Dreifaltigkeitskirche

der Minoriten in Wien, Oktober 2026

Die Dreifaltigkeitskirche der Minoriten in Wien, im Volksmund früher 'Zu den Weißspaniern' und heute Pfarrkirche Alser Vorstadt (Alserkirche), aber auch Trinitarierkirche genannt, ist die römisch-katholische Pfarrkirche des Bezirksteils Alservorstadt im 8. Wiener Gemeindebezirk Josefstadt. Eng mit der Kirche ist das Minoritenkloster Wien verbunden.

Das Kirchengebäude steht mit seiner Ostseite entlang der Schlösselgasse, die Westseite des Haupthauses grenzt unmittelbar an den Kreuzgang des Klosters. Die beiden Türme stehen im Norden des Hauses, der Haupteingang zwischen den Kirchtürmen befindet sich in der Alser-Straße 17.

 Dreifaltigkeitskirche der Minoriten in Wien, Oktober 2026

Das Gotteshaus ist ein Bau des Frühbarocks, seine Fassade gilt als das älteste Beispiel einer Konkavform in Wien.
Hohe Kuppeldächer schließen die beiden Kirchtürme ab. Sie sind 43 Meter hoch, symmetrisch angeordnet und wurden zeitgleich mit dem gesamten Sakralbau errichtet. Sie verfügen über einen quadratischen Grundriss, der sich nach oben in Rückspringen verschlankt. An den Turmbauten fallen toskanische Pilaster und je ein Zwiebelhelm auf. Die Helme wurden 1703 fertiggestellt, in der Mitte des 18. Jahrhunderts renoviert und erhielten bei dieser Gelegenheit Turmkreuze. Im September 1879 erfolgte die Weihe der Kreuze, die zwei Monate später aufgesetzt wurden. Die Helmdächer sind mit Kupferplatten gedeckt.

An der Fassade sind an verschiedenen Stellen jeweils in kleinen Rundnischen Skulpturen aufgestellt, die Felix von Valois, Johannes von Matha sowie einen Engel in der Kleidung der Trinitarier, vor dem gerade Gefangene ausgetauscht wurden, darstellen. Ein steinernes Dreifaltigkeitsrelief aus dem Jahr 1727, das über dem Ädikulaportal auch nach außen zeigt, beherrscht das Fassadenbild und verdeutlicht damit, wem diese Kirche geweiht ist.

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Der Minoritenorden wurde vom heiligen Franz von Assisi im Jahre 1209 gegründet und ist als der älteste Zweig des seraphischen Ordens der Hüter der franziskanischen Heiligtümer in Assisi und Padua. Noch zu Lebzeiten des heiligen Franziskus wurden die Minoriten im Jahre 1224 von Markgraf Leopold VI. dem Glorreichen nach Wien berufen, wo sie 1247 Kloster und Kirche zum heiligen Kreuz gründeten. Es ist die Minoritenkirche in der Nähe der Wiener Hofburg auf dem Minoritenplatz. Sie ist als schönes, gotisches Bauwerk ein Wahrzeichen der Stadt. Von 1559 bis 1620 wurde die Minoritenkirche zum Teil auch von protestantischen Predigern benützt. 1748 erfolgte die Grundsteinlegung zu einem Neubau des Klosters in der Stadt, doch am 21. 11. 1783 ereilte das Kloster der Aufhebungserlaß Kaiser Josefs II. Die Kirche wurde gesperrt, das Kloster abgetragen und die Minoriten bezogen auf kaiserliche Anordnung 1784 das Kloster der Trinitarier in der Alser Straße. Dort übernahmen sie die Seelsorge im Allgemeinen Krankenhaus und später auch die durch Kaiser Josef II. 1783 errichtete Pfarre Alservorstadt. Die Minoriten sind der zweitälteste Orden in Wien und wirken hier schon 760 Jahre ohne Unterbrechung.

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Das wandfüllende rundbogige Hochaltar-Bild aus dem Jahr 1826, wahrscheinlich ein Werk von Josef von Hempel, zeigt die Allerheiligste Dreifaltigkeit. Umrahmt wird das Gemälde von zwei Dreiergruppen freistehender Kompositsäulen auf hohen Podesten, die ausladende vorschwingende Gebälkfragmente und einen pilastergerahmten Auszug mit Volutengiebel tragen. Vor den Säulen stehen Skulpturen des heiligen Josef, des heiligen Leopold, der heiligen Katharina und der heiligen Agnes. Abgeschlossen wird der Altar mit dem Trinitätssymbol in einem Strahlenwolkenkranz, hinter dem zahlreiche Engelfiguren schweben.

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Das Innere hat einen kreuzförmigen Grundriss, ein Kreuzrippengewölbe auf Gurten trägt die Hochbauten. Die echte Vierung wird von einer Rundkuppel mit aufgelegten Rippen und Laterne überwölbt, an beiden Seiten des Hauptraumes sind Kapellen eingebaut. Zwischen den Kapellen sind eine geschichtete Pflastergliederung, Gebälk mit Metopenfries und ausladendem profiliertem und verkröpftem Gesims als Architekturelemente verwendet worden. Der Chorraum ist zweijochig und gerade geschlossen mit einem fast quadratischen Grundriss. Rundbogige Arkaden bilden die bauliche Trennung zwischen Haupt- und Seitenschiffen.

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Zwei Reihen hölzerner Bänke mit geschnitzten Wangen bieten Platz für rund 500 Kirchenbesucher. Sie lassen einen Mittelgang frei, dessen Fußboden mit kleinen quadratischen Fliesen ausgelegt ist.

Die Westempore trägt die Orgel, deren Prospekt direkt in die reich geschmückte Brüstung eingefügt ist. Im Jahr 1984 erhielt die Kirche eine Orgel vom Orgelbau Rieger aus Schwarzach, das Gehäuse aus 1763 stammt von Johann Hencke. Sie verfügt über 25 Register, zwei Manuale und Pedal.

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Der viergeschossige Saalraum besitzt Einsatzkapellen, eine überkuppelte Vierung, ein Querschiff und einen zweijochigen gerade geschlossenen Chor. Das Hauptschiff ist zu den Kapellen in rundbogigen Arkaden geöffnet.  Die Querschiffaltäre sind der Heiligen Maria (links: Altarbild "Unbefleckte Empfängnis" von Leopold Kupelwieser) und dem Heiligen Franziskus (rechts; Altarbild von Pater Innozenz Moscherosch) geweiht. Die Kanzel trägt auf dem Schalldeckel eine Salvatorstatue.

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Die dunkelbraun gebeizte hölzerne Kanzel im klassizistischen Stil wurde vor einer Säule des Hauptschiffes platziert. Tischlermeister Peter Zangl hat sie 1826 angefertigt und mit goldenem Zierrat versehen. Sie wird seit 1970 nicht mehr benutzt, für die Predigten dient nun ein Ambo. Auf dem Schalldeckel trägt die Kanzel eine Salvatorstatue (Salvator mundi).

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Im linken Querschiff befindet sich ein Marienaltar mit dem Bild der Unbefleckten Empfängnis von Leopold Kupelwieser. Ebenfalls hier stehen auf Konsolen die Figuren des heiligen Sebastian und des Johannes Nepomuk.

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Im rechten Querschiff ist der Altar des Heiligen Franziskus erwähnenswert, dessen Bild Pater Innozenz Moscherosch gemalt hat. Davor sind, auch auf Konsolen, die Figuren des heiligen Florian und des heiligen Antonius aufgestellt. – Alle Figuren wurden hier vor 1826 in der Kirche platziert, weil ein Dokument deren Reinigung in diesem Jahr ausweist.

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Der Hochaltar (um 1730) nimmt die gesamte Altarwand ein. Das Bild "Die Heilige Dreifaltigkeit" schuf Joseph Ritter von Hempel (1825); über dem Tabernakel "Heilige Maria mit Jesuskind" von Johann Kastner.

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In einer Seitennische befindet sich ein dem heiligen Nepomuk gewidmeter Altar. Unmittelbar vor dem Altar ist ein kleines Vorsatzbild über dem Tabernakel platziert, das eine Kopie des Muttergottes-Bildes (Heilige Maria mit Jesuskind) von Carlo Cignani darstellt. Der Schöpfer der Kopie ist nicht eindeutig geklärt.

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direkt an das Kirchengebäude schließt sich der Kreuzgang des Klosters an, an dessen Wänden zahlreiche Gedenktafeln und Grabplatten auch aus der Kirchengeschichte hängen.

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Im Kreuzgang sind etwa 4.300 Votivtafeln und zwei Gedenktafeln für Opfer des Nationalsozialismus angebracht. Unter den Votivtafeln befinden sich Gedenktafeln für im Ersten und Zweiten Weltkrieg gefallene Familienangehörige, die fern von der Heimat ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Bemerkenswert sind aber auch jene Tafeln, auf denen für eine sichere Heimkehr von Angehörigen aus dem Krieg gebetet, bzw. für deren gute Heimkehr gedankt wird.

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Maximilian-Kolbe-Kapelle
An der Südseite des Kreuzganges wurde 1973 in einer Nische vor dem Eingang in die Antoniuskapelle eine Gedenkstätte für den im KZ Auschwitz ermordeten Minoritenpater Maximilian Kolbe eingerichtet. Das in Schwarz, Weiß und Rot gehaltene Scraffito stammt von Ernst Degasperi.

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Antoniuskapelle
Im Zuge der Übersiedelung der Minoriten von der Innenstadt in die Alservorstadt richteten diese in einem Gewölbe einer zugemauerten Klosterpforte die Antoniuskapelle ein. Das Altarbild, welches aus der Zeit Kaiser Ferdinands II. stammt, zeigt den Heiligen Antonius von Padua. Auf dem Bild wird der Heilige ausnahmsweise nicht mit dem Jesuskind auf dem Arm, sondern mit Lilie und Buch dargestellt. Das Gnadenbild stammt aus dem Besitz des Mantuaner Grafen und Feldmarschalls Rambold von Collalto. Im Jahr 1928 wurde rechts der alten Kapelle nach den Plänen von Hans Prutscher eine neue gebaut und im gleichen Jahr von Kardinal Friedrich Gustav Piffl eingeweiht. 1956 wurde die Kapelle nach den Plänen von Hans Petermair innen umgebaut und neugestaltet.

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Die Alserkirche hat auch durch eine besondere Beziehung zu zwei Komponisten: Hier wurde am 29. März 1827 der Leichnam Ludwig van Beethovens aufgebahrt. Wenige Wochen vor seinem Tod, am 2. September 1828, schrieb Franz Schubert zur Glockenweihe der Alserkirche den Hymnus "Glaube, Hoffnung und Liebe".

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