Stainzer Flascherlzug

im Schilcherland, Juli 2024

Genieße eine nostalgische Zugfahrt durch das Schilcher-Kernöl-Land mit dem historischen Stainzer Flascherlzug von Stainz nach Preding und retour. Die Gäste werden während der Fahrt von einem Ziehharmonikaspieler unterhalten. Kulinarische Verpflegung gibt es während der Fahrt und bei den Haltestationen in Kraubath und Preding.

 Stainzer Flascherlzug im Schilcherland, Juli 2024

11,4 Kilometer galt es in der Rekordzeit von nur fünf Monaten zu erbauen. Mit Pferdefuhrwerken und einfachsten Handwerkzeugen wurden die Schienen mühevoll verlegt. Zu Betriebszeiten war dann die Mittelstation "Kraubath" der Standort der Oberbauarbeiter. Ein eigener Draisinenschuppen, der über eine sogenannte "Kletterweiche" erreicht werden konnte, sowie nach und nach angeschaffte Fahrzeuge erleichterten die Arbeit im Laufe der Jahre. So wurde zum Beispiel 1953 ein "Stabeg Motorbahnwagen" angeschafft, der mit seinen neun Pferdestärken das Bahnpersonal sowie Werkzeuge transportierte. Heute werden die anfallenden Gleisbauarbeiten an professionelle Unternehmen vergeben.

 Stainzer Flascherlzug im Schilcherland, Juli 2024

Vom Eröffnungszug an wurden auf der Stainzer Lokalbahn Personenzüge geführt. Damit war sie die erste steirische Schmalspurbahn mit öffentlichem Personenverkehr. Während der wirtschaftlichen Krise Anfang der 1930er Jahre wurde der Personenverkehr jedoch bis 1941 eingestellt, was nicht zuletzt an der Einrichtung der Buslinie zwischen Stainz und Graz lag. Nach dem Ausbau des Busverkehrs musste die Personenbeförderung ob dessen Dominanz am 01. Februar 1951 erneut und endgültig eingestellt werden. Am 03. Juni 1971 konnte man dann zum ersten Mal in den "Flascherlzug" einsteigen. Ursprünglich bloß als Sonderzug für diesen Tag gedacht, entwickelten sich die Fahrten schnell zum beliebten Ausflugsziel und es gibt sie heute noch.

 Stainzer Flascherlzug im Schilcherland, Juli 2024

Als erste Schmalspurbahn in Österreich verfügte man ab 1892 über die Möglichkeit mittels Rollböcken normalspurige Güterwagen zu transportieren. Anfang der 1930er Jahre wurde der Güterverkehr allerdings erstmals nach Wegfall des größten Kunden - der Zündholzfabrik Stallhof - und aufgrund der starken Konkurrenz auf der Straße eingestellt. 1941 konnte auf Drängen der Marktgemeinde Stainz der Güterbetrieb wieder in vollem Umfang aufgenommen werden. Neben Fracht für die Zündholzfabrik transportierte man landwirtschaftliche Güter, "Stainzer Platten", Stückgüter (z.B. Pakete) und belieferte die Mühle in Herbersdorf. 1980 wurde der Güterverkehr dann endgültig eingestellt.

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Während des Betriebes der Stainzer Lokalbahn wurde ein Großteil der anfallenden Instandhaltungsarbeiten im eigenen Heizhaus durchgeführt. Die dafür notwendige Infrastruktur war allerdings spärlich und so musste man sich mit allen möglichen Mitteln behelfen. Eine Schmiede, sowie ein Transmissionsantrieb für Bohrmaschinen, Drehbank und Schleifböcke waren, neben diversen Arbeitsgruben, die einzigen technischen Helfer für die teils anstrengende Arbeit. Zum Ausbinden von Radsätzen und Heben von Fahrzeugen musste man auf von Hand bediente Hebewinden zurückgreifen.

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Von der Idee zum Betrieb in nur 5 Monaten
Bereits 1871, als die Konzession zum Bau der Wieserbahn erteilt wurde, bestand die Möglichkeit eine normalspurige Zweigstrecke von Preding aus nach Stainz zu errichten. Diese Variante wurde allerdings, wie auch die Überlegung die Wieserbahn über Stainz zu führen, letztlich nicht in Betracht gezogen. Im Jahr 1892 wurde abermals eine Konzession erteilt, diesmal jedoch für den Bau einer Lokalbahn, die schließlich in der Rekordzeit von 17. Juni bis 26. November desselben Jahres errichtet wurde.

 Stainzer Flascherlzug im Schilcherland, Juli 2024

 Stainzer Flascherlzug im Schilcherland, Juli 2024

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Die Signale der Stainzer Lokalbahn waren nicht sehr umfangreich. Da zumeist lediglich ein Zug auf der Strecke war konnte man auf aufwendige Signaltechnik verzichten. Die Einfahrt in den Bahnhof Preding war allerdings durch eine Schutzweiche und ein sogenanntes "Deckungssignal" geschützt. Dieses Distanzsignal (aufklappbare, rote Scheibe mit weißem Rand) war das letzte, in Verwendung befindliche, seiner Art in Österreich und kann noch heute an der Strecke bewundert werden, wo es als begehrtes Fotomotiv dient. Um den als 4-Schienengleis ausgeführten Gleisbereich befahren zu können musste man zunächst via Kurbeltelefon die Zustimmung des Bahnhofpersonals in Preding einholen und durfte erst danach das Stellwerk bedienen.

 Stainzer Flascherlzug im Schilcherland, Juli 2024

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Stainzer Lokalbahn - Der "Flascherlzug"
1866-1935 lebte unweit von Stainz der berühmte Höllerhansl (Johann Reinbacher) der sich als "Wunderdoktor" die mitgebrachten Urinfläschchen der Patienten zur Deutung derer Krankheiten besah. Da zu seinen Lebzeiten zumeist per Bahn angereist wurde entwickelte sich im Volksmund der Name "Flascherlzug". Nach den ersten Sonderfahrten unter diesem Namen im Jahre 1971 und dem Verlust der Eisenbahnkonzession wurde der Personenverkehr am 09. Mai 1981 von der Marktgemeinde Stainz übernommen und als Veranstaltungsbetrieb fortgesetzt. Heutzutage befördern diese pro Saison über 20.000 Fahrgäste durchs Schilcherland.

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Heute werden die bunten Personenwaggons von der, 1986 gebauten "Resita"-Dampflok gezogen. Daneben gibt es noch einige sehr interessante Diesellokomotiven und eine große Anzahl von Güterwagen, so daß es für einen Eisenbahnfan genügend zu sehen gibt. Vier der bunten Waggons tragen bezeichnende, alte Namen, die in Zusammenhang mit dem Höllerhansl stehen. Einer wurde überhaupt "Höllerhansl" genannt, ein weiterer "Bergliesl". Das war eine in Stainz und Umgebung sehr bekannte Frau, die die Kräuter für die Arzneimixturen gesammelt hat. Auch der Name "Kräuterwagerl" nimmt darauf Bezug. Die blau gestrichene "Schilcherschaukel" hat im Inneren einen Ausschank, damit man sich während der Fahrt mit Schilcher und Verhackertbroten stärken kann.

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Die Originalbezeichnung wäre eigentlich "Schmalspurige Lokalbahn". Die Marktgemeinde Stainz ist Besitzer und Betreiber des Zuges. Eröffnet wurde die Bahn mit der Spurweite von 760 mm im Jahre 1892. Ausgangspunkt war der Bahnhof Preding - Wieselsdorf. Die Bahn endet bei der Haltestelle Preding - Wieselsdorf. Der Flascherlzug hat mit seinen Sonderfahrten im Jahre 1971 begonnen. Der Ausgangspunkt ist nun der Bahnhof Stainz. Vorbei an den Haltestellen Herbersdorf, Neudorf und Kraubath führt die Bahn durch das idyllische Tal des Stainzbaches bis zur Umkehrstation in Preding-Wieselsdorf. Die Gesamtlänge der Strecke beträgt 11,4 km. Die Fahrdauer hin und retour beläuft sich auf ca. zwei Stunden.

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Auch der Bahnhof Stainz selbst ist eine Besonderheit. Die Gebäude und Einrichtungen sind, ebenso wie die Schmalspurbahn, ebenfalls über hundert Jahre alt und stellen eine Rarität dar. Das Heizhaus ist eines der letzten in der Steiermark erhalten gebliebene Schmalspurheizhäuser. Auch die Herzstücke der einzelnen Weichen stammen noch aus der Gründerzeit, wie auch der Großteil der Schienen.

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Bei der Buchung kann man sich für eine Lok entscheiden. Wochentags kommt die Diesellok zum Einsatz, am Wochenende (mit Aufpreis von 5 Euro) eine Dampflok. Also natürlich für Wocheende gebucht und vor Ort erfahren, dass die Dampflok nicht verfügbar ist und auf die Diesellok downgegradet wird. Wer eine Refundierung wünscht, möge sich an Werktagen an die Marktgemeinde Stainz wenden. Man hätte dies selbst erst eine Stunde zuvor erfahren.

Ich fand diese Erfahrung für dieses nicht gerade günstige Vergnügen recht enttäuschend, da ich schließlich genau für diese Dampflok diesen Tag für eine Anreise in die Steiermark gewählt hatte. Sehr schade!

 Stainzer Flascherlzug im Schilcherland, Juli 2024

Zwischenstopp in Kraubath nach 21 Minuten auf halber Strecke.

 Stainzer Flascherlzug im Schilcherland, Juli 2024

In Ermangelung der gebuchten Fahrt mit der Dampflok habe ich hier enttäuscht den Flascherlzug verlassen und auf die bezahlte Rückfahrt nach Stainz verzichtet.

End- und Wendestelle in Preding-Wieselsdorf an der GKB.

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Wem der viele Text zu lange war und lieber Bewegtbilder mit Musik mag, kann sich gerne dieses Video antun: