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Gleich zwei Wahrzeichen buhlen im 32 ha großen Schlosspark um Aufmerksamkeit: Das märchenhafte Schloss gilt als bedeutendes Zeugnis des romantischen Historismus in Österreich, die moderne Open-Air-Bühne Wolkenturm ist alljährlich Schauplatz herausragender Konzerte.

Das Schloss ist reich an historischen Zeugnissen und seine Ursprünge
gehen auf das Jahr 1435 zurück. Von da an durchlebte es im Verlauf der
Jahrhunderte mehrere Metamorphosen, bis es sich schließlich zum heute
sichtbaren Schloss im Tudor-Stil wandelte. Graf Breuner-Eckevoirt, ein
Liebhaber der Baukunst, ließ das Renaissance-Schloss im 19. Jahrhundert
im Stil des romantischen Historismus umbauen. Heute befindet sich das
Schloss im Besitz der Familie Metternich-Sándor, welche mit der
Unterstützung des Landes Niederösterreich das Schloss restauriert hat.

Das Schloss Grafenegg ist das Herz dieses lebendigen Standorts, hat es
doch die Jahrhunderte in verschiedenen Formen überdauert und ist
namensgebend für dieses kleine, gemütliche Örtchen geworden. Vor etwa
700 Jahren entstand hier die erste Siedlung, aus der sich bald darauf
der erste befestigte Hof erhob. Jahrzehnte später übernahm Ulrich von
Grafeneck (ca. 1420-1487) das Anwesen und verlieh dem heutigen
Grafenegg seinen Namen. Das heutige Schloss ist gewissermaßen
Anschauungsobjekt für einen Rückblick in die historischen Umbrüche von
seinen Anfängen bis zur Gegenwart.

Im Innenhof des Schlosses kann man die Verwandlung Grafeneggs von der
Renaissance bis zum Historismus nachvollziehen. Die Bauarbeiten (etwa
1840 bis 1880) begannen im Nordteil und schritten gegen den
Uhrzeigersinn voran. Im Nordteil blickt man auf das etwas verblasste
Freiluftgemälde «Rückkehr von der Jagd» von Ferenc Storno dem Älteren.
Im Wesentlichen wurde die Bausubstanz beibehalten, optisch jedoch durch
massive Hinzufügung von Giebeln, Arkaden sowie Fassadendekorationen
stark verändert. Ins Auge sticht der imposante Turm: Der mächtige
Bergfried – mit Außenumgang, vier Ecktürmchen und steilem Keildach –
prägt das Gesicht des Innenhofs.

Im Laufe der Jahrhunderte erlebte es zahlreiche Erweiterungen, wobei es
seine heutige Gestalt mit den vier Flügeln und den imposanten Türmen
erst im frühen 17. Jahrhundert erhielt. Die Glanzzeit Grafeneggs brach
im 19. Jahrhundert an, als Graf August von Breuner-Enckevoirt
(1796-1877) den renommierten Wiener Dombaumeister Leopold Ernst damit
beauftragte, ein prachtvolles Gebäude und eine Parkanlage im
romantischen Historismus nach dem Vorbild englischer Schlösser zu
errichten. Diese Umgestaltung, bei der die historischen Bestandteile
kunstvoll in eine elegante Neogotik integriert wurden, zeugt von einer
langen Tradition der Verbindung von Gegensätzen. Nach der sowjetischen
Verwaltung in der Nachkriegszeit wurde das Schloss schließlich an Franz
Albrecht Metternich-Sándor zurückgegeben und es begann die aufwendige
Renovierung der beschädigten Bausubstanz.

In den Sommermonaten wird der Innenhof des Schlosses als Bühne für
nachmittägliche Kammermusikkonzerte genutzt. Das Préludekonzert ist ein
zum Abendkonzert passendes Vorkonzert, welches im Sommer an jedem
Samstag und Sonntag bei Eigenveranstaltungen (im Schlosshof oder in der
Reitschule) stattfindet. Genießen Sie Kammermusik in spannenden
Besetzungen und Konstellationen! Eine Karte für das Abendkonzert ist
erforderlich. Freie Platzwahl, begrenzte Kapazität.

Der Umbau durch Leopold und Hugo Ernst im 19. Jahrhundert ging zwar im
Allgemeinen schonend mit der vorhandenen Bausubstanz um, verlieh dem
Schloss aber durch Hinzufügen von Treppengiebeln, Arkaden sowie der
Fassadendekoration im neugotischen Tudorstil einen völlig veränderten
Gesamteindruck, der sich bei der Innendekoration durch Ludwig Wächtler
– weitgehend im Stil der Neorenaissance – fortsetzt. Die geschlossene
Anlage besteht aus vier Trakten, die um einen Innenhof angeordnet sind.
Ausgehend vom Nordtrakt schritt der Umbau im 19. Jahrhundert gegen den
Uhrzeigersinn voran.


Dieser Brunnen, der mit „1570" signiert ist, befand sich ursprunglich
im Hofe des Niederösterreichischen Landhauses in Wien. 1837 kam er in
den Besitz des Malers Friedrich Amerling und durch diesen an Graf
Breuner, der das schmiedeeiserne Brunnengehäuse hier aufstellen ließ.
1945 wurde der Brunnen von der russischen Besatzungsmacht dem
Niederösterreichischen Landesmuseum in Wien überlassen. Nach mehr als
50 Jahren ist er 1997 dank der großzügigen Rückgabe-Bereitschaft von
Herrn LANDESHAUPTMANN DR. ERVIN FRÖLL wieder an seinen alten Platz
zurückgekehrt.



Die bedeutendsten Räumlichkeiten des Schlosses sind der Rittersaal und
die Kapelle. Letztere ist mit ihrer überbordend bunten Ausmalung und
den ineinander verwobenen gotischen und neogotischen Elementen
besonders sehenswert.





Der Innenhof des Schlosses ist nicht nur besonders einladend zum
Verweilen, sondern ermöglicht es auch, den Wandel der Zeiten in Ruhe
nachzuvollziehen und zu analysieren. In den Sommermonaten finden hier,
zur Einstimmung auf den Konzertabend am Wolkenturm, die Préludes statt.

Hauptstiegenhaus
Die vor Ihnen liegende Hauptstiege ist um 1851 nach dem Vorbild des
Stiegenhauses in Schloss Strawberry Hill bei Twickenham, England
entstanden. Rechts an der Wand begrüßt uns Graf Breuner mit dem
Geldbeutel in der Hand, links der Baumeister Leopold Ernst mit Zirkel
und Bauplan.
Die große steinerne Ritterfigur am Fuß der Treppe (vermutlich von
Johann Preleuthner ausgeführt) ist vielleicht wieder der Bauherr selbst
- schauen Sie sich die Ritterfigur an, dann beim Hinaufgehen drehen Sie
sich noch einmal um: jetzt sieht man eine Muttergottesfigur mit Krone
die Schutzmantelmadonna, die über Grafenegg wachen soll.


Seit dem 17. Jahrhundert gehörte zu den Grafenegger Kunstsammlungen
auch eine bedeutende Waffensammlung, die zum größten Teil in den
1930er-Jahren in die Schweiz verkauft wurde und heute über die ganze
Welt verstreut ist.

2015 konnte dieser Feldharnisch, den Sie heute auf dem Kamin sehen und
der aus der alten Grafenegger Waffensammlung stammt, bei einer Londoner
Auktion erworben und nach über 80 Jahren nach Grafenegg zurückgebracht
werden. Der Feldharnisch wurde in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts
geschaffen - möglicherweise vom berühmten Augsburger Plattner Anton
Pfeffenhauser. Der verlorene Helm wurde 2017 vom österreichischen
Plattner Ewald Tanzer nach Originalunterlagen nachgebaut.


Grafenegg blickt auf eine lange und lebendige Musiktradition zurück.
Mit der Renovierung des Schlosses nach dem Ende der sowjetischen
Besatzung wurden zunächst in dem an diese Bibliothek angrenzenden
Gartensaal sowie im Schlosshof und später in der Alten Reitschule
Konzerte und Lesungen angeboten, 1976 wurde der Grafenegger Advent ins
Leben gerufen. Gemeinsam mit dem Land Niederösterreich wurde 2007 das
Grafenegg Festival gegründet, das seither in jedem Sommer die besten
Orchester, Dirigenten und Solisten der Welt nach Grafenegg bringt. Die
modernen Konzertbühnen, die historischen Gebäude und die unberührte
Natur verbinden sich hier zu einem harmonischen Abend.

Seit Beginn der Festivals ist jährlich auch ein Composer in Residence
in Grafenegg zu Gast und präsentiert sich als Komponist, aktiver
Musiker, Vermittler und Lehrer. Als lebendiges Zeichen der Erinnerung
an ihren Aufenthalt hinterlassen die Komponisten einen eigenhändig im
Park gepflanzten Baum. Die Schaukästen hier in der Schlossbibliothek
fangen diese lebendigen Spuren ein: Portraitfotos, handsignierte
Partiturseiten aus den Auftragswerken und botanische Abbildungen der
gepflanzten Bäume zeigen einen Streifzug durch das Wirken der Künstler
hier in Grafenegg.


Im ersten Stock öffnen sich die Türen zu prunkvollen Festsälen, der
weitläufigen Bibliothek sowie zu stilvollen Wohn- und Congressräumen –
Orte, an denen Kultur, Musik und Tradition seit Jahrhunderten lebendig
sind. Kunstvolle Details, historische Spuren und ein besonderer Zauber
machen dieses märchenhafte Bauwerk zu einem unvergesslichen Erlebnis.











An der Nordwestecke der Anlage befinden sich Speisesaal und Großer
Salon – auch Ecksalon – mit nach englischem Vorbild ausgeführten
Hammer-beam-Decken, die zu den kunsthandwerklichen Höchstleistungen des
Historismus in Österreich zählen. Im Großen Salon werden die
Balkenköpfe der farbenprächtigen Decke alternierend von Rittern und
Engeln verziert.



In der Mitte des Westtraktes befinden sich die 1866 entworfenen Räume
Gelber Salon (oder Damensalon), Toilettenzimmer (oder Kleiner Salon)
und das Bad. Aus dem Jahr 1864 stammen die Entwürfe für das
Schlafzimmer sowie das in der Südwestecke gelegene Schreibzimmer des
Grafen, aufgrund der Wandmalerei Blauer Salon genannt. Dieser ist mit
besonders prachtvollen Wandvertäfelungen ausgestattet.






Im Obergeschoß befindet sich der 1851 vollendete Rittersaal,
gewissermaßen das Prunkstück des Schlosses, in dem kostbarste
Materialien – verschiedene Hölzer, Leder, Marmor und Metall –
verarbeitet wurden. Um einen zentralen Kamin waren mehrere (nicht
erhaltene) Ritterrüstungen aufgestellt. Der Rittersaal verfügt über
eine bemerkenswerte Kassettendecke sowie drei hofseitige Erker mit
Wappenscheiben in der Verglasung. Die heutigen Wandbilder zeigen
weltliche und geistliche Persönlichkeiten aus dem Hause Habsburg.




MITTLERES OESTERR. REICHSWAPPEN.

FRANZ JOSEF I.
Kaiser von Oesterreich etc. etc. etc.

ELISABETH
Kaiserin von Oesterreich etc. etc. etc.


Westlich schließt die Wappenstube an, die vermutlich in den späten
1850er Jahren fertiggestellt wurde. Sie zeigt an der Holzdecke Wappen
von 128 Ahnen der Gräfin Agathe Maria Breuner, die 1855 mit August
Johann Breuner, dem Sohn des Bauherrn, vermählt wurde.

Das Schloss ist reich an historischen Zeugnissen und seine Ursprünge
gehen auf das Jahr 1435 zurück. Von da an durchlebte es im Verlauf der
Jahrhunderte mehrere Metamorphosen, bis es sich schließlich zum heute
sichtbaren Schloss im Tudor-Stil wandelte. Graf Breuner-Eckevoirt, ein
Liebhaber der Baukunst, ließ das Renaissance-Schloss im 19. Jahrhundert
im Stil des romantischen Historismus umbauen. Heute befindet sich das
Schloss im Besitz der Familie Metternich-Sándor, welche mit der
Unterstützung des Landes Niederösterreich das Schloss restauriert hat.

Die große steinerne Ritterfigur am Fuß der Treppe vom Hauptstiegenhaus, links der Baumeister Leopold Ernst mit Zirkel
und Bauplan.

Das Schloss, der Park, der Wolkenturm und das Auditorium bilden einen
einzigartigen Raum der Begegnung von Tradition und Innovation. Von den
außergewöhnlichen Architekturstilen über die botanische Vielfalt bis
hin zu den künstlerischen Werken offenbart sich überall weit
zurückreichende sowie jüngere Geschichte. Jede Epoche hat ihre Spuren
hinterlassen: die Mühle aus dem 13. Jahrhundert, der barocke
Gartenpavillon, die Biedermeier-Häuser und natürlich das Schloss -
eines der wichtigsten Bauwerke des romantischen Historismus in
Österreich.

Die Mise en Scéne der Natur als Hülle aller Komponenten regt zu
ausgedehnten Spaziergängen an. Die 32 Hektar große Oase, als englischer
Landschaftsgarten angelegt, bietet mit dem Wechsel der Sonne ständig
neue Eindrücke. So wird jeder Besuch zu einem neuen Erlebnis. Das
kulinarische Angebot im Restaurant und die Weinlounge mit regionalen
Tropfen runden das Erlebnis vor Ort ab. Zusätzlich ist der
Picknickpavillon eine wunderbare Möglichkeit, sich während der
Besichtigung zu erholen. Und wenn ein Tag zur Erkundung nicht reicht,
kann man in den Cottages am Areal über Nacht zu Gast sein. Es ist diese
Vielfalt an Erlebnismöglichkeiten, welche die besondere Atmosphäre in
Grafenegg ausmacht.

Der 32 Hektar große Schlosspark umrahmt die Architektur in Grafenegg
und wurde ursprünglich als englischer Landschaftsgarten angelegt. Mit
seiner vielseitigen Flora und Fauna, die Rehe und andere Wildtiere
beheimatet, lädt er das ganze Jahr über zu ausgedehnten
Erkundungstouren ein. Der Park verbindet Natur, Architektur und Kunst
und ermöglicht den Besucher:innen einen Blick in historische
Umwälzungen. Vom Gartenpavillon kommend reflektieren die 300 Jahre
alten Lindenalleen die Barockzeit, in welcher der heute so prächtige
Park seinen bescheidenen Anfang nahm. Große Teile des Areals bestanden
damals noch aus Feldern und Weinbergen. Das Ideal einer solchen
barocken Pflanzung war die Umsetzung der Idee des Absolutismus –
wohlgeordnet, streng symmetrisch, abstrahiert – eingebunden in das
hierarchische System von Denk- und Herrschaftskategorien.

Grafenegg Wolkenturm
Die Fertigstellung des Wolkenturms im Jahr 2007 markierte den Beginn
des Grafenegg Festival. Die preisgekrönte Open-Air Bühne, ein Mix aus
Beton, Stahl und Glas, profiliert sich durch eine der besten Akustiken
Europas und bietet 1700 Sitzplätze für Besucher:innen sowie weitere 400
Rasenplätze auf den angrenzenden Hügeln.
Der architektonische Komplex erhebt sich zu einem Monument in der
weitläufigen Gartenlandschaft und schafft mit seinen Raumöffnungen eine
spannende Verbindung zwischen Natur und Bauwerk. Je nachdem, aus
welcher Richtung man sich nähert, ändern sich Form und Erscheinung und
gehen nahtlos in die bestehende Landschaft über. Die Wege im Park sind
so angelegt, dass sich beim Durchwandern ständig neue Perspektiven
ergeben.

Reitschule Grafenegg, im Umbau zum Rudolf Buchbinder Saal
Die Reitschule wandelte sich von einer Reithalle zu einem
Kammermusiksaal, in dem regelmäßig vielfältige Formate über die Bühne
gehen. Einziges Relikt, welches die ehemalige Funktion des Gebäudes
offenbart, sind die noch sichtbaren marmornen Becken, in denen die
Pferde ihren Durst stillten. Das historische Gebäude mit seinen
Nebenräumen bietet für alle Anlässe ein einzigartiges Ambiente. Mit der
Renovierung und der Erweiterung der Reitschule um den Rudolf Buchbinder
Saal entsteht eine dritte wichtige Spielstätte und eröffnen sich neue
Nutzungsmöglichkeiten.

Wem der viele Text zu lange war und lieber Bewegtbilder mit Musik mag,
kann sich gerne dieses Video antun: