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Die Dreifaltigkeitskirche der Minoriten in Wien, im Volksmund früher 'Zu den Weißspaniern' und heute Pfarrkirche Alser Vorstadt (Alserkirche),
aber auch Trinitarierkirche genannt, ist die römisch-katholische
Pfarrkirche des Bezirksteils Alservorstadt im 8. Wiener Gemeindebezirk
Josefstadt. Eng mit der Kirche ist das Minoritenkloster Wien verbunden.
Das Kirchengebäude steht mit seiner Ostseite entlang der
Schlösselgasse, die Westseite des Haupthauses grenzt unmittelbar an den
Kreuzgang des Klosters. Die beiden Türme stehen im Norden des Hauses,
der Haupteingang zwischen den Kirchtürmen befindet sich in der
Alser-Straße 17.

Das Gotteshaus ist ein Bau des Frühbarocks, seine Fassade gilt als das älteste Beispiel einer Konkavform in Wien.
Hohe Kuppeldächer schließen die beiden Kirchtürme ab. Sie sind 43 Meter
hoch, symmetrisch angeordnet und wurden zeitgleich mit dem gesamten
Sakralbau errichtet. Sie verfügen über einen quadratischen Grundriss,
der sich nach oben in Rückspringen verschlankt. An den Turmbauten
fallen toskanische Pilaster und je ein Zwiebelhelm auf. Die Helme
wurden 1703 fertiggestellt, in der Mitte des 18. Jahrhunderts renoviert
und erhielten bei dieser Gelegenheit Turmkreuze. Im September 1879
erfolgte die Weihe der Kreuze, die zwei Monate später aufgesetzt
wurden. Die Helmdächer sind mit Kupferplatten gedeckt.
An der Fassade sind an verschiedenen Stellen jeweils in kleinen
Rundnischen Skulpturen aufgestellt, die Felix von Valois, Johannes von
Matha sowie einen Engel in der Kleidung der Trinitarier, vor dem gerade
Gefangene ausgetauscht wurden, darstellen. Ein steinernes
Dreifaltigkeitsrelief aus dem Jahr 1727, das über dem Ädikulaportal
auch nach außen zeigt, beherrscht das Fassadenbild und verdeutlicht
damit, wem diese Kirche geweiht ist.

Der Minoritenorden wurde vom heiligen Franz von Assisi im Jahre 1209
gegründet und ist als der älteste Zweig des seraphischen Ordens der
Hüter der franziskanischen Heiligtümer in Assisi und Padua. Noch zu
Lebzeiten des heiligen Franziskus wurden die Minoriten im Jahre 1224
von Markgraf Leopold VI. dem Glorreichen nach Wien berufen, wo sie 1247
Kloster und Kirche zum heiligen Kreuz gründeten. Es ist die
Minoritenkirche in der Nähe der Wiener Hofburg auf dem Minoritenplatz.
Sie ist als schönes, gotisches Bauwerk ein Wahrzeichen der Stadt. Von
1559 bis 1620 wurde die Minoritenkirche zum Teil auch von
protestantischen Predigern benützt. 1748 erfolgte die Grundsteinlegung
zu einem Neubau des Klosters in der Stadt, doch am 21. 11. 1783 ereilte
das Kloster der Aufhebungserlaß Kaiser Josefs II. Die Kirche wurde
gesperrt, das Kloster abgetragen und die Minoriten bezogen auf
kaiserliche Anordnung 1784 das Kloster der Trinitarier in der Alser
Straße. Dort übernahmen sie die Seelsorge im Allgemeinen Krankenhaus
und später auch die durch Kaiser Josef II. 1783 errichtete Pfarre
Alservorstadt. Die Minoriten sind der zweitälteste Orden in Wien und
wirken hier schon 760 Jahre ohne Unterbrechung.

Das wandfüllende rundbogige Hochaltar-Bild aus dem Jahr 1826,
wahrscheinlich ein Werk von Josef von Hempel, zeigt die Allerheiligste
Dreifaltigkeit. Umrahmt wird das Gemälde von zwei Dreiergruppen
freistehender Kompositsäulen auf hohen Podesten, die ausladende
vorschwingende Gebälkfragmente und einen pilastergerahmten Auszug mit
Volutengiebel tragen. Vor den Säulen stehen Skulpturen des heiligen
Josef, des heiligen Leopold, der heiligen Katharina und der heiligen
Agnes. Abgeschlossen wird der Altar mit dem Trinitätssymbol in einem
Strahlenwolkenkranz, hinter dem zahlreiche Engelfiguren schweben.

Das Innere hat einen kreuzförmigen Grundriss, ein Kreuzrippengewölbe
auf Gurten trägt die Hochbauten. Die echte Vierung wird von einer
Rundkuppel mit aufgelegten Rippen und Laterne überwölbt, an beiden
Seiten des Hauptraumes sind Kapellen eingebaut. Zwischen den Kapellen
sind eine geschichtete Pflastergliederung, Gebälk mit Metopenfries und
ausladendem profiliertem und verkröpftem Gesims als Architekturelemente
verwendet worden. Der Chorraum ist zweijochig und gerade geschlossen
mit einem fast quadratischen Grundriss. Rundbogige Arkaden bilden die
bauliche Trennung zwischen Haupt- und Seitenschiffen.

Zwei Reihen hölzerner Bänke mit geschnitzten Wangen bieten Platz für
rund 500 Kirchenbesucher. Sie lassen einen Mittelgang frei, dessen
Fußboden mit kleinen quadratischen Fliesen ausgelegt ist.
Die Westempore trägt die Orgel, deren Prospekt direkt in die reich geschmückte Brüstung eingefügt ist.
Im Jahr 1984 erhielt die Kirche eine Orgel vom Orgelbau Rieger aus
Schwarzach, das Gehäuse aus 1763 stammt von Johann Hencke. Sie verfügt
über 25 Register, zwei Manuale und Pedal.

Der viergeschossige Saalraum besitzt Einsatzkapellen, eine überkuppelte
Vierung, ein Querschiff und einen zweijochigen gerade geschlossenen
Chor. Das Hauptschiff ist zu den Kapellen in rundbogigen Arkaden
geöffnet. Die Querschiffaltäre sind der Heiligen Maria (links:
Altarbild "Unbefleckte Empfängnis" von Leopold Kupelwieser) und dem
Heiligen Franziskus (rechts; Altarbild von Pater Innozenz Moscherosch)
geweiht. Die Kanzel trägt auf dem Schalldeckel eine Salvatorstatue.

Die dunkelbraun gebeizte hölzerne Kanzel im klassizistischen Stil wurde
vor einer Säule des Hauptschiffes platziert. Tischlermeister Peter
Zangl hat sie 1826 angefertigt und mit goldenem Zierrat versehen. Sie
wird seit 1970 nicht mehr benutzt, für die Predigten dient nun ein
Ambo. Auf dem Schalldeckel trägt die Kanzel eine Salvatorstatue
(Salvator mundi).

Im linken Querschiff befindet sich ein Marienaltar mit dem Bild der
Unbefleckten Empfängnis von Leopold Kupelwieser. Ebenfalls hier stehen
auf Konsolen die Figuren des heiligen Sebastian und des Johannes
Nepomuk.

Im rechten Querschiff ist der Altar des Heiligen Franziskus
erwähnenswert, dessen Bild Pater Innozenz Moscherosch gemalt hat. Davor
sind, auch auf Konsolen, die Figuren des heiligen Florian und des
heiligen Antonius aufgestellt. – Alle Figuren wurden hier vor 1826 in
der Kirche platziert, weil ein Dokument deren Reinigung in diesem Jahr
ausweist.

Der Hochaltar (um 1730) nimmt die gesamte Altarwand ein. Das Bild "Die
Heilige Dreifaltigkeit" schuf Joseph Ritter von Hempel (1825); über dem
Tabernakel "Heilige Maria mit Jesuskind" von Johann Kastner.


In einer Seitennische befindet sich ein dem heiligen Nepomuk gewidmeter
Altar. Unmittelbar vor dem Altar ist ein kleines Vorsatzbild über dem
Tabernakel platziert, das eine Kopie des Muttergottes-Bildes (Heilige
Maria mit Jesuskind) von Carlo Cignani darstellt. Der Schöpfer der
Kopie ist nicht eindeutig geklärt.

direkt an das Kirchengebäude schließt sich der Kreuzgang des Klosters
an, an dessen Wänden zahlreiche Gedenktafeln und Grabplatten auch aus
der Kirchengeschichte hängen.

Im Kreuzgang sind etwa 4.300 Votivtafeln und zwei Gedenktafeln für
Opfer des Nationalsozialismus angebracht. Unter den Votivtafeln
befinden sich Gedenktafeln für im Ersten und Zweiten Weltkrieg
gefallene Familienangehörige, die fern von der Heimat ihre letzte
Ruhestätte gefunden haben. Bemerkenswert sind aber auch jene Tafeln,
auf denen für eine sichere Heimkehr von Angehörigen aus dem Krieg
gebetet, bzw. für deren gute Heimkehr gedankt wird.



Maximilian-Kolbe-Kapelle
An der Südseite des Kreuzganges wurde 1973 in einer Nische vor dem
Eingang in die Antoniuskapelle eine Gedenkstätte für den im KZ
Auschwitz ermordeten Minoritenpater Maximilian Kolbe eingerichtet. Das
in Schwarz, Weiß und Rot gehaltene Scraffito stammt von Ernst Degasperi.

Antoniuskapelle
Im Zuge der Übersiedelung der Minoriten von der Innenstadt in die
Alservorstadt richteten diese in einem Gewölbe einer zugemauerten
Klosterpforte die Antoniuskapelle ein. Das Altarbild, welches aus der
Zeit Kaiser Ferdinands II. stammt, zeigt den Heiligen Antonius von
Padua. Auf dem Bild wird der Heilige ausnahmsweise nicht mit dem
Jesuskind auf dem Arm, sondern mit Lilie und Buch dargestellt. Das
Gnadenbild stammt aus dem Besitz des Mantuaner Grafen und
Feldmarschalls Rambold von Collalto. Im Jahr 1928 wurde rechts der
alten Kapelle nach den Plänen von Hans Prutscher eine neue gebaut und
im gleichen Jahr von Kardinal Friedrich Gustav Piffl eingeweiht. 1956
wurde die Kapelle nach den Plänen von Hans Petermair innen umgebaut und
neugestaltet.

Die Alserkirche hat auch durch eine besondere Beziehung zu zwei
Komponisten: Hier wurde am 29. März 1827 der Leichnam Ludwig van
Beethovens aufgebahrt. Wenige Wochen vor seinem Tod, am 2. September
1828, schrieb Franz Schubert zur Glockenweihe der Alserkirche den
Hymnus "Glaube, Hoffnung und Liebe".
