Schloss Ambras Innsbruck

Kunstmuseum, Oktober 2024

Unter der Bezeichnung Schloss Ambras Innsbruck wird Schloss Ambras bei Innsbruck als Kunstmuseum vermarktet. Es ist das einzige außerhalb der Bundeshauptstadt Wien befindliche Bundesmuseum der Republik Österreich. Verwaltungsmäßig ist es dem Kunsthistorischen Museum Wien (KHM) zugeordnet und gehört zum KHM-Museumsverband. Schloss Ambras ist eine dreiteilige Renaissance-Schlossanlage, bestehend aus dem Ambraser Unterschloss, dem Ambraser Hochschloss sowie dem Spanischen Saal. Im Kern beinhaltet es die Sammlungen eines des bedeutendsten Sammlers der Habsburgerdynastie: Erzherzog Ferdinand II. (1529–1595).

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

Der Renaissancefürst Erzherzog Ferdinand II. (1529-1595) war der Sohn Kaiser Ferdinands I. Zunächst residierte er als Statthalter im Königreich Böhmen und war dann fast dreißig Jahre lang Landesfürst von Tirol. Er ließ die mittelalterliche Burg Ambras als Geschenk für seine Frau Philippine Welser (1527-1580) zum prachtvollen Renaissanceschloss ausbauen und lebte hier ab 1567 (heute Hochschloss).

Ferdinand II. war eine der bedeutendsten Sammlerpersönlichkeiten seiner Zeit. Unterhalb des Hochschlosses entstand ein zusätzliches Gebäude für seine reichhaltige Bibliothek, seine Rüstkammern und die berühmte Kunst- und Wunderkammer (heute Unterschloss). Die Anlage wurde schon damals als „Museum" bezeichnet und war eine der frühesten ausdrücklich für diesen Zweck errichteten Bauten. Bis heute befindet sich ein Teil von Ferdinands Sammlungen am ursprünglichen Bestimmungsort auf Schloss Ambras Innsbruck. Auf diese Weise ist das Unterschloss bis in unsere Zeit selbst zum Renaissance-Exponat geworden: das erste Museum der Welt!

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

ZWEI FELDHARNISCHE
NÜRNBERG, UM 1515 UND UM 1520/25, EISEN
 WIEN, KUNSTHISTORISCHES MUSEUM, HOFJAGD- UND RÜSTKAMMER
Der Riefelharnisch ist die typische Rüstung der süddeutschen und österreichischen Kavallerie des frühen 16. Jahrunderts. Die Fältelung der Feldharnische ahmt plissierte textile Stoffe nach und erhöht damit die Festigkeit der Rüstung.

KINDERHARNISCH VON KÖNIG LUDWIG II. VON UNGARN
KONRAD SEUSENHOFER, INNSBRUCK, 1515, EISEN
WIEN, KUNSTHISTORISCHES MUSEUM, HOFJAGD- UND RÜSTKAMMER
Erzherzog Ferdinand II. nahm diesen Knabenharnisch König Ludwigs II. von Ungarn (1506-1526) in seine Sammlung auf. Der junge König war 1526 in der Schlacht bei Mohács gegen die Türken gefallen - dadurch fielen die Königsreiche Ungarn und Böhmen an die Habsburger.

ERZHERZOG FERDINAND II. IN DER ADLERGARNITUR
FRANCESCO TERZIO (?), 1556-1557, ÖL AUF LEINWAND
WIEN, KUNSTHISTORISCHES MUSEUM, GEMÄLDEGALERIE (SCHLOSS AMBRAS INNSBRUCK)
Das Porträt zeigt Erzherzog Ferdinand II. in der sog. Adlergarnitur mit dem für ihn charakteristischen „Böhmischen Hut". Auf dem Tisch neben ihm liegen ein Mantelhelm mit rotem Federbusch ein Fausthandschuh sowie eine rote Schärpe. Diese militärischen Bezüge verweisen auf das Kommando Ferdinands in Ungarn gegen die Osmanen im Jahre 1556. Der Kempfküriss mit den vergoldeten Wappenadlern in Ätzdekor und setzt sich aus 87 Einzelteilen zusammen. Er wurde 1547 von Jörg Seusenhofer für Ferdinand hergestellt und war eine der teuersten Rüstungsensembles der Zeit.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

Schloss Ambras Innsbruck ist ein Renaissance-Juwel. Einen wichtigen Teil bilden die Rüstkammern mit Rüstungen, Waffen und Porträts. In der Heldenrüstkammer setzt Erzherzog Ferdinand II. eine damals neue und einzigartige Idee um: In Kästen aus Zirbenholz stellt er Rüstungen von berühmten Persönlichkeiten seiner Zeit aus, um an ihre besonderen „Heldentaten" zu erinnern. Es ist für das Zeitalter der Renaissance charakteristisch, dass das Individuum im Mittelpunkt des Interesses steht. Ferdinand stellte in seinen umfangreichen Rüstkammern neben berühmten Kriegsherren und der Habsburgerdynastie auch das ritterliche Turnier sowie nicht zuletzt sich selbst dar.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

HARNISCH ZUM FREIRENNEN, INNSBRUCK, UM 1580/90, EISEN
WIEN, KUNSTHISTORISCHES MUSEUM, HOFJAGD- UND RÜSTKAMMER
Die Größe und der vergoldete Rüsthaken des Plankengestech-Harnischs mit rot-weiß-roter Federzier lassen erkennen, dass er Erzherzog Ferdinand II. selbst gehörte. „Freiturnier" oder „Freirennen" wurde der sportliche Reiterkampf genannt, der zuerst mit scharfen Spießen und anschließend mit Schwertern ausgetragen wurde. Dazu trug man den Feldharnisch mit kleineren Verstärkungen. Der beim Freirennen übliche Sattel wurde als „Kürißsattel" bezeichnet. Die Zäumung und Schirrung aus Hanfgurten sind größtenteils original erhalten.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

SECHS HARNISCHE ZUM FREIRENNEN
ANTON PEFFENHAUSER, AUGSBURG, UM 1560/70; INNSBRUCK, UM 1560/80, EISEN
SCHLOSS AMBRAS INNSBRUCK
Anton Peffenhauser (1525-1603) war der berühmteste Plattner aus der Augsburger Werkstätte. Erzerhzog Ferdinand II. ließ bei ihm bereits zu seiner Prager Zeit Harnische anfertigen, als er Statthalter im Königreich Böhmen war (1547-1567). „Freiturnier" oder „Freirennen" wurde der sportliche Reiterkampf genannt, der zuerst mit scharfen Spießen und anschließend mit Schwertern ausgetragen wurde. Dazu trug man den Feldharnisch mit kleineren Verstärkungen.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

Die zweite Rüstkammer rückt Erzherzog Ferdinand II. als Gastgeber, Veranstalter und Regisseur höfischer Turniere und Feste in den Mittelpunkt. Die Rüstungen sind Meisterwerke Prager sowie Innsbrucker Plattnereien, wobei vor allem der Innsbrucker Jakob Topf mehrere Großaufträge erhielt. Zu sehen sind Turnierharnische für das Fußturnier, das Plankengestech und das Freiturnier. Das Fußturnier wurde zu zweit oder in einer Gruppe mit Langspießen und Schwertern auf einem eingezäunten Platz ausgefochten. Das Plankengestech verdankt seinen Namen einer hölzernen Barriere, die die Kämpfenden in Augenhöhe der Pferde trennte. Als Freiturnier bezeichnet man den sportlichen Reiterkampf, der zuerst mit scharfen Lanzen und anschließend mit stumpfen Schwertern ausgetragen wurde.

Das Zentrum der Leibrüstkammer bildet der Hochzeitsharnisch Ferdinands in antikisierendem Stil. Er trug die Prunkrüstung zu den Feierlichkeiten seiner zweiten Hochzeit mit Anna Caterina Gonzaga 1582. Die Porträts zeigen berühmte Feldherrn des 16. Jahrhunderts, deren Harnische und Waffen Ferdinand in seiner Heldenrüstkammer präsentierte.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

In der dritten Rüstkammer sind Rüstungen und Waffen aus dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) zu sehen. Dieser Krieg wurde vor allem in Deutschen Landen und in Böhmen ausgetragen. Er entstand zunächst aufgrund religiöser Gegensätze und entwickelte sich bald zu einem Kampf um die Vorherrschaft in Europa. Die Harnische und Waffen im vorderen Teil der Rüstkammer (bis zum vierten Fenster) gehen auf die erste Hälfte des Dreißigjährigen Krieges zurück. Auf der rechten Seite befinden sich Kavallerie-, auf der linken Infanteriewaffen. Der hintere Rüstkammerbereich dokumentiert die zweite Phase des Dreißigjährigen Krieges und den Beginn des Türkenkriegs 1663 unter Kaiser Leopold I. (1640-1705). Die Waffen und Rüstungen sind seit 1981 hier ausgestellt und stammen großteils aus den Beständen des ehemaligen Wiener Zeughauses. Sie machen den Unterschied von prunkvollen Einzelanfertigungen der Renaissance zu sereinmäßigem Kriegswerkzeug der Barockzeit deutlich. Zugleich führen sie das Aussehen einer barocken Zeughausaufstellung vor Augen.

Das Deckengemälde wurde 1586 von Giovanni Battista Fontana gemalt und 1880 hierher transferiert. Ursprünglich befand es sich im fürstlichen Speisesaal in einem Gebäude gegenüber des Hochschlosses (heute Terrassen-stöckl), das im 19. Jahrhundert umgebaut wurde.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

Der Ambraser Sternenhimmel ist das Resultat des Zeitgeistes der Renaissance mit dem Drang des Menschen, die ihn umgebende Natur zu entdecken und seinen Wissenshorizont zu erweitern. Das Ambraser Deckengemälde von Giovanni Battista Fontana, dem Hofmaler Erzherzog Ferdinands II., befand sich ursprünglich im heute nicht mehr erhaltenen Speisesaal.

Die Gestaltung des Gemäldes berücksichtigt zwar die Einteilung in eine nördliche und eine südliche Hemisphäre, die Personifikationen der Sternbilder sind astronomisch jedoch willkürlich angeordnet. Die Zusammenstellung folgt den Schriften des antiken Astronomen Claudius Ptolemäus: 37 Sternbilder sind vor dem himmelblauen Hintergrund dargestellt, darunter auch das „Haar der Berenike", das erst in den 1530er Jahren in die Astronomie eingeführt wurde. In den Seitenfeldern sind die damals bekannten sieben Planeten sowie in den Ecken die vier Elemente dargestellt. Die zwölf Tierkreiszeichen umlaufen in einem ovalen Band das Universum. Sternenhimmel als Dekoration waren in der Renaissance in fürstlichen Residenzen überaus beliebt.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

Am ursprünglichen Ort der Kunst- und Wunderkammer wurde im 19. Jahrhundert die Raumhöhe aufgestockt und das Deckengemälde des »Sternhimmels« (Giovanni Battista Fontana, um 1586) montiert. Heute zeigt das Museum dort seit 1981 Rüstungen und Waffen aus dem Dreißigjährigen Krieg (1618–1648), die großteils aus den Beständen des ehemaligen Wiener Zeughauses stammen. Sie machen den Unterschied von prunkvollen Einzelanfertigungen der Renaissance zu serienmäßigem Kriegswerkzeug der Barockzeit deutlich. Zugleich führen sie das Aussehen einer barocken Zeughausaufstellung vor Augen.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

Erzherzog Ferdinand II. ließ eigens für seine bereits zu Lebzeiten berühmten Sammlungen ab 1570 das sogenannte Unterschloss von Schloss Ambras errichten: eine als unregelmäßiges Fünfeck konzipierte selbständige Anlage. Es war damals einer der frühesten Bauten überhaupt, der explizit für den Verwendungszweck als Museum gedacht war. Bereits zu Ferdinands II. Lebzeiten wurde dafür der Begriff „Museum“ verwendet, wie ein Federzeichnung des Hofmalers Joris Hoefnagel belegt. Das Ambraser Unterschloss ist das einzige noch erhaltene Museumsgebäude der Renaissance, in dem sich bis heute ein Teil der Sammlungen Ferdinands II. an ihrem ursprünglichen Bestimmungsort erhalten haben und immer noch dort ausgestellt sind: Schloss Ambras ist in dieser Hinsicht das erste Museum der Welt und das Unterschloss auf diese Weise bis in unsere Zeit selbst zum Exponat geworden.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

Erzherzog Ferdinands II. Museumsidee war gänzlich neu: Er wollte von berühmten Persönlichkeiten seiner Zeit Rüstungen, die diese tatsächlich getragen hatten, sammeln. Diese Harnische präsentierte er „zum ewigen Gedächtnis“ der Feldherren in der sogenannten Heldenrüstkammer. Damit verbunden entstand das sogenannte Armamentarium Heroicum: Dieses Prachtbuch zeigt auf der einen Seite eine Darstellung des jeweiligen „Helden“ und führt auf der anderen dessen Biographie an. Zudem legte er eine enorme Sammlung an Porträts in den unterschiedlichsten Formaten von Miniatur bis Lebensgröße an. Mit dieser neuartigen Museums-Idee der Heldenrüstkammer kann Ferdinand II. als der Begründer des systematischen Sammlungswesens gelten.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

Die Kunst- und Wunderkammern der Renaissance waren enzyklopädische Sammlungen, die das gesamte Wissen ihrer Zeit zu erfassen versuchten. Bereits im 16. Jahrhundert war die Kunst- und Wunderkammer Erzherzog Ferdinands II. eine der bedeutendsten ihrer Art. Heute ist sie die einzige erhaltene Kunstkammer der Renaissance, die sich noch immer in dem für sie errichteten Gebäude befindet.

