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Museumsstätte der berühmten Porzellanmanufaktur
Zsolnay. Keramikfabrik aus dem 19. Jahrhundert, heute ein Kulturzentrum
mit Kunstgalerien, Musikveranstaltungen und Cafés.

Pécs, eine Stadt mit mediterranem Flair, war 2010 Kulturhauptstadt
Europas. Als größte Investition des Projekts ist das Kulturviertel
Zsolnay zu einer neuen und einzigartigen kulturellen und künstlerischen
Basis geworden, die in Europa nahezu beispiellos ist.
Das Kulturviertel Zsolnay sticht unter den zahlreichen Attraktionen der
Stadt als wunderbarer Freizeitkomplex hervor. Hier lebte und arbeitete
im 19. und 20. Jahrhundert die für ihre Porzellanherstellung berühmte
Familie Zsolnay. Das Erbe der Zsolnay-Familie lebt in dem wunderschön
restaurierten, 5 Hektar großen Gelände der weltberühmten Keramikfabrik
weiter, wo 15 denkmalgeschützte Gebäude und 88 öffentliche
Zsolnay-Statuen die malerischen Parks und Promenaden schmücken. Das
Zsolnay-Viertel bietet Ausstellungen, historische Gebäude und
Unterhaltung.

Das Zsolnay-Viertel beherbergt einzigartige Ausstellungen, die das
Zsolnay-Erbe präsentieren. Die Sammlung von Dr. László Gyugyi, eine aus
Amerika zurückgekehrte Sammlung von fast 700 Keramiken im Wert von zwei
Milliarden Forint, trägt den Titel Zsolnay’s Goldenes Zeitalter. Die
frühesten Zsolnay-Produkte sind in der Pinken Ausstellung zu sehen, die
etwa 1200 Stücke umfasst. Diese beiden Ausstellungen werden durch eine
Ausstellung über die Geschichte der Familie und der Fabrik ergänzt. Das
Zsolnay-Mausoleum, die Ruhestätte der Familie Zsolnay, in dem 42 Löwen
das Geheimnis des Eosins hüten, ist in seiner ursprünglichen Pracht auf
dem Hügel in der Nähe des Kulturviertels Zsolnay zu bewundern.
Die Zsolnay-Manufaktur ist ein besonderer Ort in der Fabrik und im
Kulturviertel, wo die Besucher durch eine Glaswand einen Blick auf den
150 Jahre alten Produktionsprozess der Zsolnay-Porzellanmanufaktur
werfen können, wo Materialien und Techniken offengelegt werden, mit
Ausnahme des Geheimnisses des Eosins, dessen genaue Rezeptur noch immer
geheim gehalten wird. Die Wände des “Saals mit den Aposteln” (Apostolos
terem) sind mit Aposteln und Engeln aus Terrakotta geschmückt, die mit
Eisen- und Manganoxyd bemalt wurden. Im “Deutschen Saal”(Német szoba)
sind sechs große Tafeln mit bunten Kacheln aus den frühen 1900er Jahren
zu sehen.

Der Einfluss des Hausgewerbes und der Volkskunst in den 1870-er Jahren
Vilmos Zsolnay erlangte seinen ersten bedeutenden internationalen
Erfolg bei der Wiener Weltausstellung 1873. Hier präsentierte er
Gebrauchs- und Ziergegenstände sowie Gartenvasen und Bauelemente aus
Terrakotta. Unter den Ziergegenständen gab es schon damals die Krüge im
ungarischen Stil, die in Formgebung und Dekor die Einflüsse des
bäuerlichen Töpferhandwerks erkennen lassen. In den 1870-er Jahren
entwickelten sich das Konzept des „Kunstgewerbes" und die Entdeckung
des Volkshandwerks parallel zueinander. Man begann, die bäuerliche
Kultur zu erforschen und Gegenstände der Volkskunst zu sammeln. Das
Handwerksgewerbe, das für den bäuerlichen Gebrauch und nach dem
bäuerlichen Geschmack Gebrauchsgegenstände herstellte, nannte man
„Hausgewerbe". Mit der staatlichen Förderung des „Hausgewerbes"
verfolgte man auch praktische Ziele, wie etwa einer Schicht des
verarmenden Bauerntums den Lebensunterhalt zu sichern.
In der Wirklichkeit gelangten jedoch die billigeren Industrieprodukte,
also das Steingutgeschirr und die emaillierten Eisentöpfe auch in die
abgelegensten Dörfer, somit gab ein Teil der Töpfer sein Handwerk auf
und nahm eine Arbeit in der Zsolnay-Fabrik an. Anfangs kamen die Töpfer
aus Pécs, dann auch aus den Töpferzentren der Umgebung (Siklós,
Hosszúhetény) und schließlich auch aus weiter entfernt gelegenen
Gebieten. Ein Teil des Gebrauchsgeschirrs hauptsächlich verschiedene
Krüge und Kannen behielt seinen bäuerlichen Ursprung bis Ende des
Jahrhunderts bei. Diese Produkte wurden meist mit einem speziellen
Werkzeug („íróka"), mit einer ähnlichen Technik wie bei der
Engobenmalerei, dekoriert. In den 1870-er Jahren entstanden die Dekors
im ungarischen Stil mit Unterglasurmalerei aus Kobalt- oder
Chromverbindungen, mit Majolikamalerei oder eventuell mit
Porzellanbemalung bei Niedrigbrand.
In den 1870-er Jahren konnte Vilmos Zsolnay noch keine professionellen
Künstler beschäftigen, daher stammten die Entwürfe meist von den Malern
selbst, doch beteiligte auch er sich an dieser Arbeit. Seine Töchter
Teréz und Júlia begannen Mitte der 1870-er Jahre, volkstümliche Töpfer-
und Textilarbeiten zu sammeln. Die Idee zu dieser Sammlung als gute
Grundlage für die Entwürfe stammte von Teréz Zsolnay. Von dieser Zeit
an bildeten sich die beiden Töchter autodidaktisch weiter, Júlia aber
machte die Formgestaltung zu ihrem Lebensziel. Der Archäologe und
Kunsthistoriker Flóris Rómer half den Geschwistern bei ihrer Arbeit mit
Ratschlägen auf dem Gebiet der Volkskunde, der damalige Direktor des
Nationalmuseums, Ferenc Pulszky, hingegen lieh ihnen zuweilen Habaner
Keramik für Vorlagen.
Auch in der frühesten Sammlung des Museums für Kunstgewerbe befand sich
bereits durch die Volkskunst inspiriertes Steingutgeschirr aus der
Zsolnay-Fabrik. Zu Beginn der 1880-er Jahre, als die Porzellan-Fayence
schon längst hergestellt wurde, war das von den Töpfern aus Siklós und
Mohács gefertigte und von den Malerlehrlingen der Fabrik mit goldener
Kontur verzierte Geschirr immer noch ein beliebtes Produkt.
Aus der Sammlung von Töpferwaren, bestickten und gewebten
Textilarbeiten der beiden Zsolnay-Schwestern wurde unter Mitwirkung von
Ferenc Pulszky 1882 eine Ausstellung in der Ungarischen Akademie der
Wissenschaften veranstaltet. Die schönsten Stickereimotive
veröffentlichte Júlia Sikorska Zsolnay 1889 in einem Bildband. Während
Teréz Mattyasovszky Zsolnay vor allem von der Ornamentik der Volkskunst
inspiriert war, verewigte Júlia auf ihren Gemälden mit Vorliebe die in
magyarischer, bosnischer und schokazischer Tracht gekleideten Bauern
jener Region.
* * *
Maria mit dem Jesuskind, Entwurf von László Szomor, 1937, Pyrogranit

Die schweren Zeiten nach dem Ersten Weltkrieg
Am 14. November 1918 wurde der südliche Teil des Komitats Baranya
zusammen mit der Stadt Pécs von serbischen Truppen besetzt. Miklós
Zsolnay floh, da er befürchtete, von der serbischen Armee als Geisel
genommen zu werden, nach Budapest. 1919 wandelte er die bislang private
Firma in eine offene Handelsgesellschaft um, als deren Partner er seine
drei Neffen aufnahm: Tibor Mattyasovszky-Zsolnay, Zsolt
Mattyasovszky-Zsolnay und Miklós Sikorksi-Zsolnay, die die Leitung der
Fabrik bereits während seiner sich zunehmend verschlechternden
Krankheit übernahmen. Nach dem Tode ihres Onkels im Jahre 1922 leiteten
sie die Fabrik dann gemeinsam weiter.
Der älteste von ihnen, Tibor Mattyasovszky-Zsolnay, verfügte bereits
über geschäftliche Erfahrungen und übernahm so die Rolle des Direktors
und die Geschäftsleitung. Zsolt Mattyasovszky-Zsolnay war als
hervorragender Chemiker für die Technologie verantwortlich. Miklós
Sikorski-Zsolnay aber übernahm als Architekt die Position seines
Vaters, der 1918 ausgeschieden war, und überwachte die
Pyrogranit-Herstellung.
Die neue Geschäftsleitung hatte sich jedoch mit ernst zu nehmenden
Schwierigkeiten auseinanderzusetzen. Infolge des Vertrags von Trianon
und dem Zerfall Österreich-Ungarns verlor Ungarn den Großteil seiner
Rohstoffquellen und Märkte. Auch die Zsolnay-Fabrik hatte mit der
Einengung des Marktes, dem Rohrstoffmangel sowie der Geldentwertung zu
kämpfen. Der Gewinn musste, insofern ein solcher überhaupt
erwirtschaftet werden konnte, in die Fabrik investiert werden, um sie
am Leben zu erhalten, demzufolge kamen die Erben nicht an ihren Erbteil.
Zu dieser Zeit verklagte einer der Erben die offene
Handelsgesellschaft, und es kam zu einer wahren Prozessserie. Nach 16
Jahren, 1938, wurde die offene Handelsgesellschaft gemäß des
gerichtlichen Urteils aufgelöst. Ein Erbe nahm seinen Eigentumsanteil
in vollem Umfang heraus, zwei Erben zum Teil. Die verbliebenen Erben
kamen darin überein, eine neue offene Handelsgesellschaft zu gründen,
an deren Gewinn sie entsprechend ihres Eigentumsanteils beteiligt sein
sollten. Die Leiter der neuen Gesellschaft waren Tibor
Mattyasovszky-Zsolnay, Miklós Sikorski-Zsolnay und die Witwe von László
Mattyasovszki-Zsolnay geb. Márta Sikorski. Die neuorganisierte
Gesellschaft wurde als „Tibor Mattyasovszky Zsolnay und Partner,
Zsolnay-Keramikfabrik OHG Pécs" eingetragen.
Die Zwischenkriegszeit - Umstellung auf Porzellanherstellung
Nach dem Ersten Weltkrieg, in den Jahren nach dem Zerfall
Österreich-Ungarns ging die Nachfrage an Zierprodukten sowie an
Pyrogranit bedeutend zurück. Die Fabrik wurde durch das zunehmende
Interesse an Hoch- und Niederspannungsisolatoren und mit staatlichen
Aufträgen für die Elektrifizierung der Eisenbahnlinien am Leben
gehalten. Der Ausbau der Kanalisation in den Städten stellte ebenfalls
einen bedeutenden Teil der staatlichen Bestellungen dar. Der
Maschinenpark war veraltet und die allzu breite Produktpalette, die
hinsichtlich ihrer Wirtschaftlichkeit überprüft werden musste, wurde
unhaltbar. Es wurde eine Inventur des Lagerbestands durchgeführt, und
die Generation der Enkel begann mit einer Umgestaltung der Fabrik.
Francesco Gilli, der Ehemann von Teréz Mattyasovszky-Zsolnay, führte
eine moderne Buchhaltung ein und erwies sich damit als große Hilfe.
Es war offensichtlich, dass neben der Perfektionierung der
Isolatorenproduktion die Umstellung auf die Porzellanherstellung
unerlässlich war. Die Gewährleistung der technischen Voraussetzungen
leitete Zsolt Mattyasovszky-Zsolnay, dessen Traum es war, die
Zsolnay-Fabrik zu einen der modernsten Betriebe Europas zu machen. Er
suchte die ausländischen (tschechischen und deutschen) Fachleute auf,
unter deren Mitwirkung die Umgestaltung der Fabrik 1924 ihren Anfang
nahm. Unter ihnen hebt sich der Tscheche Albert Krauss hervor, der 1924
die technische Leitung der Fabrik übernahm. Zur Zeit der Umgestaltung
wurden einige Abteilungen der Fabrik ebenfalls von ausländischen
Fachleuten geleitet Erst zum Ende der 1930-er Jahre erreichte man das
Niveau, dass die Leitung nach und nach von den angelernten Mitarbeitern
der Fabrik übernommen werden konnte. Die Beschaffung der Rohstoffe
bedeutete ebenfalls ein ernstes Problem. Die Bergwerke, die sich im
Besitz der Familie befanden oder von ihr gepachtet wurden, lagen
jenseits der neuen Zollgrenzen. Die Situation wurde zudem dadurch
kompliziert, dass ihnen weder genügend Devisen noch ausreichende
Waggons für den Transport zur Verfügung standen. All dies war von einem
landesweiten Mangel an Heizkohle gekrönt. Das Grundmaterial für die
Porzellanherstellung ist der Kaolin, der aus der Tschechoslowakei
importiert wurde, andere Roh- und Farbstoffe kamen aus Deutschland, was
zu einer Verteuerung der Produkte führte. So musste wieder nach
heimischen Rohstoffen geforscht werden, unter denen sich der Ton aus
Sárospatak und Hollóháza als geeignet erwies.
Die Umstellung auf die Porzellanherstellung und die Steigerung der
Kapazität erforderten bedeutende technische Investitionen. 1920 war die
Elektrifizierung der Maschinen ein bedeutender Schritt der
Modernisierung.
1929 wurde eine neue Massenmühle installiert und eine vierstöckige
Töpferwerkstatt gebaut. Es entstanden eine neue Press- und
Polierabteilung sowie eine Gießerei. Zsolt Mattyasovszky Zsolnay
leitete den Umbau der Gebäude, die für den Porzellanbetrieb vorgesehen
waren. Als Ergebnis seiner engagierten Arbeit wurde die Fabrik zu einem
modernen Großbetrieb, die vollkommene Realisierung seiner Pläne konnte
er jedoch aufgrund seines frühen Todes im Jahr 1934 nicht mehr
miterleben. 1939 wurde der deutsche Konstrukteur Dettmer mit dem Bau
von zwei Gasöfen beauftragt, die als seine eigene Erfindung realisiert
wurden. 1942 wurde die Zahl der Gasöfen in einer neuen Halle auf drei
erhöht. Im Laufe der Investitionen entstanden auch eine neue
Malerwerkstatt und 2 neue Muffelöfen (Niedertemperatur-Ofen).
Die bedeutendsten Ergebnisse wurden in der Zwischenkriegszeit auf dem
Gebiet der Isolatorenherstellung erzielt. Mit der kontinuierlichen
Verbesserung der technischen Qualität der Hochspannungsisolatoren
erreichte die Fabrik, dass die führenden elektrotechnischen Betriebe,
Stromversorger und Stadtwerke der Zeit zu den Auftraggebern der
Zsolnay-Fabrik gehörten. Ein bedeutender Schritt war auch die
Einführung der Herstellung von Porzellanartikeln für die
Rundfunktechnik. Die Budapester Fabrik geriet in eine ähnliche Lage wie
jene in Pécs. Der Großteil der importierten Rohstoffe war aufgebraucht,
Kohle von entsprechender Qualität war nur in begrenzter Menge
erhältlich und die Zahl der Arbeiter war auf zwanzig gesunken. Die
Umstrukturierung der Budapester Fabrik nahm Francesco Gilli vor. Mit
der Modernisierung der Produkte betraute man deutsche Fachleute, wobei
besonderes Gewicht auf die Fliesenherstellung gelegt wurde. So konnte
erreicht werden, dass die Produktivität bis 1926 auf das Achtfache der
Zeit vor dem Ersten Weltkrieg anwuchs. Die steigende Nachfrage an
Sanitärprodukten und Fliesen sicherte die Grundlage für eine
kontinuierliche Fortentwicklung
Keramik- und Porzellankunst in der Zwischenkriegszeit
1925 stand die Fabrik kurz vor dem Bankrott. Es musste die viertägige
Arbeitswoche eingeführt werden, und zweihundert Arbeiter wurden mitten
im Winter entlassen, sodass es nicht verwunderlich ist, dass die
Herstellung der Ziergegenstände vorübergehend eingestellt wurde. Mit
der Herstellung von künstlerischen Porzellanplastiken begann man 1926
wieder. Die mit Unterglasurtechnik bemalten Plastiken entstanden
zunächst nach den Entwürfen von László Beszédes und wurden ab den
1930-er Jahren dann von András Sinkó und László Szomor, Bildhauern der
Fabrik, entworfen. Die Technik der Unterglasurmalerei hatte László
Mattyasovszky-Zsolnay entwickelt, und er wies die Maler der Fabrik auch
in diese Technik ein. Er selbst korrigierte und erneuerte die alten
Formen. Bis zu seinem Tod im Jahr 1935 leitete er die Herstellung der
Ziergegenstände.
Die Wiederlebung der Eosin-Technik erfolgte in der zweiten Hälfte der
1920-er Jahre ebenfalls unter seiner Leitung. Obwohl die Herstellung
der Ziergegenstände mit Eosin-Glasur noch immer nicht wirtschaftlich
war, betrachtete die Familie sie als ein Erbe, von dem sie sich
keinesfalls trennen wollte, ganz im Gegenteil nahm man nach den
Entwürfen der betagten Teréz Zsolnay und ihres Sohnes, László
Mattyasovszky Zsolnay, die Tutanchamun-Serie in die Produktion auf, und
Júlia Zsolnay entwarf Kunstgeschirr mit Eosin-Glasur in japanischem
Stil. Zudem wurde an den mit der Eosin-Technik glasierten
Ziergegenständen auch die Technik der Laufglasur angewandt

AUSSTELLUNG ÜBER DIE GESCHICHTE DER FAMILIE UND DER FABRIK - DIE ZSOLNAY-NARRATIVEN
Die Kunstwaren bedeuteten Ruhm und Rang für die Fabrik, aber auch der
Industriekomplex war von erheblichem Ausmass. Die erste offizielle
Fabrikstatistik ist aus dem Jahre 1898 überliefert. Die in Pécs
errichtete Fabrik war die grösste des Landes: 1901 waren hier 890
Arbeiter tätig, während in den nächsten drei Betrieben insgesamt 327.
Die Zsolnays waren stattliche Patrizier von Pécs, aber die Memoiren von
Teréz Zsolnay und andere Quellen weisen etwas verschleiert darauf hin,
dass sie nicht nur bewundert worden sein konnten. Die ständig reisende,
sich mit Handelsanliegen und Entwicklungsplänen befassende, zu
Weltbürger gewordene Familie könnte ohnehin beneidet worden sein, und
wer weiss, mit was für Gefühlen die vier-fünf Fremdsprachen mächtige,
für die Kunst der Welt offenen Zsolnay-Töchter zum Sonntagsgottesdienst
gingen, wenn sie ihre verschlossenen, kleinlich intrigierenden
Mitbürger sahen? Eins ist sicher. Die Familie schuf ihre eigene Insel,
eine Stadt in der Stadt, in die jeder eingeladen wurde, der die
Schönheiten Amerikas, Europas und des Orients herbrachte,
Terrakotten-Bausteine oder Porzellanisolator für Hochspannungsleitungen
bestellen wollte.
Kein Prophet gilt in seinem Vaterland, wenn nur nicht für die Zeit,
wann ihm der König die Hand schüttelt. Im September 1881 nahm König und
Kaiser Franz Josef an einem Manöver in der Gegend teil, und wenn er
schon hier war, suchte er die berühmte Fabrik auf. Vilmos empfing ihn
in dem mit Blumengehängen und Eichenlauben geschmückten Fabriktor,
Teréz und Júlia hängten sich an ihre schwarzen Seidenkleider weisse
Rosen, und sie planten, dem König ihre schönsten Kunststücke zu zeigen.
Da sich aber der Herrscher auch für die Produktion interessierte,
wurden ihm auch die Betriebsanlagen gezeigt. Auf dem Fabrikgelände
lebten das patriarchale Asien und die liberale Zukunft zusammen. Vilmos
Zsolnay verhielt sich als strenger Vater, er sorgte für alles und für
alle. Seine Arbeiter hielt er für seine Familienmitglieder und die
Familienmitglieder betrachtete er als seine Arbeiter. Seine Töchter
versorgte er nie mit Geld, aber er bestellte alle Bücher, nach denen
sie sich sehnten und er gönnte ihnen alles, Reisekosten oder
Studiengebühren, wenn es um ihre Erziehung ging. Es siegte die
kulturelle Investition - vergebens nörgelte die stattliche Oma,
die sie zu Hausfrau und zur Ergebenheit erzogen hätte. So wurde Miklós
fähig, als 19jähriger Paris zu erobern und die Mädchen den Zsolnay-Stil
für Generationen zu prägen.
Vilmos Zsolnay hinterliess eine blühende Unternehmung, und seine
Nachfolger hatten nicht weniger Ambition und waren nicht geringfügiger
verbunden oder vorbereitet, das Werk fortzusetzen. Am Anfang des 20.
Jahrhunderts
hätte keiner von ihnen gedacht, dass der Aufschwung einmal gebrochen
werden könnte. Als der Urgrossenkel von Vilmos Zsolnay, Péter
Mattyasovszky-Zsolnay am Karfreitag des Jahres 1948 zur Arbeit ging,
wurde ihm mitgeteilt, dass das Zeitalter der „Ausbeuter" vorbei wäre.
Die Familienmitglieder, unter ihnen die 93jährige Júlia Zsolnay
erhielten nach einem fleissig durchgearbeiteten Leben eine Stunde, ihr
Zuhause, Atelier, Lebenswerk zu verlassen. Für die kommunistische
Diktatur war die Kunstkeramik das Symbol des dekadenten
Grossbürgertums. Die alten, nicht entfernten Mitarbeiter der Fabrik
haben jedoch die Tradition gerettet. Ferenc Őry nahm bereits 1956 die
Unterglasurmalerei wieder auf. Und von den sechziger Jahren an, als die
ideologischen Schranken der Partei allmählich nachgaben, kamen junge
Künstler in die Fabrik György Fürtös, Judit Nádor, János Török. Später
entwarf auch Victor Vasarely eine Raumplastik für die Fabrik (heute
steht sie vor der Paulanerkirche), aber auch Ferenc Martyn, Amerigo Tot
und Eva Zeisel waren in der Fabrik tätig.

Die Handelsbeziehungen der Zsolnay-Fabrik
Die Porzellan-Fayence wurde im Jahr 1878 bei der Pariser
Weltausstellung mit großem Erfolg vorgestellt. Die Fabrik
repräsentierte der erst 19 Jahre alte Miklós Zsolnay, der Sohn von
Vilmos Zsolnay. Sein Vater hatte ihn bereits während der Vorbereitungen
ermutigt, ausländische Investoren zu suchen, von denen er sich eine
Lösung im Hinblick auf den permanenten Kapitalmangel erhoffte.
Vilmos Zsolnay finanzierte seinen Keramikbetrieb von Anfang an durch
seine anderen Unternehmen, vor allem aus dem Profit seines Geschäfts in
der Innenstadt, sowie aus seinen Einkünften aus der Spodiumherstellung,
dem Bergbau, der Holzgewinnung und dem Eisenbahnbau, doch hatte er
ständig mit materiellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Er war es auch, der
den Wiener Porzellanhändler Ernst Wahliss im Jahr 1877 aufsuchte. Nach
dem Erfolg bei der Pariser Weltausstellung vertrieb Wahliss die
Produkte der Zsolnay-Fabrik zunächst in Wien, später auch im Ausland.
Ihre Zusammenarbeit dauerte zehn Jahre, in dieser Zeit eröffnete
Wahliss 1883 auch eine Niederlassung in London. Der Vertrag mit dem
Wiener Geschäftsmann bedeutete zum einen eine relative materielle
Sicherheit, zu anderen ging er aber mit zahlreichen Konflikten einher,
da Wahliss im Interesse des schnellen Profits vor allem den Modetrends
der Zeit entsprechen wollte, Zsolnay hingegen um die Steigerung der
künstlerischen Qualität seiner Produkte bemüht war.
Mit dem Vertrieb der Baukeramik beschäftigte sich bis zum Ende der 1890-er Jahre Karl Habenicht in Wien.
Nach dem Erfolg der Weltausstellung 1878 repräsentierte Jules Houry die Zsolnay-Fabrik in Paris.
In den 1870-er Jahren wurden die Produkte der Zsolnay-Fabrik in
Budapest durch Antal Testory vertrieben. Diese Beziehung schlief aber
in den darauffolgenden zwei Jahrzehnten allmählich ein. Vilmos Zsolnay
gründete eine eigene Niederlassung in Budapest in der Andrássy-Straße,
die von Miklós Zsolnay dann in das Gebäude an der Ecke Váci-Straße und
Duna-Straße verlegt wurde, wo das Geschäft, die Lagerräume und die
Büros das Erdgeschoss und den ersten Stock des Hauses einnahmen. Diese
Niederlassung wurde in der schweren Periode der Zwischenkriegszeit von
den Enkeln aufgelöst. Miklós Zsolnay erneuerte die Beziehung zu Jules
Houry, im Großen und Ganzen aber war sein Interesse, die Fabrik direkt
zu vertreten.
* * *
Renaissance-Patenplatte, Urbino, 16. Jahrhundert

Die Gestalt von Vilmos Zsolnay ist nicht nur in Pécs emblematisch. Als
bestimmender Akteur der ungarischen Keramikindustrie machte er sowohl
den Namen Zsolnay als auch die hochwertige Leistung dieses
Industriezweiges berühmt. Die Ausstellung: Geschichte der Familie und der Fabrik Zsolnay
präsentiert die herausragenden Momente der Zsolnay Dynastie von den
einfachsten Industriekeramiken bis zu den prachtvollsten Kunststücken.
Die Geschichte der Zsolnay-Fabrik ist mit wichtigen Meilensteinen der
ungarischen Geschichte verwoben. Die Fabrik wurde in der sogenannten
Bach-Ära (1850-1860) gegründet, ihre Blütezeit ist mit dem Zeitalter
der Doppelmonarchie Österreich-Ungarns verbunden. Der erste Weltkrieg
und das Friedenswerk von Versailles unterbrachen diese großzügige
Entwicklung. Die Zwischenkriegszeit war das Zeitalter des Neubeginns
und der Modernisierung der Fabrik. Zu einer erneuten Wende führte die
Verstaatlichung, die Unterbrechung der Traditionen, dann die
künstlerisch-technischen Versuche, die vorhatten, alte Traditionen
wieder lebendig zu machen. Junge Gewerbekünstler erschufen eine neue
Formsprache an den Produkten der Fabrik, wobei sich allmählich größerer
Bedarf zeigte, auch die traditionellen Techniken und Formen zu bewahren.

Die Geschichte der Fabrik ist gleichzeitig die reizende und
weitverzweigte Geschichte der Familie Zsolnay. Am bekanntesten ist die
Gestalt des Gründervaters, des genialen Keramikers Vilmos Zsolnay. Die
Ausstellung erinnert auch an Diejenigen, ohne die dieser reiche
Kulturbesitz nie entstanden wäre. Miklós, der Sohn von Vilmos Zsolnay
war Handels- und Geschäftsmann, er gewährte, dass die Fabrik im
Eigentum der Familien blieb und ihre führende Marktposition beibehielt.
Julia Zsolnay ist für die breitere Öffentlichkeit als Designerin
bekannt, es ist jedoch weniger bekannt, dass sie auch Malerin war. Ihre
Schwester, Teréz spielte als Designerin eine hervorragende Rolle, ihr
ist ferner das Zusammensammeln und die Behütung des Zsolnay-Erbgutes zu
verdanken. Der Ehemann von Julia, Tadeusz Sikorski machte sich in der
Geschichte der Fabrik nicht nur als Designer, sondern auch als
Architekt Namen. Der Ehemann von Teréz, Jakab Mattyasovszky trug als
Geologe zu den Entdeckungen seines Schwiegervaters bei. Auch andere
Familienmitglieder, deren Tätigkeit nicht so spektakulär war und heute
nicht mehr so bekannt ist, als die ihrer Vorgänger, waren auch an der
gemeinsamen Arbeit beteiligt. Die Ausstellung stellt auch die
Bemühungen der Enkelkinder, die um die Gewährung des Weiterbestehens
der Fabrik gemacht wurden, vor. Ohne die von ihnen eingeführten
technischen Innovationen würde die heutige Fabrik nicht betriebsfähig
sein.
An der vergangenen Jahrhundertwende war die Zsolnay-Fabrik
Österreich-Ungarns größter Keramikbetrieb, wo Alltags- und Ziergefäße,
Baukeramik und Ofenkachel, Porzellanisolierer und Steintonröhren
hergestellt wurden. Ab 1902 war auch ein familieneigener Betrieb in der
Budapester Öv Straße tätig. In der Budapester Porzellanfayence AG
wurden vorwiegend Tonfliesen und Isolierer hergestellt. Der Betrieb
blieb bis zur Verstaatlichung im Jahre 1948 im Eigentum der Familie,
und war eine selbständige Produktionsstätte.

VOM GRÜNDERVATER BIS ZUR ERRICHTUNG DES KULTURVIERTELS
Die Glorie der legendären Anfänge gilt der familiären Zusammenhaltung
und dem Zufall. Vilmos Zsolnay lebte von den Einkünften seines in der
Innenstadt befindlichen Warenhauses, er galt als erfolgreicher
Kaufmann, und hätte bis zum Ende seines Lebens in bequemem und
angenehmem bürgerlichem Wohlstand leben können. Aber der in der
Vorstadt befindliche Töpferbetrieb seines Bruders namens Ignác machte
Konkurs, und um seinen Bruder zu retten und Insolvenz zu vermeiden,
stellte Vilmos seinem Bruder Kapital zur Verfügung. Aber Ignác zog bald
ins Ausland, und daher wurde Vilmos gezwungen, sich ernsthaft mit dem
hinterlassenen Betrieb zu beschäftigen. Von hier gab es kein Zurück
mehr. Sein bis dann verschleiert gebliebener schöpferischer Genius
griff auf die Gelegenheit zu, er selbst setzte sich selbstvergessen in
die Innovation ein, mit den erreichten Ergebnissen war er nie
zufrieden, und den erworbenen Gewinn investierte er gleich wieder in
die Entwicklung. Er liess aus Europa Fachleute und Künstler herbringen.
Später baute er in der eigenen Schule der Fabrik eine Ausbildungsstätte
auf, und der mit siebzehn Arbeitern tätige Kleinbetrieb verwandelte
sich allmählich in eine Fabrik mit 700 Angestellten. Dann erreichte ihn
der Weltruhm, es trafen die Grossaufträge ein, aber er führte sein
Leben, wie vorher. Geld hatte er nie, weil er alles wieder in die
Unternehmung investierte, und er widmete sich nach wie vor nur der
Fabrik.
Es wurden neue Glasuren, neue Ofentypen, neue Brennverfahren eingeführt
und ausprobiert, und währenddessen entstand aus orientalischem,
archaischem und volkstümlichem Motivschatz eine neue Zierkunst von
zauberhafter Farb- und Formenwelt. Die Herstellung der Luxusgegenstände
erwies sich als nicht rentabel, aber die in den Parkanlagen und Salons
Europas prangenden Zsolnay-Vasen und Zsolnay-Tafelgeschirr generierten
industrielle Aufträge, deren Erträge sowohl die Produktion der
Kunstgegenstände als auch die Entwicklungen deckten. So unterstützten
sich gegenseitig die farbige Märchenwelt, die opulente Schönheit des
Jugendstils und die Elektronik- und Kanalisationsindustrie; die
frostbeständige Baukeramik und das für einen italienischen Aristokraten
entworfene Tischgeschirr aus Goldbrokat für 60 Personen.
Im 20. und 21. Jahrhundert musste die Fabrik nicht nur die
Verstaatlichung und die Besitzwechsel nach der Privatisierung in der
Wendezeit überleben, sondern auch den erheblichen Rückgang der
Nachfrage, der mit der Veränderung der Verschenkungsbräuche und der
ästhetischen Beurteilung der Zierkeramik eingetreten ist. Die Fabrik
hat alles überstanden, sie konnte dennoch nicht wie vorher
weiterbetrieben werden: neben dem verminderten Produktionsbetrieb
entstand Platz für ein Gelände, in dem Ausstellungen, Museen,
Vorstellungssäle, Planetarium und universitäre Einrichtungen
untergebracht werden konnten. Diese Option ging dann im Rahmen des
Projektes „Pécs Kulturhauptstadt Europas 2010" in Erfüllung. Die
Aufgabe war, ausser Aspekten des Denkmalschutzes ein Kulturzentrum für
Bildung und Touristik zu errichten, das sowohl für Kinder als auch
Erwachsene in Pécs Freizeitprogramme bietet, und in dem die Fakultät
für Musik und Darstellende Kunst sowie das Institut für
Medienwissenschaften der Universität Pécs untergebracht werden können.

Die Fabrik und der Garten
Teréz Zsolnay - die Ehefrau von Jakab Mattyasovszky - erinnert sich an
die Anfänge in ihrer Kinderzeit wie folgt: „Sein Haus (gemeint ist:
Ignác Zsolnay), das heute den Kern unserer Wohnung bildet, stand hier
auf dem Hügel, und das heutige Magazin für die Zierkeramik war die
Werkstatt. Ich erinnere mich an die Töpferscheibe, an der ein junger
Geselle arbeitete, und auch an die Terrakotta-Verzierungen, die hier
modelliert wurden. Dieser Raum war wahrscheinlich die Töpferwerkstatt,
von der aus einige Treppen in einen kleinen Hof hinabführten. Rechts
von der Treppe befand sich der eingebaute Horizontalofen, in dem Ignác
seine Waren brannte, gegenüber ein Keller und wieder Treppen, die in
den Glasierraum, in das jetzige Labor, hinaufführten. Unser derzeitiges
Esszimmer und die zwei, noch aus Lehmziegeln gebauten kleinen Zimmer,
unser Vorzimmer und das sogenannte große Zimmer, bildeten die Wohnung
von Ignác. Die innere, schmale Holzstiege gab es wahrscheinlich auch
schon. An die Funktion der Räume unter der Wohnung, die auf einer Ebene
mit den Werkstätten lagen, erinnere ich mich nicht mehr, aber ich
vermute, dass sie als Lagerräume dienten. So bestand zwischen der
Wohnung und den Werkstätten eine direkte Verbindung, und diesen Teil
des im Übrigen öden Grundstücks umgaben schöne alte Bäume."
Diese von Teréz Zsolnay beschriebenen und später zur Wohnung der
Familie umgebauten Räume beherbergen heute die Ausstellung zur
Geschichte der Familie Zsolnay und ihrer Fabrik. Der Garten der Fabrik
betrug zu Beginn etwa 8.000 Quadratmeter. Infolge der Steigerung der
Produktion wurden Nachbargrundstücke aufgekauft, und zum Jahr 1896
wuchs das Gelände auf mehr als 10½ Katastraljoch an. Die hinzugekauften
Grundstücke waren zu einem Teil Obstgärten. Vilmos Zsolnay war ein
kundiger und begeisterter Gärtner, der insbesondere mit dem Anbau von
Wassermelonen große Erfolge erzielte. In den 1860-er und 1870-er Jahren
betrieb er mit Hilfe eines deutschen Fachmannes auf dem Fabrikgelände
eine Handelsgärtnerei. In den 1880-er Jahren wurden hier auch Wein und
im Gemüsegarten Spargel und Artischocken angebaut. Der Hang unterhalb
des „Grünen Hauses" (heute das Puppentheater Bóbita) war mit
Rosenbüschen bepflanzt. In der Zwischenkriegszeit legte man einen
kleinen künstlichen Teich mit Seerosen an. Vilmos Zsolnay besaß auch
Gewächshäuser, daher konnte der Garten auch in den Jahrzehnten nach der
Verstaatlichung mit mehrjährigen Pflanzen versorgt werden.
Zwischen 1889 und 1890 wurden im Park Terrassen für einen Ziergarten
unter Mitwirkung des Erfurter Gärtners Flössl angelegt, deren
Stützwände und Promenaden mit in der Fabrik gefertigten
Terrakotta-Statuen und Pflanzenkübeln dekoriert waren. Zur gleichen
Zeit verband man den oberen und den tiefer gelegenen Teil der Fabrik
mit einem breiten, von Balustraden gesäumten Weg. Ab Mitte der 1880-er
Jahre nutzte man die nord-südliche Gebäudefassade mit Blick auf den
Garten zur Präsentation der Baukeramik.
* * *
László Mattyasovszky Zsolnay: Kugelvase mit Tierfiguren-Relief, 1914

Zu den Erfolgen trugen die Erfindungen von Vilmos Zsolnay wesentlich
bei, von denen sich die Fabrik mit der Porzellanfayence und der
Eosin-Technik weltweit Namen machte, während aber der Pyrogranit eine
ganze Baustilrichtung, die Sezession, die ungarische Abart des
Jugendstils an der Fin de siècle inspirierte. Auch die Arbeiter der
Fabrik sollten nicht in Vergessenheit geraten, von denen viele durch
Generationen zu den künstlerischen und geschäftlichen Erfolgen der
Fabrik beitrugen, und deren Hervorragendsten auch nach der
Verstaatlichung die Expertise und hohes Niveau beibehielten, durch die
die dauerhaften Erfolge der Produktion der Fabrik jeweils bedingt
waren. Einer von ihnen, István Kovács hielt die Tradition der
Eosin-Herstellung bei, die er zugleich am Ende der 1950er Jahre mit
seinen Innovationen bereicherte. Durch diese künstlerische Tradition
waren die von den 1960er Jahren eine neue Formsprache einführenden
jungen Gewerbekünstler, Antal Gazder, János Török, György Fürtös, Judit
Nádor inspiriert, die heute schon als Klassiker des ungarischen Designs
gelten.

Experimente mit Porzellan-Fayence
Vilmos Zsolnay erlangte mit seinen Exponaten bei der Wiener
Weltausstellung 1873 die Silbermedaille und wurde mit dem Ritterkreuz
des Franz-Joseph-Ordens ausgezeichnet. Seine Erfahrungen, die er bei
der Ausstellung sammeln konnte, inspirierten ihn zu Experimenten mit
Scharffeuerglasuren. Das mit Scharffeuerglasur versehene Geschirr, das
die englische Firma Minton bei der Ausstellung präsentierte, überzeugte
ihn davon, dass die Zukunft auf dem Gebiet der Ziergegenstände in der
Hartkeramik lag. Die Keramikkünstler der Zeit experimentierten - dem
rastlosen Geist des Historismus entsprechend - mit der Adaption oder
Wiederbelegung von Techniken, die in Europa noch nicht heimisch oder
längst in Vergessenheit geraten waren. Vor allem die chinesischen
Scharffeuerglasuren und der aus dem Nahen Osten stammende reduzierte
Lüster inspirierten die technologischen und künstlerischen Versuche.
Vilmos Zsolnay gelangte in nur wenigen Jahren zur Entwicklung der mit
Scharffeuerglasur verzierten Porzellan-Fayence, mit der er bei der
Pariser Weltausstellung 1878 die Goldmedaille und den Orden der
Ehrenlegion der französischen Regierung erhielt. Diese neue Technik
eröffnete ihm den Weg zur Weiterentwicklung des künstlerischen Niveaus
seiner Produkte und der Etablierung seines einzigartigen Stils. Dieser
neue Stil war außer von den ungarischen Motiven vor allem von der
persischen Keramikkunst und der Iznik Keramik (Türkei) beeinflusst, die
Entwürfe basierten auf der gestalterischen Tätigkeit von Júlia Zsolnay.
* * *
Bienenkorbofen, 1944. Entwurf: Tádé Sikorski

Die Gründung der Fabrik
Der Gründer der Zsolnay-Fabrik war Miklós Zsolnay (1800-1880), ein
Kaufmann aus Pécs. Am Hauptplatz besaß er ein Geschäft, in dem er
hauptsächlich Kurzwaren, Spielzeug und Musikinstrumente führte. Ab 1831
erweiterte er sein Angebot mit Porzellan und Steingut. Da das
Unternehmen erfolgreich war, erkannte er, dass die Keramik-Industrie
eine gute Investitionsmöglichkeit bietet. Im Jahr 1852 kaufte er ein
Grundstück im Außenbezirk Buda, wo eine kleine Ziegelmanufaktur
existierte, die den vor Ort gewonnenen Ton verarbeitete. Seinen Sohn
Ignác Zsolnay (1826-1900) schickte er zur Ausbildung in eine
Steingutfabrik nach Lukafa. Nach der Schließung der dortigen Fabrik
kaufte er ihre gesamte Ausstattung auf, und so begann die Produktion in
der Zsolnay-Manufaktur im Jahre 1853.
In den Jahren des Absolutismus, nach der Niederschlagung des
Freiheitskampfes von 1848, bis zur Entstehung der
Österreichisch-Ungarischen Monarchie (1867) vegetierte die ungarische
Industrie aufgrund des Mangels an Krediten und der österreichischen
Zollpolitik eher nur vor sich hin. Der ungarische Markt war mit
ausländischen Produkten überschwemmt. In der kleinen Manufaktur von
Ignác Zsolnay wurden Bauelemte aus Terrakotta, Zierkeramik für Gärten,
Wasserleitungsrohre und Gebrauchsgeschirr hergestellt, doch
experimentierte man auch mit der Herstellung von Ziergegenständen.
Wegen seiner geschäftlichen Schwierigkeiten wurde Ignác von seinem
jüngeren Bruder Vilmos Zsolnay (1828-1900), einem erfahrenen
Geschäftsmann, mit Krediten unterstützt. Im Jahre 1864 erwarb Vilmos
Zsolnay dann das Grundstück und die Manufaktur samt komplettem
Rohstoffbestand von seinem Bruder über An- und Verkaufsvertrag und
unter Verrechnung der früheren Kredite für 10.194 Gulden. Die Ehefrau
Ignác Zsolnays, Karolina Neuner, stammte aus einer
siebenbürgisch-sächsischen Familie, wurde jedoch in Bukarest geboren.
Vermutlich war die Entscheidung, nach Bukarest zu ziehen, wo Ignác
Zsolnay sich erneut der Keramikherstellung zuwandte, ihren familiären
Beziehungen zu verdanken. Nach Pécs kehrte er nie zurück.
Vilmos Zsolnay erbte von seinem Vater das Geschäft am Hauptplatz. Er
absolvierte sein Studium in Wien und arbeitete dann als
Kaufmannsgehilfe in verschiedenen deutschen Städten. Als junger Mann
hegte er künstlerische Ambitionen, er hatte ein Talent zum Malen und
Zeichnen, doch überredeten ihn seine Eltern, die kaufmännische Laufbahn
einzuschlagen. Sein Geschäft leitete er überaus erfolgreich. Er ließ in
der Király-Straße ein mehrstöckiges Kaufhaus bauen, das durch eine
Passage mit dem Geschäft auf dem Hauptplatz verbunden war. Die Räume
wurden mit Gaslampen beleuchtet. Sein Geschäft zählte zu den modernsten
Kaufhäusern für Inneneinrichtungen der damaligen Zeit, seine
Handelsbeziehungen reichten von Österreich, Deutschland und Frankreich
bis nach Großbritannien. Obwohl er sich erst 1880 von seinem Geschäft
trennte, rückte die Weiterentwicklung des Keramikbetriebs bald in den
Mittelpunkt seiner Tätigkeit. Die Produkte waren in den ersten Jahren
vor allem Gegenstände aus Schamotte, deren Produktion mit Hilfe von
deutschen Fachleuten entwickelt wurde. 1868 ersuchte er die Stadt um
die Genehmigung, den kleinen Betrieb in eine Fabrik namens „Erste
Fabrik für Zement-, Schamotte- und feuerfeste Tonwaren zu Pécs"
umzuwandeln.
Ab 1866 begann Vilmos Zsolnay, selbst nach Rohstoffen in der Gegend zu
forschen. Anfangs kaufte er Grundstücke im Zentrum der lokalen
Töpferindustrie, um Ton zu gewinnen, zunächst am Tettye-Bach, später in
Außenbezirken von Pécs und in der Ortschaft Vasas. In den Vororten
Sziget und Buda ließ er Stein für die Fabrik abbauen. Zum Ende der
1870-er Jahre nahm der Bedarf an Rohstoffen derart zu, dass die
Forschungen auf das gesamte Landesgebiet ausgebreitet wurden, die ab
den 1880-er Jahren größtenteils der Geologe und Schwiegersohn Vilmos
Zsolnays, Jakab Mattyasovszky, übernahm. Die Rohstoffe wurden nun aus
Nordostungarn, Siebenbürgen und aus mehreren Bergwerken Transdanubiens
und Kroatiens in die Zsolnay-Fabrik geliefert. Zur Wettbewerbsfähigkeit
der Produkte trug der günstige Preis der auf dem Gebiet der
Österreichisch-Ungarischen Monarchie geförderten und vor Ort
aufgearbeiteten Rohstoffe bedeutend bei.

Brennen vor und Bemalung nach der Glasur
Die Zahl und Kapazität der Brennöfen liefert Informationen über die
Höhe der Produktion, ihre Art jedoch über die Qualität der Produkte.
Die mit Aufglasurfarben bemalte und künstlerisch gestaltete Keramik
wurde in der Regel in Muffelöfen bei niedriger Temperatur gebrannt, so
wie beispielsweise das Eosin. In den Hochtemperaturöfen (über 1000°C)
wurden die mit Unterglasurfarben bemalten Gegenstände von besserer
Qualität gebrannt. In der Zsolnay-Fabrik brannte man die mit
Hochbrandglasur dekorierte Porzellan-Fayence bei einer Temperatur von
1200-1300°C, auch Pyrogranit und Porzellanisolatoren wurden bei hoher
Temperatur ausgebrannt.
1871 verfügte die Fabrik nur über zwei Öfen. Mit Einführung der
Scharffeuertechnik zur Herstellung der Porzellan-Fayence und dank denan
der Pariser Weltausstellung erreichten Erfolgen im Jahre 1878 erfolgte
das Brennen bereits in zwei weiteren Hochtemperaturöfen. 1882 wurden
weitere 4 Porzellanbrennöfen für die Telegrafenisolatoren gebaut,
gleichzeitig brannte man die Baukeramik (Terrakotta) in weiteren 4 Öfen
und in einem Ofen die Kunstkeramik. 1895 betrug die Zahl der
Porzellanbrennöfen 8, in 6 Öfen wurde Majolika gebrannt, und zur
Herstellung des Pyrogranit benutzte man weitere 7 Öfen.
* * *
Török János, 1972.

Bemalung und Glasur
In den Manufakturen stellten die Maler die Farben selbst her. Die
Farbstoffe wurden in Mörsern zermahlen und auf Glasplatten gerieben.
Anfänglich wurden bei niedriger Temperatur schmelzende Pulverfarben
(Dekorfarben für Porzellan, Schmelzfarben, Muffelfarben) verwendet, die
mit Pinseln, Abziehbildern oder durch Sprühen aufgetragen wurden.
Vilmos Zsolnay entwickelte 1878 eine spezielle Technik für die
Scharffeuerglasur. Die Entwicklung dieses Glasurverfahrens verlangte
auch von den Malern einen besonderen Sachverstand, über den die
Mitarbeiter der Fabrik, die aus der dortigen Gegend angeworben worden
waren, in den 1870-er Jahren noch nicht verfügten. Daher kamen die gut
ausgebildeten Arbeiter aus den Keramikzentren in Böhmen, Sachsen,
Bayern und dem Rheingebiet.
Beim Glasieren wurden transparente Glasuren oder Deckglasuren
verwendet, die durch Eintauchen oder Aufsprühen auf die Oberfläche des
Geschirrs gebracht wurden. In den 1890-er Jahren waren die
Facharbeiter, die in der Fabrik ausgebildet wurden, bereits auch in
ausländischen Keramikfabriken gefragt. Zu dieser Zeit ermutigte auch
Vilmos Zsolnay selbst seine Arbeiter, im Ausland Erfahrungen zu sammeln.
* * *
Fürtös György, 1965.

Die Herstellung von Ziergegenständen in den 1960-er Jahren
1962 wurden im Zeichen der Modernisierung weitere junge Künstler
angestellt, so beispielsweise György Fürtös und Judit Nádor. Die
Tradition der Unterglasurmalerei - nach 1956 von Ferenc Őry, einem
Fachmann aus der Zeit vor der Verstaatlichung, wiederbelebt - war in
der Fabrik immer noch lebendig. Den Großteil der Ziergegenstände
stellten jedoch Porzellanfiguren dar, die mit der weniger
anspruchsvollen Überglasurmalerei entstanden. 1963 nahm die
Weiterentwicklung der Produktion von Ziergegenständen im „Technischen
Maßnahmenplan" einen vornehmen Platz ein. Es wurde ein neuer
elektrischer Ofen gebaut, um die Qualität der Porzellanwaren zu
verbessern. Mit dem Bau eines neuen Muffelofens konnte die
Eosinherstellung verdoppelt werden. Die Ziergegenstände mit roter
Eosin-Glasur und ihrer modernen Formgebung wurden überaus populär. Die
stilisierten Figuren von János Török mit ihrer zarten Linienführung
spielten bei der Verbreitung der Formensprache des Modernismus in
Ungarn eine wichtige Rolle.
1965 kehrte Antal Gazder in die Fabrik zurück und beteiligte sich an
der Entwurfsarbeit. Die Arbeiten der jungen Kunstgewerbler gewannen bei
Wettbewerben und Ausstellungen zahlreiche Preise und Anerkennungen.
Indessen verlor die Fabrik 1963 ihre Selbstständigkeit. Zusammen mit
den anderen Keramik- und Porzellanfabriken (mit Ausnahme der
Porzellanmanufaktur Herend) wurde auch die Zsolnay-Fabrik einem
leitenden Unternehmen unter Aufsicht des Ministeriums für Bauwesen
untergeordnet. Der Name der Fabrik war nun bis 1974 „Pécser
Porzellanfabrik des VEB Feinkeramik-Industrie". Die Leitung der Fabrik
übernahmen an Stelle von Kadern, die von der Parteiführung ernannt
wurden, technische Fachleute. In der Zsolnay-Fabrik herrschten
Spannungen zwischen den Formgestaltern, die die künstlerischen
Traditionen fortsetzten und mit ihrer Arbeit nach Vielfältigkeit
strebten, und den technisch orientierten Führungskräften, die an der
Massenproduktion der modernen Technologie und an einer rationellen
Herstellung interessiert waren.
* * *
Unbekannt, um 1960 / János Török, 1960. / Sándor Mikus, um 1956

Neubeginn der Herstellung von Zierkeramik nach der Verstaatlichung
Zwischen 1948 und 1953 wurde die Herstellung von Porzellanisolatoren
auf ministeriale Anordnung fortgesetzt, teils um das Land wieder neu
aufzubauen, teils um den Kriegsentschädigungen nachzukommen. Nach dem
Tod Stalins im Jahre 1953 wurde ein Regierungsprogramm zur Mäßigung
forcierter Investitionen und zur Steigerung des Konsums verabschiedet.
Zu dieser Zeit veranlasste man auch die erneute Produktion von
Zierkeramik. Mit den wenigen verbliebenen Gipsformen wurde die
Herstellung der Porzellanfiguren neu gestartet. Der Bildhauer und
Kunstgewerbler András Sinkő, der bis dahin an den Brennöfen gearbeitet
hatte, durfte seine frühere Tätigkeit wieder aufnehmen, zudem stellte
man Antal Gazder ein, der die Hochschule für Kunstgewerbe als
Porzellangestalter absolviert hatte. Über die Entwürfe konnte
allerdings nicht in Eigenregie entschieden werden: Das staatliche
Unternehmen „Galerien des Kunstfonds" verfügte über das Recht, die
Produkte zu begutachten, und aufgrund seiner Anordnungen wurde die
Herstellung der Hälfte des inzwischen erweiterten Formenparks an
Porzellanfiguren eingestellt. 1954 beauftragte die Fabrikleitung István
Kovács, den früheren Leiter der Eosin-Werkstatt, „Experimente" zur
Herstellung von Eosin durchzuführen. Dank seiner Tätigkeit wurde die
Produktion der Eosin-Keramik wieder aufgenommen.
Die Fabrik in Pécs bemühte sich, häufig entgegen wirtschaftlicher
Überlegungen, die künstlerischen Traditionen wiederzubeleben. Der
Porzellanmaler György Balázs, der bereits vor der Verstaatlichung in
der Fabrik gearbeitet hatte, kümmerte sich um die Ausbildung des
Nachwuchses. 1954 wurde der "Kunstgewerbe-Rat" gegründet, der
landesweit für die Probleme des „sozialistischen Kunstgewerbes"
zuständig war. Auf Empfehlung des Rates schloss die Fabrik einen
Vertrag mit dem Bildhauer und Träger des Kossuth-Preises József
Somogyi, der die Arbeit der Künstler beratend unterstützte. Ende des
Jahres 1957 wurden die beiden jungen Keramikkünstler János Fekete und
János Török angestellt. János Fekete verließ Pécs 1958 zusammen mit
Antal Gazder, obwohl die Zsolnay-Fabrik einen sehr guten künstlerischen
Ruf hatte und es einen ernst zu nehmenden Rang bedeutete, hier als
Formgestalter tätig zu sein. István Kovács entwickelte die Glasuren und
Farben für die Eosin-Technik fortlaufend weiter und gelangte 1958 über
Experimente zu den Techniken der Schrumpfglasur sowie der sog.
Graupenglasur, die eine Umsetzung der von Vilmos Zsolnay entwickelten
„Tiger-Technik" auf Eosin war. Mit seinen Innovationen erzielte die
Fabrik spektakuläre Erfolge. Im darauffolgenden Jahr blieben bei der
Brüsseler Weltausstellung 1959 die Ziergegenstände mit Eosin-Glasur,
die hier präsentiert werden sollten, allerdings infolge eines
Missverständnisses in den Kisten. Die Presse berichtete von Misserfolg.
Zu dieser Zeit verbreiteten sich die Legenden über das Geheimnis des
Eosins, die bis zum heutigen Tage lebendig sind. Es entstand der
Irrglaube, die Familie Zsolnay hätte das Geheimnis des Eosins
mitgenommen. Dieses Gerücht schadete nicht nur den Familienmitgliedern,
sondern auch den Eosin-Produkten der Fabrik. Die Kontinuität der
Technik war mit der Person des früheren Leiters der Eosin-Werkstatt,
István Kovács, gewährleistet.
Der Großteil der Einnahmen der Zsolnay-Fabrik stammte jedoch weiterhin
aus der Herstellung von Porzellanisolatoren. In den 1950-er Jahren
wurde dieser Bereich modernisiert. An der Modernisierung der
Technologie nahm der Chemieingenieur László Mattyasovszky Zsolnay
(Urenkel von Vilmos Zsolnay und Sohn von Zsolt Mattyasovszky Zsolnay,
der ebenfalls Chemiker war) im Auftrag des Ministeriums als Fachberater
teil, damit war er das einzige Familienmitglied, dessen Kontakt zu der
Fabrik nicht abgebrochen war, bis er 1956 dann auswanderte. Trotz der
Schwierigkeiten spielten die stilisierten Porzellanfiguren mit ihrer
einfachen Linienführung zu dieser Zeit bei der Verbreitung der modernen
Formensprache eine bedeutende Rolle. In den Jahren der Konsolidierung
nach der Revolution von 1956 legte die Regierung den Schwerpunkt auf
die Verbesserung der Lebensumstände der Bevölkerung. Zu den modernen
Einrichtungen der kleinen Wohnungen in den Typenhäusern gehörten die
Ziergegenstände entsprechend der neuen ästhetischen Prinzipien dazu.
* * *
Porträt von Lenin, 1960.

Die Entwicklung der Zsolnay-Fabrik
Die Keramikherstellung fand ganz bis zum 19. Jahrhundert in
Manufakturen statt. Infolge der industriellen Revolution erfolgte dann
die Mechanisierung bestimmter Arbeitsprozesse. Sie ermöglichte die
Verbreitung der billigen Massenprodukte, was nicht nur auf dem Gebiet
des Gebrauchsgeschirrs von großer Bedeutung war. Die Keramik spielte
auch bei Städtebau, der sich rasant entwickelte, und bei der
Belieferung neu entstandener Industriezweige eine große Rolle. Dank
neuen Erfindungen im Bereich der Verfahrenstechnik gelangte die Keramik
in großen Mengen und in gleichmäßiger Qualität auf den Markt. Neben
Keramik aus Terrakotta für die Verzierung von Gebäuden, Boden- und
Wandfliesen, Ofenkacheln und Wasserleitungsrohren boten
Sanitärprodukte, Isolatoren für Telegrafen und Elektrifizierungszwecke,
ferner säurebeständige Keramik für die Industrie neue
Vertriebsmöglichkeiten auf dem Markt.
Vilmos Zsolnay nahm das Vorhandensein der Nachfrage sehr schnell wahr,
und stärkte seine Position in allen Marktsegmenten der Keramikindustrie
mit seinen innovativen Lösungen und eigenen Erfindungen. 1868 verfügte
die Fabrik nur über zwei Abteilungen, den Schamotten- und den
Steingutbetrieb, in Letzterem wurde auch Fayence hergestellt. 1895
wurde die Steingut-Abteilung in einen Betrieb für feine Fayence und
eine für Porzellan unterteilt. 1885 entstand die Rohrfabrik, 1885 die
Ofenfabrik, 1895 die Pyrogranit-Fabrik. Die Manufaktur, die anfangs nur
einige Mitarbeiter beschäftigte, baute Vilmos Zsolnay zur
Jahrhundertwende zum größten Keramik-Betrieb Österreich-Ungarns aus, in
dem nahezu 700 Menschen arbeiteten.
* * *
Das Zsolnay-Logo, das Symbol der Fabrik
Pécs, das frühere Fünfkirchen, verewigte die fünf Kirchtürme der Stadt
in seinem Namen – und dieses Symbol wurde von den Zsolnays als
unverwechselbares „Zeichen der Erhabenheit“ auf all ihren Produkten
verwendet.
Glasierte Keramik, gefunden im ehemaligen Bürogebäude der
Zsolnay-Manufaktur: Die fünf Türme, Symbol der Stadt Pécs, sind das
Markenzeichen auf dem Boden aller Zsolnay-Keramiken.

Apostelhalle


Pinker Alltagszauber
Die Ausstellung „Am Anfang war es pink…“ stellt den Besuchern die
schönsten Stücke der durch die Zsolnay-Fabrik hergestellten
Gebrauchsgegenstände vor. Die Ausstellungsgegenstände sind alle von
abweichender Formung. Die handgemachten pinken Gefäße unterscheiden
sich voneinander entweder durch ihren Ausguss oder Griff oder Gestalt,
aber nicht selten auch durch ihre Glasurfarbe. Die von Barnabás Winkler
gesammelte Kollektion der pinken Zsolnay-Keramiken ist gleichwertig mit
der Ausstellung „Das goldene Zeitalter der Zsolnay-Fabrik“, in der
László Gyugyis Kunstsammlung vorgestellt wird.

Eine neue, einzigartige Ausstellung erwartet die Besucher im
Kulturviertel Zsolnay. Die Ausstellung „Am Anfang war es pink…“ stellt
die aus mehreren Kunststücken bestehende Kollektion des Architekten,
Doktors der Künste und Mitglieds der Ungarischen Akademie der
Wissenschaften Barnabás Winkler vor, in der die zum Alltagsgebrauch
vorgesehenen pinken Produkte der Zsolnay-Fabrik ausgestellt werden.
Laut Aussagen der Mitglieder der Familie Zsolnay wurden die
Ausstellungsgegenstände in der Fabrik seit ihrer Gründung bis zur Wende
des 19-20. Jh. in größerem Volumen und in immer wieder besserer
Qualität hergestellt. Samt Wasserröhren und Baukeramiken dienten diese
Gegenstände dazu, die finanzielle Grundlage für die Unterhaltung der
sich entwickelnden Fabrik zu schaffen. Die ursprüngliche Manufaktur
wurde von Miklós Zsolnay gegründet, dessen älterer Sohn, Ignác sie
zwischen 1853-1865 führte. Erst nachdem der Betrieb von seinem jüngeren
Bruder, Vilmos, übernommen worden war, nahm die Entwicklung der pinken
Produkte ab den 1880er Jahren Aufschwung.

Die Ausstellung „Am Anfang war es pink“ setzt sich zum Ziele, die
schönsten Stücke der Gebrauchsgefäße vorzustellen. In der Ausstellung
wird gezeigt, dass diese Gegenstände in den ersten Jahrzehnten meistens
handgemacht wurden, daher findet man keine Gleichen unter ihnen. Sie
unterscheiden sich entweder durch ihren Griff, ihre Gestalt, aber nicht
selten auch durch die Farbe der Glasur. Die meisten der
Ausstellungsobjekte zeugen selbst von ihrem hohen Lebensalter, aber die
Tatsache an sich, dass sie das vergangene Jahrhundert überlebten,
belegen, dass sie von ihren Eigentümern mit gebührender Behutsamkeit
und Hingabe benutzt wurden.

Im Laufe der Jahre wurden die pinken Gebrauchsgefäße sowohl im Inland
als auch in den benachbarten Ländern zu beliebten
Einrichtungsgegenständen von Küchen, sowie Bade-, Ess- und
Arbeitszimmern. Sie wurden sowohl auf dem Lande als auch in den
städtischen Haushalten gebraucht. Die meisthergestellten Produkte waren
die einfachen Teller, Weinkrüge sowie Schmalz- und Marmeladenkübel. Die
Stücke der pinken Kollektion waren sowohl in städtischen Gaststätten
und Eigenheimen als auch in dörflichen Gasthäusern und Privathaushalten
beliebt.


Der bescheidene Geschäftszweig „Rosarot" erwies sich sehr nutzbar und
rentabel. Neben Industrie- und Sanitärkeramik machte auch die
Herstellung von einfachen Küchengefässen Gewinn, was also indirekt
sowohl zur Lebensunterhaltung der Familie und der Angestellten als auch
zur Entfaltung künstlerischer Arbeit beitrug. Darüber hinaus wurde die
Versorgung sowohl der lokalen als auch der regionalen Haushalte mit
einfachen, schönen und billigen Küchengegenständen gewährt: mit
Schmalzkübeln, Weinkrügen, Tintenhältern, Kümpfen, Wasch- und
Kammerbecken, Wasserkrügen, Marmeladentöpfchen, Backformen. Solche
Gegenstände wurden in der Fabrik von Anfang an hergestellt, aber die
farbige Glasur wurde erst In den 1880er Jahren entwickelt.
In den ersten Jahrzehnten wurden die Waren vorwiegend handgemacht
hergestellt: nicht einmal die Rundscheiben wurden maschinell
angetrieben, und auch zum Zieren standen keine Vervielfachungstechniken
zur Verfügung. Daraus folgt, dass sich unter den Gegenständen keine
gleichen befinden: entweder der Griff oder die Pfeife, oder der Bauch
sind verschieden, und nicht selten ist auch die Glasurfarbe abweichend.
Das ist noch das Zeitalter der Manufakturen. Nicht rentabel, aber sehr
menschlich. Das macht die alten Keramiken sehr anziehend und wertvoll.
Dieses Zeitalter kannte die Wegwerfkultur nicht: ein Gegenstand galt
für ein ganzes Leben. An den Gegenständen wird sichtbar, dass sie über
hundert Jahre lang in städtischen Gaststätten, Dorfkneipen,
Gasthäusern, Eigenheimen gebraucht wurden. Unter den erhalten
gebliebenen Gefäßen befinden sich sehr viele verletzte, abgeschlagene,
man sieht in der durchsichtigen Innerglasur die spinnennetzförmigen
Risszeichnungen.
Von den 1880er Jahren an wurden die Gegenstände immer wieder mehr
geziert, und zwar mit zunehmender Wechselhaftigkeit, und auch die
Glasurfarbe wurde vereinheitlicht: auf den volkstümlichen Zierformen
tauchen reliefartige Zeichnungen und stuckartige Zutaten auf, und auf
den ausgebrannten Gefässen erscheinen nachträglich handgemalte
Dekorationen. Die Formenwelt der Haushaltskeramik rückte der für das
grossbürgerliche Publikum vorgesehenen Luxus- bzw. Kunstqualität näher.
Auch das Sortiment der Produkte wurde um kleine Salbentegel,
Zahnbürsten- und Seifenschalen, Federkasten erweitert, aber die schöne
und einfache rosarote Glasur blieb beinahe als Wahrzeichen des
Sortiments bis zum Ende des 19. Jahrhunderts aufbewahrt.
Die Ausstellung „Am Anfang war es Rosarot"
stellt die Kunstsammlung des in Budapest sesshaften Barnabás Winkler
vor. Es lohnt sich die aus 1300 Exponaten bestehende Kollektion nicht
nur für sich selbst zu besichtigen. Durch die Gegenstände gewinnt man
Einblick in eine bereits untergegangene Welt, in der es keinen
Wasserhahn, Flaschenwein, keine industriell eingekochte,
vakuumverschlossene Marmelade, keinen Kugelschreiber und keine
Elektrizität gab.

Die ausgestellten Gebrauchsgegenstände wurden ab Mitte des 19.
Jahrhunderts in der Manufaktur Zsolnay hergestellt. Die Produktion
wurde mithilfe einer Technik weiterentwickelt, die aus den sogenannten
Rosa-Experimenten der 1880er Jahre hervorging. Die rosa Glasur wurde
bis zur Jahrhundertwende mit verbesserter Qualität für alle Arten von
Massenprodukten verwendet. Diese Stücke, zusammen mit dünnwandigen
Wasserleitungen und Terrakotta-Bauornamenten, sicherten den
Lebensunterhalt des aufstrebenden Unternehmens.
Die Sammlung „Am Anfang war das Rosa…“
zeigt, dass diese Artikel in den ersten Jahrzehnten handgefertigt
wurden und daher keines dem anderen gleicht. Die rosa Zsolnay-Objekte
unterscheiden sich in Ausguss, Griff oder Form, oft aber auch im
Farbton ihrer Glasur. Die Vielfalt ihrer Ähnlichkeiten beweist ihre
Echtheit und die individuelle Schönheit jedes einzelnen Stücks.
Besonders beeindruckend ist jedoch die große Anzahl an Weinkrügen und
Schmalztöpfen.

Im Laufe der Jahre erfreuten sich die rosafarbenen Gebrauchsgegenstände
großer Beliebtheit in Badezimmern, Küchen, Esszimmern und
Arbeitszimmern. Mit der Weiterentwicklung der Manufaktur wandelten sich
die schlichten, einfachen Formen der Anfangsphase zu aufwendiger
verzierten – aber weiterhin rosafarbenen – Stücken. Der schlichte,
traditionelle Keramikstil wurde oft durch Reliefs bereichert, die
häufig an Stuck erinnerten, oder die Stücke wurden nach dem Brennen von
Hand bemalt, wodurch sie zu Unikaten wurden. Die in der Ausstellung
gezeigten Beispiele für Wohnräume veranschaulichen die Vielfalt und die
breiten Einsatzmöglichkeiten der Keramik.

Die Herstellung der aus Eosin produzierten Kunststücke, die Formung und
das Bemalen können in der Nähe von ihnen, von der einen Arbeitsphase
zur anderen mitverfolgt werden. Was ist das Eosin? Von Eos, der antiken
griechischen Göttlichkeit des Frühscheins erhielt diese Metalloxide
enthaltende, spezifische Farbe ihren Namen, die gemalt auf Grundglasur
das Licht farbenschillernd widerspiegelt. Das Verfahren war im
frühmittelalterlichen Orient schon bekannt, aber später ist es in
Vergessenheit geraten. Das Eosin wurde dann von Giorgo Andreoli in der
Renaissance wiederentdeckt, er konnte jedoch die Farbentöne nicht
regeln. Es wurde in der Regel durch den Zufall entschieden, ob die
Oberfläche grün-gelblich oder lila-rötlich irisierend schillerte.
Vilmos Zsolnay arbeitete an diesem Problem zusammen mit Vince Wartha,
dem Professor für Chemie an der Technischen Universität zu Budapest.
Sie informierten sich über ihre Ergebnisse jeweils schriftlich, bis
1895 das alt-neue Verfahren wieder vorhanden war. Das Eosin hatte
allgemeinen Erfolg an der Pariser Weltausstellung im Jahre 1900.
Nach der Verstaatlichung verschwanden die Rezeptbücher, die Fachleute
wurden alt, es gab keinen mehr, dem die Fachkenntnisse hätten
weitergegeben werden können. In den 70er Jahren brachten Ilona
Hortobágyi, István Kovács und ihre Kollegen die Eosin-Technik mit zähem
Forschen und Experimentieren aus dem
Scheintod zurück. Die Grundstoffe und die beim Brennen erfolgenden
chemischen Vorgänge sind selbstverständlich öffentlich bekannt, aber
die feinen Farbtöne der Rezepturen, die in zahlreichen Experimenten
erarbeiteten Einzelheiten, werden durch die Fabrik als
Industriegeheimnis behandelt. Auch die Schaumanufaktur lässt zu, nur in
einen Teil der Arbeitsvorgänge Einblick zu gewinnen. Es handelt sich
dabei um die Formung und die Arbeitsphase, wie die Künstler die
Konturen des Dekors am vorausgebrannten Gegenstand mit Spezialfarbe
neuzeichnen. Auf den Unterteil des Kunststückes tragen sie die Form-
und Dekornummer, den Namen des Malers, sowie das Markenzeichen der
Fabrik mit den fünf Türmern ein. Aus der Schaumanufaktur wird die
Keramik wieder in den Brennofen gebracht, wo sie mit Reduktionsbrennen,
d. h. in einem sauerstofffreien Raum gebrannt ihre endgültige,
dauerhafte Farben erhält.
Die Herstellung der grossen, reich gezierten Kunststücke von
komplizierter Form bedarf über 100 Arbeitsstunden. Ihr Preis kann daher
irgendwie noch festgelegt werden, aber ihr Wert stellt eine schwieriger
definierbare, eher ideale Begriffskategorie dar. Neben der Investition
von Stoffen, Know-how, Fachwissen, Energie und Arbeitszeit kann er auch
vom Lebensalter, Gesuchtheit und individuellen emotionalen
Verhältnissen abhängig sein.

Haus Sikorski
Das Vorgängergebäude des Hauses war ein Dekantierhaus und eine
Tischlerwerkstatt, die Ignác Zsolnay bereits 1853 errichten ließ. Hier
stand auch die erste Dampfmaschine von Vilmos Zsolnay. Mit dieser
Maschine wurden Mahlmühlen und Tonformmaschinen angetrieben. Im Laufe
der Jahre wurde das Haus mehrmals erweitert und schließlich mit den
Nachbargebäuden verbunden, in denen eine Werkstatt eingerichtet wurde.
Ab den 1880er Jahren bewohnten Julia Zsolnay, die Tochter von Vilmos
Zsolnay, und ihr Ehemann Tádé Sikorski das Gebäude. 1883 wurden nach
Plänen von Tádé Sikorski die Wohnräume der Familie nördlich der
Werkstatt angebaut, und zwischen den Fenstern der Ostfassade wurden
Keramikverzierungen angebracht. Im Obergeschoss entstanden
Schlafzimmer, ein Wohnzimmer, eine Küche und weitere Funktionsräume.
Das Hausmädchen wohnte im Erdgeschoss, während die Kellerräume ihre
ursprüngliche Funktion als Werkstätten, Materialvorbereitungsräume und
Lagerräume beibehielten.
Die männlichen und weiblichen Figuren mit den Symbolen der bildenden
Kunst in der Nische über dem Nordeingang des Gebäudes wurden für die
Kunstgalerie der Nationalausstellung von 1855 angefertigt. Die
Keramikgeländer der Treppe zum Haupteingang wurden anhand von
Reproduktionen aus Archivfotografien restauriert. Die Treppe ist mit
Balustraden und barocken Laternenpfählen versehen. Das Sikorski-Haus
beherbergt die darin befindliche Sammlung Gyugyi.
* * *
Monumentale Alhambra-Vase, 1884 / Designer: Tádé Sikorski / Ausgestellt: Paris 1900

Keramikmalerei: Adaption von Lucas Cranachs Werk „Kaiser Maximilian I. besetzt Antwerpen“ (1498), Entwurf: Kelemen Kaldeway

Wandteller mit Deutschrittermotiv, 1878 / Designer: Kelemen Kaldeway

Das goldene Zeitalter von Zsolnay
Die in dieser Dauerausstellung gezeigte Sammlung entstand ursprünglich
in privater Hand, ist aber mittlerweile zu einem gemeinsamen Schatz der
Stadt Pécs geworden. Die Objekte kehrten aus fernen Ländern und dem
goldenen Zeitalter der Vergangenheit an ihren Ursprungsort zurück, in
das ehemalige Künstlerhaus der einst so lebendigen und prachtvollen
Manufaktur – um den Weg für das goldene Zeitalter der Zukunft zu ebnen.
Die Sammlung umfasst alle Produkte, die seit der Einweihung der
Manufaktur im Jahr 1853 hergestellt wurden, darunter die Kunstkeramik
aus der Zeit unter der Leitung von Vilmos Zsolnay, dem eigentlichen
Gründer, und seinem Sohn Miklós sowie unter direkter Beteiligung seiner
Töchter Júlia und Teréz. Sie erstreckt sich über ein halbes Jahrhundert
und legt einen besonderen Schwerpunkt auf die Kunstobjekte des goldenen
Zeitalters: jener Periode von der Weltausstellung 1878 bis zum Ende der
1910er Jahre. Diese Objekte begründeten und sicherten der Manufaktur
ihren weltweiten Ruhm.
Die hier ausgestellten Zierkeramiken erfreuten sich auf internationaler
Ebene sofort großer Beliebtheit. Nach den Ausstellungen ihrer
Entstehungszeit wanderten sie im Labyrinth des internationalen
Kunstmarktes von Händler zu Händler und wurden dabei stets von einem
qualitätsbewussten Kennerpublikum bewahrt. Ihre Zusammenstellung ist
das Ergebnis jahrzehntelanger, konsequenter und fachkundiger
Sammeltätigkeit, die sich auf die Präsentation von Keramik höchster
Qualität aus der Blütezeit der Keramik – sowohl in künstlerischer als
auch in handwerklicher Hinsicht – konzentrierte. Die Sammlung ergänzt
die Ausstellung im Zsolnay Museum perfekt und präsentiert die gesamte
Produktpalette der Manufaktur von ihren Anfängen an.
Hier, in den Ausstellungsräumen im ersten Stock, befindet sich die
Kunstkeramik aus der Zeit des Historismus, jenes Kunststils, auf dem
der internationale Ruf der Manufaktur beruht. Die Kunstobjekte des
Jugendstils sind im großen Saal im Untergeschoss zu sehen. Das dort
ausgestellte Material, reichhaltiger als je zuvor, stellt die
Kreationen der Fabrik dar, die auf der ganzen Welt Bewunderung
hervorgerufen haben – geschaffen im Stil der „neuen Kunst“ in der Zeit
zwischen den Vorbereitungen für die Pariser Weltausstellung von 1900
und den 1920er Jahren.

Teekanne, 1882 / Zuckerdose, 1882 / Milchkännchen, 1882 / Designerin: Júlia Zsolnay

Vase mit Schlangenhenkeln, „Palissy“-Vase, ca. 1880

Historismus
Charakteristisch für die in Europa in der zweiten Hälfte des 19.
Jahrhunderts vorherrschende Strömung war die Wiederentdeckung
künstlerischer Stile vergangener Epochen. Diese romantische
Auseinandersetzung mit der Geschichte hielt auch im Bereich der
angewandten Kunst Einzug. Die bedeutende Entwicklung der
Keramikmanufaktur von Vilmos Zsolnay in Pécs begann in dieser Zeit der
Stilerneuerungen, Anfang der 1870er Jahre. Gleichzeitig etablierte sich
die Akzeptanz und Anwendung des Historismus auch in der Herstellung
dekorativer Objekte. Die Manufaktur Zsolnay avancierte bald zum
bedeutendsten Vertreter dieses Stils in der ungarischen Kunstkeramik.
Die für die Zsolnay-Keramik charakteristischen Designs und Dekorationen
spiegelten den Stil des Historismus auf vielfältige Weise wider. So
lassen sich auf Tellern und Krügen Designs und Dekorationen erkennen,
die von ungarischen Handwerkern und Volkskünstlern oder von Angehörigen
anderer in Ungarn ansässiger ethnischer Gruppen verwendet wurden.
Andererseits waren die Objekte reich verziert mit persischen,
osmanisch-türkischen „Iznik“-Motiven, japanischen und chinesischen
Mustern aus vergangenen Epochen sowie mit Dekorationen aus dem Nahen
und Fernen Osten, die Reproduktionen von Zeichnungen aus damals neu
erschienenen Büchern entlehnt waren. Die wichtigste Quelle für die
Erforschung islamischer Keramikkunst war die Sammlung von Wandfliesen
aus dem 16. Jahrhundert und etwa acht Kisten mit Fragmenten persischer
Fliesen, die Vilmos Zsolnays Sohn Miklós von seiner Reise in den Nahen
Osten im Jahr 1888 mitgebracht hatte. Die umfangreiche Keramiksammlung,
bestehend aus Objekten verschiedener Epochen und Manufakturen, die im
sogenannten „Depot für ausländische Materialien“ aufbewahrt wurde,
könnte ebenfalls als Vorbild für diese Periode gedient haben.
Die verschiedenen Richtungen, in die sich der Zsolnay-Historismus
entwickelte, wurden durch Traditionen vergangener Jahrzehnte
europäischer bildender Kunst und Literatur bereichert. Deren Einfluss
zeigt sich in den Figuren in Renaissance- oder altdeutscher Tracht, den
Illustrationen zum Nibelungenlied und den idyllischen Szenen
„englischer Figuren“. Während dieser Zeit wurden die Ziergegenstände
der Manufaktur von namhaften ungarischen und ausländischen Künstlern
entworfen, die aufgrund der wachsenden Beliebtheit der Manufaktur
eingeladen wurden, mitzuwirken. Zu den bedeutendsten Künstlerinnen der
ersten Stunde zählten die Schwestern Teréz und Júlia Zsolnay, Töchter
von Vilmos Zsolnay, die volkstümliche Muster und persische Ornamente
entwarfen. Das herausragende Talent und die Kunst von Júlia Zsolnay und
Armin Klein beeinflussten sowohl László als auch Armin Klein
maßgeblich. Gyugyis Tätigkeit als Sammler von Zsolnay-Kunstkeramik und
die Ausstellung selbst, die derzeit zu sehen ist.

Vase mit türkischem Blumendekor, 1880 / Designerin: Júlia Zsolnay
Persische Vase mit goldenem Brokatfond, 1878 / Designerin: Júlia Zsolnay / Ausgestellt: Paris 1878
Blumenschale mit goldbrokatbesetztem Boden, 1880 / Entworfen von Júlia Zsolnay

Teller mit Vogelmotiv, 1878
Krug im Bokály-Stil. 1878. / Designer: Jülle Zsolnav / Ausgerufen: Paris 1878,
Melbeurre 1880
Krug mit persischem Blumendekor, 1879 / Ausgestellt: Sydney 1879, Malbourne 1880
Krug im Bokály-Stil, 1878 / Designer: Júlia Zsolnay Exnivised Paris 1878, Melasarne 1883
Krug mit siebenbürgischem Dekor, 1875
Persischer Krug, 1878-1879 / Designerin: Júlia Zsolnay
Kleiner Krug mit Blumendekor
Dekorativer Teller, 1875 / Designerin: Júlia Zsolnay
Arabeske Vase mit Fischschuppenmotiv und Untertasse, 1878
Bootsförmiger Stifthalter, 1879 / Designer. Teréz Zsolnay
Dekorative Platte, 1877 / Designer: Teréz Zsolnay
Krug im ungarischen Stil mit Blumenmotiv, 1878 / Designer: Teréz Zsolnay / Ausgestellt: Paris 1878, Sydney 1879, Melbourne 1830
Krug im ungarischen Stil mit Blumenmotiv, 1878 / Designer: Teréz Zsolnay / Ausgestellt: Paris 1878, Sydney 1879, Melbourne 1880
Slawischer Krug, 1884 / Designer: Teréz Zsolnay
Krug mit ungarischer Dekoration, 1883 / Designer: Teréz Zsolnay

Eisengrund und Goldbrokat
„… Wandel lässt sich nicht isolieren; die verschiedenen Techniken und
ihre Varianten verflechten sich mitunter, existieren eine Zeit lang
parallel, wobei jede Epoche jedoch ihre typischsten Produkte
hervorbringt. Zwei neue Techniken des Jahres 1879 waren der
„Eisengrund“, auch „Mondschein“ genannt, und der „Goldbrokat“. Bei der
Eisengrundtechnik wurde die Dekoration stets mit Gold umrandet, um die
ansonsten zu feierliche Wirkung abzumildern. Die ununterbrochene
Produktion von Goldbrokat begann im September. Diese prachtvolle
Technik war ein großer Erfolg und erfreute sich bis Mitte der 1880er
Jahre großer Beliebtheit. Bei ihrer Herstellung wurde der Boden des
gebrannten und dekorierten Objekts mit dickem Öl eingerieben,
anschließend mit feinem Sand bestäubt und diese Schicht in einem
muffolaförmigen Ofen auf das Objekt gebrannt. Nach dem Brennen wurde
die raue, sandige Oberfläche mit glänzendem Gold überzogen und erneut
gebrannt. Das sanft schimmernde Gold erzeugte einen ganz besonderen
Effekt auf dem rauen Untergrund. Noch filigranere Objekte ließen sich
erzielen, indem man anstelle von Gold Emaille als Grundierung
verwendete.“ Sand, weil die Emaille beim Brennen schrumpfte und riss.
Auf einem solchen Untergrund wirkte Gold noch erhabener und antiker.
Sowohl unter den Objekten mit glattem als auch mit grobem Untergrund
finden sich solche, bei denen feine, schwärzliche Schattierungen
durchscheinen. Ich nehme an, dass bei diesen Stücken die
Hochbrand-Emaille auf die unglasierte Oberfläche gebrannt und das Gold
direkt auf das rohe Gefäß aufgetragen wurde…".
Zitierte Texte aus „ZSOLNAY – Eine Geschichte der Fabrik und der
Familie 1863-1948“ von Teréz Zsolnay und Margit M. Zsolnay, Corvina,
1980.
Persische Wandplatte mit Tulpen- und Nelkendekor, 1878

Wandporträt, Undine aus der Serie „Englische Schönheit“, 1881 / Designer: Armin Klein
Dekorative Platte, Porträt einer germanischen Dame, 1881–1882 / Designer: Armin Klein
Zierschale mit altdeutschem Frauenporträt, 1878 / Designer: Armin Klein
Wandplatte; Porträt mit Datumsangaben und Wappen, ca. 1882 / Designer: Armin Klein
Kleine Schale mit Kriegerkopf, 1880–1881 / Designer: Armin Klein
Wandteller mit antikem griechischem Krieger; Rahmen aus Goldbrokat, 1880–1881 / Designer: Armin Klein
Dekorativer Teller mit Renaissance-Männerkopf, 1879–1880 / Designer: Armin Klein
Wandporträt; Dorothea aus der Serie „Englische Schönheit“, 1881 / Designer: Armin Klein
Dekorative Platte, Porträt einer Deutschritterin, 1881–1882 / Entwurf: Ármin Klein
Dekorative Platte mit Büste eines Deutschritters, 1880 / Entwurf: Ármin Klein
Wandplatte; Porträt mit Jahreszahlen und Wappen, ca. 1882 / Entwurf: Ármin Klein

Dekorative Platte mit Weinlesemotiv, 1882 / sDesigner: Ármin Klein

Bierkrug mit Zinndeckel; Panorama von Feiernden; 1882–1883 / Entwurf: Ármin Klein
Bierkrug; festliche Szenen, 1882 / Entwurf: Ármin Klein

Ungarische Platte mit Bauernmädchen, 1878 / Designer: Ármin Klein

Reproduktion mit Eosin-Glasur von Ármin Kleins monumentalem Flachmann von 1881, 1896
Designer: Ármin Klein / Ausgestellt: Budapest 1896

Die Geschichte der monumentalen Pilgerflasche
„… Ich habe einen weiteren Brief vor mir, den Juliska (Júlia Zsolnay)
am 18. Oktober 1880 an Miklós schrieb, der sich damals in Paris
aufhielt. Sie berichtet ihm von einem Tafelservice für sechzig
Personen, das 8000 Forint kosten und spätestens am 1. März 1881
geliefert werden sollte. Die Stadt Pest hatte den Auftrag erteilt, als
Hochzeitsgeschenk für Kronprinz Rudolf. Unser Vater, von Ehrgeiz
getrieben, benachrichtigte Testory per Telegramm, dass er den Auftrag
angenommen habe. Doch nach einer schlaflosen Nacht, in der er die
Erfolgsaussichten abwog, musste er zugeben, dass das besagte
Tafelservice unmöglich innerhalb der vorgegebenen Frist fertiggestellt
werden konnte. Unser Vater hoffte nun, den Grafen dazu bewegen zu
können, mehrere monumentale Objekte in Auftrag zu geben (…). Er bot an,
für den Kronprinzen eine Flasche mit einem Fassungsvermögen von 1 Akó
(etwa 51 Litern) anzufertigen.“ Wein (...). Ich bin sicher, dass Kleins
monumentale Pilgerflasche aus dieser Idee entstanden ist...".
Klein vollendete die monumentale Pilgerflasche im Mai 1881. Eine Seite
war mit dem Bild einer ländlichen Hochzeit verziert, die andere mit
einer Szene der Weinlese. Zum Gedenken an Kleins Werk fertigte Vilmos
Zsolnay für das ungarische Millennium 1896 eine mit Eosin beschichtete
Version der monumentalen Pilgerflasche an.
Zitiert aus: „ZSOLNAY – Geschichte der Fabrik und der Familie 1863–1948“ von Teréz Zsolnay und Margit M. Zsolnay, Corvina, 1980.
Monumentale Pilgerflasche mit Darstellungen von Weinlese und Hochzeit, 1883 / Designer: Ármin Klein

Ungarische Hochzeitsplatte im Stil des Alten Elfenbeins, 1888–1889 / Designer: Ármin Klein
Wandplatte mit antiker Szene, 1879 / Designer: Ármin Klein
Wandplatte, Amour lehrt Amoretto Lektion über die Liebe, 1880 / Designer: Ármin Klein
Neptunplatte, 1877 / Designer: Ármin Klein
Wandplatte mit Amoretto, Band und Fackel, 1878 / Designer: Ármin Klein
Wandteller mit maskiertem Amaretto, Bordüre mit Band und Maske, 1879 / Designer: Ármin Klein
Statuette: Ungarischer Bauer mit Geige, 1879 / Designer: Ármin Klein
Statuette: Tanzender Fremder, 1879 / Designer: Ármin Klein
Ungarischer Hochzeitsteller, 1879 / Designer: Ármin Klein
Wandteller mit spielenden Kindern, 1879 / Designer: Ármin Klein
Wandteller mit griechischem Farnat-Prolith, 1880 / Designer: Ármin Klein


Balkan-„Csali“-Krug mit Glasur im chinesischen Stil und japanischen Blumen, 1884

Die „Tiger“-Technik
„… Die letzte besondere Technik entstand durch einen seltsamen Zufall.
Ein Arbeiter ließ achtlos eine Flasche Petroleum in den Glasurbottich
fallen, traute sich aber nicht, es zuzugeben. Ihr Großvater war sehr
überrascht von dem einzigartigen, fehlerhaften Produkt, das dabei
entstand. Dies veranlasste ihn, mit der sogenannten Tiger-Technik zu
experimentieren. In den folgenden drei Jahren entwickelte er sie weiter
und stellte die Glasur in unzähligen Varianten her. Neben den
hochglänzenden Stücken gab es auch matte Tigerglasur-Versionen, bei
denen die Glasur fein schattiert und mit Haarrissen durchzogen war. Die
zweischichtige Tigerglasur bestand aus einem gefleckten Grund, auf dem
die zweite Farbe in unregelmäßigen Rinnsalen, Flecken und Tropfen
erschien. Die ersten perfekten Stücke waren rosafarben und mit
mittelgroßen Tropfen verziert; ihnen folgten türkisfarbene, rotbraune
und gelbe Varianten sowie viele weitere. (…) Die Technik war 1885
vollständig perfektioniert…“
Zitierte Texte aus „ZSOLNAY – Eine Geschichte der Fabrik und der
Familie 1863-1948“ von Teréz Zsolnay und Margit M. Zsolnay, Corvina,
1980.
Dardanella-Krug mit bemalten und skulpturalen Verzierungen, 1884
Glasierte Vase mit blauem Tigermotiv, 1885
Dardanella-Krug, 1884–1885

Die Werke von Tádé Sikorski in der Sammlung
Die monumentale Flügelvase im ersten Ausstellungsraum, die sogenannte
„Alhambra“-Vase, wurde nach einem Entwurf von Tádé Sikorski gefertigt.
Die ursprüngliche Alhambra-Vase, nach der die hier gezeigte benannt
wurde, ist eine maurische Steingutvase, die im 16. Jahrhundert in einem
der Keller der Alhambra entdeckt wurde und als herausragendstes Werk
hispanisch-maurischer Keramikkunst gilt. Angesichts ihrer Größe und
prachtvollen Verzierung verdient die von Tádé Sikorski entworfene
Flügelvase jede ihr entgegengebrachte Bewunderung.
Ebenso sehenswert sind die doppelwandige, durchbrochene Kanne (18.
Kabinett) und Tádé Sikorskis technische Innovation, die sich in der
orientalischen Schnabelkanne mit Deckel (17. Kabinett) manifestiert.
Wohl aufgrund seiner architektonischen Ausbildung entwarf Tádé Sikorski
mit Vorliebe Serien, die auf Variationen desselben Themas basierten.
Die Gefäße der Serien „Wanda“ und „Arab“ gehören ebenso zu dieser Serie
wie mehrere Vasen- und Krugserien. Die beiden großen Wanda-Vasen, die
sich nur in ihrer Farbgebung unterscheiden, und die beiden Krüge
bestechen durch ihre Goldwände und die gerahmten floralen Schilde
(Schrank Nr. 22). Diese sorgfältig proportionierten, harmonischen und
elegant dekorierten Objekte sowie ihre Variationen, verziert mit
Rubinglanz oder anderen exquisiten Techniken, zählen zu den schönsten
Exemplaren der Wanda-Serie, benannt nach der jung verstorbenen Tochter
von Júlia Zsolnay und Tádé Sikorski.
Türkischer Schnabelkrug mit Tigerglasur, 1886
Krug mit Rosetten, 1885
mit skulpturalen Blüten am Hals des türkischen Schnabelkrugs; William-Technik (Tigerglasur), 1885–1886
Designer: Tádé Sikorski

Die „Wabentechnik“
Die sogenannte Wabentechnik, bei der der Korpus eines Objekts mit einem
gitterartigen Muster, ähnlich dem von Bienenstöcken, überzogen wurde,
war typisch für das Jahr 1888. Die Außenränder von Tellern und
mehrschichtigen Platten mit Stiel bestanden oft aus einem vollständig
durchbrochenen Gitterwerk. Die doppelwandigen Gefäße wiesen mitunter
eine formschöne, netzartige Außenwand über einer kompakten Innenwand
auf, die mit feinen, winzigen Goldornamenten verziert war. Die
Innenwände der Gefäße und mitunter auch das Zellengitter waren mit
rosafarbenem Emaille überzogen, während die Ränder jeder einzelnen
Zelle vergoldet waren, wodurch ein Ornament mit besonders feiner
dekorativer Wirkung entstand. Neben Luxusartikeln wurden auch Kaffee-
und Teeservices in dieser Technik gefertigt. Produkte in diesem Stil
erfreuten sich so großer Beliebtheit, dass im Folgejahr neue Formen
entwickelt werden mussten.
Vase mit floralem Medaillon am Hals, 1889
Vase mit dreifach gelapptem Ausschnitt und Blumenmalerei, 1888
Krugvase mit Sockel, 1888
Wabenförmiges Gefäß mit Deckel, 1888 / Designer: Tádé Sikorski
Arabesken-Spitzenteller mit Landschaftsmotiven im chinesischen Stil, 1893 / Ausgestellt: Antwerpen 1894
Sockelvase mit durchbrochenem Rand, 1888
Dekorative Platte mit Irisblütendekor, 1889 / Designerin: Júlia Zsolnay
Teller mit Patentmarke, 1888
Zuckerdose mit Fuß, 1889 / Designer: Tádé Sikorski
Dreibeiniges Gefäß mit Deckel, 1888

Gefäß mit Deckel und Doppelgriffen, 1889 / Ausgestellt: Antwerpen 1894 / Designer: Tádé Sikorski
Zierschale mit durchbrochenem Korpus, 1888 / Designer: Tádé Sikorski
Zierschale mit durchbrochenem Korpus, 1888 / Designer: Tádé Sikorski
Gefäß mit Deckel und Doppelgriffen, 1889 / Ausgestellt: Antwerpen 1894 / Designer: Tádé Sikorski

Porzellan-Fayence
"...Laien halten alle Zsolnay-Produkte für Majolika. Das ist ein großer
Irrtum. Zwar stellt Zsolnay auch Majolika-Gefäße sowie Steingut für den
täglichen Gebrauch her, doch ihre besonderen Produkte, die in Europa
bisher unerreicht sind, übertreffen Majolika sowohl hinsichtlich des
Materials als auch des Brennvorgangs bei Weitem. Professor Schmidt
unternahm in seinem Aufsatz über die Pariser Weltausstellung den
Versuch, einen Fachbegriff für dieses spezielle Zsolnay-Produkt zu
finden oder zu prägen und nannte es daher „Porzellan-Fayence“, um es
von der üblichen, bleiglasierten Majolika zu unterscheiden. Mit dieser
Bezeichnung wollte Schmidt sowohl die Beschaffenheit der Glasur als
auch die Brennmethode berücksichtigen, tat dies aber auf Kosten des
Materials. Das Besondere an der unvergleichlichen Zusammensetzung der
Zsolnay-Produkte ist ihre sogenannte Biskuitmasse, die sozusagen eine
Mischung verschiedener Tonsorten ist…“.
Zitierte Texte aus „ZSOLNAY – Eine Geschichte der Manufaktur und der
Familie 1863–1948“ von Teréz Zsolnay und Margit M. Zsolnay, Corvina,
1980.
Flasche mit erhabenen und bemalten Blumen, 1894–1895
Dekorative Kanne mit skulpturalen Blumen aus der Mallow-Serie, 1892
Pralinendose aus der Mallow-Serie, 1892 / Entwurf: Teréz Zsolnay
Platte, Rokoko mit Apenwork-Bordüre, 1894
Schirmständer mit erhabenen Blumen, 1895
Durchbrochene Zierschale, 1891–1892
Quadratische, durchbrochene Vase mit skulpturalen Blumen, 1891–1892 / Ausgestellt: Antwerpen 1894
Krugvase aus der Rokoko-Serie, 1892 / Ausgestellt: Chicago 1893
Durchbrochene Vase mit Einsatz, 1892 / Designerin: Júlia Zsolnay
Vase mit erhabenem Blumendekor, 1891 / Ausgestellt: Antwerpen 1894

Die beiden Júlia-Vasen
„Neben den feinen, anmutigen Objekten fanden auch die großen,
kraftvollen Formen und Platten sowie die hochgebrannten Glasuren große
Beachtung. … Es wurden riesige Stücke gefertigt. … Die schönsten
Objekte waren Júlias zwei Teller und zwei Vasen. Die Teller waren mit
japanischen Fischerinnen verziert, die Vasen mit Pfauen und nistenden
Vögeln in Blumenschalen. Die Aufträge für diese großen Stücke
ermöglichten es uns, zweihundert Keramikkünstler zu beschäftigen.“
Die erste „Julia“-Vase (benannt nach ihrer Designerin Júlia Zsolnay)
wurde 2013 als Schenkung von Dr. László Gyugyi in die Sammlung Gyugyi
aufgenommen. Schon damals war bekannt, dass es ein Paar gibt. Die
beiden Vasen haben die gleiche Form, aber die Muster ihrer Dekoration
sind – obwohl harmonierend – dennoch unterschiedlich. Die ursprüngliche
Besitzerin der zweiten „Julia“-Vase ist Mary Weber, die in Amerika lebt
und als Kind ungarischer Einwanderer direkten Kontakt zur ungarischen
Kultur hatte. Ihr allgemeines Interesse an Antiquitäten führte sie
dazu, Zsolnay-Kunstkeramik zu sammeln. Die „Julia“-Vase, das Prunkstück
von Mary Webers Sammlung von über 200 ungarischen Keramikgegenständen,
wurde 2002 in New York auf der großen Zsolnay-Ausstellung des Bard
Graduate Center gezeigt. Nach der New Yorker Ausstellung und
insbesondere der Rückgabe der Gyugyi-Sammlung an Pécs wuchs in Mary
Weber der Wunsch, auch ihre geliebte „Julia“-Vase nach Pécs
zurückzubringen. Ihre Familie unterstützte ihr Vorhaben trotz der damit
verbundenen erheblichen finanziellen Einbußen, und Mary Webers Wunsch
ging kurz nach ihrem 90. Geburtstag in Erfüllung.
Die zweite „Julia“-Vase kehrte nach 126 Jahren in den USA am 14. Mai
2014 dank der tatkräftigen Unterstützung von Dr. László Gyugyi nach
Pécs zurück. Seitdem bereichern beide Vasen die Dauerausstellung der
Sammlung Gyugyi.
Zitierte Texte aus: „Zsolnay – Geschichte der Manufaktur und der Familie 1863–1948“ von Teréz und Margit M. Zsolnay
* * *
Bodenvase, handdurchbrochen, farbige Emaille über Glasur mit Blumenmotiven, 1889
Formendesigner: Tadé Sikorski, Dekordesignerin: Júlia Zsolnay
Bodenvase, verziert mit einem Pfau und verschiedenen anderen Vögeln,
die sich in einem Wald aus goldumrandeten Blumen verstecken, 1889
Formengestalter: Tadé Sikorski, Dekorgestalterin: Júlia Zsolnay

Große vergoldete Vase mit Chrysanthemenblütendekor, 1892-1893 / Designerin: Júlia Zsolnay
Schenkung von Miklós und Joan Sárközi an die Stadt Pécs für die Gyugyi-Sammlung

Das Millennium
1896 feierte Ungarn tausend Jahre ungarischer Besiedlung im
Karpatenbecken. Im vorangegangenen Vorbereitungsjahr produzierte die
Manufaktur Objekte, die für die Nationalausstellung im Jahr 1896, dem
ungarischen Millenniumsjahr, als würdig erachtet wurden. In diesem Jahr
präsentierte Vilmos Zsolnay seine neueste Kreation, das vielfarbige,
strahlende Eosin, das durch ein Reduktionsverfahren hergestellt wurde.
Im Geiste des Millenniums entwarfen die Designer ungarische
Volkskunst-Dekorationen und mit Tulpen verzierte Truhen, die an die
künstlerischen und ornamentalen Motive der Zeit der ungarischen
Besiedlung im Karpatenbecken erinnerten. Die chinesische Vase mit
Drachenmotiven wurde 1882 gefertigt. Mehrere Kopien der kleinen
Reproduktion der „Schwarzen Madonna“ von Tschenstochau (Kabinett 26)
wurden zur Millennium-Nationalausstellung gebracht und laut deren
Aufzeichnungen vollständig verkauft. Neben den mit Tulpen verzierten
kleinen Truhen und Kästchen ist auch eine Reproduktion der kleinen
Lackdose ausgestellt, die Miklós Zsolnay 1888 von seiner Reise in den
Fernen Osten mitbrachte (Kabinett 27). Ein typisches Beispiel für die
Kunst des Millenniums ist die sogenannte Sassanidenplatte mit einer
Jagdszene, in der junge Mitglieder der persischen (iranischen)
Königsfamilie Löwen jagen (Kabinett 28). Alle Objekte trugen eigens
entworfene Markenzeichen mit der Aufschrift „Millennium“.

Teller mit Millennium-Dekor, 1894–1895
Dekorteller aus der Serie „Antike Ungarische Kunst“, 1898, Designer: Gyula Pamaår
Dekorteller aus der Serie „Antike Ungarische Kunst“, 1898, Designer: Dyula Pompár
Schmuckkästchen mit Tulpen, 1896
Schmuckkästchen mit Tulpen, 1896
Schmuckkästchen mit Tulpen, 1896
Vase mit hinduistischem Dekor, 1895–1896
Dekorative Dose nach orientalischem Lackmuster, 1896
Miniaturflakon, 1894, Entwurf Teréz Zsolnay
Miniaturvase mit Millennium-Dekor, 1897
Vase mit byzantinischem Seidenstoffmuster, 1896
Wandplatte mit japanischen Wasserfallmotiven, 1895–1896, Entwurf Budapest, 1896
Vase mit chinesischem Drachenmotiv, 1897
Aschenbecher/Haarbehälter mit gefleckter Eosinglasur, 1903–1905
Millennium-Dekor, 1903–1905
Wandplatte mit japanischen Aquarellmotiven, 1895–1896, ausgestellt in Budapest 1896
Wandplatte mit Figur des Heiligen Ladislaus, 1896
Wandplatte mit Figur des Heiligen Ladislaus, 1896
Hinduvase, Eosinglasur mit Marmormuster, 1897–1898
Vase mit Nelken, 1896–1897
Krug mit Blättern und Blüten, 1896 / Designer: Teréz Zsolnay / Ausgestellt: Paris 1900
Dose mit Deckel, 1895–1897
Tintenfass mit Arkadenmotiven, 1894–1895

Teller mit einem auf Amoretto reitenden Drachen und Libellen. Designer: Ármin Klein
Dekorativer Topf (Vogeltopf), 1889 Designer: Tádé Sikorski

Das Goldene Zeitalter der Zsolnay-Fabrik – Die Gyugyi–Sammlung
Jedes Stück der Kunstsammlung von Dr. László Gyugyi machte einen langen
Weg, bis sie in ihren Herstellungsort zurückfand. Die einst
weltberühmte Fabrik von Vilmos Zsolnay hat heute schon als neues
Kulturviertel der Stadt den zurückgekehrten Prachtstücken ein Zuhause
geboten. Im Kulturviertel Zsolnay, in der renovierten Sikorski-Villa
erwarten die schönsten Keramikgegenstände aus dem goldenen Zeitalter
der Fabrik die Besucher. Die beinahe aus 600 einzelnen Kunststücken bestehende Kunstsammlung von
Dr. László Gyugyi stellt beispiellosen Wert dar. Die Kunststücke sind
Produkte der Zsolnay-Fabrik aus einer von 1870 bis 1910 dauernden
vierzigjährigen Periode, die drei große Zeitalter umfassen: den
Historismus, die Fin de Siécle und den Jugendstil.
Für
die im Historismus (1878-1885) entstandenen Kunstgegenstände sind
neben Naturmotiven die eigenartigen Quellen nationaler Geschichte
charakteristisch. Die Zsolnay-Töchter, Julia und Teréz waren für die
Sammlung der Ornamente zuständig. Die Sammlung wird dadurch unikal,
dass auch Kunststücke aus dieser Periode ausgestellt werden, die von
den beiden Töchtern gemalt, signiert und datiert worden sind.
Diese Ära der Fabrik wurde durch den Designer Ármin/Hermann Klein
geprägt, der die abendländische Orientation vertreten hat, und Maler,
Bildhauer, Form- und Dekordesigner in einem war. Seine Arbeiten stellen
neoklassizistisch geformte Figuren der griechischen Mythologie, Figuren
in Renaissance-Kleidung, Porträten nach altdeutschem Stil und Szenen
aus dem ungarischen "Volksleben" dar.
Anlässlich des Millenniums der Landnahme des ungarischen
Stammesverbandes (1896) hat Vilmos Zsolnay eine neue Glasurtechnik
entwickelt, die er zur Ehre des Jubiläumsjahres "Millenniumstechnik"
nannte. Später führte er die heute als Eosin bekannte und bewunderte
farbwechselnde Glasurtechnik auf den Markt ein, die wie Edelmetalle und
Edelsteine schillert. Zu dieser Ära gehören auch die mit indischen,
japanischen und chinesischen Motiven gezierten Kunstgegenstände. Das
Heranziehen orientalischer Motive wurde durch die Erforschung der
eventuellen asiatischen Herkunft des Ungarntums motiviert. Die
Eosin-Technik machte die Fabrik weltbekannt und machte Vilmos Zsolnay
unvergänglichen Namen.
Nach dem Tode von Vilmos Zsolnay wurde die Fabrik von Miklós, seinem
Sohn übernommen. Zwischen 1900-1921 prägte er die Geschichte der
Fabrik. Er lud József Rippl-Rónai, Sándor Apáti Abt, sowie andere junge
Maler aus der Jugendstilgeneration zu sich ein. Im ersten Jahrzehnt des
20. Jhs. wurden fünf Künstler, drei Bildhauer und zwei Maler in der
Abteilung für Produktentwicklung beschäftigt. Sándor Apáti Abt spielte
bei der künstlerischen Arbeit der Jugendstil- Ära eine bedeutende
Rolle. Er lebte und wirkte 10 Jahre lang in Pécs. Er war sehr
fruchtbarer Künstler, er formte die figuralplastischen Elemente des
Zsolnay-Mausoleums samt Reliefs des Eosin-Sarkophags. Die Kunstsammlung wurde im Rahmen des Projektes Pécs 2010
Kulturhauptstadt Europas im Kulturviertel Zsolnay untergebracht. Der
würdige Ausstellungsort wurde in der renovierten, im Jugendstil
aufgebauten Sikorski-Villa gefunden.

"Rosenduft“, 1900 Designer: Sándor Apáti Abt

Die Eosin-Glasur
Diese äußerst komplexe Glasurtechnik und die darauf basierenden
Dekorationsverfahren stellten das typisch Pécs'sche Mittel des neuen
Kunststils dar: des Jugendstils. Neben Vilmos Zsolnays
polychromatischen Weichporzellanglasuren, die in reduzierender
Atmosphäre hochgebrannt wurden, feierten auch seine irisierenden
„metallischen Glanz“-Beschichtungen, die auf die Grundglasur
aufgetragen und niedrig reduziert gebrannt wurden, auf der Budapester
Millenniumsausstellung 1896 große Erfolge. Diese Technik hatte er ab
1891 mit Unterstützung externer Experten wie Lajos Petrik und später
Dr. Vince Wartha entwickelt. Die Nachbildung historischer Vorbilder
(vorderasiatischer, hispanisch-maurischer, italienischer Art) genügte
dem ewigen Experimentator Vilmos Zsolnay nicht, der laut seiner Tochter
Teréz stets „nach mehr Schönheit und Besserem strebte“. Er trat in
Konkurrenz zu den Techniken des Engländers William de Morgan und der
Franzosen Théodore Deck und Clément Massier. Bis zu seinem Tod
entwickelte er die irisierenden Glasuroberflächen in fast unvorstellbar
vielseitigen neuen Richtungen weiter und schuf – zusammen mit seinen
späteren Kollegen, die sein Werk fortführten – Variationen, die reicher
waren als alles, was seine Zeitgenossen zu bieten hatten. Diese
Technik, die mit dem Begriff „Eosin“ – dem Namen der griechischen
Göttin des rosigen, schillernden Morgenhimmels – bezeichnet wird,
garantierte jedem einzelnen Zsolnay-Jugendstilobjekt unzählige
dekorative Effekte und unvergleichliche Exklusivität.
* * *
Vase mit sitzender weibliche Figur, 1904 / Designer: Lajos Mack und Sándor Apáti Abt

Zsolnay und die Weltausstellungen
Vilmos Zsolnay erkannte früh die Bedeutung der Weltausstellungen als
wichtigste Foren des damaligen Welthandels. Ab 1873 nahm er regelmäßig
an den großen Messen Europas, Amerikas und sogar Australiens teil und
kehrte stets mit Spitzenpreisen nach Hause zurück. Zum Zeitpunkt seines
Todes im Jahr 1900 erlangten die im Jugendstil gefertigten
Zierkeramiken mit der einzigartigen Eosinglasur auf der Pariser
Weltausstellung eine solche Anerkennung und ein solches Prestige für
den Namen Zsolnay, dass dies bis heute spürbar ist. Dies war die Zeit,
in der die Manufaktur in Bezug auf Zeitgeist, Ideologie und technische
Leistung ihren Höhepunkt erreichte. Insgesamt wurden in Paris 1.500
Ziergegenstände mit 3.100 Einzelteilen ausgestellt. Allein die
Tulpenschale war in hundert verschiedenen Formen vertreten. Die Anzahl
der in der Sammlung Gyugyi enthaltenen und in Paris ausgestellten Werke
übersteigt hundert.
1902 sandte man zur Weltausstellung in Turin nur jene
Jugendstilobjekte, die mit den besten zeitgenössischen europäischen
Keramiken konkurrieren konnten. Die Versandlisten umfassten Vasen,
Blumentöpfe, Krüge und Lampen, die als künstlerische Skulpturen von
Lajos Mack, Sándor Abt und Mihály Kapás Nagy getarnt und mit
skulptierten Figuren und Blumenornamenten verziert waren. Nach 1900
fand fast jährlich irgendwo eine große internationale oder
Weltausstellung statt. Die Manufaktur Zsolnay nahm an zwölf dieser
Ausstellungen teil. Um nur die wichtigsten zu nennen – die Liste ist
lang: Saint-Louis 1904; Lüttich 1905; Mailand 1906; Turin 1911;
Philadelphia 1925; Brüssel 1935 und schließlich Paris 1937. Diese
äußerst erfolgreichen Präsentationen weckten internationales Interesse
an Zsolnay-Keramik, die Manufaktur erhielt zahlreiche Bestellungen aus
Ländern wie Frankreich, England und der Schweiz, renommierte Museen
kauften Zsolnay-Keramik, und viele Händler und Depots trugen zum Absatz
in Paris, Wien und London bei.
* * *
Porzellanfigur; Französischer Kavallerieoffizier, 1900 / Designer: Sándor Apáti Abt
Porzellanfigur; Slawonisch-Ungarischer Kavallerieoffizier, 1900 / Designer: Sándor Apáti Abt / Ausgestellt: Paris 1900

Alte Frau mit Kopftuch, Keramiktöpfen und Katzenfigur, 1901-1902 / Designer: Sándor Apáti Abt
Alte Frau mit Kopftuch, Keramiktöpfen und Katzenfigur, 1901-1902 / Designer: Sándor Apáti Abt

Namenskartenhalter; Frau Angst vor Wasserschlange, 1900 / Designer: Mihály Kapás Nagy
Wandteller mit drei Grazien im Relief, 1902 / Designer: Mihály Kapás Nagy
Elektrische Lampe; Sich ausziehende weibliche Figur, 1900 / Designer: Lajos Mack / Ausgestellt: Turin 1902
Reliefierter Wandteller mit lugendem Faun bei badenden Nymphen, 1902 / Designer: Mihály Kapás Nagy
Elektrische Lampe mit Faun-Halteschale, 1900 / Designer: Sándor Apáti Abt / Ausgestellt: Budapest 1901, Turin 1902

Vase mit weiblicher Figur im Sturm, 1900 / Designer: Lajos Mack
Keramikmalerei; musikalisch, tanzende Faune mit jungem Mädchen, 1906 / Designer: Lajos Mack
Vase mit Mädchen, das aus einer Quelle trinkt, 1900–1901 / Entwurf: Sándor Apáti Abt, Modell: Lajos Mack
Vase mit zwei weiblichen Figuren, die um einen Baum tanzen, 1900 / Entwurf: Lajos Mack / Ausgestellt: Darmstadt 1901, Turin 1902

Vase; „Inferno“, 1902 / Designer: Sándor Apáti Abt

Weiblicher Akt, 1919–1921 / Entwurf: August Kühne
Hochrelief-Blumendekorrahmen; Heimkehr von der Weltausstellung, 1901–1902 / Designer: Ede Kallós
Statuette: Eva, 1904 / Designer: János Horvay

DAS GOLDENE ZEITALTER DER ZSOLNAY-FABRIK: DIE KUNSTSAMMLUNG VON LÁSZLÓ GYUGYI
Diese Ausstellung stellt ebenso eine zu Gemeinbesitz gewordene
Privatsammlung vor, hierbei begegnet man jedoch nicht der Laune der
Alltage des Fin de Siècle, sondern der Prachtsucht der Aristokratie.
Der Diplomingenieur László Gyugyi emigrierte als junger Mann in die
USA. In seinem 41. Lebensjahr erwarb er sein erstes Zsolnay-Kunststück.
Dem Kauf folgten weitere, schliesslich wurde das Sammeln der in der
Blütezeit der Zsolnay-Fabrik hergestellten Gegenstände von
Spitzenqualität zu seinem leidenschaftlichen Lebensziel.
Für die Fabrik brachte die 1878 in Paris veranstaltete Weltausstellung
Durchbruch und Aufstieg. Nachdem die Fabrik die goldene Medaille der
Ausstellung erworben hatte, fing die Anzahl von Aufträgen zu steigen
an, die in der Fabrik hergestellten Kunststücke gelangten in alle Ecken
der Welt, und es wurde ihnen eigenes Schicksal zuteil: sie wurden
geerbt, veräussert. László Gyugyi ging ihnen nach, und auf Auktionen in
New York, London, Paris, Wien und bei Kunsthändlern kaufte er etwa 600
Kunstgegenstände von den zwischen 1870 und 1910 hergestellten
Luxusprodukten der Fabrik auf. Sie können nun in der zum
Ausstellungsort umgebauten Sikorski-Villa besichtigt werden. Das war
das goldene Zeitalter. Die frühere, von 1878 bis 1885 andauernde Epoche
wird in der Kunstgeschichte als Historismus bezeichnet, da sie die
Kunst vergangener Zeiten lebendig machte. Die zweite, von 1898 bis 1908
dauernde Periode gilt schon als Vorläuferin der Avantgarde: es handelt
sich um die Sezession
(Jugendstil), die durch ihre willkürlich wildblühenden, rankenförmigen
Motiven geprägt ist. In der Ausstellungsführung wird auch von den
unikalen Zierverfahren, von der Juweliertechnik, der Goldbrokat- und
Tigertechnik erfahren. Man kann ferner die Kunstwelt von auf das Erbe
der Volkskunst bestehenden Teréz Zsolnay und die von dem Orient bis in
die Moderne reichende Kunstauffassung von Júlia Zsolnay, sowie die in
Farbglasur herzauberten Visionen von Ármin Klein kennenlernen.
Es lohnt sich auch dem Gebäude Aufmerksamkeit zu widmen. Die 1877
gebaute Villa war die Residenz von Júlia Zsolnay und ihres einer
polnischen Adelssippe entstammenden Ehemannes, Tádé (Tadeusz) Sikorski.
Wie im Falle anderer Gebäude auf dem Fabrikgelände, war auch dieses
Haus früher Produktionsstätte, in seinem Untergeschoss befanden sich
eine Tischlerwerkstatt und eine Schlammanlage. Die Feenfabrik hat sich
wie ein lebendiger Labyrinth entwickelt: in ihren Wohnhäusern
entstanden Werkstätten, und das gilt auch umgekehrt. Die
Familienmitglieder haben hier nicht nur gearbeitet, waren nicht nur
schöpferisch tätig, sondern sie lebten hier auch. Daher wurde ihr
Zuhause zu Weltmodell bzw. Modellwelt, zu einer sich ständig
umgestaltender Traumstadt, die aus Betriebshallen, Parkanlagen, Öfen,
Schwimmbecken, kleinen Palästen, Glashaus, Gartenbeet, Magazinen,
Weintraubenanlagen, Bürogebäuden, Sportanlagen, Gartenspringbrunnen,
Riesenvasen, Skulpturen und gezierten Schornsteinen bestand.

Zsolnay Kulturviertel
In den 1850er Jahren setzte sich das Gebiet der Zsolnay Fabrik aus
Grund-Stücken der Bürger der Stadt und Arbeitsgräben der sich in der
Umgebung mit Tonausbau und Ziegelbrennerei beschäftigenden Handwerker
zusammen. Im Jahre 1851 hat hier der Kaufmann Nikolaus Zsolnay mehrere
Parzellen für seinen Sohn, Ignaz Zsolnay angekauft, der die Ausrüstung
der Manufakturwerkstatt von Lukafa gekauft bzw. angeliefert und von
1853 zehn Jahre lang eine Tonwarenmanufaktur betrieben hat. Nachdem der
Betrieb die Schwierigkeiten des Marktes nicht bezwingen konnte, hat
1865 Wilhelm Zsolnay das Eigentumsrecht von seinem älteren Bruder
übernommen. Mit dem Aufkauf der umliegenden Grundstücke hat er das
Gesamtgelände der Fabrik ausgestaltet, sowie mit durchgehenden
Bauarbeiten die Werkstätten der verschiedenen Betriebsteile angelegt.
Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ist die Fabrik zum größten
Keramikbetrieb der Monarchie geworden. Zu den Erfolgen haben die
Erfindungen von Wilhelm Zsolnay, dem jüngeren Sohn einen bedeutenden
Beitrag geleistet, unter denen die Eosintechnik Weltruhm erlangen hat.
Der Pyrogranithof und der Majolikaschornstein:
Die den Hof umgebenden Gebäude dienten den pyrogranitbezüglichen
Produktionsvorgängen. Hier wurden die Brandhilfsmittel erzeugt, des
Weiteren wurde hier geformt und gebrannt. In den 50er Jahren wurden
hier der Ofenkachelbetrieb und der Bau Keramikbetrieb errichtet. Der
Schmuck des Platzes ist der Majolikaschornstein (Cifra kémény), dessen
Toneinlagen die für das Parlamentsgebäude hergestellten Musterstücke
sind.

Handschuh-Manufaktur 1861
Die Herstellung von Handschuhen hat in Pécs eine über 150 Jahre lange
Tradition. Ihre Stärke und Einzigartigkeit besteht darin, dass sie im
Laufe der Zeit ihre Philosophie und klassischen Verfahren beibehielt,
und sie mit Trends und Techniken der modernen Mode verkoppelte.
Besuchen Sie die Werkstatt von „1861 Handschuh manufaktur“ im Zsolnay
Kulturviertel und lernen Sie die Schritte der traditionellen
handwerklichen Handschuhherstellung kennen, besichtigen Sie die
ständige Ausstellung der Handschuhgeschichte, probieren Sie interaktive
Geräte aus, erleben Sie von Schritt zu Schritt die Geburt des von
menschlicher Hand erschaffenen "PERFEKTEN HANDSCHUHS".

Die Handschuhmanufaktur von 1861 und ihre Ausstellung präsentieren die
über 150-jährige Geschichte der Handschuhherstellung in Pécs. Besucher
erfahren mehr über die Anfänge der Handschuhproduktion, die Geschichte
der Handschuhfabriken Hamerli und Hunor sowie über die Arbeit der
Manufaktur von 1861. Die interaktive Ausstellung veranschaulicht die
wichtigsten Ereignisse, Persönlichkeiten und Orte der
Handschuhherstellung. Besucher erhalten interessante Informationen über
die Anfänge der Handschuhtradition in Pécs und entdecken, wie die
Handschuhfabrik das Stadtbild prägte und wo die verschiedenen
Fabrikgebäude, Büros und Lagerhallen errichtet wurden. Anschließend
werden ihnen sowohl alte als auch moderne Werkzeuge der
Handschuhherstellung vorgestellt und die Veränderungen in der
Produktion im Laufe der verschiedenen Epochen der Fabrik erläutert.
Handschuhexperten, Zuschneider, Näher und Technologen präsentieren die
Besonderheiten der Handschuhherstellung und die Ergebnisse ihrer
Arbeit. Auch die Manufakturen selbst, die Mitglieder der Familie
Hamerli, die maßgeblich zur Verbesserung der Industrie in Pécs
beigetragen haben, werden vorgestellt. Die Außenhandelsbeziehungen der
Fabrik verdeutlichen eindrucksvoll den hohen internationalen Ruf der
Pécs-Handschuhmanufaktur. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die
Handschuhe von der Herstellung bis zum fertigen Produkt. Neben den
Werkzeugen werden auch historische und moderne Modelle, Stücke aus den
Sammlungen berühmter Persönlichkeiten sowie außergewöhnliche Exemplare
präsentiert.
János Hamerli eröffnete 1865 seine Handschuhwerkstatt und sein Geschäft
in Wien. Das kleine Geschäft machte Hamerli im gesamten Königshaus
bekannt, sodass er in der Kaiserstadt enge Beziehungen knüpfen konnte.
1895 wurde ihm der Titel „Kaiserlicher Hoflieferant“ verliehen. Trotz
des internationalen Erfolgs investierte er sein wachsendes Kapital in
den Ausbau des Werks in Pécs und kehrte 1874 endgültig in seine Heimat
zurück.

Die Lederverarbeitung hat in dieser Region eine jahrhundertealte
Tradition. Was machte dieses Gebiet, die Südhänge des Mecsek-Gebirges,
zu einem idealen Standort für die Handschuhproduktion, die sich zu
einem wichtigen Wirtschaftszweig entwickelte? Gerber wurden von den
hervorragenden geographischen Gegebenheiten angezogen. Da war
einerseits der wasserreiche Mecsek-Bach und andererseits die große
Anzahl an Rauchpalmen, die zum Gerben benötigt wurden. Diese Bäume
lieferten den besten Rohstoff für die Verarbeitung verschiedener
Lederarten. Die ersten Lederhersteller siedelten sich bereits in der
osmanischen Zeit in der Nähe der Tettye-Mühlen an. Sie waren die
Pioniere, die die von den Persern gelernten feinen
Lederverarbeitungsmethoden einführten.
Der erste Handschuhexperte, Péter Ranolder, erlangte 1762 in Pécs das
Bürgerrecht. Bis 1832 gab es zwei Handschuhmanufakturen in der Stadt,
bevor János Hamerly am 4. Oktober 1861 seine Werkstatt für Handschuh-
und Bindenherstellung eröffnete. Sein Betrieb entwickelte sich schnell
zu einem der prägendsten und späteren Fabrikbetriebe der Stadt. Diese
Entwicklung der Fabrik wird in der interaktiven Installation
veranschaulicht.
Die Familie Hamerli ist die
prägendste Dynastie in der 150-jährigen Geschichte der
Handschuhproduktion in Pécs. János Hamerli gründete die erste
Handschuhmanufaktur der Stadt. Dank seiner zielstrebigen und
beharrlichen Arbeit und natürlich seiner starken familiären Wurzeln
erzielte er mit seinen modischen Handschuhen großen internationalen
Erfolg. Sein Name und sein Wirken machen die Handschuhe aus Pécs auch
nach 150 Jahren noch zu einem weltweiten Symbolprodukt.

DAS GRÜNE HAUS UND IN IHM DAS PUPPENTHEATER „BÓBITA"
Zunächst wohnten nur die Kinder von Vilmos Zsolnay in der Fabrik, aber
1881 zog er mit seiner Frau auch hierher. Mit der Zeit heirateten seine
Töchter, es wurden ihre Kinder geboren, und die wachsende Familie,
sowie die aus der ganzen Welt zu privaten und geschäftlichen Besuchen
eintreffenden Künstler, Wissenschaftler und Kaufleute konnten wegen der
ständigen Bauarbeiten und Erweiterungen immer wieder umständlicher
untergebracht werden.
Tádé Sikorski entwarf das neue Wohnhaus des Direktorats. Die
Bauarbeiten begannen 1912. Der romantisch gesinnte Architekt kümmerte
sich um Folgerichtigkeit nicht, er folgte keinem ausgewählten Baustil:
die Massenwirkung des Gebäudes macht das Mittelalter lebendig, aber
damit harmonisieren Jugendstilmanier und das neobarocke Mansarddach
reibungslos. Von den mit grüner Glasur beschichteten Dachsteinen
erhielt das Haus seinen Namen.
Das war das erste und letzte Mal, dass ein Gebäude auf dem
Betriebsgelände nicht durch Umbau oder Zubau zu Wohnzwecken umgestaltet
wurde. Das Grüne Haus wurde ursprünglich als grosses, bequemes und
repräsentatives Wohnhaus entworfen. Und als es 1930 endlich fertig
wurde, zog niemand mehr ein, es wurde nur das Atelier im Obergeschoss
in Benutzung genommen. Das mag so natürlich gewesen sein, da es sich
hier immer alles organisch erweiterte. Der Lebensstil der Familie, die
Intensität, wie die Familienmitglieder Sachen abwickelten, waren
unvereinbar mit automatischer Befolgung vorentschlossener und
vorprogrammierter Handlungen. Sie reagierten auf die Geschehnisse und
bemühten sich, ihre ausgesetzten Ziele zu erreichen.
Nach 1952 wurde das Grüne Haus in ein sowohl für die Arbeiter der
Fabrik als auch für das städtische Publikum zugängliches Kulturhaus
umgestaltet. Es wurde um einen Theatersaal erweitert, und in ihm wurden
Fachzirkel, Klubs eingerichtet und Büros betrieben. In dem als Teil des
Kulturhauptstadt-Projektes sanierten Haus fand das berühmte
Puppentheater Bóbita, das 1961 unter der Leitung von Lajos Kós
entstanden war, sein neues Zuhause. Im Grünen Haus wurden ein
Puppenmuseum, das temporäre und ständige Ausstellungen bietet, sowie
ein Handwerkraum untergebracht, in dem Puppen angefertigt werden
können. Darüber hinaus gehören noch zum Haus ein Märcheneck für die
Kleinen, ein Kakaobar samt Terrasse, ferner ein Freilichtbühne und
Spielplatz.

LASST UNS PUPPENZIRKUS SPIELEN! ETUDE VON DELPHIN, 1970
Designer: Antónia Ősz Szabó | Regie: László Vízvári



EIN JUNGE WIRD GEBOREN, 1999
Designer: Antónia Ősz Szabó | Musik: Zsolt Pethő / Regie: László Vízvári

DAS GOLDENE EI, 1965
Entworfen und geleitet von Lajos Kós



M21 GALERIE PÉCS
Die räumige, moderne, 1110 m² grosse Ausstellungshalle wurde auch im
Rahmen des Kulturhauptstadtprojektes errichtet, das Gebäude gab es vor
der Sanierung nicht. Die Ausstellung repräsentiert vor allem das
Kunstleben von Pécs und der Region, aber die hier ausstellenden
zeitgenössischen Maler, Bildhauer, Architekten, Fotografen sind
zugleich auch Künstler von internationaler Bedeutung. Die erste
Ver-anstaltung war hier am 10. Dezember 2010 die Eröffnung der
Lebenswerk-Ausstellung von Sándor Pinczehelyi.

„Schönheit liegt in der strengen Komposition, und diese wiederum in den
geometrischen Formen, die hinter den Formen verborgen sind“, erklärte
Márton Szipál und baute sein gesamtes Werk auf diesem Prinzip auf. Die
Ausstellung in der Galerie m21 konzentriert sich auf einen der
prägendsten Bereiche im Schaffen von Márton Szipál / MARTIN:
seine Modefotografie. Die Schau zeigt, wie er seine Bilder – ob
Porträts oder Auftragsarbeiten – gestaltete und erkundet die
Parallelen, die seine Werke über verschiedene Genres hinweg verbinden.
Seine umfassende Vision wird sichtbar: Für ihn war jeder Mensch sowohl
Individuum als auch Phänomen. Vor seiner Kamera wurden Porträtierte –
ob gewöhnliche Menschen oder Weltstars – zu Models. Seine grundlegenden
Kompositionsprinzipien, die unverwechselbaren Interieurs und die
subtilen Proportionen und Akzentverschiebungen, die seinen
einzigartigen, wiedererkennbaren Stil prägten, werden hier präsentiert.
Márton Szipál wurde 1994 in Szolnok in eine ungarische
Fotografenfamilie geboren. Sein Vater, Márton Károly Szipál, war
kaiserlicher und königlicher Meisterfotograf und mietete ein ganzes
Stockwerk im Zentrum von Debrecen, wo sich sowohl die Wohnräume der
Familie als auch das Studio befanden. Der junge Szipál wuchs praktisch
mit der Fotografie auf: Bereits mit zehn Jahren studierte er
Gesichtsanatomie und Körperproportionen, während ihm sein Vater bei
Filmvorführungen die filmische Beleuchtung erklärte. „Mein Vater sprach
viel über Fotografie; er hat es mir beigebracht. Damals wusste in ganz
Ungarn niemand so viel wie er“, erinnerte er sich später. Sein Vater
hatte an der Akademie der Bildenden Künste in München studiert, wo die
Fotografie noch stark von malerischen Traditionen geprägt war. „Gott
sei Dank vergisst man nie, was man in der Kindheit hasst“, bemerkte er
später ironisch.
1946 eröffnete er sein erstes Studio in Debrecen. 1953 zog er nach
Budapest und arbeitete in der Fotografengenossenschaft. Schon bald
wurde ihm von der Fédération Internationale de l'Art Photographique
(FIAP) der Titel „Artiste FIAP“ verliehen, eine Anerkennung seiner
internationalen Ausstellungs- und Wettbewerbserfolge. Im Herbst 1956
gewann er den ersten Preis beim Fotohaus-Wettbewerb in München, gefolgt
vom dritten Platz bei der Exposição Internacional de Arte Fotográfica
in Rio de Janeiro mit seinem Werk „Last Good-bye“. Noch im selben Jahr
traf er eine lebensverändernde Entscheidung: Er verließ Ungarn und ließ
sich nach einer kurzen Übergangszeit in Los Angeles nieder. Das Martin
Studio, das er am Sunset Boulevard eröffnete, wurde schnell zu einem
Zentrum des gesellschaftlichen Lebens in Hollywood. Bekannt als
„Martin, der König“, war sein Studio ein beliebter Treffpunkt für
zahlreiche renommierte Künstler und Persönlichkeiten des öffentlichen
Lebens. Er avancierte zum Starfotografen und wurde 1959 zum Mitglied
der Professional Photographers of America gewählt.

Martin war ein Fotograf der „sonnigen Seite“, der die Mathematik als
grundlegendes Prinzip der Welt betrachtete. Geometrische Proportionen,
der Goldene Schnitt und bewusste Komposition prägten sein gesamtes
Schaffen. Sein fotografischer Stil zeichnete sich durch Klarheit, eine
starke Struktur und einen brillanten Umgang mit Licht und Schatten aus.
Als „Regisseur“, wie er sich selbst nannte, komponierte er jedes Detail
des Bildes: Haltung, Blickwinkel, Beleuchtung und Hintergrund
gleichermaßen. Ab 1965, über ein Jahrzehnt lang, produzierte er
Modefotografien für das Magazin „Californian Girls“ an verschiedenen
Orten weltweit. In seinen Modeaufnahmen herrschte dieselbe
Kompositionsdisziplin und dasselbe Gespür für Proportionen vor, die
auch seine Porträts auszeichneten. Die Persönlichkeit des Models, die
Körperform, der Schnitt und die Textur der Kleidung erschienen in einem
einheitlichen, harmonischen visuellen System.
In den prägenden Jahrzehnten der amerikanischen Modefotografie der
1970er, 1980er und 1990er Jahre blieb Szipál ein unabhängiger
Wegbereiter. Während Richard Avedon die emotionale Präsenz des Models
durch den radikalen weißen Hintergrund betonte, Irving Penn
minimalistische Eleganz schuf und Helmut Newton provokante Stärke und
Selbstbewusstsein hervorhob, suchte und enthüllte Martin die
klassische, zeitlose Schönheit, die jedem Menschen innewohnt. „Man kann
jeden gut fotografieren. Wenn man Formen und Umgebungen gut einsetzt,
lassen sich Wunder vollbringen“, sagte er. Als Meister des Lichts und
sicherer Experte für die dem Gesicht und Körperbau schmeichelnde Pose
idealisierte er die Schönheit nicht – er machte sie sichtbar. 1997
kehrte er nach Budapest zurück, wo er den letzten Abschnitt seines
Lebens verbrachte. Erneut wurde er zu einer prägenden Figur des
gesellschaftlichen und kulturellen Lebens: Er lehrte, inspirierte und
formte das Verständnis von Fotografie.
Die Ausstellung „Modegeometrie“ präsentiert Márton Szipáls/Martins
Vision anhand einer Auswahl seiner Werke. Sie vermittelt seine
Überzeugung und sein bleibendes Vermächtnis: dass Schönheit in Ordnung,
Proportion und der Harmonie von Licht und menschlicher Präsenz sichtbar
wird. Das Gesamtwerk von Márton Szipál wird derzeit vom Szipál-Archiv
verwaltet und bewahrt. Das Archiv hat es sich zur Aufgabe gemacht,
dieses herausragende fotografische Erbe fachgerecht zu konservieren,
wissenschaftlich zu erschließen und zu präsentieren. So wird
sichergestellt, dass Márton Szipáls Werk ein lebendiger, erforschbarer
und weitervermittelbarer Teil der ungarischen und internationalen
Fotogeschichte bleibt.

Die Entstehung der Modefotografie als eigenständiges Genre ist eng mit
dem 20. Jahrhundert verbunden. In den ersten Jahrzehnten des
Jahrhunderts lösten Fotografien nach und nach die Illustrationen in den
damals erscheinenden Modezeitschriften ab. Dieser Wandel wurde durch
die Entwicklung der Foto- und Drucktechnik sowie durch die veränderte
Rolle der Fotografie in zeitgenössischen Magazinen – auch im Verhältnis
zum geschriebenen Text – ermöglicht. Er stand zudem in engem
Zusammenhang mit umfassenderen gesellschaftlichen Umwälzungen, die zu
einer Neubewertung der Rolle der Frau führten. Obwohl auch frühere
Fotografien viele Informationen über Kleidungsstile und Mode
vermittelten, war der Hauptzweck des Bildes in diesen Fällen – mit
wenigen Ausnahmen – meist ein anderer.
Im Laufe des 20. Jahrhunderts entwickelte das Genre seine stetig
wachsende Bildsprache und wurde zu einem bedeutenden Teil der
Kulturgeschichte. Modefotografie galt nicht länger nur als angewandte
Kunst, sondern etablierte sich zunehmend als eigenständiges
künstlerisches Feld. Die Models verließen die geschlossenen Räume der
Studios, und ihre statuenhafte Unbeweglichkeit gehörte der
Vergangenheit an. Sie entwickelten sich zu dynamischen Persönlichkeiten
mit eigener Handlungsfähigkeit – zu aktiven Akteuren sowohl in ihrem
eigenen Leben als auch in den Bildern selbst. Diese Veränderungen
entfalteten sich in den 1960er-Jahren vollends, als die Modefotografie
nicht nur mit der Werbebranche, sondern auch mit der Kultur- und
Musikwelt der Zeit, der Popkultur und den Freiheitsidealen der
Hippiebewegung verknüpft wurde. Modefotografien vermittelten ein
Wertesystem, das zugleich einen bestimmten Lebensstil und eine
bestimmte Lebenseinstellung zum Ausdruck brachte. In dieser Zeit
entwickelte sich Márton Szipáls berufliche Karriere in vollem Umfang,
sowohl in der Porträtfotografie als auch in der Modefotografie. Seine
Modebilder gelten als prägender Teil seines künstlerischen
Vermächtnisses. Alle Prinzipien, die sein Werk leiteten, lassen sich
auch in seinen Auftragsarbeiten für Modefotografie erkennen. Sein
Umgang mit Licht, seine präzise Komposition, sein Vertrauen in den
Goldenen Schnitt und seine Fähigkeit, die Persönlichkeit und die
einzigartige Schönheit seiner Modelle einzufangen, kennzeichnen diese
Werke. „Licht erleuchtet nicht; es formt, erzählt eine Geschichte,
enthüllt oder verbirgt“, sagte er und betrachtete es als ein
kompositorisches Element mit Bedeutung. Unter allen Umständen arbeitete
er mit einer einzigen Hauptlichtquelle und verfeinerte diese lediglich
durch die Harmonisierung der Schattentöne.
Er studierte intensiv und bildete sich stetig weiter, um die
bestmögliche Beleuchtung zu erzielen – eine Beleuchtung, „die man gar
nicht bemerkt, weil sie so natürlich wirkt“, wie er es beschrieb. Oft
sah er sich Filme wiederholt an, um Kamerapositionen und
Beleuchtungssysteme zu verinnerlichen. Später übte er sie in seinem
Studio und kombinierte sie mit seinen eigenen Erkenntnissen, um sie zu
„martinisieren“. Bei Bedarf hob er bestimmte Merkmale hervor und
milderte Unregelmäßigkeiten mit sanftem Licht. Er arbeitete nicht nur
mit Licht, sondern auch mit Schatten – oder manchmal mit deren
Abwesenheit. Er studierte auch die Lichtführung in der Malerei und
integrierte diese Erfahrungen in seine künstlerische Praxis. Er
glaubte, dass Maler die ersten Fotografen waren und dass er selbst von
ihnen das Sehen gelernt hatte. „Wir hatten als Kind ein Gemälde von
Barabás zu Hause. Es sah mich an und schien fast zu sprechen. Da begann
ich zu glauben, was mein Vater mir gesagt hatte: dass der Ausdruck
wichtiger ist als die Linse oder die Kamera.“ Auch in seiner
Modefotografie strebte er nach Natürlichkeit. Am wichtigsten war ihm
jedoch, dass er, obwohl die Präsentation der Kleidung sein Hauptziel
war, stets die Persönlichkeit des Models in den Vordergrund rückte und
seine Kompositionen um ihre einzigartigen Merkmale herum gestaltete.
In seinen Bildern spielte der Vordergrund – wo die wesentlichen
visuellen Informationen platziert waren – immer eine herausragende
Rolle, während der Hintergrund in der Regel als homogene Fläche diente.
Er achtete sehr auf Nuancen und schuf so ein komplexes Netz subtiler
Details in seinen Fotografien. Um eine starke Komposition zu erzielen,
etablierte er innerhalb des Bildausschnitts ein geometrisches System,
das er durch Licht, den Fall des Stoffes, die Körperhaltung und die
Positionierung der Kurven von Hals, Schultern und Gesicht formte, bis
er das Gleichgewicht dieser sichtbaren und manchmal unsichtbaren
Elemente gefunden hatte. Alles war der Schaffung eines Bildes
untergeordnet, in dem das Model – in Kleidung, die den aktuellen Trends
entsprach – sowohl einzigartig als auch zeitlos wirkte, oft in einer
kühnen geometrischen Ordnung arrangiert. Vor seiner Kamera wurde jedes
Model zum Star, denn er schuf Bilder – er dokumentierte nicht einfach
nur Mode.

DAS ZSOLNAY-MAUSOLEUM
Vilmos Zsolnay starb 1900. Die Familie ließ in der Nähe der Fabrik, im
alten Friedhof der Ofner Vorstadt von Pécs eine Familiengruft
errichten, der der grosse Gründervater beigesetzt wurde. Aber sein
Sohn, Miklós wollte für ihn, und offensichtlich für sich selbst und die
anderen Familienmitglieder etwas anderes bauen. Der Ehemann von Teréz,
Tádé Sikorski wurde mit dem Entwerfen des Mausoleums beauftragt, und
der hervorragende Architekt soll ziemlich erstaunt gewesen sein, als
Miklós ihm seine Vorhaben schilderte. Im Laufe der Bauarbeiten wurden
alle Baustoffe in der Fabrik hergestellt, und alle Arbeiter des
Betriebs sollen am grossen Werk mitgearbeitet haben. Nachdem die
Bauarbeiten beendet worden waren, kam der Sarg mit dem Leichnam von
Vilmos Zsolnay am 13. Oktober 1913, um 22 Uhr nach einem enigmatischen
Ritual, indem der Leichenzug bei Mondlicht durch die Stadt gegangen
war, im Mausoleum an. Selbst der Ort, wo das Mausoleum entstand, der
sogenannte Ledina-Hügel war von symbolischer Bedeutung. Zu Beginn des
19. Jh. standen hier Galgen, auf denen die Hingerichteten nicht selten
tagelang hin- und herschaukelten. Dann wurde dieses Gelände von Vilmos
im Jahre 1894 gekauft, und er kam manchmal hierher, um sein Reich von
oben stolz zu besichtigen.
Der Grundriss des Mausoleums formt einen riesigen Pokal. Der Eingang
bildet den Fuss, von hier führt ein breiter Aufgang zu den Gräbern, auf
dessen beiden Seiten Pyrogranitlöwen angebracht wurden. Sie
symbolisieren die 42 Dämonen, die die Unterwelt von Osiris, der
ägyptischen Göttlichkeit bewachen. Die in neoromanischem Stil gebaute
Kapelle schwebt im Kessel des Pokals. Die Raumstruktur und das
Mausoleum wurden auf die Zahlenmystik der alten orientalischen,
antiken, christlichen und freimaurerischen Symbolik und auf das Licht
komponiert. Wer weiss, was eine Erklärung für die jährlich über tausend
Brenn- und glasurtechnischen Experimente von Vilmos Zsolnay, auf das
unglaubliche Arbeitstempo von Miklós Zsolnay gibt?

Warum die angeheirateten Männer ihre eigene Existenz aufgaben, und sich
den Anliegen der Fabrik widmeten? Geld, die Fabrik als eigenes Reich,
die familiäre Zusammenhaltung und bürgerliche Tugenden können hier eine
wichtige Rolle gespielt haben, und vielleicht auch das Mystische, das
Fluchtweg vor bindenden gesellschaftlichen Erwartungen geboten haben
könnte. Am Ende seines Lebens schuf Vilmos Zsolnay das Eosin, sein Sohn
liess die Glanz mit dem farbenwechselnden Eosin für die Ewigkeit
komponieren, und nach ein paar Jahren folgte er seinem Vater ins Grab.
Nach der Verstaatlichung wurde das Mausoleum vernachlässigt und
geplündert. Nachdem das Mausoleum In Rahmen des Projektes Pécs -
Kulturhauptstadt Europas 2010 auch mit Unterstützung von
EU-Förderungsmitteln wiederhergestellt worden ist, kann es in vollem
Glanz wiederbesichtigt werden.

Das Zsolnay-Mausoleum wurde nach dem 1900 eingetretenen Tode des
Fabrikgründers von seinem Sohne, Miklós Zsolnay erhoben. Das Gebäude
entstand aufgrund der Entwürfe des Schwiegersohnes, Tadeusz Sikorski
auf dem mit der Fabrik angegrenzten Hügel. Die Bau- und Bodenarbeiten
begannen im Jahre 1901. An dem bis 1913 andauernden Aufbau des Gebäudes
waren alle Arbeiter der Fabrik beteiligt, bis zu den kleinsten Details
wurde alles von ihnen angefertigt. Das Mausoleum ist gebührende
Ehrenbezeigung des Geistes des Großen Töpfers, und eine prachtvolle
Zusammenfassung von allem, was sich die Zsolnay-Fabrik vorstellte und
geschaffen hat.

Nach dem Tod von Vilmos Zsolnay, dem Gründer der Zsolnay-Fabrik, im
Jahr 1900 ließ sein Sohn das Mausoleum direkt neben der Fabrik auf
einem kleinen Hügel errichten, der zuvor als Gerüst der Stadt gedient
hatte. Der Ort war der Familie aufgrund seiner zwielichtigen
Vergangenheit nicht besonders wichtig.
Der kleine Hügel war einst ein Lieblingsplatz des Fabrikgründers, wo er
viel Zeit verbrachte und auf die darunter liegende Fabrik hinabblickte.
Nach den Plänen von Vilmos Zsolnays Schwiegersohn, Tádé Sikorski,
begannen die Bauarbeiten an der Fabrik und die Gestaltung der
umliegenden Landschaft genau vor 100 Jahren, im Jahr 1901. Alle
Fabrikarbeiter waren am Bau des Pantheons von Pécs beteiligt; sie
arbeiteten jedes Detail gemeinsam aus. „… die Familie ließ alle
Maurer-, Zimmermanns-, Schmiedearbeiten usw. von den Kollegen mit den
Rohstoffen der Fabrik ausführen, und die Arbeiter an der Kapelle sind
noch immer hauptsächlich diejenigen, die dem alten Mann mit Glauben und
Liebe gedient hatten.“ – So berichtet die Zeitung „Pécsi Napló“ über
das Ereignis im Jahr 1901.

Das neoromanische Gebäude umfasst eine Grabkapelle und eine
darunterliegende Grabkammer mit einem verzierten Eosin-Sarkophag und 32
Sarggewölben. Die Fassade des Mausoleums war mit unemaillierten
Pyrogranitfliesen verkleidet, die halbkugelförmige Kuppel mit
dunkelgrünen, majolikaglasierten Formziegeln. In der Kapelle, deren
Wände mit farbenfrohen Fliesen geschmückt sind, befanden sich ein Altar
und ein ewiges Licht. Die Gläser der Rundfenster stammten ursprünglich
aus der Werkstatt Roth. Im Inneren des Mausoleums wachen blauer Himmel,
Putten und goldene Sterne über den Schlaf des Verstorbenen, während
sezessionistische Dekorationen und Blumengirlanden den Raum mit einer
unvergleichlichen Ruhe erfüllen. Die gesamte Innenausstattung war das
Werk des führenden Bildhauers der Manufaktur, Sándor Apáti Abt.
In der Mitte der Kapelle befindet sich die bläulich glasierte Öffnung
mit einer römischen Säulenbrüstung, durch die man in das Grabgewölbe
hinabblicken kann. Auf einem Podest in der Mitte des Gewölbes ruht der
eosinfarbene Sarkophag von Vilmos Zsolnay, der allseitig mit
figürlichen Szenen verziert ist. Diese architektonische Aufteilung ist
charakteristisch für Napoleons Pariser Grabstätte. Von oben neigen die
Menschen ihre Häupter vor dem Verstorbenen, während sie in der Krypta
zum auf einem Podest stehenden Sarkophag aufblicken. Wer hier verweilt,
erweist den Ruhenden unbewusst Respekt. Man sagt, dass zur
Wintersonnenwende, wenn die Sonne im Zenit steht, das einfallende Licht
das Geheimnis des Eosins enthüllt. Mit etwas Aufmerksamkeit könnten
auch wir dieses Geheimnis ergründen…

Der Erzsarg von Vilmos Zsolnay wurde 1913 in der Familiengruft
beigesetzt, 1919 folgte ihm seine Frau Terézia Bell. Der einzige
weitere Mensch, der heute noch in der Gruft ruht, ist ihr Sohn Miklós,
da die sterblichen Überreste der anderen Familienmitglieder Vandalismus
zum Opfer fielen und 1986 beschädigt auf dem Ehrenfriedhof von Pécs
umgebettet wurden.

Im Laufe der Geschichte wurden das Gebäude und seine Umgebung immer
wieder zerstört, und die Keramikelemente wurden verstreut. Die
vollständige Restaurierung des Mausoleums – bis auf das Dach – erfolgte
im Rahmen des Programms „Pécs 2010 – Europäische Kulturhauptstadt“. Sie
umfasste nicht nur die Sanierung des Gebäudes selbst, sondern auch die
Promenade mit den Löwen und den Zaun, die anhand alter Fotografien
komplett neu errichtet werden mussten.

Wem der viele Text zu lange war und lieber Bewegtbilder mit Musik mag,
kann sich gerne dieses Video antun: