Minoritenkirche

Italienische Nationalkirche Maria Schnee in Wien, September 2025

Die Minoritenkirche (Italienische Nationalkirche Maria Schnee) ist eine römisch-katholische Hallenkirche am Minoritenplatz im 1. Wiener Gemeindebezirk Innere Stadt und Heimat der italienischsprachigen Gemeinde Wiens. Seit dem 29. Juni 2021 ist die denkmalgeschützte Kirche Eigentum der Priesterbruderschaft St. Pius X. (FSSPX), an die die Kirche von der vormaligen Besitzerin, der Italienischen Kongregation Maria Schnee, geschenkt wurde.

Das Auffälligste an der Minoritenkirche ist ihr großes mit roten Dachziegeln gedecktes Satteldach, das tief heruntergezogen ist. Ein weiteres dominantes Merkmal ist der 54 Meter hohe Westgiebel, der einem typisch französischen Bauschema folgt, wie es in Österreich eher selten ist: er ist in einzelne Flächen gegliedert und besaß drei Portale, über denen jeweils ein hohes mehrbahniges spitzbogiges Fenster eingebaut ist. Das trichterförmige Spitzbogen-Hauptportal ist elf Meter hoch, 8,50 Meter breit und wird durch einen Mittelpfeiler geteilt und getragen. Die anderen beiden Portale sind zugemauert. aber in ihren Umrissen erhalten.

 Minoritenkirche in Wien, September 2025

Portal der Westfassade: Das Tympanon über dem Hauptportal ist durch Zirkelschläge in drei Felder unterteilt, im mittleren Feld ist Christus auf einem Astkreuz gestaltet. Links sind Maria mit Maria Magdalena und andere weibliche Figuren geformt, rechts Johannes der Evangelist, Hauptmann Longinus und andere männliche Figuren. Die jeweils äußerste männliche und weibliche Figur sollen Herzog Albrecht II. und seine Gemahlin Johanna von Pfirt darstellen, zumal die männliche Figur einen Herzogshut zu tragen scheint. Die Figuren samt denen in den Bögen des Hauptportals und an der Mittelsäule sind sehr elegant und feingliedrig dargestellt – ein deutlicher französischer Einfluss und zugleich wichtiges Stilmerkmal der Minoritenwerkstatt, die bis etwa 1360 nachweisbar ist.

 Minoritenkirche in Wien, September 2025

Im Chor steht ein Hochaltar mit einem bedeutenden Altargemälde von Ignaz Unterberger. Das Bild stellt das von Engeln getragene Gnadenbild Maria Schnee dar und ist von Marmorsäulen eingefasst. Vor dem Altar steht ein länglich-rechteckiger Altartisch. Der Altarbereich ist mit einer niedrigen Balustrade gegen den Kirchenhauptraum abgeteilt.

An einem Pfeiler ist eine hölzerne Kanzel abgestützt, die über einen Rundkorb mit darüber angeordnetem haubenartigem Schalldeckel verfügt. Oberhalb dieses Deckels steht eine männliche Heiligenfigur, den hl. Paulus mit Schwert darstellend, bekrönt von einem gotischen Spitzdach in Fialenform.

 Minoritenkirche in Wien, September 2025

Anfang des 19. Jahrhunderts entstand die Mosaikkopie von Leonardo da Vincis Letztem Abendmahl, die 1845–1847 in der Minoritenkirche angebracht wurde. Napoleon hatte sie bei Giacomo Raffaelli in Auftrag gegeben, sie wurde aber wie einige andere Kunstwerke erst nach seinem Sturz beendet. Schließlich kaufte Napoleons Schwiegervater Kaiser Franz I. das Kunstwerk. Für den ursprünglich vorgesehenen Aufstellungsort im Belvedere erwies sich das Mosaik als zu groß, so dass es letztlich in diese Kirche kam.

WAS GESCHAH BEIM LETZTEN ABENDMAHL?
Warum ist diese Szene so bedeutend, dass sie in unzähligen Kunstwerken durch viele Jahrhunderte hindurch immer wieder dargestellt wurde? Unser Herr Jesus Christus, der Sohn Gottes, hielt am Abend vor Seinem Leiden und Seinem Tod am Kreuz gemeinsam mit den zwölf Aposteln ein feierliches Mahl. Er wusste, dass schon in wenigen Stunden Sein Leiden beginnen sollte, welches mit dem Kreuzestod am Nachmittag des nächsten Tages enden werde. Er kannte auch Seinen Verräter und kündigte daher Seinen Freunden an: „Einer von euch wird mich verraten." Man kann sich gut vorstellen, welche Unruhe diese Ankündigung in die Festesfreude brachte.

Und dann berichten uns die Evangelien und die Apostelgeschichte von dem Geschehen, das zum Zentrum und Lebensmittelpunkt für alle Christen aller Generationen werden sollte: Von der Einsetzung der Eucharistie, von der Heiligen Messe. „Jesus nahm Brot, segnete es und gab es den Jüngern mit den Worten: Nehmt hin und esset, das ist Mein Leib." Dann nahm Er einen Kelch, dankte und reichte ihn an die Apostel mit den Worten: „Trinket alle daraus, denn dies ist Mein Blut des Neuen Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden." Mit dem Auftrag „Tut dies zu Meinem Gedächtnis", gerichtet an die Apostel, setzte Er das Priestertum ein. Seit den apostolischen Zeiten, durch zwei Jahrtausende hindurch, glauben die Katholiken, dass während der Hl. Messe bei der Wandlung, bei der der Priester die o.a. Worte Jesu über Brot und Wein spricht, unser Herr Jesus Christus als wahrer Gott und wahrer Mensch wahrhaft, wirklich und wesenhaft unter den Gestalten von Brot und Wein gegenwärtig ist.

Durch Seine reale Gegenwart in diesem Sakrament erfahren wir die unendliche göttliche Liebe zu den Menschen, Er selbst wird zu einer geistigen Nahrung der Seelen auf ihrem Weg durch dieses Leben, Er befreit uns von den täglichen Schwächen und Fehlern, und Er will uns vor Todsünden, die uns von Ihm auf immer trennen würden, bewahren. Er selbst wird zu einem Unterpfand unserer künftigen Bestimmung: in Seiner Gegenwart zu leben in der ewigen Glückseligkeit des Himmels. In der Gestalt des gewandelten Brotes ist Jesus Christus im Tabernakel gegenwärtig, wir ehren Ihn daher, indem wir das Knie vor Ihm beugen und Ihm den gebührenden Respekt erweisen durch unser Verhalten angesichts der Heiligkeit des Gotteshauses.

 Minoritenkirche in Wien, September 2025

DIE ERRICHTUNG DES ABENDMAHL-ALTARES
Das berühmte Mosaikbild der Minontenkirche entstand im Auftrag Napoleon Bonapartes (1769-1821). Dieser wollte ursprünglich das originale, 1495-97 in secco-Technik geschaffene, 422 x 904 cm große Abendmahl-Gemälde von Leonardo da Vinci (1452-1519) im Refektorium des Dominikaner-Klosters S. Maria delle Grazie in Mailand von seiner Wand abtragen und nach Paris überführen lassen. Aufgrund der technischen Undurchführbarkeit des Projekts beauftragten Napoleon und sein Stiefsohn, der Vizekönig Italiens Eugène de Beauharnais (1781-1824) den Maler Giuseppe Bossi (1777-1815), eine originalgetreue Kopie auf Leinwand zu erstellen. Diese sollte ab 1806 dem Mosaik-Künstler Giacomo Raffaelli (1753-1836) aus Rom, der in jenem Jahr extra nach Mailand geholt wurde und hier auch eine eigene Schule eröffnete, als Vorlage für ein Mosaikbild dienen.
Da die Größe von 9,18 x 4,47 Metern nicht zuließ, das Mosaik-Bild in einem Stück anzufertigen und anschließend zu bewegen, musste der Künstler es in zwölf Einzelplatten unterschiedlicher Dimensionierung mit etwa 24 cm Dicke herstellen, die zusammengenommen etwa ein Gewicht von 20.000 Kg besitzen. Die einzelnen Mosaiksteine wurden hierbei direkt mittels Zement an den Stein geklebt. Das Mosaik wurde von Raffaelh mit Unterstützung von fünf Gehilfen in den Jahren 1806-1814 hergestellt.

Da bei Vollendung des Bildes der mittlerweile entmachtete Napoleon natürlich nicht mehr als Käufer in Frage kam, wurde das Mosaik schließlich von Kaiser Franz I. v. Österreich (1768-1835) gekauft und 1816/1818 auf zwölf Artillerie-Wägen aufgeteilt nach Österreich transportiert. Zunächst wurde es in den Räumlichkeiten der Ambraser Sammlung in Innsbruck liegend am Boden eines Saales arrangiert, wo es von einer Tribüne aus besichtigt werden konnte, Bald darauf wurde es erneut in Kisten gepackt und in das Schloss Belvedere nach Wien überführt, wo es provisorisch im Keller verstaut wurde. Seitens der talienische Kongregation erwuchs in den 1820 Jahren das Interesse, die Minoritenkirche zum Zweck der Aufstellung des Mosaiks dem kaiserlichen Hof zur Verfügung zu stellen. 1821 wurden hierzu mit der Unterstützung des Architekten Johann Nepomuk Amann (1765-1834) auch nähere Untersuchungen hinsichtlich Aufstellungs-Ort und Möglichkeit vorgenommen, wobei mittels eines auf Leinwand gemahen Faksimile des Mosaiks eine Anbringung des Kunstwerks simuliert wurde, doch blieb das Unternehmen vorerst noch ohne Erfolg. Erst ein Ansuchen des Jahres 1845 bei Kaiser Ferdinand I. v. Österreich (1793-1875) fand gehör und gefallen.

Die Kongregation engagierte den Architekten Friedrich August v. Stache (1814-1895), der einen Entwurf für die Anbringung des Mosaiks anfertigte. Er plante, feste Fundamente anzulegen und darüber einen Altar aus Carrara-Marmor zu errichten in dem das Mosaik anzubringen sei. Hierbei sollte ein kleiner Abstand zur Nordwand der Minoritenkirche verbleiben, was aus konservatorischen Gründen als Vorteil betrachtet wurde. Ein früheres Projekt Amanns, welches eme Anbringung des Mosaiks direkt an der Wand und dessen Fixierung mittels Eisenanker vorsah, wurde hingegen aufgrund statischer und ästhetischer Bedenken fallengelassen. 1846 wurde unter Staches Leitung die Arbeit der Errichtung von Altar und Mosaik begonnen. Hierfür wurde eine Grube bis zu einem festen Untergrund gegraben und ein Fundament aus gleichförmigen Ziegeln gebaut. Dieses wurde bis zur Höhe von etwa 3,4 Meter über den Kirchenboden errichtet und bis hier auch mit der Nordwand der Kirche verbunden. Über diese Mauer wurde anschließend eine Schicht behauener Steine gesetzt um den Druck des Gewichtes des Mosaiks besser zu verteilen. Die Mosaikplatten wurden vom Hofbauamt mittels eines eigens gebauten und von sechs Pferden gezogenen Wagens angeliefert. Der Professor für Bildhauerei Vincenzo Bonanni (1802-1887) hatte derweil den Marmor für Altar und Rahmen in Carrara vorbereiten lassen. Die Positionierung und Anbringung der einzelnen Mosaikplatten erfolgte über eine Rampe und eine Plattform sowie über eine große Schraubenwinde und Karren und die Fixierung an die Kirchenmauer mittels jeweils vier Schlüsseln. Das Mosaik wurde in drei Lagen zu je vier Platten montiert wobei drei Daumenbreit Abstand zwischen den Mosaikplatten und der Wand gelassen wurden.

* * *

DIE NEUE ORGEL
Seit 2018 verfügt die Minoritenkirche auch über eine kleine neue Orgel. Sie befindet sich im Südschiff der Kirche gleich neben dem Presbyterium und wurde vom Orgelbauer Francesco Zanin aus Codroipo bei Udine geschaffen. Sie ist ein Geschenk von Frau Elsa Barsanti und wurde am Tag ihrer Einweihung vom Apostolischen Nuntius Mons. Peter Stephan Zurbringen gesegnet. Sie verfügt über zwölf Register auf zwei Manuale und Pedal und wird regelmäßig in der hl. Messe gespielt und im Rahmen von Konzerten und der Langen Nacht der Kirchen.

 Minoritenkirche in Wien, September 2025

DAS METASTASIO-DENKMAL
Der Bildhauer Vincenzo Luccardi (1811-1876) schuf 1855 im Auftrag der Italienischen Kongregation das an der Südwand der Kirche neben der Sakristei befindliche Denkmal zu Ehren des am Hofe Maria Theresias (1717-1780) wirkenden Dichters und Librettisten Pietro Metastasio (1698-1782). Metastasio war, so wie der ebenso berühmte Komponist Antonio Salieri (1750-1825) Mitglied der Italienischen Kongregation Maria Schnee. Metastasio war 1782 an der Pest verstorben und wurde in den Katakomben der Michaelerkirche bestattet, daher handelt es sich beim Denkmal in der Minoritenkirche nicht um ein Grabmal sondern um einen Kenotaph.

Das Denkmal besteht aus einem Sockel mit der Widmung an Metastasio, einem darüber befindlichen, einem Sarkophag nachempfundenen, Block und einer darüber angebrachten Portrait-Statue des sitzenden Dichters, der inspirationssuchend im Augenblick des Verfassens eines seiner Werke dargestellt ist. Der zentrale Block des Denkmals stellt drei Reliefszenen dar, die wichtige Ereignisse aus Metastasios Leben illustrieren.

Das Bild links stellt die Begegnung Metastasios mit Kaiser Karl VI. (1685-1740) - dem Vater Maria Theresias - im Schloss Laxenburg dar. Karl VI. lehnt lässig an einem Tisch auf dem Bücher, Schreibzeug und ein Globus als Zeichen seines wissenschaftlichen Engagements ausgebreitet sind und reicht dem sich verbeugenden Metastasio die Hand.
Auf der gegenüberliegenden Szene der rechten Seite sieht man Maria Theresia (1717-1780) die, begleitet von einer Hofdame, dem sich leicht verbeugenden Dichter Metastasio ihren Sohn und Thronerben Joseph II. als Baby vorstellt. Neben der Monarchin ist eine Liege dargestellt und hinter ihr ein löwenköpfiger Hocker auf dem eine Krone abgelegt wurde.

Das zentrale Bild an der Vorderseite des Denkmals zeigt schließlich den am Sterbebett liegenden Metastasio, wie er von Papst Pius VI. (Regierung: 1775-1799), der in Begleitung der Kardinälen Migazzi und Bathyani, und des Apostolischen Nuntius Garampi erscheint, gesegnet wird, der zu Gesprächen mit Kaiser Joseph II. (1741-1790) nach Wien gekommen war und dabei auch die damalige Kirche der Italienischen Kongregation, die ehemalige Katharinenkapelle, besuchte. Hinter Metastasio sind stehend Antonio Salieri (1750-1825) und Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) zu sehen, letzterer trocknet sich eine Träne ab. Zu Boden bei Metastasio kniet eine weitere Größe der klassischen Musik, Joseph Haydn (1732-1809). Der Raum ist reich dekoriert, links ist ein Regal mit zahlreichen Büchern zu sehen, rechts auf einem Tisch steht eine Büste des Kaisers und mittig hinter dem Totenbett ist ein Kreuz aufgestellt, das dem sterbenden Metastasio Trost spendet.

 Minoritenkirche in Wien, September 2025

Das Gemälde stellt die Heilige Familie inmitten eines Wäldchens dar. Von oben schweben drei Putti herab, die geflochtene Kränze mit weißen Lilien in Händen halten. Im Zentrum steht Jesus als Knabe. Mit überkreuzten Armen und ernstem, traurig anmutenden Blick sieht er zu seiner Mutter empor. Ernst, doch auch milde blickt die Gottesmutter Maria zu ihrem Sohn und weist dabei mit ihrer rechten Hand den Weg. Auf der anderen Seite steht der Ziehvater Josef, er hält seinen Gehstock an der Schulter angelehnt und hört interessiert den Worten Marias zu.

Die Szene kann sich auf die Rückkehr der Heiligen Familie aus dem Exil in Ägypten nach dem Tod des Tyrannen Herodes d. Große beziehen oder auf die Heimreise nach der Wiederauffindung Jesu im Tempel, die im Lukasevangelium (2,41ff.) beschrieben wird: Der zwölfjährige Jesus war mit Maria und Josef zum Paschafest von Nazareth nach Jerusalem gepilgert und - nachdem sich diese mit ihrer Pilgergruppe wieder auf den Heimweg gemacht hatten - im Tempel verblieben. Erst nach einer Tagesreise entdeckten sie, daß Jesus sich nicht der Pilgergruppe angeschlossen hatte und begannen ihn zu suchen. Nach drei Tagen fanden sie ihn schließlich im Tempel, wo er mitten der Schriftgelehrten saß, ihnen zuhörte, Fragen stellte, Antworten gab und alle mit seinem Verständnis in Erstaunen versetzte. Auf die Frage seiner Mutter „Kind, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht!" antwortete Jesus: „Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?"

Das von Johann Hautzinger, einem Schüler Paul Trogers, geschaffene Gemälde stammt aus dem Depot der Hofgalerie und ist ein Geschenk Kaiser Josef II. an die Italienische Kongregation. Ursprünglich schmückte es als Altarbild - so wie das Gemälde der beiden Heiligen Rochus und Karl Borromäus an der Südwand - den Seitenaltar der Nordwand der Minoritenkirche, das somit der Heiligen Familie gewidmet war.

„Die Heilige Familie", gemalt von Johann Hautzinger (1728-1786)

 Minoritenkirche in Wien, September 2025

DIE HISTORISCHE ORGEL DER MINORITENKIRCHE
Die große historische Orgel der Minoritenkirche befindet sich auf der, in der Zeit der Umbauarbeiten durch Architekt Hetzendorf von Hohenberg 1784-1786 errichteten, Orgelempore am Westeingang der Kirche. Einer der wichtigsten spätbarocken Orgelbauer Österreichs, Franz Xaver Christoph (1733-1793), hat sie unter Verwendung der Pfeifen, der Windladen und des Spieltischgehäuses einer 1673 erbauten Vorgängerorgel geschaffen. Zu seinen Hauptwerken zählt u. A. auch die Orgel der Wallfahrtskirche in Sonntagberg bei Ybbs.

Die Orgel der Minoritenkirche verfügt über zwanzig Register auf zwei Manuale und Pedal und sticht besonders auch durch ihr für ihre Zeit stilistisch ungewöhnliches - Gehäuse auf, das in jenem gotisierenden Stil realisiert wurde mit dem Architekt Hetzendorf von Hohenberg der von ihm renovierten Minoritenkirche ein einheitliches Aussehen verlieh. Die Orgel ist weitgehend im Original erhalten und wurde 1972 von Arnulf Klebel teilrestauriert, ist jedoch derzeit nicht spielbar und wartet darauf restauriert zu werden.

 Minoritenkirche in Wien, September 2025

DAS FRANZISKUS-FRESKO
Das Fresko-Fragment stellt den hl. Franziskus, den Gründer des Minoritenordens, dar, der auf das Kreuz blickt und die Leiden Christi betrachtet. Auf seinen Händen sind die Wundmale zu erkennen. Das Fresko stammt aus den Resten des ehemaligen Lettners der Minoritenkirche im Bereich zwischen Langhaus und Langchor und wurde von heute unbekannter Hand vermutlich Anfang des 16. Jh. gemalt. Man hat es 1966 samt Mauerstück auf dem es gemalt worden ist aus seiner ursprünglichen Situierung entfernt und als Pendant zur Familienmadonna vor dem zweiten Pfeiler des nördlichen Seitenschiffs der Kirche aufgestellt. Andere Fragmente von Fresken wurden hingegen von ihrer Wand abgelöst und befinden sich im Raum zwischen Sakristei und dem südlichem Seitenschiff.

Das Antlitz des hier dargestellten hl. Franziskus, das im Gegensatz zum restlichen Teil des Bildes vom Zahn der Zeit respektvoll verschont worden ist, zählt zu den Feinsten und Ausdrucksstärksten Darstellungen dieses Heiligen. Franziskus ist mit Tonsur (kreisrund kahl geschorene Stelle auf dem Kopf von Geistlichen, speziell Mönchen) versehen und im typischen Habit der Minoriten gekleidet und blickt mit halbverschlossenen Augen auf das Kreuz, das er mit seiner linken Hand hält; er ist in andächtiger Meditation der Leiden unseres Herrn vertieft, wobei aus seinem rechten Auge sich eine Träne herauslöst. Dies verweist auch auf die ursprüngliche Widmung der Minoritenkirche auf das Hl. Kreuz. Franziskus erhebt seine rechte Hand als wolle er den Herren grüßen oder uns segnen, hier erkennen wir die Malzeichen der Stigmata, die sich an beiden Händen befinden und die der Heilige am Berg La Verna als Zeichen seiner mystischen Verbundenheit mit Jesu Leiden empfing. Diese berühmte Schlüsselszene seines Lebens ist am Tympanon des südl. Seitenportals der Westfassade der Minoritenkirche als Relief dargestellt.

 Minoritenkirche in Wien, September 2025

DAS LETZTE ABENDMAHL JESU CHRISTI
Sie sehen hier eine Nachbildung des berühmten Wandfreskos von Leonardo da Vinci, „Das letzte Abendmahl Jesu Christi". Anders als beim Original in Mailand, handelt es sich bei unserer Darstellung des letzten Abendmahls aber um ein Mosaik. Es ist 9,18 Meter breit und 4,47 Meter hoch und entspricht somit den Dimensionen des Originals. Es wiegt 20 Tonnen. Gefertigt wurde es vom Römer Giacomo Raffaelli in den Jahren 1805-1814 für Napoleon Bonaparte, wurde aber dann vom Wiener Kaiserhof unter Kaiser Franz II. für das Schloss Belevedere erworben. Kaiser Ferdinand überließ es später der Minoritenkirche, wo es zwischen 1845 und 1847 hier, an der Nordseite des Gotteshauses, angebracht und am 26. März 1847 eingeweiht wurde. Obwohl es sich um eine Reproduktion handelt, besitzt dieses Mosaik dennoch einen hohen künstlerischen Wert.

Im Zentrum des Bildes und somit in der Mitte der Tafel sitzt Jesus Christus, zu beiden Seiten befinden sich je sechs Seiner Apostel. Diese zwei Gruppen gliedern sich in vier Dreiereinheiten:
1. Links vom Betrachter der Apostel Bartholomäus, neben ihm Jakobus der Jüngere, und Andreas, der die Arme hebt.
3. Im rechten Bildteil Thomas, der mit erhobenem Zeigefinger Judas anblickt, Jakobus der Ältere, der erschrocken die Arme ausbreitet, dann Philippus, der stehend an seine Brust greift.
2. Petrus ist aufgesprungen und wendet sich - über Judas mit dem Geldbeutel hinweg - an Johannes.
4. Es folgt Matthäus, der sich an Judas Thaddäus und Simon den Zeloten wendet.
Wie beim Original in Mailand kommt der scharfe Gegensatz zwischen der von Jesus ausgestrahlten Ruhe und der großen Aufregung der Apostel über die Worte des Erlösers: „Einer von euch wird Mich verraten" deutlich zum Ausdruck.

 Minoritenkirche in Wien, September 2025

DER HL. LEOPOLD GRÜNDET KLOSTERNEUBURG
Das Gemälde stellt zentral Markgraf Leopold III. (1073-1136) v. Österreich mit Heiligenschein und Herzogshut und Mantel dar, neben ihm steht, den Blick zum Himmel erhoben seine Frau Agnes von Waiblingen (1072-1143). Von rechts oben öffnet sich der Himmel, Putti und das Licht Gottes verweisen auf den links im Hollerbaum aufliegenden Brautschleier seiner Gemahlin, der viele Jahre zuvor, im Jahr ihrer Vermählung 1106, durch einen plötzlichen Windstoß in den Wald hineingeweht worden war und hier völlig unversehrt die Witterung überstanden hat.

Der zu diesem Zeitpunkt gerade auf der Jagd befindliche Markgraf - links von ihm hält ein Knecht dessen Jagdhunde - erkennt dieses wundersame Zeichen als himmlischen Auftrag an, an jener Stelle Kirche und Stift Klosterneuburg zu gründen. Der Bauplan ist schon bereit, ebenso auch Schaufel und Spitzhacke, die am Boden liegen. Mit einer Hand auf den Plan und der anderen auf die Stelle zeigend, erteilt Leopold III. den Auftrag am 12. Juli 1114.

Der 1485 heiliggesprochene und unter Kaiser Leopold I. 1663 zum Landespatron Österreichs erhobene Markgraf Leopold III. hat durch seine zweite Ehe mit Agnes, Tochter des Römischen Kaisers Heinrich IV. (1084-1105), ein Salier, und Witwe Friedrichs I. von Hohenstaufen Herzog v. Schwaben, sein österreichisches Geschlecht der Babenberger in die höchsten Sphären der Macht des Heiligen Römischen Reiches gehoben. Als frommer Landesherr gründete er ebenfalls die Klöster Heiligenkreuz (1133) und Kleinmariazell (1136).

„Die Gründung des Stifts Klosterneuburg durch den hl. Leopold III.", gemalt von Martino Altomonte (1657-1745)

 Minoritenkirche in Wien, September 2025

DIE ANTONIUS-KAPELLE
Die Antoniuskapelle befindet sich am östlichen Ende des nördlichen Seitenschiffes hinter der nördlichen Kurtinenwand, die im Zuge der Renovierungsarbeiten des Architekten Hetzendorf von Hohenberg 1784-1786 errichtet worden ist. Vor diesem baulichen Eingriff war der Chor der Antoniuskapelle vom Langhaus der Minoritenkirche aus sichtbar und somit auch Teil des Langhauses.

Der Altar der heutigen Antoniuskapelle ist seit 1901 durch ein von Guido Grimani geschaffenes Gemälde geschmückt, es zeigt den hl. Antonius mit Christuskind in Mitten von Lilien und Mohnblüten als Symbol der Reinheit einerseits und des blutigen Todes Jesu andererseits. Im Hintergrund der beiden ist auf der rechten Seite ein antiker Tempelportikus dargestellt, der erst sekundär von Grimani hinzugemalt worden ist. Je zwei korinthische Säulen flankieren das Altarbild, die über den vergoldeten Kapitellen sitzenden diagonal wegstrebenden Gebälk-Aufsätze vermitteln typisch barocke Dynamik.

Neben den Säulen stehen zwei Skulpturen, die vom Hochaltar der 1775-1784 als Italienische Kirche dienenden ehemaligen Katharinenkapelle stammen, links der hl. Rochus mit Pilgerstab und Hund, rechts der an einem Stamm gefesselte hl. Sebastian, beide Heilige werden von der Italienischen Kongregation besonders verehrt. Der Altar der Kapelle erhielt bis 1902 einen marmormen kartuschenartigen Aufsatz. Darin befindet sich ein Glasbild der Firma Carl Geyling's Erben, es stellt das strahlende Medaillon „Christus als Salvator" vor einem blauen sternenbesetzten Himmel dar, das von zwei Putti hochgehalten wird. Dieselbe Firma gestaltete 1902 auch die Glasmalereien des hinter dem Antonius-Altar befindlichen Spitzbogenfensters des Chores der Antoniuskapelle, die ein gotisches Teppichmuster nachahmen. Der Aufsatz des Altares wird von zwei großen Engeln flankiert, die auf dem Gebälk über den äußersten Säulen sitzen und verdreht zum Jesus-Medaillon des Glasbilds blicken. Des Weiteren sitzen drei Putti mit gefalteten Händen auf dem bogenförmig ausgebildeten Gebälk oberhalb des Glasbildes.

Der barocke Tabernakel der Antoniuskapelle, der in Gestalt emes kleinen. Tempels geschaffen worden ist, eine Anspielung auf den Tempel in Jerusalem, wurde 1902 durch eine vergoldete Kuppel mit Schuppen aus Savonierstein ohne Kreuz erweitert. Die Tabernakeltür stellt jenen Augenblick dar, kurz bevor der aufrecht stehend dargestellte Abraham seinen gefesselten Sohn Isaak auf dem Altar geopfert hätte, jedoch von dem im letzten Augenblick vom Himmel durch eine Rauchwolke herabgeflogenen Engel davon abgehalten wird. Im Tympanon des Giebels ist das apokalyptische Lamm auf dem Buch mit 7 Siegeln dargestellt. Vor dem Antoniusaltar lädt jener Betstuhl zum Gebet ein, der laut Überlieferung, von Papst Pius VI. bei seinem Besuch in der ital. Kirche in Wien (ehemalige Katharinenkapelle) 1782 benützt worden ist.

Statue des hl. Rochus, Gemälde des hl. Antonius, gemalt von Guido Grimani, Statue des hl. Sebastian

 Minoritenkirche in Wien, September 2025

Der Chor der heutigen Antoniuskapelle ist im Zuge der zweiten Bauphase der Minoritenkirche geschaffen worden und ist zunächst als separater Kapellenanbau errichtet worden. Dieses als „Ludwigskapelle" bekannte Heiligtum war ursprünglich dem hl. Ludwig von Toulouse geweiht, war von Isabella (Elisabeth) von Aragon (1300-1330) errichtet worden und wurde schließlich im Zuge der dritten Bauphase der Minoritenkirche zu einem dritten Kirchenschiff erweitert und in das Langhaus der Minoritenkirche eingebunden.

1599 bzw. 1603 wurde der Altar auf Betreiben der Familie Hoyos dem hl. Johannes dem Täufer und dem hl. Ludwig von Toulouse gewidmet (daran erinnert eine Gedenktafel in der Kapelle) und später, nach dessen schwerer Beschädigung im Laufe der Türkenbelagerung von 1683, umgebaut. Der damals errichtete neue Altar wurde 1698 dem Erzengel Michael geweiht und erhielt vom Freiherren Bartholotti von Partenfeld das berühmte Altarbild von Luca Giordano, das den Sturz Satans durch den Erzengel Michael darstellt. Für dessen Anbringung sind damals wohl auch weite Teile des zentralen Spitzbogenfensters zugemauert worden. Die Kapelle enthielt ursprünglich auch einen Nebenaltar zu Ehren der Schmerzhaften Mutter, der 1723 durch einen dem hl. Johannes Nepomuk geweihten Altar ersetzt wurde sowie ab 1689 eine in Wien sehr verehrte Statue zu Ehren des hl. Nepomuk.

Kartuschenförmiger Aufsatz mit Glasmalerei Medaillon „Christus als Salvator", flankiert von Skulpturen von Engeln und Putti

 Minoritenkirche in Wien, September 2025

MARGARETE MAULTASCH (1318-1369)
DIE GRÄFIN VON TIROL, MARGARETE MAULTASCH WAR DIE ENKELIN VON GRAF MEINHARD II., DEM VATER DES LÄNDES TIROL". DIE SEIT 1335 REGIERENDE LANDESFÜRSTIN ÜBERGAB AM 26. JÄNNER 1363 DAS LAND TIROL AN DEN ÖSTERREICHISCHEN HERZOG RUDOLF IV. DEN STIFTER.
DIES BEDEUTETE DIE EINBEZIEHUNG TIROLS IN DEN HABSBURGISCHEN LÄNDERKOMPLEX.
MARGARETE MAULTASCH STARB AM 3. OKTOBER 1369 IN WIEN UND LIEGT IM CHOR DER MINORITENKIRCHE BEGRABEN.
LAND TIROL / DER GESAMTTIROLER SCHÜTZENBUND EUROPÄISCHE REGION TIBOL

 Minoritenkirche in Wien, September 2025

DIE GLORIE DES HL. JOHANNES NEPOMUK
Der hl. Johannes Nepomuk (1350-1393), der mit Nachnamen Welflin hieß und aus der westböhmischen Stadt Pomuk stammte, empfing 1380, in der Zeit des Großen Abendländischen Schisma (1378-1417) in dem bis zu drei Päpste um die rechtmäßige Inhabe des Stuhls Petri stritten, die Priesterweihe. Damals stand der Böhmische und deutsche König Wenzel IV. (1361-1419) v. Luxemburg in Konflikt mit dem Erzbischof von Prag um weltliche und geistliche Befugnisse. In diesen Streit wurde auch Johannes Nepomuk gezogen und zahlte schließlich für seine Treue zur Kirche und zum Beichtgeheimnis mit dem Leben: der Überlieferung nach ließ König Wenzel - als Johannes sich trotz Folter weigerte preiszugeben, was die vom König der Untreue verdächtigte Gattin Königin Sophie während des Beichtgesprächs gestanden hatte - ihn von der Karlsbrücke in Prag in die Moldau werfen, wo er ertrank. In Folge erschienen fünf Leuchtzeichen über dem Leichnam, die seine Unschuld bezeugten. Daher schmücken traditionell Fünf Sterne das Haupt des Heiligen, der in seiner Funktion als Nothelfer gegen Wasser- und Reisegefahren häufig als Statue bei Brücken zu sehen ist.

Der 1729 von Papst Benedikt XIII. heiliggesprochene (sein Gedenktag ist der 16. Mai) und 1732 vom Jesuitenorden zum zweiten Ordenspatron erkorene hl. Johannes Nepomuk ist im Gemälde auf einer Wolke bei seiner Aufnahme in den Himmel dargestellt. Engel und Putti begleiten ihn, tragen das Rituale Romanum (das Büchlein mit den Gebeten für die Spendung der Sakramente) und sein Beicht-Kreuz sowie den Lorbeerkranz der Märtyrer. Im Vordergrund flehen Bedürftige - Pilger, Mütter mit Kindern, Kranke, Alte, Reisende in Not - den Heiligen um Schutz an, während rechts unten ein mörderischer Dieb mit Dolch und schlangenumwundenem Arm flieht. Im Hintergrund ist die Prager Karlsbrücke zu sehen, wo Johannes sein Martyrium erlitt.

 Minoritenkirche in Wien, September 2025

DAS CÄCILIEN-FENSTER
Das Glasfenster zu Ehren der hl. Cäcilia, Patronin der Kirchenmusik, ist das einzige bemalte Glasfenster des Langhauses der Minoritenkirche und befindet sich hinter der großen Orgel der Orgelempore. Das von der Firma Carl Geyling's Erben gestaltete und realisierte Glasbild wurde im Jahr 1900 im Zuge der unter dem Präfekten der Italienischen Kongregation Verdin di Valsilvella durch die Architekten Luntz und Giacomelli durchgeführten Erweiterungen und Restaurierungsarbeiten der Minoritenkirche in das wiederhergestellte gotische Maßwerk des Mittelfensters der Westfassade eingefügt.

Das Glasbild erstreckt sich mehrbahnig über die vier Fensterlanzetten. In den mittleren beiden Fensterbahnen ist Cäcilia sitzend und an der Orgel spielend vor einem Ausblick auf eine Naturaussicht dargestellt. Vor ihr stehend befinden sich drei singende Engel, ein weiterer vierter Engel kniet vor der Heiligen hin und legt vor ihr einen Palmzweig ab, der als Attribut daran erinnert, daß Cäcilia als Märtyrerin gestorben ist. Die Szene ist in eine opulente neugotische Architektur eingefasst. Unterhalb der Szene würdigt eine lateinische Inschrift den Stifter des Bildes, Oscar Bene; dessen Eltern sind neben der Inschrift im untersten Teil der beiden äußersten Fensterlanzetten in den auf Glas gemalten Medaillons verewigt. Über ihnen erheben sich, pro Fensterlanzette, je ein mit Fialen bekrönter Baldachin. Darin sind links der hl. Johannes der Täufer, rechts die hl. Katharina von Alexandrien dargestellt. Letzterer war die Katharinenkapelle geweiht, bevor sie rund zehn Jahre lang 1775-1784 als Kirche der Italienischen Kongregation diente.

Die Fensterrosette oberhalb der Fensterlanzetten des Cäcilienfensters besteht aus vier Dreipässen mit musizierenden Engeln mit Mandoline, Trommel, Harfe und Doppeloboe bzw. Aulos, und einem mittleren Vierpass in dem ein weißes von einem Lorbeerkranz umgebenes Christusmonogramm vor rotem Grund abgebildet ist.

 Minoritenkirche in Wien, September 2025

DIE ROSSELLINO-MADONNA
Das Steinrelief aus Carrara-Marmor stellt die thronende Gottesmutter mit Jesuskind dar. Die unscheinbar am westlichen Ende der Nordwand der Minoritenkirche auf Augenhöhe der Gläubigen angebrachte in einem Steinrahmen gefasste Relief-Darstellung der Gottesmutter mit Kind und Putti wird dem Renaissance-Bildhauer Antonio Rossellino (1427-1479) zugeschrieben obschon unklar ist, ob es sich hierbei um ein Original oder eine Kopie handelt. Eine identische Madonna aus den 1460 Jahren ist in der Eremitage in St. Petersburg zu sehen. Auch das Kunsthistorische Museum in Wien besitzt ein von Rossellino geschaffenes Relief mit Madonna und Kind und zwei erwachsenen Engeln bei dem allerdings Mutter und Kind nach links ausgerichtet sind und Jesus von der Gottesmutter in unterschiedlicher Weise gehalten wird.

Das Werk ist als rilievo schiacciato („niedergedrücktes Relief") ausgeführt, dabei handelt es sich um eine speziell von Donatello perfektionierte Technik der Bildhauerei, bei der ein sehr flaches Relief erzeugt wird, bei dem die Schnitzereien nur wenige Millimeter tief eingeschnitten ist, es erhebt sich daher nur wenig vom Untergrund, dennoch sind die Gesichtszüge und Gewänder bis in die Details hinein präzise ausgeführt. Sie erwecken im Stein den Eindruck von Weichheit und Samtigkeit. Unter dem Mantel der Gottesmutter ist die Armlehne des Stuhls zu erblicken. Links und rechts der Gottesmutter und Jesu tauchen zwei hauchfeine Putti als Boten zwischen der geistigen und der materiellen Wirklichkeit aus der milchigen Atmosphäre des Hintergrunds auf und erfreuen sich am Anblick des Heilands und seiner Mutter.

 Minoritenkirche in Wien, September 2025

EPITAPH DES HENRI DU VAL
Die an der Nordwand der Minoritenkirche zwischen Rossellino-Madonna und Nordeingang montierte Steinplatte, zeigt Heinrich Duval (1580-1620), Graf von Dampierre und Baron zu Hans, der ein kaiserlicher Feldmarschall und Kriegsrat war und unter Kaiser Rudolf II. (1552-1612) und Kaiser Ferdinand II. (1578-1637) im Heer diente. Er fiel im Kampf zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges beim Versuch, mit 10.000 Mann die Stadt und das Schloss Pressburg (Bratislava) zu überfallen.

Die oben links beschädigte Steintafel zeigt Heinrich Duval kniend beim Gebet vor einem Kreuz mit Corpus dem er ins Antlitz schaut. Er trägt seinen Harnisch und hat dessen Helm und Handschuhe auf den Boden abgelegt. Im Hintergrund ist eine ummauerte Stadt zu sehen. Rechts unten am Boden verweist ein Totenschädel als memento mori auf den Tod sowie auch auf Kalvaria (Schädelstätte), wo Christus gekreuzigt wurde. Heinrich Duvals Andenken wurde in Österreich auch lange nach seinem Tod hochgehalten und er avancierte zu einem Vorbild. An ihn erinnert auch eine 1867 geschaffene lebensgroße Statue in der Feldherrenhalle des Heeresgeschichtlichen Museums in Wien.

 Minoritenkirche in Wien, September 2025

DER HL. BENEDIKT MIT PLACIDUS & MAURUS
Das Gemälde ist in zwei Hälften geteilt, die obere zeigt die Himmlische Sphäre der geistlichen Welt, darin erblickt man die auf Wolken thronende allegorische Gestalt der Mutter Kirche, das Kreuz Christi in der einen Hand haltend in der anderen den Kelch mit dem kostbaren Blut Jesu und seinen darüber schwebenden eucharistischen Leib. Sie ist von zahlreichen Putti umgeben, die auf den Wolken vergnügt tollen. Links von ihr schwebt ein Engel ausgestattet mit Palmzweig und Lorbeerkranz, den Kennzeichen des Triumphs der heiligen Märtyrer, in die irdische materielle Welt herab.

In der unteren Bildhälfte ist rechts hervorgehoben der hl. Benedikt von Nursia, Gründer des Benediktiner-Ordens, des ersten großen kontemplativen Mönchsordens der westlichen Welt zu sehen. Um ihn herum stehen Kleriker. Er ist in seinem schwarzen Ordensgewand gekleidet sitzend zu sehen, wie er mit dem Finger auf ein Buch zeigt, auf dem die ersten Worte seiner Ordens-Regel zu lesen sind Ausculta o fili praecepta magistri - Höre mein Sohn auf die Lehre des Meisters. Vor ihm knien seine zukünftigen Novizen und Schüler Placidus und Maurus, die sich in Folge zu seinen Lieblingsschüler entwickelten. Hinter ihnen steht der adelige Vater, der den Abt Benedikt um Aufnahme der beiden Jünglinge in den Orden bittet. Das Thema des Bildes steht mit der Provenienz des Gemäldes in Verbindung, das ursprünglich Teil der Ausstattung der Kirche der Benediktiner v. Montserrat in Wien war (Schwarzspanierkirche).

„Die Aufnahme von Placidus und Maurus durch den hl. Benedikt in den Orden" gemalt von Daniel Gran (1694-1757)

 Minoritenkirche in Wien, September 2025

WUNDER DES HL. NIKOLAUS
Der heilige Bischof Nikolaus von Myra, im kleinasiatischen Lykien, zwischen 270 und 286 in Patara geboren, nahm am Konzil von Nizäa teil, wo er energisch gegen die Irrlehren des Arius Stellung bezog, er sticht in der Überlieferung neben seinem standhaft katholischen Glauben auch für seine herausragende Nächstenliebe gegenüber Notleidenden und Bedürftigen heraus, denen er zu Lebzeiten wie auch nach seinem Tod zu Hilfe kam.

Die Szene des Gemäldes zeigt eine dieser zahlreichen wundersamen Ereignisse: Einer Familie, die am 6. Dezember, dem Festtag des hl. Nikolaus, ein Sohn geboren worden war, nachdem diese den Heiligen darum gebeten hatte, war ein schreckliches Schicksal widerfahren am siebten Geburtstag des Kindes wurde er entführt und nach Babylonien gebracht, wo er als Sklave arbeiten musste. Genau ein Jahr später geschah dann das Wunder, es wurde von einem Wirbelwind erfasst und genau vor der Nikolauskirche abgesetzt, in der die Eltern für die Rückkehr des Jungen beteten. Das Gemälde zeigt den Moment in dem der Junge, der gerade noch dabei war einen auf einen Tablett stehenden kostbaren Kelch zu kredenzen, von dem in vollem bischöflichen Ornat gekleideten, aus dem Himmel herbeigeschwebten hl. Nikolaus emporgehoben und aus dem orientalischen Palast befreit wird. Der in mit Turban und osmanisch-orientalischer Tracht gekleidete Herrscher und seine Hofleute können nur mehr verdutzt und ohnmächtig das Geschehen mitansehen. Die Reliquien des hl. Nikolaus werden, nach ihrer Überführung aus Myra, in der Kirche San Nicola in der italienischen Stadt Bari verehrt.

„Das Wunder des hl. Nikolaus", gemalt von Daniel Gran (1694-1757)

 Minoritenkirche in Wien, September 2025

Gebet zum hl. Thaddäus
Heiliger Thaddäus, Anverwandter unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi, Apostel und Märtyrer, herrlich durch Tugenden und Wunder, getreuer Fürsprecher all jener, die dich ehren, und besonderer Patron in verzweifelten Fällen! Zu dir nehme ich vertrauensvoll meine Zuflucht, da du ja das seltene Vorrecht besitzest, jenen mit augenscheinlicher Hilfe beizuspringen, die fast an jeglicher Hoffnung verzweifeln, und ich bitte dich inständigst, komm auch mir jetzt in dieser Not... zu Hilfe, aus der ich mich durch eigene Kraft nicht mehr zu erretten weiß. Ich verspreche dir, o hl. Thaddäus, zeitlebens deiner Wohltaten nicht zu vergessen, dich als meinen besonderen Batron stets zu verehren und auch aller Welt kundzutun, daß du wirklich ein mächtiger und rascher Helfer in unseren Bedrängnissen seiest. Amen!

 Minoritenkirche in Wien, September 2025

Die Italienische Kongregation Maria Schnee wurde 1625 gegründet und ist durch ihr 400-jährige Bestehen die älteste noch existierende marianische Laien-Vereinigung in Wien. Bis 1773 war sie ein Werkzeug des katholischen Apostolats des Jesuitenordens und war am Platz Am Hof beheimatet. Seit 1784 hat sie ihren Sitz in der Wiener Minoritenkirche, der Italienischen Nationalkirche. Nach den Bränden von 1262 und 1276 legte König Ottokar II. Przemysl 1276 den Grundstein zum Neubau der Minoritenkirche, die nach drei Bauphasen das heutige Aussehen erlangte. Die letzte größere Veränderung erfolgte in den Jahren 1892-1905 anlässlich der Neugestaltung des Minoritenplatzes.

Im Osten des Gotteshauses beherrscht der um 1350–60 errichtete Kirchturm samt Glockenstube die Ansicht. Er hat einen quadratischen Grundriss und ist 65 Meter hoch. Der Turm geht in Höhe der Dachtraufe bei etwa 25 m in ein schlankeres achteckiges Bauteil über. An dieser Stelle befindet sich an der Fassade eine eher kleine steinerne Figur, die den Laienbruder Nikolaus darstellt. Unmittelbar neben dem Turm stehen zwei ungleiche kleinere Rundbauten, einer ist der Treppenturm zur Empore, der andere ist das Sakristeihaus.

 Minoritenkirche in Wien, September 2025



Wem der viele Text zu lange war und lieber Bewegtbilder mit Musik mag, kann sich gerne dieses Video antun: