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Seit März 2024 befindet sich das Pratermuseum in einem neu errichteten dreistöckigen Holzbau im Wurstelprater. Vorher befand es sich für Jahrzehnte im selben Gebäude wie das Planetarium, das im Prater an der Hauptallee steht. Mit Exponaten wie einer alten Wahrsagermaschine, Schaustücken aus Fahrgeschäften und Gemälden bietet es Einblick in die Geschichte des Praters und dem benachbarten größten Vergnügungsparks Wiens, des Wurstelpraters. Der Heimatforscher Hans Pemmer gründete das Museum 1933 in seiner Wohnung und schenkte die Sammlung 1964, im Jahr der Planetariumseröffnung, der Stadt Wien.

Das Pratermuseum erzählt mit faszinierenden historischen Objekten, mit
Ringelspiel- und Kasperlfiguren, frühen Spielautomaten sowie Plänen,
Modellen, Fotos, und einem monumentalen Panoramabild die mehr als 250
Jahre lange Geschichte und die bunte Gegenwart dieses einzigartigen
Orts. Wenige Vergnügungspark sind so stark mit der Identität einer
Stadt verbunden wie der Prater mit Wien.

Die Öffnung des Praters für das Publikum im Jahr 1766 durch Kaiser
Joseph II. war für Wien ein revolutionärer Schritt und bedeutete den
Beginn einer neuen Zeit. Das über Jahrhunderte für die Öffentlichkeit
unzugängliche kaiserliche Jagdgebiet stand von nun an allen unabhängig
von ihrer sozialen Zugehörigkeit offen: für Spaziergänge auf den
weitläufigen Wiesen, in den Alleen, für Musik und Theater in vornehmen
Kaffeehäusern und auf einfachen Bretterbühnen, für Essen, Trinken und
Tanz in den zahlreichen Gasthäusern.
Der Prater war über Jahrhunderte der Ort für Innovationen und
Experimente in Wien. Fast alle technischen, sozialen und kulturellen
Neuerungen wurden hier erstmals einem großen Publikum vorgestellt: von
optischen Apparaturen bis zum Fußballspiel, vom Ballonflug bis zur
Reise zum Mond, vom Blumenkorso bis zum Maiaufmarsch. Der Prater war
für viele das Fenster zur großen Welt: Panoramen, Dioramen,
Zimmerreisen oder Grotten-bahnen zeigten Bilder fremder Städte und
Länder, Zoos, Menagerien und Zirkusse brachten wilde und exotische
Tiere. Im Prater wurden vergnüglich, belehrend, spektakulär und
verklärend die großen Fragen des modernen Lebens angesprochen: unser
Verhältnis zur Natur, zu den Tieren, zu Technik und Wissenschaft, zur
Macht und politischen Ordnung der Welt, zum Körper, zu Idealen von
Schönheit und gutem Leben.

Figur der Göttin Fortuna aus dem gleichnamigen Ringelspiel im Prater
Die Figur verkleidete die tragende Säule („Baum") des Ringelspiels Zur
Fortuna, das 1879 eröffnet und 1937 in eine Automatenhalle umgebaut
wurde. Die Figur der Fortuna kam anschließend in das damals noch privat
geführte Pratermuseum. 2024 neu eingekleidet, bleibt ein Teil
ausgespart, um die aus Bambusstäben gefertigte Konstruktion zu zeigen.
Ringelspiele, die auf adelige Geschicklichkeitsspiele mit echten
Pferden zurückgehen, gab es im Prater bald nach seiner Öffnung.
Angetrieben wurden sie zunächst mit Muskelkraft, später mit Motoren.
Den unterschiedlichen Interessen und Moden der Zeit entsprechend
wechselten die Themen. Neben Pferden gab es bald Automobile, Aeroplane
oder später Raumschiffe.

Venedig in Wien
Venedig in Wien war eine Kulissen- und Vergnügungsstadt auf der
heutigen Kaiserwiese am Eingang des Praters. Der Themenpark wurde 1895
auf Initiative des Theaterimpresarios Gabor Steiner (1858-1944) nach
Plänen des Architekten Oskar Mamorek (1863-1909) errichtet. Auf 50.000
m² Fläche wurden venezianische Paläste nachgebaut, Plätze und
befahrbare Kanäle angelegt. Eine Reise nach Venedig, in dieser Zeit der
Oberschicht vorbehalten, wurde mit viel Technik und Vorstellungskraft
für ein breites Publikum möglich. Auf dem Gelände gab es Souvenirläden,
Restaurants, Kaffeehäuser und zahlreiche Theater. Nach zwei Saisonen
klang das Interesse ab. Neues musste her. 1897 ließ Gabor Steiner im
Rahmen der Ausstellung internationaler Erfindungen das 65 Meter hohe
Riesenrad errichten. Später kamen ein künstlicher See, eine Rutschbahn,
die Hochschaubahn und andere Attraktionen hinzu, sodass das eigentliche
Venedig in Wien langsam verschwand.

Riesenrad, ca. 1930
Das Riesenrad wurde 1897 auf Initiative des Theaterimpresarios Gabor
Steiner (1858-1944) als Attraktion auf dem Gelände des Vergnügungsparks
Venedig in Wien errichtet. Das Interesse an der Kulissenstadt hatte
nach zwei Jahren bereits etwas abgenommen. Geplant wurde das 65 Meter
hohe Riesenrad von den englischen Ingenieuren Walter Bassett Basset
(1864–1907) und Harry Hitchins. Chefkonstrukteur war Hubert Cecil
Booth. Weltweit war es das vierte moderne Riesenrad. Das erste wurde in
Chicago errichtet, das höchste mit 100 Metern 1900 für die
Weltausstellung in Paris. Das Wiener Riesenrad ist das einzige, das aus
dieser Zeit noch erhalten ist. 1938 wurde es von den
Nationalsozialisten seinem jüdischen Eigentümer Eduard Steiner geraubt,
der 1944 in Auschwitz ermordet wurde. 1953 wurde das Riesenrad seinen
Erb:innen rückerstattet. Anstelle der ursprünglich 30 Waggons werden
seit 1945 nur noch 15 eingesetzt.
Werbeschild für eine „Exotische Tierschau" im Prater, 1930er Jahre
Skelett eines Makaken (Inuus cynomolgus), 1930er Jahre
Das Skelett stammt von einem Affen, der in einer Tierschau im Prater gezeigt wurde und dort gestorben ist.

Plakat der Ersten Internationalen Katzen-Ausstellung des Klubs der Katzenfreunde, 1926

Automat Internationales HeirathsVermittlungs Bureau, 1897
Der vor einer Praterhütte aufgestellte Automat nahm auf die boomenden
Heiratsvermittlungsbüros der Zeit Bezug. Nach Einwurf einer Geldmünze
erhielten die Spieler:innen einen kleinen Zettel, auf dem vermutlich
wie bei einem Liebeshoroskop die Eigenschaften der idealen
Ehepartner:innen beschrieben wurden.

Ich bin der Kasperl. Gebürtig im Wurstelprater, der Hauptstraße von Wien. ALFRED POLGAR 1922
Kasperl, Puppe vom Kaiserwurstl, ca. 1860
Der Name leitet sich von der komisch-derben und vorlauten Figur des
Hanswursts ab, die sich in Wien zum „Kasperl" weiterentwickelte und zum
Star der zahlreichen Puppentheater („Wursteltheater") im Prater wurde.
Zu Kasperls Mit- und Gegenspielerinnen zählen das Krokodil, die
Prinzessin, der Zauberer, die Großmutter, der Polizist oder der Räuber.
Der Kasperl konnte lustig, kritisch, aber auch brutal sein. Zum
dezidierten Liebling der Kinder wurde die Figur erst im 20. Jahrhundert.
Kasperl, Puppe aus dem Kasperltheater bei der Walfischgrottenbahn, ca. 1890
Kasperltheater der Barbara Fux im Prater, ca. 1910
Kasperltheater aus dem Besitz des Malers Egon Schiele, 1890er Jahre
Watschenmannfigur aus dem Besitz des Malers Egon Schiele, ca. 1890er Jahre
Der Bauchredner Otto Scadelli im Kleinen Theater im Prater, 1949
Maxi und Amanda, Puppenpaar des Bauchredners Otto Scadelli, ca. 1920
Bauchredner:innen sind in der Lage, Töne und Worte hervorzubringen,
ohne dabei die Lippen merklich zu bewegen. So scheint es, als würden
die Puppen sprechen. Die Attraktion lebt vom Witz der
Bauchredner:innen. Einer der Könner dieses Fachs war Otto Scadelli
(eigentl. Otto Letitzky, 1887-1952), der im Prater das Kleine Theater
betrieb und mit seinen Handpuppen Maxi und Amanda auftrat.
Kasperl, Puppe vom Kaiserwurstl, ca. 1860
Krokodil, Puppe aus dem Kasperltheater bei der Walfischgrottenbahn, ca. 1890
Gerd und Lisl Hoss: Räuber, Puppe aus dem Kasperltheater Der sprechende Wiener Kasperl, ca. 1948
Gerd und Lisl Hoss: Großmutter, Puppe aus dem Kasperltheater Der sprechende Wiener Kasperl, ca. 1948
Gerd und Lisl Hoss: Polizist, Puppe aus dem Kasperltheater Der sprechende Wiener Kasperl, um 1948
Gerd und Lisl Hoss: Prinzessin, Puppe aus dem Kasperltheater Der sprechende Wiener Kasperl, ca. 1948

Avertissement (Ankündigung) der Öffnung des Praters für die Allgemeinheit, in: Wienerisches Diarium,
9. April 1766
1766 wurde im Wienerischen Diarium (später Wiener Zeitung) die Öffnung
des Praters angekündigt: „... daß künftighin und von nun an, zu allen
Zeiten des Jahrs, und zu allen Stunden des Tags, ohne Unterschied
jedermann in den Bratter [Prater) sowohl, als in das Stadtgut
[städtischer Besitz beim Prater] frey spatzieren zu gehen, zu reiten,
und zu fahren, und zwar nicht nur in der Hauptallee, sondern auch in
den Seitenalleen, Wiesen und Plätzen ..."

Ort für alle? Der Prater war historisch ein sozial vielschichtiges
Areal. Neben dem Wurstelprater mit den einfachen Gasthäusern,
Bierstuben, Kegelbahnen, Ringelspielen oder Schaukeln war die
Hauptallee mit ihren Kaffeehäusern ein Ort der vornehmen Gesellschaft.
Die Nähe der unterschiedlichen sozialen Schichten inspirierte Malerei,
Fotografie, Literatur, Film oder Musik zu Geschichten über Liebe und
Glück, körperliche Verausgabung, Ausgelassenheit, Übermut, Unglück und
Verzweiflung.

Ruhendes Mädchen aus Präuschers Panoptikum und Anatomischem Museum, ca. 1900

Vincenz Estenfelder: Modell der Wiener Weltausstellung 1873, ca. 1880
Das Modell wurde von Vincenz Estenfelder (gest. 1912), einem Wiener
Kartonagehersteller gebaut. 1880 auf der Niederösterreichischen
Gewerbe-Ausstellung in der Gruppe Papierindustrie präsentiert, lobte
die zeitgenössische Presse vor allem die hohe Detailtreue. Als Vorlagen
dienten Estenfelder Pläne und Fotografien, vermutlich aber auch die
eigene Anschauung. Das Museum erwarb das Modell 1896 aus Privatbesitz.

Die Weltausstellung 1873
Die Wiener Weltausstellung 1873 auf dem Gelände der Krieau im Prater
war nach den jeweils zwei in London und Paris die fünfte und erste im
deutschsprachigen Raum. Mit 230 Hektar hatte sie eine fünfmal so große
Grundfläche wie jene zuvor in Paris. 35 Länder und mehr als 50.000
Aussteller waren beteiligt. Österreich präsentierte sich als
Vermittlerin zwischen den Welten, zwischen den industrialisierten und
den agrarischen Ländern, zwischen Okzident und Orient. Große Teile der
Welt waren allerdings nur als europäische Kolonien anwesend. Die
Weltausstellung wurde durch den Börsenkrach und die darauffolgende
internationale Finanzkrise sowie vom Ausbruch einer Choleraepidemie
überschattet. Von den 20 Millionen erwarteten Besucher:innen kamen
sieben Millionen, das Budget wurde deutlich überschritten.
Der Weltausstellung war in Wien, damals eine der größten Städte der
Welt, ein großer Modernisierungsschub vorangegangen. Die Donau wurde
reguliert, mit der Pferdeeisenbahn ein modernes Massenverkehrsmittel
geschaffen und die Erste Wiener Hochquellenleitung errichtet, die
frisches Trinkwasser nach Wien führte.

Nachbau einer historischen Drehorgel, 1990

Zweiteiliges Tenniskleid, ca. 1908, Baumwolle

Faust von einem Kraftmesser im Prater, 1980er/1990er Jahre, Kunststoff, Gerhard Seifert
Die Faust, die ein Brett durchschlägt, war dekorativer Teil eines Kraftmessers im Prater.

Watschenmann, nach 1945
Am Watschenmann, seit dem späten 19. Jahrhundert als Attraktion im
Prater, konnten sich die Praterbesucher:innen vor Publikum selbst
beweisen oder schlicht ihre Wut abreagieren. Auf die großen Gesichter
der Figuren wurde mit einem Handschuh geschlagen, der Kraftmesser
zeigte die Stärke der „Watsche" (Ohrfeige) an. Der Name „Watschenmann"
ging auch in die Umgangssprache ein für jemanden, der ohne eigenes
Verschulden Schläge einstecken muss.

Hall of Fame
Die Ersten, die es gleich nach der Öffnung in den Prater zog, waren
Gasthaus- und Kaffeehausbesitzer:innen. Bald folgten ihnen Zirkusleute,
Artist:innen und Schausteller:innen, die sich in der Regel nur
zeitweise im Prater aufhielten und mit ihren Künsten und Attraktionen
oft durch ganz Europa zogen. Ihre Stellung und ihr Image in der
Gesellschaft waren ambivalent. Sie sorgten für Abwechslung und
Vergnügen, brachten Neuigkeiten aus aller Welt, waren aber Obrigkeit
und Kirche oft verdächtig. Mit dem Aufkommen der modernen
Vergnügungsparks im späten 19. Jahrhundert rückten technische
Attraktionen in die erste Reihe, das Artistische, Circensische und
Künstlerische trat in den Hintergrund.
Die NS-Zeit hinterließ im Prater tiefe Spuren. Jüdische
Unternehmer:innen wurden beraubt, vertrieben und ermordet. Zu den
Profiteur:innen zählten auch Geschäftsleute aus dem Prater. In den
letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs fiel ein Großteil des
Wurstelpraters einem Brand zum Opfer. Heute sind viele Betriebe im
Besitz weniger Familien, die oft seit Generationen im Prater ansässig
sind. Sie selbst sprechen von „Praterdynastien" und nennen sich
„Praterkinder".

„Starker Mann" von einem Kraftmesser im Prater, 1980er/1990er Jahre
Der „starke Mann" mit Bodybuilderfigur war Teil eines Kraftmessers im
Prater. Die Spieler:innen konnten sich mit der Figur im Seilziehen
messen.

Go-Kart von der Grand Prix Monza Kartbahn Prater, ca. 1980

Der Wurstelprater ist ein überregional bekannter Vergnügungspark in
Wien, Österreich. Er wird bereits in Urkunden aus dem Jahr 1825 als
Volksprater erwähnt. Heute wird er oft auch einfach Prater genannt. Der
Vergnügungspark befindet sich im nordwestlichen Teil des
Erholungsgebiets Prater, nahe dem Praterstern, im 2. Gemeindebezirk
Leopoldstadt.

Willkommen am Ort für alle! Wussten Sie schon, dass Mozart einer der
ersten Praterbesucher war? Und finden Sie ihn auf unserem Panoramabild?

Auf fast 100 m² Fläche erzählt es die tiefe und reiche Geschichte des
weitläufigen Erholungs- und Vergnügungsparks. Persönlichkeiten aus drei
Jahrhunderten treten auf, darunter zahlreiche bekannte Gesichter aus
Forschung, Literatur, Musik oder Theater. Spektakuläre Architekturen
aus allen Epochen wie die Rotunde, das Riesenrad, Venedig in Wien, das
Praterstadion, der Zirkus Busch oder der Praterturm treffen
aufeinander. Fantastische Einfälle, Skurrilitäten und kreative Ideen
machen den besonderen Spirit dieses einzigartigen Ortes aus.

Seit der Öffnung des Praters 1766 stehen die Wiesen, Wälder und Alleen
ohne Unterschied sämtlichen Menschen zur Erholung offen. Als einer der
ältesten Vergnügungsparks der Welt ist der Wurstelprater bis heute ohne
Eintritt zugänglich.


Wahrzeichen des Wurstelpraters und der gesamten Stadt Wien ist das Wiener Riesenrad.
Es wurde 1897 zur Feier des 50. Thronjubiläums Kaiser Franz Josephs I.
errichtet und war zur damaligen Zeit eines der größten Riesenräder der
Welt.

Das Riesenrad wurde 1896 von den englischen Ingenieuren Walter Bassett
Basset (1864–1907) und Harry Hitchins geplant und mit 30 Waggons auf
einem von Gabor Steiner, dem eigentlichen „Vater des Riesenrades“,
gepachteten Grundstück auf dem Prater-Gelände errichtet. Eröffnet wurde
es 1897, ein Jahr vor der Feier des 50. Thronjubiläums Kaiser Franz
Josephs I.

Der Wurstelprater, wie der Vergnügungspark teils inoffiziell, aber
durchgängig genannt wurde, verdankt seinen Namen einer Figur des
Volkstheaters, dem von Josef Anton Stranitzky kreierten „Hanswurst“. In
der Zeit der Aufklärung im späten 18. Jahrhundert wurden diese
volkstümlichen Bühnen von den Marktplätzen der heutigen Altstadt
vertrieben und fanden im von Joseph II. 1766 für die Allgemeinheit
freigegebenen Prater neue Standorte.
