Dominikanerkirche

(St. Maria Rotunda) in Wien, April 2026

Die Dominikanerkirche (St. Maria Rotunda) ist eine ursprünglich im Jahr 1237 erbaute und zuletzt im 17. Jahrhundert neu errichtete römisch-katholische Pfarrkirche in Wien. Sie befindet sich auf der Dominikanerbastei an der Postgasse 4 im 1. Wiener Gemeindebezirk Innere Stadt.

Die Gestaltung der Fassade orientiert sich an frühbarocken römischen Kirchen, die wiederum Anleihen bei der florentinischen Dominikanerkirche Santa Maria Novella nahmen. Über dem Portal befindet sich eine Statue der Hl. Maria vom Rosenkranz, der auch die Kirche geweiht ist.

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Am 6. Mai 1631 legte Kaiser Ferdinand II. den Grundstein für eine neue, barocke Kirche. Nach rund drei Jahren war der Rohbau fertiggestellt, die Weihe erfolgte am 1. Oktober 1634. Die Kuppel und Fassade wurden erst nachträglich, von 1666 bis 1674 gebaut. Zu dieser Zeit war die Dominikanerkirche nach dem Stephansdom die zweitgrößte Kirche Wiens. 1927 wurde die Kirche von Papst Pius XI. zur Basilica minor erhoben.

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Bemerkenswert sind die zwei Epitaphien für den flämischen Maler, Bildhauer und Kupferstecher François Roettiers (1685-1742) und seine 1734 verstorbene Ehefrau Johanna von Roettiers über den beiden Emporenaufgängen. Sie stammen wohl von den gleichen Künstlern, die auch die Vinzenz-Ferrer-Kapelle ausführten. Das Epitaph von François Roettiers auf der Nordseite besteht aus einem obeliskartigen Sarkophagaufbau. Über einem Wappenmedaillon präsentieren zwei Putten das Büstenrelief des Verstorbenen.

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Das Kirchenschiff ist 46,54 Meter lang, 20,90 Meter breit und hat eine Höhe von 22,10 Metern. Der Hochaltar entstand um 1840 nach einem Entwurf von Carl Rösner (1804-1869). Er besteht aus einem triumphbogenartigen Retabel mit Kompositsäulen auf hohem Sockel. Das von Leopold Kuppelwieser (1796-1862) signierte und mit 1839 datierte Altarblatt hat die Einsetzung und Feier des Rosenkranzfestes durch Papst Pius V. als Dank für den Sieg der christlichen Flotte in der Seeschlacht von Lepanto 1571 zum Thema. Im Auszugsbild darüber, ebenfalls ein Werk von Leopold Kuppelwieser, schwebt Gottvater, von Engeln getragen, über den Wolken. Im Gewölbe über der Lunette präsentieren zwei Engel eine Uhr, die allerdings nie ein Uhrwerk besessen hat. Sie zeigt 11.45 Uhr an, was der heutigen Redewendung: „Es ist fünf vor zwölf", entspricht. Der Gläubige soll bedenken, wo er steht.

Der Tabernakel aus vergoldetem Messing geht auf einen Entwurf von Josef Ferstel aus dem Jahr 1885 zurück. Auf vier Emaillebildern sind Ordensheilige mit besonderer Beziehung zur Eucharistie dargestellt, nämlich der hl. Thomas von Aquin, der hl. Hyacinth, die hl. Imelda und die hl. Agnes von Montepulciano. Die modernen Türen von 1958 zieren Engelsreliefs. Bekrönt wird der Tabernakel von einer barocken Strahlenkranzmadonna aus dem 17. Jh. Die zwei Reliquienaufsätze zu beiden Seiten des Tabernakels stammen aus dem 18. Jh.

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Über der Vierung blickt man auf das Kuppelfresko des Wiener Historienmalers Franz Geyling aus dem Jahr 1836. Die alte Flachkuppel war 1820 durch eine neue ersetzt worden und das 1674 von Nikolaus van Hoy geschaffene Fresko, das die Ausgießung des Hl. Geistes zeigte, übermalt worden. Über einem illusionistischen Tambour ist die Rosenkranzkönigin, umringt von adorierenden Engeln, dargestellt. Das Dreiecksymbol über Maria steht für Gott. Der Weg soll den Gläubigen dahin führen, wo Maria bereits verweilt. Sie fordert uns sozusagen auf, hinauf zum Himmel zu streben. Vier schwebende Engel mit Evangelienbüchern präsentieren Evangelienzitate mit marianischem Bezug zum glorreichen Rosenkranz. Darauf beziehen sich auch die Ölbilder in den Pendentifs der Kuppel, die noch Nikolaus van Hoy zugeschrieben werden. Sie zeigen die Auferstehung und Himmelfahrt Christi sowie die Krönung Mariens und die Aufnahme Mariens in den Himmel.

Kuppelfresko mit der Rosenkranzkönigin von Franz Geyling, 1836.

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Kapelle des hl. Dominikus: Die Kapelle im südlichen Querschiff ist dem hl. Dominikus gewidmet. Er lädt den Gläubigen ein, den Weg zu Christus zu gehen. Der kaiserliche Doppeladler mit Wappen im Zentrum des Altars verweist auf den kaiserlichen Hof als Stifter der Kapelle, in deren Gruft Claudia Felicitas, die Gemahlin Kaiser Leopolds I. (reg. 1658-1705), am 2. September 1676 bestattet wurde. Das Altarbild (um 1655) mit der Anbetung der heiligsten Dreifaltigkeit durch die beiden hll. Dominikus und Franziskus stammt von Tobias Pock ebenso wie das Auszugsbild, auf dem die Muttergottes dem hl. Dominikus den Rosenkranz überreicht. Im Auszug steht die Figur des Erzengels Michael, umgeben von Putten. Die oberen Nischen zu beiden Seiten des Altars nehmen die sitzenden Figuren der hl. Katharina und der hl. Barbara auf. In den Nischen darunter stehen die Skulpturen des hl. Leopold und des hl. Florian, während in den Medaillons geistliche und weltliche Würdenträger abgebildet sind. Die oberen Medaillons zeigen vermutlich Mitglieder des Herrscherhauses, die unteren Bischöfe von Wien. Das Tabernakelbild aus dem 19. Jh. ist eine Kopie des Bildnisses des hl. Dominikus in der süditalienischen Wallfahrtskirche zu Soriano.

Am südwestlichen Vierungspfeiler leitet der Johann-Nepomuk-Altar, der 1724 nach Entwürfen von Lorenzo Mattielli (1687-1748) errichtet wurde, zum Querhaus über. Der konkav geschwungene Marmoraltar mit dem Gnadenbild aus Altbunzlau in der Predella wird von korinthischen Doppelsäulen auf reliefierten Sockeln flankiert. Die zwei Sockelreliefs zeigen jeweils eine Szene aus dem Leben des hl. Johannes Nepomuk, nämlich den Gang des Heiligen über die Brücke und die Beichte der Königin. Auf dem Altarblatt ist das Martyrium des Heiligen abgebildet. Das ovale Auszugsbild darüber enthält ein Bildnis des hl. Johannes d. T. Den oberen Abschluss bilden zwei figurenbesetzte Voluten mit den allegorischen Sitzfiguren von Glaube und Hoffnung unter einer monumentalen Krone. An den Seiten des Altars sind die Figuren des hl. Antonius von Padua, des hl. Vinzenz Ferrer, des Apostels Petrus und des hl. Severin von Noricum angeordnet.

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Die beiden Querhausaltäre wurden um 1665 von Giovanni Battista Barberino (1625-1691) geschaffen. Es handelt sich um wandfüllende Gesamtkonzep-tionen von Architektur und Stuck. Über einer hohen Sockelzone mit Atlanten und Engeln erhebt sich eine gestaffelte Säulenpfeilerstellung mit gebrochenen Gebälkstücken. Das Altarblatt ist etwas zurückversetzt ebenso wie der figurenbesetzte Auszug mit ovalem Bildfeld. Zu beiden Seiten der Altäre findet sich eine von Pilastern gerahmte Achse mit Kartuschen und Figurennischen. Um 1665 entstanden auch die Kommunionbrüstungen aus Marmor, deren Pfosten mit Puttenreliefs geschmückt sind. Die beiden Sarkophagaltäre mit den spätklassizistischen, tempiettoartigen Tabernakeln wurden erst im 19. Jh. ergänzt.

Kapelle des Namens Jesu: Die nördliche Querschiffkapelle, eine Stiftung der Grafen Abensberg-Traun, ist dem Namen Jesu geweiht. Dementsprechend wird der Altar von einer Figur des Salvators zwischen Putten bekrönt. Seitlich über dem Gebälk und in den Nischen darunter finden sich die Figuren der vier Evangelisten. Die Medaillons dazwischen zeigen die beiden Propheten Jesaia und Jeremia sowie den hl. Paulus und den hl. Petrus. Das Altarbild mit der Anbetung der Hirten aus dem Jahr 1668 wird Nikolaus van Hoy (1631-1679) zugeschrieben. Gottvater sendet einen Lichtstrahl zum Jesuskind, das dieses Licht aufnimmt und selbst zu leuchten scheint.

Die Verkündigung und Verbreitung des Glaubens ist auch das zentrale Thema der Kanzel am nördlichen Vierungspfeiler, die 1698/99 nach einem Entwurf von Matthias Steinl (1644-1727) entstand. Die Vorderseite des Kanzelkorbs ist mit reliefierten Putten geschmückt, die eine blaue, rosenkranzumschlungene Erdkugel in ihrer Mitte präsentieren. Darunter befindet sich eine Kartusche mit der Inschrift „toto diffunditur orbe": Die Rosenkranzverkündigung wird über den ganzen Erdkreis verbreitet. Die blaue Farbe der Weltkugel verweist auf den Himmel. Die Einheit von Himmel und Erde wird im Leben Jesu wieder hergestellt. Dies wird durch den Rosenkranz verdeutlicht, der die Weltkugel umspannt. Auch der Putto mit dem Zirkel verweist auf einen neuen Himmel und eine neue Erde in Jesus.

Auf dem Schalldeckel erhebt sich ein Volutenaufbau mit den Personifikationen der vier damals bekannten Erdteile an den Ecken. Neben der prächtig gekleideten, asiatischen Frauenfigur hält die Personifikation Europas ein Kirchenmodell auf ihren Knien. Amerika ist mit Öllampe und Fackel als Kontinent des neuen Lichts dargestellt. Die dunkelhäutige Frauengestalt mit Federrock, Federkrone und Pfeilköcher repräsentiert Afrika. In der Mitte sitzt ein Putto, der die Erdteile mit einer Rosengirlande verbindet, so wie die Betrachtung des Lebens Jesu die Erde einen soll. Bekrönt wird die Kanzel von einer Heilig-Geist-Gloriole, umgeben von Engeln und Putten. Der linke Engel mit erhobenem Arm öffnet seine Hand zum Hl. Geist in Gestalt einer Taube. Mit dieser Geste nimmt er das Wort Gottes auf. Der Putto zu seinen Füßen wiederum sät das Wort Gottes aus und gibt es damit weiter.

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Kapelle der hl. Katharina von Siena: Die Seitenkapelle westlich der Kanzel, eine Stiftung der Grafen von Löwel, ist der hl. Katharina von Siena geweiht. Hier wird der Gläubige aufgefordert, Verantwortung in der Kirche zu übernehmen. Die Heilige ersuchte den Papst, von Avignon nach Rom zurückzukehren, und schrieb Briefe, in denen sie Missstände aufzeigte. Dabei war sie nicht gegen die Kirche eingestellt, sondern sie wollte, dass in ihr wieder eine Gemeinschaft entstehe, wie sie im christlichen Sinne gedacht war.

Die Wandbilder von François Roettiers zeigen Szenen aus dem Leben der hl. Katharina. Ihre Stigmatisierung, die Begegnung mit Christus als Aussätzigem, die Verherrlichung, das Kommunionwunder und schließlich die Vermählung mit Christus verdeutlichen die innige Verbindung der Heiligen zu Jesus. Die mystische Vermählung ist auch das Motiv des um 1720 ebenfalls von François Roettiers geschaffenen Altarbilds. Durch den Herzenstausch ist die hl. Katharina aufs Innigste mit Jesus vereint. Über dem Säulenretabel erhebt sich ein mit Engeln besetzter Sprenggiebel. Auf dem von einem Kruzifix bekrönten Auszugsbild sind Putten dargestellt. Flankiert wird der Altar von den zwei Seitenfiguren des hl. Martin von Tours und des hl. Georg.

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Beim Betreten des Kirchenraumes fällt als erstes die prächtige Ausstattung mit den bemerkenswerten Malereien und der üppigen Stuckdekoration ins Auge, die dem Raum eine plastische und dynamische Wirkung verleiht.
Hohe Rundbogenarkaden öffnen die Wände des Langhauses zu den einzelnen Seitenkapellen. Diese sind durch Durchgänge miteinander verbunden und erwecken so den Eindruck von Seitenschiffen. Wände und Gewölbe der Seitenkapellen sind mit rechteckigen Malereifeldern geschmückt, deren Stuckrahmen von Putten gehalten werden. Die Arkadenpfeiler zieren reich stuckierte Pilaster, die mit Rankenwerk und Putten dekoriert sind und in ionischen Kapitellen mit Cherubsköpfen und Früchtefestons enden. Über den Arkaden verlaufen niedrige Emporen mit vorkragenden Holzbalustraden auf Volutenkonsolen. Die rundbogigen Emporenöffnungen in geohrten Stuckrahmen werden von großen Cherubsköpfen bekrönt. Ein umlaufendes, verkröpftes Kämpfergesims trennt die Emporenzone von der darüber liegenden, zurückversetzten Fensterzone mit Lunettenfenstern. Dadurch erhält die Deckenzone eine gewisse Selbständigkeit gegenüber der Wandzone.

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Auf die Katharina-von Siena-Kapelle folgt die von den Grafen Wertemann gestiftete Kapelle des hl. Thomas von Aquin, der die Kirchenlehren bis heute prägt. In seinen Abhandlungen beschäftigte sich der Heilige mit der Bedeutung des Glaubens. Sie sind eine Aufforderung an jeden, den Glauben mitzunehmen und stets zu hinterfragen. Das Altarbild des flämischen Malers Frans Luycх (1604-1668), um 1650, zeigt den hl. Thomas kniend vor einem Altar mit Kruzifix. Auf die Frage des Heiligen, ob seine Lehre richtig sei, erhält er vom Gekreuzigten die göttliche Bestätigung. Die ebenfalls von Frans Luycx signierten und auf 1649 datierten Wandmalereien zeigen die Flucht des Heiligen aus dem Gefängnis, seine Versuchung, die Umgürtung durch Engel, die Glorie sowie die Erscheinung der Apostel Petrus und Paulus.

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Die Deckenfresken des Presbyterium und die der Querschiffarme werden Carpoforo Tencalla zugeschrieben (1675/76).

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Kapelle der hl. Rosa von Lima: Von der Thomaskapelle gelangt man in die Kapelle der 1671 heilig gesprochenen Dominikanerin Rosa von Lima, die sich für die indigerne Bevölkerung einsetzte. 1671 bis 1676 wurde diese Kapelle von der Rosenkranzbruderschaft ausgestaltet. Die Wandbilder eines unbekannten Künstlers zeigen Szenen aus dem Leben der hl. Rosa, darunter die Engelerscheinung, der Herzenstausch, die mystische Vermählung, das Geleit durch den Jesusknaben sowie das nächtliche Gebet der Heiligen. Der Altar besteht aus einem flachen Säulenretabel mit engelbesetztem Sprenggiebel und Auszug. Auf dem Altarblatt aus der 2. Hälfte des 18. Jh. ist die Krönung Mariens abgebildet.

Das Auszugsbild zeigt musizierende Putten. Zu beiden Seiten des Altars stehen die Skulpturen der Dominikanerheiligen Hyacinth von Polen und Petrus von Verona. Der hl. Hyacinth mit Monstranz und Marienstatue war unterwegs, um den Glauben zu verkünden. Auf ihn geht wohl die Gründung des ersten deutschsprachigen Dominikanerkonvents in Friesach im Norden Kärntens zurück. Der Märtyrer Petrus ist mit einem Schwert im Schädel dargestellt. Er wurde Opfer eines Mordanschlags und soll der Legende nach mit seinem blutbenetzten Finger noch das Wort ,credo' geschrieben haben.

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Die Annakapelle unmittelbar südlich des Eingangs ist eine Stiftung der Grafen von Hochburg. Das Hauptbild des Altars, ein Säulenretabel mit gesprengtem Giebel, stammt wohl von einem Nachfolger des süddeutschen Künstlers Tobias Pock (1609-1683), einem der bedeutendsten Maler des österreichischen Frühbarock. Es zeigt die Hl. Sippe, nämlich Anna und Joachim, Maria und Josef und das Jesuskind. Ziel eines jeden Gläubigen ist es, Teil dieser Familie zu werden. Zu beiden Seiten des Retabels sind die Skulpturen des hl. Johannes d. T. und der hl. Barbara angeordnet, mittig ein Aufsatzbild mit Herz-Jesu-Darstellung.

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Die Kreuzwegstationen sind paarweise an den Arkadenpfeilern im Langhaus angebracht. Die insgesamt 14 Gipsreliefs im Nazarener-Stil aus dem 19. Jh. zeigen den schweren Gang Jesu von der Verurteilung durch Pontius Pilatus bis zur Kreuzigung und schließlich die Grablegung.

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Kapelle des hl. Vinzenz Ferrer: Diese Seitenkapelle, eine Stiftung der Familie Roettiers, ist dem hl. Vinzenz Ferrer geweiht. Er war Bußprediger und half, das abendländische Schisma 1417 zu beenden. Aufgrund der großen Volksverehrung des Heiligen weist diese Kapelle die reichste Ausstattung in Form von Stuckmarmor mit vergoldeten Ornamenten auf. Der Sarkophagaltar mit metallenem Tabernakelaufsatz steht vor einer hohen Blendarkatur mit Posaune blasenden Engeln. Im Gewölbefeld darüber ist ein baldachinartiger Stuckvorhang gespannt. Das signierte und datierte Altarblatt von François Roettiers aus dem Jahr 1726 stellt den hl. Vinzenz bei der Totenerweckung dar.

Flankiert wird der Altar von den zwei überlebensgroßen, bronzierten Holzfiguren des hl. Hieronymus und der hl. Maria Magdalena aus dem Umkreis des Johann Georg Bendel. Bei dem blattvergoldeten Rankenwerk des Altars und dem filigranen, handgeschmiedeten Rokoko-Eisengitter von 1769 handelt es sich um Arbeiten von Joseph Fränkl, einem Schlossergesellen bei den Dominikanern, und dem Vergolder Joseph Grätl.

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Die barocken Kirchenbänke mit ihren prächtig geschnitzten Wangen, den gedrehten Säulchen und den Kugelaufsätzen haben sich noch aus der 2. Hälfte des 17. Jh. erhalten. Sie werden Laienbrüdern des Klosters zugeschrieben ebenso wie die tempiettoartigen Beichtstühle. Letztere stammen jedoch aus der 1. Hälfte des 18. Jh.

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Kapelle der hl. Katharina von Alexandrien: Von der Vinzenz-Ferrer-Kapelle gelangt man in die von den Grafen von Khevenhüller gestiftete Kapelle der hl. Katharina von Alexandrien, der Patronin der Philosophie und der Universitäten. Der Altaraufbau, ein Säulenretabel mit einem mit Voluten und Engeln besetzten Sprenggiebel und gesprengtem Ädikulaauszug mit Säulchen, erinnert an den der Annakapelle. Das von Tobias Pock signierte und auf 1668 datierte Altarblatt stellt die Enthauptung der hl. Katharina dar. Sie wurde hingerichtet, da sie an ihrem Glauben festhielt. Ihr Martyrium erinnert daran, dass der Gläubige auf Gott zugehen und seine Gedanken prüfen muss, um Teil der Hl. Familie zu werden.

Bei den zwei seitlichen Assistenzfiguren handelt es sich um die hl. Caecilia und die hl. Katharina von Alexandrien. An den Kapellenwänden finden sich Szenen aus dem Leben der Heiligen, darunter die Disputation mit den Philosophen, die hl. Katharina vor dem kaiserlichen Richter, der Besuch der Kaiserin und des Hauptmanns Porphyrius im Gefängnis und schließlich die Enthauptung der beiden, die sich zum Christentum bekehrten.

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Um das Jahr 1750 erbaute ein unbekannter Meister auf der Westempore eine (vermutlich zweimanualige) Orgel, deren Gehäuse erhalten ist. Das Orgelwerk wurde 1895 durch ein neues Werk ersetzt, welches von dem Orgelbauer Rieger (Jägerndorf/Österreich-Schlesien) erbaut wurde. Das neue Werk hatte zunächst 36 Register auf drei Manualwerken mit mechanischen Kegelladen. Das historische Orgelgehäuse wurde zu diesem Zweck erweitert. Von dem ehemaligen Brüstungspositiv blieb das Gehäuse erhalten. Im Mozartjahr 1991 wurde die Orgel durch die Orgelbauwerkstatt Schuke (Berlin) umfassend restauriert. Das im Ersten Weltkrieg verloren gegangene Prospekt wurde rekonstruiert. Zwischenzeitliche Veränderungen der Disposition wurden auf den originalen Zustand zurückgeführt. Im Schwellwerk wurden einige (Aliquot)Register auf einer kleinen Ergänzungslade aufgestellt. Außerdem wurde das Brüstungspositiv wieder eingerichtet. Das Schleifladen-Instrument hat heute 46 Register auf drei Manualwerken und Pedal. Die Spiel- und Registertrakturen sind mechanisch.

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Die frühbarocken Deckenbilder des Langhauses schuf laut Vertrag vom 18. März 1675 Mathias Rauchmiller. In insgesamt 46 Bildern entfaltet sich ein breiter Bilderbogen zur marianischen Thematik. Die 3 Hauptbilder stellen Vermählung Mariens, Braut des Heiligen Geistes und Mariä Opferung dar.

Gemäß des Patroziniums der Dominikanerkirche, die der hl. Mutter Gottes geweiht ist, haben die insgesamt 46 frühbarocken Deckenfresken des Langhauses von Matthias Rauchmiller aus den Jahren 1675/76 die Marienverehrung zum Thema. Die drei Hauptbilder in der Mittelachse des Kirchenschiffes zeigen vom Westen zur Kuppel hin Mariä Opferung, den Engelreigen zu Ehren der Braut des Hl. Geistes und die Vermählung Mariens. Hier wird die Vorbildfunktion Mariens verdeutlicht, die in den Tempel geht, um ihr Opfer darzubringen, und damit in ihrem Glauben Vorbild für die Menschen wird. Die Zusammenkunft von Gott und den Menschen durch Maria wird von den Engeln bejubelt.

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Über dem Ausgang findet sich schließlich das breite, die komplette Unterseite der Orgelempore ausfüllende Segmentbild mit der Verherrlichung des Rosenkranzes und seine Vermittlung durch den hl. Dominikus und die Dominikaner. Das Gemälde wird Georg Bachmann (1613-1652) zugeschrieben und aufgrund der Widmungsinschrift auf 1642 datiert. Im Zentrum der Komposition steht der hl. Dominikus, dem Maria den Rosenkranz übergibt, um die Gläubigen vor dem Höllenschlund zu retten. Auf der rechten Seite sind Kaiserhaus, Adel und Bürgerschaft zu sehen, links die Stände der Kirche und die damaligen Orden. Der Rosenkranz, an dem sich die weltlichen Vertreter festhalten, überspannt den Höllenschlund wie eine Brücke. Beim Verlassen der Kirche wird der Gläubige hiermit ermahnt, sich an Jesus festzuhalten, um vor dem ewigen Absturz bewahrt zu werden.

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Die Dominikanerkirche St. Maria Rotunda ist die erste frühbarocke, in der Zeit der Gegenreformation entstandene Kirche Wiens. Seit Beginn des 17. Jh. nahm der Konvent rege am kirchlichen Leben Wiens teil. Auf diese Weise gelang es ihm, die religiös-sozialen Verbindungen mit der Stadtbevölkerung, aber auch mit Adel und Hof wiederherzustellen oder zu vertiefen. Davon zeugen nicht zuletzt die zahlreichen fürstlichen Grablegen in der Kirche. Der Neubau sowie seine prächtige Ausstattung sind folglich Ausdruck des wiedergewonnen Selbstbewusstseins und der wiedererlangten sozialen Stellung des Klerus. Anders als bei ihren italienischen Vorbildern sind bei St. Maria Rotunda nicht nur die Kapellenräume mit Stuck und Fresken verziert, sondern der gesamte Kirchenraum. Damit wird die Dominikanerkirche wegweisend für den österreichischen Frühbarock.

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Die Vorderfront der Kirche beherbergt noch weitere acht Steinfiguren von Heiligen, die allesamt dem Dominikanerorden angehören: Die Muttergottes ist von den knienden Figuren der Katharina von Siena und der Agnes von Montepulciano flankiert. In den Nischen des Untergeschoßes befinden sich die Statuen von Luis Beltrán und Rosa von Lima, im Obergeschoß Hyazinth von Polen und Vinzenz Ferrer. An den Ecken des Obergeschoßes stehen die Statuen der bedeutendsten Gelehrten der Dominikaner, Albertus Magnus und Thomas von Aquin.

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Wem der viele Text zu lange war und lieber Bewegtbilder mit Musik mag, kann sich gerne dieses Video antun: