Schottenkirche

Basilika Unserer Lieben Frau zu den Schotten in Wien, September 2022

Die Schottenkirche (Basilika Unserer Lieben Frau zu den Schotten) ist eine römisch-katholische Pfarrkirche in Wien und zugleich die Klosterkirche einer Benediktinerabtei, des Schottenstifts. Sie befindet sich auf der Freyung im 1. Wiener Gemeindebezirk Innere Stadt.

 Schottenkirche in Wien, September 2022

Die zweigeschossige Westfassade wird an der Spitze des giebelbekrönten Mittelrisalits, den die Türme nur geringfügig überragen, von einem kreuztragenden Engel (von Josef Breitner) bekrönt. Über dem aus dem 17. Jahrhundert erhaltenen Westportal (1652) steht eine Marienfigur von Tobias Kracker (1651) in einer Nische. Die Südfront wurde 1892 zu einer Seitenfassade umgestaltet (Balustradenfiguren Glaube, Hoffnung, Liebe). Am südlichen Querschiff befindet sich das Jasomirgottdenkmal (von Josef Breitner, 1893).

 Schottenkirche in Wien, September 2022

Bereits kurz nach der Stiftung des Wiener Schottenklosters durch Herzog Heinrich II. Jasomirgott im Jahr 1155 wurde mit dem Bau der Schottenkirche begonnen; geweiht wurde sie 1200 vom Passauer Bischof Wolfger von Erla. Der Einsturz eines Turmes nach Blitzschlag wurde 1638 von Abt Johann Walterfinger zum Anlass genommen, zunächst den Chor und den Turm der Kirche völlig umzugestalten.

Die Errichtung der tonnengewölbten Wandpfeilerkirche mit angedeutetem Querhaus besorgten unter Abt Anton Spindler von Hofegg die Baumeister Andrea Allio der Ältere, sein Vetter Andrea Allio der Jüngere und Silvestro Carlone. Im Zuge dieses Neubaus wurde auch die Krypta des Schottenstiftes angelegt. Die neue Kirche wurde am 31. Mai 1648 vom Wiener Bischof Philipp Friedrich von Breuner geweiht.

 Schottenkirche in Wien, September 2022

Der barocke Hochaltar wurde 1883 durch einen marmornen nach Entwürfen von Heinrich Ferstel und im selben Jahr das Bild "Himmlische Glorie" von Joachim Sandrart (1669; aufgestellt 1671) durch das Mosaik "Die heilige Maria zwischen Heiligen, die für die Schottenkirche bedeutsam sind" (Ordensstifter St. Benedikt, Kirchenpatron Papst Gregor der Große und Apostel Jacobus der Jüngere) von Michael Rieser ersetzt. Das Bild Sandrarts kam in die Allerheiligenkirche in Zwischenbrücken, aus dieser (als es in dem nach totalem Kriegsschaden erforderlich gewordenen kleineren Neubau keinen Platz mehr fand) ins Kunsthistorische Museum und von dort 1951 als Dauerleihgabe zurück ins Schottenstift. Links am Triumphbogen steht der Altar mit dem Bild "Kreuzigung Christi" von Sandrart (1654), rechts am Triumphbogen der Altar mit dem Bild "Abschied der Apostel Petrus und Paulus", ebenfalls von Sandrart (1652). Weitere Altarbilder stammen von Tobias Pock (1651-1655), Joachims (1659), Bachmann (1652) und J. Schmid. Jene von J. Straka und A. Eisenmenger wurden Ende der fünfziger beziehungsweise achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts entfernt und durch die barocken ersetzt.

 Schottenkirche in Wien, September 2022

Die Steinmetzarbeiten wurden dem kaiserlichen Kammerbildhauer und Hofsteinmetz Peter Concorz, Bildhauer auf der Freyung, übertragen. Dazu kaufte er einen Steinbruch in Kaisersteinbruch, laut Vertrag mit Abt Michael II. Schnabel vom Stift Heiligenkreuz. 1651 errichtete der Hofsteinmetzmeister Bartholomäus Khöll das Hauptportal der Turmfassade. Für die Nische schuf der Bildhauer Tobias Kracker die Statue Maria mit Kind.

Von 1883 bis 1887 ließ Abt Ernest Hauswirth die Kirche restaurieren und teilweise umgestalten. Bis auf Benediktus- und Gregoriusaltar wurden die barocken Altäre durch Altäre im Neorenaissance- und Neobarockstil ersetzt. Es entstanden ein neuer Hochaltar nach Entwürfen von Heinrich Ferstel (fertiggestellt von Max Haas[3]) mit einem Mosaik von Michael Rieser und neue Deckengemälde von Julius Schmid. Der Stifter Heinrich Jasomirgott, der im Laufe der Jahrhunderte einige Male umgebettet worden war, erhielt 1901 in der Krypta der Schottenkirche einen neoromanischen Sarkophag als bislang letzte Ruhestätte.

 Schottenkirche in Wien, September 2022

Beim Blick durch das Gitter lässt sich die barocke Pracht der Kirche gut erkennen. Die Deckenbilder setzen sich aus reichhaltigen Goldornamenten und stimmungsvollen Szenen zusammen. Links und rechts des Triumphbogens stehen Altäre mit Gemälden von Sandrart, die die Kreuzigung Christi und den Abschied der Apostel Petrus und Paulus darstellen. Weitere Seitenaltäre zeigen Szenen wie die Himmelfahrt Mariens und das Martyrium des heiligen Sebastian. In der Krypta unter dem Altarraum befinden sich monumentale Grabstätten aus Salzburger Marmor. Dort ruhen die Gründerfamilie des Klosters sowie der Feldherr Ernst Rüdiger Starhemberg.

Die Deckengemälde stammen von Julius Schmid (1887/1888) und behandeln im Langhaus die Gründung des Klosters, die Anbetung durch die Hirten, die Beweinung Christi und die Auferstehung Christi, in der Vierung zeigen sie den heiligen Benedikt vor Maria.

 Schottenkirche in Wien, September 2022

Der Barockmaler Joachim von Sandrart schuf für die Schottenkirche die Gemälde des Apostelaltars (1652) und des Kreuzaltars (1654) sowie das neue Hochaltarbild Himmlische Glorie (1671), das sich heute im Prälatensaal des Schottenstiftes befindet. Tobias Pock malte die Altarbilder des Sebastianaltars (1649/1650), des Marienaltars (1651/1655) und des Benediktusaltars (1654) sowie ein erst Ende des 20. Jahrhunderts wieder freigelegtes Fresko des heiligen Wolfgang (um 1655). Das Gemälde des Gregoraltars (1651/1652) stammt von Georg Bachmann, die Tafeln des Annaaltars und des Barbaraaltars (beide 1656/1659) werden Jeronimus Joachims zugeschrieben.

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Grabdenkmal für Leopold Graf Windisch-Graetz († 1746)

 Schottenkirche in Wien, September 2022

Grabdenkmal für Ludovicus Andreas Graf Khevenhüller († 1744), von Jakob Schletterer.

 Schottenkirche in Wien, September 2022

Totenschild von Philipp Friedrich Freiherr von Breuner († 1638).

 Schottenkirche in Wien, September 2022

Alle Schottenmönche aus dem Konvent von 1880 sind in der Darstellung der Übergabe der Stiftungsurkunde als Gründungskonvent abgebildet – PR à la Benediktiner.

Die Benediktinerabtei "Unserer Lieben Frau zu den Schotten" in der Wiener Innenstadt wurde von den Babenbergern gegründet: 1155 berief Herzog Heinrich II. Jasomirgott iro-schottische Mönche aus der Regensburger Benediktinerabtei St. Jakob nach Wien. Obwohl der Name Schottenstift eine Verbindung mit Schottland nahe legt, kamen die ersten Mönche vor allem aus Irland.

 Schottenkirche in Wien, September 2022

Das südliche (romanische) Kirchenschiff wurde teilweise 1966-1969 freigelegt. Den linken Querschiffaltar (19. Jahrhundert) schmückt das Bild "Himmelfahrt Maria" von Pock (um 1655). Über dem Tabernakel befand sich die älteste marianische Gnadenstatue Wiens (um 1250), die 1645 wegen der Schwedengefahr vorübergehend in den Stephansdom zur öffentlichen Anbetung gebracht worden war und seit der letzten Restaurierung der Schottenkirche (1994) ihren Platz in der Romanischen Kapelle erhalten hat. Am rechten Querschiffaltar befindet sich ebenfalls ein Gemälde von Pock ("Martyrium des heiligen Sebastian", um 1655), Kanzel (um 1883/1887), Seitenaltar mit Bild "Heiligem Gregor" von Georg Bachmann (1652), Fresko "Heiliger Wolfgang" von Pock (um 1655); letzter Rest der ursprünglich malerischen Ausstattung der Kirche (weitere Reste in den Seitenschiffen und hinter der Orgel wurden bei der Restaurierung 1994 freigelegt). Seitenaltar mit Bild "Martyrium der heiligen Barbara" von Johann Schmidt dem Älteren (1659), Seitenaltar mit Bild "Heilige Anna" von Jeronimus Joachims (1659), Seitenaltar mit Bild "Tod des heiligen Benedikt" von Pock (1654).

 Schottenkirche in Wien, September 2022