Die herausragende Sammlung umfasst außergewöhnliche Naturgegenstände und kostbare Kunstobjekte etwa aus Bergkristall und Koralle, aber auch Silber- und Goldschmiedearbeiten sowie Bronzeplastiken, Glas oder Porzellan und filigrane Drechselarbeiten aus Holz und Elfenbein oder Seidenmalereien, wissenschaftliche Instrumente und Musikinstrumente. Auch rare, exotische und außergewöhnliche Naturgegenstände sowie Porträts von Menschen oder Tieren, die als »Wunder der Natur« galten, waren begehrte Sammelstücke. Ihr heutiges Aussehen erhielt die Kunst- und Wunderkammer 1974, als sie in Anlehnung an historische Inventare hier am Ort der einstigen Bibliothek Ferdinands neu aufgestellt wurde.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

Ariadne und Bacchus, Italien, 16. Jh.
Diese Figurengruppe aus Alabaster stellt den griechischen Weingott Dionysos (röm.= Bacchus) und seine Frau Ariadne dar. Die Tochter des kretischen Königs Minos hatte Theseus geholfen, aus dem Labyrinth ihres Halbbruders Minotaurus zu entkommen. Sie floh mit ihm zusammen aus Kreta, wurde aber auf Naxos von ihm zurück gelassen, wo sich der Weingott in sie verliebte.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

Adam und Eva, Deutsch, spätes 16. Jh. (?)
Die beiden Figurengruppen sind Beispiele für die an der Anatomie geschulte Darstellung nackter Menschen in der Renaissance. Adam und Eva hatten Künstlern allerdings bereits im Mittelalter eine der wenigen Gelegenheiten geboten, Akte zu gestalten. Adam nimmt hier den Apfel des Paradieses aus Evas Hand hinter der Schulter versteckt entgegen.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

SPIEGEL, MURANO (?), 2. HÄLFTE 16. JH., SCHLOSS AMBRAS INNSBRUCK
Nach Art einer Rosette sind um ein Mittelstück 14 blattförmige Konvexspiegel strahlenförmig angeordnet, sodass eine Multiplikation des Gespiegelten erreicht wird. Die Spiegelgläser sind auf Pappe aufgelegt und mit Stanniol unterlegt. Es sind, wie im Mittelalter üblich, konvexe Rundspiegel. Erst 1516 war es zwei Glasmachern aus Murano gelungen, plane Glasspiegel herzustellen.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

KABINETTSCHRANK, AUGSBURG, ENDE 16. JAHRHUNDERT
ALABASTER, MARMOR, HOLZ, VERGOLDETE BRONZE, SCHLOSS AMBRAS INNSBRUCK
Der Kabinettschrank in Form eines zwölfachsigen, dreigeschossigen Palastes aus Alabaster und Marmor diente zur Aufbewahrung von Münzen, Kameen und Schmuck. Einer der vier Treppentürme ist abnehmbar und am Sockel versperrbar. Dahinter befindet sich ein zylinderförmiger, drehbarer Holzkasten mit 6 mal 28 übereinander liegenden Laden. Die besondere Bedeutung des Kabinettschrankes liegt in seiner Doppeldeutigkeit als kostbares Kunstwerk und raffinierter Tresor.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

ESTHER UND AHASVEROS, HANS SCHÖPFER D. A. (?), 1546-1569
ÖL AUF LEINWAND, KUNSTHISTORISCHES MUSEUM WIEN, GEMÄLDEGALERIE
1569 erbat sich Erzherzog Ferdinand II. vom Augsburger Patrizier Karl Villinger dieses Historienbild und stellte es genau an diesem Platz aus. Es zeigt die alttestamentarische Geschichte von Esther und Ahasveros. Die schöne, junge Jüdin Esther rettete ihr Volk vor den Verfolgungen Hamans, dem ersten Minister des Perserkönigs Artaxerxes (= Ahasveros). Am Ende wurde der Verschwörer hingerichtet und die Verfolgten gelangten zu hohen Ehren. Im 16. Jh. galt die Geschichte als Parallelfall zum Kampf der katholischen Kirche gegen den Protestantismus. Am linken Bildrand ist ein Profilbildnis Kaiser Maximilians I. erkennbar, der Villingers Vater zum Ritter geschlagen hatte.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

Die Ambraser Sammlung birgt eine der bedeutendsten europäischen Sammlungen an „Exotica“, von denen etwa die „Ryukyu Schale“, die einzigen außerhalb Japans erhaltenen Seidentücher aus dem 16. Jahrhundert oder eine der weltweit fünf erhaltenen Weltchronik in Form eines Fliegenwedels hervorzuheben sind. Höhepunkte der Ferdinandeischen Kunst- und Wunderkammer sind die spätmittelalterliche Skulptur aus Birnbaumholz, das „Tödlein“, der Ambraser „Schüttelkasten“, das Bildnis des Mannes mit Behinderung, die Familie der Haarmenschen, das Porträt des riesigen Ambraser Schweins, das einzige zeitgenössische Porträt von Graf Dracula oder der Ambraser Fangstuhl mit den Trinkbüchern sowie den beiden Trinkgefäßen des Ambraser Willkomm.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

Teller, Urbino, Anfang 17. Jh.
Der Majolika-Teller aus dem frühen 17. Jh. zeigt das Urteil des Paris nach einem Stich des an Raffael orientierten Marcantonio Raimondi. Aufgrund eines vergleichbaren Objektes in Braunschweig wird dieser Teller der Werkstatt des Fayenciers Francesco Patanazzi aus Urbino zugeschrieben.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

FANGSTUHL, DEUTSCH, 2. HÄLFTE 16. JH., EISEN
KUNSTHISTORISCHES MUSEUM WIEN, KUNSTKAMMER
Der aus Eisen gefertigte Stuhl ist an der Rückseite in Eisenschnitttechnik mit floral-grotesker Ornamentik und Jagdmotiven dekoriert. Er ist durch Scharniere an der Vorder- und Rückseite zusammenklappbar und wurde im siebten Kasten der Kunstkammer Erzherzog Ferdinands II. aufbewahrt, wie ein Eintrag im Nachlassinventar von 1596 belegt. Ob er tatsächlich auch bei den Trinkspielen in der Ambraser Bacchusgrotte verwendet wurde lässt sich nicht eindeutig belegen, ist aber wahrscheinlich: Wer sich auf den Stuhl setzte, wurde durch einen verborgenen Mechanismus von zwei Greifarmen festgehalten. Der Gast wurde erst wieder befreit, nachdem er eine Trinkprobe bestanden hatte.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

PEDRO GONZALEZ - DER HAARMENSCH, DEUTSCH, UM 1580, ÖL AUF LEINWAND
WIEN, KUNSTHISTORISCHES MUSEUM, GEMÄLDEGALERIE
Die außergewöhnlich starke Körperbehaarung des Pedro Gonzalez wird als Hypertrichosis Universalis Congenita und seit 1993 als „Ambras Syndrom" bezeichnet. 1537 auf Teneriffa geboren, kam Gonzalez in jungen Jahren an den Hof König Heinrichs II. von Frankreich, wo er eine gute Erziehung genoss. 1559 gelangte er in die Niederlande an den Hof Margarethes von Österreich, die ihn und seine Familie 1583 nach Parma mitnahm. In der Ambraser Kunst- und Wunderkammer befinden sich drei Bilder von Haarmenschen, Vater, Sohn und Tochter. Die Bildnisse entstanden um 1580 in München und waren wohl Geschenke der dortigen Herzöge an Erzherzog Ferdinand II.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

 Quilin, China, 18. Jh.
Auf einem am Hinterkopf gehörnten Tier reitet eine aus hellerem Speckstein gefertigte männliche Figur. Bei dem Tier handelt es sich um Quilin (Ch'i-lin), ein friedliches, glückverheißendes Fabelwesen. Sein Erscheinen galt als Anzeichen für die Ankunft eines weisen Herrschers. In der chinesischen Mythologie ist es außerdem Diener des gerechten Richters Gao Yao.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

Spielbrett mit Schachfiguren, Deutsch, Mitte 16. Jh.
Aus der Anzahl der ursprünglich 64 Figuren ergibt sich, dass von der Schmalseite des 15 x 8 Felder großen Brettes aus gespielt wurde. Jede Farbe besteht aus „König", „Dame", 2 „Springern", 2 „Türmen", 2 „Läufern", 2 „Rittern", 2 „Türken", 2 „Bärtigen", 2 „Wappenträgern", „Bauern" und „Offizieren". Auf den Außenseiten sieht man Justitia und Venus, Symbole für Kalkül und Kampfeslust.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

HERINGSHAI, FUCHSHAI, KUGELFISCH, ECHSEN, KROKODIL - TIERPRÄPARATE
SCHLOSS AMBRAS, INNSBRUCK UND DAUERLEIHGABEN DES NATURHISTORISCHEN MUSEUMS WIEN
Exotische Tiere waren ein wichtiger Bestandteil in Kunst- und Wunderkammern. Die naturkundlichen Raritäten wurden ausgestopft oder als Tiergemälde gezeigt. Im Ambraser Inventar von 1596 sind sieben ausgestopfte Krokodile verzeichnet. Die Originale waren mit Holzwolle und Stroh nur ungenügend präparierten und sind daher nicht mehr erhalten. Die hier gezeigten Präparate Heringshai (Lamna nasus) Fuchshai (Alopias vulpinus), Kugelfisch und die Echsen stammen aus dem 19. Jahrhundert, das Krokodil aus dem 20. Jahrhundert.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

ERZHERZOG FERDINAND II., FRANCESCO TERZIO, NACH 1557, ÖL AUF LEINWAND
WIEN, KUNSTHISTORISCHES MUSEUM, GEMÄLDEGALERIE
Erzherzog Ferdinand II. (1529-1595) war der zweite Sohn Kaiser Ferdinands I. Nachdem er 1564 Landesfürst von Tirol wurde, errichtete er für seine Sammlungen eigens das Unterschloss mit der weithin berühmten Kunst- und Wunderkammer; die heute einzige am ursprünglichen Ort erhaltene Kunstkammer der Renaissance. Dort brachte er Bücher, Gemälde, Kunstwerke, „Wunder der Natur", Exotika aber auch wissenschaftliche Messinstrumente, Musikinstrumente und Tierpräparate unter. Das Porträt entstand 1557, dem Jahr seiner geheimen Eheschließung mit Philippine Welser auf Schloss Bresnitz in Böhmen. Der Erzherzog trägt die spanische Tracht und auf der Brust die Kette des Ordens vom Goldenen Vlies.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

Ein wesentliches Merkmal der Renaissance ist die Beschäftigung mit der Antike - der Geschichte, Literatur und Kunst der Griechen und Römer. Das Antiquarium war dabei ein Rückzugsort, um bewusst den Studien der Antike nachzugehen und auch, um relevante Objekte zu präsentieren. Im Ambraser Antiquarium von Erzherzog Ferdinand II. ging es jedoch nicht primär um den Besitz originaler Kunstwerke aus der Antike, sondern um die dargestellten Sujets, wofür Ferdinand Kopien und Abgüsse anfertigen ließ.

In den 85 Nischen ist seine Sammlung von Gips-, Ton- und Marmorköpfen berühmter Persönlichkeiten der Antike und der Mythologie ausgestellt. Die 20 Bronzebüsten römischer Imperatoren waren ursprünglich für das Grabmal Kaiser Maximilians I. gedacht und kamen erst 1695 hierher.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

Von den ursprünglich 34 für das Grabmal Maximilians I. geplanten Imperatorenbüsten aus Bronze sind 20 in Schloss Ambras erhalten geblieben. Ihre Vorbilder findet man in den Herrscherbildnissen antiker Münzen. Kaiser Maximilian I. leitete seine Herkunft von den antiken Imperatoren ab und legitimierte dadurch seine eigene Herrschaft. Sein Enkel und Testamentsvollstrecker Ferdinand I. verzichtete darauf, die Büsten in der Innsbrucker Hofkirche aufzustellen. So befanden sie sich zur Zeit Erzherzog Ferdinands II. zunächst in Schloss Ruhelust, bis sie 1695 ins Antiquarium von Schloss Ambras gelangten.

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VISIERUNG ZUM KENOΤΑΡΗ KAISER MAXIMILIANS I., FLORIAN ABEL, 1561 (?)
TEMPERA AUF PAPIER, AUF LEINWAND KASCHIERT  KUNSTHISTORISCHES MUSEUM WIEN, KUNSTKAMMER, (SCHLOSS AMBRAS INNSBRUCK)
Der Kenotaph (griech. „leeres Grab") Kaiser Maximilians I. zählt zu den bedeutendsten Renaissancedenkmälern Europas. Maximilians Enkel Ferdinand I. ließ ab 1553 die Innsbrucker Hofkirche als Aufstellungsort errichten und fügte in das ursprüngliche Konzept eine prunkvolle, mit Marmorreliefs geschmückte Tumba (Hochgrab) ein. Wichtige Szenen aus dem Leben des Kaisers sollten darauf dargestellt werden. Die Vorzeichnungen in Originalgröße dafür schuf der Prager Hofmaler Florian Abel. Diese Visierung auf Papier ist eine grafische Rarität des 16. Jahrhunderts. Sie war ursprünglich in der Bibliothek Erzherzog Ferdinands II. verwahrt, und hat sich bis heute erhalten.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

In den 1560er Jahren baute Ferdinand die mittelalterliche Burg zu einem prächtigen Renaissanceschloss um und schenkte es seiner geheimen Frau, Philippine. Das Hochschloss war ihr Bereich: Hier badete sie, hier pflegte sie ihr Arznei- und Kräutergärtlein, hier fanden Feste statt! Das später erbaute Unterschloss war Ferdinand vorbehalten. Es besteht aus mehreren Gebäudeteilen. Hier richtete er seine berühmte Kunst- und Wunderkammer, die Rüstkammern und seine Bibliothek ein: Bibliotheca et Musaeum.

MODELL VON SCHLOSS AMBRAS, INNSBRUCK, 1858, GIPS
Erzherzog Karl Ludwig, jüngerer Bruder Kaiser Franz Josephs I., ließ Schloss Ambras von 1855 bis 1858 zu seiner Sommerresidenz umbauen. Die Architekten Ludwig und Heinrich Förster verwendeten dem Zeitgeschmack entsprechende neugotische Gestaltungselemente, die das Gipsmodell anschaulich dokumentiert: Der Spanische Saal erhielt eine neue Westfassade in Form eines Stufengiebels; der Bergfried des Hochschlosses wurde um eine vierte Etage aufgestockt und mit einem schlanken Türmchen bekrönt; der Südfassade ein bis zum zweiten Obergeschoß reichender Treppenturm und Balkone hinzugefügt. Das Vorschloss, in dem sich ursprünglich der Speisesaal befand, wurde zu einem von Zinnen bewehrten „Terrassenstöckl". Die größte Veränderung im Schlosspark war die neue, breit angelegte Auffahrtsrampe vom Unterschloss zum Hochschloss.

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Der Zugang zum Spanischer Saal erfolgt über das östlich davon gelegene Kaiserzimmer, dessen Stuckarbeiten zur ursprünglichen Gestaltung gehören. Sie stellen die ersten zwölf römischen Imperatoren – von Cäsar bis Domitian – dar. Die malerische Gestaltung ist in das Jahr 1719 zu datieren und setzt die Thematik des Spanischen Saales fort. Sie zeigt zehn Porträts der Nachfolger von Ferdinand II. als Landesfürsten von Tirol, beginnend bei Kaiser Rudolf II. und endend bei Kaiser Karl VI.

Kaiserzimmer: KAISER RUDOLPH. 1576-1612, KAISER MATHIAS. 1612-1619.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

Kaiserzimmer: KAISER LEOPOLD I. 1057-1705, KAISER JOSEF I. 1705-1711, KAISER CARL VI. 1711-1740

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Der Spanische Saal wurde als Repräsentationsraum errichtet und zählt zu den bedeutendsten freistehenden Saalbauten der Renaissance. Die Fresken an den Sockeln und über den Fenstern sind von der römischen Antike beeinflusst. Sie zeigen die Taten eines der größten antiken Helden: Herkules. Unter den Fenstern sind Darstellungen aus der Lebensgeschichte von Romulus und Remus zu sehen. Die Fensternischen sind mit Groteskmalereien dekoriert, welche zu wesentlichen Stilelementen der Renaissance wurden. Die gemalten Trophäen an den Pfeilern erinnern an die bei römischen Triumphzügen mitgeführten erbeuteten Waffen. Die Wandfelder zeigen 27 ganzfigurige Porträts der Grafen von Tirol bis hin zu Erzherzog Ferdinand II. Dieser ist als selbstbewusster Renaissancefürst in der Rolle des Herkules abgebildet.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

Der Repräsentationssaal Spanischer Saal zählt zu den schönsten freistehenden Saalbauten der Renaissance. Er wurde 1569–1572 nach den Vorstellungen Erzherzog Ferdinand II. errichtet. Ursprünglich als „Großer Saal“ bezeichnet, ist seit dem 19. Jahrhundert der Name Spanische Saal geläufig. Bestimmend für den festlichen Gesamteindruck des Saales sind vor allem die von Conrad Gottlieb, dem Hoftischler Ferdinands, aus verschiedenen Holzarten zusammengesetzten Türen und die zum Teil vergoldete und ebenfalls intarsierte Holzkassettendecke.

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INTARSIENTÜR, CONRAD GOTTLIEB, 1572
EICHE, BIRNE, ERLE, NUSS, LINDE, WEIDE, ROSENHOLZ - SCHLOSS AMBRAS INNSBRUCK
Die gesamten Holzarbeiten des Spanischen Saals waren dem Erzherzoglichen Hoftischler Conrad Gottlieb übertragen worden, so auch die prunkvolle Decke. Sein Monogramm »CG« ist an der westlichen Saaltür in die Intarsien eingelassen. Ansonsten zeigen diese vor allem Grotesken und Trophäen.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

Die malerische Gestaltung des 43 m langen Saales wird von den 27 ganzfigurigen Porträts der in Tiroler Landesfürsten bestimmt und reicht von Graf Albrecht I. von Tirol über die Grafen von Görz-Tirol und Margarethe Maultasch bis zu den Habsburgern, um mit Erzherzog Ferdinand II. zu enden. Diese Gemälde von Giovanni Battista Fontana wurden im Zuge einer ersten umfassende Restaurierung in den Jahren 1878–1880, die aufgrund großer Feuchtigkeitsschäden nötig geworden waren, rekonstruiert, wobei auf die Vorlagen von Kupferstichen von Dominicus Custos zurückgegriffen wurde, die von den Originalen im 16. Jahrhundert angefertigt worden waren. Die Porträts stehen vor einem Landschaftshintergrund, wodurch der Saal nach beiden Seiten geöffnet scheint. An den Sockeln der Ost- und Westwand sind die Tugenden und freie Künste dargestellt, an den Sockeln der Südwand Szenen aus der Geschichte von Romulus und Remus und an der Nordwand der Herkulesmythos, wobei dieser erst im 19. Jahrhundert ergänzt wurde. Von der Groteskenmalerei auf der Fensterseite hingegen konnte der Originalzustand des 16. Jahrhunderts restauriert werden.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

Architektonisches Herzstück des Hochschlosses ist der Innenhof, der zwischen 1564 und 1567 mit typischen Themen der Renaissance gestaltet wurde. Seine Freskomalerei in Grisailletechnik (franz., gris = grau) zählt zu den am größten und besten erhaltenen ihrer Art.
Rundum zieht sich ein Bacchuszug mit Wagen, Satyrn und Bacchanten. In einer Szene musiziert Orpheus vor den Tieren. Allegorien der Freien Künste Musik, Geometrie, Arithmetik, Astronomie, Grammatik, Dialektik und Rhetorik, aber auch Musen, Schlachtenszenen und Ritter in fantastischen Rüstun-gen schmücken die Wände. Gezeigt werden alttestamentarische Heldinnen wie Judith, Esther und Jael oder Judith mit dem Haupt des Holofernes. Die Tugenden Fides (Glaube), Spes (Hoffnung), Caritas (Nächstenliebe), Justitia (Gerechtigkeit), Prudentia (Klugheit), Fortitudo (Standhaftigkeit), Temperantia (Mäßigkeit) und Sapientia (Weisheit) sind genauso dargestellt wie die „neuen Helden" Alexander der Große, Gottfried von Bouillon, David, Artus, Karl der Große, Judas Makkabäus, Josua, Hector und Caesar.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

Erzherzog Franz Ferdinand (1863-1914) war der letzte Habsburger, der in Schloss Ambras seine Spuren hinterlassen hat. 1913 erhielt er von Kaiser Franz Joseph I. beträchtliche Geldmittel und die Genehmigung, einen großen Umbau des Schlosses „nach seinem Gutdünken" durchzuführen. Neben der baulichen Wiederherstellung des Hochschlosses in das ursprüngliche Erscheinungsbild der Renaissance plante der Erzherzog auch einen elektrischen Aufzug. Auf Grundrissplänen von 1913 ist dieser Aufzug eingezeichnet. Als 1914 Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajevo ermordet wurde und der erste Weltkrieg ausbrach, kamen die Bauarbeiten in Schloss Ambras zum Stillstand. 1920 wurden der bereits errichtete Liftschacht sowie Mauer- und Deckendurchbrüche wieder geschlossen.

2024 wurde der Lift schließlich an exakt jener Stelle errichtet, die bereits vor 111 Jahren für den elektrischen Aufzug Franz Ferdinands vorgesehen war. Er erschließt alle drei Stockwerke des Hochschlosses. Im Erdgeschoß gewährt eine Glastüre im Inneren des Lifts einen Blick in den ehemaligen Heizraum für das Bad der Philippine Welser.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

Das Bad der Philippine Welser, Schlossherrin von Schloss Ambras und erste Gemahlin Erzherzog Ferdinands II., stellt eine kulturgeschichtliche Rarität dar. Es handelt sich mit Wanne, Schwitz- und Heizraum sowie dem Ruheraum um die einzig noch vollständig erhaltene Badeanlage des 16. Jahrhunderts. Der Umkleideraum, die sogenannte „Abziehstube“, weist eine reiche hölzerne Kassettendecke auf, die Wände haben bis auf eine Höhe von ca. 1,60 Metern eine Holzvertäfelung, datiert mit der Jahreszahl 1567. Oberhalb der Wandtäfelung befindet sich ein umlaufender Fries in Freskomalerei, der zwischen 1563 und 1567 vermutlich von Hanns Polhammer geschaffen wurde. Die eher schlecht erhaltenen Fresken zeigen Szenen einer Festgesellschaft in einer Laube, eine Jungbrunnendarstellung oder das Motiv Diana im Bade.

Die „Abziehstube" wurde 1567 mit Holz vertäfelt und darüber mit einem umlaufenden Fries in Freskomalerei geschmückt. Als Vorlagen dienten Badedarstellungen von Albrecht Dürer, Virgil Solis, Hans Sebald Beham und Georg Pencz aus der Sammlung von rund 5.000 Kupferstichen und Holzschnitten, die Erzherzog Ferdinand II. besaß.

Fresko links vom Fenster: Die Tischlaube von Virgil Solis wurde zu einem runden Tisch verändert. Möglicherweise sollte sie damit der Rotunde angeglichen werden, jenem Tisch im Garten, welcher samt seinen Gästen mit Wasserkraft in schnellere oder langsamere Drehungen versetzt werden konnte. Die Darstellung ist ein Hinweis darauf, dass das Baden stets mit Geselligkeit, Essen und Trinken verbunden war.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

Bad der Philippine Welser - Das Wannenbad: Die Badewanne ist etwa 1,60 Meter tief in den Boden eingelassen und mit verzinntem Kupferblech verkleidet. Die Badenden saßen nicht auf dem Wannenboden, weil dort heiße Steine für die Wassererwärmung lagen; sie benutzten vielmehr Schemel oder Bänke. Der steinerne Hocker mit hölzerner Sitzfläche gehört zum ursprünglichen Bestand. Zum Zurücklehnen war ein „hülzerns Haubtküssen" vorhanden. Die Wandtäfelung ist original aus dem 16. Jahrhundert. Der Fußboden hingegen wurde im 19. Jahrhundert mit vorhandenen Holzresten erneuert. Die Holzdielen fallen zur Raummitte hin ab und weisen Rillen auf, durch die das Spritzwasser abfließen konnte. Eine Wasserleitung transportierte das heiße Wasser aus dem Heizraum in die Wanne, während das kalte direkt über eine Rohrleitung aus dem Keuchengarten heraufgeführt wurde.

Inventare und erhalten gebliebene Rechnungen geben uns ein gutes Bild von der ursprünglichen Ausstattung: Aus zwei Hähnen mit Löwenköpfen lief das kalte und warme Wasser in die Wanne. Auf der marmornen Ablage vor dem Badfenster stand ein Springbrunnen, der mit bemalten Tierfiguren dekoriert war. Außerdem gab es hier mehrere Schaffe aus Kupfer sowie Becken aus Messing, „Lassköpfe" (= Saugnäpfe) samt einem Fass für den Aderlass, ferner ein Laugenfass mit Sieb und Kellen aus Messing. Hier ließen die Badenden sich das Haar waschen, die Rasur vornehmen und sich schröpfen. Die dabei verwendeten Utensilien wie Kämme und Kosmetika wurden nicht im Bad verwahrt, sondern vom Barbier oder aus den Wohnräumen mitgebracht. So befand sich auch das berühmte Toilettekästchen der Philippine Welser in ihren persönlichen Gemächern des zweiten Stockwerks (heute: Kunsthistorisches Museum Wien).

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

Die wechselhafte Geschichte der St.-Nikolaus-Kapelle reicht bis ins 14. Jahrhundert zurück. Ihr heutiges Erscheinungsbild geht auf das 19. Jahrhundert zurück, als der Statthalter von Tirol, Erzherzog Karl Ludwig, die schadhaften Wandmalereien des 16. Jahrhunderts abschlagen ließ und eine allgemeine Neugestaltung bei August von Wörndle in Auftrag gab. Mit ihrer künstlerisch gelungenen Gestaltung von 1862 stellt die Kapelle im Schloss ein wichtiges Bindeglied vom Mittelalter über die Renaissance bis zur jüngeren Vergangenheit dar. In der Kapelle ist heute ihr bedeutender Kapellschatz ausgestellt.

DIE ST. NIKOLAUSKAPELLE
1867, WANDMALEREI: AUGUST VON WÖRNDLE, ALTAR UND KIRCHENGESTÜHL: MICHAEL STOLZ
Die Geschichte der St. Nikolauskapelle von Schloss Ambras reicht bis ins 14. Jahrhundert zurück. Nach ihrer ersten Weihe im Jahr 1330 folgten zahlreiche Umbauten. Das heutige Erscheinungsbild der Kapelle geht auf das 19. Jahrhundert zurück, als der Statthalter von Tirol, Erzherzog Karl Ludwig (1832-1896), Schloss Ambras für seine Zwecke adaptieren ließ.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

Im Jahr 1864 erhielt Maler August Wörndle den Auftrag, die Kapelle „al secco" auszumalen. Die 1867 fertiggestellten Malereien zeigen unterhalb der Langhausfenster an der Nordwand die Geburt Christi, Christus lehrend und die Kreuzigung, an der Südwand Auferstehung, Himmelfahrt und Sendung des Heiligen Geistes. Im Chorbogen in einer spitzgiebeligen gemalten Nische sind der Heilige Josef und die Unbefleckte Empfängnis dargestellt. An der Brüstung der Oratoriumsfenster zeigt das mittlere von jeweils drei Feldern Christus als Sämann bzw. als guten Hirten. Die Glasfenster wurden von den Brüdern Neuhauser aus der Innsbrucker Glasmalereischule 1863 nach Entwürfen August Wörndles angefertigt.

Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

Ebenfalls aus dem 19. Jahrhundert stammen die Kirchenbänke und der neugotische Altar mit der Statue des Heiligen Nikolaus in einer Baldachinnische vom Bildhauer Michael Stolz. An der Stirnseite der Predella sind die Figuren der Heiligen Rudolf, Franziskus, Joseph, Elisabeth und Gisela in Blendarkaden eingestellt. Mit ihrer neugotischen Ausstattung stellt die Kapelle ein wichtiges Bindeglied zwischen Vergangenheit und Gegenwart dar.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

 Paradies- und Arzneimittelgarten
Der Weg vom Spanischen Saal über eine Wendeltreppe zum Hochschloss hinauf führt an einem nach Osten ausgerichteten Gärtchen für Arzneimittelkräuter vorbei. Seit dem Mittelalter war es, vor allem in Klöstern, üblich, Pflanzen zu medizinischen Zwecken anzubauen. Erzherzog Ferdinand II. hatte ein besonderes Interesse an der Medizin, was durch seine beachtliche Sammlung klassischer und zeitgenössischer medizinischer Literatur in der Ambraser Bibliothek dokumentiert ist. Die Grundlage für die heutige Auswahl der Heilpflanzen bildet das in der Ambraser Sammlung erhaltene Arzneimittelbuch der Philippine Welser von 1560/1570. Anna Welser, die Mutter von Philippine, der Schlossherrin von Ambras und Erzherzog Ferdinands erster Gemahlin, hatte es für ihre Tochter anfertigen lassen.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

Die Glassammlung Strasser ist eine der bedeutendsten Glassammlungen weltweit. Kostbare Gläser aus den wichtigsten europäischen Glaserzeugungsgebieten bieten einen Einblick in die Geschichte der Glaskunst von der Renaissance bis zum Barock.

DIE GLASSAMMLUNG STRASSER
Die Sammlung Strasser ist eine der weltweit bedeutendsten Glassammlungen. Sie wurde in mehr als 50-jähriger Sammeltätigkeit von Prof. Rudolf Strasser angelegt und umfasst insgesamt über 300 kostbare Gläser von der Renaissance bis zum Klassizismus aus den wichtigsten europäischen Glaserzeugungsgebieten. 1919 als Rudolf Strasser von Györvár in Pressburg (Bratislava) geboren und im elterlichen Barockschloss Majorháza aufgewachsen, waren es „lachende" Biedermeiergläser, wie der Sammler sie gerne bezeichnet, die zu Hause durch Licht und Farbe seine Aufmerksamkeit fingen.

Nach bewegten Jahren im Widerstand gegen die Nationalsozialisten und in politischer Haft wirkte Strasser als Mitarbeiter des späteren Bundeskanzlers Julius Raab im Wiederaufbau Österreichs. 1954 verlegte er seinen Wohnsitz in die USA. Als Korrespondent österreichischer Medien und Banker an der Wall Street kam der Liebhaber von Literatur, Geschichte, Porzellan und Glas in Berührung mit vielen namhaften Sammlern und Kunsthändlern, die von Europa in die Neue Welt ausgewandert waren. Seine eigene Sammeltätigkeit begann Rudolf Strasser in diesem aufregenden New York der späten 1950er Jahre. Eine enge Zusammenarbeit mit dem Corning Museum of Glass im Staat New York brachte Impulse zu Studien und Publikationen.

Das besondere Interesse der Sammlung lag bald auf der historischen Aussage der Gläser. Gerade Erzherzog Ferdinand II., Herr von Ambras und Gründer der musealen Sammlung dieses Schlosses, prägte mit seiner Vorliebe für die Glaskunst und den menschlichen Dimensionen seiner Sammellust das Kunstverständnis Strassers. Der Glasschnitt des Barock und die Eigenart des böhmischen Hausmalers Ignaz Preissler, aber auch die Anmut diamantpunktierter Gläser der Niederlande des späten 18. Jahrhunderts gehören zu seinen favorisierten Bereichen der Glasveredelung. Nach Österreich zurückgekehrt, kam die Sammlung Strasser 2004 in den Besitz des Kunsthistorischen Museums Wien, 2013 wurden siebzig Objekte der Wiener Kunstkammer zugeordnet. Der weitaus größere Anteil der Gläser fand im gleichen Jahr seine endgültige Heimat in Schloss Ambras.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

DIE GLASSAMMLUNG STRASSER - FARBGLÄSER UND EMAILMALEREI
Die Ähnlichkeit der farblosen Gläser mit dem Bergkristall war eine Attraktion, doch auch das Leuchten farbiger Gläser wurde bereits in der Antike geschätzt. Die Herstellung von Farbglas durch Beimischung von Metalloxiden wurde in venezianischen Hütten des 15. Jahrhunderts perfektioniert und in der Folge auch im Norden aufgenommen. Der Reiz der Farbigkeit erhielt durch die Kaltmalerei und besonders durch die Entwicklung der Emailmalerei weitere Ausdrucksmöglichkeiten. Gerade nördlich der Alpen kam die Technik zu ihrer charakteristischen Blüte. Narrative weltlich-politische oder religiöse Bildthemen, heraldische Motive oder Ornamente, die sich an der Hafnerkunst orientierten, schmückten einen hohen Anteil der Gläser im 16. und vor allem im 17. Jahrhundert. Die opaken Dekore wurden zunehmend dichter und überzogen die Gefäße oft gänzlich.

Die Emailfarbe besteht aus einem mit Metalloxiden gefärbten Glasfluss, der zu Pulver zerrieben und zu einem Brei gerührt mit Pinseln auf die Glasoberfläche aufgetragen und dann bei einer Temperatur von ungefähr 600 Grad Celsius eingebrannt wird. Bei diesem Prozess verschmilzt die Emailfarbe mit der Glasoberfläche. Für die Bemalung mit Emailfarben sind unkomplizierte Formen am besten geeignet. So sind es vor allem die zylindrischen Humpen, die im 17. Jahrhundert reich bemalt und mit Trinksprüchen beschriftet werden. Diese Humpen illustrieren die rauen Trinksitten des Nordens, wobei nach Ausruf eines Trinkspruchs eine oft zur Bewusstlosigkeit führende Menge geschluckt werden musste.

Vanitasbecher (Lautenspieler, Tod und Mädchen)
NIEDERLANDE, FAÇON DE VENISE, DATIERT 1598 //ENTFÄRBTES GLAS, DIAMANTGRAVUR //H. 14.9 CM. D. 10,5 CM
Flügelkaraffine mit Doppeladler
NIEDERLANDE, FAÇON DE VENISE, UM 1690 //ENTFÄRBTES UND BLAUES GLAS, DIAMANTGRAVUR //H. 14 CM
Krug mit Blattranken
SÜDLICHE NIEDERLANDE, FAÇON DE VENISE, UM 1670 //ENTFÄRBTES UND BLAUES GLAS, DIAMANTGRAVUR//H. 13,5 CM, D. 12,3 CM

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

DIE GLASSAMMLUNG STRASSER - DIE GLASHÜTTE HALL 1534-1615
Im Jahr 1534 gründete der Augsburger Montanist Wolfgang Vitl (1495-1540) die erste Glashütte Tirols in Hall bei Innsbruck. Sein Ziel war, Gläser nach venezianischer Art zu erzeugen. Zuvor bezog das Land deutsches und böhmisches Waldglas, aber auch das begehrte farblose Glas aus Murano. Vitl errichtete sein Werk nahe der Schiffslände und des Holzrechen, wo das Triftholz aus dem Oberinntal und dem Engadin aufgefangen wurde. Wegen des extremen Holzbedarfs durfte nur ein Schmelzofen unterhalten werden. Trotz seiner Beziehungen zu süddeutschen und Haller Patrizierfamilien und der erfolgreichen Herstellung von Scheibenglas starb Vitl hochverschuldet.

Sebastian Höchstetter, aus einer geadelten Augsburger Handels- und Gelehrten-familie und ein Gläubiger Vitls, übernahm die Glashütte und führte sie durch den Export von Scheibenglas und farblosen Trinkgläsern zu beachtlicher Blüte. Sein Bruder, der Tiroler Regierungsrat Chrysostomus Höchstetter, setzte die Produktion ab 1569 mit Unterstützung des Hauses Habsburg fort, das über die Höchstetter auch Darlehen erhielt. Erzherzog Ferdinand II. (1529-1595) bezog bereits als Statthalter in Prag Gläser aus Hall, die von der Formentradition deutscher Glashütten geprägt waren. Ab 1599 verpachtete der Erbe Hieronymus Höchstetter die Hütte an Paul Kripp, der 1615 ihr Ende besiegelte. Glas aus Böhmen, Schlesien und Sachsen dominierte inzwischen den Markt. Nach einer wechselvollen Geschichte musste 2011 die Umfassungsmauer der Hüttenanlage einem Wohnbau weichen. Kurz zuvor hatten archäologische Grabungen Scherben und Gefäßfragmente, Reste von Rohstoffen und Werkzeugteile zu Tage gebracht. Die Funde geben wertvolle Einblicke in die technischen Möglichkeiten der Glashütte, die einst als „zier des landes" galt.

DIE KUNST DES GLASSCHNITTS
Ein von Christoph Weigel in Nürnberg um 1700 herausgegebenes Büchlein zu den Ständen enthält die kommentierte Illustration: Der Glasschneider /Unbedachtsams Wagen bringt für Nützen Klagen und beschreibt damit auch die Herausforderung des Glasschnitts. Man benötigte Glas, das mit genügend Härte und Wandungsstärke dem Einwirken des Glasschneiders standhalten konnte. Zum ersten Mal in der Glasgeschichte war nicht Venedig der Vorreiter einer Veredelungstechnik, die in der Lagunenstadt erst im 18. Jahrhundert unter der Bezeichnung „à la façon de Bohème“, nach ihrem böhmischen Ursprung benannt, zur Anwendung kam.

Als ideales Medium des Glasschnitts eignete sich Kreideglas, wie es 1683 von Michael Müller in Südböhmen entwickelt wurde. Als Werkzeug dienten verschieden große Kupferscheiben, die über eine mit dem Fuß betriebene Welle zum Rotieren gebracht wurden. Auf dem Rand der Kupferscheiben wird ein „Schmirgel" oder „Trippel" aus Glaspulver mit Ölzusatz aufgetragen, wodurch das weiche Kupfer die nötige Schneidkraft erhält. Gleichzeitig verdeckt der Schmirgel den entstehenden Schnitt vor dem Glasschneider, der die erwünschte Feinheit seiner Arbeit nur durch erfahrenes Gefühl für seine Materialien zustande bringen kann. Zunächst waren es einfache Blumenmotive oder figürliche Darstellungen, die im Laufe des 17. und vor allem in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu aufwendigen und malerischen Kompositionen anwuchsen. Die Nürnberger Glasschneider hatten bereits zur Mitte des 17. Jahrhunderts die lebendige Kombination aus matten und polierten (geblänkten) Details des Glasschnitts erreicht, der in Böhmen und Schlesien um 1730 zur Vollendung gebracht wurde.

Becher mit erotischer Jagdsymbolik
NORDBÖHMEN, UM 1680 //ENTFÄRBTES GLAS, GESCHNΙΤΤΕΝΗ H. 11.3 CM. D. 9.5 CM
 Becher mit St. Veitsdom in Prag und erzbischöflichem Wappen
NORDBÖHMEN, VOR 1692 // ENTFARBTES GLAS, GESCHLIFFEN, GESCHNITTEN // H. 12 CM. D. 10 CM // WAPPEN DES ERZBISCHOFS JOHANN FRIEDRICH WALDSTEIN (1642-1694)
Pokal mit Waldstein-Wappen und Fortuna
NORDBÖHMEN, RIESENGEBIRGE, DATIERT 1685//ENTFÄRBTES GLAS, GESCHNITTEN, TEILS POLIERT //H. 26,8 CM. D. 8,7 CM //INITIALEN „B.W.", „G.W." FÜR BERTHOLD WALDSTEIN
Deckelpokal mit Fritillaria und Insekt
SCHLESIEN, UM 1720 //ENTFÄRBTES GLAS, GESCHNITTEN, TEILS POLIERT //H. 33 CM, D. 10,5 CM
Deckelpokal mit Jagd- und Fischerei-Szenen
NORDBÖHMEN, UM 1720 //ENTFÄRBTES GLAS, GESCHLIFFEN, GESCHNITTEN, TEILS POLIERT //H. 35,8 CM. D. 12,6 CM
Deckelpokal mit farbigen Glassteinen
NORDBÖHMEN, ISERGEBIRGE, UM 1700 //ENTFÄRBTES, GRÜNES, ROTES UND BLAUES GLAS. GESCHLIFFEN, GESCHNITTEN //H. 26,5 CM, D. 8 CM

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

DIE GLASSAMMLUNG STRASSER - DIAMANT UND GLAS
Zu den frühesten Dekoren des venezianischen Glases gehört der Diamantriss, auch Diamantgravur genannt. Ein Stift mit Diamantspitze wird dabei über die kalte Oberfläche des Glases gezogen und graviert Ornamente oder Beschriftungen ein. In Venedig wurden seit dem 13. Jahrhundert zahlreiche Verordnungen erlassen, um die Herstellung von Glas, das bald zu einem sehr bedeutenden Luxusexportartikel werden sollte, streng zu regeln. Die Gestaltung der frühen venezianischen Gläser war stark von byzantinischen Vorbildern mit ihren aufgeschmolzenen oder in Email gemalten Dekoren beeinflusst, jenen Gläsern, mit denen Venedig seit Jahrhunderten Handel betrieb. Zu den eigenständigen Erfindungen Venedigs gehören das Farbglas und die Faden- und Netzgläser („vetro a fili" und „vetro a ritorti"). Auch der Diamantriss, der wie viele Techniken der Glasverdedelung bereits in der Antike bekannt war, kam in Venedig zu eigener Ausprägung.

Die Signoria gewährte 1549 dem Glasmacher Vincenzo di Angelo dal Gallo ein Privileg zur Ausübung des Diamantrisses, wobei überliefert ist, dass diese Technik bereits um 1540 eingeführt war. Als eine der delikatesten Veredelungstechniken respektierte der Diamantriss die angestrebte Transparenz des Glases. Die Ausführung erforderte eine geübte Hand, da nachträgliche Korrekturen nicht möglich waren. Doch nicht nur die Technik an sich wurde von Venedig aus durch Europa verbreitet, auch die floralen und geometrischen Ornamentmotive finden sich vielerorts wieder, so auch in Hall und Innsbruck, und erschweren eine definitive lokale Zuschreibung.

EIN KUNSTWERK DER ALCHEMIE: GOLDRUBINGLAS
Die tiefrote Farbpracht des Goldrubinglases wurde im 17. und 18. Jahrhundert durch Montierungen aus Gold und Silber sowie mit Gold- und Schnittdekoren auf kostbare Art gesteigert. Gold ist auch Bestandteil des Glases selbst, das dem Rubin gleich scheinen sollte. Diesem feurigen Edelstein wurden seit jeher stärkende Kräfte nachgesagt. Rot wurde zudem mit Macht und Privileg assoziiert. In der Alchemie hoffte man, über die Goldrubinglas-Experimente den „Stein der Weisen" zu erlangen, jene Substanz, die unedle Metalle in Gold oder Silber verwandeln sollte.

Gold wird in Königswasser (Salpeter- und Salzsäure) gelöst. Es entsteht Goldchlorid, das mit einer Zinnlösung vermischt das Gold in seine atomare Form zurückführt. Diese purpurfarbene Substanz wird der Glasschmelze beigefügt. Zunächst bleibt das Glas farbfrei, erst durch nochmaliges Erhitzen (Tempern) auf 600 Grad Celsius entsteht die Rotfärbung. Die Goldteilchen werden durch die hohe Temperatur stark beweglich und wachsen zu gleichförmigen Nanopartikeln oder auch Goldkolloiden (6-8 Nanometer; 1 Nanometer=1 Millionstel Millimeter) an.
Diese Partikel reflektieren rotes Licht, da sie vor allem die Grün- und Blauanteile des Lichtspektrums absorbieren. Johann Kunckel (um 1632-1703) gilt als Pionier des Goldrubins. Er stammte aus einer hessischen Glasmacherfamilie und stand als Alchemist im Dienst des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620-1688).

Überfangener Rubinglasflakon mit Weinlaubdekor
DRESDEN, UM 1720/ GOLDRURINGLAS MIT FARBLOSEM GLAS ÜBERFANGEN, GESCHLIFFEN, GESCHNITTEN, VERGOLDETE SILBERMONTIERUNG / H. 12,2 CM
Sechs Likörgläschen mit Früchtefestons
BOIMEN, UM 1700// GOLDRUBINGLAS GESCHNITTEN, VERGOLDETE SILBERMONTIERUNG H. ca. 5.5 CM
Krug mit Vögeln und Früchten
BOHMEN, UM 1700//GOLDRUBINGLAS, GESCHNITTEN, VERGOLDETE BRONZEMONTIERUNG / H. 30 CM. D. 9 CM
Becher mit Wappen der Allgäuer Familien Ebertz und Jenisch
GRAVUR: BÖHMEN ODER NÜRNBERG 1707 DATIERT // GLAS: BÖHMEN, UM 1700// GOLDRURINGLAS, GESCHLIFFEN, GESCHNITTEN, TEILS POLIERT //H. 10 CM. D. 9 CM

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

ERZHERZOG FERDINANDS II. POSTREISE NACH BRÜSSEL
NIEDERLÄNDISCH, 2. HÄLFTE 16. JH., ÖL AUF LEINWAND
KUNSTHISTORISCHES MUSEUM WIEN, GEMÄLDEGALERIE
1555 reiste Erzherzog Ferdinand II. im Auftrag seines Vaters, König Ferdinands I., nach Brüssel. Er sollte seinen Onkel Kaiser Karl V. von der Abdankung abhalten, der mit seiner Bemühungen um eine Vormachtstellung des Katholizismus gegenüber dem Protestantismus politisch gescheitert war. Die Reise ist in simultan wiedergegeben: Rechts sieht man den Zug des berittenen Gefolges bis hin zu Ferdinand II., dessen Ankunft von Hornisten angekündigt wird. Links ist die Begrüßung vor einem Gebäude dargestellt, in dessen Obergeschoss das Krankenbett Karls V. zu erkennen ist. Der Hintergrund zeigt die Stadtsilhouette von Brüssel. Das Gemälde hatte ursprünglich seinen Platz in Ferdinands Ambraser Bibliothek.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

Die Zeit um 1500 gilt als „Geburtsstunde" des modernen Postwesens. Maximilian I. benötigte für sein zersplittertes Herrschaftsgebiet ein funktionierendes Nachrichten- und Transportsystem. Diesem Bedarf kam die Familie Taxis nach, deren Mitglieder bereits als Kuriere in Diensten der Päpste und der Republik Venedig tätig waren. Aufgrund ihrer familiären Verzweigung konnten sie ein europaweit tätiges Unternehmen aufbauen. Ab 1550 hatte die durch Heirat entstandene Seitenlinie der Bordogna von Taxis Firmensitze in Brixen, Bozen und Trient. Ihre wirtschaftlichen und organisatorischen Fähigkeiten führten zu einem Naheverhältnis zum Tiroler Landesfürsten Erzherzog Ferdinand II., dem Begründer der Ambraser Sammlungen. Damit verbunden war auch ihre aktive Teilnahme am Innsbrucker Hofleben.

Die Bordogna von Taxis sicherten sich durch ihr unternehmerisches Geschick von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zur Verstaatlichung der Post 1769 das Vertrauen der Habsburger. Ihre Leistungen wurden dabei durch die Verleihung der Postmeisterwürde auf Lebenszeit sowie durch die Erhebung in den Freiherrenstand honoriert. Die Postmeisterporträts der Taxis-Bordogna erzählen gemeinsam mit Dokumenten aus dem Archiv der Taxis-Bordogna die Geschichte der Trientner Postmeister sowie die Entwicklung des Postwesens in Tirol.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

Schloss Ambras Innsbruck besitzt eine Vielzahl an historischen Kachelöfen, die in den Räumen des Hochschlosses bewundert werden können. In ihren unterschiedlichen Stilrichtungen vom 16. bis ins 19. Jahrhundert dokumentieren sie anschaulich die Hafnerkunst aus jenen Zeiten, in denen das Schloss für Wohnzwecke genutzt wurde. Ihr aufwändiger Dekor, ihre Farbigkeit und ihr vielschichtiges Bildprogramm machen sie zu repräsentativen Objekten.

KACHELOFEN - BOZEN, ANFANG 18. JAHRHUNDERT, ΤΟΝ, SCHLOSS AMBRAS INNSBRUCK
Die vierseitige Basis ruht auf vier sitzenden Löwen. An den Ecken fungieren römische Krieger als Karyatiden, in den muschelbekrönten Feldern dazwischen sind Reiterstandbilder dargestellt. Die Ecken des sechseckigen Aufsatzes bestehen aus gedrehten Säulen, dazwischen sind in violett-braunem Rahmen Kriegergestalten dargestellt. Die durchbrochene, weißglasierte Bekrönung zeigt Engel, die leere, gekrönte Schilde tragen, und sich mit Männerbüsten abwechseln.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

Auf drei Stockwerken des Hochschlosses befindet sich die Habsburger Porträtgalerie. Sie umfasst Gemälde aus der Zeitspanne vom 14. bis 18. Jahrhundert, eine Zeit also, in der die Habsburger wie kaum eine andere europäische Herrscherdynastie die Geschicke Europas mitbestimmt haben und mit den wichtigsten Herrscherhäusern verwandt oder verschwägert waren. Ausgestellt sind Porträts der Habsburger wie Kaiser Maximilian I., Kaiser Karl V., König Philipp II. von Spanien und der jungen Maria Theresia, aber auch von Mitgliedern anderer Herrschergeschlechter etwa Königin Elisabeth I. von England, der Wittelsbacher, Medici, Valois, u. a. m. Der Rundgang durch die Galerie auf drei Stockwerken des Hochschlosses gestaltet sich als eine Reise durch die europäische Geschichte. Die Porträts spiegeln nicht nur die Heirats- und Bündnispolitik der Herrscherhäuser wieder, sondern auch die Kunst- und Kulturgeschichte der Epoche ihrer Entstehung. Eine spezifische Besonderheit sind die vielen Kinderporträts, etwa das Peter Paul Rubens zugeschriebene Bild der dreijährigen Eleonora Gonzaga. Berühmte Maler standen im Dienst der Herrscherfamilien; so präsentiert Schloss Ambras Meisterwerke von Hans Burgkmair, Lucas Cranach d. J., Giuseppe Arcimboldo, Jakob Seisenegger, Hans von Aachen, Peter Paul Rubens, Anthonis van Dyck, Diego Velázquez und anderen.

Kaiser Leopold I. - Benjamin von Block, 1672, Öl auf Leinwand
Wien, Kunsthistorisches Museum, Gemäldegalerie
Kaiser Leopold I. (1640-1705) war der Sohn Kaiser Ferdinands III. und der Infantin Maria Anna. Nach dem Tod seines Bruders wurde er König von Böhmen und Ungarn und folgte 1658 seinem Vater auf den Kaiserthron. Bestimmend für seine Politik waren der Krieg gegen Ludwig XIV. von Frankreich und gegen das Osmanische Reich. Der Kaiser ist im Harnisch mit dem Feldherrenstab dargestellt. Der Mode der Zeit entsprechend trägt er eine Perücke. Besonderen Wert legte der Maler auf den mit venezianischer Reliefspitze verzierten Kargen.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

Erzherzogin Claudia Felizitas - Giovanni Maria Morandi, 1666, Öl auf Leinwand
Wien, Kunsthistorisches Museum, Gemäldegalerie
Claudia Felicitas (1653–1676), die Tochter Erzherzog Ferdinand Karls und der Anna de' Medici, wurde 1673 mit Kaiser Leopold I. verlobt, starb aber schon vor der Hochzeit 1676. Das Bildnis von Giovanni Maria Morandi zeigt sie in zeitgenössischer Mode. Die Erzherzogin ist durch den geschulterten Köcher mit Bogen und Pfeilen, den Pfeil in ihrer Rechten und den sie begleitenden Hund als Jagdgöttin Diana charakterisiert. Auch der Kopfschmuck in Form einer Mondsichel ist ein typisches Attribut der Diana, die in der römischen Mythologie mit Luna, der Mondgöttin, gleichgesetzt wurde.

KAISER LEOPOLD I. - GUIDO CAGNACCI, CA. 1657/58, ÖL AUF LEINWAND, 190 X 120 CM
WIEN, KUNSTHISTORISCHES MUSEUM, GEMÄLDEGALERIE
Kaiser Leopold I. (1640 - 1705) war der Sohn Kaiser Ferdinands III. und der Infantin Maria Anna. Nach dem Tod seines älteren Bruders wurde er König von Böhmen und Ungarn und folgte 1658 seinem Vater auf den Kaiserthron. In erster Ehe war er mit der Infantin Margarita Teresa, in zweiter mit Erzherzogin Claudia Felicitas und schließlich in dritter Ehe mit Eleonore Magdalena von Pfalz-Neuburg vermählt. Die Politik Leopolds war von Kriegen gegen die Franzosen und die Türken geprägt. Leopold war Komponist, Musikliebhaber und Förderer der Italienischen Oper.

ERZHERZOGIN MARIA ANNA - DIEGO VELÁZQUEZ, 1653, ÖL AUF LEINWAND, 204 X 126,5 CM
WIEN, KUNSTHISTORISCHES MUSEUM, GEMÄLDEGALERIE
Maria Anna (1635 1696) war die Tochter Ferdinands III. und der Infantin Maria. 1646 verlobte sie sich mit Baltasar Carlos, dem Sohn König Philipps IV. Da Baltasar Carlos bereits 1647 starb, heiratete sie 1649 seinen Vater. Nach dem Tod des Königs 1665 führte sie bis 1675 die Regentschaft für ihren Sohn, der als Karl II. der letzte spanische König aus dem Haus Habsburg war. Das Porträt von Diego Velásquez zeigt die junge Königin in der extrem ausladenden spanischen Damenmode um die Mit des 17. Jahrhunderts.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

Kaiser Ferdinand III. war dreimal verheiratet, in erster Ehe mit Infantin Maria Anna, einer Tochter Philipps III. von Spanien, in zweiter Ehe mit Maria Leopoldine, einer Tochter Erzherzog Leopolds V., die in jungen Jahren an der Entbindung ihres ersten Kindes Erzherzog Karl Josephs starb, und in dritter Ehe schließlich mit Eleonore Gonzaga. Erzherzog Leopold Wilhelm setzte den jungen Erzherzog Karl Joseph zu seinem Universalerben, mit Ausnahme der Kunstsammlung, ein. Karl Joseph verstarb jedoch bereits 1664 fünfzehnjährig. Die älteren Geschwister Karl Josephs waren Ferdinand IV., seit 1653 deutscher König, jedoch bereits im Jahr darauf verstorben, und Maria Anna, die ihrerseits mit einem spanischen König, Philipp IV. (zugleich ihrem Onkel), verheiratet war.

Der Nachfolger Großherzog Ferdinands I. von Florenz war sein Sohn Cosimo II. Er starb noch in jungen Jahren an Tuberkulose. Seine Schwester Catarina, mit dem Herzog von Mantua vermählt, fungierte später als Statthalterin von Siena. Von den Söhnen Cosimos II. wurde der älteste, Ferdinando II. Nachfolger als Großherzog, von den jüngeren wandte sich Giancarlo dem geistlichen Stand zu, Francesco und Mattias schlugen eine militärische Laufbahn ein.

Das große ganzfigurige Bildnis Erzherzog Leopold Wilhelms von Teniers d. J. zeigt ihn als Kriegsmann des Dreißigjährigen Krieges mit der Belagerung von Gravelingen im Hintergrund. Teniers war Hofmaler des Erzherzogs und Direktor seiner Galerie in Brüssel. Als Maler vor allem kleinformatiger Bilder stellt das große Repräsentationsbildnis eine Ausnahme in seinem Werk dar. Die beiden Kinderbilder Erzherzog Karl Josephs, des Sohnes Kaiser Ferdinands III. aus seiner Ehe mit Maria Leopoldine, entstanden im Abstand weniger Jahre, das des etwa Eineinhalbjährigen zeigt ihn in einem Kleid, das des Vier- bis Fünfjährigen in der extremen französischen Mode der Zeit: mit weiter Hose ("rhingrave"), kurzer Jacke, Stulpenstiefeln, Federhut und vor allem einer Überfülle von Bändern und Spitzen. Der Nachfolger Großherzog Ferdinandos I. von Florenz war sein Sohn Cosimo II. Seine geringe politische Bedeutung wird aufgewogen durch sein hohes künstlerisches Interesse und die Förderung der Naturwissenschaften (Globus und Zirkel auf seinem Bildnis weisen darauf hin), die sich vor allem in seinem engen Verhältnis zu Galileo Galilei äußerte. Das Porträt von Cosimos Sohn Mattias von Carlo Dolci ist in der Präzision der Zeichnung vielleicht das künstlerisch bedeutendste der insgesamt sehr qualitätvollen Gruppe der Medici-Porträts.

* * *

Der Innenhof ist mit Grisaillemalerei al fresco gestaltet, bei der durch die Verwendung verschiedener Grautöne der Eindruck eines Reliefs erzeugt wird. Er zählt zu den am besten und größten erhaltenen Beispielen der Freskenmalerei des 16. Jahrhunderts. Die Malerei übernimmt auch die architektonische Aufgabe, mit Hilfe des gleichmäßigen Dekorationssystems den unregelmäßigen Hof zu vereinheitlichen und die Enge des Hofraumes auszugleichen. Auftraggeber war Erzherzog Ferdinand II., dessen Anliegen es im Sinne der Renaissance war, durch die Darstellungen der Musen, weiblicher und männlicher Helden und Heldentaten die Fürstentugenden hervorzuheben und den Fürstenstand vorbildhaft auszuzeichnen. Es ist nicht überliefert, welcher Maler den Auftrag ausgeführt hat.

An der Ostwand befindet sich im Erdgeschoß ein Scheinfenster mit einem Hirschen, darüber alttestamentarische Heldinnen wie Judith, Esther und Jael, über dem Bacchuszug zwischen erstem und zweiten Geschoß nicht identifizierte weibliche Figuren dargestellt, außerdem Judith mit dem Haupt des Holofernes, eine Schlachtenszene und Ritter in phantastischen Rüstungen.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

KAISER FERDINAND II. UND EIN MANN MIT KLEINWUCHS - JOSEPH HEINTZ D. Ä., 1604
ÖL AUF LEINWAND, 200 x 116 CM, WIEN, KUNSTHISTORISCHES MUSEUM, GEMÄLDEGALERIE
Ferdinand (1578-1637), ein Sohn Erzherzog Karls II., übernahm 1596 die Regierung. Da sein Onkel Kaiser Matthias kinderlos blieb, wurde Ferdinand 1619 dessen Nachfolger. Ferdinands Politik wurde vom 30-jährigen Krieg und der Gegenreformation bestimmt. Das Bildnis zeigt Ferdinand mit einem „Hofzwerg". Menschen mit Kleinwuchs wurden als „lebende Wunder der Natur" gesehen, galten als Statussymbole und waren an italienischen Fürstenhöfen und am spanischen Königshof populär. Menschen mit Kleinwuchs hatten auch konkrete höfische Ämter inne.

Erzherzogin Maria Anna, Herzogin in Bayern - Joseph Heintz d. Ä., 1604
Öl auf Leinwand, Wien, Kunsthistorisches Museum, Gemäldegalerie
Maria Anna (1574-1616) war eine Tochter Herzog Wilhelms V. von Bayern und der Renate von Lothringen. 1600 wurde sei mit dem späteren Kaiser Ferdinand II. vermählt, starb jedoch vor dessen Erhebung in die Kaiserwürde 1616. Das Bildnis gehört zu einer 1604 von Heintz gemalten Bildnisserie und ist ein Gegenstück zum Porträt ihres Ehemannes.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

ERZHERZOGIN MARIA CHRISTIERNA - STEIRISCH, 1595
ÖL AUF LEINWAND, 174 X 118 CM, WIEN, KUNSTHISTORISCHES MUSEUM, GEMÄLDEGALERIE
Maria Christierna (1574-1621), eine Tochter Erzherzog Karls II., wurde nach einem Vertrag 1595 mit Sigismund Bathory, der auch die Regentschaft in Siebenbürgen zugesichert bekam, vermählt. Bathory jedoch verbannte Maria. Ihr Bruder Erzherzog Ferdinand III erreichte die Ungültigkeit der Ehe. 1608 legte die Erzherzogin die Gelübde im Haller Stift ab, wo sie 1612 zur Oberin gewählt wurde. Maria trägt ihr Brautkleid aus hellem Goldbrokat. Weiße Hochzeitskleider, wie man sie heute kennt, sind erst seit dem 19. Jahrhundert gebäuchlich.

HERZOGIN SYBILLE VON JÜLICH-CLEVE-BERG - LUCAS VAN VALCKENBORCH, CA. 1579/80
ÖL AUF LEINWAND, 166 × 109,5 CM, WIEN, KUNSTHISTORISCHES MUSEUM, GEMÄLDEGALERIE
Herzogin Sybille (1557-1626) war eine Tochter Herzog Wilhelms von Jülich-Cleve-Berg und der Erzherzogin Maria. 1601 wurde sie mit Markgraf Karl von Burgau, ein Sohn Erzherzog Ferdinands II. und der Philippine Welser, vermählt. Sie starb kinderlos 1626. Die Herzogin trägt passend zu ihrer Krause ein Taschentuch mit Reticella („Netzchen"), einer beliebten italienischen Klöppelspitze. Taschentücher galten damals als Luxusartikel.

ERZHERZOG MATTHIAS - LUCAS VAN VALCKENBORCH, 1579
ÖL AUF LEINWAND, 198 × 98 CM | WIEN, KUNSTHISTORISCHES MUSEUM, GEMÄLDEGALERIE
Erzherzog Matthias (1557-1619), ein Sohn Kaiser Maximilians II., regierte 1577 bis 1582 in den Niederlanden und wurde 1595 Statthalter von Niederösterreich. Nach ständigen Konflikten mit seinem Bruder Kaiser Rudolf II. erlangte Matthias 1608 die Regierungsgewalt in Ungarn, Mähren, Böhmen und Österreich. Konfessionelle Schwierigkeiten in Böhmen eskalierten 1618 im zweiten Prager Fenstersturz, der trotz der Friedensbemühungen von Matthias in weiterer Folge zum 30jährigen Krieg führte.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

In ihrem Umfang von rund 200 Bildern und ihrer künstlerischen Qualität ist die Habsburger Porträtgalerie der Porträtsammlung auf Schloss Versailles oder der National Portrait Gallery in London ebenbürtig.

ERZHERZOG WENZEL - SÁNCHEZ COËLLO, 1574
ÖL AUF LEINWAND, 151 × 97 CM, WIEN, KUNSTHISTORISCHES MUSEUM, GEMÄLDEGALERIE
Erzherzog Wenzel (1561-1578) war ein Sohn Kaiser Maximilians II. und der Infantin Maria. 1577 wurde er zum Großprior des Johanniterordens erhoben, starb jedoch bereits ein Jahr darauf im Alter von siebzehn Jahren. Das Bildnis zeigt den dreizehnjährigen Erzherzog in spanischer Hoftracht aus weißer Seide. Die Braguette, die Schamkapsel, ist auffällig zwischen den versteiften Hosenbeinen zu erkennen. Obwohl die Modeerscheinung vom Klerus angeprangert wurde, erreichte ein solcher Hosenlatz manchmal sogar die markante Größe eines Kinderkopfes.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

KACHELOFEN - TIROL, 1. HÄLFTE 18. JAHRHUNDERT | ΤΟΝ | SCHLOSS AMBRAS INNSBRUCK
Der auf fünf weißglasierten, männlichen Figuren stehende Unterbau zeigt Masken, Fruchtbilder, die Allegorien der vier Jahreszeiten und die Wappen von Tirol und Österreich. Der ebenfalls viereckige Aufsatz weist an den Ecken die Personifikationen der Regierungsgewalten auf: Szepter, Krone, Reichsapfel und Gerichtbarkeit. In den Kacheln dazwischen kommen abermals die von Ornamenten umgebenen Jahreszeiten vor.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

KABINETTSCHRANK - ÖSTERREICHISCH (SIGNIERT HT) 1614
ESCHE, AHORN, OBSTHÖLZER, TEILWEISE VERGOLDET, SILBERAPPLIKEN, KUPFER EMAILIERT | SCHLOSS AMBRAS INNSBRUCK
Kabinettschränke weisen in ihrem Inneren viele Fächer und Schubladen auf, um Kostbarkeiten und Kunstkammerstücke aufzunehmen. Die reich intarsierten, architektonisch gegliederten Fassaden dieses besondere Exemplar verbergen 117 raffiniert ineinander verschachtelte Laden unterschiedlicher Größe, die aber wie der außerordentlich gute Erhaltungszustand vermuten lässt nie zur Aufbewahrung diverser Kleinkunstobjekte dienten. Der Kabinettschrank mit vier gleichwertigen Schauseiten und dem sich nach oben stufenartig verjüngenden Aufsatz mit palastartigem Mittelteil steht in der Tradition der Augsburger Kunstschränke des 17. Jahrhunderts.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

Maria von England - nach Anthonis Mor, 1554 (?), Öl auf Holz
Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie
Maria „die Katholische" von England (1516-1558) war die Tochter König Heinrichs VIII. und seiner ersten Frau Katharina von Aragon. Nach der Trennung der Ehe ihrer Eltern erklärte ihr Vater sie für illegitim. Durch die Sukzessionsakte von 1544 konnte sie aber nach dem Tod ihres Halbbruders Eduard VI. 1553 dessen Nachfolge antreten. 1554 heiratete sie Philipp II. von Spanien. Ihre gewaltsamen Versuche, den Protestantismus in England auszurotten, brachten ihr den Namen „Bloody Mary" ein. Auf dem Portrait trägt sie den „joyel rico", ein Schmuckstück, das ihr Philipp II. geschenkt hatte und das später von den spanischen Königinnen getragen wurde.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

MODELL VON SCHLOSS AMBRAS - INNSBRUCK, 1839/40, HOLZ
Nach Erzherzog Ferdinand II. (1529-1595) wurde Schloss Ambras nicht mehr als Residenz von Tiroler Landesfürsten genutzt. Das Schlossgebäude verfiel zusehends, zuletzt war es bis 1842 Militärkaserne. Erzherzog Karl Ludwig (1833-1896), Statthalter von Tirol, wählte es dann zu seinem Sommersitz. Vor dem Beginn diverser Umbauarbeiten wurde dieses Modell der Gesamtanlage angefertigt, das den originalen Renaissancezustand des Schlosses dokumentiert. Heute nicht mehr vorhanden sind das  „Ballspielhaus" rechtwinkling zum Spanischen Saal sowie die der Hauptzufahrt vorgelagerte „Heldenrüstkammer" im Unterschloss.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

KURFÜRST AUGUST VON SACHSEN - LUCAS CRANACH D. J., 1564/65
ÖL AUF LEINWAND, 215 × 104 CM- WIEN, KUNSTHISTORISCHES MUSEUM, GEMÄLDEGALERIE
Kurfürst August (1526-1586) war der Sohn Heinrichs des Frommen. 1553 folgte er seinem älteren Bruder Kurfürst Moritz von Sachsen in der Herrschaft nach. Er wirkte entscheidend am Zustandekommen des Augsburger Religionsfriedens von 1555 auf protestantischer Seite mit. Durch die Goldstickerei in strengem Rautenmuster erhält die Kleidung des Kurfürsten einen besonders repräsentativen Charakter.

ANNA VON DÄNEMARK, KURFÜRSTIN VON SACHSEN - LUCAS CRANACH D. J., 1564/65
ÖL AUF LEINWAND, 215 × 104 CM, WIEN, KUNSTHISTORISCHES MUSEUM, GEMÄLDEGALERIE
Anna (1532-1585) war die Tochter Christians III. von Dänemark. 1548 heiratete sie Kurfürst August von Sachsen. Durch ihre ausführliche Beschäftigung mit Medizin und Pharmazie und ihr ausgeprägtes soziales Engagement erhielt sie den Beinamen „Mutter Anna". Sie starb 1585 in Dresden an der Pest. Der in reichen Falten fallende Rock und das kleine, flache Barett entsprechen der deutschen Mode der Jahrhundertmitte.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

ZAHLTISCH - JOHANN CHRISTOPH PAUL TOSCAΝΝΟ 1628
KEHLHEIMER STEIN, FICHTE, ESCHE, AHORN, OBSTHÖLZER, EICHE, NUSS
WIEN, KUNSTHISTORISCHES MUSEUM, KUNSTKAMMER
Der Zahltisch wurde für Finanzgeschäfte aller Art verwendet und ist ein Unikat ohne Vergleichsbeispiele. Neben einem Kalender finden sich eine Umrechnungstabelle von Dukaten zu Gulden und Schillingen, eine Rechentafel, die das gleichzeitige Rechnen in mehreren Währungen ermöglicht, sowie ein Zinsrechner für einen Jahreszinssatz von von 6%. Die Inschriften richten sich gegen das Laster der Trunksucht und ermahnen zu einem maßvollen und gottesfürchtigen Leben.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

SULTAN SÜLEYMAN I. - VENEZIANISCH, 1530/40
ÖL AUF LEINWAND, 99 × 85 CM, WIEN, KUNSTHISTORISCHES MUSEUM, GEMÄLDEGALERIE
Sultan Süleyman I. (1495-1566) unternahm während seiner Regentschaft 13 Feldzüge. 1521 eroberte er Belgrad und vertrieb 1522 die Johanniter aus Rhodos. 1526 vernichtete er ein ungarisches Heer bei Mohács und stieß mit seinem Heer bis tief nach Ungarn vor. 1529 belagerten seine Truppen Wien und verbreitete in ganz Mitteleuropa Schrecken und Entsetzen. Süleyman war an der Herrschaft sowohl über das Festland als auch, mit der Hilfe von Chair-ad-Din Barbarossa, über das gesamte Mittelmeer interessiert. In seinem Konflikt mit den Habsburgern verbündete sich der Sultan mit König Franz I. von Frankreich. Er verstarb während eines Ungarnfeldzuges.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

Kaiser Karl V. - Francesco Terzio, 1550
Öl auf Leinwand, Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie
Kaiser Karl V. (1500-1558) war der älteste Sohn Philipps des Schönen und der Juana von Kastilien. 1516 wurde er zum Nachfolger Ferdinands von Aragon, 1519 zum Nachfolger Maximilians I. 1521/22 überließ er seinem Bruder Ferdinand die Österreichischen Länder. 1526 heiratete er Isabella von Portugal. 1530 wurde er in Bologna zum Kaiser gekrönt. Die Portraitaufnahme Kaiser Karls V. als ca. 50-jährigem geht eher auf ein Bildnis eines venezianischen Malers als auf ein verlorenes Original Seiseneggers zurück.

Isabella von Portugal - Oberitalienisch, 16. Jahrhundert
Öl auf Leinwand, Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie
Isabella (1503-1539) war die Tochter des Königs Manuel von Portugal und der Maria, einer Tochter des katholischen Königs Ferdinand II. von Aragon und der Isabella von Kastilien. 1526 heiratete sie ihren Vetter Karl V., während dessen Abwesenheit sie die Regentschaft von Spanien führte. Kurz nach der Geburt ihres siebten Kindes starb sie 1539. Insgesamt überlebten nur drei Kinder: König Philipp II., Maria - die spätere Frau Maximilians II. und Juana - die spätere Königin von Portugal.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

KAISER FRIEDRICH III. - HANS BURGKMAIR D. Ä. (?), ANFANG 16. JH.
ÖL AUF HOLZ, 78,5 × 51,5 CM, WIEN, KUNSTHISTORISCHES MUSEUM, GEMÄLDEGALERIE
Friedrich III. (1415-1493) war der Sohn Herzog Ernsts „des Eisernen" und der Cimburgis von Masovien. 1440 wurde er als Nachfolger Albrechts zum deutschen König gewählt und 1452, als letzter Kaiser in Rom, vom Papst gekrönt. Hier heiratete er auch Eleonore von Portugal. Bevor Wien 1485 vom ungarischen König Matthias Corvinus eingenommen wurde, legte der Kaiser 1477 durch die Verlobung seines Sohnes Maximilian mit Maria von Burgund den Grundstein für das spätere habsburgische Weltreich. Nach 58jähriger Regierung starb Friedrich III. 1493 in Linz.

ELEONORE VON PORTUGAL - HANS BURGKMAIR D. A. NACH EINEM VERLORENEN ORIGINAL 1468
ÖL AUF HOLZ, 79 x 51,5 CM, WIEN, KUNSTHISTORISCHES MUSEUM, GEMÄLDEGALERIE
Eleonore (1436-1467) war die Tochter des Königs Eduard von Portugal und seiner Frau Leonore von Aragon. 1452 heiratete sie in Rom Friedrich III., einige Tage vor dessen Krönung zum Kaiser. 1467 starb sie einunddreißigjährig in Wiener Neustadt. Von ihren fünf Kindern überlebten sie Maximilian, der spätere Kaiser, und Kunigunde.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

SAMMLUNG GOTISCHER SKULPTUREN beim Osteingang
Die Ambraser Sammlung gotischer Skulpturen stammt aus der Zeit Kaiser Maximilians I. (1459–1519), dem Urgroßvater Erzherzog Ferdinands II. Im 19. Jahrhundert wurden die teils gefassten, teils roh belassenen Figuren gesammelt und ab 1880 auf Schloss Ambras ausgestellt. Den Tiroler, vom süddeutschen Kunstraum beeinflussten Werken stehen Skulpturen aus dem niederösterreichischen Raum gegenüber.

Die Sammlung ist im Erdgeschoss des Bergfrieds untergebracht, der am Ende des 13. Jahrhunderts errichtet wurde. Gemeinsam mit Teilen des Nordtrakts und der Kapelle gehört der Bergfried zum mittelalterlichen Bauabschnitt des Schlosses.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

Das Hauptwerk ist der imposante Georgsaltar, der im Auftrag Maximilians von Sebold Bocksdorfer gefertigt wurde. Dieser Flügelaltar mit freistehenden Figuren wurde allansichtig gearbeitet, was auf die Raumfassung der Renaissance hinweist. Die Flügel des Altars zeigen die Heiligen Christophorus, Katharina, Barbara und Florian.

Georgsaltar - Bildschnitzer: Sebald Bocksdorfer (?); Maler: Sebastian Scheel (?) nach 1516, vor 1519
Zirbenholz, Schloss Ambras Innsbruck
Der Georgsaltar ist ein Auftragswerk Kaiser Maximilians I. Im Zentrum steht der hl. Georg, als Ideal des christlichen Ritters und Sinnbild für Maximilians großangelegte Kreuzzugsidee. Maximilian förderte nicht nur den von seinem Vater gegründeten St. Georgs-Ritterorden, sondern rief selbst eine St. Georgs-Bruderschaft ins Leben. Die Altarflügel schmücken Heiligenbildnisse, u.a. Achatius und Sebastian, die zugleich verborgene Porträts von Maximilians Enkeln, Karl und Ferdinand, sind. Die Wappenschilde verweisen auf die weitumspannenden politisch-territorialen Ansprüche des Kaisers bis nach Portugal, England und Neapel.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

MARIENTOD - SÜDTIROL, UM 1520, ZIRBE, SCHLOSS AMBRAS INNSBRUCK
Die Darstellungen von Marias Tod fußen auf der Homilie des Johannes von Thessalonike und der Legenda aurea des Jacopus de Voragine. Nach der Legende wurden die Apostel, als die Sterbestunde der Gottesmutter nahte, von den verschiedenen Stätten ihres Wirkens auf wunderbare Weise zu ihrem Haus gebracht, um ihr beizustehen. Maria sitzt in der Mitte, die sie umstehenden Apostel beten. Wie bei vielen Gruppenbildnissen des Spätmittelalters sind die Figuren flach übereinandergeordnet. Die Gewänder sind einheitlich in Gold gefasst, wodurch die ausdrucksvollen Köpfe besonders betont werden.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

SCHMERZENSMANN | ECCE HOMO - ULM (?), CA. 1500, HOLZ, SCHLOSS AMBRAS INNSBRUCK
Die Skulptur des Schmerzensmannes ist stilistisch in die Nachfolge Hans Multschers aus Ulm einzureihen. Die ursprüngliche gotische Hautbemalung war in kräftigem Rosa auf Kreidegrundierung gehalten. Direkt darauf befand sich eine breitangelegte gotische Blutbahn, welche bei der letzten Restaurierung in ihrem Verlauf von der Seitenwunde bis an die Innenseite des rechten Oberschenkels sichtbar gemacht wurde. Die Letztfassung des rosa-grauen Inkarnats stammt aus dem Barock.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

MARIENKRÖNUNGSALTAR - SÜDDEUTSCH, UM 1500, LINDEN- UND FICHTENHOLZ, SCHLOSS AMBRAS INNSBRUCK
Dargestellt ist die Krönung Marias zur Himmelskönigin durch Gottvater und -sohn (Krone nicht erhalten). In der linken Nische steht auf einer Säule Christus mit Dornenkrone und Wundmalen als sogenannter Schmerzensmann, in der rechten Nische Maria Magdalena, die Zeugin von Kreuzigung und Grablegung Christi. Die Schreinfiguren sind aus Lindenholz, der Schreinkasten ist aus Fichtenholz gefertigt und ohne farbige Fassung geblieben. Lediglich die Augen sind farbiggestaltet. Im Fachjargon spricht man von „Holzsichtigkeit", ein Phänomen, das im süddeutschen Raum in der Zeit von ca. 1470 bis 1530 zu beobachten ist.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

Erzherzog Ferdinand II. bezog 1567 Residenz in Innsbruck, nachdem er nach dem Tod seines Vaters Kaiser Ferdinands I. 1564 Tiroler Landesfürst geworden war. Er brachte seine berühmten Sammlungen aus Prag mit, die er bereits während seiner 20 Jahre langen Tätigkeit als Statthalter im Königreich Böhmen begründet hatte. Nach Ferdinands II. Tod 1595 erbte Markgraf Karl von Burgau das Schloss und dessen Sammlungen und verkaufte alles an Kaiser Rudolf II. Dieser verleibte sie jedoch nicht seiner eigenen Sammlung in Prag ein, sondern beließ sie weiterhin auf Schloss Ambras.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

Künstlich geschaffene Grotten wie diese waren in der Renaissance häufig in Gärten anzutreffen. Das Interesse an antiken Bräuchen und Gepflogenheiten und das bejahende Lebensgefühl in der Renaissance ließen alte Trinkriten als feuchtfröhlichen Zeitvertreib wiederaufleben. In der von Erzherzog Ferdinand II. angelegten Bacchusgrotte im Schlosspark Ambras wurde der „Ambraser Willkomm“ zelebriert. Verborgene Ketten und Gitter des Fangstuhls hielten dabei die Gäste fest, die sich nur durch das Austrinken eines mit Wein gefüllten Gefäßes befreien konnten. Deshalb wurde die Grotte nach dem römischen Gott des Weines als Bacchusgrotte bezeichnet. Nach bestandener Trinkprobe trugen sich die Gäste mit einem Spruch und ihrer Unterschrift in Trinkbücher ein, die heute noch in den Ambraser Sammlungen erhalten sind. Auf diese Weise haben sich wichtige Persönlichkeiten der Zeit verewigt. Ebenfalls bis heute erhalten sind die für den Ritus verwendeten Trinkgläser und der Fangstuhl.

Das Klima in der in Fels gehauenen Grotte ist feucht und kühl. Sie wurde als Teil der Parkanlage künstlich erschaffen und ihre Wände waren ursprünglich mit Muscheln verziert. Feste zu feiern war schon im 16. Jahrhundert ein willkommener Zeitvertreib, deshalb wurde die Bacchusgrotte gelegentlich als Weinkeller und Austragungsort verschiedenster Feierlichkeiten genutzt.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

Eine erste repräsentative Gartenanlage wurde an dieser Stelle unter Erzherzog Ferdinand II. zwischen 1566 und 1572 errichtet. Im Norden wurde dieser als "Keuchengarten" benannte Freiraum vom Spanischen Saal, im Süden von der Bacchusgrotte und im Osten vom Tierpark begrenzt. Im Westen stand ursprünglich das sog. Ballspielhaus, das 1880 abgebrochen wurde. Der Keuchengarten (benannt vermutlich nach einem mittelalterlichen, hier befindlichen Gefängnis) war im späten 16. Jahrhundert ein Zentrum des humanistischen, höfischen Lebens. Mehrere zeitgenössische Beschreibungen geben davon Zeugnis, daß hier "Renaissancelust" gepflegt wurde: In der Bacchusgrotte mußte man einen Trinktest bestehen, ein "umlauffender Tisch" lieferte Wasserscherze, in den geometrisch gestalteten Beeten pflegte man seltene Blumen und Kräuter. Matthäus Merian versuchte in seiner "Topographia Provinciarum Austriacarum" 1649 die Erinnerung an diese - damals schon vernachlässigte - Gartenschöpfung wachzurufen. Im 17. Jahrhundert entstand hier ein Obstanger und im 18. Jahrhundert brach man den "umlauffenden Tisch" ab.

Zwischen 1852 und 1862 ließ Erzherzog Karl Ludwig das Hochschloß zu seinem Wohnsitz umgestalten und gleichzeitig die Gärten im Sinne eines Landschaftsparks erneuern. Zu dieser Zeit entstand das "Schwimmbecken" im Keuchengarten als heute noch erhaltenes Kulturdenkmal des 19. Jahrhunderts. 1914 wurde der Neorenaissance-Brunnen vor dem ehemaligen Ballspielhaus aufgestellt und 1974 ein neuer geometrischer Garten von den Bundesgärten Innsbruck (Ing. Otto Koppensteiner) errichtet. 1997 entstand hier ein Musterbeet der Renaissancezeit im Sinne von Hans Puechfeldner (1592, 1594), der als Gärtner in kaiserlichen Diensten in Prag wirkte und dessen Gartenbücher sich mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Ambraser Bibliothek von Erzherzog Ferdinand II. befanden. Die Rekonstruktion wurde von den Bundesgärten Innsbruck (Ing. Herbert Bacher) gemeinsam mit dem Architekturbüro Dipl. Ing. Maria Auböck (Wien) ausgeführt.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

In den folgenden Jahrhunderten war das Schloss nicht mehr Residenz eines Habsburger Landesfürsten und nur selten bewohnt. Durch mangelnde Konservierungsmaßnahmen kam es zu Verlusten, die in den handgeschriebenen Inventaren überliefert sind. In den dreißiger Jahren des 18. Jahrhunderts erfolgte erstmals eine gründliche Sanierung der Anlage und eine Neuaufstellung der Sammlung. Durch die spätere Nutzung des Hochschlosses und des Spanischen Saales als Lazarett (1797–98), und als Kaserne (1841–1843) entstanden allerdings wieder schwere Schäden an der Bausubstanz. Nachdem 1805 Napoleon Bonaparte den privatrechtlichen Charakter der Ambraser Sammlung nach der Niederlage Österreichs gegen das Kaiserreich Frankreich anerkannte, wurden die Hauptbestände 1806 nach Wien in Sicherheit gebracht. 1814 wurden sie dann anlässlich des Wiener Kongresses im unteren Schloss Belvedere unter dem Titel „K u K Ambraser Sammlung“ ausgestellt. Sie kam aber bereits nach 1880 wieder zurück nach Tirol, als auf Schloss Ambras ein Museum eingerichtet wurde. Wertvolle Objekte verblieben jedoch in Wien, nachdem sie – ganz der Mode der Zeit entsprechend – in die verschiedenen, neu entstandenen Präsentationshäuser verteilt wurden. Seither bildet dieser Teil der Sammlungen Ferdinands II. vor allem – zusammen mit den Sammlungen Rudolfs II. – den Kernbestand des 1891 eröffneten Kunsthistorischen Museums in Wien. Der andere bedeutende Teil wird auf Schloss Ambras gezeigt.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024

Im Hochschloss sind die Habsburger Porträtgalerie, die Glassammlung Strasser und die Sammlung gotischer Skulpturen von Schloss Ambras untergebracht.

 Schloss Ambras Innsbruck, Oktober 2024



Wem der viele Text zu lange war und lieber Bewegtbilder mit Musik mag, kann sich gerne dieses Video antun: