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Die Minoritenkirche (Italienische Nationalkirche
Maria Schnee) ist eine römisch-katholische Hallenkirche am
Minoritenplatz im 1. Wiener Gemeindebezirk Innere Stadt und Heimat der
italienischsprachigen Gemeinde Wiens. Seit dem 29. Juni 2021 ist die
denkmalgeschützte Kirche Eigentum der Priesterbruderschaft St. Pius X.
(FSSPX), an die die Kirche von der vormaligen Besitzerin, der
Italienischen Kongregation Maria Schnee, geschenkt wurde.
Das Auffälligste an der Minoritenkirche ist ihr großes mit roten
Dachziegeln gedecktes Satteldach, das tief heruntergezogen ist. Ein
weiteres dominantes Merkmal ist der 54 Meter hohe Westgiebel, der einem
typisch französischen Bauschema folgt, wie es in Österreich eher selten
ist: er ist in einzelne Flächen gegliedert und besaß drei Portale, über
denen jeweils ein hohes mehrbahniges spitzbogiges Fenster eingebaut
ist. Das trichterförmige Spitzbogen-Hauptportal ist elf Meter hoch,
8,50 Meter breit und wird durch einen Mittelpfeiler geteilt und
getragen. Die anderen beiden Portale sind zugemauert. aber in ihren
Umrissen erhalten.

Portal der Westfassade: Das Tympanon über dem Hauptportal ist durch
Zirkelschläge in drei Felder unterteilt, im mittleren Feld ist Christus
auf einem Astkreuz gestaltet. Links sind Maria mit Maria Magdalena und
andere weibliche Figuren geformt, rechts Johannes der Evangelist,
Hauptmann Longinus und andere männliche Figuren. Die jeweils äußerste
männliche und weibliche Figur sollen Herzog Albrecht II. und seine
Gemahlin Johanna von Pfirt darstellen, zumal die männliche Figur einen
Herzogshut zu tragen scheint. Die Figuren samt denen in den Bögen des
Hauptportals und an der Mittelsäule sind sehr elegant und feingliedrig
dargestellt – ein deutlicher französischer Einfluss und zugleich
wichtiges Stilmerkmal der Minoritenwerkstatt, die bis etwa 1360
nachweisbar ist.

Im Chor steht ein Hochaltar mit
einem bedeutenden Altargemälde von Ignaz Unterberger. Das Bild stellt
das von Engeln getragene Gnadenbild Maria Schnee dar und ist von
Marmorsäulen eingefasst. Vor dem Altar steht ein länglich-rechteckiger
Altartisch. Der Altarbereich ist mit einer niedrigen Balustrade gegen
den Kirchenhauptraum abgeteilt.
An einem Pfeiler ist eine hölzerne Kanzel
abgestützt, die über einen Rundkorb mit darüber angeordnetem
haubenartigem Schalldeckel verfügt. Oberhalb dieses Deckels steht eine
männliche Heiligenfigur, den hl. Paulus mit Schwert darstellend,
bekrönt von einem gotischen Spitzdach in Fialenform.

Anfang des 19. Jahrhunderts entstand die Mosaikkopie von Leonardo da
Vincis Letztem Abendmahl, die 1845–1847 in der Minoritenkirche
angebracht wurde. Napoleon hatte sie bei Giacomo Raffaelli in Auftrag
gegeben, sie wurde aber wie einige andere Kunstwerke erst nach seinem
Sturz beendet. Schließlich kaufte Napoleons Schwiegervater Kaiser Franz
I. das Kunstwerk. Für den ursprünglich vorgesehenen Aufstellungsort im
Belvedere erwies sich das Mosaik als zu groß, so dass es letztlich in
diese Kirche kam.
WAS GESCHAH BEIM LETZTEN ABENDMAHL?
Warum ist diese Szene so bedeutend, dass sie in unzähligen Kunstwerken
durch viele Jahrhunderte hindurch immer wieder dargestellt wurde? Unser
Herr Jesus Christus, der Sohn Gottes, hielt am Abend vor Seinem Leiden
und Seinem Tod am Kreuz gemeinsam mit den zwölf Aposteln ein
feierliches Mahl. Er wusste, dass schon in wenigen Stunden Sein Leiden
beginnen sollte, welches mit dem Kreuzestod am Nachmittag des nächsten
Tages enden werde. Er kannte auch Seinen Verräter und kündigte daher
Seinen Freunden an: „Einer von euch wird mich verraten." Man kann sich
gut vorstellen, welche Unruhe diese Ankündigung in die Festesfreude
brachte.
Und dann berichten uns die Evangelien und die Apostelgeschichte von dem
Geschehen, das zum Zentrum und Lebensmittelpunkt für alle Christen
aller Generationen werden sollte: Von der Einsetzung der Eucharistie,
von der Heiligen Messe. „Jesus nahm Brot, segnete es und gab es den
Jüngern mit den Worten: Nehmt hin und esset, das ist Mein Leib." Dann
nahm Er einen Kelch, dankte und reichte ihn an die Apostel mit den
Worten: „Trinket alle daraus, denn dies ist Mein Blut des Neuen Bundes,
das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden." Mit dem Auftrag
„Tut dies zu Meinem Gedächtnis", gerichtet an die Apostel, setzte Er
das Priestertum ein. Seit den apostolischen Zeiten, durch zwei
Jahrtausende hindurch, glauben die Katholiken, dass während der Hl.
Messe bei der Wandlung, bei der der Priester die o.a. Worte Jesu über
Brot und Wein spricht, unser Herr Jesus Christus als wahrer Gott und
wahrer Mensch wahrhaft, wirklich und wesenhaft unter den Gestalten von
Brot und Wein gegenwärtig ist.
Durch Seine reale Gegenwart in diesem Sakrament erfahren wir die
unendliche göttliche Liebe zu den Menschen, Er selbst wird zu einer
geistigen Nahrung der Seelen auf ihrem Weg durch dieses Leben, Er
befreit uns von den täglichen Schwächen und Fehlern, und Er will uns
vor Todsünden, die uns von Ihm auf immer trennen würden, bewahren. Er
selbst wird zu einem Unterpfand unserer künftigen Bestimmung: in Seiner
Gegenwart zu leben in der ewigen Glückseligkeit des Himmels. In der
Gestalt des gewandelten Brotes ist Jesus Christus im Tabernakel
gegenwärtig, wir ehren Ihn daher, indem wir das Knie vor Ihm beugen und
Ihm den gebührenden Respekt erweisen durch unser Verhalten angesichts
der Heiligkeit des Gotteshauses.

DIE ERRICHTUNG DES ABENDMAHL-ALTARES
Das berühmte Mosaikbild der Minontenkirche entstand im Auftrag Napoleon
Bonapartes (1769-1821). Dieser wollte ursprünglich das originale,
1495-97 in secco-Technik geschaffene, 422 x 904 cm große
Abendmahl-Gemälde von Leonardo da Vinci (1452-1519) im Refektorium des
Dominikaner-Klosters S. Maria delle Grazie in Mailand von seiner Wand
abtragen und nach Paris überführen lassen. Aufgrund der technischen
Undurchführbarkeit des Projekts beauftragten Napoleon und sein
Stiefsohn, der Vizekönig Italiens Eugène de Beauharnais (1781-1824) den
Maler Giuseppe Bossi (1777-1815), eine originalgetreue Kopie auf
Leinwand zu erstellen. Diese sollte ab 1806 dem Mosaik-Künstler Giacomo
Raffaelli (1753-1836) aus Rom, der in jenem Jahr extra nach Mailand
geholt wurde und hier auch eine eigene Schule eröffnete, als Vorlage
für ein Mosaikbild dienen.
Da die Größe von 9,18 x 4,47 Metern nicht zuließ, das Mosaik-Bild in
einem Stück anzufertigen und anschließend zu bewegen, musste der
Künstler es in zwölf Einzelplatten unterschiedlicher Dimensionierung
mit etwa 24 cm Dicke herstellen, die zusammengenommen etwa ein Gewicht
von 20.000 Kg besitzen. Die einzelnen Mosaiksteine wurden hierbei
direkt mittels Zement an den Stein geklebt. Das Mosaik wurde von
Raffaelh mit Unterstützung von fünf Gehilfen in den Jahren 1806-1814
hergestellt.
Da bei Vollendung des Bildes der mittlerweile entmachtete Napoleon
natürlich nicht mehr als Käufer in Frage kam, wurde das Mosaik
schließlich von Kaiser Franz I. v. Österreich (1768-1835) gekauft und
1816/1818 auf zwölf Artillerie-Wägen aufgeteilt nach Österreich
transportiert. Zunächst wurde es in den Räumlichkeiten der Ambraser
Sammlung in Innsbruck liegend am Boden eines Saales arrangiert, wo es
von einer Tribüne aus besichtigt werden konnte, Bald darauf wurde es
erneut in Kisten gepackt und in das Schloss Belvedere nach Wien
überführt, wo es provisorisch im Keller verstaut wurde. Seitens der
talienische Kongregation erwuchs in den 1820 Jahren das Interesse, die
Minoritenkirche zum Zweck der Aufstellung des Mosaiks dem kaiserlichen
Hof zur Verfügung zu stellen. 1821 wurden hierzu mit der Unterstützung
des Architekten Johann Nepomuk Amann (1765-1834) auch nähere
Untersuchungen hinsichtlich Aufstellungs-Ort und Möglichkeit
vorgenommen, wobei mittels eines auf Leinwand gemahen Faksimile des
Mosaiks eine Anbringung des Kunstwerks simuliert wurde, doch blieb das
Unternehmen vorerst noch ohne Erfolg. Erst ein Ansuchen des Jahres 1845
bei Kaiser Ferdinand I. v. Österreich (1793-1875) fand gehör und
gefallen.
Die Kongregation engagierte den Architekten Friedrich August v. Stache
(1814-1895), der einen Entwurf für die Anbringung des Mosaiks
anfertigte. Er plante, feste Fundamente anzulegen und darüber einen
Altar aus Carrara-Marmor zu errichten in dem das Mosaik anzubringen
sei. Hierbei sollte ein kleiner Abstand zur Nordwand der
Minoritenkirche verbleiben, was aus konservatorischen Gründen als
Vorteil betrachtet wurde. Ein früheres Projekt Amanns, welches eme
Anbringung des Mosaiks direkt an der Wand und dessen Fixierung mittels
Eisenanker vorsah, wurde hingegen aufgrund statischer und ästhetischer
Bedenken fallengelassen. 1846 wurde unter Staches Leitung die Arbeit
der Errichtung von Altar und Mosaik begonnen. Hierfür wurde eine Grube
bis zu einem festen Untergrund gegraben und ein Fundament aus
gleichförmigen Ziegeln gebaut. Dieses wurde bis zur Höhe von etwa 3,4
Meter über den Kirchenboden errichtet und bis hier auch mit der
Nordwand der Kirche verbunden. Über diese Mauer wurde anschließend eine
Schicht behauener Steine gesetzt um den Druck des Gewichtes des Mosaiks
besser zu verteilen. Die Mosaikplatten wurden vom Hofbauamt mittels
eines eigens gebauten und von sechs Pferden gezogenen Wagens
angeliefert. Der Professor für Bildhauerei Vincenzo Bonanni (1802-1887)
hatte derweil den Marmor für Altar und Rahmen in Carrara vorbereiten
lassen. Die Positionierung und Anbringung der einzelnen Mosaikplatten
erfolgte über eine Rampe und eine Plattform sowie über eine große
Schraubenwinde und Karren und die Fixierung an die Kirchenmauer mittels
jeweils vier Schlüsseln. Das Mosaik wurde in drei Lagen zu je vier
Platten montiert wobei drei Daumenbreit Abstand zwischen den
Mosaikplatten und der Wand gelassen wurden.
* * *
DIE NEUE ORGEL
Seit 2018 verfügt die Minoritenkirche auch über eine kleine neue Orgel.
Sie befindet sich im Südschiff der Kirche gleich neben dem Presbyterium
und wurde vom Orgelbauer Francesco Zanin aus Codroipo bei Udine
geschaffen. Sie ist ein Geschenk von Frau Elsa Barsanti und wurde am
Tag ihrer Einweihung vom Apostolischen Nuntius Mons. Peter Stephan
Zurbringen gesegnet. Sie verfügt über zwölf Register auf zwei Manuale
und Pedal und wird regelmäßig in der hl. Messe gespielt und im Rahmen
von Konzerten und der Langen Nacht der Kirchen.

DAS METASTASIO-DENKMAL
Der Bildhauer Vincenzo Luccardi (1811-1876) schuf 1855 im Auftrag der
Italienischen Kongregation das an der Südwand der Kirche neben der
Sakristei befindliche Denkmal zu Ehren des am Hofe Maria Theresias
(1717-1780) wirkenden Dichters und Librettisten Pietro Metastasio
(1698-1782). Metastasio war, so wie der ebenso berühmte Komponist
Antonio Salieri (1750-1825) Mitglied der Italienischen Kongregation
Maria Schnee. Metastasio war 1782 an der Pest verstorben und wurde in
den Katakomben der Michaelerkirche bestattet, daher handelt es sich
beim Denkmal in der Minoritenkirche nicht um ein Grabmal sondern um
einen Kenotaph.
Das Denkmal besteht aus einem Sockel mit der Widmung an Metastasio,
einem darüber befindlichen, einem Sarkophag nachempfundenen, Block und
einer darüber angebrachten Portrait-Statue des sitzenden Dichters, der
inspirationssuchend im Augenblick des Verfassens eines seiner Werke
dargestellt ist. Der zentrale Block des Denkmals stellt drei
Reliefszenen dar, die wichtige Ereignisse aus Metastasios Leben
illustrieren.
Das Bild links stellt die Begegnung Metastasios mit Kaiser Karl VI.
(1685-1740) - dem Vater Maria Theresias - im Schloss Laxenburg dar.
Karl VI. lehnt lässig an einem Tisch auf dem Bücher, Schreibzeug und
ein Globus als Zeichen seines wissenschaftlichen Engagements
ausgebreitet sind und reicht dem sich verbeugenden Metastasio die Hand.
Auf der gegenüberliegenden Szene der rechten Seite sieht man Maria
Theresia (1717-1780) die, begleitet von einer Hofdame, dem sich leicht
verbeugenden Dichter Metastasio ihren Sohn und Thronerben Joseph II.
als Baby vorstellt. Neben der Monarchin ist eine Liege dargestellt und
hinter ihr ein löwenköpfiger Hocker auf dem eine Krone abgelegt wurde.
Das zentrale Bild an der Vorderseite
des Denkmals zeigt schließlich den am Sterbebett liegenden Metastasio,
wie er von Papst Pius VI. (Regierung: 1775-1799), der in Begleitung der
Kardinälen Migazzi und Bathyani, und des Apostolischen Nuntius Garampi
erscheint, gesegnet wird, der zu Gesprächen mit Kaiser Joseph II.
(1741-1790) nach Wien gekommen war und dabei auch die damalige Kirche
der Italienischen Kongregation, die ehemalige Katharinenkapelle,
besuchte. Hinter Metastasio sind stehend Antonio Salieri (1750-1825)
und Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) zu sehen, letzterer trocknet
sich eine Träne ab. Zu Boden bei Metastasio kniet eine weitere Größe
der klassischen Musik, Joseph Haydn (1732-1809). Der Raum ist reich
dekoriert, links ist ein Regal mit zahlreichen Büchern zu sehen, rechts
auf einem Tisch steht eine Büste des Kaisers und mittig hinter dem
Totenbett ist ein Kreuz aufgestellt, das dem sterbenden Metastasio
Trost spendet.

Das Gemälde stellt die Heilige Familie
inmitten eines Wäldchens dar. Von oben schweben drei Putti herab, die
geflochtene Kränze mit weißen Lilien in Händen halten. Im Zentrum steht
Jesus als Knabe. Mit überkreuzten Armen und ernstem, traurig anmutenden
Blick sieht er zu seiner Mutter empor. Ernst, doch auch milde blickt
die Gottesmutter Maria zu ihrem Sohn und weist dabei mit ihrer rechten
Hand den Weg. Auf der anderen Seite steht der Ziehvater Josef, er hält
seinen Gehstock an der Schulter angelehnt und hört interessiert den
Worten Marias zu.
Die Szene kann sich auf die Rückkehr der Heiligen Familie aus dem Exil
in Ägypten nach dem Tod des Tyrannen Herodes d. Große beziehen oder auf
die Heimreise nach der Wiederauffindung Jesu im Tempel, die im
Lukasevangelium (2,41ff.) beschrieben wird: Der zwölfjährige Jesus war
mit Maria und Josef zum Paschafest von Nazareth nach Jerusalem
gepilgert und - nachdem sich diese mit ihrer Pilgergruppe wieder auf
den Heimweg gemacht hatten - im Tempel verblieben. Erst nach einer
Tagesreise entdeckten sie, daß Jesus sich nicht der Pilgergruppe
angeschlossen hatte und begannen ihn zu suchen. Nach drei Tagen fanden
sie ihn schließlich im Tempel, wo er mitten der Schriftgelehrten saß,
ihnen zuhörte, Fragen stellte, Antworten gab und alle mit seinem
Verständnis in Erstaunen versetzte. Auf die Frage seiner Mutter „Kind,
wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst
gesucht!" antwortete Jesus: „Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr
nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?"
Das von Johann Hautzinger, einem Schüler Paul Trogers, geschaffene
Gemälde stammt aus dem Depot der Hofgalerie und ist ein Geschenk Kaiser
Josef II. an die Italienische Kongregation. Ursprünglich schmückte es
als Altarbild - so wie das Gemälde der beiden Heiligen Rochus und Karl
Borromäus an der Südwand - den Seitenaltar der Nordwand der
Minoritenkirche, das somit der Heiligen Familie gewidmet war.
„Die Heilige Familie", gemalt von Johann Hautzinger (1728-1786)

DIE HISTORISCHE ORGEL DER MINORITENKIRCHE
Die große historische Orgel der Minoritenkirche befindet sich auf der,
in der Zeit der Umbauarbeiten durch Architekt Hetzendorf von Hohenberg
1784-1786 errichteten, Orgelempore am Westeingang der Kirche. Einer der
wichtigsten spätbarocken Orgelbauer Österreichs, Franz Xaver Christoph
(1733-1793), hat sie unter Verwendung der Pfeifen, der Windladen und
des Spieltischgehäuses einer 1673 erbauten Vorgängerorgel geschaffen.
Zu seinen Hauptwerken zählt u. A. auch die Orgel der Wallfahrtskirche
in Sonntagberg bei Ybbs.
Die Orgel der Minoritenkirche verfügt über zwanzig Register auf zwei
Manuale und Pedal und sticht besonders auch durch ihr für ihre Zeit
stilistisch ungewöhnliches - Gehäuse auf, das in jenem gotisierenden
Stil realisiert wurde mit dem Architekt Hetzendorf von Hohenberg der
von ihm renovierten Minoritenkirche ein einheitliches Aussehen verlieh.
Die Orgel ist weitgehend im Original erhalten und wurde 1972 von Arnulf
Klebel teilrestauriert, ist jedoch derzeit nicht spielbar und wartet
darauf restauriert zu werden.

DAS FRANZISKUS-FRESKO
Das Fresko-Fragment stellt den hl. Franziskus, den Gründer des
Minoritenordens, dar, der auf das Kreuz blickt und die Leiden Christi
betrachtet. Auf seinen Händen sind die Wundmale zu erkennen. Das Fresko
stammt aus den Resten des ehemaligen Lettners der Minoritenkirche im
Bereich zwischen Langhaus und Langchor und wurde von heute unbekannter
Hand vermutlich Anfang des 16. Jh. gemalt. Man hat es 1966 samt
Mauerstück auf dem es gemalt worden ist aus seiner ursprünglichen
Situierung entfernt und als Pendant zur Familienmadonna vor dem zweiten
Pfeiler des nördlichen Seitenschiffs der Kirche aufgestellt. Andere
Fragmente von Fresken wurden hingegen von ihrer Wand abgelöst und
befinden sich im Raum zwischen Sakristei und dem südlichem Seitenschiff.
Das Antlitz des hier dargestellten hl. Franziskus, das im Gegensatz zum
restlichen Teil des Bildes vom Zahn der Zeit respektvoll verschont
worden ist, zählt zu den Feinsten und Ausdrucksstärksten Darstellungen
dieses Heiligen. Franziskus ist mit Tonsur (kreisrund kahl geschorene
Stelle auf dem Kopf von Geistlichen, speziell Mönchen) versehen und im
typischen Habit der Minoriten gekleidet und blickt mit
halbverschlossenen Augen auf das Kreuz, das er mit seiner linken Hand
hält; er ist in andächtiger Meditation der Leiden unseres Herrn
vertieft, wobei aus seinem rechten Auge sich eine Träne herauslöst.
Dies verweist auch auf die ursprüngliche Widmung der Minoritenkirche
auf das Hl. Kreuz. Franziskus erhebt seine rechte Hand als wolle er den
Herren grüßen oder uns segnen, hier erkennen wir die Malzeichen der
Stigmata, die sich an beiden Händen befinden und die der Heilige am
Berg La Verna als Zeichen seiner mystischen Verbundenheit mit Jesu
Leiden empfing. Diese berühmte Schlüsselszene seines Lebens ist am
Tympanon des südl. Seitenportals der Westfassade der Minoritenkirche
als Relief dargestellt.

DAS LETZTE ABENDMAHL JESU CHRISTI
Sie sehen hier eine Nachbildung des berühmten Wandfreskos von Leonardo
da Vinci, „Das letzte Abendmahl Jesu Christi". Anders als beim Original
in Mailand, handelt es sich bei unserer Darstellung des letzten
Abendmahls aber um ein Mosaik. Es ist 9,18 Meter breit und 4,47 Meter
hoch und entspricht somit den Dimensionen des Originals. Es wiegt 20
Tonnen. Gefertigt wurde es vom Römer Giacomo Raffaelli in den Jahren
1805-1814 für Napoleon Bonaparte, wurde aber dann vom Wiener Kaiserhof
unter Kaiser Franz II. für das Schloss Belevedere erworben. Kaiser
Ferdinand überließ es später der Minoritenkirche, wo es zwischen 1845
und 1847 hier, an der Nordseite des Gotteshauses, angebracht und am 26.
März 1847 eingeweiht wurde. Obwohl es sich um eine Reproduktion
handelt, besitzt dieses Mosaik dennoch einen hohen künstlerischen Wert.
Im Zentrum des Bildes und somit in der Mitte der Tafel sitzt Jesus
Christus, zu beiden Seiten befinden sich je sechs Seiner Apostel. Diese
zwei Gruppen gliedern sich in vier Dreiereinheiten:
1. Links vom Betrachter der Apostel Bartholomäus, neben ihm Jakobus der Jüngere, und Andreas, der die Arme hebt.
3. Im rechten Bildteil Thomas, der mit erhobenem Zeigefinger Judas
anblickt, Jakobus der Ältere, der erschrocken die Arme ausbreitet, dann
Philippus, der stehend an seine Brust greift.
2. Petrus ist aufgesprungen und wendet sich - über Judas mit dem Geldbeutel hinweg - an Johannes.
4. Es folgt Matthäus, der sich an Judas Thaddäus und Simon den Zeloten wendet.
Wie beim Original in Mailand kommt der scharfe Gegensatz zwischen der
von Jesus ausgestrahlten Ruhe und der großen Aufregung der Apostel über
die Worte des Erlösers: „Einer von euch wird Mich verraten" deutlich
zum Ausdruck.

DER HL. LEOPOLD GRÜNDET KLOSTERNEUBURG
Das Gemälde stellt zentral Markgraf Leopold III. (1073-1136) v.
Österreich mit Heiligenschein und Herzogshut und Mantel dar, neben ihm
steht, den Blick zum Himmel erhoben seine Frau Agnes von Waiblingen
(1072-1143). Von rechts oben öffnet sich der Himmel, Putti und das
Licht Gottes verweisen auf den links im Hollerbaum aufliegenden
Brautschleier seiner Gemahlin, der viele Jahre zuvor, im Jahr ihrer
Vermählung 1106, durch einen plötzlichen Windstoß in den Wald
hineingeweht worden war und hier völlig unversehrt die Witterung
überstanden hat.
Der zu diesem Zeitpunkt gerade auf der Jagd befindliche Markgraf -
links von ihm hält ein Knecht dessen Jagdhunde - erkennt dieses
wundersame Zeichen als himmlischen Auftrag an, an jener Stelle Kirche
und Stift Klosterneuburg zu gründen. Der Bauplan ist schon bereit,
ebenso auch Schaufel und Spitzhacke, die am Boden liegen. Mit einer
Hand auf den Plan und der anderen auf die Stelle zeigend, erteilt
Leopold III. den Auftrag am 12. Juli 1114.
Der 1485 heiliggesprochene und unter Kaiser Leopold I. 1663 zum
Landespatron Österreichs erhobene Markgraf Leopold III. hat durch seine
zweite Ehe mit Agnes, Tochter des Römischen Kaisers Heinrich IV.
(1084-1105), ein Salier, und Witwe Friedrichs I. von Hohenstaufen
Herzog v. Schwaben, sein österreichisches Geschlecht der Babenberger in
die höchsten Sphären der Macht des Heiligen Römischen Reiches gehoben.
Als frommer Landesherr gründete er ebenfalls die Klöster Heiligenkreuz
(1133) und Kleinmariazell (1136).
„Die Gründung des Stifts Klosterneuburg durch den hl. Leopold III.", gemalt von Martino Altomonte (1657-1745)

DIE ANTONIUS-KAPELLE
Die Antoniuskapelle befindet sich am östlichen Ende des nördlichen
Seitenschiffes hinter der nördlichen Kurtinenwand, die im Zuge der
Renovierungsarbeiten des Architekten Hetzendorf von Hohenberg 1784-1786
errichtet worden ist. Vor diesem baulichen Eingriff war der Chor der
Antoniuskapelle vom Langhaus der Minoritenkirche aus sichtbar und somit
auch Teil des Langhauses.
Der Altar der heutigen Antoniuskapelle ist seit 1901 durch ein von
Guido Grimani geschaffenes Gemälde geschmückt, es zeigt den hl.
Antonius mit Christuskind in Mitten von Lilien und Mohnblüten als
Symbol der Reinheit einerseits und des blutigen Todes Jesu
andererseits. Im Hintergrund der beiden ist auf der rechten Seite ein
antiker Tempelportikus dargestellt, der erst sekundär von Grimani
hinzugemalt worden ist. Je zwei korinthische Säulen flankieren das
Altarbild, die über den vergoldeten Kapitellen sitzenden diagonal
wegstrebenden Gebälk-Aufsätze vermitteln typisch barocke Dynamik.
Neben den Säulen stehen zwei Skulpturen, die vom Hochaltar der
1775-1784 als Italienische Kirche dienenden ehemaligen
Katharinenkapelle stammen, links der hl. Rochus mit Pilgerstab und
Hund, rechts der an einem Stamm gefesselte hl. Sebastian, beide Heilige
werden von der Italienischen Kongregation besonders verehrt. Der Altar
der Kapelle erhielt bis 1902 einen marmormen kartuschenartigen Aufsatz.
Darin befindet sich ein Glasbild der Firma Carl Geyling's Erben, es
stellt das strahlende Medaillon „Christus als Salvator" vor einem
blauen sternenbesetzten Himmel dar, das von zwei Putti hochgehalten
wird. Dieselbe Firma gestaltete 1902 auch die Glasmalereien des hinter
dem Antonius-Altar befindlichen Spitzbogenfensters des Chores der
Antoniuskapelle, die ein gotisches Teppichmuster nachahmen. Der Aufsatz
des Altares wird von zwei großen Engeln flankiert, die auf dem Gebälk
über den äußersten Säulen sitzen und verdreht zum Jesus-Medaillon des
Glasbilds blicken. Des Weiteren sitzen drei Putti mit gefalteten Händen
auf dem bogenförmig ausgebildeten Gebälk oberhalb des Glasbildes.
Der barocke Tabernakel der Antoniuskapelle, der in Gestalt emes
kleinen. Tempels geschaffen worden ist, eine Anspielung auf den Tempel
in Jerusalem, wurde 1902 durch eine vergoldete Kuppel mit Schuppen aus
Savonierstein ohne Kreuz erweitert. Die Tabernakeltür stellt jenen
Augenblick dar, kurz bevor der aufrecht stehend dargestellte Abraham
seinen gefesselten Sohn Isaak auf dem Altar geopfert hätte, jedoch von
dem im letzten Augenblick vom Himmel durch eine Rauchwolke
herabgeflogenen Engel davon abgehalten wird. Im Tympanon des Giebels
ist das apokalyptische Lamm auf dem Buch mit 7 Siegeln dargestellt. Vor
dem Antoniusaltar lädt jener Betstuhl zum Gebet ein, der laut
Überlieferung, von Papst Pius VI. bei seinem Besuch in der ital. Kirche
in Wien (ehemalige Katharinenkapelle) 1782 benützt worden ist.
Statue des hl. Rochus, Gemälde des hl. Antonius, gemalt von Guido Grimani, Statue des hl. Sebastian

Der Chor der heutigen Antoniuskapelle ist im Zuge der zweiten Bauphase
der Minoritenkirche geschaffen worden und ist zunächst als separater
Kapellenanbau errichtet worden. Dieses als „Ludwigskapelle" bekannte
Heiligtum war ursprünglich dem hl. Ludwig von Toulouse geweiht, war von
Isabella (Elisabeth) von Aragon (1300-1330) errichtet worden und wurde
schließlich im Zuge der dritten Bauphase der Minoritenkirche zu einem
dritten Kirchenschiff erweitert und in das Langhaus der Minoritenkirche
eingebunden.
1599 bzw. 1603 wurde der Altar auf Betreiben der Familie Hoyos dem hl.
Johannes dem Täufer und dem hl. Ludwig von Toulouse gewidmet (daran
erinnert eine Gedenktafel in der Kapelle) und später, nach dessen
schwerer Beschädigung im Laufe der Türkenbelagerung von 1683, umgebaut.
Der damals errichtete neue Altar wurde 1698 dem Erzengel Michael
geweiht und erhielt vom Freiherren Bartholotti von Partenfeld das
berühmte Altarbild von Luca Giordano, das den Sturz Satans durch den
Erzengel Michael darstellt. Für dessen Anbringung sind damals wohl auch
weite Teile des zentralen Spitzbogenfensters zugemauert worden. Die
Kapelle enthielt ursprünglich auch einen Nebenaltar zu Ehren der
Schmerzhaften Mutter, der 1723 durch einen dem hl. Johannes Nepomuk
geweihten Altar ersetzt wurde sowie ab 1689 eine in Wien sehr verehrte
Statue zu Ehren des hl. Nepomuk.
Kartuschenförmiger Aufsatz mit Glasmalerei Medaillon „Christus als Salvator", flankiert von Skulpturen von Engeln und Putti

MARGARETE MAULTASCH (1318-1369)
DIE GRÄFIN VON TIROL, MARGARETE MAULTASCH WAR DIE ENKELIN VON GRAF
MEINHARD II., DEM VATER DES LÄNDES TIROL". DIE SEIT 1335 REGIERENDE
LANDESFÜRSTIN ÜBERGAB AM 26. JÄNNER 1363 DAS LAND TIROL AN DEN
ÖSTERREICHISCHEN HERZOG RUDOLF IV. DEN STIFTER.
DIES BEDEUTETE DIE EINBEZIEHUNG TIROLS IN DEN HABSBURGISCHEN LÄNDERKOMPLEX.
MARGARETE MAULTASCH STARB AM 3. OKTOBER 1369 IN WIEN UND LIEGT IM CHOR DER MINORITENKIRCHE BEGRABEN.
LAND TIROL / DER GESAMTTIROLER SCHÜTZENBUND EUROPÄISCHE REGION TIBOL

DIE GLORIE DES HL. JOHANNES NEPOMUK
Der hl. Johannes Nepomuk (1350-1393), der mit Nachnamen Welflin hieß
und aus der westböhmischen Stadt Pomuk stammte, empfing 1380, in der
Zeit des Großen Abendländischen Schisma (1378-1417) in dem bis zu drei
Päpste um die rechtmäßige Inhabe des Stuhls Petri stritten, die
Priesterweihe. Damals stand der Böhmische und deutsche König Wenzel IV.
(1361-1419) v. Luxemburg in Konflikt mit dem Erzbischof von Prag um
weltliche und geistliche Befugnisse. In diesen Streit wurde auch
Johannes Nepomuk gezogen und zahlte schließlich für seine Treue zur
Kirche und zum Beichtgeheimnis mit dem Leben: der Überlieferung nach
ließ König Wenzel - als Johannes sich trotz Folter weigerte
preiszugeben, was die vom König der Untreue verdächtigte Gattin Königin
Sophie während des Beichtgesprächs gestanden hatte - ihn von der
Karlsbrücke in Prag in die Moldau werfen, wo er ertrank. In Folge
erschienen fünf Leuchtzeichen über dem Leichnam, die seine Unschuld
bezeugten. Daher schmücken traditionell Fünf Sterne das Haupt des
Heiligen, der in seiner Funktion als Nothelfer gegen Wasser- und
Reisegefahren häufig als Statue bei Brücken zu sehen ist.
Der 1729 von Papst Benedikt XIII. heiliggesprochene (sein Gedenktag ist
der 16. Mai) und 1732 vom Jesuitenorden zum zweiten Ordenspatron
erkorene hl. Johannes Nepomuk ist im Gemälde auf einer Wolke bei seiner
Aufnahme in den Himmel dargestellt. Engel und Putti begleiten ihn,
tragen das Rituale Romanum (das Büchlein mit den Gebeten für die
Spendung der Sakramente) und sein Beicht-Kreuz sowie den Lorbeerkranz
der Märtyrer. Im Vordergrund flehen Bedürftige - Pilger, Mütter mit
Kindern, Kranke, Alte, Reisende in Not - den Heiligen um Schutz an,
während rechts unten ein mörderischer Dieb mit Dolch und
schlangenumwundenem Arm flieht. Im Hintergrund ist die Prager
Karlsbrücke zu sehen, wo Johannes sein Martyrium erlitt.

DAS CÄCILIEN-FENSTER
Das Glasfenster zu Ehren der hl. Cäcilia, Patronin der Kirchenmusik,
ist das einzige bemalte Glasfenster des Langhauses der Minoritenkirche
und befindet sich hinter der großen Orgel der Orgelempore. Das von der
Firma Carl Geyling's Erben gestaltete und realisierte Glasbild wurde im
Jahr 1900 im Zuge der unter dem Präfekten der Italienischen
Kongregation Verdin di Valsilvella durch die Architekten Luntz und
Giacomelli durchgeführten Erweiterungen und Restaurierungsarbeiten der
Minoritenkirche in das wiederhergestellte gotische Maßwerk des
Mittelfensters der Westfassade eingefügt.
Das Glasbild erstreckt sich mehrbahnig über die vier Fensterlanzetten.
In den mittleren beiden Fensterbahnen ist Cäcilia sitzend und an der
Orgel spielend vor einem Ausblick auf eine Naturaussicht dargestellt.
Vor ihr stehend befinden sich drei singende Engel, ein weiterer vierter
Engel kniet vor der Heiligen hin und legt vor ihr einen Palmzweig ab,
der als Attribut daran erinnert, daß Cäcilia als Märtyrerin gestorben
ist. Die Szene ist in eine opulente neugotische Architektur eingefasst.
Unterhalb der Szene würdigt eine lateinische Inschrift den Stifter des
Bildes, Oscar Bene; dessen Eltern sind neben der Inschrift im untersten
Teil der beiden äußersten Fensterlanzetten in den auf Glas gemalten
Medaillons verewigt. Über ihnen erheben sich, pro Fensterlanzette, je
ein mit Fialen bekrönter Baldachin. Darin sind links der hl. Johannes
der Täufer, rechts die hl. Katharina von Alexandrien dargestellt.
Letzterer war die Katharinenkapelle geweiht, bevor sie rund zehn Jahre
lang 1775-1784 als Kirche der Italienischen Kongregation diente.
Die Fensterrosette oberhalb der Fensterlanzetten des Cäcilienfensters
besteht aus vier Dreipässen mit musizierenden Engeln mit Mandoline,
Trommel, Harfe und Doppeloboe bzw. Aulos, und einem mittleren Vierpass
in dem ein weißes von einem Lorbeerkranz umgebenes Christusmonogramm
vor rotem Grund abgebildet ist.

DIE ROSSELLINO-MADONNA
Das Steinrelief aus Carrara-Marmor stellt die thronende Gottesmutter
mit Jesuskind dar. Die unscheinbar am westlichen Ende der Nordwand der
Minoritenkirche auf Augenhöhe der Gläubigen angebrachte in einem
Steinrahmen gefasste Relief-Darstellung der Gottesmutter mit Kind und
Putti wird dem Renaissance-Bildhauer Antonio Rossellino (1427-1479)
zugeschrieben obschon unklar ist, ob es sich hierbei um ein Original
oder eine Kopie handelt. Eine identische Madonna aus den 1460 Jahren
ist in der Eremitage in St. Petersburg zu sehen. Auch das
Kunsthistorische Museum in Wien besitzt ein von Rossellino geschaffenes
Relief mit Madonna und Kind und zwei erwachsenen Engeln bei dem
allerdings Mutter und Kind nach links ausgerichtet sind und Jesus von
der Gottesmutter in unterschiedlicher Weise gehalten wird.
Das Werk ist als rilievo schiacciato („niedergedrücktes Relief")
ausgeführt, dabei handelt es sich um eine speziell von Donatello
perfektionierte Technik der Bildhauerei, bei der ein sehr flaches
Relief erzeugt wird, bei dem die Schnitzereien nur wenige Millimeter
tief eingeschnitten ist, es erhebt sich daher nur wenig vom Untergrund,
dennoch sind die Gesichtszüge und Gewänder bis in die Details hinein
präzise ausgeführt. Sie erwecken im Stein den Eindruck von Weichheit
und Samtigkeit. Unter dem Mantel der Gottesmutter ist die Armlehne des
Stuhls zu erblicken. Links und rechts der Gottesmutter und Jesu tauchen
zwei hauchfeine Putti als Boten zwischen der geistigen und der
materiellen Wirklichkeit aus der milchigen Atmosphäre des Hintergrunds
auf und erfreuen sich am Anblick des Heilands und seiner Mutter.

EPITAPH DES HENRI DU VAL
Die an der Nordwand der Minoritenkirche zwischen Rossellino-Madonna und
Nordeingang montierte Steinplatte, zeigt Heinrich Duval (1580-1620),
Graf von Dampierre und Baron zu Hans, der ein kaiserlicher
Feldmarschall und Kriegsrat war und unter Kaiser Rudolf II. (1552-1612)
und Kaiser Ferdinand II. (1578-1637) im Heer diente. Er fiel im Kampf
zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges beim Versuch, mit 10.000 Mann die
Stadt und das Schloss Pressburg (Bratislava) zu überfallen.
Die oben links beschädigte Steintafel zeigt Heinrich Duval kniend beim
Gebet vor einem Kreuz mit Corpus dem er ins Antlitz schaut. Er trägt
seinen Harnisch und hat dessen Helm und Handschuhe auf den Boden
abgelegt. Im Hintergrund ist eine ummauerte Stadt zu sehen. Rechts
unten am Boden verweist ein Totenschädel als memento mori auf den Tod
sowie auch auf Kalvaria (Schädelstätte), wo Christus gekreuzigt wurde.
Heinrich Duvals Andenken wurde in Österreich auch lange nach seinem Tod
hochgehalten und er avancierte zu einem Vorbild. An ihn erinnert auch
eine 1867 geschaffene lebensgroße Statue in der Feldherrenhalle des
Heeresgeschichtlichen Museums in Wien.

DER HL. BENEDIKT MIT PLACIDUS & MAURUS
Das Gemälde ist in zwei Hälften geteilt, die obere zeigt die Himmlische
Sphäre der geistlichen Welt, darin erblickt man die auf Wolken
thronende allegorische Gestalt der Mutter Kirche, das Kreuz Christi in
der einen Hand haltend in der anderen den Kelch mit dem kostbaren Blut
Jesu und seinen darüber schwebenden eucharistischen Leib. Sie ist von
zahlreichen Putti umgeben, die auf den Wolken vergnügt tollen. Links
von ihr schwebt ein Engel ausgestattet mit Palmzweig und Lorbeerkranz,
den Kennzeichen des Triumphs der heiligen Märtyrer, in die irdische
materielle Welt herab.
In der unteren Bildhälfte ist rechts hervorgehoben der hl. Benedikt von
Nursia, Gründer des Benediktiner-Ordens, des ersten großen
kontemplativen Mönchsordens der westlichen Welt zu sehen. Um ihn herum
stehen Kleriker. Er ist in seinem schwarzen Ordensgewand gekleidet
sitzend zu sehen, wie er mit dem Finger auf ein Buch zeigt, auf dem die
ersten Worte seiner Ordens-Regel zu lesen sind Ausculta o fili
praecepta magistri - Höre mein Sohn auf die Lehre des Meisters. Vor ihm
knien seine zukünftigen Novizen und Schüler Placidus und Maurus, die
sich in Folge zu seinen Lieblingsschüler entwickelten. Hinter ihnen
steht der adelige Vater, der den Abt Benedikt um Aufnahme der beiden
Jünglinge in den Orden bittet. Das Thema des Bildes steht mit der
Provenienz des Gemäldes in Verbindung, das ursprünglich Teil der
Ausstattung der Kirche der Benediktiner v. Montserrat in Wien war
(Schwarzspanierkirche).
„Die Aufnahme von Placidus und Maurus durch den hl. Benedikt in den Orden" gemalt von Daniel Gran (1694-1757)

WUNDER DES HL. NIKOLAUS
Der heilige Bischof Nikolaus von Myra, im kleinasiatischen Lykien,
zwischen 270 und 286 in Patara geboren, nahm am Konzil von Nizäa teil,
wo er energisch gegen die Irrlehren des Arius Stellung bezog, er sticht
in der Überlieferung neben seinem standhaft katholischen Glauben auch
für seine herausragende Nächstenliebe gegenüber Notleidenden und
Bedürftigen heraus, denen er zu Lebzeiten wie auch nach seinem Tod zu
Hilfe kam.
Die Szene des Gemäldes zeigt eine dieser zahlreichen wundersamen
Ereignisse: Einer Familie, die am 6. Dezember, dem Festtag des hl.
Nikolaus, ein Sohn geboren worden war, nachdem diese den Heiligen darum
gebeten hatte, war ein schreckliches Schicksal widerfahren am siebten
Geburtstag des Kindes wurde er entführt und nach Babylonien gebracht,
wo er als Sklave arbeiten musste. Genau ein Jahr später geschah dann
das Wunder, es wurde von einem Wirbelwind erfasst und genau vor der
Nikolauskirche abgesetzt, in der die Eltern für die Rückkehr des Jungen
beteten. Das Gemälde zeigt den Moment in dem der Junge, der gerade noch
dabei war einen auf einen Tablett stehenden kostbaren Kelch zu
kredenzen, von dem in vollem bischöflichen Ornat gekleideten, aus dem
Himmel herbeigeschwebten hl. Nikolaus emporgehoben und aus dem
orientalischen Palast befreit wird. Der in mit Turban und
osmanisch-orientalischer Tracht gekleidete Herrscher und seine Hofleute
können nur mehr verdutzt und ohnmächtig das Geschehen mitansehen. Die
Reliquien des hl. Nikolaus werden, nach ihrer Überführung aus Myra, in
der Kirche San Nicola in der italienischen Stadt Bari verehrt.
„Das Wunder des hl. Nikolaus", gemalt von Daniel Gran (1694-1757)

Gebet zum hl. Thaddäus
Heiliger Thaddäus, Anverwandter unseres Herrn und Heilandes Jesu
Christi, Apostel und Märtyrer, herrlich durch Tugenden und Wunder,
getreuer Fürsprecher all jener, die dich ehren, und besonderer Patron
in verzweifelten Fällen! Zu dir nehme ich vertrauensvoll meine
Zuflucht, da du ja das seltene Vorrecht besitzest, jenen mit
augenscheinlicher Hilfe beizuspringen, die fast an jeglicher Hoffnung
verzweifeln, und ich bitte dich inständigst, komm auch mir jetzt in
dieser Not... zu Hilfe, aus der ich mich durch eigene Kraft nicht mehr
zu erretten weiß. Ich verspreche dir, o hl. Thaddäus, zeitlebens deiner
Wohltaten nicht zu vergessen, dich als meinen besonderen Batron stets
zu verehren und auch aller Welt kundzutun, daß du wirklich ein
mächtiger und rascher Helfer in unseren Bedrängnissen seiest. Amen!

Die Italienische Kongregation Maria Schnee wurde 1625 gegründet und ist
durch ihr 400-jährige Bestehen die älteste noch existierende
marianische Laien-Vereinigung in Wien. Bis 1773 war sie ein Werkzeug
des katholischen Apostolats des Jesuitenordens und war am Platz Am Hof
beheimatet. Seit 1784 hat sie ihren Sitz in der Wiener Minoritenkirche,
der Italienischen Nationalkirche. Nach den Bränden von 1262 und 1276
legte König Ottokar II. Przemysl 1276 den Grundstein zum Neubau der
Minoritenkirche, die nach drei Bauphasen das heutige Aussehen erlangte.
Die letzte größere Veränderung erfolgte in den Jahren 1892-1905
anlässlich der Neugestaltung des Minoritenplatzes.
Im Osten des Gotteshauses beherrscht der um 1350–60 errichtete
Kirchturm samt Glockenstube die Ansicht. Er hat einen quadratischen
Grundriss und ist 65 Meter hoch. Der Turm geht in Höhe der Dachtraufe
bei etwa 25 m in ein schlankeres achteckiges Bauteil über. An dieser
Stelle befindet sich an der Fassade eine eher kleine steinerne Figur,
die den Laienbruder Nikolaus darstellt. Unmittelbar neben dem Turm
stehen zwei ungleiche kleinere Rundbauten, einer ist der Treppenturm
zur Empore, der andere ist das Sakristeihaus.

Wem der viele Text zu lange war und lieber Bewegtbilder mit Musik mag,
kann sich gerne dieses Video antun: