Jagdmuseum Schloss Stainz

Stainz, Deutschlandsberg in der Weststeiermark, November 2022

Schloss Stainz ist ein ehemaliges Augustiner-Chorherrenstift mit der Stiftskirche Hl. Katharina, das um 1229 durch Leuthold von Wildon gegründet und 1785 von Kaiser Josef II. säkularisiert wurde. 1840 wurde es von Erzherzog Johann um 40.000 Gulden erworben. Heute ist das Schloss im Besitz der Grafen von Meran, die Nachfahren von Erzherzog Johann sind. Im Schloss befindet sich ein Museum, das zum steirischen Universalmuseum Joanneum gehört. Zu sehen sind zwei Sammlungen: Zum einen das im Herbst 2009 neu eröffnete Landwirtschaftsmuseum, das altes bäuerliches Gerät zeigt und die verschiedenen Zweige der Landwirtschaft präsentiert, zum anderen ein 2006 eröffnetes, didaktisch aufbereitetes Jagdmuseum, das Einblick in die Geschichte der Jagd gibt.

Schloss Stainz, November 2022

Man erreicht Schloss und Kirche entweder zu Fuß vom Markt aus und vorbei an den beiden Gartenpavillons über die vom gleichnamigen Propst angelegte Rosolenzstiege, oder mit dem Auto über die Zufahrtsstraße. Vom Parkplatz aus sieht man zunächst die beiden im unteren Bereich noch mittelalterlichen Westtürme mit ihren spätbarocken Glockenstuben und Zwiebelhelmen (um 1738).

Der Weg führt durch das Schlossportal in den Innenhof. Zunächst empfiehlt sich aber ein Blick auf das gegenüberliegende barocke Figurenensemble mit der überlebensgroßen Statue der Maria Immaculata (1733, vermutlich von JOHANN MATTHIAS LEITNER), die von den Figuren der Heiligen Gelasius und Patricius eingerahmt wird.

Schloss Stainz, November 2022

1229 Gründung des Augustiner-Chorherrn-Stiftes durch Leutold v. Wildon, gotische Stiftsanlage
1605 Beginn des barocken Neubaues von Stift und Kirche durch Propst Jakob Rosolenz.
1715 Propst Christoph Carminelli beendet den Neubau.
1785 Aufhebung des Stiftes durch Kaiser Josef II.
1840 Erzherzog Johann von Österreich kauft Schloss Stainz

Nach dem Durchschreiten des Schlossportals (rechts Museumseingang) gelangt man in den ersten Stiftshof und sieht auf das Hauptportal der Kirche St. Katharina, das von den beiden gemalten Statuen der hl. Katharina (Kir- chenpatronin) und des hl. Augustinus (Patron des ehem. Augustiner- Chorherrenstiftes Stainz) flankiert wird.

Hauptportal der Pfarrkirche St. Katharina, flankiert von der hl. Katharina und dem hl. Augustinus

Schloss Stainz, November 2022

Nach Betreten des Innenraumes steht der Besucher zunächst unter der Orgelempore und blickt in das helle und geräumige, mit Stuck und Fresken reich dekorierte Kirchenschiff. Es besitzt sechs Joche und gehört zum Bautyp der sogenannten Wandpfeilerkirche. Zwischen den Wandpfeilern liegen im unteren Bereich Seitenkapellen, die mit Ausnahme der Antoniuskapelle keine eigenen Fenster besitzen, während in den darüberliegenden Emporen hohe rechteckige Fenster viel Licht in den Raum einströmen lassen. Das heute vermauerte Fenster über der Skapulierkapelle zeigt noch eine Rahmenmalerei aus der Zeit vor 1680; wahrscheinlich waren damals noch alle Fenster rundbogig.

Den Raumcharakter prägen auch der schmale, hohe Chorbogen zwischen den im Kern noch mittelalterlichen Türmen und der anschließende, zweijochige Chor mit dem mächtigen Hochaltar, der die Apsis in voller Höhe und Breite einnimmt. Die reiche Stuck- und Freskenausstattung und die kunsthistorisch bedeutsame Gestaltung der Altäre vollenden den Eindruck eines barocken Gesamtkunstwerkes. Auch das spätbarocke Kirchengestühl ist original erhalten geblieben.

Schloss Stainz, November 2022

Nicht einheitlich in der Entstehungszeit und der künstlerischen Qualität ist der Stuck. Die Stuckierung der Kirche begann 1680/81 an der Orgel- brüstung, der Ostwand darüber und den beiden angrenzenden Kapellen. Diese qualitätvollen Arbeiten werden ALEXANDER SERENIO zugeschrieben, einem Künstler, der u. a. im Schloss Eggenberg bei Graz, im Stift Rein und im Mausoleum von Ehrenhausen tätig war. Der etwa um 1700 entstandene Stuck der übrigen Kapellen stammt vermutlich von heimischen Kräften. Die Motive nehmen oft Bezug auf die ursprüngliche Widmung der Kapellen (vgl. Rundgang).

Schloss Stainz, November 2022

Noch vom ursprünglichen Altar, der um 1900 entfernt wurde, stammt das Bild des hl. Antonius von Padua mit dem Jesuskind (1671). In der Antonius-Kapelle steht auch das im frühen 19. Jahrhundert entstandene Taufbecken mit seinem neubarocken Aufsatz (E. 19. Jh.); im Stuck Schlossmotive, vielleicht unter Bezug auf die Wildonier.

Schloss Stainz, November 2022

Die beiden hohen und schmalen Seitenaltäre unter dem Chorbogen sind jünger als der Hochaltar, sie entstanden um 1720 (Wappen des Propstes Carminelli). Am linken Altarbild von FRANZ CARL REMP steht Maria Immaculata auf der Erdkugel, der Schlange des Bösen den Kopf zertretend. Dies ist ein Symbol für die unbefleckte Empfängnis Mariens, d. h. Maria ist frei von der Erbsünde von Geburt an. Die beiden Statuen zeigen die hll. Salome und Maria Magdalena (mit der Salbbüchse), das Oberbild die Aufnahme Mariens in den Himmel. Auf beiden Altarmensen stehen reich verzierte pyramidenförmige Reliquiare (2. Drittel 18. Jh.). Das Antependium (Vorderseite des Altartisches) ziert eine barocke Ansicht von Kirche und Stift Stainz.

Das Altarbild vön FRANZ CARL REMP zeigt den hl. Augustinus kniend und mit ausgebreiteten Armen in Erwartung des nahenden Todes. In der rechten Hand hält er das flammende Herz als Symbol für seine feurige Gottesliebe. Über ihm thront die Heiligste Dreifaltigkeit. Am Oberbild ist die hl. Klara von Monfalcone zu sehen. Die seitlichen Statuen stellen die heiligen Bischöfe Alypius von Tagaste und Possidius von Calama dar; beide waren Schüler des hl. Augustinus. Bemerkenswert ist auch hier die Szene am bemalten Antependium. Der hl. Augustinus weist auf ein Kind, das mit einem Löffel am Meer sitzt. Auf die Frage des Heiligen, was das Kind mache, antwortete dieses der Legende nach: „Das gleiche, was Du tust! Du willst die Unergründlichkeit Gottes mit Deinen Gedanken ausschöpfen - ich versuche das Meer auszuschöpfen!”

Maria Immaculata, linker Seitenaltar - Hl. Augustinus, rechter Seitenaltar

Schloss Stainz, November 2022

Die prunkvolle Kanzel wurde wohl in der Werkstatt des VEIT KÖNIGER um 1765/70 im Auftrag von Propst Johann de Angelis (1748-1782) geschaffen, dessen Wappen am Kanzelkorb angebracht ist. Seitlich davon deuten die Statuen der vier Evangelisten mit den aufgeschlagenen Büchern jeweils auf den Anfang ihrer Evangelien - ein Hinweis auf die ursprüngliche Funktion der Kanzel als Ort der Predigt, der Verkündigung des Evangeliums.

Schloss Stainz, November 2022

Symbolträchtig ist auch die figurenreiche und bewegte Darstellung am Schalldeckel: Unter dem Auge Gottes thront der hl. Augustinus mit dem  flammenden Herz, von Putti umgeben, darunter versinnbildlichen drei fliehende Gestalten den durch die Worte und Schriften des Kirchenlehrers erwirkten Sturz der Häretiker (Irrlehrer).

Schloss Stainz, November 2022

Ostempore mit Orgel
Der kreuzgratunterwölbte Raum unter der Orgelempore öffnet sich über drei rundbogige Arkaden in den Kirchenraum. Die alte Orgel stammt aus dem Jahr 1880, errichtet vom Grazer Orgelbaumeister FRIEDRICH WERNER. Sie ersetzte damals die ursprüngliche Barockorgel.

Schloss Stainz, November 2022

Bei der Restaurierung 1979/80 wurde in das bestehende Gehäuse eine neue Orgel mit 30 Registern und 2.244 Pfeifen eingebaut (Orgelbaufirma Gebr. Krenn, Graz). Seither zählt die Stainzer Orgel zu den größten der Steiermark. Darüber das Stuck-Doppelwappen des Propstes Georg Siegfried von Jöchlingen (+ 1684), seitlich des Ovalfensters mit dem Antlitz Christi (Vera Ikon) gemalte musizierende Engel. Teile des ehemaligen Chorgestühls sind hinter der Orgel aufgestellt.

Schloss Stainz, November 2022

Als Schöpfer des Deckenstucks gilt der auch in Vorau und Graz tätige DOMENICO BOSCHO. Dieser Stuck dürfte im Kirchenschiff nach 1690 bzw. im Chor um 1700 entstanden sein. Zu den typischen Motiven zählen kräftiges Laub- und Blattwerk als Rahmungen der Freskenfelder, Fruchtkörbe und Putti, die teilweise Festons halten und aus Füllhörnern empor zu treten scheinen.

Das zweite Schmuckelement ist die Freskenmalerei. Sie ist hier in Stainz im Hinblick auf die Stilentwicklung nun nicht mehr dem Stuck untergeordnet, aber auch noch nicht völlig verselbständigt. Insgesamt sind es etwa 70 kleinere und größere „Spiegelflächen" im Deckengewölbe, die um 1690/1700 von MATTHIAS ECHTER bemalt wurden.

Schloss Stainz, November 2022

Den prächtigen, der Wölbung des Raumes angepassten Aufbau des Hochaltar schuf im Jahr 1689 der Stainzer Tischler MATTHÄUS JÄGISCH im Auftrag des Propstes Paumgarten, dessen Wappen in der Mitte angebracht ist. Das Hauptbild darunter zeigt das Martyrium der hl. Katharina, das Auszugsbild darüber dagegen Katharinas Triumph über den Tod, symbolisiert durch das zerbrochene Rad, das Werkzeug ihrer vorangegangenen Marter. Beide Bilder sind Werke des Eggenberger Hofkünstlers Hans Adam WEISSENKIRCHER.

Die von ANDREAS MARX geschaffenen Statuen stellen in der unteren Reihe zwischen den Säulen innen die beiden Bischöfe und Kirchenväter Augustinus (links, mit Flammenherz) und Ambrosius (rechts, mit Bienenkorb) dar, weiter außen die vier ersten Konzilspäpste Sylvester, Damasus, Cölestin und Leo. Weibliche Heilige flankieren das Oberbild, von links nach rechts sind es die hl. Agnes (Lamm), die Chorfrauen Monika und Ursula sowie die hl. Margaretha (Kind). Nicht ursprünglich zugehörig ist der freistehende Tabernakel, geschaffen vom Grazer Bildhauer JOHANN GASSER im Jahr 1805.

Schloss Stainz, November 2022

HI. Katharina von Alexandrien (+ um 305; Patrozinium: 25. November)
Die ebenso schöne wie gelehrte Königstochter weist das Brautwerben des heidnischen Kaisersohnes zurück und lässt sich stattdessen taufen. Im Traum erscheint ihr das Jesuskind, das ihr den Verlobungsring an den Finger steckt. Dem Kaiser Maxentius tritt sie beim Opferfest entgegen und beweist ihm mit gelehrten Worten, dass seine heidnischen Götter Abgötter geworden sind. Als sie auch die vom Kaiser gerufenen Philosophen widerlegt und zum christlichen Glauben bekehrt, lässt Maxentius sie einkerkern und schließlich mit einem Rad, das mit Messern und Nägeln bestückt ist, grausam martern. Doch Blitz und Donnerschlag zerstören das Rad, worauf der Kaiser Katharina enthaupten lässt. Die frühchristliche Märtyrerin gilt u. a. als Patronin der Lehrer, Theologen und Philosophen sowie als Krankenpatronin gegen Kopfschmerzen und Zungenleiden. Sie wird auch als eine der sogenannten Vierzehn Nothelfer verehrt und zählt zusammen mit der hl. Barbara und der hl. Margaretha zu den „heiligen drei Madln“.

Schloss Stainz, November 2022

Über die Gründung selbst durch Leutold I. von Wildon (T 1249) und dessen Gattin Agnes von Traberg (Unterdrauburg-Dravograd) gibt es nur wenige gesicherte Nachweise. Als Gründungsjahr gilt 1229, denn in diesem Jahr hat Propst Schachner von Seckau dem im Entstehen begriffenen Stift Stainz den späteren Propst und seine Gefährten zur Verfügung gestellt.

Almosen für die Armen ... waren immer schon notwendig.

Schloss Stainz, November 2022

Um 1700 wurde die Skapulierkapelle um ein Joch nach Süden erweitert. Der Altar, Tischlermeister MICHEL HERMANN, Figuren von Bildhauer Johannes Pieringer, wurde laut Chronogramm im Jahr 1766 geweiht, und zwar anlässlich eines Jubiläums der in Stainz bestehenden Skapulierbruderschaft zu Ehren Mariens als „Mutter vom Berge Carmel” - daher auch der Ausdruck "Skapuliermadonna” (Skapulier: ein Tuchstreifen des Mönchsgewandes beim Karmeliterorden). In einer baldachinartig verzierten Nische in der Altarmitte thront die gekrönte Muttergottes mit dem Kind als Himmelskönigin, begleitet von den Statuen der Eltern Mariens, den hll. Joachim und Anna; darunter die Armen Seelen im Fegefeuer. An den Seitenwänden sind zwei barocke Beichtstühle (2. H. 18. Jh.) aufgestellt.

Schloss Stainz, November 2022

Der um 1760/70 in der Werkstatt Veit Königers entstandene Johannes-Nepomuk-Altar ist dem am Altarbild dargestellten böhmischen Prediger und Märtyrer Johannes Nepomuk gewidmet, der besonders nach seiner Heiligsprechung 1729 als Wahrer des Beichtgeheimnisses und „Brückenheiliger” stark verehrt wurde. Die seitlichen Statuen zeigen die beiden Erzengel Michael mit dem Flammenschwert und Raphael mit dem Knaben Tobias. Das barocke Bild an der darüber liegenden Emporenwand stellt den Brückensturz des hl. Johannes Nepomukin die Moldau dar.

Schloss Stainz, November 2022

Maße des Kirchenbaus: Gesamtlänge 54 m, Breite 20,40 m, Höhe innen bis zum Gewölbescheitel 17,50 m

Schloss Stainz, November 2022

An den Wänden des Kirchenschiffes und an der linken Chorwand sind die vierzehn Kreuzwegbilder (um 1850) angebracht.

Schloss Stainz, November 2022

Am barocken Altar zeigt das 1762 von JOHANN ANTON RAUNACHER (auch: Rannacher) gemalte Altarbild den Tod des hl. Josef, das Bild darüber den hl. Patricius. Die seitlichen Statuen der hll. Johann Cantius von Krakau (mit Buch) und Hermann Josef von Steinfeld (mit Findelkind), Mystiker im 12./13. Jahrhundert, sind Arbeiten von Veit KÖNIGER, einem führenden Bildhauer des Rokoko in der Steiermark, aus dessen Werkstatt mehrere Altäre und die Kanzel der Stainzer Kirche stammen. Rechts in der Wand Inschriftplatte zu einer Kapellenstiftung 1625 (Zeit von Propst Rosolenz, die Stiftung bezieht sich auf den Vorgängerbau), rechts am  Wandpfeiler Grabstein für Georg Christoph von Kempinski (+ 1662).

Schloss Stainz, November 2022

Der wiederum von VEIT KÖNIGER geschaffene Altar entstand um 1770/80. Christus am Kreuz in der Mitte begleiten als „Assistenzfiguren”“ seine Mutter Maria und rechts sein Lieblingsjünger Johannes, außen sind Maria Magdalena und der gute Schächer zu erkennen; oben im Auszug thront Gottvater.

Der Kreuzaltar als Seitenkapelle war ursprünglich Seiteneingang zur Kirche. Heute steht hier der wohl bedeutendste barocke Seitenaltar der Kirche, der Kreuzaltar von Veit Königer (1729—1792), etwa um 1770/80. Christus am Kreuz in der Mitte auf schwarzer Tuchbespannung, links davon seine Mutter Maria, daneben Magdalena und rechts sein Lieblingsjünger Johannes und der gute Schächer, darüber thront Gottvater auf goldenen Wolken mit Engeln im barocken Strahlenkranz.

Schloss Stainz, November 2022

Dabei sind die Fresken im Kirchenschiff dem Leben und der Verherrlichung des hl. Augustinus und seines Ordens gewidmet, dem das Stift Stainz damals angehörte. Die sechs Hauptfelder in der Mitte zeigen, beginnend am Chorbogen:

I Augustinus empfängt von Christus seine Lebensaufgabe. Christus vertraut ihm seine Kirche an. Als Zeichen der Demut wäscht Augustinus Christus die Füße.
II Augustinus überreicht im Angesicht der HI. Dreifaltigkeit seine Ordensregeln Vita communis"
III Die zahlreichen Märtyrer des Ordens werden in den Himmel auf- genommen
IV Die Freuden des Himmels, symbolisiert durch jubilierende Engel, die das „Heilig-Geist-Loch" umfliegen
V Versammlung der Päpste und Kardinäle des Augustinerordens, dar- über Engel mit den Insignien der kirchlichen Gewalt
VI Der hl. Augustinus im Himmel, umgeben von Chorherren und Chorfrauen

Schloss Stainz, November 2022 Schloss Stainz, November 2022

Hl. Augustinus (354-430)
Er ist einer der vier großen lateinischen Kirchenväter. Als Sohn eines heidnischen Vaters und einer christlichen Mutter (hl. Monika) erfuhr er seine Bekehrung zum christlichen Glauben erst als über 30-Jähriger, maßgeblich beeinflusst durch die Predigten des hl. Ambrosius. Von diesem ließ er sich taufen, wurde 391 Priester und 394 schließlich Bischof von Hippo. Von seinem reichen Schrifttum sind besonders seine „Bekenntnisse“ und der „Gottesstaat“ (De Civitate Dei) hervorzuheben. Auf seine tiefe Gottesliebe und sein Lehren berief sich auch der im 11./12. Jh. gegründete Reformorden der Augustiner Chorherren, die nach der sogenannten Regel des hl. Augustinus leben und denen er als Ordensvater gilt. In der Kunst wird er häufig gemeinsam mit den anderen drei lateinischen Kirchenvätern dargestellt: Papst Gregor der Große, der hl. Ambrosius und der hl. Hieronymus.

Schloss Stainz, November 2022

Jagd- & Landwirtschaftsmuseum
Prächtige kulturhistorische Objekte, interaktive Installationen, ergänzt durch historische Waffen geben einen Einblick in die Geheimnisse der Jagd. Das Landwirtschaftsmuseum spannt einen Bogen vom bäuerlichen Leben in der vorindustriellen Zeit bis in die Gegenwart.

Schloss Stainz ist ein ehemaliges Augustiner-Chorherrenstift (CanReg) und heutiges Schloss in Stainz in der Steiermark, Österreich. Heute ist das barocke Schloss im Familienbesitz der Grafen von Meran. Das Schloss und seine Nebengebäude stehen unter Denkmalschutz.

Schloss Stainz, November 2022

Erzherzog Johann und Stainz
Es war Erzherzog Johann von Österreich, der 1840 mit dem Kauf des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstift den Impuls für eine neue und höchst fruchtbare Entwicklung des Marktes Stainz gab. Er prägte die Geschichte des Ortes und seiner Kultur wie kein anderer: Das Schloss wurde umfassend saniert, eine musterhafte Landwirtschaft eingerichtet und der Wein- und Obstbau gefördert. Darüberhinaus war die Wahl des Erzherzogs zum 1. Bürgermeister von Stainz im Jahr 1850 einmalig in der Geschichte Österreichs: ein Mitglied des Kaiserhauses als Bürgermeister eines Marktes.

Schloss Stainz, November 2022

Auf einer Anhöhe nördlich des Marktes Stainz (Marktrechte urk. 1372) liegt der ausgedehnte Gebäudekomplex des ehemaligen Augustiner Chorherrenstiftes. Schon von weitem erkennbar an den beiden Türmen ist die zugehörige Kirche St. Katharina, die heutige Pfarrkirche von Stainz. Das Kloster wurde 1785 aufgehoben; im Jahr 1840 erwarb Erzherzog Johann das ehemalige Stiftsgebäude, das seither als Schloss dient und bis heute im Besitz seiner Nachkommen, der Grafen von Meran ist. Heute beherbergt das Schloss auch zwei öffentlich zugängliche Museen: die 1974 als eigenständiges Referat des Landesmuseums Joanneum eröffnete Landwirtschaftliche Sammlung sowie seit 2006 das Jagdmuseum Schloss Stainz (weitere Informationen unter: www.museum-joanneum.at).

Schloss Stainz, November 2022

Das Jagdmuseum Schloss Stainz begreift die Jagd als historisches, soziologisches und philosophisch-ethisches Phänomen und spricht über einen interdisziplinären, kulturübergreifenden Ansatz ein breites Publikum an. Unsere Besucherinnen und Besucher begegnen u. a. dem „romantischen Jäger“ und „wilden Rebellen“, aber auch historischen Waffen, Thomas Bernhards „Jagdgesellschaft“ oder Wundermitteln aus der Volksmedizin.

Im 2. Obergeschoss setzt sich der Rundgang schließlich als aufregende Pirsch fort, auf der nach Tierfährten Ausschau gehalten und Tierstimmen gelauscht werden kann. Darüber hinaus gibt es auch Wissenswertes über wildökologische Fragestellungen unserer Zeit und die Aufgaben der modernen Jagd zu erfahren.

Schloss Stainz, November 2022

Innovationsschub in der Steinzeit: Speer, Speerschleuder, Wurfgerät
Fast fünfhunderttausend Jahre lang bilden wild wachsende Früchte und in Fallen gefangenes Wild die Nahrung der kleinen, umherziehenden Menschengruppen in Mitteleuropa. Vor etwa 400.000 Jahren erfinden die Jäger den Wurfspeer, der ihre Erfolgschancen erhöht und zugleich die Lebensgefahr im Kampf mit Wildtieren vermindert. Aus Fellen und Knochen des Wilds stellen sie Kleidung, Werkzeug und Schmuck her.

Einen enormen Innovationsschub bedeutet vor 30 bis 20.000 Jahren die Erfindung der Speerschleuder: sie ist das erste technische Hilfsmittel, das die Muskelkraft verstärkt und so Reichweite und Durchschlagskraft des Speers wesentlich erhöht. Die Existenz der kleinen Nomadengruppen ist nun besser gesichert. Die technische Verbesserung von Waffen zum Töten von Tieren (und Menschen) wirkt durch tausende Jahre - und letztlich bis heute - als ein starker Impulsgeber menschlicher Innovation.

Schloss Stainz, November 2022

Das Jagdmuseum in Schloss Stainz zeigt seit September 2006 Jagdkultur in all ihren Facetten und widmet sich neben einem ausführlichen kulturhistorischen Überblick auch dem Zusammenspiel von Mensch und Natur. In einer für Österreich einzigartigen, innovativen Präsentation erfahren unsere Besucherinnen und Besucher alles Wissenswerte über ein großes Faszinosum der Menschheit. Neben prächtigen Sammlungsobjekten und interaktiven Installationen führen kulturgeschichtliche Exkurse, ergänzt durch historische Waffen und technische Gerätschaften, in die Geheimnisse der Jagd ein.

Radschlossbüchse: Eisen, Messing, Holz, Horn; Werkstatt Se(bastian) Scheidtögger, Salzburg 18. Jh.

Schloss Stainz, November 2022

Die Jagd im Barock: Töten als höfisches Schauspiel
Im Barock machen die Herrscher die Jagd zu einem ausschweifenden Schauspiel der Hofgesellschaft. Sie entwickelt sich zu einem zentralen Element absolutistischer Repräsentation und Unterhaltung. Zur Inszenierung gehört es, möglichst viel Wild zu erlegen - dafür muss der Wildbestand in den Jagdgebieten hoch sein. Die Bauern haben darunter zu leiden: Für die Wildschäden gibt es keinen Ersatz. Darüber hinaus müssen die Landbewohner - die selbst nicht jagen dürfen - bei der Jagd unbezahlte Hilfsdienste leisten.

Dass nur die Herrschenden jagen dürfen, gilt erst ab dem 8. Jahrhundert, seit der Regentschaft Kaiser Karls des Großen. Bürger und Bauern bleiben fast tausend Jahre lang von der Jagd ausgeschlossen. Wer das Verbot missachtet, muss mit harten Strafen rechnen. Im frühen Mittelalter dagegen stand das Recht auf Jagd jedem Menschen zu.

Schloss Stainz, November 2022

Techniken der Jagd
Im Laufe der Jahrtausende entwickelt der Mensch viele verschiedene Jagdtechniken, einfache ebenso wie höchst komplizierte: Von den vielfältigsten Methoden des Fallenstellens über das Schießen mit Pfeil und Bogen bis zur Jagd mit dem Gewehr. Der Gebrauch von Lockmitteln und Attrappen gehört ebenfalls dazu. Je präziser die Jagdwaffen werden, umso ausgeklügelter werden die Jagdtechniken - und umgekehrt.

Jagen außerhalb der Gesetze hat vor allem im 19. Jahrhundert wesentlich zur Ausrottung vieler Tierarten geführt. Aber auch Verordnungen lieferten den Grund, einige Tierarten wie Wolf oder Bär als bedrohlich für den Menschen einzustufen - wer sie schoss, erhielt ein Preisgeld! Heute sind die Jagdtechniken gesetzlich genau geregelt. Viele der Jahrhunderte und Jahrtausende üblichen Methoden sind verboten, weil sie nun als zu grausam oder zu gefährlich gelten. In Österreich unterscheiden sich die Regelungen jedoch von Land zu Land.

Schloss Stainz, November 2022

Pulverhorn: Messing, Holz, Hirschhorn vermutlich 17. Jh.

Schloss Stainz, November 2022

Der „einsame Jäger" - Bürger gehen auf die Jagd
Eine Entwicklung Ende des 18. Jahrhunderts beeinflusst entscheidend das heutige Verständnis von Jagd: in Europa blüht eine Naturromantik auf. Literatur und Kunst beschäftigen sich mit der Sehnsucht des Menschen, eins mit der Natur zu sein, Natur direkt und ganz persönlich zu erfahren. Zum Ideal wird nun der einsame Jäger im Einklang mit der Natur - er löst die höfische Jagdgesellschaft ab, welche die Überwindung der Natur inszenierte. Als Königsdisziplin gilt nunmehr die Jagd im Gebirge, mit all ihren Gefahren und Mühen.

Weiterhin besitzt allein der Adel das Recht zu Jagen. Das ändert sich erst nach der Revolution der Jahre 1848/49: nun können auch Bürger auf die Jagd gehen. Diese Entwicklung erfordert neue Normen und eine moderne Gesetzgebung, die regelt, wer wann, wo und wie viel jagen darf. Auf ihnen basiert das heutige allgemeine Jagdrecht.

Schloss Stainz, November 2022

Der Kaiser auf der Jagd
Kaiser Franz Joseph I. war - wie alle Habsburger - ein leidenschaftlicher Jäger. Noch bevor er mit zwölf Jahren seinen ersten Hirschen schießt, erprobt er im Schlosspark von Schönbrunn an Spatzen und Tauben seine Treffsicherheit. Franz Joseph beteiligt sich an einer Vielzahl von Jagden, wobei für ihn der Beweis von Kraft und Treffsicherheit im Vordergrund steht.

Mit zunehmendem Alter nähert sich sein Jagdverhalten dem von Erzherzog Johann an: nun jagt er maßvoller, lässt sich von der Sehnsucht nach Friede und Stärkung in der Natur leiten. Noch in hohem Alter ist seine Hand ruhig genug, freihändig auf Wild zu schießen.

Schloss Stainz, November 2022

Magie und Wanddekor
Magische und mythologische Bilder gehören seit jeher zur Jagd: die Höhlenmalereien der Steinzeit sollen das Jagdglück beschwören, Jagdszenen bringen Leben in die antike Götterwelt. In der Neuzeit sind Jagddarstellungen nicht mehr Mittel zu einem anderen Zweck, sondern primär eigenständiger künstlerischer Ausdruck.

Vor allem im Barock schmücken riesige Tier- und Jagddarstellungen Sommersitze und Jagdschlösser des Adels; man genießt den Zusammenprall von Hund und Wildtier, gezähmter und wilder Natur. Jagddarstellungen zieren aber auch kunstvoll gefertigte Gebrauchsgegenstände und dekorative Objekte aus Edelmetall, Glas und Keramik, die zur Ausstattung von Jagdschlössern gehören.

Schloss Stainz, November 2022

Faszination in Wort und Ton - Jagd und Musik
Schon sehr früh – manche Wissenschaftler meinen sogar in der Steinzeit - bilden Töne einen wichtigen Bestandteil der Jagd: mit Signalen, auf Tierhörnern geblasen, stimmen sich die Jäger einer Jagdgruppe über weite Entfernungen ab. Die ältesten aufgeschriebenen Tonfolgen von Jagdsignalen stammen aus dem Jahr 1394. Ein revolutionärer Schritt von den nur eintönigen Signalen zu Musik erfolgt im 17. Jahrhundert: die französische trompe de chasse (Parforcehorn) lässt Signale erklingen, die vom Dreiklang dominiert sind. Damit hält die Jagdthematik Einzug in die Opern- und Orchestermusik.

In Österreich entwickelte man für die Jagd einen eigenen Instrumententypus, der den weichen Klang des Alphorns zum Vorbild hat. Die Jagdmusik lehnt sich stark an die Volksmusik an und bleibt lange einstimmig. Ende des 19. Jahrhunderts erfährt sie einen Höhepunkt mit Josef Schantl: Er komponiert vierstimmige Fanfarenstücke, die auch bei festlichen Anlässen und Paraden gespielt werden.

Schloss Stainz, November 2022

Perkussionsgewehr Erzherzog Johanns
Werkstatt Julian Hollitzer, Wien Eisen, Messing, Gold, Holz um 1840

Jagdgewand Erzherzog Johanns
Tschariwarihose, Wollstrümpfe mit Zwirnfüßen, genagelte Schnürschuhe, Hut mit Spielhahnfeder um 1840, Privatbesitz

Weidblatt Erzherzog Johanns
Stahl, Messing, Hirschhorn, Lederscheide um 1850, Privatbesitz

,,Wenn Gott mit mir, was gegen mich"

Schloss Stainz, November 2022

Fürst Plesshorn in B
Werkstatt Kühnl & Hoyer, Kupferblech, Leder, 1968, Peter Maierhofer, Steirischer Jagdschutzverein

Das Horn erhielt seinen Namen 1880 nach Hans Heinrich XI. Fürst von Pless, dem Oberstjägermeister Kaiser Wilhelms I. Solche Hörner werden heute noch bei der Jagd verwendet.

Schloss Stainz, November 2022

Kostüm des Grafen Eberbach aus „Der Wildschütz"
Komische Oper von Albert Lortzing (1801-1851), Werkstätten Theaterservice Graz, 2004

Schloss Stainz, November 2022

Faszination in Wort und Ton - Jagd und Literatur
Bereits in der Antike spielt die Jagd in der Literatur eine wichtige Rolle: Jagdbeschreibungen finden sich in mündlichen Überlieferungen und in der Dichtung. Jagd soll den Charakter bilden, hier beweisen. die Helden Stärke und Tapferkeit. Ob der antike Odysseus oder der mittelalterliche Siegfried, wenn Heroen jagen, bedeutet das Kampf auf Leben und Tod. Es geht darum, die Natur zu beherrschen.

Erst die Romantik kehrt im 19. Jahrhundert diesen Blickwinkel um, die Jagddarstellungen atmen nun Naturempfinden und Liebe. In den Heimatromanen Ende des 19. und anfangs des 20. Jahrhunderts vereinen sich alle Themen: Religiosität, Heldentum, Naturerfahrung und Romantik. Die Literatur des späten 20. Jahrhunderts betrachtet schließlich die Jagd als Symbol einer konservativen und erstarrten Gesellschaft. Der Jäger ist nicht mehr Held, sondern das Überbleibsel einer 'vorvorderen' Zeit.

Schloss Stainz, November 2022

Momente des Alltags
Trinkbecher aus dem Horn des Steinbocks, Sessel aus Geweihen, als Hundekopf geformte Pfeifen, Jäger und gejagtes Wild auf Krügen, Tellern und Kästen: Seit dem 19. Jahrhundert sind mit der Jagd auch Gebrauchsgegenstände und Dekorobjekte populär geworden, deren Thema die Jagd ist. Die Motive gehen auf Darstellungen für Herrscher und Adel zurück und zeigen oft Klischees von der Jagd.

Die Auswahl der Motive beschränkt sich zwar auf wenige, diese sind aber mit teils ausgefallenen Techniken und auf - oder mit - verschiedensten Materialien ausgeführt: Keramik, Glas, Horn, Stein. Sehr oft sind Tiere mit religiöser oder symbolischer Bedeutung dargestellt. So verkörpert der Hirsch Stärke, Erhabenheit, Stolz und Herrschaft, die bestimmten Körperteilen zugeordnet werden. Die Volksmedizin liefert dann Rezepturen, wie die Eigenschaften des Wilds - nicht nur des Hirsches - auf den Menschen übertragen werden können.

Schloss Stainz, November 2022

Standuhr - Figurenuhr ,,Hetzjagd mit Hunden": Metall, Glas, Holz, Emailziffernblatt um 1880

Schloss Stainz, November 2022

Menschheitsgeschichte als Jagdgeschichte?
Fast 500.000 Jahre lang ist der Alltag der Menschen von der Jagd geprägt. Ein mühsames Unterfangen, das viel Aufmerksamkeit und Kraft verlangt und von dessen Misserfolg oder Erfolg oft Sattsein oder Hungern abhängen. Erst vor ungefähr 10.000 Jahren löst sich der Mensch aus der Abhängigkeit vom Jagderfolg: für seine Ernährung baut er Pflanzen an und züchtet Tiere.

In diesen menschheitsgeschichtlich kurzen 10.000 Jahren durchläuft die Jagd viele Veränderungen. Die Ausstellung greift verschiedene Epochen heraus, in denen ein jeweils anderes Verständnis von der Jagd vorherrscht: In der Steinzeit geht es um Nahrungserwerb, im Barock um Unterhaltung und Repräsentation, die Romantik verklärt sie zu einer schwärmerischen Naturerfahrung. Heute bestimmen wirtschaftliche und ökologische Interessen die Jagd. Wir betrachten die Jagd unter einem besonderen Blickwinkel: Wann und wodurch hat sie die Geschichte der Menschheit besonders stark beeinflusst - und ist uns das bewusst?

Schloss Stainz, November 2022

Wildökologie: Tiere und ihr Lebensraum
Beim Wandern durch Wald und Wiesen der Steiermark stellen sich Fragen über Fragen: Welches Tier ist das? Wem gehört diese Stimme? Wieso habe ich noch nie einen Auerhahn gesehen? Wo lebt dieser Vogel überhaupt? Jäger müssen wie Landwirte und Förster Bescheid wissen über die Lebensverhältnisse von Wildtieren und über die ökologischen Zusammenhänge in deren Lebensraum, um bei ihrer Arbeit ein Gleichgewicht zwischen den Interessen von Mensch und Tier zu finden.

Jäger von heute werden nicht als solche geboren, sie müssen eine Jagdprüfung ablegen. Bei der Vorbereitung lernen sie nicht nur jagdkundliches Wissen; sie schulen dabei vor allem etwas, das auch Ihnen Freude bereiten wird: mit offenen Augen und aufmerksamen Sinnen durch die Natur zu gehen. Frage- und Antwortspiele bestimmen die Abteilung Wildökologie des Museums. Sie wecken und schulen Ihre Aufmerksamkeit, stellen Sie vor Aufgaben, die Ihnen auch auf Ihren Wanderwegen begegnen. Aus Ihrem Spaziergang wird ein Pirschgang.

Schloss Stainz, November 2022

Die Jagd ist weiblich
Die Anzahl der Frauen in der Jägerschaft hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Was manchen hartgesottenen Jäger stören mag, halten viele für ein höchst erfreuliches Zeichen. Doch was besagt dieses Zeichen? Stehen die Jägerinnen für einen Erfolg der Emanzipation, wenn sie ein derart männlich dominiertes Terrain erobern? Ordnen sie sich dabei dem männlichen Habitus unter und versuchen zu zeigen, dass sie ebenso „gut“ sind wie Männer? Oder bringen sie eigene weibliche Qualitäten mit und reichern die Jagd mit diesen Facetten an?

Diese Ausstellung zeigt, dass beides stimmt. Schon seit Jahrhunderten nehmen Frauen als treffsichere Schützinnen und ausdauernde Reiterinnen an der Jagd teil - doch nur, wenn sie von ihren Vätern oder Ehegatten dazu in den rechten Stand gesetzt waren. Diese Fähigkeiten wurden bereits den Jagdgöttinnen der Antike nachgesagt. In den monumentalen Gemälden seines Zyklus Diana und Aktäon zeigt Gerald Brettschuh den Spannungsbogen zwischen weiblicher Macht und Verletzlichkeit durch den Frevel des Jägers. Diese Fährte lässt sich bis in die heutige Jagdpraxis verfolgen. Abschüsse männlicher Tiere werden höher bewertet, während die weiblichen ohne Rücksicht auf ihre natürlichen Repro- duktionsaufgaben und deren Auswirkung auf das soziale Tierverhalten erlegt werden. In Übertragung gefragt: Was geschieht mit Gesellschaften, in denen männliche Prinzipien die weiblichen dominieren?

Schloss Stainz, November 2022

Diana mit Hund, 18. Jahrhundert
Replik einer Sandsteinplastik aus dem Schlosspark Eggenberg

Schloss Stainz, November 2022

Allegorie auf die Minne
In Kunst und Literatur des Hochmittelalters ist die Jagd ein beliebtes Motiv als Allegorie für die höfische Minne: Der Liebende ist der Jäger, die Geliebte das Wild. Im Stundenbuch von Taymout zeigen Randminiaturen jedoch eine Frau als in allen Sparten der Jagdkunst erfolgreiche Jägerin. Allegorien verwenden häufig Frauen, wenn sie Tugenden charakterisieren, auch wenn diese Männern ans Herz gelegt werden. Wie die Minne ist auch die Jagd als Tugend weiblich.

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Mit Leidenschaft
Mit der Revolution von 1848 verloren Adel und Hof ihr ausschließliches Jagdprivileg. Bürgern und Bauern stand es frei, auf ihrem eigenen Landbesitz Wildtiere zu erlegen - sofern er mindestens 115 Hektar betrug. Wie heute noch gehörten jedoch ausgedehnte Wald- und Forstgebiete zum Besitz von Klerus, Adel oder Großindustriellen. Hier pflegte man die Jagd als gesellschaftliches Ereignis, an dem auch die Damen der Gesellschaft regen Anteil nahmen, sei dies aus Freude an der Jagd oder aus Gründen des Sozialprestiges.

Frauen, denen das soziale Korsett ihres Standes zu eng wurde, wählten gerne das Reiten als Ventil ihres Freiheitdrangs, das ihnen auf legitime Weise einen Sport in der freien Natur ermöglichte. Die Teilnahme an Gesellschaftsjagden zu Pferd verband ihre Reitleidenschaft mit gesellschaftlichen Verpflichtungen. Manche vornehme Damen liebten es aber auch, auf der Pirsch durch die Wälder zu streifen und als versierte Schützinnen so manches Tier zu erlegen.

Gegen die grundherrschaftlichen Jagdrechte rührte sich der Volkszorn und die Wilderei wurde zu einem Kavaliersdelikt der kleinen Leute. Entgegen der landläufigen Meinung beteiligten sich durchaus auch Frauen an der verbotenen Jagd. Und auch sie trieb die Jagdleidenschaft und nicht nur die schiere Not zu ihrem frevelhaften Tun.

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Reitkleidung als Jagdkleidung
Als sich das Reiten im 19. Jahrhundert zum verbreiteten Sport der Eliten entwickelte, begannen die Herren dabei schlichte dunkle Anzüge zu tragen. Frauen übernahmen diese Mode im dunklen Reitkostüm, das ihnen ein korrektes, nüchternes Auftreten verlieh und auf die Verspieltheit der weiblichen Mode zur gleichen Zeit verzichtete. Auch bei Parforce- und Hetzjagden wurde dieser Kleidungsstil beibehalten.

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Was gibt es Neues?
Die Medien spiegeln das Interesse der Öffentlichkeit an Fragen und Problemen der Jagd. Sie berichten von neuesten wildökologischen Erkenntnissen, etwa über Wildkrankheiten, und geben Einblicke in das Leben heimischer Wildtiere. Schlagzeilen erscheinen auf der Titelseite, wenn sich wanderlustige Bären herumtreiben, kapitale Hirsche geschossen werden oder prominente Persönlichkeiten auf die Pirsch gehen.

Fern von Sensationsmeldungen informieren trockene Statistiken über den Zustand von Wald und Wild, schützen unanschauliche Gesetze und Verordnungen die heimische Tierwelt und sichern das Überleben gefährdeter Arten. Sie lesen nicht gerne Statistiken und Gesetzestexte? Für den Jäger liefern sie aussagekräftige Informationen: Sie sind neben der Beobachtung des Wildlebensraums ein Pflichtenheft. Abschusszahlen halten zum Beispiel fest, wann wie viele und welche Tiere geschossen wurden. Daraus lässt sich ablesen, wie der Bestand an Wildtieren über Jahrzehnte zu- oder abgenommen hat und welche wildökologischen Entwicklungen stattfanden.

Wer brüllt, kräht, brummt, knurrt, pfeift denn da?
Was schätzen Sie: Wie viele Tierarten leben in der Steiermark? Von der winzigen Ameise bis zum Rothirsch oder zum wieder eingebürgerten Bären, von der Ente bis zum Adler- wer hat schon einmal alle an einem Ort gesehen? Kann man sie denn an einem Ort sehen?

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Rat' mal, wer ich bin!
Eine bunte Feder am Wegrand, ein abgenagter Tannenzapfen unter einem Baum, ein Fußabdruck im weichen Boden - welches Tier verbirgt sich wohl dahinter? Wir teilen unseren Lebensraum mit vielen verschiedenen Wildtieren, und wir sind auch für deren Lebensraum verantwortlich. Dafür müssen wir wissen, wer sie sind, wo und wie sie leben.

Überraschendes und Interessantes gilt es zu entdecken: Wie zum Beispiel sehen Tiere? Wussten Sie, dass das Blickfeld eines Hasen jede Panoramakamera übertrifft? Oder wussten Sie, dass Rehe rotblind sind?

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Steinschloss: Werkstatt Joh(ann) Haetischweiler in Carlsbad um 1740

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Der Schuss
Wir hören einen Schuss; eine Kugel trifft; ein Tier fällt! Was ist geschehen? In Sekundenschnelle hat der Jäger entschieden, ob er aus seiner Position einen Schuss abgeben kann, der das Tier möglichst schnell und schmerzlos tötet - oder ob die Gefahr besteht, es so zu verletzen, dass es qualvoll verendet. Er hat ballistische Kenntnisse und weiß, wie die Gewehrkugel fliegt und welche Wirkung sie hat, wenn sie trifft.

Moderne, präzise Schusswaffen stehen in einer fast 800-jährigen Entwicklungsreihe: Bei den ersten Feuerwaffen fällt die glühende Lunte in das Zündpulver in der Pfanne. Später reibt ein Rädchen am Schwefelkies, der entstehende Funke zündet das Pulver. Bis hin zum heutigen Gewehr steigen Geschwindigkeit und Treffgenauigkeit, wozu auch die technische Verfeinerung der Munition beiträgt.

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Radschloss: Werkstatt Wolfgang Leithner, Ischl um 1700

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Diana und Aktäon
Diana, die Göttin der Jagd, durchstreift mit goldnem Pfeil und Bogen die Wälder, die Hindin zu jagen, das edle, der Mächtigen würdige Tier. Fernab der Städte sind Wald und Gebirg' ihre Reiche, begleitet von Jungfrauen und Nymphen, als tapfere Gefährtinnen, als ergebene Dienerinnen.

Aktäon, noch erhitzt von der Jagd, kommt im Wald vom Weg ab, tritt durch die Zweige an eine Quelle, und erblickt Diana, die Unberührte, wie sie entkleidet von ihren Waffen und Gewändern sich zum Bad bereitet. Der Unselige, so rasch kann er den Schritt nicht wenden, den Blick nicht senken. Diana, von Scham gedemütigt, ihre Rache ist grausam: sie gibt dem Jüngling die Gestalt eines Hirschen. Voll Furcht sucht er sich im Dickicht zu verbergen, doch seine Hunde haben ihn jäh erspäht. Ohne eine Stimme, sie anzurufen, flieht Aktäon vor seinen treuen Helfern. Nicht schreien kann er, nicht bitten um sein Leben, nicht entkommen kann er im unwegsamen Gelände. Sie hetzen den prächtigen Hirschen, Aktäon, ihren eigenen Herrn, zu Tode.

Deckenfresko im Dianasaal

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„Ansprechen“- was heißt das?
Denken Sie daran, etwas anzusprechen? Oder auf etwas anzusprechen? Oder denken Sie sich vielleicht, dass Sie sich einmal getrauen sollten jemanden anzusprechen? Der Jäger spricht Wildtiere an. Das heißt, er muss auch aus der Ferne Geschlecht, Alter und Gesundheitszustand eines Wildtiers erkennen. Warum? Um zu entscheiden, ob er schießen darf oder soll, muss er wissen, in welchem Allgemeinzustand die einzelnen Tiere sind.

Wer sagt dem Jäger, welche und wie viele Wildtiere er in seinem Revier zu jagen hat? Dafür wird jedes Jahr ein Abschussplan erstellt, der für ein Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Bewohnern eines Lebensraumes sorgen soll. Er soll beispielsweise verhindern, dass zuviel Wild den Jungwald verbeißt oder eine Tierart sich zu stark vermehrt und eine andere ausrottet. Doch wer weiß, vielleicht spricht der Jäger auch anders mit seinem Wild ...

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Was ist Landwirtschaft?
Vor etwa 10.000 Jahren, in der Jungsteinzeit, beginnt in der Kulturgeschichte der Menschheit eine folgenreiche Entwicklung: Lebten sie bisher als Jäger und Sammler, so beginnen die Menschen nun, Pflanzen anzubauen und Tiere zu halten - sie betreiben Landwirtschaft. Damit ändert sich ihr Leben von Grund auf. Sie bauen Häuser und werden sesshaft. Diese Lebensweise ist ein Grundpfeiler unserer Zivilisation.

Aber was ist Landwirtschaft heute? Sie produziert Lebensmittel und sichert damit die Ernährung der Menschen, liefert aber auch Rohstoffe für Textilindustrie, Bauwesen oder Medizin. Die globale Konkurrenz fordert immer höhere Erträge; ökologisch sinnvoll ist es aber, das Agrarland nachhaltig zu bewirtschaften. In diesem Spannungsfeld muss sich auch die steirische Landwirtschaft behaupten. Die Ausstellung zeigt historische Entwicklungen und Grund- lagen und stellt diese in Bezug zur Gegenwart. Sie hinterfragt herrschende Vorstellungen von „,Bauerntum“ und gibt Einblick in Arbeit und Produktion. Ihr Schwerpunkt liegt auf den Ver- änderungen durch die Industrialisierung des 19. Jahrhunderts und den Konsequenzen für die heutige Landwirtschaft.

Die Ernte

Je nach Nutzpflanze erfolgt die Ernte zu unterschiedlichen Zeiten. Die Haupterntezeit ist der Spätsommer.
Für das Einbringen von Futtermitteln, Heu und Getreide waren Sensen, Sicheln, Rechen und Gabeln die wichtigsten Werkzeuge. Transportiert wurde in Heuwagen, kleinere Mengen wurden in Heu- oder Streubögen getragen. Getreide wurde bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts bevorzugt mit der Sichel geschnitten, erst später verwendete man dafür Sensen - zumeist mit Gestellen in Form von Holzfächern, schaufelartigen Brettchen oder einem mit Stoff bespanntem Bogen, die das geschnittene Getreide auffingen. Die Klingen wurden während der Arbeit immer wieder mit einem Wetzstein geschärft.

An Rechen waren zwei Grundformen üblich. In der Obersteiermark verwendete man den Blattrechen, bei dem der Stiel in ein verbreitetes Blatt übergeht. In der übrigen Steiermark gebrauchte man dagegen den „Zwieselrechen“, bei dem der Stiel mittels einer gespaltenen Gabel in die Rechenbank eingepflockt ist. Eine dritte Rechenart, der Bügelrechen, kam nur regional vor.

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Säen, ernten, säen: Im Kreislauf der Natur
In der Jungsteinzeit sammeln unsere Vorfahren Samen und stecken sie in die Erde. Aus der Saat wächst eine Pflanze, deren Früchte geerntet werden. Die Menschen legen Vorräte an und ernähren davon sich und ihre Haustiere. Einen Teil der Ernte behalten sie für die nächste Aussaat zurück - und nutzen so den Kreislauf der Natur, ein bis heute ungebrochenes Grundprinzip landwirtschaftlicher Produktion.

In diesem Zyklus bestimmen die wechselnden Jahreszeiten, wann das Feld vorbereitet, wann gesät und wann geerntet wird. Jede Arbeit erfordert bestimmte Geräte und Werkzeuge und jedes davon hat seine Zeit. Das gilt auch noch für die modernen Maschinen, welche die Arbeit von Hand ersetzt haben.

Die Bestellung des Feldes

Nach dem Pflügen werden die Erdschollen mit einer Egge zerkleinert. Die scharfen Zinken verfeinern und ebnen den Acker und werden manchmal auch zur Vorbereitung des Saatbettes oder zur Einarbeitung der Saat verwendet. Danach wird das Erdreich mit Walzen gefestigt. Die Aussaat findet entweder bereits im Herbst oder im darauf folgenden Frühjahr statt. Diese Arbeit erfolgte lange Zeit per Hand. Säkorb, Sätuch oder Säschaff, Haue sowie Setzhölzer waren die Hauptutensilien. Erst im 20. Jahrhundert wurden sie endgültig durch Sämaschinen abgelöst.

Die Brandfurkel (Brandegge) wurde in der Brandwirtschaft verwendet, die in einzelnen Bergregionen der Steiermark noch bis nach dem Zweiten Weltkrieg betrieben wurde. Dabei wurde durch das Abbrennen von Gestrüpp und jungen Bäumen auf den Hängen Ackerland gewonnen, auf dem Roggen oder Gerste gesät wurde, die Asche diente als natürlicher Dünger. In den sechs bis zehn Folgejahren nutzte man die Fläche als Viehweide, bis der Vorgang von neuem begann.

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Nicht nur Lebensmittel: Rohstoffe aus der Landwirtschaft
Die grundlegende Aufgabe der Landwirtschaft. besteht darin, Menschen mit Lebensmitteln zu versorgen. Aber sie liefert auch Rohstoffe für unterschiedlichste Industriezweige und damit die Grundlage für viele Erzeugnisse. Rohstoffe aus der Landwirtschaft finden sich überall: im Treibstoff, im Plastiksackerl, im Heftpflaster oder im Kinderspielzeug.

Wissenschaftliche Erkenntnisse haben die Züchtung von Pflanzen und Tieren stark verändert: Sie sind widerstandsfähiger geworden und bringen höhere Erträge, zugleich jedoch geht die ökologische Viel- falt verloren. In den letzten Jahrzehnten sind viele Nutzpflanzen und Nutztiere aus der Landwirtschaft verschwunden. Heute bemüht man sich, sie wieder einzuführen, um eine große Artenvielfalt für eine nachhaltige Zucht zu haben.

Hafer (Avena sativa L.)
Familie: Getreidearten (Echte Gräser)
Arten: Kulturhafer (als Winter- und Sommerhafer), Rauhhafer, Byzantinischer Hafer
Beschreibung: einjähriges, selbstbefruchtendes Rispengras, 0,5-1,5 m hoch
Inhaltsstoffe: 12 % Rohprotein, 5-6 % Fett, 60 % Kohlenhydrate (u. a. cholesterinsenkende Glukane), 2,5-3 % Mineralstoffe (höchster Mineralstoffgehalt aller Getreidearten), 12-13 % Wasser, Phytosterine, Provitamin A, Bl, B2, BE, viele Spurenelemente (u. a. Zink und Selen)
Anbaugebiete in Europa: Russland, Polen, Spanien, Finnland, Schweden, Deutschland, Großbritannien, Ukraine, Österreich
Verwendung: Haferflocken, Hafermehl (für Suppen, Backwaren, Snacks), Haferfleks für diätische Ernährung,
Chemikalie (Furfural aus Haferspelzen)
WISSENSWERTES: Hafer muss vor der Nutzung entspelzt werden.

Weizen (Triticum aestivum L.)
Familie: Getreidearten (Echte Gräser)
Arten: Weichweizen, Hartweizen, Dinkel, Emmer, Einkorn
Beschreibung: Blütenstand ist eine Ähre, Korn ist eine Grasfrucht bei Hart- und Weichweizen ohne Spelzen, Winter- und Sommerweizen, bei Einkorn nur Sommerform
Inhaltsstoffe: 68-78 % Kohlenhydrate, 8-17 % Klebereiweiß, 2-3,3 % Fett, 12,7 % Ballaststoffe (Rohfaser), 1,7-2 % Mineralstoffe, 12-14 % Wasser
Anbaugebiete in Europa: Frankreich, Deutschland, Spanien, Österreich
Verwendung: Mehle für alle Brotsorten, Flocken, Grieße und Dunste für alle Teigwaren, Weizenkleie für Vollkornprodukte, Tierfutter, Weizenkeime für Biermalz, Malzerzeugnisse, Backzusätze, Weizenkeimöl, Weizenstärke für Lebensmittel, Industrieprodukte, Papiererzeugung, Wellpappe, Klebstoffe, Bioplastik, Verbundmaterialien, Sirupe, Athanol, Biosprit, Whisky Weizenkleber für Klebstoffe, Biopolymere, Verpackungsstoffe
WISSENSWERTES: Weizen wird auf allen Kontinenten angebaut.

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Was ist eine Agrarlandschaft?
Der starke Wechsel von Feldern, Wiesen und Weingärten prägt das Bild der Steiermark: Berge, Hügel, Wälder und Seen lassen keine großflächige Feldwirtschaft zu. Boden, Klima und natürliche Vegetation bestimmen, wie Bäuerinnen und Bauern eine Landschaft bewirt- schaften, welche Tiere sie halten und welchen Ertrag sie erzielen. So braucht z. B. die Milchwirtschaft weit- läufige Weideflächen; für den Weinbau eignet sich ein anderer Boden und ein anderes Klima als für den Anbau von Feldfrüchten.

Mit ihrer Arbeit formen die Landwirte die Land- schaft zu einer Agrarlandschaft, die das Aussehen der Kulturlandschaften prägt. Viele Landwirte haben es sich auch zur Aufgabe gemacht, das ökologische Gleichgewicht aufrecht zu halten und ihre Flächen so zu bestellen, dass sie auch zukünftigen Generationen Lebensmittel liefern können.

Käfer- oder Feuerbohne (Phaseolus coccineus L.)
Familie: Schmetterlingsgewächse (Hülsenfrüchtler)
Arten: eigene Gruppe innerhalb der 400 Phaseolusarten
Beschreibung: mehrjährige, rankende, krautige Pflanze, mit bis über 5 m langen Stängeln; um hohe Ertragsfähigkeit zu nutzen werden eine Stützfrucht (Mais) oder Stangengerüste benötigt
Inhaltsstoffe: 15-18 % Rohprotein, 1,8-2,9 % Rohfett, 65-70% Kohlenhydrate, 5-6 % Rohfaser, 2,8-3,5 % Mineralstoffe, 9-10 % Wasser
Anbaugebiete in Europa: Portugal, Serbien, Kroatien, Spanien, Slowenien, Österreich
Verwendung: Trockenkäferbohnen, Konserven, Spezialprodukte
WISSENSWERTES: Ihre leuchtend roten Blüten gaben ihr den Namen Feuerbohne.

Ölkürbis (Cucurbita L., pepo L. var. oleifera)
Familie: Kürbisgewächse (Gattung umfasst 118 Arten)
Beschreibung: fremdbefruchtende, krautige Pflanze mit bis zu 10 m langen Stängeln, sehr große Blätter, Blüten sind getrenntgeschlechtlich, Frucht ist eine bis zu 4 kg schwere Beere, einfärbig, gelb bis dunkelgrün gestreift, bildet 250-600 hellgrüne Samenkörner
Inhaltsstoffe der Körner: 42-53 % Fett, 30-35 % Eiweiß, ungesättigte Fettsäuren (Linplensäure 50-70 %,
Oleinsäure 15-20 %), Vitamin E (50 mg/100 g], Vitamin A, B1, B2, C; Niacin, Pantothensäure, Pyroxin, Biotin
Anbaugebiete in Europa: Österreich, Ungarn, Rumänien, Kroatien, Russland
Verwendung: Kernöl, Knabberkerne, Reformwaren, cholesterinfreie Diätnahrungsmittel, Prostata-Medikamente,
Presskuchen als eiweißreiches Futtermittel
WISSENSWERTES: Der steirische Ölkürbis (Cucurbita pepo var. Styriaca) ist eine Sonderform ohne verdickte Samenschale.

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Wer macht die Arbeit?
Das Feudalsystem des Mittelalters band die Bauern in einem unfreien Verhältnis an einen Grundherrn. Ihm mussten sie in Form von Naturalien und Arbeiten Abgaben leisten. Erst im Revolutionsjahr 1848 gehen Grund und Boden in den Besitz der Bauern über. Nun arbeitet unter einem Bauern eine manchmal beachtliche Zahl an Knechten und Mägden - eine neue Hierarchie entsteht. Jedem Mann und jeder Frau am Hof sind bestimmte, von einander getrennte Aufgaben zu- geteilt. Wenn Not am Mann ist, arbeiten alle zusammen.

Der steigende Einsatz von Maschinen führt in der Mitte des 20. Jahrhunderts zu einer erneuten Wende: Immer weniger Arbeiten werden von Hand erledigt, die Zahl der Dienstboten geht stark zurück. Für die Zeiten, in denen viel Arbeit anfällt, z.B. für die Ernte, engagieren die Bauern heute Saisonarbeiter.

Hopfen (Humulus lupulus)
Familie: Hanfgewächse
Beschreibung: Pflanze bildet rechtswindende Reben, Blütenstand ist eine Dolde (auch Hopfenzapfen genannt), nur weibliche Pflanzen sind nutzbar, Pflanzen benötigen 3-4 m hohe Anbaugerüste für die mehrtriebigen Reben
Inhaltsstoffe: ätherische Öle (Myrcen, Humulen, Terepene), Harze mit Hopfenbittersäuren (Homulon, Lupulon)
Anbaugebiete in Europa: Deutschland, Tschechien, Großbritannien, Polen, Spanien, Bulgarien, Slowenien, Österreich
Verwendung: Pellets aus gepressten Blütendolden für die Bierherstellung, Hopfenflüssigextrakte, Hopfenpulver,
Medikamente Fasermaterial für Stricke, Matten, Säcke
WISSENSWERTES: Hopfen produziert in den Drüsenhaaren der Blütenstände ätherische Öle und Harze.

Sojabohne (Glycine max (L.) Merr.)
Familie: Schmetterlingsblütler
Beschreibung: einjährige, borstig behaarte, tief wurzelnde Pflanze; lebt in Symbiose mit Knöllchenbakterien, die Stickstoff aus der Luft binden können; nach Selbstbestäubung der unscheinbaren Blüten wachsen kurze, braungelbe Hülsen mit 2 bis 3 runden weißen, gelben oder schwarzbraunen Samen
Inhaltsstoffe: 33-45 % Eiweiß, 18-21 % Fett, 6-8 % Kohlenhydrate, 22 %Ballaststoffe, 4-5 % Mineralstoffe, 8-10 % Wasser
Anbaugebiete in Europa: Italien, Serbien, Rumänien, Ungarn, Österreich
Verwendung: Gemüse, Sojasprossen, Sojamehl, Sojamilch, Kunstfleisch (TVP, textured vegetable protein),
fermentierte Produkte wie Tempeh, Tofu, Miso, Sufu; Zusatzstoff für Brot und Suppen, Sojaöl, Sojaschrot aus Sojapresskuchen als Futtermittel, in Medikamenten als Phytoöstrogen
WISSENSWERTES: Soja ist als Eiweiß- und Ölpflanze nutzbar und an fast alle Klimagebiete angepasst.

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Wer prägt das Bild vom Bauern?
Kunst und Literatur zeigen das Bild der Bauern in der Öffentlichkeit und spiegeln zugleich über Epochen hinweg deren gesellschaftliche Stellung. Bilder und Schriften des Mittelalters beschreiben die Bauern als einfältige und rohe Menschen. Bis zum ausgehenden 19. Jahrhundert wandelt sich das Bild: naturverbunden, fleißig, fromm sollen sie nun sein. Maler und Schriftsteller bemühen sich, die Lebens- und Arbeitsverhältnisse realitätsnah darzustellen.
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wird der Bauer wiederum zum Ernährer der Nation empor- gehoben.
Heute sind es die modernen Medien, die uns Bilder von Bauer und Bäuerin liefern. Sie reichen vom modernen Ökologen bis hin zur bodenständigen Betriebsleiterin. Sie sind nach wie vor vielfältig und widersprüchlich und bewegen sich zwischen Klischee und Realität.

Wein (Vvitis vinifera L. ssp. vinifera)
Familie: Rebengewächse
Arten: 7 Arten, darunter die Edelrebe
Beschreibung: Weinrebeist eine Liane; die Blüten sind zwitterblütig, die nach Fremdbefruchtung Beeren ausbilden; die Fruchtstände heißen Traube, sind aber botanisch den Rispen zuzuordnen
Inhaltsstoffe: 100 g Beeren enthalten 81 g Wasser, 0,68 g Protein, 0,28 g Fett, 15,2 % Kohlenhydrate (Traubenzucker), 1,5 g Ballaststoffe, 480 mg Mineralstoffe, 350 mg organische Säuren, Vitamine B1, B2, C, Nicotinamid
Anbaugebiete in Europa: Italien, Frankreich, Spanien, Deutschland, Portugal, Rumänien, Griechenland, Ungarn, Österreich
Verwendung: Weißwein, Rotwein, Champagner, Grappa, Sekt, Weinbrand, Traubensaft, Rosinen, Traubenkernöl,
Traubenkernmehl, Kosmetika, Weinstein
WISSENSWERTES: Die Edelrebe ist mit ca. 8000 Sorten weltweit verbreitet.

Mais (Zea maysL.)
Familie: Getreidearten (Echte Gräser)
Arten: Hart-, Zahn-, Weichmais, Stärke-, Zucker-, Puffmais, Wachsmais
Beschreibung: einjährige, fremdbefruchtete Pflanze, bis zu 2,5 m hoch, männliche Rispe mit Pollen, weiblicher Kolben mit Narbenfäden, Körner weiß, goldgelb, rot, schwarzviolett
Inhaltsstoffe: 62-75 % Kohlenhydrate, 3-5 % Fett, 8-10 % Rohfaser, 3-5 % Mineralstoffe und Vitamine (Magnesium, Eisen, Calzium, Selen, Zink, enthält als einzige Getreideart Antioxidative Carotinoide und
Protease-Inhibitoren), 8-11 % Wasser
Anbaugebiete in Europa: Frankreich, Rumänien, Italien, Ungarn, Spanien, Deutschland
Verwendung: Mehl, Grieß, Maisstärke, Glukosesirup, Maiskeimöl, Cornflakes, Popcorn, Polenta, Maispapier,
Tierfutter, Biogas, Äthanolkraftstoff, Biopolymere für Verpackungen, Teller, Bestecke, Behälter
WISSENSWERTES: Mais ist das am häufigsten angebaute Getreide weltweit.

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Roggen (Secale cereale L.)
Familie: Getreidearten (Echte Gräser)
Arten: Saatroggen (Winter- und Sommerform), Waldstaudenroggen
Beschreibung: anspruchsloses, ein- bis zweijähriges Ährengras, 1,5 bis 2 m hoch mit begrannten Deckspelzen, charakteristische grüne Farbe
Inhaltsstoffe: 8,8-12,1 % Rohprotein, 1,7-2,5 % Fett, 60,7-65,2 % Kohlenhydrate (davon 52-55 % Stärke), 9,5-13,1 % Ballaststoffe, 1,9-2,2 % Mineralstoffe, Vitamine, 12-14 % Wasser
Anbaugebiete in Europa: Russland, Deutschland, Polen, Weißrussland, Ukraine, Spanien, Österreich
Verwendung: Brotbereitung, Kornbranntwein, Whisky, Grünfutter, Roggenschrot als Mischzusatz für Tiernahrung, Biogas
WISSENSWERTES: Wegen begrenzter Nutzbarkeit macht Roggen nur 1 % der Weltgetreideernte aus.

Triticale (x Triticosecale)
Familie: Getreidearten (Echte Gräser)
Arten: Sommer- und Winterformen
Beschreibung: Pflanzentyp ist im Feldbestand wie Weizen, Ähren sind dem Roggen ähnlich, Körner sind in Form, Aussehen und Inhaltsstoffen jedoch verschieden
Inhaltsstoffe: 11-13 % Rohprotein, 2-2,5% Fett, 61-67 % Kohlenhydrate (vorwiegend Stärke), 6-7 % Ballaststoffe, 1,6-2,1 % Mineralstoffe, 11-13 % Wasser, Vitamine
Anbaugebiete in Europa: Polen, Deutschland, Frankreich, Weißrussland, Ungarn, Schweden, Dänemark, Österreich
Verwendung: Vollkornmischbrote, Kekse, Kleingebäck, Tiertrockenfutter, Äthanolkraftstoff, Biogas
WISSENSWERTES: Triticale ist eine künstliche Kreuzung von Weizen und Roggen.

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Gerste (Hordeum vulgare L.)
Familie: Getreidearten (Echte Gräser)
Arten: Winter- und Sommerformen
Beschreibung: Selbstbefruchter, zwei- oder mehrzeilige Ähre; viele Sorten haben bei geringer Halmlänge
überhängende Ähren
Inhaltsstoffe: 9-14 % Rohprotein, 1,5-2,3 % Fett, 60-68 %Stärke, 9-20 % Ballaststoffe, 1,9-2,5 % Mineralstoffe, 12-14 % Wasser, Vitamine
Anbaugebiete in Europa: Russland, Polen, Deutschland, Dänemark, Österreich
Verwendung: Gerstenschrot als Viehfutter, Malz zur Biererzeugung, Graupen, Rollgerste, Fladenbrote, Diätnahrungsmittel, Whisky, Branntwein, Nacktgerste als Kaffeeersatz
WISSENSWERTES: Gerste ist das älteste Kulturgetreide.

Dinkel- oder Spelzweizen (Triticum aestivum L. em Thell ssp. Spelta T.)
Familie: Getreidearten (Echte Gräser)
Art: bespelzte Form des Saatweizens, nur Wintertypen
Beschreibung: anspruchslose Weizenart, spindelbrüchig, sehr langhalmig, lagerungsanfällig, geringer Kornertrag, wenig krankheitsanfällig; Körner müssen vor der Vermahlung entspelzt werden
Inhaltsstoffe: 11-17 % Rohprotein, 58-65 % Kohlenhydrate, 12-14 % Wasser, 1-2 % Mineralstoffe, Spurenelemente, Vitamine B1, B2, Pantothensäure
Anbaugebiete in Europa: Schweiz, Süddeutschland, Österreich, Slowenien, Kroatien
Verwendung: Weiß- und Vollkornmehl für Dinkelbrote, Handgebäcke, Feingebäcke, Dinkelschrot, Dinkelgrieß als Kindernahrungsmittel und Kaffeeersatz, Spelzen für Polsterfüllungen, Stroh für Handarbeiten, milchreife Ähren werden gedörrt, entspelzt und als Grünkern in Form von Graupen, Grieß oder Mehl für Suppeneinlagen benutzt
WISSENSWERTES: Dinkel hat einen hohen Gehalt an Magnesium.

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Knecht
Das bäuerliche Arbeitsjahr begann mit Maria Lichtmess am 2. Februar. Die Dienstboten wurden üblicherweise für ein Jahr auf einem Hof eingestellt. Beim Ackerbau gab es, saisonal bedingt, auch arbeitsintensivere Zeiten, die mit Tagelöhnern abgedeckt wurden. Wurde der Dienstbote nicht weiter beschäftigt, musste er mit seinem Hab und Gut, das er in einer Truhe bei sich trug, bei einem anderen Bauern vorstellig werden.

Unter dem Gesinde standen die Knechte über den Mägden. Sie hatten schwere Arbeiten zu verrichten, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Die erfahrenen Knechte waren besser gestellt als die Jungknechte, die oft unter Schikanen der Älteren litten. Der ranghöchste Knecht war der Großknecht. Seine Zuständigkeit umfasste die Arbeitseinteilung der Knechte, wobei er auch selbst vorarbeitete. Bei der gemeinsamen Mahlzeit war er der erste vom Gesinde, der in die Schüssel langen durfte.

Schleifstein Anfang 20. Jh.
Arbeitskleidung eines Knechts: Hemd, Hosenträger, Lodenhose und Schuhe Anfang 20. Jh.

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Magd
Der Dienstantritt auf einem Hof kam einer Aufnahme in die Familiengemeinschaft gleich. Dienstboten begannen in der Regel im Alter von vierzehn Jahren zu arbeiten, manchmal waren sie aber wesentlich jünger. Bauer und Bäuerin übernahmen die Rolle der Erzieher.

Die Arbeitszeit der Mägde war generell höher als die der Knechte, dennoch verdienten sie ein Drittel bis die Hälfte weniger. Mägde versorgten nicht nur den Haushalt, sie hatten auch Dienste im Stall und am Feld zu verrichten. Ihre Abendstunden verbrachten sie häufig mit Hand- und Flickarbeiten. Wollten sie weggehen, mussten sie die Bäuerin um Erlaubnis bitten. Die Zahl lediger Kinder war hoch, zumeist mussten die Frauen die Verantwortung für sie tragen. Die Stellung der Magd war stark an die Gunst der Bäuerin gebunden, die Eifer und Gehorsam mit Geschenken wie Bettwäsche oder Leinen belohnte.

Truhe: Ende 19. Jh.
Arbeitskleidung einer Magd: Arbeitsdirndl, Schürze, Kopftuch und Holzzockel 1. H. 20. Jh.

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Romeo und Julia auf dem Dorfe - Gottfried Keller
Mit Illustrationen von Ludwig Bock, München: Rösl & Cie. 1921

Das von William Shakespeare aus dem Ende des 16. Jahrhunderts stammende Drama um Romeo und Julia wurde von Gottfried Keller in das bäuerliche Milieu übertragen. Kellers Novelle erschien 1856 und beschreibt die tragische Liebe zweier Bauernkinder, deren Familien über den Streit um einen Acker in Feindschaft zugrunde gehen.

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Als ich noch der Waldbauernbub war - Peter Rosegger
3 Bde., Leipzig: Staackmann 1914

Die von Roseggers Kindheit in der Waldheimat erzählenden Geschichten erschienen 1902. Rosegger verfolgt keine realistische Darstellung der Wirklichkeit, sondern bekennt sich zur Heimatdichtung. Lebens- und Arbeitsbedingungen der Bauern und Naturerlebnis werden zu einer kindlichen Idylle verklärt.

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Bauernhöfe: funktionelle Architektur in der Landschaft
Der Hof ist eine in sich geschlossene Produktionsstätte. Jeder Teil des Hauses und der umliegenden Gebäude hat eine Funktion, die auf die anderen Räume abgestimmt ist. Dies soll unnötige Wege vermeiden sowie die Abläufe einfach und reibungslos gestalten.

Bauernhöfe prägen das Bild ländlicher Siedlungen. Hofformen, architektonische Besonderheiten und Materialien unterscheiden sich von Gegend zu Gegend, angepasst an die jeweilige Landschaft. Mit dem Einzug der Maschinen hat sich auch das Aussehen der Höfe gewandelt. Sie wurden um- oder neugebaut. Gerätehallen und Silos entstanden. Darüber hinaus setzen einige landwirtschaftliche Bauten der Gegenwart maßgebliche Akzente in moderner Architektur.

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Was wird am Hof erzeugt?
Lange Zeit wurde am Hof alles produziert, was die Bauernfamilie und ihre Dienstboten für das tägliche Leben brauchten: Lebensmittel, Kleidung und Werkzeug. Was man aus Feld und Vieh gewann, wurde direkt am Hof verarbeitet und bestimmte, was auf den Tisch kam. Deshalb - und wegen der verschiedenen Feuerstätten - unterschied sich die Kost der Bauern zwischen dem Südosten und dem Nordwesten der Steiermark.

Durch die Globalisierung im 20. Jahrhundert hat sich dieses Bild verändert. Heute sind Landwirtschaftsbetriebe hoch spezialisiert und produzieren unter strengen Bestimmungen und Kontrollen. Der Großteil ihrer Rohstoffe wird in Fachbetrieben verarbeitet.

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Erzherzog Johann: Modelle des Fortschritts
Über Jahrhunderte haben sich die Arbeitsweisen und verwendeten Geräte in der Landwirtschaft kaum verändert. Erst der technische Fortschritt im 19. Jahrhundert bringt eine fundamentale Umwälzung. Dazu beigetragen hat ein nachhaltiger Förderer der steirischen Landwirtschaft: Erzherzog Johann. Um die Arbeit der Bauern zu erleichtern und den Ertrag zu steigern, bemüht er sich, neue Mittel und Methoden einzuführen. Er gründet die steirische „k.k. Landwirtschaftsgesellschaft“, lässt landwirt- schaftliche Musterbetriebe anlegen und Modelle von modernen landwirtschaftlichen Geräten anfertigen. Damit sollen die neuen Ideen verbreitet werden.

Bis heute werden die landwirtschaftlichen Maschinen immer größer und leistungsfähiger - viele verdichten dadurch auf Dauer die Böden. Deshalb suchen immer mehr Landwirte nach einer Balance zwischen Produktivität und Ökologie, zwischen technischem Fortschritt und Einklang mit der Natur.

Die Modelle Erzherzog Johanns

Erzherzog Johann lernte 1815/16 auf seiner Reise nach England und in die Niederlande auch deren fortschrittliche landwirtschaftliche Verhältnisse kennen. Um die Modernisierung von landwirtschaftlichen Maschinen und Geräten in der Steiermark zu forcieren, regte er zum Bau von Modellen an. Begabte und interessierte Mitglieder der Landwirtschaftsgesellschaft stellten die Modelle her, um so den Bauern Verbesserungsvorschläge zugänglich zu machen. Die Gesellschaft baute auf diese Weise eine umfangreiche, laufend ergänzte Lehr- und Schausammlung auf.

Schloss Stainz, November 2022

linke Seite: Kartoffel- und Rübenreinigungsmaschine mit Aufsatz, 1. H. 19. Jh.

Presse mit beweglicher Holzschraube, 1. H. 19. Jh.
Obstpresse, 1. H. 19. Jh.

Dreschstampfe 1. H. 19. Jh.

rechte Seite: Wagen mit geflochtenem Korb, 1. H. 19. Jh.

Apfelmühle, 1. H. 19. Jh.
Traubenquetschmaschine 1. H. 19. Jh.

Bentall'sche Musmaschine (Rübenschneidemaschine) gefertigt von A. Burg Wien 1. H. 19. Jh.
Getreidewinde gefertigt von Caspar Allmoslechner, 1818

Schloss Stainz, November 2022

Was ist Forstwirtschaft?
Wo Bauern heute Felder bearbeiten und Vieh weiden lassen, standen ursprünglich Wälder; sie wurden gerodet, um Flächen für die Landwirtschaft zu gewinnen. Heute befindet sich der Großteil der steirischen Wälder in Privatbesitz, bewirtschaftet nach den Kriterien der Nachhaltigkeit.

Forstwirte verfügen über umfangreiches Wissen in Waldbau und über die ökologische Bedeutung des Waldes. In ihrer Ausbildung lernen sie viel über den multifunktionalen Nutzen der Wälder, über Ökologie und Pflege der Waldflächen - der Großteil des steirischen Waldes wird nachhaltig genutzt. Forstwirte nutzen und pflegen die Wälder so, dass sie daraus Holz gewinnen und zugleich den Wirtschafts-, Natur- und Lebensraum Wald für die Zukunft erhalten.

Waldregeln
Der Wald beherbergt einen großen Reichtum an Tieren, Pflanzen und Biotopen und stellt ein großes Kapital für unsere Umwelt und Volkswirtschaft dar. Grundsätzlich herrscht allgemeines Betretungsrecht auf markierten Wegen, jedoch können die Waldeigentümer dieses einschränken. Wenn beispielsweise Bäume geschlägert werden, muss das betroffene Gebiet gekennzeichnet werden, um Unfälle zu vermeiden. Auch Jagdgebiete können mit entsprechenden Hinweisen versehen sein. Die Jungpflanzen eines Aufforstungsgebietes werden häufig durch Zutrittsverbote geschützt. Aber auch das Sammeln von Beeren und Pilzen kann durch den Eigentümer eingeschränkt werden.

Das Ökosystem Wald reagiert sehr sensibel auf Eingriffe von außen. Deshalb braucht es Verhaltensregeln - und schon jedes Kind weiß, dass man im Wald keinen Lärm macht, keinen Müll wegwirft, die Wege nicht verlässt und Hunde an die Leine nimmt.

Schloss Stainz, November 2022

Was wird aus Holz gemacht?
Treppen, Geigen, Fußböden, Dämmplatten, Papier, Holzspritzguss und Hackschnitzel: Holz ist einer der wichtigsten Rohstoffe der Menschheit. Im 19. Jahrhundert bestanden Bauernhöfe und ihre Einrichtung fast aus Holz, ebenso viele Geräte, wie Dreschflegel, Rechen oder Pflüge. Holzknechte schlugen das Holz meist im Winter aus den Wäldern ihres Bauern.

Heute macht man sich die Vielfalt an Eigenschaften, Strukturen und Farben dieses einzigartigen Materials zunutze - in einer schier unendlichen Palette an Materialien und Produkten. Und man nutzt es als umweltfreundlichen Energieträger zum Heizen von Häusern und in der Industrie.

Schloss Stainz, November 2022

Mehr als eine Ansammlung von Bäumen...
Mehr als 61 % der Steiermark sind von Wald bedeckt, sie hat den größten Waldanteil unter den österreichischen Bundesländern. Ihr zweiter Name - die „Grüne Mark" - zeigt die große Bedeutung, die der Wald für
das Land hat. Wälder liefern Holz und sind somit ein Wirtschaftsfaktor. Wälder beherbergen zudem mehr Tier- und Pflanzenarten als alle anderen Lebensräume an Land zusammen.

Grundsätzlich erfüllt der Wald vier verschiedene Funktionen:
Nutzwirkung: das ist insbesondere die wirtschaftlich nachhaltige Hervorbringung des Rohstoffes Holz, Schutzwirkung: das ist insbesondere der Schutz vor Elementargefahren wie Lawinen und Muren
die Wohlfahrtswirkung: er produziert lebenswichtigen Sauerstoff,
die Erholungswirkung: er ist ein Ort der Freizeit und Erholung.
Eine der wichtigsten Aufgaben der Forstwirte ist es, ein Gleichgewicht zwischen den unterschiedlichen Interessen an Wald herzustellen.

Schloss Stainz, November 2022

Dr. Jakob Rosolenz (geb. um 1570 - gest. 1629)
1596-1629 Probst des Augustiner Chorherrn Stiftes Stainz
1612-1615 Hofkammerpräsident von Innerösterreich, Sanierung und Umbau des Stiftes, Erbauer dieses Stiegenaufganges
1965-1966 Stiege erneuert durch die Marktgemeinde Stainz unter Bgm. Dr. Johann Neubauer

Schloss Stainz, November 2022

Jakob-Rosolenz Stiege
Probst Jakob Rosolenz lässt eine direkte Verbindung des Marktes mit dem Schloss Stainz errichten.
Jakob Rosolenz, Weltgeistlicher aus dem Kurfürstentum Köln und Pfarrer von Leibnitz, reformiert 1596-1629 das Stift Stainz in religiöser und wirtschaftlicher Hinsicht. Er beginnt den Neubau von Kirche und Kloster und erwirbt zahlreiche Besitzungen in der Umgebung und lässt den Schenkkeller - einen Getreidespeicher zur Lagerung des Zehents (Steuer) - bauen. Auch der Markt erreicht eine wirtschaftliche Blüte. Unter anderem gibt Propst Rosolenz den Bürgerinnen und Bürgern die niedere und hohe Gerichtsbarkeit zurück.

Ausgeführt wurde die Jakob-Rosolenz-Stiege mit dem Naturstein Stainzer Hartgneis, bekannt als Stainzer Platte, der noch heute in Stainz und der Region gebrochen wird. Im Markt findet man  die Stainzer Platte am Hauptplatz, Rathausplatz und Sparkassenplatz wieder.

Jakob-Rosolenz- Stiege, 1605
2 barocke Gartentürme 2. V. 18. Jh., 8-eckig mit laternenartigen Aufsätzen

Schloss Stainz, November 2022

Stainz ist eine Marktgemeinde mit knapp 9000 Einwohnern im Bezirk Deutschlandsberg in der Steiermark (Österreich).

Schloss Stainz, November 2022

Rathaus der Marktgemeinde Stainz am Hauptplatz

Schloss Stainz, November 2022

Hauptplatz mit Mariensäule und Hotel und Restaurant Schilcherlandhof & Winzerhaus Sierling Eins

Schloss Stainz, November 2022

Mariensäule: Das Denkmal besteht aus einer 2,40 m. großen Barock-Statue der hl. Maria mit dem Jesuskind - die beide Kronen aus vergoldetem Messing tragen - aus der Zeit um 1730. Die Mariensäule soll aus dem Park des nicht mehr existierenden Schlosses Herbersdorf stammen, jedoch auch eine Herkunft aus dem Bestand des Schlosses Stainz wird für möglich gehalten.

Seit dem Jahr 1956 steht die Mariensäule am Stainzer Hauptplatz. Die bisher dort aufgestellte Marienstatue wurde zunächst deponiert und danach am nördlichen Nebeneingang der Pfarrkirche in der Anlage von Schloss Stainz aufgestellt.

Schloss Stainz, November 2022

Der Schilcherlandhof liegt im Herzen des wunderschönen Schilcherlandes in der Weststeiermark und beeindruckt mit Gemütlichkeit und bester Kulinarik. Bei schönem Wetter kann ma auch im hauseigenen Gastgarten entspannen und die Seele baumeln lassen. Für Feierlichkeiten und Hochzeiten bietet das Winzerhaus Sierling Eins das beste Ambiente.

Schloss Stainz, November 2022

So zumindest die Eigenbeschreibung der Lokalität.

Schloss Stainz, November 2022

Stainz hat keinen Bahnanschluss - den Stainzer Flascherlzug mal ausgenommen - aber immerhin Bushaltestellen. Und gegen einen Autobus ist auch nichts einzuwenden. Selbst wenn er nicht pünktlich fährt.

Schloss Stainz, November 2022



Wem der viele Text zu lange war und lieber Bewegtbilder mit Musik mag, kann sich gerne dieses Video antun: