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Die Pfarrkirche St. Rochus und Sebastian (allgemein Rochuskirche genannt) ist eine römisch-katholische Pfarrkirche im 3. Wiener Gemeindebezirk Landstraße an der Landstraßer Hauptstraße am Rochusmarkt. Sie trägt das Patrozinium der heiligen Rochus und Sebastian.

1721 erhielt sie ihr barockes Erscheinungsbild und hat sich seit dem
äußerlich kaum verändert. Die Rochuskirche schmückt die Statue des
heiligen Augustinus, an beiden Seiten von den Mönchen Thomas von
Villanova und Nikolaus von Tolentino.

Erwähnenswert sind die prachtvollen Oratoriumsfenster mit rotem Stuck
und goldenen Ornamenten. Die Kommunionbank ist ebenfalls auf rotem
Marmor. Ihre Pfeilnischen zieren Putten, die die göttlichen und auch
Kardinaltugenden darstellen. So stehen beispielsweise das Herz für
Liebe und die Waage für Gerechtigkeit.
Die frühbarocke Kirche ist einschiffig. Sie ist dem Typus nach eine
Wandpfeilerkirche mit eingestellten Bögen. Diese tragen, mit Ausnahme
des vierten Jochs, Emporen mit Balustraden. Der Chor ist durch einen
Triumphbogen baulich leicht vom Kirchenschiff abgesetzt. Über dem
Kirchenschiff ist ein Tonnengewölbe mit Gurtbögen und Stichkappen. Das
Gewölbe weist Reste von Stuckdekoration vom Ende des 17. Jahrhunderts
auf. Die große Kartusche mit dem kaiserlichen Wappen am Scheitel des
Triumphbogens, die von zwei Engeln getragen wird, ist der letzte Rest
dieser Stuckdekoration.
Das kräftige und vielfach profilierte Gebälk tragen Doppelpilaster, die
aus rotem Stuckmarmor bestehen. Im vierten Joch ist durch die fehlenden
Emporen ein Querschiff angedeutet. Der Chor ist etwas schmäler und
niedriger als das restliche Kirchenschiff. Die Rückwand wird gänzlich
durch den Aufbau des Hochaltars eingenommen. Auch das Eingangsjoch mit
der Orgelempore ist eingezogen.
Die Kirchenbänke sowie die beiden Beichtstühle in der Nähe des
Hauptportals stammen vom Ende des 17. Jahrhunderts, als die Kirche nach
der Zweiten Wiener Türkenbelagerung wiedererrichtet wurde. Die beiden
Beichtstühle beim Antonius- sowie beim Nikolaus-von-Tolentiono-Altar
wurden Ende des 19. Jahrhunderts im gleichen Stil geschaffen.

Kaiser Leopold I. spendete 1690 den Hochaltar, den der Barockmaler
Peter Strudel fertigte. Das Bild, das das Leid von Kranken, Sterbenden
und Trauernden darstellt, soll an die Pestepidemie in Wien im Jahr 1679
erinnern. Viele Heilige sind auf diesem Werk versammelt, beispielsweise
Sebastian und Rosalia. Auch Maria, von Engeln umgeben und auf die Stadt
Wien deutend, betet zur Dreifaltigkeit.

Philipp-Neri-Altar: Dieser
Altar ist seit dem Jahr 1991 dem Stifter des Oratoriums, dem heiligen
Philipp Neri, gewidmet. Das Altarblatt ist eine Nachbildung eines
Bildes von Guido Reni, das sich in der Chiesa Nuova, der Grabeskirche
des heiligen Philipp Neri, in Rom befindet. Die Nachbildung malte
Hermann Hutterer. Das Bild zeigt den heiligen Philipp, bekleidet mit
einer roten Kasel in Ekstase und mit ausgebreiteten Armen ins Gebet
versunken. Es weist auf seine Begegnung mit dem Heiligen Geist im Jahr
1544 in Rom hin. Seine Augen sind zum Himmel gerichtet. Die
Muttergottes mit dem segnenden Jesuskind ist dem Gnadenbild in der
Chiesa Nuova nachempfunden, unter deren Schutz das Oratorium des
heiligen Philipp Neri steht. Dem Bild wurde später, auf Wunsch des
Ordens, eine Lilie als Zeichen der Reinheit hinzugefügt.
Das Bild hängt unter einem halbrund vorspringenden, teilweise
vergoldeten Baldachin mit seitlich herunterhängenden Vorhängen. An der
Stelle des Bildes des heiligen Philipp Neri hing ursprünglich das heute
verschollene Gnadenbild „Maria Trost“, später das Bild „Heilige
Familie“ von Joseph Kastner der Ältere. Es entstand in der Mitte des
19. Jahrhunderts. Heute hängt es im Philipp-Neri-Zimmer. Über dem Bild
ist das Wappen der Adelsfamilie Esterházy, die in früheren Zeiten in
der Nähe der Rochuskirche ein Gartenschloss besaß, angebracht. Das
ovale Aufsatzbild stammt aus der Schule von Peter Strudel und wurde um
1700 geschaffen. Es zeigt Gottvater mit Zepter und der Weltkugel.
Unterhalb sind der Heilige Geist und Putten dargestellt.
Die Skulpturen auf dem Altar stammen aus dem Umfeld von Giovanni
Giuliani von 1700. Sie stellten, gemeinsam mit dem verschollenen
Gnadenbild ein marianisches Gesamtkonzept dar. Über dem Aufsatzbild
steht eine Statue des heiligen Johannes der Täufer, der eine Fahne mit
dem Schriftzug „Ecce Agnus Dei“ (deutsch: „Siehe, das Lamm Gottes!“).
Links und rechts stehen seine Eltern, die heilige Elisabet und
Zacharias, der mit Priesterhut und Buch dargestellt wird.
Links neben dem Aufsatzbild ist die Tiburtinische Sibylle dargestellt,
rechts ein Prophet mit Schriftrolle. Auf Höhe des Altarbildes befindet
sich links außen eine Figur des heiligen Joachim und rechts außen eine
Statue der heiligen Anna. Links und rechts neben dem Bild knien die
Stifter der Maria-Trost-Bruderschaft, zwei Augustiner-Eremiten. Bei den
beiden Statuen handelt es sich um den heiligen Augustinus und seine
Mutter Monika.
Der Tabernakel wurde 1727/28 geschaffen. Ein Kommuniongitter trennt den Altar vom Kirchenschiff.
Herz-Jesu-Bild: Auf der
Evangelienseite des Triumphbogen befindet sich eine alte Kopie eines
bekannten Herz-Jesu-Bildes aus der Kirche Il Gesù in Rom von Pompeo
Batoni. Es befindet sich in einem goldenen Rahmen in einem goldenen
Strahlenkranz.

Johannes-Nepomuk-Altar (Kreuz-Altar):
Der letzte Seitenaltar des Rundgangs, der sich wie sein Gegenüber in
Aufbau und Verwendung der Spiralsäulen an den Hochaltar anlehnt, zeigt
in Altar- und Aufsatzbild, beide aus der Schule Peter Strudels, eine
interessante ikonographische Verschränkung von Nepomuk-, Kreuz- und
Dreifaltigkeits-Thematik. Auf dem Altarbild von 1728/29 ist der hl.
Johannes Nepomuk vor dem Gekreuzigten auf Wolken kniend dargestellt.
Aus dem geöffneten Himmel hält Gott Vater, voll Liebe auf den an einem
monumentalen Kreuz geopferten Sohn blickend, seine segnende Hand über
den Heiligen. Im Hintergrund sieht man die Türme von Prag, die
Moldaubrücke und im Fluss die fünf Sterne, die nach der Legende den
Auffindungsort des Leichnams des Märtyrers des Beichtgeheimnisses
anzeigten. Das Emblem über dem Altar zeigt die Zunge des Heiligen. Das
ältere Aufsatzbild (um 1700) vervollständigt die Darstellung der Hl.
Dreifaltigkeit durch den Heiligen Geist in Form einer Taube. Bei den
Statuen (um 1700) macht sich, wie auch beim gegenüberliegenden Altar,
der Einfluss Giovanni Giulianis bemerkbar. Die Bekrönung bilden die
heiligen drei Erzengel: in der Mitte Michael, mit gezücktem Schwert und
Schild bewaffnet, den Satan besiegend, links Gabriel mit Lilie und
rechts Raphael, der Begleiter des Tobias, mit Fisch und Wanderstab.
Neben dem Aufsatzbild stehen links die hl. Barbara mit Kelch und rechts
die hl. Maria Magdalena mit Totenkopf zu ihren Füßen und flehentlich
erhobenen Händen.
Über dem Sockelgeschoss befinden sich zwei Heilige in
Pontifikalkleidung: außen links der hl. Augustinus von Hippo mit
Pallium, offenem Buch (De Doctrina Christiana) und flammendem Herzen,
außen rechts der hl. Ambrosius von Mailand mit Metropolitenkreuz,
Schreibfeder und Bienenkorb (Sinnbild seiner wie Honig fließenden
Rede), während zur Mitte hin links die hl. Rita von Cascia mit Kreuz
und rechts die hl. Clara von Montefalco mit Waage an den weiblichen
Ordenszweig der Augustinerinnen erinnern. Bemerkenswert ist auch der
spätbarocke Tabernakel. Der obere Teil diente zur Aufnahme der
Monstranz, im kleineren, unteren Fach waren in früheren Zeiten die
Ziborien aufbewahrt. Weil damals von diesem Altar aus die Versehgänge
stattfanden, bezeichnete man den Altar auch als „Verseh-Altar“. An der
linken Seite befindet sich ein Epitaph für den k.k.
OberproviantCommissar Georg Anton von Trzebizky (†1725). Vor dem Altar
liegt der Abgang zur Gruft.

Die Kanzel entstand in den
Jahren 1691 bis 1695. Der geschwungene Schalldeckel wird durch
vergoldete Tafeln mit den Zehn Geboten bekrönt, die von einem
Strahlenkranz und Wolken umgeben sind. Am Rand des Schalldeckels sind
personifizierte Statuen der drei göttlichen Tugenden mit den jeweiligen
Attributen dargestellt: Glaube mit Kreuz und Kelch, Hoffnung mit einem
Anker und Liebe mit einem Herz. Auf der Unterseite des Schalldeckels
ist eine Taube als Zeichen des Heiligen Geistes dargestellt. Auch sie
ist, wie die Gesetzestafeln, von einem Strahlenkranz umgeben. Der Korb
der Kanzel ist kelchförmig ausgeführt und mit sieben gedrehten Säulen
aus grünem Marmor verziert. Dazwischen stehen in seichten Nischen
weibliche Figuren, die die Gaben des Heiligen Geistes darstellen
könnten (Weisheit, Einsicht, Rat, Stärke, Erkenntnis, Frömmigkeit und
Gottesfurcht). Eine Figur hat einen Januskopf, also einen Kopf mit zwei
Gesichtern. Nach unten hin wird der Kanzelfuß durch eine vergoldete
Weintraube verziert.

Der dreigeschoßige Hochaltar wurde 1689 von Kaiser Leopold I.
gestiftet. Im Sockelgeschoß führen zwei Türen links und rechts von der
Altarmensa in die dahinterliegende Sommersakristei. Der gesprengte
Giebel mit reich verkröpftem Gebälk wird von mächtigen, gestaffelten
Pilastern und Spiralsäulen getragen. Der Giebel wird in der Mitte vom
kaiserlichen gekrönten Doppeladler bekrönt. Die Säulen sind mit
Bandornamenten, Akanthusschnitzwerk, Blumengirlanden und Voluten
verziert. Die Wände im Altarraum sind durch einfache rote
Stuckmarmorpilaster gegliedert und in blasser Elfenbeinmarmorierung
gehalten.
Das Hochaltarbild wurde 1690
von Kaiser Leopold I. persönlich beim bedeutenden österreichischen
Barockmaler Peter Strudel in Auftrag gegeben. Im unteren Viertel des
Bildes sind kranke Menschen neben Sterbenden zu sehen. Über sie sind
Trauernde gebeugt. Es soll an die Pestepidemie in Wien 1679 erinnern.
Im Hintergrund lässt sich der Wiener Stephansdom erkennen. Links
darüber sind auf einer voluminösen Wolkenbank einige bekannte
Pestheilige abgebildet: betend der heilige Ulrich von Augsburg, rechts
von ihm steht der heilige Sebastian, dahinter die heilige Rosalia mit
einem Rosenkranz auf dem Kopf. Rechts vor ihr ist der heilige Rochus
mit Pilgerstab und in schwarzem Gewand. Der Hund links des heiligen
Rochus mit Brot im Maul steht für die Hunde, die die nach der
Ansteckung Verstoßenen mit Brot versorgt haben. Die Personengruppe wird
durch Papst Gregor den Großen, dargestellt mit Papstkreuz und Tiara.
Während der Pilgerstab des heiligen Rochus schräg zur Muttergottes
zeigt das Papstkreuz von Papst Gregor fast senkrecht in den oberen Teil
des Altarbildes, in dem überirdisch wirkendes Licht vorherrscht. Auf
der rechten oberen Bildhälfte ist die heilige Maria umgeben von Engeln
zu sehen, wie sie bei ihrem Sohn links darüber, Fürsprache einlegt. Sie
blickt zur heiligen Dreifaltigkeit auf, während sie mit ihren Händen
abwärts auf die Stadt Wien zeigt. Jesus hat seinen Kopf zum neben ihm
sitzenden Gott Vater gedreht und ist in der Darstellung gerade dabei
aufzustehen, um zu Maria zu eilen, um dadurch die Gewährung der Bitten
zu verbürgen.[9]
Das ovale Bild im Altaraufsatz wurde ebenfalls von Peter Strudel
gemalt. Es zeigt die Glorie des heiligen Augustinus, der umgeben von
Engeln, auf einer Wolke schwebt.
Der Tabernakel ist vergoldet
und mit Rokoko-Ornamenten verziert. Er ist in einen zentralbauartigen
Architekturprospekt eingelassen. Darüber befindet sich ein
Aussetzungsthron mit einem beweglichen Zelebrationskreuz und zwei
Engelfiguren.
Das gekrönte Bild der „Mutter vom Guten Rat“
in goldenem Strahlenkranz ist ein zentrales Objekt am Hochaltar. Es ist
eine Nachbildung des Freskos in der Augustiner-Eremitenkirche in
Genazzano östlich von Rom. Laut der Legende wurde das Original auf die
Mauer einer Kirche in Scutari in Albanien gemalt. Als die Osmanen das
Land besetzt und unter anderem auch diese Kirche zerstört hatten, soll
sich das Bild von der Wand losgelöst haben, über Meer und Land bis nach
Genazzano geschwebt sein, wo es in der dortigen Augustinerkirche am 25.
April 1467 wieder auftauchte. Das Fresko könnte aus der Hand des
Künstlers Antonio Vivarini sein. Eine Kopie dieses Bildes wurde 1754,
unter Beteiligung des Priors Kaspar Scheurer, gemeinsam mit den
Gebeinen des heiligen Bonatus (Donatus) von Rom nach Wien gebracht.
Anfangs stand das Bild auf dem Altar des heiligen Bonatus (Donatus), es
wurde jedoch auf Wunsch von Kaiserin Maria Theresia, die im Rahmen von
Ausfahrten in den Wiener Prater des Öfteren vor dem Gnadenbild eine
Andacht hielt, im Jahr 1759 auf den Hochaltar übertragen. Der
Tabernakelaufbau ist wahrscheinlich aus diesem Anlass neu gestaltet
worden. Der Rahmen des Gnadenbildes ist aus vergoldetem Kupfer
gefertigt. Das krönende Marienmonogramm wird von zwei Füllhörnern der
Gnade flankiert. Rund um das Bild ist ein goldener Strahlenkranz, der
einen Teil des Altarblattes verdeckt. Der Rahmen und der Strahlenkranz
wurden 1823 vom Landstraßer Anton Ballauf gestiftet.
Die vier monumentalen Figuren heiliger Herrscher sollen an die
Habsburgische Altarstiftung erinnern. Die Statuen wurden in der Schule
des Hofbildhauers Peter Strudel gefertigt. Links, in Rüstung, mit
bodenlangem Mantel sowie Krone und Reichsapfel ist Kaiser Heinrich II.
(* 973; † 1024) dargestellt. Rechts von ihm ist Markgraf Leopold III.
in Brustharnisch und Hermelinfell sowie mit Fürstenhut, Fahne und
Kirchenmodell dargestellt. Auf der rechten Altarseite sind der heilige
Wenzel von Böhmen (* 908; † 929) in Harnisch und mit wehendem Mantel
sowie der heilige Stephan von Ungarn (* 969; † 1038) in ungarischer
Tracht dargestellt. Auch die Statuen auf dem Altaraufsatz stammen aus
der Schule von Paul Strudel. Flankiert von zwei Engeln, Palmwedeln und
Siegeskränzen steht oben in der Mitte eine Statue des heiligen Josefs.
In der rechten Hand hält der Heilige als Attribut ein brennendes Herz,
das zur Erbauungszeit als Symbol für den heiligen Joseph galt. In der
linken Hand trägt er den blühenden Lilienstab. Links neben dem
Aufsatzbild ist die heilige Maria Magdalena mit Totenkopf dargestellt,
rechts die heilige Maria Magdalena von Pazzi mit Kreuz und flammendem
Herzen.

Nikolaus-von-Tolentino-Altar:
Auf dem Altarblatt ist der hl. AugustinerEremit Nikolaus von Tolentino
vor der Dreifaltigkeit als Fürbitter der armen Seelen im Fegefeuer
abgebildet. Das ovale Aufsatzbild zeigt einen herabschwebenden Engel
mit einem Brotkorb. Beide Gemälde stammen von Hans Adam Weissenkirchner
(um 1690) und sind mit denjenigen des gegenüberliegenden
Antonius-Altars die einzigen Werke dieses Künstlers in Wien.
Das Vorsatzbild über der Altarmensa ist eine Kopie (um 1800) des
berühmten Gnadenbildes Mariahilf von Lucas Cranach d. Ä. und folgt der
Darstellung in der Mariahilfer Kirche. Skulpturen: ganz oben auf dem
Aufsatz ein hl. Schutzengel mit Kind, zu Seiten des Aufsatzes die hll.
Apostelfürsten Petrus, mit Papstkreuz und Schlüsseln, und Paulus, mit
Schwert und Buch; im Hauptgeschoss links im Fürstengewand der hl. König
Ludwig von Frankreich und rechts die hl. Elisabeth von Thüringen mit
einem Bettler zu ihren Füßen.

Antoniusaltar: Das Altarbild
des Antoniusaltars zeigt Maria mit dem Jesuskind, das dem heiligen
Antonius liebevoll die Hand entgegenstreckt. Rund um die drei Figuren
sind Putten dargestellt. Das Bild stammt aus der Hand des Salzburgern
Malers Hans Adam Weissenkirchner, einem Zeitgenossen Peter Strudels.
Das Aufsatzbild ist vom selben Künstler und zeigt die „heilige Anna
Maria das Lesen lehrend“. Über der Altarmensa befindet sich ein
Vorsatzbild, eine Kopie der berühmten Darstellung „Christi als
Schmerzensmann (Ecce homo)“ von Lucas Cranach dem Älteren. Das
Originalgemälde mit den Werkstattzeichen des Künstlers aus seiner Zeit
in Wittenberg von 1537 hängt heute im Wiener Dom- und Diözesanmuseum.
Die Kopie aus dem Jahr 1937 malte Emerich Bergthold.

Kardinal-Newman-Altar (Apollonia-Altar):
Gegenüber dem Seiteneingang befindet sich der Altar der hl. Apollonia.
Ihre Attribute sind Zahn und Zange, da man ihr der Legende nach bei
ihrem Martyrium die Zähne ausgerissen hat. Im Hintergrund des um 1690
entstandenen Altarbildes sieht man einen Tempel, zu Apollonias Füßen
ein umgestürztes Götzenbild. Der Kopf der Heiligen ist von göttlichem
Licht (ein gleichschenkeliges Dreieck als Symbol der Dreifaltigkeit)
und von einem Kranz von Engeln umgeben. Als Vorsatzbild steht über der
Altarmensa ein Porträt des sel. Kardinals John Henry Newman
(1801–1890). Es wurde 2010 anlässlich der Seligsprechung des berühmten
Theologen und Gründers des englischen Oratoriums von Viktor Rachnaev
für die Rochuskirche angefertigt und folgt der bekannten Darstellung
von Walter William Ouless. Es zeigt Newman, „den Kirchenvater der
Neuzeit“, als Kardinal im Oratorianertalar bei der Arbeit an einem
Manuskript. Skulpturen: zu Seiten des Altaraufbaus links König David
mit Harfe und Schwert, rechts der bärtige hl. Apostel Philippus, über
dem Hauptgesims in der Mitte der hl. Erzengel Michael, den Teufel
besiegend, links die hl. Katharina mit Krone, Märtyrerpalme und
Schwert, rechts die hl. Barbara mit Kelch, Palme und Turm.

Heilige Dreifaltigkeit, Muttergottes, Pestpatrone und Stifter, Interimsbild, vor 1687
Über der Türe vom Seiteneingang befindet sich seit dem Jahr 2005 das
restaurierte Interimsbild, das im Zuge der Innenrestaurierung der
Kirche im Jahr 2002 wiederentdeckt wurde. Die äußerst selten erhaltenen
„Interimsbilder“ waren von anonymen Malern aus dem Umkreis der Hof- und
Theatralmaler in billiger Leimfarbentechnik (Gouache) hergestellte
Provisorien und fanden auf den Altären Verwendung, bis die Ölgemälde
fertiggestellt und getrocknet waren. Das Programm des vermutlich vor
1687 gemalten Bildes mit den Pestpatronen Rochus, Sebastian und
Rosalia, Papst Gregor dem Großen und einem Bischof (hier Augustinus),
die gemeinsam mit der Muttergottes die Stadt Wien der Heiligen
Dreifaltigkeit empfehlen, entspricht dem des definitiven Hochaltarbilds
von Peter Strudel.
Darüber hinaus sind als irdische Fürbitter im unteren Bildteil der
Kaiser und seine Familie zu sehen: Leopold I. kniet links mit großer
Perücke in Rüstung und goldgelbem Brokatmantel, neben ihm seine beiden
Söhne, Joseph (I., *1678) und der kleine Karl (VI., *1685); zu deren
Füßen ruhen die Reichsinsignien Krone, Zepter und Reichsapfel. Auf der
gegenüberliegenden Seite knien Leopolds dritte Frau Eleonora Magdalena
von Pfalz-Neuburg und beider Töchter Maria Elisabeth (*1680), Maria
Anna (*1683) und Maria Theresia (*1684). Bei den weiblichen Figuren
neben der Kaiserin dürfte es sich um die beiden Halbschwestern des
Kaisers handeln, die oft am Wiener Hof weilten. Maria Eleonora war mit
Karl von Lothringen verheiratet, der die kaiserlichen Truppen der
Entsatzarmee von 1683 kommandierte, daher seine Darstellung in der
Rüstung des Feldherrn hinter dem Kaiser. Die 1689 in Wien verstorbene
Maria Anna Josepha hatte den Bruder der Kaiserin, Johann Wilhelm von
Pfalz-Neuburg geheiratet; er vervollständigt die kaiserliche Familie am
linken äußeren Bildrand. Die gut erkennbare Ansicht der Stadt Wien im
Bildhintergrund mit Stadtmauer, Stadttor, Donauarm und Stephansturm
gibt ein schönes historisches Zeugnis von der Residenzstadt am Ende des
17. Jahrhunderts. Früher hing an dieser Stelle das Johann Michael
Feichtmayr (s. Abb. Umschlagrückseite innen) zugeschriebene
Leinwandbild „Ecce-Homo“ vom Anfang des 18. Jahrhunderts, das sich
nunmehr im Kreuzgang befindet. Vor dem Missionskreuz hat der 2003
errichtete Taufbrunnen aus Adneter Marmor seinen Platz gefunden.

In das Orgelgehäuse von Johann Bohack aus dem Jahre 1799 wurde im Jahre
1991 vom Orgelbau Gebrüder Mayer ein neues Orgelwerk eingebaut. Das
Schleifladen-Instrument hat 28 Register auf zwei Manualwerken und
Pedal. Ein Register im Pedal war vakant und wurde nachträglich
eingebaut. Die Spieltrakturen sind mechanisch, die Registertrakturen
mechanisch und elektrisch (Doppeltraktur).

Bonatus-Altar: Das Altarblatt
des Ädikula-Altares zeigt die Vision des hl. Johannes San Facundo, der
im Jahre 1690 heiliggesprochen wurde und einer der Hauptpatrone der
Augustiner-Eremiten ist. Ihm erscheint ein Engel, der ihm einen Kelch
zeigt, auf dessen Patene das Jesuskind sitzt und ihn aus der Welt des
Bösen erlöst. Diese ist durch zwei gestürzte Dämonen in weiblicher
Gestalt versinnbildlicht. Im Hintergrund sieht man eine Totenerweckung
durch den Heiligen. Das Aufsatzbild trägt ein Bildnis des als
Augustiner-Eremit und Bischof gekleideten hl. Thomas von Villanova als
Almosenspender. Beide Gemälde werden aus stilistischen Gründen dem
flämischen Hofmaler Anton Schoonjans zugeschrieben und mit Ende des 17.
Jahrhunderts datiert. Über der Altarmensa befindet sich der von zwei
Engelsfiguren in bewegter Haltung bekrönte Glassarkophag mit den in
prächtige Kleider gehüllten Reliquien des hl. Bonatus (Donatus), die
1754 zusammen mit dem Gnadenbild Mutter vom guten Rat in die
Rochuskirche kamen. Ganz oben über dem Aufsatzbild stehen rechts und
links je ein Heiliger in der Tracht der Augustiner-Eremiten sowie in
der Mitte der hl. Franziskanermönch Petrus von Alcantara, der einen
Totenkopf und eine Geißel in seinen Händen hält. Zwei von Franz
Schönlaub geschaffene Engelsfiguren ersetzen die Statuen, die
ursprünglich zu Seiten des Altarblattes standen. Seitlich des Altars
befindet sich eine Gipsskulptur des hl. Antonius von Padua.

Barbara-Altar: Auf dem
Altarblatt sieht man die Enthauptung der hl. Barbara. Die Heilige kniet
und hebt abwehrend ihre Hände gegen ein Götzenbild, während ein
bärtiger alter Mann mit Turban sie an den Haaren fasst und mit dem
Schwert ausholt. In den Wolken befinden sich ein Engel mit Kelch und
Hostie (in der Gefangenschaft wurde nach der Legende die hl. Barbara
von einem Engel mit dem Leib Christi gestärkt) und ein anderer mit
Kranz und Märtyrerpalme. Das Aufsatzbild zeigt wohl den hl.
Karmelitermönch Albert von Trapani, in brauner Kutte mit Skapulier und
auf einen Stock gestützt. Auch diese beiden Gemälde werden Anton
Schoojans zugeschrieben (Ende des 17. Jahrhunderts). Über dem
Aufsatzbild steht eine Statue der hl. Teresa von Ávila mit Pfeil. Zu
Seiten des Altarblattes erkennt man links den hl. Apostel Judas
Thaddäus mit Keule und Buch und rechts die hl. Herzogin Hedwig; über
den gesprengten Giebelstücken des Hauptgeschosses steht links der hl.
Apostel Jakobus d. Ä. mit Stab und rechts der hl. Apostel Simon der
Zelot mit Schwert.

Die römisch-katholische Pfarrkirche St. Rochus und Sebastian, auch
Rochuskirche genannt, wurde 1642 erbaut und dem heiligen Sebastian
geweiht. 1683 wurde sie vollständig zerstört und wieder aufgebaut. 16
Jahre später wurde unter dem Schutze des heiligen Rochus eine
Pestbruderschaft errichtet und seit dem trägt die Kirche die Namen von
beiden Heiligen. Über dem Fenster sind ein Relief mit Putten und das
kaiserliche Wappen angebracht.

Wem der viele Text zu lange war und lieber Bewegtbilder mit Musik mag,
kann sich gerne dieses Video antun: