Barbarakirche

in Wien, September 2026

Die Barbarakirche ist die Hauptkirche der Griechisch-katholischen Kirche in Österreich, wie auch Pfarrkirche der Ukrainischen Unierten Kirchengemeinde, einer deutschsprachigen griechisch-katholischen Gemeinde sowie Zentralpfarrkirche für das Ordinariat für die Gläubigen der katholischen Ostkirchen in Österreich. Sie steht in der Postgasse im 1. Wiener Gemeindebezirk Innere Stadt.

 Barbarakirche in Wien, September 2026

Die Barbarakirche ist eine frühbarocke Wandpfeilerkirche und hat eine bemerkenswerte frühhistoristische Fassade von Paul Wilhelm Eduard Sprenger aus dem Jahr 1852. Sie besitzt ein Giebeltürmchen im Rundbogenstil und ein Baldachin-Portal auf Steinsäulen mit ornamentierten Würfelkapitellen. Im Tympanon befindet sich ein modernes Mosaik-Bild der Heiligen Barbara aus dem Jahr 1956. Im oberen Fassadenbereich finden sich Nischen mit den Statuen der Heiligen Basilius und Barbara. Seitlich neben der Fassade steht seit 1999 ein Denkmal für den ukrainischen Schriftsteller Iwan Franko, das der Lemberger Bildhauer Liubomir Jaremchuk geschaffen hat.

 Ein modernes Mosaik (von 1956) über dem Eingang zeigt die heilige Barbara mit einem Turm und einem Palmzweig – einem Symbol des Martyriums. Auf der oberen Ebene der Fassade stehen links und rechts Statuen des heiligen Basilius des Großen – eines Kirchenlehrers – sowie der heiligen Barbara. Im Allgemeinen sind Statuen in der Tradition der byzantinischen Kirchenarchitektur nicht üblich; in der Regel schmücken lediglich Ikonen – die als „Gebete in Farben“ verstanden werden – die Kirchen des Ostens. Dennoch spiegelt sich der starke Einfluss des westlichen Stils des 19. Jahrhunderts in den architektonischen Formen der Kirchenfassade wider.

 Barbarakirche in Wien, September 2026

Die Ausstattung im Inneren ist qualitätvoll und einheitlich im Rokokostil gehalten. Sie stammt aus der Zeit um 1780. Die Ikonostase, der Altar, die Kanzel, Kathedra und der Taufstein wurden großteils von Arsenius Marković (Bildhauerarbeiten) und Moses Subotić (Malereien) geschaffen. Die Ikonostase ist durch korinthische Säulen und Pilaster gegliedert und mit vergoldeten Schnitzereien reich geschmückt. Die Türen zeigen den Heiligen Michael, die Verkündigung des Herrn und den Heiligen Stephanus. Darüber befinden sich die Bilder des Heiligen Nikolaus von Myra und Johannes dem Täufer, in der Mitte Madonna mit Kind und lehrender Christus, vom Anfang des 19. Jahrhunderts.

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Weiters sind erwähnenswert die Darstellungen der Heiligen Dreifaltigkeit, das Letzte Abendmahl und an den Seiten die Zwölf Apostel von Efrem Klein, alle um 1780. Im Chor befindet sich ein Vorbereitungsaltar mit Feiertagswechselikonen von Moses Subotić. Ein weiterer bemerkenswerter Altar ist ein freistehender Marmorblockaltar mit einem Heiligen Grab und einem Ziboriumsaufbau, ebenfalls um 1780. Weitere Ausstattungsstücke sind ein Tabernakel in Form einer Kirche vom Ende des 19. Jahrhunderts, ein Wandretabel mit einem Bild der Heiligen Barbara von Subotić, das große Ähnlichkeit mit Maria Theresia haben soll, und eine bemerkenswerte Madonnenikone um 1600.

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Ursprünglich stand die Kirche mit Turm (und bekrönender Turmzwiebel) frei; die heutige romanisierende Fassade (von Paul Wilhelm Eduard Sprenger, 1852) fügt sich fast gänzlich in das Gebäude der Generalpostdirektion (Hauptpostgebäude) ein. Der einschiffige Kirchenraum besitzt ein Tonnengewölbe und ist durch toskanische Wandpfeiler gegliedert; in der Halbkuppel figurale Malereien. Die Kanzel (mit Gemälden), die Ikonostasis, der Taufstein, das Gemälde der heiligen Barbara und die Einrichtung stammen aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, das Gemälde des heiligen Nikolaus (von Johann Kastner) aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Seit 1916 werden in der Kirche die Reliquien des Erzbischofs von Polock, des heiligen Josephat Kuncewycz, verwahrt (zuvor in Biala).

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Der jeweilige Erzbischof von Wien ist Ordinarius aller Katholiken des byzantinischen Ritus in Österreich, die in der Zentralpfarre zu St. Barbara zusammengefasst sind. Die Barbarakirche ist die Hauptkirche der Griechisch-katholischen Kirche in Österreich, wie auch Pfarrkirche der Ukrainischen Unierten Kirchengemeinde, einer deutschsprachigen griechisch-katholischen Gemeinde und Zentralpfarrkirche für die anderen byzantinischen Gläubigen Österreichs.

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Wandmalereien aus den Jahren 1983–1985 von Svjatoslav Hordynskyj zeigen Christus Pantokrator umgeben von Engeln, ostkirchliche Heilige und Szenen aus dem Neuen Testament im Altarraum und im Kirchenschiff. An den Seitenwänden der Chorempore befinden sich die Darstellung der Taufe der Kiewer Rus durch den heiligen Großfürsten Wladimir I. im Jahr 988 und die Befreiung Wiens nach der Türkenbelagerung 1683 mit Hilfe ukrainischer Kosaken.

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Die älteste urkundliche Erwähnung fällt in das Jahr 1573 (Jesuitenkonvikt mit Barbarakapelle hinter dem Kollegium). Die Verehrung der heiligen Barbara wurde von Stanislaus Kostka angeregt (1566, nach Heilung von schwerer Krankheit). Der heutige Baubestand geht auf ein 1652-1654 errichtetes Konviktsgebäude der Jesuiten zurück. Nach der Aufhebung des Jesuitenordens (24. Juli 1773) durch Joseph II. und der Schließung des Konvikts stiftete Maria Theresia am 7. Oktober 1775 Konvikt und Kirche der griechisch-katholischen Kirche als Seminar (Barbareum). 1784 wurde das Seminar aufgehoben und eine Pfarre errichtet.

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Die Ikonostase und die Innenausstattung, die im Stil des serbischen Barocks gestaltet sind, zeugen von der Großzügigkeit des alten Österreichischen Kaiserreichs, das der ruthenisch-ukrainischen Volksgruppe die Möglichkeit zu einer eigenständigen kulturellen Entwicklung bot. Historisch betrachtet ist die St.-Barbara-Kirche ein bedeutendes Zeugnis der jahrhundertealten Verbindungen zwischen Österreich, der griechisch-katholischen Kirche und der Ukraine.

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Das äußere Erscheinungsbild der Kirche ist im Kontext der Wiener Sakralarchitektur einzigartig. Die Fassade ist Teil eines monumentalen, denkmalgeschützten Gebäudes, das von Paul Sprenger (1852) entworfen wurde und ursprünglich das Hauptpostamt sowie das Handelsministerium beherbergte. Paul Sprenger (1798–1854), der als Staatsbaurat tätig war, übte einen maßgeblichen Einfluss auf die Stadtentwicklung aus. Ab 1849 war er im Handelsministerium beschäftigt und übernahm bald darauf auch die Leitung der Architekturabteilung innerhalb der Generalbaudirektion. Er gilt als bedeutender Architekt der städtebaulichen Ära des Vormärz (der Zeit vor den Revolutionen von 1848). Diese Epoche war geprägt von Rationalismus, Funktionalität und Wirtschaftlichkeit, verbunden mit den historistischen Formen der vorangegangenen Zeit. Die leicht stilisierten, von der Romanik beeinflussten Fassadenelemente spiegeln zudem den offiziellen Architekturstil der Ära unter Kaiser Franz Joseph wider. Obwohl die Kirche von außen recht groß wirkt, ist ihr Innenraum tatsächlich eher klein. Die oberen Ebenen der Fassade werden weiterhin vom Hauptpostamt genutzt. Eine Inschrift auf einer Gedenktafel in der Nähe des Eingangs – in griechischer und kirchenslawischer Sprache – besagt: „Joseph II. und Maria Theresia, Alleinherrscher von Österreich, überließen die St.-Barbara-Kirche großzügig dem Konvikt [Internat/Seminar], um dort jungen Klerus des byzantinischen Ritus auszubilden. 1775.“

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Für die Gefallenen der galizischen Infanterieregimenter FM Graf Clerfayt Nr. 9 (Stryj), Freiherr v. Kumer Nr. 24 (Kolomea), Erzherzog Ludwig Salvator Nr. 58 (Stanislau), Philipp Herzog v. Württemberg Nr. 77 (Sambor) und FM Freiherr v. Kövess (Czortkow). Die Tafel wurde 1934 enthüllt.

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Wichtige Ereignisse
7. Oktober 1775
Kaiserin Maria Theresia stellt per kaiserlichem Dekret die Räumlichkeiten des ehemaligen Jesuitenkonvikts St. Barbara – einschließlich der dazugehörigen Kapelle – für die Feier von Gottesdiensten nach dem „griechisch-katholischen Ritus“ zur Verfügung. Die Kirche wird daraufhin umgestaltet, um den Erfordernissen des byzantinischen Ritus zu entsprechen.

20. April 1784
Durch ein staatliches Dekret der Hofkanzlei erhebt Kaiser Joseph II. die Gemeinschaft bei St. Barbara zur Pfarrei für griechisch-katholische Gläubige. Der Pfarrer musste aus Galizien oder Wolhynien stammen, während der Kaplan sowohl Rumänisch als auch eine slawische Sprache beherrschen musste. Der Staat finanzierte zudem die Stellen für einen Kantor und einen Mesner.

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28. Juni 1820
Mittels eines staatlichen Dekrets der Hofkanzlei, unterzeichnet von Kaiser Franz I., wird die Pfarrei St. Barbara der geistlichen Jurisdiktion der jeweiligen Metropoliten von Lemberg (Lwiw) unterstellt.

10. Februar 1925
Unterzeichnung des polnischen Konkordats; Galizien fällt an Polen. Metropolit Andrej Scheptyzkyj und Pfarrer Myron Hornkewytsch wenden sich an die Kongregation für die orientalischen Kirchen mit der Bitte, die Jurisdiktion der Pfarrei St. Barbara neu zu regeln, da Lemberg nun nicht mehr zu Österreich-Ungarn gehört.

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Erzherzog Wilhelm von Habsburg-Lothringen, 1895-1948
ZUM GEDENKEN AN EINEN KRIEGER, DER FÜR DIE FREIHEIT DER UKRAINE ZU TODE GEFOLTERT WURDE, 1998

Erzherzog Wilhelm Franz Joseph Karl von Habsburg-Lothringen war ein österreichischer Offizier der k.u.k. Armee, ukrainischer Oberst und während des Ersten Weltkrieges informeller habsburgischer Thronkandidat für einen ukrainischen Satellitenstaat.

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12. Dezember 1935
Ein Dekret der Kongregation für die orientalischen Kirchen verleiht der Pfarrei St. Barbara den Status einer Zentralpfarrei des Apostolischen Stuhls unter päpstlichem Recht (*Wiener Diözesanblatt* Nr. 3/4, 28. April 1936). Der amtierende Erzbischof von Wien, Kardinal Theodor Innitzer, wird zum persönlichen Delegierten der Kongregation für die orientalischen Kirchen ernannt (*tamquam Sanctae Sedis specialiter Delegatus*). Die Zuständigkeit der Pfarrei wird territorial durch die Grenzen der Republik Österreich (*intra fines Rei publicae Austriacae commorantes*) sowie personell definiert – sie umfasst alle Gläubigen des byzantinischen Ritus, die in diesem Gebiet wohnhaft sind oder sich dort vorübergehend aufhalten, unabhängig von ihrer Nationalität.

1. November 1945
Der Erzbischof von Wien, Kardinal Theodor Innitzer, ernennt den Pfarrer, Pater Myron Hornkevych, zum Generalvikar für die Katholiken des byzantinischen Ritus. Zu jener Zeit gab es in Österreich etwa 120 griechisch-katholische Priester und 40.000 Gläubige, von denen die Mehrheit Flüchtlinge waren.

13. Juni 1956
Der Erzbischof von Wien, Kardinal Franz König, wird zum Ordinarius (*iurisdictio ordinaria et exclusiva*) für die Pfarrei St. Barbara ernannt. (*Wiener Diözesanblatt* Nr. 120, 1. August 1956; Kongregation für die orientalischen Kirchen, Kardinal Tisserant).

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