hinzufügung einer Nachbildung der HI. Stiege
(Scala Santa) in der unteren, rechten Zone war der Bau am 16. August
1709 abgeschlossen.

Neben der Kirche wurde von dem Franziskanerbruder Franz Felix Nüring
ein Kalvarienberg angelegt (1699-1701). Die künstliche Felsenanlage mit
spiralförmig umlaufenden Treppen umfasst Nischen und Grotten mit den
Passionsfiguren und eine Kreuzigungsgruppe als Abschluss, weiters eine
davor liegende Heilig-Grab-Kapelle und eine 1709 errichtete "Scala
Santa". Die bemerkenswerte Anlage wurde ein Jahrzehnt später zum
Vorbild des Kalvarienbergs in Wien-Hernals. Der um 1703 entstandene
Kupferstich zeigt die Wallfahrtskirche mit Kloster und Kalvarienberg
zur Zeit der Fertigstellung.

Der Kalvarienberg von Maria Lanzendorf ist ein einzigartiges Dokument
barocker Frömmigkeit – ein künstlich aufgebrachter Hügel, in dessen
Nischen und Grotten der Leidensweg, der Kreuzestod, aber auch die
Auferstehung Jesu Christi teils figural, teils bildlich nachvollzogen
wird.

1699 begann der Franziskanerbruder Br. Felix Niering (auch Nüring) mit
der Errichtung des Hügels aus Blöcken des Laaer-Steinbruchs und der
Fertigung der lebensgroßen, überaus ausdrucksstarken Figuren. Bereits
1701 wurde der Kalvarienberg, noch unfertig, seiner Bestimmung
übergeben. Am 16. August 1709 war der Bau mit der Fertigstellung der
Hl. Stiege, einer Nachbildung der Stiege im Palast des römischen
Statthalters Pontius Pilatus in Jerusalem (Original befindet sich heute
in Rom), über die Christus nach seiner Verurteilung zur Kreuzigung
gebracht worden ist, abgeschlossen.

Tags darauf bestieg Kaiserinwitwe Eleonore Magdalena Theresia in
Begleitung ihrer Töchter und des Hofstaates auf Knien den heiligen Ort.
Die drei Altäre im Kalvarienberg, der „Auferstehungsaltar“, der
„Abendmahlsaltar“ (heute nicht mehr zu sehen) und der Altar der
„Verspottung Christi durch Herodes“ wurden am 12. April 1726 vom
Franziskanerbischof Nikolaus Stanislavich konsekriert.

Der Beginn der Pfarre lässt sich nicht genau datieren. Das älteste
Dokument, in dem eine bereits existierende Pfarre mit Pfarrkirche und
Pfarrhof erwähnt wird, stammt aus dem Jahr 1395. Laut Bericht einer
geistlichen Untersuchungskommission von 1544 waren diese Pfarrkirche
und der Pfarrhof 1529 von den Türken verwüstet und nicht mehr aufgebaut
worden. Die Pfarre existierte aber weiterhin und wurde von Oberlaa und
St. Stephan in Wien betreut. Von der zweiten Hälfte des 16. Jhdts. an
erhielt die Pfarre Lanzendorf für kurze Zeit wieder eigene Seelsorger,
aber schon 1568 oder 1569 wurde die Pfarre Lanzendorf mit Oberlaa
vereinigt, da die meisten Katholiken zum Protestantismus übergetreten
waren. 1784 wurde die Pfarre wieder selbständig und dem
Franziskanerorden inkorporiert. Ab 1784 ist das Heiligtum Pfarr-,
Kloster- und Wallfahrtskirche. Das Kloster wurde gleichzeitig teilweise
als Pfarrhof geöffnet.

Maria Lanzendorf zählt zu den ältesten Wallfahrtsorten Österreichs. Die
Kirche ist der Schmerzensmutter, der Pieta, geweiht und mit besonderen
Gnadengaben ausgestattet. Seit Jahrhunderten, niemand vermag zu sagen,
wann der Pilgerstrom eingesetzt hat, erfahren hier Pilger von nah und
fern Nähe und Beistand, aber auch Trost und Hilfe der Schmerzensmutter,
selbst dargestellt in tiefstem Leid einer Mutter mit ihrem
geschundenen, toten Sohn in den Armen. Die zahlreichen Votivbilder, von
denen die kostbarsten in der Votivkapelle zu sehen sind, geben beredtes
Zeugnis von menschlichen Schicksalen, die durch Hinwendung zur
Gnadenmutter und Anflehung ihrer Hilfe eine glückliche Wendung genommen
haben.

Wem der viele Text zu lange war und lieber Bewegtbilder mit Musik mag,
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